Mit Nadel und Faden gegen den Alltag

Es war wirklich anstrengend die letzten Wochen hier. Familie und Alltag erforderten viel Aufmerksamkeit. In solchen Phasen brauche ich dann dringend Auszeiten, in denen ich konzentriert nähen kann. Gut, das ungestört konzentrierte Nähen ist auch eher so eine Illusion, da die Kleinste gerne beim Nähen auf meiner Arbeitsfläche sitzt, Stecknadeln anreicht und mir lange Geschichten erzählt. Die Großen hingegen kommen gerne mal dazu und beklagen sich über Ungerechtigkeiten des anderen Elternteils, des Geschwisters oder des Lebens allgemein. Aber zwischendrin ist es wirklich fein mal wieder mit den Händen zu arbeiten und dabei etwas mehr oder weniger erfolgreich zu erschaffen :) Zunächst habe ich mich an ein Quilttop gemacht, welches schon über ein Jahr rumliegt, da fehlen jetzt aber doch noch Teile, darum gibts das nicht mit Bild.

Während ich auf einer Nähzubehörverkaufswebsite rumsurfte wurde ich auf eine Gratisanleitung aufmerksam, die ich einfach nur toll fand. Dieses hier. Ich bestellte mir die Stoffe (inzwischen sah ich, daß es die meisten benötigten auch beim hiesigen Karstadt gibt) und legte los. Das hat wirklich Spaß gemacht, anstatt zu patchen zu applizieren. Herausgekommen ist das hier: IMG_0143Die Rückseite kann ich leider nicht zeigen, da die Kissenfüllung noch zu groß ist und daher der rückwärtige Hotelverschluß unschön aufspringt.

Unterwegs im Namen der Famillie machte ich in einen Abstecher in einen Buchladen und gewohnheitsmäßig schaute ich kurz in der Handarbeitsabteilung vorbei was es so neues gibt. Ich stolperte über das Buch (in der deutschen Ausgabe) und blätterte ein wenig drin rum. Obwohl ich vor einger Zeit noch das Ansicht war, so einen Quatsch mit Handnähen sei nichts für mich, erschien es mir plötzlich verlockend. Die Lösung des Problems nicht nähen zu können, da entweder unterwegs mit den Kindern oder die Unmöglichkeit sich ins Nähzimmer zurück zu ziehen. So was kleines um Papier genähtes ist schließlich transportabel, geht im Bus, im Auto, auf dem Sofa. Diesen Quilt aus dem Buch fand ich besonders hübsch. Ich recherchierte, besorgte mir das Buch im Original, Material, und fing einfach an.

Die Stoffe die ich verwende sind größenteils Reste von irgendwelchen anderen Projekten oder Reste die mir geschenkt wurden. Ein kleines bischen habe ich dazu gekauft, damit farblich mehr Vielfalt gegeben ist. IMG_0145Das ist mein bisheriger Stand, 13 der ca 134 Einheiten habe ich genäht. Mit der Hand, ich!

Die Vorstufe zu so einer Einheit sieht so aus:IMG_0146Kleine Rauten werden um eine Papier- oder Plastikschablone geheftet, dann erst zu einem halben und dann einem ganzen Stern verbunden. Danach werden die bunten Rauten drumrum genäht. Und wenn ich dann alle Einheiten fertig habe werden diese wiederum aneinander genäht. Faszinierend ist, was die richtige Nadel bzw der Faden für einen Unterschied machen bei der Arbeit. Ich habe nun diverse Nähfäden und -nadeln hier, die ich abwechselnd nutze. Ich bin gespannt wie lange das ganze Projekt dauern wird.

Während ich schon an dem Projekt des unendlichen Quilts saß, stolperte ich über diesen Blogeintrag. Ich lese dort schon lange und habe auch die erwachsene Version des Sherwater Kaftans einige mal dort gesehen, war mir aber nicht sicher ob das was für mich ist, ich das hinbekomme und überhaupt. Daher fand ich den Bericht über die Kinderversion verlockend. Nach kurzer Zeit entschied ich mich auch den Originalstoff zu verwenden, da er gut zu fallen scheint, mir aber Liberty oder Voile zu teuer und zu dünn erschien. Es ist eine sogenannte Double-Gauze, zwei Schichten feiner eher offen gewebter Stoff.

Am Samstag kam der Stoff und am späten Nachmittag als aller familiärer Kram erledigt war fing ich an. Ich habe sogar meine ungeliebte Overlock rausgekramt um die offenen Kanten zu versäubern. Der Kaftan besteht aus wenigen Teilen und ist relativ simpel zu nähen. Die Anleitung ist super, wenn man englische Anleitungen gewohnt ist zu lesen. Ich kam ziemlich weit am Abend, auch wenn ich zwischendrin mit der Großen einen Film schaute. Am Sonntag morgen säumte ich noch die Ärmel und dann war ich schon fertig.

IMG_0142Ich bin recht zufrieden, auch wenn es einige kleine Fehler zu finden gibt, wenn man genau hinschaut. Die Laschen zum Festknöpfen der aufgekrempelten Ärmel habe ich weg gelassen, weil ich keine Lust hatte mich mit meiner Nähmaschine um Knopflöcher zu streiten und weil die Tochter die eh als störend empfindet.

Kaum hatte ich das Bild gemacht, kam die Große auch schon an und probierte ihre neue Tunika.IMG_0138

Wie man sieht ist sie mit dem Ergebnis sehr zufrieden und trug das neue Teil gleich gestern und heute zur Schule.

Und nachdem das nun abgehakt ist widme ich mich wieder dem Zusammenfummeln kleiner Stoffrauten.

Ein Geburtstagskissen

Es ist ja nicht so, daß Geburtstage so unvorhersehbar sind, aber mir fiel erst einen Tag vorher ein, womit ich der lieben Simetra zu ihrem runden Ehrentag eine Freude machen könnte. Und daß ich ihr eine Freude machen wollte, war klar, nur was blieb unklar, bis ich in einem alten Blogbeitrag einen Kommentar von ihr fand, der sich auf das der Hebamme genähte Kissen bezog. Ich überlegte hin und her ob ich das Kissen nochmal nähen wollen würde. Eigentlich kein Problem, aber ich war mir nicht ganz sicher, auch wegen der Stoffauswahl. Dann kam mir eine Anleitung in den Sinn, die ich erst kürzlich gelesen hatte und die ich gerne ausprobieren wollte. Ich fragte nach, überlegte und stellte mögliche Farben zusammen. Das Ergebnis sieht so aus:

IMG_0132Die Anleitung war super gut, einige Kleinigkeiten hätte ich mir deutlicher gewünscht, aber ich kam nach einer Anfangsschwierigkeit gut zurecht. Die Wellen sind  in freier Schneidetechnik mit dem Rotarycutter geschnitten. Es macht richtig Spaß zu sehen, wie das alles zusammen kommt.Nach dem Zusammennähen wird das ganze mit Vlies und einer Rückseite hinterlegt und gequiltet. Ich habe es wie in der Anleitung gemacht und mit dem Obertransportfuß enge Linien den Wellen folgend genäht. Dabei habe ich jeweils Garn gewählt, was zu dem Stoff paßt. Leider hat meine Vorderseite durch das Quilten einiges an Breite verloren, so daß mein vorgesehenes bzw. irgendein Standartinnekissen als Füllung nicht mehr paßte. Ich hab dann die Füllung eines meiner Ikea Innenkissen benutzt und kurzerhand ein eigenes Inlet genäht, damit die Hülle ordentlich ausgefüllt ist.

IMG_0133Für die Rückseite habe ich mich für einen simplen Hotelverschluß aus zwei der verwendeten Stoffe entschieden. Die Autorin der Anleitung hatte ihr Kissen mit einem Reißverschluß genäht. Ich nähe aber zum Einen nicht gerne Reißverschlüsse und zum anderen konnte ich mir schwer vorstellen wie das ordentlich funktionieren soll, an die dreilagige Vorderseite einen Reißverschluß anzunähen. Um die Nähte innen noch etwas zu schützen, habe ich die Außenhülle zum Schluß noch einmal knappkanitig abgesteppt und dann folgte der obligatorische Waschgang um den endgültigen Look zu bekommen und die Haltbarkeit der Nähte zu testen.

Da eine andere Freundin meinte das ganze hat so etwas von einem Hippiekissen, bzw. sieht aus wie aus den Siebzigern, war ich dann doch unsicher ob meine Stoffwahl gefallen würde. Nach der Fertigstellung dauerte es noch etwas bis ich einen Karton hatte und mich aufraffte und alles zur Post brachte. Aber inzwischen ist es angekommen und gefällt. Vorallem dem reizenden Nachwuchs, wie ich auf Beweisfotos feststellen konnte.

 

 

Wie Tag und Nacht

Bei aller Ähnlichkeit sind meine beiden Großen in einigen Punkten unterschiedlich wie Tag und Nacht. Die Große ist die offensichtlich empathische, die, die eher auf andere zugeht und eine, die viel redet. Der Sohn ist eher mit sich beschäftigt, wartet lieber erstmal ab, hat nicht so einen großen Freundeskreis wie die Tochter, redet auch viel, aber nicht so überrollend und seine Empathie ist eher subtil, da er vieles gar nicht ausspricht. Ungeduldig können sie beide, aber die Frustrationsintoleranz des Söhnchens ist wesentlich ausgeprägter als beim Tochterkind.

So steht die Große schon immer gerne im Mittelpunkt, ist bei Aufführungen des Kindergartens, der Musikschule oder der Schule generell immer als erste Freiwillige dabei, ohne Scheu, in der ersten Reihe. Eine 1a Rampensau. Der Sohn hingegen kann sich zwar lautstark bemerkbar machen, steht aber nicht so gerne im Rampenlicht, Musikschule besuchen wollte er nicht und bei Aufführungen von Kita oder Schule ist er zwar dabei, aber eher nur weil alle mitmachen, nicht weil er sich dazu gedrängt fühlt. Nichtsdestotrotz ist der dann trotzdem stolz wenn er aufgeführt hat und legt besonderen Wert darauf, daß die Eltern sich das angeschaut haben.

So führten diese Unterschiede in den letzten Wochen zu einem komplett unterschiedlichen Umgang mit eigentlich dem selben Thema. Via twitter erfuhr ich von einem Casting des Stage Entertainments für ein neues, im November aufzuführendes Musical. Also fragte ich, die eigentlich immer (bis zu meiner Schmerzgrenze) rumsingende, -tanzende, -posierende Tochter, ob sie Lust hätte, an einem solchen Casting teilzunehmen. Sie war sofort Feuer und Flamme. Wir schrieben zusammen eine Bewerbung und sie bekamen relativ schnell die Einladung zu dem Casting Termin. Sie  überlegte sich einen vorzutragenden Song, übte mehr oder weniger ausgiebig, fragte noch eine entsprechende Lehrerin an der Schule nach Tipps und fuhr recht entspannt mit mir zum Termin. Ich gebe zu, ich war aufgeregter als sie. Nicht weil mir wichtig war, daß sie weiter kommt, sondern eher weil ich Sorge hatte man würde sie in ihrem Selbstbewusstsein treffen können. Dann trafen auch noch Kinder ein, die offensichtlich schon die Richtung Unterricht hatte, mit dementsprechenden Eltern. Wohlwissend wurden alle Eltern weg geschickt, während die Kinder gecastet wurden. Die Stunde verging recht zügig und ich holte ein immer noch recht ruhiges Tochterkind ab. Meine Nachfragen wie es war, wurden recht kurz beantwortet, nicht schlecht, aber sie wäre wohl etwas leise gewesen und die anderen hätten deutsch gesungen bzw. Stücke aus dem kommenden Musical (ich frage mich heute noch woher sie die kannten). Viel interessanter fand sie, daß der eine (fast unbemerkt) Junge weinte weil er wohl Schmerzen hatte und dass eines der Mädchen so toll gesungen hatte. Immerhin erfuhr ich noch, daß die Caster sehr nett zu ihnen gewesen waren und sie es ungerecht fand, daß die was zu Essen/Trinken hatten, die Kinder aber nicht. :) Unter Strich, war sie aber stolz teilgenommen zu haben und sich auch sehr bewußt, daß sie durchaus durchgefallen sein konnte. Einige Tage später, früher als angekündigt bekam ich den Anruf mit dem Ergebnis. Mir wurde mitgeteilt, daß die Caster(heißt das eigentlich so) das Tochterkind toll fanden (wie kann man auch nicht;)) und gerne mit ihr weitermachen wollen. Das bedeutet, dass Stage momentan eine Schule für Kinder aufbaut und in dieser werden die teilnehmenden Kinder auf das Musical vorbereitet und das Tochterkind ist dabei. Dies bedeutet zwar nicht, daß sie am Ende auch tatsächlich auf der Bühne stehen wird, aber sowas entscheidet sich eben im Laufe des dann statt findenden Unterrichts. Dreimal darf man raten wer stolz wie Bolle war (Die Tochter und natürlich auch die Eltern) und wer das sofort per WhatsApp seinen Freundinnen, eigentlich der ganzen Klasse mitteilen mußte. Soweit das Tochterkind.

Der Sohn hingegen komplett anders. Meist eher etwas muffelig und pampig unterwegs knallte er mir vor einiger Zeit einen Zettel aufs Sofa. “Da Mama, da war heute ein Chortyp in der Schule, da gabs den Zettel, ich will da aber nicht hin” und er verschwand in sein Zimmer um sich wahrscheinlich dem iPad zu widmen. Ich schaute mir das erstmal nicht so genau an. Da kommen öfter mal Zettel aus der Schule von irgendwelchen Vereinen oder so, die Kinder anwerben wollen. Etwas später warf ich einen Blick drauf, stellte fest, daß sein Name drauf stand, las ein bischen und zitierte den Sohn zu mir, was es denn nun damit auf sich habe. Halb im Vorbeigehen, ganz beiläufig erfuhr ich, daß ein Chorassistent in der Schule war, sich die Jungen angehört hatte und danach auswählte, welche davon er zur Probestunde einlade. Als das Söhnchen schon fast wieder um die Ecke war, sagte er noch, daß er aus seiner Klasse der Einzige war, der eingeladen wurde, daß ihm sein Klassenlehrer das extra nochmal gesagt habe. Waaaaa? Ja mir war schon vor einigen Jahren aufgefallen, daß er ziemlich rasch und fehlerfrei Lieder nachsingen kann, dazu noch mit einer hübschen Stimme, wenn er sie nicht aus Unsicherheit verstellt. Als Mutter findet man aber vieles gut, was die Kinder machen, aber, jetzt von neutraler Seite gesagt zu bekommen, daß mein Sohn so gut ist, daß ein nicht unerheblicher Chor ihn gerne mal dabei hätte machte mich unendlich stolz. Aber der Sohn wäre nicht der Sohn, wenn er das nicht abgelehnt hätte. Da ich aber das musikalische Talent meiner Kinder durchaus kenne und es so bitterschade finde, wenn sie damit nichts anfangen möchten begann ich mit meiner Bestechung Überzeugungsarbeit. Ich erklärtem ihm wie toll das ist und wie stolz ich sei und daß man das Ganze doch mal probieren könne, immerhin sei er zu vier kostenfreien Probestunden eingeladen. Weiterhin führte ich aus, daß das etwas wäre, was er ganz alleine mit mir machen würde, ohne Schwestern, nur exklusive Mamazeit, die er öfter mal zu unpassenden Zeitpunkten einfordert. Das griff alles nicht, also fuhr ich andere Geschosse auf und lockte mit einer Skylanderfigur, die es nach minimaler Teilnahme von zweimal ohne popelnd unbeteiligtes in der Ecke Rumstehen geben würde. Er willigte ein und diese Woche gingen wir also endlich zur Probestunde. Auf dem Weg dorthin Dauergenörgel, daß er doch nicht wolle, daß er lieber für sich alleine singe, daß er Musikunterricht schon in der Schule doof fände und überhaupt. Ich bin der Ansicht, man darf Kinder zu nichts zwingen was sie nicht wollen, zumindest bei Freizeitaktivitäten und andererseits finde ich so eine Chance darf man nicht ungenutzt verstreichen lassen. So stand ich da und überlegte was wir nun tun sollten. Wie so oft waren wir etwas spät dran und lange Zeit blieb nicht. Ich antwortet dann irgendwann resigniert, daß er gerne Umdrehen und nach Hause gehen könne. Das erstaunte ihn so, daß er ganz perplex fragte was ich denn dann tun würde. Ich erklärte ihm, daß ich trotzdem hinfahren und sagen würde, dass er nicht komme. Das war ihm dann fast so peinlich, wie in der ersten Reihe stehen und singen. Im Endeffekt kam er also mit, motzend, aber weniger. Wir kamen also wenige Minuten zu spät, die Chorleiter war schon am Erklären des Ablaufs. Glücklicherweise waren es nur so 10-12 Jungs und der Leiter begrüßte uns sofort, fragte nach dem Namen des Söhnchens und zeigte ihm sofort den Platz wo er sich hinzubegeben habe. Kein Raum für lange Diskussionen. Ich blieb dabei und schaute zu und sah, wie der Sohn mitmachte. Eine andere Wahl hatte er auch nicht, der Chorleiter hat eine sehr ruhige freundliche aber durchaus bestimmte Art mit der er die Rabauken bei kleinsten Auffälligkeiten wieder einfing und zum Mitmachen brachte. Die Lieder die dort gesungen wurden kannte der Sohn zwar nicht, aber ich konnte beobachten wie er versuchte bei allem mitzumachen. Was ihm bei den Spaßliedern, die zur Auflockerung zwischendurch gesungen wurden leichter fiel, als bei den anderen. Aber er machte mit. Ich hatte eher erwartet er würde bockig in der hintersten Ecke stehen und sich das alles etwas mürrisch ansehen und versuchen sich zu verstecken. Durch das vorhandene Setting hatte er dazu keine Chance. Und im Laufe der 45 sah ich ihn eindeutig zweimal lächeln/grinsen und besonders gequält wirkte er nicht.  Die Zeit ging fix vorbei und wir verabschiedeten uns und gingen. Draußen sagte er mir, daß es nur ein bischen doof war und sang mir den Song aus dem Lego Film vor. Wir haben uns inzwischen geeinigt, daß er mindestens nächste Woche nochmal geht. Ich bin gespannt.

Ich muß abschließend noch anmerken, daß Bühnenauftritte bei der Tochter eigentlich nur eine Ausdrucksform ihrer eh schon extrovertierten Persönlichkeit sind, diese unterstreicht. Beim Sohn sehe ich so eine Teilnahme am Chor etwas differenzierter. Ist er zwar was Mathe angeht seiner Schwester überlegen, so ist er ihr verbal und an Präsenz oft etwas unterlegen, was dazu führt, daß er sich oft zurück gesetzt fühlt. Wenn er nun in etwas gefördert wird, was er besonders gut kann, in diesem Fall das Singen und damit auch noch auftritt. Dann wäre das so toll um seinen Selbstwert, sein Selbstvertrauen zu stärken, etwas, das ihm auf ganzer Linie gut tun würde, so daß er in gewissen Bereichen dadurch weniger Notwendigkeit sieht sich eher leicht aggressiv durchzusetzen zu müssen. Wie dem auch sei, stolz bin ich auf Beide, egal ob sie aus den Möglichkeiten nun etwas machen oder nicht und an meiner Liebe zu Ihnen ändert sich sowieso nichts.

Mein erstes Ostpaket

Als Kind verschickte meine Großmutter regelmäßig Pakete in den Osten. Ich hab nur dunkle Erinnerungen daran, aber ich weiß, daß immer Jacobs Krönung drin war und Schokolade. Ich weiß nicht ob es einer der Empfänger war oder ein anderer Kontakt, aber ich bekam über diese Oma zur Konfirmation Briefpapier einer der damals Beschenkten. Ein richtiges Ostpaket war das natürlich nicht.

Gestern hatten wir lieben Besuch aus der Hauptstadt. Und weil das so nette Menschen sind, brachten sie ein Gastgeschenk mit. Blumen fanden sie aber zu langweilig und so kam es, daß wir gestern unser erstes Ostpaket bekommen haben, damit wir die guten Produkte endlich mal schätzen lernen. :)

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Ich muß aber zu unserer Ehrenrettung sagen, daß wir gar keine solchen Banausen sind. Als ehemaliges Zonenrandgebietskind, kam ich schon kurz nach der Wende in den Genuß diverser Produkte. Bautzener Senf (den haben wir heute noch immer hier), Hallorenkugeln und Orwo Filme. Spreewaldgurken gabs hier genau wie diese Knusperflocken auch schon.

Nichtsdestotrotz haben wir uns sehr sehr gefreut. Nicht nur über den Inhalt, sondern auch die kreative Umverpackung und natürlich die Idee. Vielen lieben Dank nochmal lieber Hauptstadtbesuch, Parallelhaushalt.

Tapferes kleines Mädchen

Vor einiger Zeit bemerkte ich bei unserer Kleinsten einen Knubbel am Oberarm. Ich maß dem nicht so viel Bedeutung bei, tippte auf einen Pickel oder einen späten Mückenstich. Ich vergaß den wieder. Vor einigen Wochen jedoch stellte ich fest, dass der Knubbel immer noch da ist. Also machte ich einen Termin beim Kinderarzt, um das abklären zu lassen.

Mein zweiter Satz beim Kinderarzt lautete: “Sagen Sie bitte, dass das kein Tumor ist”, den er mit:”Das ist ein Tumor” beantwortete. Meinem panischen Blick begegnete er in seiner typischen Gelassenheit aber gleich mit dem Zusatz, daß das in der Regel etwas harmloses sei, irgendwas an der Haarwurzel, den schicken Fachbegriff vergaß ich schnell. Zur weiteren Abklärung und Behandlung gingen wir zum Hautarzt. Dort wurde die Diagnose bestätigt und mir auch noch im Fachbuch gezeigt, daß diese Art von Tumor fast immer harmlos sei und wenn nicht, das eher im höheren Alter so sei.

Mein Ansinnen, das Teil sofort unter lokaler Betäubung rauszuschneiden wurde mir sanft aber bestimmt ausgeredet, die Gefahr, dass ein Kleinkind dabei Zappele sei zu hoch. Also machten wir einen Termin zur OP aus, an dem der Knubbel unter Vollnarkose entfernt werden sollte. Ich war so erleichtert, daß es sich um nichts wildes handelt, daß das Thema Vollnarkose mich wenig beunruhigte.

Gestern war es dann soweit. Um 7.00 Uhr sollte die Kleine in der Tageklinik des Krankenhauses sein. Da ich bei sowas eher zur Nervosität neige und damit das Kind wuschig mache, ging der Mann mit ihr los. Währenddessen kümmerte ich mich um die Großen und war damit auch gut abgelenkt. Nachdem diese sauber, mit geputzen Zähnen und gefüllten Brotdosen das Haus verlassen hatten kam schon die Nachricht des Mannes, daß die Kleine im OP sei. Schon vorher hatte ich kurze Zustandsberichte per SMS erhalten, war dann aber doch überrascht, wie schnell das alles ging. Sehr anrührig fand ich die Mitteilung, daß die Anästhesistin und die OP-Schwester dem Kind zum Einschlafen ein Schlaflied sangen und die Händchen hielten. Überhaupt waren laut Mann alle sehr nett und bemüht.

Da ich um 10.00 einen Termin hatte, hatte ich im Vorfeld gesagt, daß ich die Beiden danach dort abholen wollte. Da nun alles aber viel schneller ging als gedacht und ich daheim doch eher unruhig war, beschloß ich vor meinem Termin zu den Beiden zu fahren, was ich dann auch tat. Kaum unterwegs kam schon die Nachricht vom Mann, daß das Kind nun wach und gnaddelig sei, aber bis zu meiner Ankunft hatte sie sich wieder beruhigt und ich leistete ihr und ihm Gesellschaft bis sie entlassen wurden. Beim Entlassungsgespräch wurde uns noch mitgeteilt wie toll die Kleinste das alles mitgemacht hat. Wir kamen den Entlassungszettel, auf dem unter Anderem folgendes vermerkt war.

IMG_0165Mein Mädchen, hach.

Ich ging dann zu meinem Termin und anschließend Besorgungen machen. Die Babytochter war schon auf der Rückfahrt vom Krankenhaus in der Karre eingepennt. Es ist ja nicht so, daß mich das kalt läßt wenn man an einem meiner Kinder rumschnippelt. So kam es daß ich auf meiner Tour am Plüschwarengeschäft vorbei kam und unbedingt noch eine Kleinigkeit erwerben mußte. Ob das nun mehr für das Mutterherz oder doch nur zur Aufmunterung der Kleinen war kann dahin gestellt bleiben. Zumindest kehrte ich mit dem folgenden Gesellen nach Hause zurück.

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Der Rest des Tages war unauffällig, mit meiner Heimkehr erwachte die Prinzessin und schlief auch erst Abends wieder. Da sie soweit fit ist und die Ärztin das OK gab, ist sie heute auch wieder in der KiTa. Morgen gehts zum Verbandswechsel und dann sollte die Sache durchgestanden sein. Das entnommene Gewebe wurde eingeschickt, aber die Ärztin meinte schon bei der Entlassung, daß alles harmlos aussah. Ich bin nun froh, daß das durch ist und stolz, auf mein tapferes kleines Mädchen.

Ein Hase und eine Decke

Der Vollständigkeit halber zeig ich mal grad, was ich so um Ostern rum fertig gestellt habe. Mein Schwager und seine Frau erwarteten Nachwuchs. Mit Verkündung der Schwangerschaft stellte ich die Beiden vor die Wahl ob sie einen Quilt oder eine Strickdecke zur Geburt haben wollten. Sie entschieden sich für eine gestrickte Babydecke und nach dem wir uns auf eine Farbe einigen konnte, legte ich los. Gerade rechtzeitig am Tag der Geburt wurde das gute Stück fertig. IMG_8823 Ich bekomme gerade nicht mehr zusammen welches Garn ich verwendet habe. Aber die Anleitung ist das Prairie Blanket, welches ich schonmal für Joris strickte. Nadelstärke diesmal meine ich 3,75. Interessanterweise ging die Strickerei flotter von der Hand, was eventuell am Garn lag, ein reines Merinogarn. Laut heutiger Post ist die Decke täglich in Gebrauch. :) Als sich zu Ostern mein Bruder mit Familie ankündigte, hatte ich die Idee den beiden Nichten ein Häschen zu nähen. Ich hatte auch noch geeigneten Stoff da, irgendwelche Fleecestoffe, die ich aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen angeschafft hatte. So setzte ich mich Karfreitag hin und fluchte nach kurzer Zeit, denn dieses fisselige mit diesen eher rutschigen Stoffen machte mich irre. Also keine Hasen. Da der eine aber nun schon angefangen war, riß ich mich Ostermontag zusammen und fummelte das Vieh zusammen. Kaum fertig entriss es mir die Kleinste und schleppte es fort. IMG_0127Ich hatte extra Pellets besorgt um den Hasen zu stopfen, damit er auch sitzen kann. Da ich aber die weichen gekauft habe funktioniert das dann halt doch nicht. IMG_0128Man beachte das puschelige Schwänzchen in Kontrastfarbe. Die Babytochter hat das Häschen übrigens Pups getauft. Dies mag daran liegen, daß eines ihrer momentanen Lieblingsbücher Pipikack ist und da sagt der Hase am Ende “PUPS”.  Anleitung über Sew Mama Sew, Stoffe, wie gesagt, aus dem Fundus. Als Füllung eine Mischung aus weichen Pellets von Glorex und dem Inner Kissen von Ikea.

Von Seelenorten und Familie

Ich war siebzehn als die Eltern meiner Freundin vorschlugen, daß ich sie in den Herbstferien auf diese Insel begleiten sollte. Ich war noch nie da gewesen, aber einen Urlaub mit meiner Freundin und ihrer Familie am Meer klang verlockend. So kam der Tag an dem ich meine Habseligkeiten in einen der zwei Wagen der Freundinfamilie verlud und wir losfuhren. Was für mich neu und aufregend, war für alle Anderen quasi Routine, denn die Familie verbachte seid Jahren diverse Urlaube dort, dank des großväterlichen Hauses. Der erste überwältigende Moment war, als wir auf der Fähre uns auf dem Oberdeck versammelten. Ich erinnere, daß es schon langsam dunkel wurde und meine Freundin und ich im jugendlichen Übermut Tanzschritte aus der damals besuchten Tanzschule übten. Teenager halt :) Es folgte eine wunderschöne Woche in der ich das Familienleben genoß, wunderbar aß, viel am Strand und auch auf dem Friedhof rumhing. Wir hörten bei Dorfspaziergängen Musik mit einem geteilten Walkman Kopfhörer und hatten eine großartige Zeit. Nach einer guten Woche war die Zeit um, wir packten unsere Sachen wieder ein und fuhren heimwärts. Einen Teil meines Herzens ließ ich jedoch zurück. Ich hatte meinen Seelenort gefunden. Der Ort an dem ich noch einige Male mit meiner Freundin zurück kehren sollte, bei Liebeskummer, einfach so im Sommer, nach dem Abitur und das letzte Mal gemeinsam nach dem Examen. Es war immer unser Ort zum Auftanken, zum Herz wieder flicken, der männerfreie Ort (zumindest den heimatlichen, denn lustige Begebenheiten hatten wir durchaus mit anwesenden), der Rückzugspunkt.

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Natürlich wurden wir älter, hatten feste Partner, heirateten, bekamen Kinder. Mein Freundin nahm ihre Männer und später ihren Ehemann und die Kinder regelmäßig mit dorthin. Ich konnte mich immer noch nicht so ganz damit anfreunden diese Insel zu teilen, mit einem Mann, mit einem Mann der vielleicht nicht in meinem Leben bleiben würde.  Trotzdem nahm ich einges Tages den Gatten, damals noch Freund für einen Tagesausflug mit hinüber. Später auch den besten Freund und den dann doch Gatten ein weiteres Mal. Aber dort Urlauben mit Familie, war irgendwie unvorstellbar. Mein Insel, mein Rückzug, mein Seelenort.

Nun wurden uns sehr kurzfristig die diesjährigen Frühjahrsferien bewußt und wir versuchten auf die Schnelle noch einen Kurzurlaub für uns und den Hund zu finden. Drei Kinder und Hund sind aber entweder finanziell oder überhaupt ein kleines Problem bei der Suche. Auf lustige Wege kam es dann, daß uns eine Wohnung auf meiner Insel für den gewünschten Zeitraum, auch mit Hund, und bezahlbar angeboten wurde. Wir überlegten nicht all zu lang und buchten. Ich wurde aufgeregt, freute mich und sehnte die kurze Auszeit dabei, ich war so lange nicht da und wer Familie hat, muß die Familie auch mitnehmen. :) Wir hatten alle nach einigen sehr anstrengenden Wochen dringend Abstand zum Alltag nötig. Bei der Ankunft standen mit die Tränen in den Augen, unzählige Erinnerungen von Ankunft und Abschied, von abgeholt werden, alleine ankommen, gemeinsamen Abfahrten in verschiedenen Personenkonstellationen, Fragmente aus verschiedenen Lebensphasen rotierten vor meinen Augen. Vorallem Erinnerungen an viele glückliche, entspannte Momente. Und dann kam ich auch schon wieder im hier und jetzt an. Fielen früher alle Sorgen mit Betreten des Oberdecks und dem Anblick des Meeres von mir ab, war ich diesmal panisch damit beschäftigt darauf zu achten, daß keines der Kinder über die Reling fiel. Im Auto auf dem Weg zur Unterkunft wurde sich auf der Rückbank gestritten, wahlweise gequengelt. Das war dann doch ein bischen anders als sonst. Das war der Auftakt zu dem Unterschied zu früher. Lief ich früher mit oder ohne Musik alleine am Spülsaum, saß ich entspannt mit der Freundin im Strandkorb, ging ich abends mit ihr in die Kneipe, blieb diesmal, dank Krankheit des Mannes, das ständige Regulieren der Kinder, das Haushalten in der Wohnung und sehr wenig Luft für Auszeit. Das war erstmal recht enttäuschend, andererseits ist das halt so mit Familie, auch wenn ich es mir anders gewünscht habe. Das soll nicht bedeuten, daß ich bereue meiner Familie gesammelt meinen Lieblingsort gezeigt zu haben, aber mit ihnen ist es eben einfach anders. Ich kümmere mich gerne um die Kinder und mache etwas mit ihnen, aber der Dauerbespaßungsanspruch der Kinder ist im Urlaub etwas anstrengend. Immerhin zum Ende der Tage konnte die großen Streithähne alleine an den Strand gehen, auch wenn das bedeutete, daß sie klatschnass zurück kamen.

Die Insel ist auch weiterhin mein Seelenort und ich werde auch die Familie wieder mitnehmen (so sie denn mag), aber ich werde mir vorher klar machen, daß momentan ein solcher Rückzug und eine solche Auszeit wie vor der Familie mit ihnen dort nicht möglich ist. Familienzeit hat auch etwas schönes, aber wenn ich nochmal ganz zur Ruhe kommen will, dann fahre ich ohne sie.

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