Archiv der Kategorie: Nähkrams

Caifornia Dreamin – The neverending Quilt

Irgendwann im Spätsommer 2010 stolperte ich über das California Dreamin Schnittmuster für einen Quilt. Es wurde auf der Freespirit Website angeboten. Da diese nun zu Coats gehören, scheint es die Seite mit den freien Mustern so nicht mehr zu geben aber hier ist der link zu der Anleitung (pdf).

Während eines Besuches meiner Mutter bot ich ihr an einen Quilt zu nähen und dieser hier gefiel ihr. Da er im Original aber zu klein als Bettüberwurf ist, beschloß ich zwar der Anleitung zu folgen, aber soviel weiteren Stoff anzunähen bis die gewünschte Größe erreicht war. Da uns die Farb- und Mustergebung gut gefiel bestellte ich die Originalstoffe wie von der Designerin vorgegeben.

Wie das so ist bei einem neuen Projekt steckte ich anfänglich sehr viel Energie und Zeit hinein. Da ein großer Teil mit “paper piecing” genäht wurde, kam ich trotzdem nicht so richtig schnell vorwärts.  Anhand meiner Fotosammlung kann ich noch nachvollziehen, daß ich Anfang 2011 zumindest einen großen Teil des Originals fertig hatte. Dann fing es an mit den Unterbrechungen, der Mann der für einen Freund einen Babyquilt brauchte, die Schwangerschaft mit K3 in der ich irgendwann einfach nicht mehr nähen konnte, diverse andere Projekte, Unlust, Wartezeit auf nachbestellte Stoffe etc. pp. Irgendwann war das Vorderteil fertig, ein bischen trödelte ich dann noch an der zusammengesetzen Rückseite rum. Dann fehlte noch das Quilten. Ich hatte inzwischen eine neue Maschine, aber es war klar, daß ich das riesige Biest von 2,2 x 1,6m nur am Eßtisch und nicht an einem Nachmittag fertig bekommen würde. Irgendwann letztes Jahr raffte ich mich auf und kniete stundenlange auf dem Boden um die drei Schichten des Quilts zu heften. Blieb das Problem des Quiltens. Anfang diesen Jahres traf mich dann die Erkenntnis, dass alles nichts hilft und ich ja mal den Longarm-Quiltservcie des hiesigen Quilthouse ausprobieren könnte. Also schleppte ich alles im Februar dorthin, pulte 30 min alle Nadeln wieder raus und lies das gute Stück dort.

Zwei Wochen später konnte ich ihn abholen und als vor einigen Wochen mal die Familie gesammelt an einem Sonntag mir die Wohnung überließ machte ich mich am Eßtisch breit und nähte das Binding einseitig an. Nur zwei bis drei Tage später nach stundenlangen Nähsessions mit zerstochenen Fingern war es dann nach gut 3,5 Jahren endlich geschafft und mein Mammutprojekt war fertig. Ohne viele weiter Worte präsentiere ich hier nun das Ergebnis.

IMG_8807Die Vorderseite

IMG_8809Die Rückseite, zusammengesetzt aus den Resten

IMG_8812Das Medaillon in der Mitte (erkennt man, dass es zusammengesetzt ist?)

IMG_8811Die Halbkreise, ebenfalls zusammgensetzt, in der inneren Umrandung

IMG_8814Das Binding (meine Briefecken werden immer besser) und ein bischen vom Quilting

Morgen werde ich den Quilt auf den Weg bringen und ich bin gespannt was meine Mutter dazu sagt. (Zwischendrin hatte sie schon die Geduld verloren und gemeint ich solle den Quilt verkaufen wenn er mal fertig wird)

Taschen für die Mädchen

Nachdem die Decke und der Anzug für das Baby meiner Freundin fertig waren, hatte ich außer Großprojekten nicht wirklich was zu Nähen. Da kam der Newsletter von Lillesol und Pelle gerade recht. Dort wurde ein neues Täschchen vorgestellt, welches ich mir ganz gut für die Kleinste vorstellen konnte.

Da kurz nach dem Erscheinen des Newsletters bei uns eine Stoffmesse statt finden sollte, beschloß ich nach dem die Suche nach Material in der Stadt unergiebig war, dort die Stoffe und das Zubehör zu erwerben. Am Stand von Limetrees fand ich ein hübsches Stoffpäckchen. Bei meinem Haus-und Hofladen Glücksmarie passendes Gurtband und Schnallen und bei Handarbeiten Kaiser Magnetverschluß und Reißverschluß (Den ich dann doch nicht nutzte). Klar, ich hätte das also fast alles auch ohne Messe vor Ort kaufen können, aber dazu hätte ich eine Rundreise quer durch Hamburg unternehmen müssen, die mir so erspart blieb. Das Schnittmuster war relativ gut erklärt und üppig bebildert, so daß die Umsetzung kaum Probleme machte. Ich werde jedoch das Gurtband an den Enden wieder auftrennen und Schieber einsetzen, damit der Gurt auf die Körpergröße der Kleinen angepaßt werden kann.

IMG_8657Zu dem unruhigen Stoff fand ich keinen passenden Aufnäher, da aber an der Stelle wo nun der Name prangt der Magnetverschluß verborgen werden mußte, machte ich mir diese Namensapplikation. Ich bin mit dem Ergebnis recht zufrieden und die Lütte ist mächtig stolz ihre eigene Tasche zu haben.

Auf der Stoffmesse hatte ich meine Große dabei, die eifrig mit mir das Angebot begutachtete. Leider war es sehr voll, so daß man gar nicht alles so richtig anschauen konnte, gerade für sie war es schwer. Trotzdem gab es einen Stand  (by Bea) dessen fertige Taschen sie recht hübsch fand. Glücklicherweise wurden dort auch die Schnittmuster verkauft und so nahmen wir dieses und ein Aufbügelbild sowie die Verschlußschnalle mit. Bei einem Aussteller der mir schon bei der Kreativmesse gut gefiel fanden wir hübschen Stoff für das Täschchen. Netterweise wurde uns der Stoff auch als Fat Quarter verkauft, so daß ich nicht viel mehr als das Benötigte mitnehmen konnte. Die Anleitung war relativ simple und mit wenig Text gehalten, aber doch so, daß ich ihr ganz gut folgen konnte und so stellte ich in kurzer Zeit die Tasche fertig.

IMG_8656Auch hier bin ich mit dem Ergebnis recht zufrieden. Die Tasche ist übrigens nicht schief, sondern nur nicht so sehr gut von mir ausgebügelt worden.

 

“Make a wish” im Einsatz

Es macht mich immer und immer wieder sehr glücklich wenn ich auf Fotos sehen, dass die von mir genähten Sachen tatsächlich im Einsatz sind und wertgeschätzt werden und nicht verschämt irgendwo in einer Schrankecke verschwinden. Wobei ich das eigentlich ausschließe, da ich vorher immer frage ob Interesse besteht und meist auch ganz gut einschätzen kann ob der/die Empfänger einen Sinn für Handgemachtes haben. Gestern bekam ich ein Foto von dem kleinen Erdenbürger für den ich den letzten Quilt genäht habe und habe nun die Erlaubnis das Bild mit meiner Leserschaft zu teilen.

DSCF5571 (600x800)Ich finde es steht ihm richtig gut.

Noch ein Kuschelanzug

Eigentlich nähe ich ungern Dinge zweimal. Aber da der Kuschelanzug von der Babytochter so kuschlig war und weil eine Freundin den auch unbedingt wollte, nähte ich ihn ein zweites Mal. Ich habe tatsächlich vergessen von dem zweiten Exemplar ein vorzeigbares und vorallem fertiges Bildchen zu machen. Nunja.

Nach der “Make a wish” Quilt  (Für das von der Freundin erwartete Baby, welches nun auch da ist) fertig war, war mir was das Nähen angeht ein bischen langweilig. Da kam der Newsletter von Purl Bee gerade recht, der als neues freies Projekt einen Babyoverall hatte. Ich fand den ganz hübsch und dachte mir, das zu erwartende Baby könne sowas bestimmt gebrauchen und der sei noch fixer zu Nähen als das Modell aus der Zwergenverpackung. Ich ging somit zum Nähladen des Vertrauens und versuchte geeignetes Material zu finden. Dabei wurde mir der Baumwollfleece gezeigt den ich sie im Angebot haben und ein daraus genähter Overall wie der den ich auch schon zweimal genäht hatte. Bei deren Modell  fielen mir zwei Sachen ins Auge, erstens, hatte man diesmal die Nahtzugaben/Nähte komplett zwischen Jerseyfutter und Außenstoff verborgen und die Einfassung war so ein fancy Strickschrägband. Das fand ich alles so schick, daß ich meine ursprünglichen Pläne und die Abneigung etwas mehrfach zu Nähen über Board warf und mit Material für einen weiteren Kuschelanzug aus dem Laden ging.

Ich schnitt zu, nähte, fluchte, trennte, nähte, bügelte, steckte nähte usw. bis der Anzug fertig war und präsentiere diesen nun ohne weiteres Gewese.

IMG_8465Der Anzug in seiner ganzen Pracht

IMG_8468Der Sternchenjersey als Innenfutter und mein Lable (Ich fand den Jersey so passend zu dem schon verschenkten Quilt)

IMG_8469Der Fleece in der Nahaufnahme inklusive des schicken Schrägbandes.

Anleitung: Kuschelanzug aus der Zwergenverpackung 2 von Farbenmix

Materialien: Baumwollfleece und Sternchenjersey, Kamsnaps sowie das Strickband gekauft bei Glücksmarie

 

Make a wish

Als eine meiner ältesten und besten Freundinnen mir mitteilte, daß sie ihr drittes  Kind erwartet, war eine der ersten Gedanken, daß sie natürlich zum Baby etwas handgearbeitetes bekommen soll. Ich ließ ihr die Wahl zwischen einer gestrickten oder einer genähten Decke und sie entschied sich für letztere.

In der Auswahl der Farben hatte ich freie Hand, keine Präferenzen, keine Abneigungen. So ging ich auf die Suche nach etwas geeignetem, das auch für mich spannend zu Nähen ist. Ich stieß auf Pinterest auf diese Decke, die mir sehr gut gefiel. Da es sich um ein fertiges Produkt handelt, zeichnete und errechnete ich mir meine eigene Anleitung. Einfarbige Stoffe hatte ich schon einige gehortet. Für die Sterne wählte ich meinen liebsten Punktestoff, den ich für den ersten Babyquilt gekauft und nur sparsam verwendet hatte.

Heraus kam dann dieses hier:

IMG_8443Ich nenne den Quilt “Make a wish”, finde das sehr passend für einen neuen Erdenbürger.

Für die Rückseite hatte ich mir etwas besonderes ausgedacht. Schon lange war ich fasziniert von den Chenille Blankets, die ich das erste mal hier sah. Dann stolperte ich während ich noch Anleitungen suchte über dieses Tutorial. Damit stand fest, das probiere ich für dieses Projekt. Ich bestellte Flanell, entschied mich für drei Farben, kombinierte die beiden Anleitungen und nähte die diagonalen Quiltlinien. Weil es ja noch nicht bunt genug war, nahm ich dieses Garn.

So sieht das aus

IMG_8451Nach dem Quilten wurden die entstandenen Tunnel auf der Rückseite mit diesem Werkzeug aufgeschnitten. Das funktionierte mehr oder weniger gut, die Klinge verstopfte ständig und war sie nicht verstopft, war die grad genutzte Stelle relativ schnell stumpf. Aber angenehmer als mit einer Schere war es allemal. Zur Vollendung brauchte es noch das passende Binding. Ich entschied mich gegen einen gemusterten Stoff und wählte das oben zu sehende Blau aus, damit etwas Ruhe in den Quilt kommt.

Dann folgte der spannenste Teil, das Wasche und Trocken um zu sehen, ob der gewünschte Effekt eintrat.

IMG_8446So sieht die Rückseite nun aus.

Bischen näher, damit man den Effekt auch erkennt.

IMG_8447Ich hatte für die Rückseite Mittelblau, Rot und Türkis gewählt. Da ich nicht, wie in der einen Anleitung vorgegeben decorweight fabric benutzt habe, gab eine extra Flanellschicht in weiß. Das ist das, was man durchblitzen sieht. Diese Schicht ist direkt auf der Rückseite des Quilttops und wurde nicht mit zerschnitten. Wie man weiterhin sieht, habe ich die Ecken gerundet und darum auch das erste mal das Binding in der Diagonalen (bias) zugeschnitten, damit es sich gut um die Rundungen legt.  Letztendlich habe ich dann auch endlich mal wie so oft schon gelesen/empfohlen den Obertransportfuß zum Annähen verwendet. Das war prima, das sonst etwas lästige “Schieben” der Schichten unterblieb damit fast gänzlich.

Ein letztes Bild habe ich noch, das zeigt, daß die Vorder- und Rückseite farblich wunderbar harmonieren. Da war ich länger unsicher, welche Flanelle den passenden Effekt bringen.

IMG_8450Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und hoffe die Empfängerin freut sich darüber.

Fakten:
Größe: ca 99 x 99 cm
Stoffe: Für das Top hauptsächlich Kona Cotton Solids, für die Sterne einen Punktestoff von Alexander Henry. Die Flanelle sind von Robert Kaufman, das Binding ein Free Spirit Designer Solid.
Garn: Die Nähte sind mit Gütermann Garn, das Binding mit Aurifil genäht. Das Quiltgarn ist von Yli und oben verlinkt

Auf Rosen gebettet

Wer hier wohnt und nicht bei drei auf den Bäumen ist, der bekommt was genäht. Als klar war, daß der Hund einzieht, war genauso klar, daß ich ihm ein Kissen nähen werde. Na gut nicht sofort, aber nach Sichtung dessen was angeboten wird, entweder zu teuer oder hässlich oder beides.

Ich hatte noch im Hinterkopf, daß es bei Sew Mama Sew letztlich so etwas gab und fand es auch wieder. Das Pet Bed Turorial.

Daran und an der Erfahrung mit den Modern Bolster Kissen, die ich für die Kinder genäht hatte orientiere ich mich.

Ich hatte sogar extra diesen plush stoff aus der Anleitung bestellt, aber als er ankam, stellte ich fest, daß die Farben der zwei Stoffe nicht zueinander passen und der eine von beiden unglaublich quietschig ist. Mir fiel ein, daß ich, da das Kissen ja später im Schlafzimmer liegen soll, noch so Stoff da hatte der passen müßte. Also nicht irgendeinen Stoff, sondern welchen von Cath Kidston, der etwas dicker ist und zu den Gardinen paßt. Ein wenig frenetisches Suchen brachte eine größer als gedachte Menge zu Tage und nach einem Ausflug ins Alsterhaus war das Material komplett.

Einige Tage später, nachdem ich gerechnet, geflucht, zugeschnitten und genäht hatte, war das Kissen fertig. Leider hatte ich bockig den zu kurzen Reißverschluß eingenäht und somit riß beim Einsetzen des Innenkissens in den Bezug die Naht auf. So blieb mangels Zeit und Gekränktheit das gute Stück wochenlang liegen, bis ich mich erbarmte und es wieder auseinander nahm, mit drei Versuchen den Reißverschluß halbwegs ordentlich drin hatte und vorhin dann das letzte Stück wieder einsetzte.

Voilá:

IMG_8245Mit Hund, noch in der Küche

IMG_8253Seitenansicht

IMG_8254Von Oben

IMG_8247Und als Bonus ein Vanitybild des Hundes

Außer dem Stoff con Cath Kidston, habe ich für die Seiten Easy Cotton in Pink und für die Keder Westfalenstoff in Blau verwendet. Das Kissen ist 90x60cm groß. Es hat ein Innenkissen aus einfacher Baumwolle, welches mit dem Inhalt der Ikeafüllkissen gestopft ist. Hinten am Bezug befindet sich ein Reißverschluß, damit man das Außenkissen bei Bedarf waschen kann. Für den Keder habe ich mich grob an diesem Tutorial bedient, da ich solche bisher nur einmal gemacht hatte. Last but not least, alle Stoffe sind noch einmal mit aufbügelbarer Gewebeeinlage verstärkt, damit die Hundekrallen sie nicht so leicht zerreißen können.

Bleibt nur zu hoffen, daß das Vieh die Arbeit auch zu schätzen weiß und das Kissen später (wenn sie sauber und nachts nicht mehr eingesperrt ist) annimmt.

Nachgetragen – Kanga

Wenn man das große Kind öfter mit den in den Stoffladen nimmt und wenn eine der dort arbeitenden Personen gefühlt jedesmal eine andere Version eines gewissen Sweaters anhat, dann kann das schonmal dazu führen, daß das große Kind irgendwann sagt, es möchte genau _diesen_ Sweater haben.

Wenn man also sein großes Kind sehr lieb hat und versucht ihm möglichst viele Wünsche die halbwegs vernünftig erscheinen zu erfüllen und dazu noch gerne näht, dann kann es passieren, daß man seine Abneigung gegen Jersey und Sweat mal beiseite schiebt und überlegt dem Kind das gewünschte zu nähen.

Wenn man dann  an einem Tag durchs alte Viertel streift, dabei arg wehmütig wird, der Stoffladen um die Ecke liegt und man sich dort ein bischen aufmuntern geht. Dann kann das passieren, daß man mal so ganz nebenbei, weil man ja gerade keinen Stoff braucht, den Schnitt kauft und mit nach Hause nimmt.

Wenn dann zufälligerweise auch noch die ausreichende Menge Stoff im Haus ist,  die eigentlich mal ein Kleid für mich werden sollte, spricht nichtsmehr  dagegen den Schnitt tatsächlich auszuprobieren.

So geschehen vor einiger Zeit in diesem meinen Haushalt. Nach einigem Gefluche, vorsichtigem  Zuschneiden, Anmaulen der Nähmaschine, Auftrennen und dem Üblichen wurde tatsächlich ein vorzeigbarer Sweater angefertigt.

IMG_8150Seitlich und hinten, damit man die Taschen sieht.

IMG_8154Und einmal von Vorne.

Ich muß sagen ich bin ein bischen sehr stolz auf das Endergebnis und die Tatsache, daß die Große den Pulli gerne und oft trägt. Danke Sarah von Glücksmarie fürs Mutmachen.

Schnitt: Kanga von Jolijou

Stoff: Lillestoff und einfarbiger Jersey sowie Bündchenware

 

p.s. vor einiger Zeit hatte Glücksmarie auch einen Kurs zu dem Schnitt, der wohl momentan nicht mehr angeboten wird. Das trotzdem interessante Kursprogramm für die nächsten Monate findet ihr hier.

Produktinformation für die, die gerne Nähen

Ha, da hab ich es aber schnell noch hinbekommen ein genderneutrales Topic zu erstellen.

Also ich wollte ja nur mal eben sagen, dass mein neuer Nahtauftrenner die Wucht in Tüten ist. Wie sagt man so schön, der Nahtauftrenner, der beste Freund derjenigen, die nähen? So oder ähnlich, bei mir stimmt das zumindest. Ob nun ein Fehler passiert ist oder mein innerer Perfektionist nicht zufrieden ist, bei jedem Projekt wird immer irgendwas wieder aufgetrennt. Jedesmal dann das Gefiesel mit dem Ding und anschließend das noch fiesere Gefiesel, die kleinen Fadenschnippsel aus dem Stoff zu bekommen.

Jetzt nicht mehr, denn ich habe das hier:

SeamFix-450

Das erste mal sah ich den Seam-fix Fadentrenner in meinem Nähmaschinenladen und fragte neugierig, was das wohl sei. Er wurde angepriesen wie saures Bier und damit war er für mich schon wieder durch :)  - kleine Trotzreaktion. Dann sah ich ihn das nächste mal in einem Handarbeitsladen und da ich irgendwie was kaufen wollte und nicht genau wußte was, nahm ich den halt mit, weil die dortige Verkaufsperson auch sehr angetan war. Kleine Übersprungshandlung, jaja.

Irgendwann bei einem der nächsten Projekte hier erinnerte ich mich an das gute Stück und als das unvermeidbare Trennen kam, probierte ich es aus. Zunächst liegt er gut in der Hand, denn der Griff ist wesentlich dicker als bei den sonstigen  handelsüblichen Konkurrenten. Der Clou ist aber diese komische Kappe, das ist ein “Fusselradierer”. Nach dem Trennen rubbelt man damit sachte über die getrennte Naht und dadurch kommen wirklich so gut wie alle Fadenreste einfach raus. Bei den Stoffen, die ich verwende konnte ich auch keine “Rubbelschäden” sprich Verzug oder Ausfransen erkennen. Also mein Fazit: eine Investition, die sich gelohnt hat und ein Produkt, das ich gerne weiterempfehle.

Das Biest aka der Hochzeitsquilt

Wer quiltet tut dies meist mit viel Leidenschaft. Für den Prozeß, das Entwerfen, die Umsetzung einer Anleitung oder einfach für die Stoffe. Man sucht sich aus was einen anspricht, gefällt oder fasziniert und setzt es so gut man kann um. Eine besondere Herausforderung ist die Umsetzung wenn man die Auswahl der Stoffe und/oder des Designs jemandem anders überläßt. Man verläßt seine Komfortzone und das zum Teil in eine Richtung die man so nicht gewählt hätte.

Vor einiger Zeit wurde ich von einer Bekannten gefragt wurde, ob ich für sie einen Hochzeitsquilt für ihre beste Freundin fertigen könne. Sie hatte vor sich von den Hochzeitsgästen Stoffe schicken zu lassen, die ich dann vernähen sollte. Ich fand das spannend und sagte zu.

Meine Komfortzone war ziemlich überschritten, als wir uns trafen und ich die inzwischen eingetroffenen Stoffe übergeben bekam. Ich war zum einen erstmal entsetzt was als vernähbarer Stoff angesehen wurde und wie schwer es einigen gefallen war die vorgegebenen Maße einzuhalten oder zu bedenken, daß ein Stoff der vernäht wird sowas wie eine Nahtzugabe braucht. Aber nun gut nicht jeder versteht Nähen und kennt sich damit aus. Und ja die Auftraggeberin und ich hatten im Vorfeld besprochen was für Stoffe in welchem Maß gebraucht werden.

Im ersten Moment wollte ich alles hinschmeißen, ich fand so viele Stoffe häßlich oder nichtssagend und dazu oft lieblos gestaltet. Aber es sollte nicht mein Quilt werden, nicht meinen Geschmack treffen und ich hatte zugesagt etwas daraus zu nähen. Irgendwie packte mich dann auch der Ehrgeiz etwas vorzeigbares zu gestalten.

IMG_8045Der noch unbeschnittene und ungeordnete Stapel der Stoffe

So saß ich dann daheim vor dem Haufen Stoffe den ich größtenteils doof fand und teilweise eigentlich ungeeignet für einen Quilt. Als ersten Schritt nahm ich die Polyester-, Jersey- und dünnen Teilstücke und bügelte sie mit Vlieseline auf einfache Baumwolle auf, damit sie vernähbar und waschbar werden. Fummelig war es die beiden bedruckten Polyesterfähnchen von der Baumwolle zu trennen auf der sie mit zu dicker und schiefer Naht aufgebracht worden waren.Die auf Stramin erfolgte Stickerei nähte ich mit Zickzack ebenfalls auf ein Stück Baumwolle auf.

Danach berechnete ich was die größtmögliche Fläche pro Stoff werden könnte und schnitt gleichmäßige Quadrate zu. Dabei vielen nochmal drei Stoffe raus, da sie dank des aufgebrachten Textes zu groß waren um sie irgendwie zu verwenden und/oder wegen des Materials (Wolle bzw. mit Knöpfen ohne Nahtzugabe eng benäht) nicht verarbeitbar waren. Bei einem konnte ich noch einen Teil des nicht beschriebenen Stücks als Blankoquadrat retten.

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IMG_8046Bilder aus dem Prozess des Sondieren, Fixieren und Zuschneiden.

Nachdem das alles durch war, machte ich erste Proben wie die Quadrate anzuordnen seien, was auch ein bischen durch die Anzahl der Quadrate vorgegeben war.

IMG_1496Wie man sieht ist ein Quadrat größer geblieben, aber da es relativ aufwändig mit Applikationen versehen ist, brachte ich es nicht übers Herz das nur aus Formatgründen rauszuwerfen.

Am Tag der Materialübergabe war ich mit der Auftraggeberin noch im Stoffladen gewesen, da wir uns einig waren, daß ich die Quadrate nicht einfach nur aneinander nähen soll/will. Es sollte etwas neutralisierendes, aber nicht weißes als Stege dazwischen.  Wir entschieden uns für ein recht neutrales Hellblau.

IMG_1497Da einfach nur Stege nähen ein bischen langweilig ist und ich von einem der eingereichten Stoffe noch einiges übrig hatte, verwendete ich diesen um “cornerstones” zwischen die Stege zu setzen.

Die Auftraggeberin hatte schon beim ersten Treffen entschieden, daß sie gerne Pink an dem Quilt haben möchte und sich im Laden in einen Blumenstoff verliebt. Nachdem ich die Quadrate mit den Stegen und Cornerstones zu einem vorläufigen Quilttop vernäht hatte, war mir klar, daß das Top breiter werden muß, damit die Proportionen stimmen. So fuhr ich erneut in den Stoffladen um den gewünschten Stoff mit den Blumen und einen passenden für den Rand des Tops zu kaufen.

IMG_1519Der Blumenstoff und passend dazu gewählt vom gleichen Hersteller ein Punktestoff mit dem selben Pink.

Damit das entschiedene Pink nicht direkt an die Quadrate stößt hatte ich mich entschieden vor dem Hinzufügen des Pink umlaufend um die Quadrate auch einen hellblauen Rand anzunähen, das erschien mir wesentlich harmonischer und symetrischer.

Danach schnitt ich den Randstoff wie ursprünglich geplant zu und nähte eine Seite an.

IMG_1513Da der Punktestoff nicht die erforderliche Länge hatte und weil ich ihn mit dem Hellblau verbinden wollte nähte ich von diesem einen Streifen rein. Als ich das fertig hatte und so auslegte fand ich den pinken Rand zu wuchtig um die gleiche Breite auf der anderen Seite auch noch anzufügen, Einige SMS mit der Auftraggeberin und ein bischen Grübelei meinerseits später kam ich zu folgender Lösung.

IMG_1516Das gefiel mir richtig gut und auf diesem Bild sieht man nochmal wie ich die applizierte Kirche mittig integriert hatte.

Das Top war somit fertig, blieb noch die Rückseite. Das war etwas schwierig, da der Quilt jedes Maß üblicher Stoffbreiten überschreitet und ich nicht Unsummen für noch mehr Rückseitenstoff ausgeben wollte. Ich suchte dann ein bischen in  meinem Vorrat, drehte und wendete die vorhandenen Reststücke, rechnete, fluchte und bekam schlußendlich eine Rückseite hin, mit der ich zufrieden war.

IMG_1525so!

Dann folgte das Zusammenheften von Rückseite, Vlies und Top. Ich wagte mich auch aus Zeitmangel diesmal an Sprühkleber. Bisher war ich sehr skeptisch ob das wirklich hält, ob ich mich damit vergiftet und ob ich damit einen Quilt faltenfrei zusammengeheftet bekomme. Kurz, es klappte hervorragend, die Familie war ausquartiert, viele Fenster auf und ich arbeitet konzentriert und das Ergebnis war toll. Kein Verschieben unter der Maschine und kein stundenlanges stecken von Quiltnadeln auf dem Boden kniend.

Ich hatte mich schon im Vorfeld für entschieden den Quilt mit geraden Linien im Karomuster zu quilten und so begann ich dies und quiltet den Bereich entlang der blauen Stege.

IMG_1535Das ging dank Obertransportfuß auch ganz gut. Leider stellte ich am Ende fest, daß alle Nähte auf leichtem Zug rissen und durfte alle wieder auftrennen. Das kostete 2,5 Tage. Ich wurde etwas panisch und zog das Tempo an und nähte jeden Abend bis mindestens 22.00 Uhr damit ich den Abgabetermin einhalten kann.

Drei Tage vor Abgabe hatte ich alle Quiltnähte sitzen und fing an das Binding zusammenzustellen. Um etwas passendes zu finden war ich zweimal in meinem Stoffladen gewesen und erst beim zweiten Versuch war ich halbwegs mit meiner Auswahl zufrieden. Ich setze vier verschiedene Stoffe zusammen, die die Farben aus der Rückseite des Quilts wiederspiegelten. Ich nähte das Binding einseitig mit der Maschine an und am selben Abend begann ich noch mit dem händischen Annähen desselben auf der Rückseite. Ich nähte inzwischen wie eine Besessene denn dieser Teil dauert relativ lange und ich von mir eher ungeliebt, ich habe gerne mal monatelang einen Quilt rumliegen dem noch das Binding fehlt.

Dienstag früher nachmittag und ich hatte den letzten Stich genäht. Noch zwei bis drei Kleinigkeiten korrigieren und mein Lable angenäht und das gute Stück wanderte in die Waschmaschine. Das war ein sehr kritischer Punkt, den die Auftraggeberin und ich hatten hin und her diskutiert ob der fertige Quilt vorher zu waschen sei. Sie hatte Sorge die Schriften verschwinden/verschmieren, ich sehe hingegen das Waschen und Trocknen als letzte Qualitätskontrolle an und außerdem waren lauter Markierungen auf dem Quilt die nur mit Wasser zu entfernen waren.

Aber es ging bis auf einige Stellen alles gut, die meisten Schriften hielten, die Nähte auch und nach dem Trocknen war ich mit dem Endergebnis recht zufrieden. Ich schnappte mir meinen staatlich geprüften Quilthalter und schoß noch einige Fotos im Garten.

IMG_8055vorne

IMG_8057hinten

IMG_8061Details vom zusammengesetzten Binding

IMG_8062Last but not least, jetzt auch mit Label :)

Heute habe ich den Quilt ausgeliefert und so wie es aussieht war die Auftraggeberin sehr zufrieden. Nun bin ich gespannt was das zu beschenkende Hochzeitspaar sagt. Ich hoffe es gefällt ihnen.

Mein persönliches Fazit, ich habe oft geflucht und gegrübelt, hätte ein- zweimal gerne alles in die Ecke gepfeffert, aber unterm Strich war es eine spannende Herausforderung ich denke ich habe doch noch so einiges aus dem für mich zuerst unbefriedigendem Material rausgeholt.

 

Lotta – Ich hab da mal was ausprobiert

Seit ich mich erinnern kann muß ich mit meinen Händen immer mal wieder was neues ausprobieren. Das war schon als Kind so und hat sich auch jetzt nicht geändert. Meistens will ich einfach wissen ob ich das hinbekomme und ob es mir Spaß macht. So versuche ich mich auch mal an ungewohntenProjekten.

Schon länger fiel mein Augenmerk immer mal wieder auf selbst genähte Puppen nach Waldorf Art. Was ich bisher davon sah, fand ich teilweise doof, teilweise hübsch aber irgendwie zu kompliziert für mich. Ich war einfach der Ansicht mit diesem größtenteils ohne Maschine zu nähendem Kram nicht zurecht zu kommen. Zumindest nicht so, daß ich mit dem Ergebnis zufrieden bin.

Es ließ mich aber nicht los und nachdem ich mitbekam, daß Mariengold eine ausführliche Anleitung und ein Materialpaket verkauft, dachte ich mir, ich kann es ja einfach mal ausprobieren und wenn es nichts wird, dann sag ich es keinem.

Also wurde die Anleitung bestellt, die netterweise als PDF Ebook versendet wird, was so ungeduldigen Menschen wie mir sehr entgegen kommt. Ich studierte die Anleitung vorwärts und rückwärts und beschloß, daß ich es wirklich mal probieren kann und bestellte das Materialset für die Puppe Mitzi.

Dank des unwilligen DHL Zustellers (andere Geschichte) dauerte es länger als vorgesehen, aber letzte Woche Montag war mein Material dann endlich hier. Die Familie vernachlässigend zog ich mich zurück und versank vollständig in der Herstellung des Kopfes und des Körpers. Mir war klar, daß wenn ich den Kopf nicht so hinbekam, daß er mir gefällt würde alles in die Ecke fliegen und das wollte ich nicht riskieren.

IMG_7731Erstmal den Mullschlauch zurechtlegen und abbinden. Das war einfach.

Dann kam das wickeln des Kopfes aus Schafwolle im Band. Man sollte möglichst lange Stränge wickeln und das möglichst fest. Natürlich riß mir der Strang mehrfach, aber irgendwie bekam ich dann eine Kugel hin, die relativ gleichmäßig rund war und ich stopfte sie in den Mullschlauch und band ihn zu.

IMG_7732Dann folgte das Abbinden, was ich ziemlich genau nahm, damit der Kopf auch die von mir gewünschten Proportionen hat.

IMG_1237So, ungefähr, man sieht noch das Band, welches am Hinterkopf langläuft, das wurde später noch runtergeschoben.

Dann kam das Beziehen mit dem Puppentrikot, welches vorher in Kopfform zusammengenäht wurde und nach dem Beziehen oben auf dem Kopf händisch festgenäht wird.

IMG_7735Ich hab ziemlich lange gefummelt, damit die Faltenlegung da oben gleichmäßig und nicht zu auffällig wird und dann alles angenäht. Obwohl ich ungern mit der Hand nähe, da ich finde, daß ich das nie ordentlich hinbekomme, war ich mit dem Zwischenergebnis zufrieden.

Natürlich macht ein Kopf noch keine Puppe und darum ging es dann an das Nähen des Körpers und entgegen meiner Abneigung elastische Stoffe zu nähen funktionierte auch das recht gut.

IMG_7736Die gestopften Arme der Körperform und die angenähten gestopften Arme. Die Naht oberhalb der Beine sieht krummer aus als sie ist, aber natürlich ist sie mir nicht gerade genug.

IMG_1238Ausgiebiges Gefluche, Gemotze, Gestopfe, Fingerbrechen und so später hatte ich dann den Kopf an dem Körper befestigt und alles ausgestopft.

Auch wenn es für mein überkritisches Auge eines zu motzen gab, war ich soweit zufrieden, sprich es flog nichts in die Ecke und ich begann die Perücke zu häkeln.

Meine Fresse, Mohair eng zu Häkeln ist auch eher etwas für sehr geduldige Menschen. Aber ich riß mich zusammen, machte und tat, trennte ein bischen, machte weiter, wechselte die Beleuchtung und irgendwann konnte ich vermelden, Perückengrundlage fertig.

IMG_1244Hier im aufgesteckten Zustand noch nicht angenäht. Zwischenzeitlich hatte ich mich trotz großem Respekt an das Aufsticken des Gesichts gewagt und war, oh Wunder, damit auch zufrieden.

Es folgten das Annähen der Perrücke, das Einknüpfen der Haare, das wieder Raustrennen der Haare, das Erneute Einknüpfen etc. pp. Was ich aber auch versuchte, mir reichte das Garn nicht und so mußte die Puppe eine Zwangspause einlegen bis ich neues Garn erhielt.

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Die Pause nutzte ich um die Bekleidung zu nähen, an der Unterwäsche wäre ich beinah gescheitert, habe aber dann alles gegeben und sie hat nun Unterwäsche die zusammengenäht und versäubert ist, mir aber von der Ausführung nicht besonders gefällt. Es gab dann noch eine Tunika und eine Bluse, auch Anleitungen von Mariengold. Die gelangen mir zwar auch nicht zur vollen Zufriedenheit, aber gut genug um sie zu lassen.

Und so wurde nach dem Einknüpfen der letzten Haare, dem Versuch einer Frisur und dem Röten der Wangen aus einem Haufen Stoff und Schafwolle eine richtige Puppe.

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Guckt mal, das Gesicht ist wirklich so geworden, daß ich es angucken mag und das will was heißen, denn bei Puppengesichtern bin ich dermaßen krüsch.

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Die große Tochter hat bestimmt, daß diese Puppe den Namen Lotta tragen muß. Ich hatte die Puppe eigentlich für die Kleinste hier gedacht, bin aber noch nicht schlüssig ob sie meine bleibt.

Als Fazit kann ich sagen, daß es unglaublich Spaß gemacht hat, daß die Anleitung sehr gut war, nur an wenigen Stellen war ich unsicher wie etwas gemeint ist oder am Besten handwerklich umzusetzen ist. Maria, die die Anleitung schrieb, war aber so nett und beantwortet Fragen per Email prombt und ausführlich. (Danke) Meine Ausführung ist mir (jaja!) mal wieder nicht ordentlich genug und ich sehe überall kleinere Fehler, aber das schluck ich jetzt mal. Dumm war es denn Aqua Trickmarker zu benutzen, denn an den Nähten sieht man den schön blau durch. Ich sollte also nochmal mit Wasser nacharbeiten, damit das verschwindet.

Jetzt wollen die Großen bitte sofort auch eine solche Puppe und ich warte mal wieder auf Materiallieferungen.