Archiv der Kategorie: Das Leben und so

2013 – Ein kurzer Abriß

Im Januar hatten der Mann und ich fast kinderfrei. Nach dem Lagerkoller um Weihnachten rum nahmen wir uns mit der Kleinsten eine Auszeit und verbrachten vier Tage in London. Die Großen blieben mit ihrer Oma, die extra angereist war daheim. Am Ende brachten wir von dem Ausflug einen netten Magen/Darm Virus mit, der leider verhinderte, daß die Babytochter und ich an der letzten Pekip Stunde teilnehmen konnten. Glücklicherweise gab es aber noch ein privates Treffen fast aller Teilnehmer später im Monat, so daß wir uns nochmal sahen.

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Im Februar wurde die Kleinste ein Jahr alt, ein Jahr das wie im Handumdrehen umgegangen zu sein schien. Wir feierten mit den Pekipkindern und Müttern und es war ein schöner Tag. Weiterhin durfte ich mir im Februar einen Wunsch erfüllen und mein Minibüro/Arbeitszimmer bekam neuen Fußboden und neue Möbel, so daß es dort nun ordentlicher, strukturierter und viel gemütlicher ist.

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Im März feierten wir die Taufe von der Babytochter. Dazu kamen einige Freunde und Familie von nah und fern, was sehr schön war. Leider sind die meisten unserer Lieben nicht so nah, so daß solche Familienfeiern ein guter Anlaß sind mal (fast) alle einzuladen und zu sehen.

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Im April feierten wir erst den Geburtstag unseres Lieblingssohnes und später dann meinen. Die kleine Tochter begann mit der KiTa, wenn auch zunächst nur nachmittags und lief das erste Mal draußen. Die Große bekam einen Wunsch erfüllt und ging mit mir zur Lesung von Isabel Abedi und sammelte sich ein Autogramm ein. Außerdem teste ich die Rezepte aus dem Brotbackbuch welches wir aus London mitgebracht hatten erfolgreich. Unser Sauerteig namens Horst wurde erschaffen. Da die jüngeren Kinder mal länger schnupfenfrei waren gingen sie samstags regelmäßig zum Schwimmen und Söhnchen machte sein Seepferdchen.

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Im Mai versuchte ich mich an der Herstellung von zwei Waldorfpuppen und Töchterchen ging erneut mit mir zu einer Lesung von Isabel Abedi. Diesmal war auch die Illustratorin der Lola Bücher anwesend und zeichnete der Tochter ein eigenes Bild. Zum Ende hatte das Tochterkind noch die Chance mit Isabel Abedi zu quatschen und erzählte ihr ihre Idee für einen neuen Lola Band. Wir großen kauften uns im Mai nach langer Zeit mal wieder neue Fahrräder, so daß wir, obwohl ohne Auto nun wieder etwas mobiler sind. Die große Tochter bekam auch eins, da ihr altes zu klein geworden war, welches nun der Sohn freudig weiterfährt.

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Im Juni kam die liebe Sirki zu Besuch und wir gingen gemeinsam zum Depeche Mode Konzert. Ein langehegter Traum meinerseits. Da sie die Kartenkaufexpertin ist, hatten wir Karten für die “front of stage” Zone und dadurch ein hautnahes Erlebnis an einem wunderschönen Abend. Der Sohn beendete sein erstes Schuljahr und das Tochterkind gar die letzte Grundschulklasse. Ende Juni ging es auf in den Familienurlaub, etwas was hier nicht so regelmäßig statt findet und darum doppelt wertgeschätzt wird. Zumindest von den Erwachsenen des Haushaltes, die Kinder wollen wie auch daheim eigentlich immer nur bespaßt werden, egal wo.

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Im Juli war noch Urlaub angesagt und in den ersten Tagen des Monats beendeten wir unseren Südfrankreichaufenthalt mit einer Übernachtung in Paris. Dies war ein Wunsch der großen Tochter gewesen. Da ich das letzte Mal als Teenager in Paris war, war es auch für mich aufregend und fast neu. Wir schlugen den Rekord im Speed-Museums-Besuch und verbrachten ca. 45 Minuten im Louvre um die Mona Lisa (Sohnwunsch) und die Venus von Milo (Tochterwunsch) anzuschauen. Nach einer weiteren Übernachtung außerhalb von Paris waren wir endgültig auf dem Heimweg und verbrachten die restlichen Schulferien zu Hause. Mit der Rückkehr in die Heimat kam die Kleinste in die reguläre Vormittagsgruppe in der KiTa und war ab sofort ein sehr glückliches KiTa-Kind. Ansonsten war der Juli geprägt von der Herstellung eines Auftragsquilts, der viel Arbeit und Hirnschmalz forderte.

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Im August wurde der Quilt fertig, pünktlich zur Hochzeit zu der er verschenkt werden sollte. Wir besuchten liebe Freunde in Ratzeburg und meinen Papa und meine Oma in der alten Heimat. Die Schulferien gingen zu Ende und Söhnchen wurde Zweitklässler. Für das Tochterkind begann eine neue Zeit als Gymnasialkind. Ende des Monats feierten wir den zehnten Geburtstag der Großen, was mich sehr wehmütig werden ließ, zehn Jahre Mutter. Trotzdem war es natürlich ein schöner Tag.

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Im September feierte die Tochter ihren Geburtstag mit einigen Freundinnen, diesmal ganz schick, mit Pediküre im Salon, Gesichtsmasken daheim, Tanzwettbewerb und Übernachtung bei uns. Ich nähte ein Kleidungsstück für die Große, was tatsächlich getragen wird und unerwartet verstirbt unsere Katze. Nach kurzer pietätvoller Trauer treffen wir den Entschluß, daß es ohne Haustier doch nicht geht und Julie der Hund zieht Ende September bei uns ein. Weiterhin fing ich im September meine große Zahnsanierung an, die ich schon lange wegen Zahnarztangst vor mir her geschoben hatte.

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Im Oktober riß ich mir im Zusammenspiel mit dem Hund das Band im rechten Knöchel und verbrachte die nächsten Wochen humpelnd mit Schmerzen. Meine Kronen wurden fertig und eingesetzt und die große Behandlungsrunde beim Zahnarzt fand ein Ende. Der Monat war geprägt von Hunde- bzw. Sauberkeitserziehung, Die Kinder hatten schon wieder Ferien und mein iPhone fiel mir aus der Hand und ging kaputt. Wir hatten Besuch von meiner Mutter und die Kleinste lief das erste Mal Laterne. Der Monat endete mit Helloween, welches die großen feierten in dem sie verkleidet um die Häuser zogen.

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Der November war grau und trüb. Der Hund lebte sich immer mehr ein. Ich nähte an dem Adventskalender für die Kleinste. Die Kinder gingen mehr oder weniger lustig zur Schule und Mitte des Monats erfuhr ich, daß meine Oma im Krankenhaus liegt. Eine weitere Woche später kam die niederschmetternde Diagnose, die uns zu einem umgehenden Besuch veranlaßte. Nachdem der Mann, die Kleinste und ich sie noch im Krankenhaus besuchten, verstarb sie kurze Zeit darauf. Trauerfeier, Abschied, Trauer, Vermissen.

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Den ersten Dezember verbrachten wir am Meer, Akkus aufladen und den Mietwagen, den wir zur Beisetzung geliehen hatten noch ausnutzen. Der Wind, die See, die Weite, das tat uns allen gut. Wir buken Plätzchen und angesichts des Verlustes war alles ein wenig grau und weniger vorfreudig als sonst. Die Dekoration erfolgte diesmal eher halbherzig und gebastelt wurde diesmal gar nicht.  Mitte des Monats bekamen wir kurzen aber nicht weniger lieben Besuch aus den USA, was uns alle aufmunterte. Wir besuchten Hagenbeck und ich sah zum ersten Mal das neue Eismeer. Immerhin entschieden wir uns für selbst gemachte Weihnachtskarten, und setzten diese mehr oder weniger gemeinsam um. Es wurde noch mehr gebacken, vorbereitet, Geschenke und Baum erstanden und mit der Ankunft in der Kirche an Heiligabend trat endlich mal etwas Ruhe ein. Unsere Brüder kamen zu Besuch und feierten mit uns. Der letzte Besuch mußte wegen kranker Kinder absagen und als diese genesen waren, war bei uns Seuchenalarm. Nun sind alle wieder gesund, wir guter Dinge und starten zu fünft in den letzten Abend des Jahres.

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Allen meinen Lesern wünsche ich einen guten Rutsch in das neue Jahr und ein gesundes und erfolgreiches 2014

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Ach Oma …

Mitte November erfuhr ich, daß meine Oma ins Krankenhaus gekommen war. Mit fast 94 Jahren ist das immer ein Anlaß sich Sorgen zu machen. Mein Vater und mein Bruder hielten als Informanten zunächst den Ball flach, wobei mein Bruder sogar noch recht optimistisch war. Nach zwei Wochen gab es immer noch keine gefestigte Diagnose, aber ich hatte ein ungutes Gefühl. Das war so arg, daß ich meinen (kleinen)Bruder weinend anrief und meine Ängste ausdrückte, er der bisher sehr besonnen geblieben war, beruhigte mich weiterhin, teilte mir dann aber doch eine Stunde später mit, daß er am nächsten Tag hinfahren und nach dem Rechten sehen werde.

Am nächsten Tag bestätigten sich meine schlimmsten Befürchtungen, Oma war so krank, daß es bis zum endgültigen Abschied nur eine Frage der Zeit sein würde. Man sprach von Wochen, vielleicht noch Monaten. Ich war wie betäubt und der Mann beschloß sofort, daß wir zwei Tage später ins Krankenhaus fahren würden. Wir gingen zwar davon aus, daß sie uns noch ein wenig bleibt, aber in solcher Situation fährt man besser eher als später. So sicher ich war, daß ich baldmöglichst zu meiner Oma wollte, so sehr zögerte ich gleichzeitig. Sie zu sehen, die Krankheit ihr anzusehen, das würde bedeuten ihren Abschied zu sehen, Abschied nehmen zu müssen, der Vergänglichkeit ins Auge blicken zu müssen. Damit kann ich verdammt schwer umgehen, aber es ging vorrangig nicht um mich und meinen Abschied, es ging um Oma.

Da wir nicht wußten was uns erwartet und weil die Kinder Schule hatten beschlossen wir nur die Babytochter mitzunehmen. Wie in Trance zogen die nächsten Tage bis zur Abfahrt an mir vorbei. Bis wir an dem Morgen in Auto saßen. Da wurde ich plötzlich ruhig, gespenstisch ruhig, trotz aller Nervosität. Vor der Zimmertür ein kurzes Zögern, dann rein. Da saß sie, etwas dünner, ziemlich gelb, aber aufrecht. Es gab grad Mittagessen. So wie sie mir als Kind das Essen schnitt, half ich ihr diesmal mit dem Nachtisch, den ihre von Gicht und Rheuma angegriffenen Finger nicht mehr schneiden konnten. Sie war überrascht ob unseres Anblick, freute sich aber, wollte uns ständig was anbieten, entschuldigte sich, daß sie uns kein Scheinchen geben konnte, da sie vergessen hatte meinen Papa zu bitten ihr Geld mitzubringen. Alles so unwichtig.

Wir plauderten, erzählten von den Kindern, Alltagskram, völlig belanglos. Nach einer Stunde merkten wir, wie sie uns immer weniger folgen konnte, müde war und kaum noch antwortete. Wir beschlossen zu gehen, ich drückte und küßte sie, die Babytochter mochte ihr auch einen Kuß aufdrücken und dann verließen wir das Zimmer. In der Tür schossen mir die Tränen in die Augen, meine Knie wurden weich und ich wäre am Liebsten zurückgegangen, in ihren Arm. Ich schluckte, ich riß mich zusammen, schloß die Tür und atmete vor der geschlossenen Tür tief durch. Die Babytochter fest im Arm, sie die mir die ganze Zeit durch ihre Lebendigkeit so ein Anker gewesen war.

Wir verließen das Krankenhaus, beschlossen wenn Oma ins Hospiz, wo sie hinsollte, angekommen war, mit allen Kindern wieder zu kommen.

Am nächsten Tag redete Oma kaum noch, am übernächsten schlief sie nur. Am Tag drauf wachte sie nicht mehr auf. Sie hatte beschlossen, daß es Zeit war zu gehen.

Meine Oma, steter Begleiter meiner Kindheit und Jugend, eine feste Größe in meinem Leben. Ich habe immer wieder Bilder vor Augen, hab oft ihr spezielles “Ach Kind” im Ohr. Sehe, wie sie uns verwöhnte, wie sie sich kümmerte, wie sie auch ihre Grenzen hatte, unsere Differenzen. Unsere Gemeinsamkeiten, wie ich sie im Grundschulalter bat, mir am Telefon zu erklären wie man linke Maschen strickt. Wie sie mir zeigte, wie man eine Mehlschwitze macht, wie man Marmelade rührt. Die unzähligen Socken, die sie mir strickte. Die Ausflüge, die ich mit ihr und Opa machte, immer hinten auf der Rückbank im Auto. Die Tage, die ich krank bei ihr verbrachte, weil meine Eltern arbeiteten bzw. nach der Trennung. Die Feiern, die bei ihr daheim und auswärts ausgerichtet worden. Sie hatte einen großen Bekannten- und Freundeskreis. Die Schnittchenteller, die daheim gerichtet wurden, wenn sie oder Opa Geburtstag hatten, denn auch ohne Einladung klingelte irgendwer immer an der Tür. Wie ich später die Rolle übernahm, mich zu kümmern, erst als Opa krank wurde, dann als sie nicht mehr so mobil war. Ich bekam den letzten Wagen den Opa angeschafft hatte, als dieser nicht mehr fahren konnte und dafür war ich ihr Fahrdienst, wenn ich in den Semesterferien nach Hause kam. Sie gab mir immer Essen mit, wenn ich ihr Haus verließ. Sie hatte immer zu viel Essen/Kuchen da, wenn man sie besuchte. Wie ich ihr später meine Kinder in den Arm legte, erst eins, dann zwei. dann das dritte. Wie sie sich an jedem neuen Urenkel erfreute. Franzbranntwein, Kölnisch Wasser, After Eight, Obstessig, Erfrischungstücher, Erfrischungsstäbchen, immer wieder Eis, Latschenkiefer, Süßstoff, Nescafe, Vanillesoße, Maserinen, Prilleken, Überraschungseier, Sauer Gurken aus dem Faß, Spargel, Woolworth, C&A, Ziebart, Falscher Hase, Scho-ka-kola …

Ach Oma.

Es sind so viele Geschichten, so viele Augenblicke, so viele Momente. Auch wenn ich nicht mehr in ihrer Nähe wohnte, wenn mir die Kontaktaufnahme die letzten Jahren schwerer fiel, da ich den “Zerfall” nicht sehen wollte (Der Mann hat mich das ein oder andere Mal sanft überredet, einen Besuch zu planen), so war Oma trotz der Distanz immer irgendwie präsent. Auf Bildern, in Geschichten, in Gedanken, im Herzen. Jetzt gibt es keine Anrufe, keine Besuche, keine Karten mehr. Du fehlst mir.

OmaRudiElliOma, links, mit ihren großen Geschwistern als junges Mädchen.

Die Mutti-sierung

Es liegt in der Natur der Dinge, daß man mit dem ersten Kind einen Kulturschock erlebt, der das bisherige Leben komplett auf den Kopf stellt. Alles ist neu, alles ist anders. Man ist so überwältigt, daß man komplett aufgeht in der Rolle des absoluten Versorgens. Die eigenen Bedürfnisse, die eigene Persönlichkeit stehen hinten an. Körperpflege, Schlaf, Nahrung nur in kleinen Stücken wenn es denn grad paßt. Im Rahmen der allgemeinen Verunsicherung und der alles bestimmenden Babybedürfnisse sucht man sich gleichgesinnte, mitleidende, sprich andere Mütter. Man geht in Babykurse, tauscht sich aus, nimmt Erfahrungen mit und wieder zu Hause sucht man sich “Begleitung” in Foren (so bei K1) und neuerdings in Blogs und Twitter. Das ist toll, wenn man die Informationen gefiltert und reflektiert liest. Das ist ein unglaublicher Pool an gesammeltem Wissen und Empathie, die einem ansonsten fehlen, da wir nunmal nicht mehr im Dorf in der Großfamilie leben.

Mit der Zeit wird man gelassener. Das Kind wächst, gedeiht, entwickelt sich. Man findet sich in der neuen Rolle zurecht, ist sicherer, routinierter und bekommt seinen Alltag besser bis normal wieder hin.  Was bleibt ist der Aufenthalt in den Muttikreisen online, dem Mutti-versum wie man so schön sagt. Man hat den Fokus weniger auf die Unsicherheiten in der Brutpflege sondern tauscht sich aus. Auch das ist toll, denn nach der Babyphase kommt die Krabblerphase, die Trotzphase, die was weiß ich Phase, irgendeine Phase ist ja immer. Unterstützung und Austausch ist dabei immer gut. Die Themen werden breiter, nach Stillproblemen, wunden Hintern, Reflux, dem angemessenen Schlafplatz, Koliken und der richtigen Tragehilfe kommt das pädagogisch richtige Spielzeug, die angemessene Beschäftigung des wachsenden Nachwuchses, die Eingewöhnung in die Betreuung, die schönsten Brotdosen. Irgendwer hat immer eine Meinung, meistens haben die meisten anderen die dann auch und man ist sich irgendwie einig. Sind die Kinder dann mal etwas selbständiger werden die meisten Mütter kreativ (ja ich auch, aber das war ich schon vor den Kindern), es wird genäht, gebastelt, dekoriert was das Zeug hält. Gekocht, gebacken, gestrickt, alles für das Heim, das Kind, die Familie. Prinzipiell alles super, ehrlich, aber ist das alles?

Wo ist denn die Frau geblieben, die existierte bevor das oder die Kinder kamen? Was ist mit dem Menschen der Interessen hatte? Ja Kinder sind konsumierende kleine Blutsauger die die letzte Energie aus einem lutschen. Trotzdem.

Hallo, Sex, Drugs Rock’n Roll. Was ist damit?

Sex ist nur Thema, wenn es um den passenden Zeitpunkt zur Fortpflanzung geht oder angedeutet, natürlich nur mit dem Einen, dem Besten, dem eigenen Mann. Äh, ist mit der Partnerschaft und der Geburt eine Scheuklappe verteilt wurden, die man bei mir vergessen hat. Hell yeah, ich finde auch immer noch andere Männer attraktiv und kann das aussprechen ohne in den Boden zu versinken. Gewisse Konsensgründe belassen es dann dabei :) Aber ja, ich bin neben der Mutti auch noch die Frau, der Mensch der mehr empfindet als Mutterliebe.

Drogen sind dann zwar auch nicht so meins, den Sekt oder anderes Prickelwasser finde ich widerlich und auch ansonsten habe ich  den Alkohol aus meinem Leben gestrichen, sitze also abends nicht mit dem Einen, dem Besten am Küchentisch und sinniere bei einem Glas Wein über den Tag mit den Kindern. Aber im Grunde meint Drogen ja auch nur das mal enthemmte loslassen und sich dem Rausch des Moments hingeben.

Musik, ja Musik. Es gibt mehr als Schlaf- und angemessene Kinderlieder über die man sich austauschen kann. Musik die berührt, die einen ausflippen läßt, die einen an wilde Partys erinnert, an große Lieben, an den Vollrausch oder Phasen die hinter einem liegen, aber nicht vergessen sind. Die man auch ohne die Kinder hört, laut, so wie früher, oder auf Kopfhörern, damit keiner dazwischen quakt. Ja genau ich ziehe mich zurück, lasse meine Kinder sich selber (und dem Vater natürlich)  und mache mein Ding dann. Sinniere über das was war, was ist, wovon ich träume was ich außer den Kindern noch machen will, mein Leben und verfasse Blogartikel.

Ja auch ich bin ein Mutti-ich, ich hab oft kein Bock oder keine Zeit mich zurecht zu machen (auch wenn ich leidenschaftlich gerne neue Nagellacke kaufe), sehe zu, daß die Klamotten sauber sind und die Hose nicht vom Arsch rutscht. Die Haare praktisch zusammengetüddelt, den Spiegel im vorbeigehen ignorierend.

Aber, ich bin nicht nur das, ich bin ein Mensch, ein Mensch mit Geschichte, ein weiblicher Mensch, der das gerne auch mal auslebt neben der Mutti, der Sehnsüchte hat jenseits von praktischen Haushaltsgegenständen, der Musik, das Leben, Tanzen liebt, der theoretisch Bücher liest, Fernsehserien inhaliert, manchmal vor Lebensfreude vibriert, die Schminkschublade nutzt, vorm Kleiderschrank grübelt, anderen Männern hinterherschaut, in sich rein grinst und so gar nicht mütterlich denkt. Ich vermisse manchmal das Leben vor diesem, wohlwissend, daß es kein zurück gibt, daß ich keine 25 mehr bin und vieles aus dem damaligen Leben nicht mehr erleben möchte. Aber das Leben vor diesem hat mich zu dem gemacht, der ich jetzt bin und das ist viel mehr als treue Ehefrau und Mutter. Ich habe nicht immer Luft diese Seite auszuleben, aber sie ist da und sucht sich hier und da ihren Raum. Das vermisse ich in meinem Mutti-versum und frage mich wo sind die anderen? Wo sind die Frauen hinter der Mutterrolle?

Vielleicht bin ich aber auch nur ein rosa Kaninchen, daß sich nicht in die ihr gegebene Rolle angemessen einfügen kann.

 

 

Die große Überwindung – Ich hab die Zähne schön.

Zahnärzte und ich, das ist eine Story mit vielen Kapiteln. Im Laufe meines Lebens habe ich schon so einige kennen gelernt, mal mehr mal weniger gute. In meiner Kindheit gab es einen bei uns im Dorf, ich erinnere mich nur schwach, aber der war gruselig. Danach eine andere Ärztin, die immer zuviel roten Lippenstift trug und den auf den Zähnen hatte. Später den Zahnarzt meines Vaters, daran anschließend dessen jungen Kollegen der sich später selbständig machte und dem ich folgte, einen im Studium, einen im Rheinland. Eines war allen gemeinsam, ich ging nie gerne hin. Gut, wer geht schon gerne zum Zahnarzt, die wenigsten die ich kenne.

Nicht gerne hingehen trifft es bei mir aber nicht, ich sterbe tausend Tode wenn ich da hin muß und weiß da muß etwas gemacht werden. Mein Körper wirft die lustigsten Symptome raus, mein Puls rast, ich schwitze und ab und an breche ich vor Anspannung in Tränen aus. Irgendeinen der Zahnärzte begrüßte ich mal mit den Worten “Ich hasse Zahnärzte”, Gott sei Dank wurde ich trotzdem nett behandelt.  Immer kurz bevor irgendwas unwiderbringlich hinüber war raffte ich mich zusammen und ließ es behandeln. Mal mehr mal weniger Vertrauen in den Arzt habend, aber ich hab alles überlebt. Die letzte fiese Geschichte war eine entzündete Zahnwurzel mitten im Urlaub die mir eine dicke Backe brachte und anschließend den Verlust des Zahnes.

Seit wir hier zurück ins unserer Heimat sind habe ich natürlich auch einen Zahnarzt. Ich wähle die ja immer recht pragmatisch aus, ist nicht weit weg, kann man angucken, hat ne Website die brauchbar ist. Da die ersten Besuche dort ok waren ging ich auch immer wieder hin, meist mit kleinerem Kram. Seit irgendwann vor der Schwangerschaft mit der Babytochter war aber klar, da ist so einiges im Argen, was gemacht werden muß, nicht sofort aber absehbar. Das klang aber so umfangreich und beängstigend, daß ich froh war, es wegen der Schwangerschaft und dann Minibaby vor mir herschieben zu können.

Diesen Spätsommer im Anfall von Größenwahn  während ich mal wieder mit einem Kinder wegen irgendwas dort war, und in dem Bewußtsein, wenn ich das jetzt nicht angehe wird es wirklich schlimm machte ich den ersten Termin für die Sanierung. Nur nicht zu weit im Voraus, daß ich den wieder absagen konnte. Mit ein wenig Gejammer auf twitter und recht feuchten Händen, Puls wie ne Dampflock und kleinlaut trabte ich dann brav dorthin. Die Helferin wußte schon Bescheid, daß ich, wie sie sagte “ein wenig nervös” bin (haha, leicht untertrieben) und manövrierte mich in den Stuhl. Dann drei Stunden Abdrücke, Vorbereitungen, Abschleifen der Zähne und son Krempel, ich glaube auf Zahnarztdeutsch heißt das Prep. Türlich weiß mein Doc auch, daß ich nicht wirklich entspannt bin bei der Behandlung und hatte dementsprechend Zeit eingeplant und arbeitete zügig und ruhig, immer im Auge ob ich mal Pause brauche und plauderte mich ein wenig aus der Angst raus. Die Helferin war super fürsorglich, tätschelte mir ab und an den Arm und ich überlebte es tatsächlich. Sprang nicht panisch auf, brüllte niemanden an oder biß in irgendwelche Finger. Nach fünf geschliffenen Zähnen hatte ich kein Bock mehr, war aber merklich ruhiger und nahm den sechsten Abschliff, der kein richtiger, da alte Krone, auch noch mit. Wissend, daß das schlimmste hinter mir lag verließ ich nach der Zeit die Praxis und wartete etwas stolz auf das Abklingen der Betäubung.

Es folgte das Einsetzen der sechs Kronen, was sich auf zwei Termine verteilte und dann sollten noch mal 1,5 Zähne gemacht werden. Obwohl ich wußte, daß das nicht mehr so arg werden kann, war mir am Morgen des Termins blümeranter als vorm ersten Abschleifen. Naja auch das ging in guter Teamwork von Praxisteam und mir vorbei. Inzwischen sind auch diese Zähne fertig, sprich die Kronen eingesetzt und ich bin durch. FERTIG.

Ich schreib das deswegen so detailliert auf, weil es mir verdammt schwer gefallen ist das machen zu lassen, weil jede Faser in meinem Körper sich sträubte und ich am liebsten vor der Praxistür sofort umgedreht wäre. Weil ich im Stuhl einige Male mit aufkommender Panik zu kämpfen hatte und das trotzdem gemacht habe. Weil ich das mit mir ausgefochten und durchgestanden habe. Weil ich mich überwunden habe und der blöden Zahnarztangst sowas wie den Finger gezeigt habe. Nicht, daß ich da jetzt gerne hingehe, aber es ist jetzt ein bischen einfacher, auch wenn ich mich bestimmt nie gerne und freudig in den Stuhl begeben werde. Ich schreibe das auch deswegen auf, weil ich dem Praxisteam dankbar bin, daß sie meine Angst ernst aber nicht zu ernst genommen haben. Daß sie mich da durch gebracht haben und ich jetzt wieder breit grinsen kann. Zumindest meint das der Doc, ich grinse aber nicht gerne breit und außerdem, Hauptsache heile, sind doch nur Zähne ;) Ich schreib das auch auf um Mut zu machen, denen die auch so Angst haben, daß es besser wird, daß die richtige Praxis Gold wert ist und daß es immer noch angenehmer ist das durchzustehen als irgendwann schwarze Zähne zu haben.

Letzendlich wollte ich aber nur sagen, ich bin verdammt stolz auf mich und hab die Zähne wieder schön.

Happy Birthday

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Die Blumen sind vom Mann, den habe ich heute zu einem mir bisher unbekannten Blumenladen geschleift und dann brav draußen gewartet bis er die Blumen erstanden hat. Ansonsten ein relativ ereignisloser Tag, ein bischen grauverhangen, ein bischen sonnig. Kinder mal lieb mal nervig  Geschenke gab es auch und ganz viele online und offline Glückwünsche <3.

Ein Jahr mehr.

 

Mein Sofa

Als ich noch klein und kein Scheidungskind war, fuhr ich öfter mit meinen Eltern zu meiner Oma mütterlicherseits. Die wohnte in Hessen. Das Untergeschoß eines Mehrfamilienhauses war ihr zu Hause. Zu ihrer Hochparterrewohnung gehörte auch ein recht großer Garten in dem unter anderem mit die ersten Laufbilder von mir entstanden.

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In den Garten kam man durch die Tür des Wohnzimmers. Wortwörtlich dem Wohnzimmer, denn dort spielte sich, außer in der Küche, das Leben bei Oma ab. Die gute Stube die sich dem Wohnzimmer anschloß wurde weniger genutzt. Im Wohnzimmer stand der Fernseher, der runde Eßtisch und eben das Sofa.

Dort saß ich wenn wir dort waren, immer in der Mitte, denn ich war ja noch ne halbe Person und die anderen Erwachsenen, Eltern, Tanten/Onkel sollten auch irgendwo sitzen. Wenn wir zu Besuch waren schlief meine Oma auf dem Sofa und gab ihr Ehebett einem der anwesenden Paare. Morgens saß sie dann am Eßtisch, mit ihrem kleinen Standspiegel und ihrem Styroporkopf, vielen Haarnadeln und machte sich ihre Perücke zurecht. Gerne saß ich dabei auf dem Sofa und schaute zu.

Häufigster Grund auf dem Sofa zu sitzen waren jedoch die Mahlzeiten. Frühstück, Kaffee trinken (mit ihrem leckeren Schmandkuchen), Abendbrot (mit ebenfalls leckerem hessischem Brot und Wurscht). Und so lange ich mich erinnern konnte trank ich bei Oma immer Caro aus der roten Kunststofftasse mit der schwarzen Katze die eine gelbe Schleife um den Hals hatte. Leider ging diese Tasse bei dem letzten Umzug meiner Oma vor ihrem Tod verloren.

Wie dem auch sei, ich habe viele Erinnerungen mit um und an das Sofa und Bilder im Kopf wie irgendwer aus der Familie dort mit oder ohne mir sitzt. Bilder die auch im Fotoalbum sind, leider erkennt man da von dem Sofa nicht viel.

Nach dem meine Oma verstarb landete das Sofa samt Tisch und Stühle bei meiner Mutter. Irgendwann trennte sie sich von dem Tisch und den Stühlen und 2005 gab sie das Sofa an mich weiter. Sie hatte es zwischenzeitlich mit einem pflegeleichten, eher nicht so hübschen Stoff beziehen lassen. Das störte mich erstmal nicht, hatte ich doch jetzt das Familiensofa. Nachdem ich zuvor nur meine alte Studentenmatratze hatte, war es purer Luxus nun ein Sofa “für mich alleine” zu haben.

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Es wurde die Kommandozentrale, auf der ich saß, strickte, mein erstes Kind beaufsichtigte, den positiven Test für Kind 2 abwartete, am Rechner saß und die Familie organisiert. Nach dem Umzug ins Rheinland saß ich oft traurig auf dem Sofa und hatte Heimweh. Die Wehen zu Kind 2 veratmete ich auf dem Sofa. Kehrte mit Söhnchen zu diesem Sofa zurück, der sein Stillkissen dort platziert bekam. Saß plötzlich mit zwei Kindern auf dem Sofa. Kehrte mit dem Sofa nach Hamburg zurück. Verweigerte eine Auslagerung in die Diele, weil es doch schon so abgeranzt sei. Nutzte es weiter als mütterliche Kommandozentrale. Nutzte es während der Examenslernerei als Entspannungsort, las Stellenanzeigen, Absagen,brütete das dritte Kind in meinem Bauch, bis ich auch die Wehen zu Kind 3 dort veratmete und mit der Babytochter aus dem Krankenhaus zurück kam. Wieder ein Kind das sein Stillkissennest auf dem Sofa gerichtet bekam.

Ich hab schon viel mit dem Sofa erlebt. Es ist mein Herzensmöbel. Nur einen Wunsch konnte ich mir lange nicht erfüllen, den Bezug austauschen und das gute Stück aufarbeiten lassen. Immer wenn es schien, es würde finanziell passen kam doch etwas dazwischen. Bis jetzt.

Im November begann ich die Planung. Suchte mir einen Polsterer und einen Stoff. Die Stoffsucherei dauerte ein bischen, ich entschied mich dann für ein entschiedenes Himbeerrot. Das Sofa wurde abgeholt und ich verfiel  zur großen Freude des Nachwuchses nochmal ein bischen ins Studentenleben zurück, als statt des Sofas eine Matratze samt Kissen ins Wohnzimmer zog.

Kurz vor Weihnachten kam mein Schätzchen zurück und ich war erstmal etwas geblendet von der Farbe, doch inzwischen bin ich begeistert und freu mich immer noch sehr, daß ich es endlich geschafft habe das gute Stück aufarbeiten zu lassen.

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Ich hoffe im neuen Gewand wird es mir/uns noch viele Jahre Freude machen. Laut Polsterer hat es zumindest eine hervorragende Qualität, die heute so nicht mehr zu erreichen ist.

Lego Friends für Mädchen – Ein emanzipatorischer Alptraum?

Vor einigen Wochen hat unsere Tochter dank Wolfgang bzw. seinem Arbeitgeber zum Testen ein großes Paket mit Produkten der neuen Lego Friends Linie bekommen. Eigentlich wollte ich dazu etwas geschrieben haben: die Freude, die Spannung und über den Spaß beim Aufbauen und damit Spielen. Bevor ich aufgrund von Geburt und der ersten Babyzeit einen solchen Artikel verfassen konnte, erschien in der SZ ein Artikel, der diese Produktlinie in Grund und Boden kritisiert.

Ich las, lies die Kinnlade runterklappen und wurde wütend.

“Das Ergebnis ist ein emanzipatorischer Albtraum: Die zentralen Figuren, die Freundinnen Mia, Emma, Andrea, Olivia und Stephanie, leben in “Heartlake City”, einem Gender-Ghetto in Pink und Lila. Für die realen wie die Plastikmädchen gibt es nichts weiter zu tun, als Kuchen zu backen, in den Schönheitssalon zu gehen und sich um die Pferde zu kümmern.”

So der Autor Christopher Pramstaller.

Ich verstehe das richtig, ja? Wenn ich meine Tochter, äh Töchter mit diesen Produkten von Lego spielen lasse, dann werden sie zu unemanzipierten Mädchen denen außer der eigenen Optik, Gebäck und Tieren nichts am Herzen liegt? Bullshit, ganz großer Bullshit.

Ja die Themen sind solche, die zumeist weiblich besetzt sind, auch werden lila und pink häufiger von Mädchen als von Jungs als Lieblingsfarbe gewählt. So what?

Es handelt sich um eine Themenwelt die vorrangig weibliche Kinder ansprechen soll. Auch die bisherigen Lego Produkte sollen Mädchen ansprechen, doch sind es meist Szenarien die eher auf die Interessen von Jungen abgestimmt sind. Feuerwehr, Star Wars, Technik, etc.

Ich streite überhaupt nicht ab, daß es nicht auch Mädchen gibt die großes Interesse an diesem bisherigen Sortiment haben, aber ich stelle auch fest, daß ab einem gewissen Alter, Mädchen einfach, gerne in Mädchenwelten spielen.

Unsere Tochter wuchs die ersten 1-2 Jahre ohne rosa-flüsch-Herzchen-Umgebung auf. Wir waren zu sehr dagegen sie von Anfang an geschlechtsspezifisch durch Farbe oder Auswahl der Spielzeuge zu beeinflussen.

Es gab Klamotten auch aus der Jungsecke, Brio-Bahn und einen Flughafen von Duplo. Gleichzeitig gab es auch Puppen, Plüschtiere und hier und da ein Kleidchen.

Ab dem Zeitpunkt als die kleine Dame ihre Garderobe verbal mitbestimmen konnte, mußte es Pink sein, Rosa oder auch Lila, aber bitte kein Blau und keine Jungsfarben und die von den Eltern bevorzugten Hosen (im Alltag praktischer) waren auch doof. Es wurde sich eigenständig (!) tagsüber mehrfach neu angezogen, je mädchenhafter um so besser.

Dies wurde weder von uns initiiert, beeinflußt noch unterbunden. Wir sind und waren der Ansicht, sie darf sich in ihrer Geschlechterrolle selber bestimmen, solange es altersgerecht ist und sie ausreichend bedeckt.

Barbie, Lilifee etc. sind keine Spielsachen, die die hiesigen Eltern großartig finden, gerade beim ersten Kind ist man ja noch so pädagogisch wertvoll. Und mir als Mutter gefiel einiges der von den Spielsachen vermittelten Werte nicht, aber mir war auch klar, je mehr ich das verbiete oder verweigere so interessanter wird es. Also gab es diese auch in vertretbarer Menge.

Unter dem Strich kann man sagen, unsere Tochter wuchs mit geschlechtsneutralem, sogenannten Mädchen- und sogenanntem Jungsspielzeug auf. Jetzt ist sie gut 8 Jahre alt und ein richtiges Mädchen. Sie liebt Schminke, Klamotten, Popstars, tratscht schonmal über Jungs, ist tierlieb und backt gerne mal mit uns. Diese Vorlieben hat sie selber entwickelt, trotz des “geschlechtsneutralen Angebots sowohl von Bekleidung als auch Büchern oder eben Spielwaren.

Es ist  nicht so, daß ich ihr ein ausgeprägtes Mädchen-Image vorlebe, eines wo sich jeden Tag geschminkt wird, die Bekleidung sehr feminin geprägt ist oder Mama ihre Erfüllung in der Kindererziehung und dem Haushalt sieht. Sie hat diese Vorlieben aus sich raus entwickelt. Und das ist der Punkt, Kinder entwickeln ihre Vorlieben eigenständig, egal was man ihnen anbietet. Und ich sehe einfach immer wieder, das die meisten Mädchen oder Jungs in meinem Umfeld auch ohne elterliche Beeinflussung mehr oder weniger zu sogenannten geschlechtsspezifischen Verhalten oder Interessen tendieren.

Laut dem Artikel hat Lego Marktforschung betrieben, um gezielt weibliche Kinder anzusprechen und wenn das dabei rausgekommen ist, daß Mädchen gerne solche Produkte zum Bespielen haben wollen, warum nicht?

Wird meine Tochter weniger emazipiert, weil sie damit spielt? Wird sie in eine Rolle gedrängt, die dem der modernen Frau nicht mehr entspricht? Wird mein Sohn schwul, weil er sich mal von mir die Nägel lackieren lassen wollte (und bekommen hat). Wird meine Tochter eine devote Hausfrau, weil sie sich gerne mit Babys und kleinen Kindern beschäftigt, Tiere liebt und gerne beim Backen hilft? Wird aus meinem Sohn kein “richtiger” Mann, weil er gerne kuschelt und beim Kochen mithilft? Ich glaube wohl kaum.

Was aus unseren Kindern wird, ob sie emanzipierte, selbständige und selbstbewußte Menschen werden,  die innerhalb oder außerhalb einer engen Geschlechterrolle leben, bestimmen immer noch wir, die Eltern. Dazu gehört ebend auch sie sich komplett in der einen oder anderen Rolle aufgehen zu lassen, den Vorlieben gerecht zu werden ohne das andere auszuschliessen.

Wenn Mädchen aus dem Alter der Zielgruppe in diesem Alter Pink und Lila bevorzugen, wenn sie nunmal gerne mit einer Tierklinik oder einem Schönheitssalon spielen, dann wäre Lego schön blöd, diesen Markt komplett der Konkurrenz zu überlassen und zum anderen, laßt doch die Mädchen Mädchen sein. Wenn wir sie weltoffen erziehen werden sie im Erwachsenenleben so oder so “ihren Mann” stehen.

Abschliessend sei noch erwähnt, daß beim Auspacken und Aufbauen und dem ersten Bespielen der jüngere Bruder mit Feuereifer dabei war und in den letzten Wochen die Beiden um die Wette Raumschiffe bauen, jetzt halt auch mit pinken und lila Steinchen dazwischen.