Lotta – Ich hab da mal was ausprobiert

Seit ich mich erinnern kann muß ich mit meinen Händen immer mal wieder was neues ausprobieren. Das war schon als Kind so und hat sich auch jetzt nicht geändert. Meistens will ich einfach wissen ob ich das hinbekomme und ob es mir Spaß macht. So versuche ich mich auch mal an ungewohntenProjekten.

Schon länger fiel mein Augenmerk immer mal wieder auf selbst genähte Puppen nach Waldorf Art. Was ich bisher davon sah, fand ich teilweise doof, teilweise hübsch aber irgendwie zu kompliziert für mich. Ich war einfach der Ansicht mit diesem größtenteils ohne Maschine zu nähendem Kram nicht zurecht zu kommen. Zumindest nicht so, daß ich mit dem Ergebnis zufrieden bin.

Es ließ mich aber nicht los und nachdem ich mitbekam, daß Mariengold eine ausführliche Anleitung und ein Materialpaket verkauft, dachte ich mir, ich kann es ja einfach mal ausprobieren und wenn es nichts wird, dann sag ich es keinem.

Also wurde die Anleitung bestellt, die netterweise als PDF Ebook versendet wird, was so ungeduldigen Menschen wie mir sehr entgegen kommt. Ich studierte die Anleitung vorwärts und rückwärts und beschloß, daß ich es wirklich mal probieren kann und bestellte das Materialset für die Puppe Mitzi.

Dank des unwilligen DHL Zustellers (andere Geschichte) dauerte es länger als vorgesehen, aber letzte Woche Montag war mein Material dann endlich hier. Die Familie vernachlässigend zog ich mich zurück und versank vollständig in der Herstellung des Kopfes und des Körpers. Mir war klar, daß wenn ich den Kopf nicht so hinbekam, daß er mir gefällt würde alles in die Ecke fliegen und das wollte ich nicht riskieren.

IMG_7731Erstmal den Mullschlauch zurechtlegen und abbinden. Das war einfach.

Dann kam das wickeln des Kopfes aus Schafwolle im Band. Man sollte möglichst lange Stränge wickeln und das möglichst fest. Natürlich riß mir der Strang mehrfach, aber irgendwie bekam ich dann eine Kugel hin, die relativ gleichmäßig rund war und ich stopfte sie in den Mullschlauch und band ihn zu.

IMG_7732Dann folgte das Abbinden, was ich ziemlich genau nahm, damit der Kopf auch die von mir gewünschten Proportionen hat.

IMG_1237So, ungefähr, man sieht noch das Band, welches am Hinterkopf langläuft, das wurde später noch runtergeschoben.

Dann kam das Beziehen mit dem Puppentrikot, welches vorher in Kopfform zusammengenäht wurde und nach dem Beziehen oben auf dem Kopf händisch festgenäht wird.

IMG_7735Ich hab ziemlich lange gefummelt, damit die Faltenlegung da oben gleichmäßig und nicht zu auffällig wird und dann alles angenäht. Obwohl ich ungern mit der Hand nähe, da ich finde, daß ich das nie ordentlich hinbekomme, war ich mit dem Zwischenergebnis zufrieden.

Natürlich macht ein Kopf noch keine Puppe und darum ging es dann an das Nähen des Körpers und entgegen meiner Abneigung elastische Stoffe zu nähen funktionierte auch das recht gut.

IMG_7736Die gestopften Arme der Körperform und die angenähten gestopften Arme. Die Naht oberhalb der Beine sieht krummer aus als sie ist, aber natürlich ist sie mir nicht gerade genug.

IMG_1238Ausgiebiges Gefluche, Gemotze, Gestopfe, Fingerbrechen und so später hatte ich dann den Kopf an dem Körper befestigt und alles ausgestopft.

Auch wenn es für mein überkritisches Auge eines zu motzen gab, war ich soweit zufrieden, sprich es flog nichts in die Ecke und ich begann die Perücke zu häkeln.

Meine Fresse, Mohair eng zu Häkeln ist auch eher etwas für sehr geduldige Menschen. Aber ich riß mich zusammen, machte und tat, trennte ein bischen, machte weiter, wechselte die Beleuchtung und irgendwann konnte ich vermelden, Perückengrundlage fertig.

IMG_1244Hier im aufgesteckten Zustand noch nicht angenäht. Zwischenzeitlich hatte ich mich trotz großem Respekt an das Aufsticken des Gesichts gewagt und war, oh Wunder, damit auch zufrieden.

Es folgten das Annähen der Perrücke, das Einknüpfen der Haare, das wieder Raustrennen der Haare, das Erneute Einknüpfen etc. pp. Was ich aber auch versuchte, mir reichte das Garn nicht und so mußte die Puppe eine Zwangspause einlegen bis ich neues Garn erhielt.

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Die Pause nutzte ich um die Bekleidung zu nähen, an der Unterwäsche wäre ich beinah gescheitert, habe aber dann alles gegeben und sie hat nun Unterwäsche die zusammengenäht und versäubert ist, mir aber von der Ausführung nicht besonders gefällt. Es gab dann noch eine Tunika und eine Bluse, auch Anleitungen von Mariengold. Die gelangen mir zwar auch nicht zur vollen Zufriedenheit, aber gut genug um sie zu lassen.

Und so wurde nach dem Einknüpfen der letzten Haare, dem Versuch einer Frisur und dem Röten der Wangen aus einem Haufen Stoff und Schafwolle eine richtige Puppe.

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Guckt mal, das Gesicht ist wirklich so geworden, daß ich es angucken mag und das will was heißen, denn bei Puppengesichtern bin ich dermaßen krüsch.

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Die große Tochter hat bestimmt, daß diese Puppe den Namen Lotta tragen muß. Ich hatte die Puppe eigentlich für die Kleinste hier gedacht, bin aber noch nicht schlüssig ob sie meine bleibt.

Als Fazit kann ich sagen, daß es unglaublich Spaß gemacht hat, daß die Anleitung sehr gut war, nur an wenigen Stellen war ich unsicher wie etwas gemeint ist oder am Besten handwerklich umzusetzen ist. Maria, die die Anleitung schrieb, war aber so nett und beantwortet Fragen per Email prombt und ausführlich. (Danke) Meine Ausführung ist mir (jaja!) mal wieder nicht ordentlich genug und ich sehe überall kleinere Fehler, aber das schluck ich jetzt mal. Dumm war es denn Aqua Trickmarker zu benutzen, denn an den Nähten sieht man den schön blau durch. Ich sollte also nochmal mit Wasser nacharbeiten, damit das verschwindet.

Jetzt wollen die Großen bitte sofort auch eine solche Puppe und ich warte mal wieder auf Materiallieferungen.

Happy Birthday

IMG_7728to me :)

Die Blumen sind vom Mann, den habe ich heute zu einem mir bisher unbekannten Blumenladen geschleift und dann brav draußen gewartet bis er die Blumen erstanden hat. Ansonsten ein relativ ereignisloser Tag, ein bischen grauverhangen, ein bischen sonnig. Kinder mal lieb mal nervig  Geschenke gab es auch und ganz viele online und offline Glückwünsche <3.

Ein Jahr mehr.

 

Auf eigenen Füßen

Daß die Kleinste schon länger läuft ist dem ein oder anderen bekannt. Da sie aber inzwischen Schuhe besitzt, der Schnee geschmolzen ist und der Regen aufgehört hat, haben wir die Freiluft-Lauf-Saison für eröffnet erklärt. Saison ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort, denn bisher lief sie nur drinnen.

So kam es, daß wir vorgestern zum Abendbrot nochmal schnell zum Bioladen wollten und beschlossen, daß sie die kurze Strecke ja auch laufen kann. Also Schuhe angezogen, runter und laufen lassen. War das aufregend, sie war nur am strahlen und so was von stolz.

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Nach einem kurzen Rundgang gestern sind wir dann heute nur mit dem Buggy (statt Kinderwagen) los und ließen sie auf einem unbefahrenen Platz ordentlich das Leben auf eigenen Füßen außerhalb der Wohnung erkunden.

Wir Eltern waren nach gefühlten zwei Sekunden absolut nicht mehr interessant, eher was dort auf dem Platz passierte. Andere Kinder, auf ihren Beinen, auf Fahrrädern oder Skateboards und natürlich der große Bruder mittendrin.

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Natürlich blieb es nicht beim Gucken, denn so ein Platz muß ja auf eigenen Füßen erobert werden.

IMG_7724Immerhin kam sie doch irgendwann zu uns zurück und mit nach Hause.

 

Wenn ich einmal groß bin

Mit acht wollte ich wenn ich groß bin heiraten und dann Kinder bekommen. Später kam dazu, selber zu entscheiden was ich anziehe, wie und ob ich mich schminke, welche Farbe meine Haare haben, ob meine Hosen heile oder durchlöchert sind, wann ich ausgehe und wann ich wieder komme, wen ich liebe und wie, wohin ich ausgehe, mit wem, was ich trinke und wieviel.

Dann wollte ich wenn ich groß bin studieren, in meinem Beruf arbeiten, entscheiden mit wem ich meinen Körper teile, entscheiden ob das nur kurz oder länger dauert, wollte erfolgreich werden, wollte Vorsitzende des BVerfG werden, dann doch lieber nicht, Nächte durchmachen, immer noch gerne Kinder bekommen, heiraten nicht zwangsläufig und meine eigene Wohnung haben.

Wenn ich groß bin wollte ich meine eigene Kitchen Aid haben.

Jetzt habe ich Kinder, hab so einiges auf der Liste selbstbestimmt erlebt, manches nicht, manches mehrfach, bin verheiratet, habe studiert, habe nicht alleine in einer eigenen Wohnung gewohnt, teile diese inzwischen mit vier Menschen. Ich habe die Verantwortung nicht nur für mich, sondern auch für drei Kinder, aber eine Frage ist geblieben.

Wann kommt dieses Gefühl, daß ich jetzt groß bin. Wann fühlt es sich so an, wie sich immer die Erwachsenen in meiner Kindheit angefühlt haben. Souverän, zufrieden, fast immer eine Antwort auf die Situation habend, annehmen was da ist, nicht hadernd mit dem was nicht da ist und irgendwie fest im Sattel? Bin ich emotional irgendwo zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreißig hängen geblieben oder waren die damals gar nicht so wie es aussah? Haben die das gut vor uns verborgen? Die alberne, die sehnsuchtsvolle, die unsicheren und die suchende Seite?

 

Das Sauerteiexperiment

Wie ich berichtete, habe ich von unserem London Aufenthalt ein Brotbackbuch mitgebracht. Nachdem die bisherigen Versuche die Rezepte nachzubacken alle recht erfolgreich waren, dachte ich, kann ich mich an das Sauerteigrezept wagen. Sauerteig scheint ja beim Brotbacken sowas wie der heilige Gral zu sein, zumindest wenn man einschlägige Seiten in diesem Internetz liest.

Lange Rede kurzer Sinn, vor einer Woche machte ich mich dran mir meinen eigenen Sauerteigansatz zu ziehen. Dieser bestand aus 550er Weizenmehl, etwas Dinkelmehl, Honig und Wasser. Er tat auch brav was ich wollte, schlug Blasen, wurde innen schaumig etc. pp. Ich fütterte ihn nach Plan, bewegte ihn und schaute regelmäßig nach seinem Wohlbefinden. Nach zwei Phasen der Betüddelung trockenete ich einen Teil des Ganzen zu Granulat für einen späteren neuen Ansatz.

Am Ende der vierten Phase war der Sauerteig reif um zu Brot verbacken zu werden. Ich hatte ihn wie vorgeschrieben gut zwei Tage im Kühlschrank vor sich hin arbeiten lassen. Leider sah er unter der gebildeten haut nicht ganz so luftig aus wie im Buch, aber da ich nunmal dabei war beschloß ich trotzdem mit der Hälfte den Brotteig wie geplant anzumischen. Also gab ich weiteres Weizen- und Dinkelmehl hinzu. Außerdem natürlich mehr Wasser und dann versuchte ich aus der matschigen Masse sowas wie einen bindenden Teig zu erhalten. Das klappte halbwegs. Dieser kam in zwei Körbchen, mal wieder die Osterkörbchen der Kinder und durfte in kühler Umgebung außerhalb des Kühlschranks noch mal 17 Stunden ca. gehen. Besonders aufgegangen fand ich ihn dann nicht, hatte aber keine Geduld mehr und an dem Tag rasende Kopfschmerzen und wollte den weg verarbeitet haben.

Der Ofen mit dem neu erworbenen Pizzastein wurde aufgeheizt, die zwei Laibe hineingeschoben und ausgebacken. Dies erfolgte mit absteigender Temperatur. Am Ende der Backzeit fand ich die Brote noch etwas hell und gab ihnen sowas wie eine Nachspielzeit (stand auch so im Buch). Danach ließ ich sie auskühlen und zog mich schmerzgeplagt ins Bett zurück.

Der heimkehrende Gatte brachte mir später ein Stück von dem Brot ans Bett, aber wegen akuter Übelkeit verweigerte ich die Verkostung. Als es mir dann besser ging nahm ich das aufgeschnittene Brot in Augenschein. Es roch ganz gut, hatte aber einen großen Hohlraum unterhalb der Kruste und auch die Krume gefiel mir nicht besonders. Immerhin war es geschmacklich okay und hatte den Sauerteiggeruch fast verloren. Während des Teigpflegens ging der mir nämlich irgendwann auf den Keks.

Unter dem Strich bin ich nicht zufrieden mit dem Ergebnis, die Kruste etwas zu hart, das Innenleben unterdurchschnittlich, nicht besonders gut aufgegangen und eigentlich im Inneren auch noch ein wenig klitschig. Da mein Sauerteigansatz nicht schimmelig oder verdorben war, gehe ich davon aus, daß er noch nicht genug Kraft hatte oder ich beim Verarbeiten einen Fehler gemacht habe.

Ich habe noch die Hälfte des Ansatzes im Kühlschrank und werde am Wochenende mit diesem, weitergereiften, einen weiteren Versuch wagen, diesesmal mit dem Rezept für Roggenbrot. Wie Sie sehen, es bleibt spannend.

Und weil jeder in diesem Internetz der mitbekam daß ich einen Sauerteigansatz ziehe fragte, ob ich einen Hermann herstelle, habe ich meinen Ansatz bockig Horst getauft.

Eine Hütte für mich alleine

In den End-Siebzigern, Anfang der Achtziger Jahre, kurz vor der Trennung meiner Eltern fing meine Mutter ihre persönliche Emanzipation an. Immer mehr Frauenliteratur lag bei uns rum. An einige erinnere ich mich und ein Titel ist mir, neben Häutungen, immer im Kopf geblieben. “Eine Hütte für mich alleine”, genau diese Ausgabe lag bei uns zu Hause rum.

Ich denke nicht, daß dieses Buch ursächlich ist für mein Bedürfnis ein eigenes Zimmer zu haben, aber als mein kleines Büro/Nähzimmer neulich umgestaltet wurde, kam mir immer wieder dieser Buchtitel in den Sinn.

Ich habe das Privileg gehabt ab dem Alter von fünf Jahren ein eigenes Zimmer zu haben. Ich bin als ich auszog in ein Studentenwohnheim gezogen und hatte dort meinen eigenen Raum, ich bin nach knapp sieben Jahren in das Wohnheim des Mannes gezogen und hatte dort auch meinen eigenen Raum. Als wir danach die erste gemeinsame Wohnung bezogen bestand ich auch dort auf mein eigenes Reich. Weder kam mir das wie eine reguläre Erwachsenenwohnung vor (nach gut 25 Jahren mit eigenem Zimmer plötzlich keins mehr zu haben kam mir auch seltsam vor), noch konnte ich die Hälfte der Miete bezahlen. Ich wollte das proportional zur Mietzahlung  gerecht aufteilen, er zwei Räume ich einen Raum. Außerdem wußte ich, daß ich zum einen mehr zu Hause arbeiten/lernen werde, zum anderen wollte ich meine Sachen um mich rum haben und sie nicht in seinem Chaos verschwinden lassen. (mein Chaos ist ein ganz anderes und nie so unordentlich wie seins :) )

Irgendwann kam das erste Kind, wir hatten inzwischen ein gemeinsames Schlafzimmer, aber mein Zimmer blieb und ich teilte es mit dem Tochterkind, zumindest ihrem Spielzeug und Wickeltisch. Ein weiteres Kind kündigte sich an und wir zogen aus anderen Gründen in eine neue Wohnung in eine neue Stadt.

Auch in der neuen Wohnung bestand ich auf mein Zimmer. Meinen Ort, meine Sachen, mein Rückzugsort. Interessanterweise nutze ich diesen Raum dann aber kaum, mit dann zwei Kindern war nicht viel Zeit für Rückzug, ich hatte aus Widerwillen gegen den Umzug den Raum kaum eingerichtet und im Grunde standen dann dort nur meine Sachen und ab und an nähte ich dort.

Nach dem Zwischenspiel in der ungeliebten Stadt ging es zurück in die Heimat und wir suchten erneut eine Wohnung, wieder war es mir unglaublich wichtig meine Sachen gebündelt an einem Ort zu haben, mich dort in meine Sachen zurückziehen zu können. Das bitte nicht falsch verstehen, ich habe inzwischen drei Kinder, Familie, ich liebe sie, ich möchte sie nicht missen. Aber genau wie der Beruf des Mannes sich Raum in meinem Leben nimmt, so nehmen die Kinder (und die Familie) noch mehr Raum von mir. Erst in meinem Körper, dann in meinem Leben. Ich bin zu großen Teilen fremdbestimmt, alle Orte um mich herum sind besetzt. Der Mann hat wenigstens immer ein Büro für sein erwachsenes selbst, einen Rückzugsort, wenn auch nicht unbedingt zur Entspannung. Mir bleibt die Wohnung, die aber eben von allen anderen auch genutzt wird. Also kurz gesagt, in der neuen Wohnung reklamierte ich das ehemalige Mädchenzimmer mit seinen knapp sechs Quadratmetern für mich. Inzwischen nähte ich mehr, brauchte einen Platz für die Nähmaschine, für meine Wolle und meine Fotos, Briefe und natürlich auch meine Studienunterlagen, denn bei Einzug stand die Vollendung des Examens noch aus. Und vor das Examen ist nunmal das Lernen angesetzt.

So wurde das Minizimmer mit den Möbeln die irgendwie über waren vollgestellt, eine provisorische nicht besonders große Tischplatte eingebaut und ich nutzte den Raum zum Lernen und später zum Nähen an dem alten Schätzchen, Papierkram machen, während des Minijobs zum Arbeiten oder einfach zum Musik hören. Letztes Jahr dann zog meine neue Nähmaschine ein, für die gab es im Zimmer kein Platz, deswegen lebte sie erstmal auf dem Eßtisch. Im übrigen war mein Stoffvorrat inzwischen gewachsen und belegten die Wohnung, auch dort wo der Platz eigentlich für anderes gebraucht wurde.

Im Herbst bekam ich dann die Idee, daß in das kleine Zimmer mehr Stauraum muß, daß ich eine andere Arbeitsplatte brauche um die Nähmaschine vom Eßtisch zu entfernen und daß der Fußboden sowieso schrecklich ist.

Exemplarisch mal zwei Bilder, die, das muß ich zu meiner Verteidigung sagen, noch während des Ausräumens enstanden, da es sonst nicht ganz so rümppelig war.

IMG_0646Der Blick von der Tür zum Schreibtisch, links das zu tiefe aber zu niedrige alte Regal, rechts an der Wand zwei kleine Billy Regale.

IMG_0642Der Blick durch die Tür auf die gegenüberliegende Wand, die Nähmaschine in ihrem Schränkchen stand immer da, nur die Kisten davor nicht, die wurden nur beim Rumräumen da abgestellt. Man beachte diesen schrecklichen Plastikfußboden.

Ich überlegt also hin und her, hob den Boden an um zu sehen ob vielleicht doch Holz drunter sein, fand aber aber nur eine weitere PVC Schicht. Recherchierte und befand, daß ich einen Linoleum Boden wollte. Um genauer zu sein, nicht einfach irgendeinen, sondern den im Klicksystem zu verlegenden von Meister, die gibt es in so vielen schönen Farben, sind recht einfach einzubringen und haben ein bischen Trittschallkaschierung dabei. Also Muster angefordert, nochmal und nochmal, bis ich mich für eine Farbe entschieden hatte. X-mal versucht das winkelige Zimmer auszumessen, hin und her gerechnet und dann beschlossen, den will ich. Die Entscheidung für das Regal war schwieriger, die Stimme der Vernunft aka DoP schlug Ivar vor, da man es gut anpassen kann. Irgendwie hatte ich trotz aller Vernunft keine rechte Lust das wieder anzuschaffen, nachdem wir unseren Bestand im Zuge diverser Umzüge auf null dezimiert hatten. So wanderte ich durch Möbelläden, suchte im Netz und schaute mir so das ein oder andere System an. Fündig wurde ich dann bei Holzconnection. Mehrere Besuche, wieder hin und her gerechnet. Mit dem Mann gesprochen, Zeichnungen angefertigt, Oberflächen überlegt und keine Lösung gefunden die ich bezahlbar fand. Immerhin hatte ich anfänglich gesagt, dass man mit 500€ doch gut was schaffen könne. Diesen Betrag erreichte ich aber schon fast mit dem Fußboden, wenn ich den kleinen Vorflur mitmachen lassen wollte.

Und dann war da noch die Arbeitsplatte, L-förmig sollte sie werden, damit ich die Nähmaschine da hinstellen kann und trotzdem die Arbeitsfläche frei habe. Ein sehr netter Besuch im Bauhaus war zwar aufschlußreich, aber mit Lieferung, Oberflächenbearbeitung, Fräsen und ähnlichem war die eigentlich günstige Arbeitsplatte gar nicht mehr so günstig.

Im Laufe des Prozesses, nachdem ich wiederholt versuchte den Mann in die Entscheidung mit einzubeziehen und seine Meinung zu bekommen sagte er entnervt, ich solle jetzt mal die Summe X in die Hand nehmen, die Platte und das Regal einheitlich gestalten, sprich von Holzconnection machen lassen und gut sei.

Also berechnete ich neu, entschied nochmal um, besuchte wiederholt den netten Fillialleiter bei HC und traf eine Entscheidung. Gegen Nußbaumanleimer, da die Platte in gleichem Holz zu teuer werden würde und für Buche.

Im Dezember dann der große Tag, ich nahm meine Zeichnungen, die Verkaufsgesprächnotizen und bestellte die Möbel. Im Januar entschied ich, daß der Boden braun wird, auch auf das Risiko hin, daß dadurch der Raum zu dunkel werden könnte, und bestellte diesen auch.

Im Februar war es dann so weit, die Lieferung sollte Mitte des Monats erfolgen. Also suchte ich mir einen Handwerker für die Bodenverlegung und machte den Montagetermin für die Möbel fest. Zeitgleich wollte die Große noch eine Faschingsfeier machen und das Baby seinen ersten Geburtstag feiern. Alles auf einmal ist mal wieder typisch für mich/uns.

Am Abend vor dem Montagetermin für den Fußboden sagte mir der Fußbodenleger ab und war nicht mehr erreichbar, und das obwohl am übernächsten Tag die Möbel kommen sollten, ich die Wohnung mit all dem Kram aus dem Zimmer vollgestellt hatte und überhaupt endlich mal wieder nähen wollte. Irgendwie schaffte ich es dann einen anderen Bodenleger einen Tag später zu bekommen und die Möbelaufbauer sagten dann eh den ursprünglichen Termin ab. Also gab es Freitags Boden und Montags die Möbel. Ich hätte zwar gerne das Wochenende zum Einräumen gehabt, aber nun gut.

IMG_0683 Man erkennt, wie der Raum schon durch den neuen Boden gewann. (Es mußten drei Schichten bzw zwei Schichten alter Boden rausgerissen werden!)

Dann kamen endlich die Möbel und der Raum war nach deren Aufbau plötzlich ein ganz anderer.IMG_0708

Dann folgte das Einrichten, das Zurückschleppen meiner Sachen in das Zimmer, das Aufstellen der Nähmaschine und dank des Rumgenöles der Düsseldorferin das Dekorieren. Zusätzlich hatte meine Mutter in der Woche des Umbaus noch gemeint sie wolle ihren Sesse loswerden, also blieb noch die Überlegung wie der da reinpaßt. Ich hatte im Vorfeld schon gedacht, daß an die Stelle wo die alte Nähmaschine stand eine Sitzgelegenheit hinsollte, damit man da auch mal lesen oder so kann, fand aber bis dato nix passendes.

Lange Rede kurzer Sinn, der meiste Kram ist zurück in dem Raum, es ist ein bischen dekoriert,  vernachlässigen wir mal die Tatsache, daß ein bischen Krempel in der Wohnung rumsteht und schauen lieber wie das Resultat der monatelangen Planungs- und Wartezeit aussieht.

IMG_7670Der Blick von der Tür zu meinem Arbeitsplatz

IMG_7671Der Schenkel der Arbeitsplatte auf dem sonst die Nähmaschine steht, dort unter der Lampe. Die Tüten liegen auf dem Fußhocker vom Sessel auf einem Stapel angefangener Nähsachen.

IMG_7672Der Blick von der Arbeitsplatte zum Regal, die Kartonagen werden noch ausgewechselt, wenn mein Bruder mir endlich welche gebaut hat. Die Stehsammler sind schon neu. Man sieht vielleicht wie die alte Nähmaschine in ihrem Schränkchen nun in das Regal geschoben wird.

IMG_7673Der Blick von der Arbeitsplatte auf die andere Wandseite, den Sessel und die Tür.

IMG_0782Und extra für die Düsseldorferin nochmal die dekorierte Fensteransicht. :)

Auch wenn es in dem Raum gerade etwas kramig ist, ich bin mitten in zwei Projekten, ist er jetzt luftiger und wesentlich ruhiger als vorher, regelrecht gemütlich würde ich sagen. Zumindest so gemütlich, daß plötzlich der Rest der Familie ständig meint sich in diesem Raum aufhalten zu müssen. Der Mann meint das sei jetzt sein Arbeitsplatz wenn er daheim etwas arbeiten muß, die Kinder meinen wechselweise es sei ihr Leseort, Toberaum oder Hausaufgabenplatz, wenn sie nicht eh zu dritt meinen bei mir sein zu müssen wenn ich mich dort zurück ziehe. Ich hab zwar den relativ teuren Umbau damit gerechtfertigt, daß die anderen meinen Raum auch mal nutzen dürfen wenn sie es brauchen, aber das Betonung lag auf mal und meinen.

Aber es ist nunmal so wie es ist und im Grunde zählt nur, daß mir das Endergebnis sehr gut gefällt und die kleinen Baustellen die es noch hat, werden im Laufe der Zeit noch verschwinden.

Wünsche erfüllen – Nähkrams

Letzten Sommer habe ich den Kindern Kissen genäht, den Artikel dazu gibt es hier. Diese Kissen sind dazu gedacht an der Bettseite die Lücke zwischen Gestell und Wand auszupolstern und inzwischen haben die Kinder befunden sie bräuchten noch eins mehr. Als liebende Mutter ist ein Kinderwunsch schon fast Befehl, zumindest wenn es sich um zu Nähendes oder ähnliches geht.

So mit präsentiere ich hier die Modern Bolster Version 2.0IMG_7665Vorderseite

IMG_7666Rückseite.

Das blaue Kissen gehört dem Sohn und ist aus Westfalenstoffen genäht, die ich neulich vom Stoffmarkt Holland mitgebracht habe. Das andere gehört folgerichtig dem Tochterkind und die Stoffe hat sie gemeinsam mit mir bei Frau Tulpe ausgesucht. Das Söhnchenkissen habe ich mit der bewährten Füllung aus den Ikeakissen gefüllt, das Tochterkind hat die Kügelchenfüllung aus dem “alten” Kissen des Söhnchen bekommen, da er auch in dem Vormodell lieber die Ikeakissenfüllung haben wollte. Beide sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Im Oktober 2010 habe ich dem Tochterkind ein Handtäschen genäht. Da ich damals eine Blogpause hatte gibt es das Bild und die Details hier. In letzter Zeit war sie der Ansicht, die Tasche geht nicht mehr, zu klein, zu Hello Kitty, was weiß ich und bat mich ihr eine neue zu nähen. Wir suchten einige Zeit nach einer Anleitung und einigten uns dann auf das Button Flap Purse von Jen Giddens.

Und so sieht meine Umsetzung aus:IMG_7667Die Stoffe haben die Tochter und ich wieder gemeinsam ausgesucht, diesmal im Alsterhaus, es handelt sich ein weiteres mal um Westfalenstoffe.

Eine Innenansicht gibt es auch, da ich aber die Innentasche auf die falsche Seite genäht habe, ohne eben diese im Bild.IMG_7668Die Anleitung war recht simpel, auch wenn ich mir etwas mehr Details/Bilder oder Hinweise gewünscht hätte, wo ich besser vor oder nach dem Nähen bügele oder wie ich gewisse Sachen mache. Mir haben sich die Schritte soweit gut erklärt, frage mich aber wie das bei jemandem ist, der noch nicht soo lange näht.

Das Ergebnis überzeugt die Tochter und sie ist ganz glücklich mit ihrer neuen Tasche, die sie nun auch gerne mit sich rumschleppt.

Als ich vor einiger Zeit beschloß, das fertig genähte Namenskissen unverschämt teuer sind und man das ja wohl selber machen kann, war das erste genähte Exemplar für meine Nichte brüderlicherseits gedacht. Dann mogelte sich das Tochterkind dazwischen und forderte auch eins. Der Mann beschloß, daß alle Nichten gleich sind und auch die anderen eines bekommen müßten. Als wir nun am Wochenende endlich mal den Schwager nebst Familie besuchten um das neue Häuschen zu bewundern, hatte ich am Abend vorher die glorreiche Idee, mal eben schnell noch ein Kissen zu nähen.

Irgendwie habe ich es geschafft und wir konnte beim sonntäglichen Antrittsbesuch die Nichte mit einem Kissen beglücken.IMG_7628Vorderseite

IMG_7629Rückseite

Diesmal habe ich das Kissen ohne Kam Snaps verschlossen dafür aber endlich mal die Klappen beim Hotelverschluß lang genug gemacht, so daß es auch ohne diese hält. Wie immer habe ich die Hülle mit Stoff gefüttert, damit innen keine Nähte offen liegen und die Applikationsstiche geschützt sind. Die blauen Stoffe sind aus der Remix Serie von Anne Kelle für Robert Kaufman, der helle Punktestoff ist ein Tildastoff und das Grün ist ein Kona Cotton Rest.

Und schlußendlich noch ein Sneak Peak woran ich gerade sitze.IMG_7669

Die Idee entstand weil noch einige Reste von des Töchterchens Handtäschchen über waren. Mal sehen wir das fertige Produkt dann aussehen wird.