Die Sache mit den Mandeln

Dem ein oder anderen Leser wird nicht entgangen sein, daß ich schwanger war. Wie das mit Schwangeren so ist, haben sie ab und an Gelüste, die quasi sofort oder zumindest gleich erfüllt werden müssen, da ansonsten mindestens die Welt untergeht.

Das letzte Drittel meiner Schwangerschaft war um die Weihnachtszeit. Das bedeutete, in dem Zeitraum in dem in Hamburg diverse Weihnachtsmärkte statt finden. Bin ich sonst schon ein Fan von gebrannten Mandeln, so nahm das im Dezember fast manische Formen an. Kein Innenstadtausflug ohne ein Besuch am Stand meiner Wahl. Jedesmal mußte der gequält lächelden Gatte sich anhören wie gut die dort sind und daß keiner die so lecker macht wie genau dieser Stand. Und überhaupt müsse er mal probieren wie lecker die so warm und frisch seien. Aber wehe er oder die Kinder wagten es sich ungefragt an meiner Tüte zu vergreifen.Ich war in der Lage die große Tüte an einem Abend fast komplett zu inhalieren. Mandeln haben bestimmt irgendeinen Bestandteil der unglaublich wichtig für Schwangere ist.

Man stelle sich vor wie meine Stimmung war, als das neue Jahr begann und somit der Weihnachtsmarkt verschwunden war. Nägel kauen saß ich auf der Couch und fantasierte von gebrannten Mandeln dieses Standes. An einem Tag versuchte ich die, von dem Stand der ganzjährige in der Innenstadt steht, aber auch wenn es sich um die gleiche Familie handelt, waren sie nicht so lecker.

Also googlete ich den Namen des Mandelbrenners und stieß erst auf eine nicht mehr betriebene Website (mit Shop!) und dann auf eine Mobilnummer. Außerdem erfuhr ich, daß diese Familie ein Veteran des Hamburger Doms ist und sehr groß. Nach einigem Zaudern rief ich die Mobilnummer an, denn wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe (Mandeln!) kann ich schwer davon lassen.

Ich erreichte einen freundlichen älteren Herren, der bei meinem etwas wirren Vortrag (Mandeln, jetzt, schwanger, sofort, wo?) lachte und mir dann erzählte, daß ich am Stand seines Sohnes war und sie Mandeln erst wieder zum Frühjahrs-Dom in der Stadt sein würden. Er ließ sich aber meine Nummer geben, da er ab und an Mandeln für Bewohner seines Dorfes brennen würde, und dann könne er welche hierher bringen.

Die Zeit verging, ich hörte erstmal nichts, bekam ein Kind und vergaß die Mandeln.

Letzte Woche saß ich nichtsahnend auf dem Sofa als eine SMS mit folgendem Inhalt eintrudelte:

Hallo Frau X fallst ihr Hunger auf gebrannte Mandeln noch vorhanden ist heute fängt der Dom an und wir stehen mit unserm Geschäft in der Nähe vom Frisbee. Mit freundl. Gruß Familie Y

Ich hatte ein breites Grinsen im Gesicht als ich das las und dann dem Mann weiter leitete, der das genauso süß fand wie ich. Mit seiner charmanten Art wies er jedoch daraufhin, daß ein Dom-Besuch nicht drin liegt, da ich ja noch im Wochenbett sei quasi und mich schonen müsse.

Während ich noch am Planen war wie wir mit Kindern und Kinderwagen einen schnellen Dom Besuch einschieben könnten, kam der Mann nach Hause und klagte bei der Ankunft über seine zu schwere Tasche.

Innerlich mit den Augen rollend ging ich darüber hinweg, da er immer alles in die Tasche stopft, ob er es braucht oder nicht und ich mir den Mund fusselig reden kann über den Sinn und Unsinn des Mitgeschleppten.

Kurz darauf bat er mich ihm etwas abzunehmen und drückte mir dies in die Hand:

Auf dem Rückweg war er kurz zum Dom gegangen um einmal die 500g Dose Mandeln für mich zu kaufen. <3

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2 Antworten zu “Die Sache mit den Mandeln

  1. gerne geschehen. und jetzt werden die Mandeln bitte auch gegessen. :)

  2. das ist aber mal echt süss von deinem mann! schmecken die mandeln noch so gut wie während der schwangerschaft?

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