Archiv der Kategorie: Die Anderen da draußen

Mein erstes Ostpaket

Als Kind verschickte meine Großmutter regelmäßig Pakete in den Osten. Ich hab nur dunkle Erinnerungen daran, aber ich weiß, daß immer Jacobs Krönung drin war und Schokolade. Ich weiß nicht ob es einer der Empfänger war oder ein anderer Kontakt, aber ich bekam über diese Oma zur Konfirmation Briefpapier einer der damals Beschenkten. Ein richtiges Ostpaket war das natürlich nicht.

Gestern hatten wir lieben Besuch aus der Hauptstadt. Und weil das so nette Menschen sind, brachten sie ein Gastgeschenk mit. Blumen fanden sie aber zu langweilig und so kam es, daß wir gestern unser erstes Ostpaket bekommen haben, damit wir die guten Produkte endlich mal schätzen lernen. :)

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Ich muß aber zu unserer Ehrenrettung sagen, daß wir gar keine solchen Banausen sind. Als ehemaliges Zonenrandgebietskind, kam ich schon kurz nach der Wende in den Genuß diverser Produkte. Bautzener Senf (den haben wir heute noch immer hier), Hallorenkugeln und Orwo Filme. Spreewaldgurken gabs hier genau wie diese Knusperflocken auch schon.

Nichtsdestotrotz haben wir uns sehr sehr gefreut. Nicht nur über den Inhalt, sondern auch die kreative Umverpackung und natürlich die Idee. Vielen lieben Dank nochmal lieber Hauptstadtbesuch, Parallelhaushalt.

Bowers & Wilkins Kundenservice, einfach nur toll.

Im Juni 2012 bekam der Mann ein Paar Kopfhörer (P3) von B&W im Rahmen einer Blogaktion zugeschickt. Ich nahm diese an mich und schrieb einen Produkttest und seit dem sind die guten Teile in meinem Besitz. Irgendwann im letzten Jahr stellte ich fest, daß das Kabel defekt war und rief dort an um nachzufragen, wo ich einen Ersatz bekommen könnte. Bei Kopfhörern in dieser Preisklasse repariert man, bevor man ersetzt. Die netten Menschen bei Bowers & Wilkins waren so freundlich, mir ein Kabel kostenlos zukommen zu lassen und ich konnte wieder unbeschwert lauschen. Vor kurzem nun fing es an, daß die eine Ohrmuschel immer wieder aus der Verankerung fiel und ich sie ums Verrecken nicht wieder befestigt bekam. Nach ein zwei Wochen war mir das zu doof und ich rief erneut bei B & W an, um nachzufragen, wie und wo ich eine Reparatur veranlassen könnte, da ich keinen Kaufbeleg (s.o.) besitze. Der sehr freundliche Mitarbeiter am Telefon fragte, von wann die Kopfhörer seien, ließ sich erklären, wie ich zu diesen gekommen war und bot mir dann an, daß ich sie an deren hauseigenen Service schicke, damit man sich das einmal ansehen kann. Er entschuldigte sich dafür, daß ich die Portokosten zu tragen habe, auch wenn die eventuelle Reparatur auf deren Kosten gehen sollte. Ich fand das absolut angemessen und toll und schickte meine P3 ein.

Heute dann kam mit der Paketpost ein Päckchen, in dem ich ein Paar niegelnagelneue Kopfhörer fand. Wie toll ist das denn? (Ja der Mann würde sagen, daß koste die nur ein müdes Arschrunzeln, aber ich sehe das anders.) NIemand weiß wie es zu dem Schaden kam, ich habe die Kopfhörer ursprünglich im Rahmen einer Marketingaktion (also eigentlich der Gatte) bekommen, und die Garantie von einem Jahr war auch schon vorbei. Trotzdem schickte man mir als Ersatz, kostenfrei, auf Kulanz ein neues Paar. Ich finde das phänomenal. Vielen lieben Dank Bowers & Wilkins!

Und genau so ein Kundenservice macht, daß ich im Zweifel bei der Anschaffung eines neuen Produktes als erstes an solch eine Firma denke.

Die Mutti-sierung

Es liegt in der Natur der Dinge, daß man mit dem ersten Kind einen Kulturschock erlebt, der das bisherige Leben komplett auf den Kopf stellt. Alles ist neu, alles ist anders. Man ist so überwältigt, daß man komplett aufgeht in der Rolle des absoluten Versorgens. Die eigenen Bedürfnisse, die eigene Persönlichkeit stehen hinten an. Körperpflege, Schlaf, Nahrung nur in kleinen Stücken wenn es denn grad paßt. Im Rahmen der allgemeinen Verunsicherung und der alles bestimmenden Babybedürfnisse sucht man sich gleichgesinnte, mitleidende, sprich andere Mütter. Man geht in Babykurse, tauscht sich aus, nimmt Erfahrungen mit und wieder zu Hause sucht man sich “Begleitung” in Foren (so bei K1) und neuerdings in Blogs und Twitter. Das ist toll, wenn man die Informationen gefiltert und reflektiert liest. Das ist ein unglaublicher Pool an gesammeltem Wissen und Empathie, die einem ansonsten fehlen, da wir nunmal nicht mehr im Dorf in der Großfamilie leben.

Mit der Zeit wird man gelassener. Das Kind wächst, gedeiht, entwickelt sich. Man findet sich in der neuen Rolle zurecht, ist sicherer, routinierter und bekommt seinen Alltag besser bis normal wieder hin.  Was bleibt ist der Aufenthalt in den Muttikreisen online, dem Mutti-versum wie man so schön sagt. Man hat den Fokus weniger auf die Unsicherheiten in der Brutpflege sondern tauscht sich aus. Auch das ist toll, denn nach der Babyphase kommt die Krabblerphase, die Trotzphase, die was weiß ich Phase, irgendeine Phase ist ja immer. Unterstützung und Austausch ist dabei immer gut. Die Themen werden breiter, nach Stillproblemen, wunden Hintern, Reflux, dem angemessenen Schlafplatz, Koliken und der richtigen Tragehilfe kommt das pädagogisch richtige Spielzeug, die angemessene Beschäftigung des wachsenden Nachwuchses, die Eingewöhnung in die Betreuung, die schönsten Brotdosen. Irgendwer hat immer eine Meinung, meistens haben die meisten anderen die dann auch und man ist sich irgendwie einig. Sind die Kinder dann mal etwas selbständiger werden die meisten Mütter kreativ (ja ich auch, aber das war ich schon vor den Kindern), es wird genäht, gebastelt, dekoriert was das Zeug hält. Gekocht, gebacken, gestrickt, alles für das Heim, das Kind, die Familie. Prinzipiell alles super, ehrlich, aber ist das alles?

Wo ist denn die Frau geblieben, die existierte bevor das oder die Kinder kamen? Was ist mit dem Menschen der Interessen hatte? Ja Kinder sind konsumierende kleine Blutsauger die die letzte Energie aus einem lutschen. Trotzdem.

Hallo, Sex, Drugs Rock’n Roll. Was ist damit?

Sex ist nur Thema, wenn es um den passenden Zeitpunkt zur Fortpflanzung geht oder angedeutet, natürlich nur mit dem Einen, dem Besten, dem eigenen Mann. Äh, ist mit der Partnerschaft und der Geburt eine Scheuklappe verteilt wurden, die man bei mir vergessen hat. Hell yeah, ich finde auch immer noch andere Männer attraktiv und kann das aussprechen ohne in den Boden zu versinken. Gewisse Konsensgründe belassen es dann dabei :) Aber ja, ich bin neben der Mutti auch noch die Frau, der Mensch der mehr empfindet als Mutterliebe.

Drogen sind dann zwar auch nicht so meins, den Sekt oder anderes Prickelwasser finde ich widerlich und auch ansonsten habe ich  den Alkohol aus meinem Leben gestrichen, sitze also abends nicht mit dem Einen, dem Besten am Küchentisch und sinniere bei einem Glas Wein über den Tag mit den Kindern. Aber im Grunde meint Drogen ja auch nur das mal enthemmte loslassen und sich dem Rausch des Moments hingeben.

Musik, ja Musik. Es gibt mehr als Schlaf- und angemessene Kinderlieder über die man sich austauschen kann. Musik die berührt, die einen ausflippen läßt, die einen an wilde Partys erinnert, an große Lieben, an den Vollrausch oder Phasen die hinter einem liegen, aber nicht vergessen sind. Die man auch ohne die Kinder hört, laut, so wie früher, oder auf Kopfhörern, damit keiner dazwischen quakt. Ja genau ich ziehe mich zurück, lasse meine Kinder sich selber (und dem Vater natürlich)  und mache mein Ding dann. Sinniere über das was war, was ist, wovon ich träume was ich außer den Kindern noch machen will, mein Leben und verfasse Blogartikel.

Ja auch ich bin ein Mutti-ich, ich hab oft kein Bock oder keine Zeit mich zurecht zu machen (auch wenn ich leidenschaftlich gerne neue Nagellacke kaufe), sehe zu, daß die Klamotten sauber sind und die Hose nicht vom Arsch rutscht. Die Haare praktisch zusammengetüddelt, den Spiegel im vorbeigehen ignorierend.

Aber, ich bin nicht nur das, ich bin ein Mensch, ein Mensch mit Geschichte, ein weiblicher Mensch, der das gerne auch mal auslebt neben der Mutti, der Sehnsüchte hat jenseits von praktischen Haushaltsgegenständen, der Musik, das Leben, Tanzen liebt, der theoretisch Bücher liest, Fernsehserien inhaliert, manchmal vor Lebensfreude vibriert, die Schminkschublade nutzt, vorm Kleiderschrank grübelt, anderen Männern hinterherschaut, in sich rein grinst und so gar nicht mütterlich denkt. Ich vermisse manchmal das Leben vor diesem, wohlwissend, daß es kein zurück gibt, daß ich keine 25 mehr bin und vieles aus dem damaligen Leben nicht mehr erleben möchte. Aber das Leben vor diesem hat mich zu dem gemacht, der ich jetzt bin und das ist viel mehr als treue Ehefrau und Mutter. Ich habe nicht immer Luft diese Seite auszuleben, aber sie ist da und sucht sich hier und da ihren Raum. Das vermisse ich in meinem Mutti-versum und frage mich wo sind die anderen? Wo sind die Frauen hinter der Mutterrolle?

Vielleicht bin ich aber auch nur ein rosa Kaninchen, daß sich nicht in die ihr gegebene Rolle angemessen einfügen kann.

 

 

Nachschlag – Gedanken zu Müttern, Berufstätigkeit und meinem Wutposting

Überwältigt, das ist das erste was mir einfällt wenn ich an meinen Eintrag über den SpOn Beitrag denke. Überwältigt von den Zugriffen, der Veröffentlichung auf stern.de, den Rückmeldungen und den Diskussionen die darüber aufkamen. Danke. Es zeigt mir, ich bin nicht alleine mit meiner Wut, meiner Ratlosigkeit und meiner Situation.

Nach der Veröffentlichung habe ich einen Teil der Diskussionen eher passiv verfolgt, Kommentare hier gelesen und viel nachgedacht. Ich möchte nichts von dem was ich schrieb runterspielen oder entschuldigen, aber mir ist bewußt, daß ich nur sehr subjektiv für meine Situation geschrieben habe und es anderen ähnlich und doch ganz anders geht. Ich versuche mal meine Gedanken und Ergänzungen halbwegs sortiert nachzutragen.

-Wenn ich mich als hochqualifiziert bezeichne, dann möchte ich damit nicht meine akademische Ausbildung betonen (abgesehen davon, daß ich auch einen Beruf erlernt habe), sondern einfach nur klarstellen, daß ich etwas gelernt habe, was mich zu Tätigkeiten außerhalb Heim und Herd befähigt.

-Hochqualifiziert ist außerdem ein Begriff den die nette Dame für Wiedereingliederung des Arbeitsamtes verwendete als sie über mich mit mir sprach. Ein Begriff, der mich erst stutzen ließ, mir dann aber zwei Dinge bewußt machte. Zum einen, daß ich tatsächlich qualifiziert bin für einen Beruf (und somit ist es jeder mit einer Ausbildung jeglicher Art, nicht nur diejenigen die eine Universität besucht haben) oder und zum anderen, daß ich das oft vergesse, denn viele Absagen führen zu viel Zweifeln an sich.

-Hochqualifiziert meint auch nicht, daß ich es verdient habe sofort auf eine top nodge Stelle gesetzt zu werden. Meint aber doch, daß ich trotz geringer Berufserfahrung qualifiziert genug bin eine Chance zu bekommen um zu beweisen, daß ich das was ich erlernt habe anwenden kann.

-Genau wie die Autorinnen des SpOn Artikels im Grunde nur eine privilegierte Zielgruppe angesprochen haben, genauso privilegiert bin ich auch. Ich habe das Privileg, daß meine Arbeitslosigkeit das Familieneinkommen nicht nachhaltig belastet. Wir hungern nicht, wir haben ein Dach über dem Kopf, wir können uns mal was erlauben, wir sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht darauf angewiesen, daß ich auch Geld verdiene.

-Die Frauen die darauf angewiesen sind den Familienunterhalt (mit) zu verdienen stehen oft vor dem gleichen Problem und diese trifft es deswegen noch härter. Selbst wenn sie schnell nach der Kinderzeit wieder arbeiten wollen.

-Auch wenn es mich jetzt finanziell nicht besonders trifft kein eigenes Einkommen zu haben, trifft es mich spätestens im Renten- und/oder Trennungsfall. Darum kann man auch nicht sagen, es sei ein Luxusproblem der gelangweilte Hausfrau aus der Mittelschicht wenn diese keine Arbeit bekommt. Abgesehen davon kann der finanzielle Hintergrund kein Argument dafür sein ob man es “verdient” eine Berufschance zu bekommen.

-Ich werde nicht darauf eingehen, daß es Menschen gibt, die der Ansicht sind, die Kinder leiden unter einer berufstätigen Mutter und/oder Fremdbetreuung. Nur mal so gefragt, was sollen denn dann die Mütter machen, die für das familiäre Einkommen arbeiten müssen? Keine Kinder bekommen?

-Ja es gibt die Frauen die gleich nach der Geburt oder etwas später sofort in ihren Beruf zurück gehen (können), die die Problematik nicht verstehen. Glückwunsch.

-Ja es gibt den Trend, daß jeder der eine Handarbeit halbwegs ausüben kann versucht damit Geld zu machen, in dem er die Produkte verkauft. Ob ich das gut finde? Nicht in jedem Fall. Es gibt die Frauen die das oder die Kinder als Ausweg aus dem gewählten Beruf sehen, es gibt die Frauen die gerne nur noch in Familie machen, die ihr Heim dekorieren bis es keine freie Stelle mehr gibt, die saisonal (ein)kochen, backen, konservieren, fünf Gänge Menus zaubern. Genauso gibt es die Frauen die sich so oder anders kreativ betätigen um sich zu entspannen. Es gibt die Frauen die den Beruf nur als Warteposition ansehen bis ihnen jemand die Verantwortung abnimmt selber Geld zu verdienen. Es gibt Frauen die keine Kinder wollen/haben. Es gibt Frauen die Kinder wollen und diese ganz klein zugunsten des Berufs in Betreuung geben. Es gibt dies und vieles vieles mehr. Und alle diese Alternativen sind okay, es sind die Entscheidung jeder Einzelnen was sie wie mit ihrem Leben macht, so lange sie die Entscheidung freiwillig trifft. Und die mangelnde Freiwilligkeit von weiblichen Lebenssituationen bezüglich Beruf und Familie, die prangere ich an, immer, immer noch, immer wieder.

-Und mag ich mich auch hier und dort vielleicht mal spöttisch oder mit Unverständnis über gewählte Lebensformen äußern, so steht es mir nicht zu darüber zu urteilen. Genau so wenig steht es anderen, sprich den Autorinnen des Artikels auf SpOn zu darüber zu urteilen für welchen Weg eine Frau sich entscheidet. Und diesen Respekt für die freiwillige Entscheidung den erwarte ich nicht nur von Frauen untereinander, sondern von allen Menschen. Auch wenn bei diesem Thema oft das Stichwort Frauensolidarität fiel, es geht um die generelle Akzeptanz des/der Anderen. Und genau diese Akzeptanz fand in dem besagten Artikel nicht statt.

“Frauen hört auf zu jammern” – Artikel bei SpOn vom 17.07.2013

Vor knapp zwei Wochen stolperte ich über diesen Artikel und regte mich fürchterlich auf. Dank der ferienbedingt anwesenden Kinder dauerte es bis heute um Zeit und einen klaren Kopf zu finden um dazu etwas zu schreiben.

Die Mutter gewordene Frau wird als das Heim dekorierende Wesen hingestellt, daß die Lust an eigener Karriere verloren hat oder wenn Karriere nur noch Teilzeit und wenn möglich aus dem Hobby einen Beruf machen. Daß diese beiden Alternativen keine großen Karriereerfolge mit sich bringen versteht sich quasi von selbst.

Weiterhin wird die These aufgestellt, daß die meisten Frauen nach der Kinderpause zwar noch gut 20 Jahre zu arbeiten hätten, aber an dem ursprünglich gewählten Beruf eigentlich das Interesse verloren haben, denn die Berufswahl erfolgte doch zumeist nach Bequemlichkeitsgründen.

Dazu kann ich nur sagen: Bullshit, ganz großer Bullshit.

Frauen wie mir, die hochqualifiziert zu Hause sitzen und durchaus nach dem ersten oder zweiten Babyjahr gerne wieder in den Beruf zurückgekehrt wären erscheint dieser Artikel wie blanker Hohn, ein Schlag ins Gesicht.

Ich frage mich ernsthaft ob die beiden Autorinnen derart weltfremd sind oder einen solch provokativen Artikel verfaßt haben, damit man auf ihre Agentur aufmerksam wird. Diese nämlich hat genau das Thema, Frauen zurück in den Beruf zu bringen.

Man muß kein Einstein sein um verstehen, daß eine Frau nachdem Sie ein (zwei drei) Kind (er) geboren hat nicht der biggest fish auf dem Arbeitsmarkt ist um den sich alle Arbeitgeber reißen. Dank der phänomenalen Betreuungssituation in diesem Land kann eine Frau es sich seltenst leisten Vollzeit arbeiten zu gehen.  Und Teilzeitkräfte bzw. Angestellte die wegen der Kinder nicht unendlich Überstunden leisten können werden ungern genommen. Außerdem fällt Mutti ja bei jeder Kinderkrankheit aus, nicht wahr? Die Schlaumeier die nun meinen, der Vater könne ja einen Teil der Betreuung übernehmen, der übersieht, daß dank der Gehaltsstruktur in diesem Land sein Gehalt in einem Großteil der Familien essentiell ist und eine Einbuße dessen schlecht abgefedert werden kann. Dazu kommt, daß egal wie modern der Kindsvater auch sein mag, die wenigsten die Bereitschaft mitbringen eventuell einen Karrieresprung auszulassen den eine reduzierte Arbeitszeit mit sich bringen würde um in die partielle Kinderbetreuung der Familie mit einzusteigen.

So, hat aber eine Mutter es dann zurück in ihren Beruf oder auf eine neue Stelle geschafft, ist sie seltenst diejenige die nun, wie im Artikel gefordert wird, eine (zweite) glänzende Karriere startet. Nicht nur, daß sie wie oben gesagt, meist nur Teilzeit leisten kann, nein sie wird auch oft nicht mehr als vollwertiges Teammitglied angesehen, Kompetenzen werden genommen, oder sind schon vorweg umverteilt worden. Was vor der Kinderpause noch nach einen guten Berufsweg aussah ist häufig eine Sackgasse geworden in der man seinen Zeit am Schreibtisch oder wo auch immer ableistet.

Klar verzichtet man darauf gerne, denn eigentlich kehrt man ja nur in einen Beruf zurück den man eigentlich nie so gewollt hat.

Gehts noch?

Wie unmündig und dämlich ist eine Frau in den Augen der Autorinnen? Traut sie diesen keine gut durchdachte und mit Leidenschaft getroffene Berufswahl zu? Ist es wirklich so, daß das Gros der Arbeitnehmerinnen ihren Lohnerwerb nur aus pragmatischen und bequemen Gründen gewählt hat? Ist es nicht vorstellbar, daß Frau sich sehr bewußt und überdacht für eine Profession entschieden hat?

Frauen sind, wie die Autorinnen richtig feststellen, heute qualifiziert wie nie, haben Möglichkeiten die vor Jahren noch unvorstellbar waren, und entscheiden sich unter diesen Umständen für einen Beruf weil Papi den gemacht hat?

Diese These ist kaum haltbar, erklärt aber in den Augen der Autorinnen wieso Frauen sich (animiert vom Nestbautrieb?) lieber in die Dekorations und Handarbeitswelt zurück ziehen? Ich glaube es hackt. Ich weiß nicht ob die werten Damen schon mal gehandarbeitet haben oder ihr Heim verhübscht haben.

Ich weiß nicht ob sie diese Zeiten kennen, in denen man so wahnsinnig gerne wieder Arbeiten gehen möchte, seinen mit Interesse und Liebe gewählten Beruf ausüben möchte, aber aufgrund der gesellschaftlichen Strukturen und der persönlichen Situation kaum dahin kommt. Ich weiß nicht ob sie das Bedürfnis kennen neben Arsch abschwischen und Spül- und Waschmaschine befüllen und leeren mal wieder etwas zu erschaffen, seinen Kopf zu benutzen.

Ja Handarbeiten sind gerade die heiße Scheiße, ja viele springen auf diesen Zug auf, probieren mal rein, lassen es wieder oder machen einen Dawanda Shop auf und verkaufen handgemachte Niedlichkeiten. Aber viele nutzen Handarbeiten auch um die tote Zeit neben der Kinderbetüddelung für sich zu nutzen, mal abzuschalten, was zu erschaffen und im besten Fall ein wenig Anerkennung für das Erschaffene zu bekommen. Denn sind wir mal ehrlich, das Ausbrüten, Ausquetschen und Aufziehen eines Kinder bringt in der Regel, genau wie das Wuppen der Familie und ihrer Belange nicht viel Anerkennung mit sich. Also sucht Frau sich ein Ventil. Dies aber als gewollte Flucht aus der (vorherigen) Arbeitswelt zu benennen finde ich vermessen.

(Ich gehe jetzt nicht weiter darauf ein, daß in diesem Artikel Handarbeiten und Heimverhübschung eher als mindere und Larifari Tätigkeiten klassifiziert werden)

Ich bin eine dieser hochqualifizierten Mütter, die länger als gewollt daheim ist. Ich entspanne mich durch Handarbeiten. ABER ich suche immer noch und immer wieder und dringlich eine Stelle in meinem Beruf.Mich möchte wegen der Kinder und mangelnder Berufserfahrung kaum jemand einstellen. Ich gebe noch nicht auf, aber eine gewisse Resignation schimmert immer wieder durch. Artikel wie diese sind für ein mich ein Schlag ins Gesicht.

Aber vielleicht haben die Autorinnen genau das erreicht was sie wollen. Ich habe ihre Agentur gegoogelt und die Website besucht. Vielleicht kanalisiere ich meinen Ärger und statte den Damen einen Besuch ab und frage was sie denn für mich tun können. Viel erwarte ich jedoch nicht.

 

Hausgemachte Croissants – Craftsy Kurs ausprobiert

Wer ein bischen kreativ ist und nicht nur das deutsche Netz absurft, der stolpert irgendwann über Craftsy.

Dabei handelt sich um ein Portal welches online Kurse zu den verschiedensten kreativen Themen anbietet, sei es nun Nähen, Stricken, Quilten, aber auch Kochen, Gärtnern und einiges anderes. Weiterhin kann man Anleitungen und auch Materialien über die Website erwerben. Dazu kommt die Möglichkeit sich zu einem dort erworbenen Produkt, Kurs oder Anleitung auszutauschen oder einfach nur vorzuzeigen was man gemacht hat. Ein, wie ich finde tolles Konzept und die Anleitungen und Kurse machen einen sehr guten Eindruck. Wer also englisch versteht, findet dort alles Mögliche um seine kreativen, kullinairschen oder handwerklichen Ambitionen auszuleben.

Relativ früh nach dem ich die Seite entdeckte stolperte ich über den Kurs “Classic Croissants at home“. Ob es nun die schönen Bilder waren oder meine ohnehin vorhandene Leidenschaft für Croissants, ich wollte diesen Kurs gerne machen. Lediglich die Kursgebühr von ca. 40 $ fand ich etwas viel für mal eben so.

In der Weihnachtszeit warf Craftsy dann mit Sonderangeboten nur so um sich. Nach der dritten Mail mit den Hinweisen auf die reduzierten Kurse schaute ich mal nach und hatte das Glück den gewünschten Kurs für 10$ kaufen zu können.

Da ich überraschenderweise zu Weihnachten ein iPad Mini geschenkt bekam, war das die perfekte Kombination um diesen Kurs auszuprobieren. Zur Freude des Gatten begann ich auf dem Sofa oder im Bett mir die Kursstunden anzusehen, bevor ich überhaupt anfing zu backen. Erste Hürde war übrigens ein ausreichend großes Stück Pergamentpapier zur Erstellung des Butterblocks zu bekommen. (Sollte jemand wissen wo man hier überbreites Pergamentpapier bekommt, ich freue mich über Hinweise.) Ich hatte Glück und konnte in der Stadtbäckerei einen Bogen erwerben und konnte loslegen.

Mit dem Papier konnte ich den erste Arbeitsschrittes des Kursrezeptes perfekt absolvieren, ein Stück Butter zu einem sogenannten Butterblock formen.

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Dabei wird das Papier gefaltet, die weiche Butter hinein gegeben und dann in der vorgefalteten “Hülle” auf Maß ausgerollt. Dann kommt das ganze in den Kühlschrank, damit es wieder fest wird. Ich bin übrigens immer noch unglaublich stolz wie gut mir das gelungen ist.

In der Zwischenzeit bereitet man den Hefeteig zu, da gibt es auch jede Menge spezielle Anweisungen und Vorgehensweisen, damit er auch genau so wird wie die Kursleiterin das möchte. Wenn der Teig dann soweit fertig ist, wird der Butterblock in diesen eingeschlagen.

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Hier ist die Butter schon im Teig verschwunden. Den mit Butter gefüllten Teig mußte man dann auf Maß ausrollen und erneut einschlagen.

IMG_7353Das sieht dann so aus. Das macht man insgesamt drei mal, wobei der Teig zwischendrin immer wieder in die Kühlung kommt, damit die Butter nicht zu warm wird und beim Ausrollen aus dem Teig läuft.

Für diejenigen Leser, die schon Erfahrung mit Blätterteig haben, mag das alles ein bischen langweilig sein, aber ich hatte das vorher noch nie probiert und war fasziniert, wie gut das alles klappt, auch dank der guten Anweisungen aus den Videos. Ich erspare jetzt auch weitere Falt-, Roll- und Schneidebilder.

Nachdem der Teig wie beschrieben bearbeitet worden war, noch eine gute Standzeit zum Gehen hinter sich gelassen hatte und ein weiteres Mal auf Maß gerollt worden war, ging es an die Ausformung der Backwaren.

Ein Croissant ist ja nicht einfach nur ein gerolltes Dreieck, nein für ein klassisches Croissant muß ein gewisses Verhältnis von Seiten- zur Grundfläche eingehalten werden und, der geneigte Leser mag Lachen, aber ich hab mit meinen großen Schneidelinealen die ich sonst zum Quilten benötige vor dem endgültig ausgewalzten Teig gestanden und die Dreiecke zugeschnitten, am unteren Ende eingeschnitten und mit einer gewissen Ziehtechnik aufgerollt.

IMG_7354Die sahen dann so aus.

Eigentlich hätte man diese dann in einem übergroßen Beutel gehen lassen müssen, aber da ich keinen hatte, hab ich es im vorgeheizten Backofen probiert, was eine ziemlich blöde Idee war, denn die Butterschichten fingen an auszulaufen.

IMG_7355Hier die aufgegangenen Croissatns mit Ei bepinselt im Backofen.

Was ich übrigens beim ersten Durchlesen/Ansehens des Rezepts nicht bedacht hatte ist, daß der Teig über nacht in den Kühlschrank muß. Gut, daß ich mit der Zubereitung aus Ungeduld abends angefangen hatte und wir somit an einem Sonntag Morgen die frischen Croissants essen konnten.

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So sahen die guten Teile dann aus. Es gab spezifische Anweisungen zur Farbe und sie blos nicht zu früh raus zu nehmen, da ansonsten der Teig partiell noch roh wäre. Als die Farbe dann perfekt war fand ich die Konsistenz nicht gut, mir waren sie zu hart/schwer und nicht fluffig genug und auch der Geschmack war halt anders als aus der hiesigen Bäckerei. Ich führe die leichte Enttäuschung im Endergebnis eher auf meinen Fehler beim letzen “Geh-Vorgang” zurück (zu warm). Ich hatte die Hälfte des Teiges davor eingefroren und werde diesen demnächst nach dem Formen an einem kühleren Ort gehen lassen, fertig backen und dann vergleichen.

Mein Fazit zum dem Kurs und wie er dargeboten wurde ist jedoch durchaus positiv. Die Lehrerin macht das super. Denkt man an der ein oder anderen Stelle, sie solle sich mal etwas kürzer fassen, kommt man im nächsten Moment zu der Erkenntnis, daß nicht jeder Kursteilnehmer Erfahrung im Backen hat und es dementsprechend gut ist, daß sie einiges ausführlicher erklärt. Weiterhin gibt sie einem jede Menge Basiswissen zu Materialien, Utensilien, Zutaten, Teigverhalten, Hefe etc. weiter, welches man aus normalen Backbüchern so nicht bekommt und was einem hilft die Materie so zu verstehen, daß man auch weiß wieso man genau dies oder jenes tut. (zB: nicht den Teig an einem zu warmen Ort gehen lassen …)

Obwohl der Kurs ein durchgehendes Video ist, kann man die verschiedene Kapitel separat anwählen, so daß man mal überspringen oder schnell nochmal zurück schauen kann. Einmal bezahlt kann man die Klasse unendlich oft abrufen, dazu bekommt man das Rezept und etwas Herstellerhinweise als .pdf zum download. Wobei das Rezept ohne das Video nicht so schlüssig ist bzw. einige Anweisungen aus dem Video in dem Rezept nicht auftauchen. Aber es handelt sich ja auch um einen Kurs.

Ich würde jederzeit wieder so einen Kurs bei Craftsy kaufen, auch wenn man nicht weiß wie die anderen Lehrkräfte sind, denke ich doch, daß die Website diesen einen gewissen Rahmen vorgibt den sie ausfüllen müssen.

 

 

 

Mutzenmandeln – ein Versuch in drei Akten

Ein Freund erwähnte neulich Mutzenmandeln. Er wünsche sich solche vom Weihnachtsmarkt im Süden mitgebracht zu bekommen. Damit setzte er mir einen ordentlichen Floh ins Ohr.

Während meiner Kindheit und Jugend im Niedersächsischen gab es oft Mutzenmandeln in der Heimatstadt, zu Stadtfesten, dem Weihnachtsmarkt oder einfach nur so. Ich hab immer die Konditorei Rupprecht (gibt es leider nicht mehr) an der Ecke in der Fußgängerzone vor Augen, wenn ich an Mutzenmandeln denke, sei es nun mit dem mobilen Stand vor dem Haus oder Bleche mit dem Gebäck im Laden.

Da ich hier im Norden noch nie ordentliche Mutzenmandeln, wenn überhaupt bekommen habe, war mein erster Gedanke, die könne man bestimmt auch selber machen. Also warf ich die Suchmaschine meines Vertrauens an, um nach Rezepten zu suchen. Dabei lernte ich, daß Mutzen und Mutzenmandeln nicht das Gleiche sind. Weiterhin gibt es Rezepte mit und ohne Mandeln, mit Rum, mit Vanille, mit Marzipan, mit Zimt oder ohne, auf Hefeteigbasis oder als Mürbeteig. Welches das richtige sei, erschloß sich mir nicht. Die Sucherei führte mich dann zu einem Rezept, welches klang als könne es so schmecken wie die Erinnerung. Also suchte ich weiter nach der richtigen Ausstechform, denn Mutzenmandeln müssen die richtige Form haben und dazu braucht man den richtigen Ausstecher.

Ich bestellte einen und da ich ja ein wenig ungeduldig bin rief ich in der Zwischenzeit die Läden meines Vertrauens an um das Förmchen noch schneller zu bekommen. Aber entweder kannte/führte man diese Ausstecher nicht, oder nicht zu dieser Zeit (November). Mein letzter Anruf ging an Gebr. Jürgens im Mittelweg (man beachte bitte auch deren Shop-Site, allein schon wegen des Namens). Dort wußte man weder, was ich genau meine, noch hatte man es da. Ich war frustriert und fand mich fast damit ab, doch auf meine Onlinelieferung warten zu müssen. Fünf Minuten nach meine Anruf klingelte mein Telefon und man meldete sich mit den Worten, ob ich die Frau sei, die die Mutzenmandelform haben wolle, sie hätten natürlich welche da. Im Nullkommanix warf ich meine nachmittäglichen Pläne um und führ zu Gebr. Jürgens, wo ich mit den Worten “Ach sie sind die Mutzenmandeln” begrüßt wurde. Man präsentierte mir den Ausstecher in Kunsstoff oder Metall und ich entschied mich für Ersteren, da dieser auch ein Rezept auf der Verpackung hatte.

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Auf dem Rückweg holte ich noch schnell die restlichen Zutaten und Frittierfett. Wieder daheim probierte ich zunächst das Rezept, welches ich im Netz gefunden hatte aus. Teig bereitet und mit der schicken neuen Form ausgestochen. Soweit klappte das alles schon ganz gut.

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Nun also die Angst vor heißem Fett überwinden. Glücklicherweise besitzen wir seit unserem Truthahnessen ein Bratentermomether, welches auch für heiße Flüssigkeiten geeignet ist. Also alle Kinder raus aus der Küche und das Fett in der richtigen temperatur geschmolzen.

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Ich erinnerte mich, daß bei dem Bäcker immer die frischen Mutzenmandeln sofort auf einem großen Blech in Unmengen Puderzucker gewälzt wurden. Darum belegte ich ein Blech mit Packpapier, kippte ordentlich Puderzucker drauf und warf jede Portion Mutzenmandeln die ich aus dem Fett hob, dort hinein.

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Sah schon recht gut aus, schmeckte aber nur so lala gut. Das war das erste Rezept, das ich im Netz gefunden hatte. Ich nahm mir vor, demnächst mal das von der Förmchenpackung auszuprobieren.

Während meiner Rezeptsuche im Netz hatte ich ein besonderes Augenmerk darauf, ein Rezept zu finden, das eindeutig aussagte, daß es in meiner Heimat verwendet wird. Da ich nicht fündig wurde, aber wenn ich etwas will, recht hartnäckig sein kann, schrieb ich den Innungsmeister der heimatlichen Bäckerei-Innung an. Ich fragte ob er mir sagen könne, welche der verschiedenen zu findenen Variationen wohl dem Geschmack meiner Kindheit entsprechen könne. Da ich aber noch keine Antwort erhalten hatte, ging es gleich am nächsten Tag mit dem Verpackungsrezept weiter.

Kurz gesagt es wurde ein Disaster, das Fett wurde zu heiß, wurde schaumig und braun, der Teig ging im Fett so gar nicht auf und das geschmackliche Ergebnis war eher unterirdisch. Ich war recht enttäuscht und dachte schon daran, das Experiment Mutzenmandeln aufzugeben.

Am darauffolgenden Morgen bekam ich eine Email. Genau die, auf die ich gewartet hatte. Der Innungsmeister meldete sich. Er gab mir nicht nur Hinweise zur Zubereitung, sondern schickte mir gleich das Rezept mit, welches seine Bäckerei, die Altstadtbäckerei Richter, verwendet. Ich war glücklich und neu motiviert und wagte einen letzten Versuch.

Viel zu sagen gibt es nicht mehr, das Rezept entspricht zwar nicht ganz meiner Erinnerung aus Kinder-/Jugendtagen, kommt dem aber schon recht nahe. Lecker wurde das Gebäck mit dem Rezept auf alle Fälle und ich werde es bestimmt bald wieder einmal machen.

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Der Rest von Hamburg – Winterhude

In so einer großen Stadt wie Hamburg ist es durchaus normal, daß man sein Viertel, seinen Stadtteil kennt, vielleicht noch den angrenzenden oder den wo man dies kauft oder den besucht, aber dann ist oft Schluß. So fragte Herr Buddenbohm letztlich seine Leser ob man nicht über seinen Stadtteil berichten möge.

Zu Hause ist das erste was mir zu Winterhude einfällt. Hier begann meine Zeit in Hamburg (eigentlich Barmbek Süd, aber die damalige Adresse grenzt unmittelbar an Winterhude an, so daß man eigentlich genauso oft dort war), hier wollte ich nach dem Exil wieder hin.

Mein Winterhude spielt sich rund um den Mühlenkamp ab, erst südlich, nun nördlich, aber immer mit dieser charmanten Einkaufsstraße in der Mitte. Der Mühlenkamp und die angrenzenden Straßen weisen immer noch Einzelhändler jenseits der großen Ketten auf. Einen alteingesessenen Schuster, einen italienische Gemüse- und Feinkostläden, einen wunderschöner Blumenladen, eine eigenständige Boutique  und einen liebevoll geführter Buchladen findet man zum Beispiel hier. Klar, es gibt auch Budni, Edeka, Penny, Tchibo und Douglas, aber die füge sich hier eher ein, als den Einzelhandel zu verdrängen (Auch wenn mein Wollladen inzwischen weg gezogen ist, da die Vermieter lieber etwas hipperes in den Geschäftsräumen wollten). Dazwischen Cafes und Kneipen und das ein oder andere Restaurant, darunter die ausgezeichnete Küchenwerkstatt die schon fast an der Grenze zu Uhlenhorst zu finden ist. In den letzten Jahren kommen immer mehr Läden mit Kinderbekleidung, neu und Second Hand sowie Schnickeldi und Accessoires für die Kleinen hinzu.

Kinder sieht man hier viel. Wenn man um den Mühlenkamp herum spazieren geht, fragt man sich immer wo die Vergreisung der Gesellschaft statt findet, hier jedenfalls nicht. Die Kinderwagendichte ist hoch.

Man kann hier aber auch gut mit Kindern wohnen, es gibt diverse Betreuungseinrichtungen (die Frage ob man einen Platz bekommt steht auf einem anderen Blatt), Schulen, Kinderbespaßungsvereine/angebote, Kinderärzte, Bioläden und was man so als urbane Eltern ohne Garten und Großfamilie so braucht.

Es liegen hier zwei Spielplätze die mir sofort in den Sinn kommen, der „Schinkel“ ein in einem umbauten Platz integrierter Spielplatz, der vorallem im Sommer wegen seines Wasserbeckens beliebt ist. Am Goldbekplatz befinden sich zwei Spielplätze einer für die Kleinen, einer für die Großen. Letzterer wurde vor einiger Zeit umgestaltet und ist noch netter geworden und hat im Interesse der Mehrfacheltern nun auch Spielmöglichkeiten für die Kleinstkinder. Beide sind umzäunt, was es unglaublich erleichtert seine mehr oder wenig großen Kinder dort frei laufen zu lassen ohne Angst haben zu müssen, daß sie sich plötzlich auf der Straße unter Autoreifen wieder finden. Angrenzend an den Spielplatz hat es  ein Cafe in einem ehemaligen Toilettenhaus in dem man sich außer montags mit Getränken und Snacks versorgen kann und zu dem immer noch eine Toilette gehört, was durchaus seine Vorzüge hat.

Dreimal die Woche findet am Goldbekufer hinter dem Spielplatz der Wochenmarkt statt. Dort findet man von ökologisch angebauten Lebensmitteln, über handgeklöppelte Nudeln, Waren vieler regionalen Marktbeschickern, leckeren französischen Croissants,  bis hin zu Tupperware und Mützen, Käsegedöns und dem üblichen Krams, zwei recht gute Schlachter, einen Stand mit super leckerem Schafskäse und Antipasti-Leckereien und zwei bis drei Fischhöker. Während Dienstag und Donnerstag das Treiben dort eher beschaulich und gemütlich ist, die Anzahl der Stände geringer, wird am Samstag groß aufgefahren und das große Schaulaufen angesagt. Da kommen sie bei schönen Wetter alle in den feinen Fäden und monströser Sonnenbrille und flanieren gemütlich durch das große Angebot (sprich behindern mich und den Kinderwagen beim zügigen Einkauf ) um dann an dem einen oder anderen Kaffeestand gepflegt zu plaudern, diese oder jene Köstlichkeit im Täschchen. Irgendwann verschwinden sie dann wieder in ihre teuren Altbauwohnungen oder einem der schicken Cafes.

Altbau hat es hier in Winterhude noch ordentlich. Bezahlen kann ihn bald niemand mehr, zumindest so weit es sich nicht um Bestandsmieter handelt. Neben den Altbauten gibt es natürlich auch noch andere, Nachkriegsbauten, Bauten aus der Zeit zwischen den Kriegen, Neubauten und Baustellen Bunker und natürlich die Jarrestadt (dazu später mehr).

Wir hatten Glück, Wir scheinen eine der letzten noch bezahlbaren Wohnungen ergattert zu haben. Altbau ist es auch, aber Rotklinker und so schauen wir raus auf die schicken Altbauten gegenüber mit den großen schön eingerichteten Eigentumswohnungen, die man entweder vor Jahrzehnten erstanden/gemietet oder geerbt haben muß. Ist es ausgleichende Gerechtigkeit, daß Parkplätze rar sind?

Dafür haben wir die Ubahn dicht bei und wenn die Baustellen endlich fertig sind auch wieder zwei Buslinien um die Ecke. Verkehrstechnisch ist Winterhude ganz gut angebunden, es gibt Verbindungen zur U3 und zur U1, mehrere Buslinien und im Sommer kann man mit der Fähre zum Jungfernstieg fahren.

Apropos Wasser, Wasser haben wir auch. Winterhude wird im Westen von der Außenalster und im Süden vom Osterbekkanal begrenzt. Dazwischen liegen so einige Kanäle auf denen im Sommer reger (Paddel-/Ruder-/Tret-)Bootsverkehr herrscht. Flankiert von den Schwänen, die dann im Winter eingesammelt und ins Quartier gebracht werden um dann im Frühjahr wieder rausgesetzt zu werden.

Laut Wikipedia habe ich bisher eigentlich nur Winterhude Süd beschrieben, dabei wohnen wir eher in Winterhude Nord, dem Teil der sich der nördlichen Verlängerung des Mühlenkamps anschließt und bis rund um den Winterhuder Marktplatz reicht.

Der Winterhuder Marktplatz ist in meinen Augen eine Bausünde, nichts paßt so richtig zusammen und er wirkt unruhig, man weiß nicht wo man mit den Augen ankern soll. Aber zu ihm gehört auch eine kleine Einkaufspassage in der man neben Aldi, Roßmann und noch einem ganz netten Buchladen die Bücherhalle findet. Dies ist bei einem so lesehungrigen Kind wie meiner Großen nicht unwichtig. Die rundum den Platz und Richtung U Hudtwalkerstraße gelegenen Einkaufsmöglichkeiten  und Cafes sind durchaus reizvoll, so daß man sich nicht abschrecken lassen sondern ruhig einmal rumschlendern sollte. Auf dem Marktplatz selbst findet wöchentlich dreimal der Wochenmarkt statt, einmal in der Ökoversion.

Die hinter dem Marktplatz liegenden Straßen zwischen Alsterdorfer- und Ohlsdorferstraße sind wiederum geprägt von Altbauten, kleineren Läden und Lokalitäten.

Fährt man vom Winterhuder Markt in südlicher Richtung auf der Barmbeker Straße zurück Richtung Mühlenkamp vorbei am altehrwürden Hockeyclub, mehr oder weniger schöner Bebauung  und biegt fast am Ende in die Jarrestraße bekommt man eine weitere Facette des Stadtteils zu sehen. Läßt man den hässlichen Staples außer acht fällt der Blick rechterhand auf den Kampnagel. Einem ehemaligen Fabrikgelände welches inzwischen eine Kulturfabrik ist, vorrangig für Theater- und Musikveranstaltungen. Und dann ist man schon mittendrin in der Jarrestadt die sich von hier bis zur Saarlandstraße zieht. Ein am Reißbrett geplantes Wohnungsbauprojekt aus den Zwanziger Jahren, gebaut aus dem typischen Hamburger Rotklinker mit einer ganz eigenen liebenswerten Ausstrahlung. Es lohnt sich durchaus dort mal in Ruhe rumzustromern und das alte Viertel zu erkunden. Wären die Wohnungen nicht so klein, ich würd sofort dahin ziehen.

Was gibt es noch,die City Nord, ein riesiger künstlicher Bürokomplex, der aus Gebäuden besteht, die einem Architekturwettbewerb entsprungen sind. Nichts scheint so richtig zusammen zu passen und der den Gebäuden anhaftende Charme der späten Sechziger, frühen Siebziger Jahre gibt dem ganzen etwas von einer Geisterstadt in einem futuristischem Thriller.

Natürlich gehört auch der Stadtpark in seinen nördlichen Ausläufern zu Winterhude. Zum Stadtpark muß man nicht viel sagen, Naherholungsgebiet, Freilichtbühne, Hundewiese, Grillplatz, Fußballfeld, Naturbad, Spielplatz, Schwulentreff, Joggerstrecke, Plantarium, Rosengarten, für jeden etwas. Das mit dem Schwulentreff erwähne ich nur, weil ich mich lange fragte wieso auf vielen meiner Wege so oft eingepackte Kondome rumlagen, bis ich mal aufgeklärt wurde.

Man sagt Winterhude gerne ein schnöseliges Publikum nach, Sehen und Gesehen werden, zu schick, zu clean, keine Szene, kein Flair. Mag sein, gibt es hier sicherlicher, aber es gibt auch anderes. Alteingesessene, Neuzugezogene, alle mögliche Nationalitäten, Nachbarn die sich helfen, den Schnack mit seinem Höker um die Ecke, lachende Kinder ohne Markenklamotten die sich auf dem Spielplatz einsauen. Döner in der Jarrestraße, Portugiesische Natas in der Alsterdorfer Straße, gediegenes Frühstück im Drei Tageszeiten, Woolrich-Jacken-Ansammlung vorm TH2 an winterlichen Sonnentagen, Muttis in Funktionsjacken mit Tupperboxen auf den Spielplatzbänken. Alles ist möglich und ich wohne gerne hier. Mag daran liegen, daß ich zwei meiner Kinder in diesem Umfeld ausgetragen und geboren habe. Vielleicht auch daran, daß ich Landei mich hier relativ sicher fühle und das Umfeld für die Aufzucht der Brut angenehm finde. Was auch immer es ist, hier wohne ich, hier bin ich zu Haus.

Ein Adventsquilt

Ein kleiner Quilt ist fertig geworden, ein Quilt mit ein bisschen Geschichte.

Im Juni schickte mir die Frische Brise einen Karton voll mit Stoffresten, die von ihren Näharbeiten übrig geblieben waren. Sie näht ganz bezaubernde Sachen, die man hier sogar kaufen kann. Als sie auf Twitter fragte, wer etwas mit den Abschnitten ihrer Projekte anfangen könne, meldete ich mich und bekam nicht nur eine große Menge Stoffabschnitte, sondern auch noch ein Glas selbst gemachte Erdbeermarmelade von Wulksfelder Erdbeeren.

Beim Durchsehen und Sortieren der Stoffreste kam mir sofort ihr erwartetes Adventsbaby in den Sinn. Die Stoffe sagten geradezu “wir wollen ein Quilt für eben jenes Baby werden!” Ich fand das eine angemessene Aussage und folgte dem Ruf nur zu gerne. Ziemlich zeitgleich kam mir dieses Quiltmuster von Elizabeth Hartman in den Sinn, welches ich schon vor einiger Zeit entdeckt und als spannendes Projekt abgespeichert hatte. Angesichts der Stoffe war ich erst etwas unsicher, denn es befand sich kein einfarbiger Stoff bei den geschickten, aber ich wollte so viel möglich eben dieser Stoffe verwenden. Der in großer Menge vorhandene rot-karierte schien aber ein adäquater Ersatz, bzw ein guter Hintergrund zu sein. Die nächste Fragestellung war dann, ob denn der rote Rosenstoff sich nicht mit den Rot des karierten Stoffes beißen würde. Da sie aber auch beide Stoffe zusammen verwendet hatte, beschloss ich, daß das dann hier auch geht.

Die nächste Hürde war, daß noch niemand wusste, welches Geschlecht das Adventsbaby haben wird. Ich hoffte natürlich angesichts des Rosenmusters auf ein Mädchen und nutze einen Samstag, den der Mann mit allen Kindern unterwegs war, zum Zuschneiden der Einzelteile. Ich schneide selten  alle Teile eines  Quilts auf einmal zu, aber die Stoffe, die nur in kleinerer Anzahl vorhanden waren, schnitt ich komplett zu, ebenso eine große Menge für den Hintergrund.

Dann gab es erstmal eine Pause, ich habe was Nähen angeht ja so ein Aufmerksamkeitsdefizitssyndrom. Ich sehe was, fang das an, sehe was anderes, fange das auch an und muß dann erstmal das andere Nähen usw. usf. Ich nähte ein bischen für mein Baby, für die Großen, es war Sommer, das Baby ließ mich nicht immer nähen, ich hatte keine Motivation, was einem immer so dazwischen kommt.

Ende des Sommers, nachdem ich genug anderen Kram genäht hatte, wollte ich wieder quilten. Das Geschlecht des Adventsbabys stand inzwischen fest, kein Mädchen, was mich bezüglich der Farben noch einmal verunsicherte. Ich kramte in meinem Fundus nach weniger rosa-rot Stoffen, die zu den  vorhandenen und dem Adventthema passen. Ich fand einen grünen, der sich gut machte.

Einige Twitterdamen , die auch Nähen, wurden mit Fotos zu Rate gezogen und gemeinsam wurden die nun vorhandenen Farben auch als jungstauglich abgenickt. Also kamen zu den braunen und roten Sternen grüne hinzu. Ich schnippelte und nähte und schnippelte und konnte endlich die ersten Sterne zusammenlegen. Grün und braun waren recht bald alle und ich wollte angesichts des Geschlechts nicht noch mehr roten Rosenstoff verwenden. Da dies aber nun ein Adventsquilt für ein Adventsbaby werden sollte, kam mir die Idee, das etwas gold/gelb/weißes mit hinein muß. So ging ich auf die Suche und wurde bei Karstadt fündig.

Ein abgetönter weißer Stoff mit ganz zartgelber Musterung fand seinen Weg als weitere Sterne in den Quilt.

Ich kam dann auch mal auf die Idee, die fertigen Teile zusammenzulegen und mir Gedanken über die Endgröße zu machen, was ich bisher vermieden hatte, mir war nur klar, so groß wie die originale Anleitung wollte ich für so einen kleinen Menschen nicht nähen. Als ich also ausgelegt hatte und überlegte, welcher Stern an welche Stelle soll, konnte ich dann auch mal abschätzen, unter der Berücksichtigung der noch vorhandenen Stoffe, wieviel Teile ich noch brauchen würde. Gesagt getan, aus den Einzelteilen wurden Blöcke, aus den Blöcken Reihen und daraus das fertige Quilttop. Angeschaut, ausgemessen und für zu klein befunden. Fast alle der fertigen Quilts mit diesem Muster waren ohne Rand, da dies so auch nicht vorgesehen ist. Ich grübelte und beschloß, es muß einen Rahmen geben, damit der Zwerg etwas länger etwas von der Decke hat.

Darauf folgte mein Einkaufstag mit viel Frustration und großer Erleichterung, nachzulesen hier. Die dort erstandenen Stoffe und den aus dem Fundus, der zu der Rosenserie gehört, schob ich hin und her bis ich ein Design hatte, was mir gefiel. Nicht ohne mich mehrfach bei einer dreifachen Jungsmutti rückzuversichern, daß das geht.

Das Grün was hier nun in der Rückseite verwendet wurde, sollte erst die schmale Einfassung (Binding) des Quilts werden, dann der braungemusterte von der Rückseite, aber nachdem ich den hellen Rand um die Sterne genäht hatte, fand ich beides doof. Mir war klar, daß ich nicht eine einfache Rückseite haben will und dass ein Stern drauf soll. Somit fanden sich die beiden Stoffe dort wieder.


Hier nochmal im Detail zu sehen: bei dem braunen Stoff fiel ich wieder in die Unsicherheit, ob er wegen des Rosa-Anteil denn geeignet sei, aber die nette Dame bei Karstadt meinte, ich hätte den Stoff, das Braun sei perfekt und das bischen Rosa mache nix.

Einen Tag ohne Krabbelbaby brauchte es, bis ich aus Vorder- und Rückseite sowie dem Vlies ein Sandwich gesteckt hatte und dann ging es ans Quilten. Ich hatte mich für gerade Linien entschieden. Zum einen um dem Quilt ein bisschen das Verspielte zu nehmen und zum Anderen weil ich gerne meinen Obertransportfuß dafür ausprobieren wollte.

Blieb nur noch das Binding, der braune Stoff gefiel mir nicht mehr soo gut dafür, der grüne war verbraucht und war mir irgendwie doch zu frisch für einen wohlig warmen Adventquilt. Nochmal konferierte ich per iMessage mit der Freundin mit den Söhnen und machte dann am nächsten Tag einen weiteren Ausflug zum Alsterhaus, in der Hoffnung, daß die Westfalenstoffe fertig gezählt seien. Dort fand ich den Sternchenstoff.

Sternchen zu Sternen fand ich super, also kam er mit und wurde angenäht. Zwei Abende und einen wund gestochenen Finger später war alles fertig und ich konnte den Quilt waschen, trocknen und bügeln.

Alles was noch fehlte war das Fotoshooting fürs “Archiv” und wie ich mal in einer anderen Quiltanleitung las “Put a cute Baby on it”.

Leider hatte letzteres zur Folge, daß am Ende noch ein Erdefleck auf der Rückseite landete und ich durfte das Waschen, etc. nochmal wiederholen.

Vorgestern Abend half mir dann das Tochterkind beim Gestalten einer Karte und ich konnte das Päckchen fertig machen. Gestern ging es in die Post und heute kam es an und gefällt.

Yesterday Karstadt made my day

Ich näh grad was, etwas was ich hier noch nicht zeigen mag und kann. Einen kleinen Quilt, ich probier da was aus. Dafür brauche ich noch Stoff für die Rückseite und die Einfassung. Das was ich da habe ist nicht genug oder zu klein. Da ich zum Teil Stoffe von Westfalenstoffe verwendet habe, wollte ich etwas von denen dazu kaufen, damit es farblich harmonisch wird. Diese Stoffe gibt es nicht überall. Eine Suche auf der Website brachte viele nette Kruschläde am Rand und um Hamburg herum aber nur zwei die in einer machbaren Entfernung sind. Der eine davon ist ein Stoffladen mit einem eigentlich ganz netten Stoffsortiment, aber eine Inhaberin die ich als launisch und unfreundlich empfinde. (Mein zur Zeit Lieblingsladen führt die Stoffe nicht). Also schaute ich auf der Seite des besagten Ladens wieviel Auswahl sie haben und fand, daß es ausreichend war. Bevor ich mich und das Baby dann aber umsonst antüddelte und den etwas weiteren Weg mit dem Bus auf mich nahm rief ich extra an um nachzufragen ob das Online-Shopangebot dem im Laden entspräche. Ja bis auf eine wenige Ausnahmen sei eigentlich immer fast alles da. Gut genug, fand ich, um den Weg auf mich zu nehmen. Angezogen, Baby eingepackt und los.

Als wir ankamen bemerkte ich die fehlende Bank vor der Tür um dann den Aushang im Fenster zu sehen, daß der Laden noch diese und nächste Woche geschlossen sei, wtf. Ich hatte doch extra angerufen, gesagt, daß ich später vorbei komme, wieso hat sie (die Inhaberin) nix gesagt? Mir dämmerte, daß wohl eine Rufumleitung vom hiesigen in den recht neuen Laden im Rheinland bestehen muss. Trotzdem hätte man doch evtl. sehen können woher ich anrufe und mich informieren können.

Ok ich schluckte meinen leichten Ärger hinunter und beschloss, daß es von dort wo ich war nun auch kein Akt wäre noch in die Innenstadt zu fahren, was ich im Vorfeld eigentlich ausgeschlossen hatte, da im Alsterhaus die Auswahl an Westfahlenstoffen nicht so groß ist und die restliche Auswahl an Stoffen entweder sehr teuer oder unpassend ist. Egal, ich war unterwegs und ich hatte eine Mission, den fehlenden Stoff zu erlangen.

Angekommen im Alsterhaus fuhr ich frohgemut in die Handarbeitsabteilung und sah schon von weitem, daß die Regale wo diese Stoffe sonst liegen anders aussah. Nämlich so:

Völlig konstertiert, mit wirrem Haar, dem Kinderwagen, irrem Blick und müder Stimmt, fragte ich das anwesende Verkaufspersonal was denn mit ihren Westfalenstoffen passiert sei. Ich bekam eine eher patzige Antwort, daß die gezählt würden, da man mit denen gerade Inventur mache. Häh? Was? Im Oktober? Paah. Naja man sagte mir ich könne ja morgen wieder kommen, was ich mit einem meinerseits von Müdigkeit getragenen auch eher patzigen und leicht entrüsteten “Nääää, ich fahr doch nicht morgen nochmal quer durch die Stadt”, begleitet vom demonstrativen Kinderwagen vor mir hermanövrieren beantwortete. Es kann sein, dass ich ein gleichgültiges Schulterzucken wahr nahm, oder auch nicht. Zumindest fühlte ich mich etwas vor die Wand gelaufen. Man versuchte noch, eher unmotiviert mir was anderes zu verkaufen und ich ließ mich auf ein Stück Tilda Stoff ein, der das passenden Grün für die Einfassung zu haben schien. Ich verließ den Laden und obwohl von Schlafmangel leicht erschöpft und dazu unterzuckert, da ich ja nicht vorhatte so lange unterwegs zu sein, machte ich mich auf zu Karstadt um dort in der recht gut ausgestatteten Stoffabteilung nochmal zu schauen. Wenn ich einmal eine Mission habe, will ich die auch durchziehen. Diese lautete, nicht ohne Stoff zurück und so kehrte ich kurz beim Kaffeehaus meines Vertrauens ein, holte mir einen Kuchen und einen Kaffee zum mitnehmen und trottete weiter. Das zwischenzeitlich etwas unleidliche Baby schlief nun.

Ankunft Karstadt, zwei Verkäuferinnen, ein umlagerter Schneidetisch, ein geflöhter Tisch der Stoffe von Free Spirit, keine braunen Tilda Stoffe und die restlichen Patchworkstoffe eher zu piefig. Ich parkte das Baby am Tisch, stellte den Kaffee daneben und wuselte durch die Stoffe, mein Probestück des Quilts in der Hand, mal hier mal dort anlegend, mal einen Stoffballen rauszerrend um ihn dann genervt wieder zurück zu stopfen. Nebenbei hörte ich schon wie trotz des Andrangs die beiden Damen der Abteilung immer noch nebenbei einen guten Rat mit verkauften und super freundlich blieben.

Endlich war der Schneidetisch leer, in den letzten Zügen hängend fragte ich die eine der beiden Fachfrauen ob der Stress nun vorbei und sie mir helfen könne. Ich erklärte mein Anliegen, legte mein Probestück vor und beschrieb was ich mir als ergänzenden Stoff vorstellen könne. Nebenbei ließ ich noch meinen Frust los, wegen des geschlossenen Stoffladens und der leer geräumten Regal im Alsterhaus, zeigte sogar das obige Foto. Konnte sie gar nicht fassen die gute Frau, daß dort wegen der Stoffe Inventur gemacht würde. Egal, sie schien es nun als ihre Mission anzusehen mich glücklich zu machen. Rannte hier hin, dorthin, zog mich hinter sich her, wühlte unter den Tischen und versuchte mit mir etwas passendes zu finden. Beratschlagte, überlegte wie man die gewünschte Kombination hinbekommen könnte und war mehr als nur bemüht. Ganz großes Kino. Im Endeffekt passte keiner der braunen oder roten Stoffe wie es mir gewünscht hatte. Aber wir fanden etwas hübsch neutrales für die Rückseite. Als ich dann noch erwähnte aus der Westfalen Serie einen Stoff zu haben, den ich aber wegen des Rosa-Anteils nicht in dem Quilt verwenden wollte, sagte sie, daß das Quatsch sei und bestärkte mich den schon vorhandenen zu nutzen. Ich ging dann also nur mit dem Rückseitenstoff, keine große Summe, aber ich war glücklich.

Normalerweise bestelle ich viele meiner Stoffe, kaufe gerne im Stoffladen “um die Ecke” oder anderen kleinen Läden dieser Art. Zu Karstadt gehe ich meist nur wenn ich Kurzwaren brauche oder einen einfach Standardstoff. Trotzdem ist mir voher schon aufgefallen, daß gerade die zwei Damen die dort gestern waren, einen mit Leib und Seele beraten. Nix mit anonymen Warenhaus, Personal unmotiviert und unfreundlich. Es war fast so als wäre ich im kleinen Laden um die Ecke. So stelle ich mir Servie vor, so liebe ich das und so komme ich auch immer wieder, selbst wenn Karstadt nicht unbedingt die Stoffe führt die meine erste Wahl sind.

(Obwohl die sehr bemüht sind auch moderne und gewünschte Stoffe ins Sortiment zu bekommen und dort und vorallem im Alsterhaus dem neuen Trend, wir nähen uns Schnickeldi aus teuren Stoffen folgen und inzwischen einen Teil Stoffe anbieten, die es sonst nur in kleineren speziellen Stoffläden gab)

Danke liebe Damen aus der Stoffabteilung im Karstadt, ihr habt mir den Tag gerettet und ich bin mit einem Lächeln im Gesicht aus der Stadt gefahren.