Caifornia Dreamin – The neverending Quilt

Irgendwann im Spätsommer 2010 stolperte ich über das California Dreamin Schnittmuster für einen Quilt. Es wurde auf der Freespirit Website angeboten. Da diese nun zu Coats gehören, scheint es die Seite mit den freien Mustern so nicht mehr zu geben aber hier ist der link zu der Anleitung (pdf).

Während eines Besuches meiner Mutter bot ich ihr an einen Quilt zu nähen und dieser hier gefiel ihr. Da er im Original aber zu klein als Bettüberwurf ist, beschloß ich zwar der Anleitung zu folgen, aber soviel weiteren Stoff anzunähen bis die gewünschte Größe erreicht war. Da uns die Farb- und Mustergebung gut gefiel bestellte ich die Originalstoffe wie von der Designerin vorgegeben.

Wie das so ist bei einem neuen Projekt steckte ich anfänglich sehr viel Energie und Zeit hinein. Da ein großer Teil mit “paper piecing” genäht wurde, kam ich trotzdem nicht so richtig schnell vorwärts.  Anhand meiner Fotosammlung kann ich noch nachvollziehen, daß ich Anfang 2011 zumindest einen großen Teil des Originals fertig hatte. Dann fing es an mit den Unterbrechungen, der Mann der für einen Freund einen Babyquilt brauchte, die Schwangerschaft mit K3 in der ich irgendwann einfach nicht mehr nähen konnte, diverse andere Projekte, Unlust, Wartezeit auf nachbestellte Stoffe etc. pp. Irgendwann war das Vorderteil fertig, ein bischen trödelte ich dann noch an der zusammengesetzen Rückseite rum. Dann fehlte noch das Quilten. Ich hatte inzwischen eine neue Maschine, aber es war klar, daß ich das riesige Biest von 2,2 x 1,6m nur am Eßtisch und nicht an einem Nachmittag fertig bekommen würde. Irgendwann letztes Jahr raffte ich mich auf und kniete stundenlange auf dem Boden um die drei Schichten des Quilts zu heften. Blieb das Problem des Quiltens. Anfang diesen Jahres traf mich dann die Erkenntnis, dass alles nichts hilft und ich ja mal den Longarm-Quiltservcie des hiesigen Quilthouse ausprobieren könnte. Also schleppte ich alles im Februar dorthin, pulte 30 min alle Nadeln wieder raus und lies das gute Stück dort.

Zwei Wochen später konnte ich ihn abholen und als vor einigen Wochen mal die Familie gesammelt an einem Sonntag mir die Wohnung überließ machte ich mich am Eßtisch breit und nähte das Binding einseitig an. Nur zwei bis drei Tage später nach stundenlangen Nähsessions mit zerstochenen Fingern war es dann nach gut 3,5 Jahren endlich geschafft und mein Mammutprojekt war fertig. Ohne viele weiter Worte präsentiere ich hier nun das Ergebnis.

IMG_8807Die Vorderseite

IMG_8809Die Rückseite, zusammengesetzt aus den Resten

IMG_8812Das Medaillon in der Mitte (erkennt man, dass es zusammengesetzt ist?)

IMG_8811Die Halbkreise, ebenfalls zusammgensetzt, in der inneren Umrandung

IMG_8814Das Binding (meine Briefecken werden immer besser) und ein bischen vom Quilting

Morgen werde ich den Quilt auf den Weg bringen und ich bin gespannt was meine Mutter dazu sagt. (Zwischendrin hatte sie schon die Geduld verloren und gemeint ich solle den Quilt verkaufen wenn er mal fertig wird)

Taschen für die Mädchen

Nachdem die Decke und der Anzug für das Baby meiner Freundin fertig waren, hatte ich außer Großprojekten nicht wirklich was zu Nähen. Da kam der Newsletter von Lillesol und Pelle gerade recht. Dort wurde ein neues Täschchen vorgestellt, welches ich mir ganz gut für die Kleinste vorstellen konnte.

Da kurz nach dem Erscheinen des Newsletters bei uns eine Stoffmesse statt finden sollte, beschloß ich nach dem die Suche nach Material in der Stadt unergiebig war, dort die Stoffe und das Zubehör zu erwerben. Am Stand von Limetrees fand ich ein hübsches Stoffpäckchen. Bei meinem Haus-und Hofladen Glücksmarie passendes Gurtband und Schnallen und bei Handarbeiten Kaiser Magnetverschluß und Reißverschluß (Den ich dann doch nicht nutzte). Klar, ich hätte das also fast alles auch ohne Messe vor Ort kaufen können, aber dazu hätte ich eine Rundreise quer durch Hamburg unternehmen müssen, die mir so erspart blieb. Das Schnittmuster war relativ gut erklärt und üppig bebildert, so daß die Umsetzung kaum Probleme machte. Ich werde jedoch das Gurtband an den Enden wieder auftrennen und Schieber einsetzen, damit der Gurt auf die Körpergröße der Kleinen angepaßt werden kann.

IMG_8657Zu dem unruhigen Stoff fand ich keinen passenden Aufnäher, da aber an der Stelle wo nun der Name prangt der Magnetverschluß verborgen werden mußte, machte ich mir diese Namensapplikation. Ich bin mit dem Ergebnis recht zufrieden und die Lütte ist mächtig stolz ihre eigene Tasche zu haben.

Auf der Stoffmesse hatte ich meine Große dabei, die eifrig mit mir das Angebot begutachtete. Leider war es sehr voll, so daß man gar nicht alles so richtig anschauen konnte, gerade für sie war es schwer. Trotzdem gab es einen Stand  (by Bea) dessen fertige Taschen sie recht hübsch fand. Glücklicherweise wurden dort auch die Schnittmuster verkauft und so nahmen wir dieses und ein Aufbügelbild sowie die Verschlußschnalle mit. Bei einem Aussteller der mir schon bei der Kreativmesse gut gefiel fanden wir hübschen Stoff für das Täschchen. Netterweise wurde uns der Stoff auch als Fat Quarter verkauft, so daß ich nicht viel mehr als das Benötigte mitnehmen konnte. Die Anleitung war relativ simple und mit wenig Text gehalten, aber doch so, daß ich ihr ganz gut folgen konnte und so stellte ich in kurzer Zeit die Tasche fertig.

IMG_8656Auch hier bin ich mit dem Ergebnis recht zufrieden. Die Tasche ist übrigens nicht schief, sondern nur nicht so sehr gut von mir ausgebügelt worden.

 

Serienliebe und Fernsehkonsum

Meine Name ist S. und ich bin ein Serienjunkie.

Wie konnte es nur soweit kommen? Eigentlich begann meine Laufbahn als Seriensüchtling schon in früher Jugend. Wie damals en vogue befand meine Mutter, dass Fernsehen ungesund und daher nur in sehr kontrolliertem Maß für Kinder zu erlauben sei. Also durfte ich, wenn überhaupt nur ausgewähltes Programm schauen. Das waren erstmal nur die Sendung mit der Maus und die Sesamstraße, später Unsere kleine Farm, Timm Thaler, mit Papa zusammen Väter der Klamotte, Western von gestern oder Dick und Doof. Mit der Freundin, deren Eltern etwas mehr Fernsehkonsum gestatteten, schaute quasi heimlich ich in deren Omas Wohnzimmer. Perlen wie Das Haus der Krokodile, Die Vorstadtkrokodile, Das Geheimnis des Siebten Weges oder auch Komm Zurück Lucy. Nicht zu vergessen sind auch Die Märchenbraut und Luzie der Schrecken der Straße.

Zeitgleich habe ich immer viel gelesen, Unmengen, immer und immer wieder. Sich Geschichten erzählen lassen, das war immer meins. Mit zunehmendem Lebensalter kam das Kino dazu. Welch eine Offenbarung, diese riesige Leinwand, die Dunkelheit, der Sound der einen umhüllte, wie man in die Geschichte eingesogen wird, und am Ende des Films erst wieder ausgespuckt wird. Völlig absorbiert vom hier und jetzt. (Ich werde nie so ganz verstehen, wie man das Kino zum Knutschen und mehr nutzen kann :)) So ging ich anfänglich mit den Eltern, später mit Freunden oder auch alleine ins Kino und liebte es so sehr. Nicht nur großes Popcornkino, auch die kleinen feinen Filme, die wo man sich später, nach angemessenem Schweigen durch den Abspann hindurch, im Cafe über alle Feinheiten der Geschichte, der Bilder und der Inszenierung auslassen konnte. Natürlich las ich immer noch, immer noch viel, genauso durchwachsen wie das Kinoprogramm von Schmonzette und Krimi über Sachbuch bis hin zur anspruchsvolleren Literatur, Hauptsache Buchstaben, Hauptsache es interessierte mich auf der einen oder anderen Ebene. Und dann natürlich die Serien, meistens die am Vorabend, ich erinnere mich an Die glückliche Familie, Die Wiecherts, Gegen den Wind, 90210 und Dutzende andere. Immer wieder gerne, irgendwas mit fortlaufender Handlung. Jeder kennt bestimmt diese Frustration wenn eine Folge besonders spannend war und das Fernsehen einen auf die Folge nächste Woche vertröstete. Wie man dem neuen Sendetermin entgegenfieberte und einem nichts und niemand abhalten durfte das dann auch zu schauen. Da waren die ZDF Weihnachtsserien eine erfreuliche Ausnahme, da man dort meist sechs Tage am Stück täglich eine neue Folge bekam.

Fast Forward, inzwischen Studentin, immer noch lesend, immer noch Serien schauend, immer noch gerne ins Kino gehend versuchte mich der Mann (damals noch Freund) von seiner Lieblingsserie Friends, die er in den USA geschaut hatte, zu überzeugen. Im deutschen Fernsehen. Ich setze mich also dazu und versuchte, den Humor zu verstehen. Ich verstand nicht was daran nu so toll sein sollte, es wirkte alles flach und doof. Zufall wollte, dass ein anderer Freund diese Serie auf Video im Original besaß. Da ich eine gute Freundin war, lieh ich mir die Staffel aus, überraschte damit den Mann. Ihm zuliebe schaute ich sie mit. Eine Folge, ständiges Stoppen, Nachfragen, dann mit englischen Untertiteln, weniger Stoppen und dann angefixt. Die Serie war toll, er hatte recht und so hing ich das Wochende bei ihm auf dem Bett und schaute Folge um Folge. Die echte Geburt des Serienfans.
Dabei die Erkenntnis, dass die Inhalte im Original wesentlich besser transportiert werden, deutsche Synchronisation ist immer noch oft furchtbar. Was aber noch besser war/ist, ich konnte gucken und gucken und gucken und war auf keinen Ausstrahlungstermin angewiesen. Nur darauf, dass der Freund die nächste Staffel rechtzeitig wieder auf Video hatte und bereit war sie zu verleihen. (Momentan kreist für dieses Endlosschauen einer Serie der Begriff Binge Watching durchs Netz, aber so neumodische Begriffe waren uns damals nicht bekannt).

Noch weiter vorwärts wurden der Freund, nun Mann und ich Eltern. Das bedeutete, dass Kinobesuche quasi nicht mehr existent waren. Wir wurden zu regelmäßigen Kunden der Videothek und schauten was das Zeug hielt alle Filme mit leichter Verzögerung im heimischen Pantoffelkino mit Baby im Arm oder daneben oder nebenan. Zeitgleich setze sich in der Filmindustrie ein Trend fort, der mir persönlich ziemlich auf die Nüsse geht. Es wurden weniger Filme mit Inhalt, schönen Geschichten, guter Umsetzung gedreht, sondern der Fokus ging in Richtung aufwändige Technik, Superspezialeffekte und lauter, höher, schneller, weiter. Wenig befriedigend sich das anzuschauen, wenig entspannend.

Aufgrund von Schlafmangel und Erschöpfung kam ich kaum noch zum Lesen, die abendliche Konzentration reichte kaum noch, sich auf ein Buch einzulassen, der Wille unterhalten zu werden, war aber immer noch da. Ich kam zurück auf die Serien. Da traf es sich gut, dass mir der Mann, eben diese Serie (Friends), die meine erste im Original war, als DVD Box zu Weihnachten schenkte. Wochenlanges abendliches Unterhaltungsprogramm, unabhängig, selbstbestimmt. Diesen Faktor darf man als Eltern nicht vernachlässigen. Fernsehen, wenn der Sender meint es sei jetzt Sendezeit kann man getrost vergessen. Die wenigsten Kinder schlafen brav und zuverlässig wenn man sich unterhaltungswillig auf die Couch fallen läßt.

Irgendwann ist aber auch so eine DVD Box mit zehn Staffeln zu Ende und es bleibt die Frage was jetzt? Zurück zum Film? Das reicht ja auch nicht, so viele Filme die mich noch interessieren gibt es gar nicht, siehe oben. Zunächst besorgte ich damals eine Serie auf DVD die ich erstmal im TV angefangen hatte und um sie dem Mann nahe zu bringen schaute ich sie mit ihm ebenfalls im Original. (Gilmore Girls). Aber auch die Box war irgendwann zu Ende und wir überlegten wie die abendliche, mediale Unterhaltung zu retten sei. Zu der Zeit begann grad die Möglichkeit sich US-Serien legal/halblegal aus dem Netz zu besorgen und so fingen wir an aktuelle oder fast aktuelle Serien zu schauen.

Ein Grund, warum ich inzwischen Serien den Filmen vorziehe ist, dass die Handlung nicht auf ca.90 min limitiert ist. Bei Serien die ich liebe werden Charaktere, Handlungsstränge entwickelt, es gibt Zeit für unerwartete Wendungen, man kann sich sehr lange auf die Geschichte einlassen. Taucht abends in seine vertraute Geschichtenwelt. So wie in ein gutes Buch. Leider bin ich wenn hier endlich Ruhe ist, mit inzwischen drei Kindern, oft zu müde um mich in ein Buch zu versenken, die Konzentration auf die Buchstaben, mag die Geschichte noch so toll sein, klappt nicht. So ziehe ich mich in mein Bett zurück und schaffe mir im Dunkeln mit Kopfhörern und Bildschirm vor den Augen mein eigenes kleines Kino, versinke in der Geschichtenwelt und blende den Alltag aus. Entspannt mich ungemein.

Dank verschiedener Dienste bin ich fast nicht mehr auf DVDs, Sendetermine, Veröffentlichungsdaten angewiesen. Wenn ich eine Serie entdeckt habe, die nicht brandaktuell ist, kann ich ein, zwei, drei Staffeln weg gucken und wenn ich Glück habe, sind an deren Ende schon neue Folgen verfügbar. Da ich inzwischen so viele Serien schaue kann, ich damit leben nicht mehr von jeder Serie mindestens drei Folgen im Vorrat zu haben. Wenn nicht grad Saisonpause ist, gibt es fast täglich ein bis zwei Folgen für mich zu schauen und spätestens dann schlaf ich beim Schauen ein. (Kann ich auch erst seit ich Kinder habe, konnte früher nie beim Glotzen schlafen, oder es ist das Alter) Auch ein Vorteil des Schauens nach Bedarf, ich kann ja später weiterschauen, bzw. zurück spulen.

Das Thema Serien nach Bedarf zu schauen, entweder via Streamingdienst oder über iTunes wird grad an einigen Orten (sogar in der Tageszeitung) diskutiert (heute grad hierbei Gutjahr) und dabei als Aufhänger genommen sich zu fragen, ob das konventionelle Fernsehen damit dem Tod geweiht ist. Das sehe ich nicht so. Ja das deutsche Fernsehen nervt oft, das Programm ist nicht unbedingt auf mich als Zielgruppe ausgelegt. Gute Sachen kommen selten oder zu unmöglichen Sendezeiten. Meine Ungeduld (und damit bin ich nicht alleine) und die Möglichkeit es anders haben zu können, lassen mich Serien lieber wie genannt als nach Ausstrahlungsplan konsumieren. Trotzdem läuft hier der Fernseher noch oft. Als Begleitmusik, als Programm nebenbei, bei Sendungen die nicht meine volle Aufmerksamkeit brauchen. Serien im Original verstehe ich inzwischen fast fließend, aber ich kann und will wenig nebenbei machen. Zum einen wegen des Kinogefühls, zum anderen weil ich komplett alles andere abschalten will. Zum anderen möchte ich gar nicht immer durch einen fortlaufenden Strang unterhalten werden. Beim Stricken, beim Wäsche falten, beim irgendwas anderes machen, reicht mir ein bischen Infotainment aus dem regulären Programm, Nachrichten, Dokumentationen, all sowas. Ich schaue das gerne, ich mag das. Fernsehen und auch Radio sind für mich immer noch wie Wundertüten. Beim Radio, die Musik, die ich eben nicht bewußt gewählt habe, vielleicht ein Beitrag der meine Aufmerksamkeit fesselt. Beim Fernsehen, das Programm, das zappen, na was bietet ihr mir? Leider im letzteren Fall oft nicht genug, aber doch soviel, daß ich nicht darauf verzichten mag.

Eins darf man, glaube ich, in der ganzen Diskussion nicht vergessen. Das Internet ist kein Neuland, für viele alltäglich. Aber es gibt auch genug Menschen für die es eher noch exotisch ist, für die es nicht normal ist, sich Inhalte zur Unterhaltung aus dem Netz zu ziehen, sei es aus Desinteresse, aus mangelndem Wissen oder fehlenden technischen Möglichkeiten. Ich bezweifele, dass die Generation 60+ sich heute schon ihren Medienkonsum online besorgt. Diese Menschen schalten abends den Fernseher an um sich zu informieren oder unterhalten. Schade ist nur, das es oft scheint, das die Fernsehanstalten meine und jüngere Generationen bei der Gestaltung ihres Programmes vernachlässigt und somit quasi forciert, das wir zur Unterhaltung nach Wunsch abwandern.

Geburtstagskind

IMG_8479Kaum zu glauben, aber wahr, unser kleinster Sonnenschein wurde gestern zwei. Hier noch im Nachthemd beim Geburtstagsfrühstück mit den Eltern.

“Make a wish” im Einsatz

Es macht mich immer und immer wieder sehr glücklich wenn ich auf Fotos sehen, dass die von mir genähten Sachen tatsächlich im Einsatz sind und wertgeschätzt werden und nicht verschämt irgendwo in einer Schrankecke verschwinden. Wobei ich das eigentlich ausschließe, da ich vorher immer frage ob Interesse besteht und meist auch ganz gut einschätzen kann ob der/die Empfänger einen Sinn für Handgemachtes haben. Gestern bekam ich ein Foto von dem kleinen Erdenbürger für den ich den letzten Quilt genäht habe und habe nun die Erlaubnis das Bild mit meiner Leserschaft zu teilen.

DSCF5571 (600x800)Ich finde es steht ihm richtig gut.

Noch ein Kuschelanzug

Eigentlich nähe ich ungern Dinge zweimal. Aber da der Kuschelanzug von der Babytochter so kuschlig war und weil eine Freundin den auch unbedingt wollte, nähte ich ihn ein zweites Mal. Ich habe tatsächlich vergessen von dem zweiten Exemplar ein vorzeigbares und vorallem fertiges Bildchen zu machen. Nunja.

Nach der “Make a wish” Quilt  (Für das von der Freundin erwartete Baby, welches nun auch da ist) fertig war, war mir was das Nähen angeht ein bischen langweilig. Da kam der Newsletter von Purl Bee gerade recht, der als neues freies Projekt einen Babyoverall hatte. Ich fand den ganz hübsch und dachte mir, das zu erwartende Baby könne sowas bestimmt gebrauchen und der sei noch fixer zu Nähen als das Modell aus der Zwergenverpackung. Ich ging somit zum Nähladen des Vertrauens und versuchte geeignetes Material zu finden. Dabei wurde mir der Baumwollfleece gezeigt den ich sie im Angebot haben und ein daraus genähter Overall wie der den ich auch schon zweimal genäht hatte. Bei deren Modell  fielen mir zwei Sachen ins Auge, erstens, hatte man diesmal die Nahtzugaben/Nähte komplett zwischen Jerseyfutter und Außenstoff verborgen und die Einfassung war so ein fancy Strickschrägband. Das fand ich alles so schick, daß ich meine ursprünglichen Pläne und die Abneigung etwas mehrfach zu Nähen über Board warf und mit Material für einen weiteren Kuschelanzug aus dem Laden ging.

Ich schnitt zu, nähte, fluchte, trennte, nähte, bügelte, steckte nähte usw. bis der Anzug fertig war und präsentiere diesen nun ohne weiteres Gewese.

IMG_8465Der Anzug in seiner ganzen Pracht

IMG_8468Der Sternchenjersey als Innenfutter und mein Lable (Ich fand den Jersey so passend zu dem schon verschenkten Quilt)

IMG_8469Der Fleece in der Nahaufnahme inklusive des schicken Schrägbandes.

Anleitung: Kuschelanzug aus der Zwergenverpackung 2 von Farbenmix

Materialien: Baumwollfleece und Sternchenjersey, Kamsnaps sowie das Strickband gekauft bei Glücksmarie

 

Eine Frage des Kompromisses

Als Kind will man immer alles und das sofort. Man lernt im Laufe des älter werdens (schmerzlich), daß das nunmal nicht so läuft. Man lernt, daß es sinnvoller ist und auch zielführend sein kann, wenn man abwägt, aufschiebt, Kompromisse schließt und manchmal auch einfach aufgibt. So wurschtelt man sich durch das eigene Leben und versucht die für sich gangbaren Möglichkeiten zu finden.

Interessant wird es, wenn man das Alter erreicht in dem man einen Partner hat. Nicht, daß die eigenen Entscheidungen zuvor nicht auch andere Menschen betrafen oder Kompromisse denen zuliebe erforderten. Aber die Situation mit einem Menschen mit dem man länger wenn nicht sogar für immer zusammen bleiben möchte ist eine andere. Es geht dann nicht mehr nur um momentane Entscheidungen über das Abendessen oder welchen Kinofilm man gemeinsam sieht. Je mehr die Beziehung wächst und gedeiht und je ernster man diese nimmt, desto lebensentscheidender werden die einzeln oder gemeinsam getroffenen Entscheidungen. In einer idealen Welt wäre es natürlich so, daß immer beide Partner gut mit der Entscheidung leben können, daß niemand zurück stecken muß und die Entscheidungen nicht das ein oder andere Ziel beeinträchtigen.

So nehmen die echten Kompromisse in das Beziehungsgeflecht Einzug. Man entscheidet sich für den Wohnort, eine Wohnung, die Möbel, die Wandfarbe, wo das Schlafzimmer sein wird, ein Auto. Man bespricht welches Arbeitsangebot für beide tragbar ist, sollte sich dieses im Laufe der Beziehung entscheiden. Wieviel Abwesenheit ist machbar, geht eine Wochenendbeziehung oder verzichtet man dem Partner zuliebe auf das Jobangebot. Können beide damit leben, daß der ein oder andere einen Job hat der weit über die üblichen vierzig Stunden hinausgeht. Urlaube werden beschlossen, Meer oder Berge, Süden oder doch lieber nördlich. Gibt dabei einer nach, da kein Konsenz gefunden werden kann, so kann dies im nächsten Urlaub ausgebügelt werden.

Noch interessanter wird es wenn ein weitere Mensch, sprich ein Kind die Beziehung ergänzt. Wer steckt zurück, wer macht Karriere, wer kümmert sich um das Kind, wer verdient das Geld. Wieder ein Kompromiß der gefunden werden muß. Welche Tragweite haben diese Entscheidungen, kann man das auch ausbügeln. Kann das Zurückstecken des einen später wieder aufgefangen werden. Sind Verdiensteinbußen tragbar.  Solange man gewillt ist eine gemeinsame Lösung zu finden, wird es auch eine geben. Für den Moment, die Situation oder auch für immer.

Was ist aber wenn eine Entscheidung die das Leben beider betrifft von einer Person alleine getroffen wird. Was passiert wenn die andere Person diese Entscheidung nicht mittragen will oder kann. Wenn sich nunmal kein Konsens finden läßt. Wenn einer von beiden so dermaßen gegen seine Überzeugen handeln soll oder muß. Wenn man diese Entscheidung nicht mehr reversibel ist, wenn es keinen Kompromiß gibt, kein später?

Wie geht man mit so etwas um, was bleibt da als Lösung. Trennung kann da nur bedingt die Lösung sein, denn man hat ein gemeinsames Leben das auf anderen Ebenen funktioniert, hat Aufgaben zusammen. Erwachsen sein bedeutet auch nicht im Angesicht des Sturms sofort alles hinzuwerfen, sondern weiter zu machen, so lange niemand physisch oder psychisch in Gefahr ist. Also, bedeutet dann erwachsen sein, eine erwachsene Beziehung haben, daß man auf das was einem wichtig ist komplett zu verzichten, weil der andere Teil es nicht mittragen kann und will und ein Kompromiß nicht möglich ist?

Eine Frage auf die ich im Moment keine Antwort finde.