Archiv der Kategorie: Sweet family-life

Mit Nadel und Faden gegen den Alltag

Es war wirklich anstrengend die letzten Wochen hier. Familie und Alltag erforderten viel Aufmerksamkeit. In solchen Phasen brauche ich dann dringend Auszeiten, in denen ich konzentriert nähen kann. Gut, das ungestört konzentrierte Nähen ist auch eher so eine Illusion, da die Kleinste gerne beim Nähen auf meiner Arbeitsfläche sitzt, Stecknadeln anreicht und mir lange Geschichten erzählt. Die Großen hingegen kommen gerne mal dazu und beklagen sich über Ungerechtigkeiten des anderen Elternteils, des Geschwisters oder des Lebens allgemein. Aber zwischendrin ist es wirklich fein mal wieder mit den Händen zu arbeiten und dabei etwas mehr oder weniger erfolgreich zu erschaffen :) Zunächst habe ich mich an ein Quilttop gemacht, welches schon über ein Jahr rumliegt, da fehlen jetzt aber doch noch Teile, darum gibts das nicht mit Bild.

Während ich auf einer Nähzubehörverkaufswebsite rumsurfte wurde ich auf eine Gratisanleitung aufmerksam, die ich einfach nur toll fand. Dieses hier. Ich bestellte mir die Stoffe (inzwischen sah ich, daß es die meisten benötigten auch beim hiesigen Karstadt gibt) und legte los. Das hat wirklich Spaß gemacht, anstatt zu patchen zu applizieren. Herausgekommen ist das hier: IMG_0143Die Rückseite kann ich leider nicht zeigen, da die Kissenfüllung noch zu groß ist und daher der rückwärtige Hotelverschluß unschön aufspringt.

Unterwegs im Namen der Famillie machte ich in einen Abstecher in einen Buchladen und gewohnheitsmäßig schaute ich kurz in der Handarbeitsabteilung vorbei was es so neues gibt. Ich stolperte über das Buch (in der deutschen Ausgabe) und blätterte ein wenig drin rum. Obwohl ich vor einger Zeit noch das Ansicht war, so einen Quatsch mit Handnähen sei nichts für mich, erschien es mir plötzlich verlockend. Die Lösung des Problems nicht nähen zu können, da entweder unterwegs mit den Kindern oder die Unmöglichkeit sich ins Nähzimmer zurück zu ziehen. So was kleines um Papier genähtes ist schließlich transportabel, geht im Bus, im Auto, auf dem Sofa. Diesen Quilt aus dem Buch fand ich besonders hübsch. Ich recherchierte, besorgte mir das Buch im Original, Material, und fing einfach an.

Die Stoffe die ich verwende sind größenteils Reste von irgendwelchen anderen Projekten oder Reste die mir geschenkt wurden. Ein kleines bischen habe ich dazu gekauft, damit farblich mehr Vielfalt gegeben ist. IMG_0145Das ist mein bisheriger Stand, 13 der ca 134 Einheiten habe ich genäht. Mit der Hand, ich!

Die Vorstufe zu so einer Einheit sieht so aus:IMG_0146Kleine Rauten werden um eine Papier- oder Plastikschablone geheftet, dann erst zu einem halben und dann einem ganzen Stern verbunden. Danach werden die bunten Rauten drumrum genäht. Und wenn ich dann alle Einheiten fertig habe werden diese wiederum aneinander genäht. Faszinierend ist, was die richtige Nadel bzw der Faden für einen Unterschied machen bei der Arbeit. Ich habe nun diverse Nähfäden und -nadeln hier, die ich abwechselnd nutze. Ich bin gespannt wie lange das ganze Projekt dauern wird.

Während ich schon an dem Projekt des unendlichen Quilts saß, stolperte ich über diesen Blogeintrag. Ich lese dort schon lange und habe auch die erwachsene Version des Sherwater Kaftans einige mal dort gesehen, war mir aber nicht sicher ob das was für mich ist, ich das hinbekomme und überhaupt. Daher fand ich den Bericht über die Kinderversion verlockend. Nach kurzer Zeit entschied ich mich auch den Originalstoff zu verwenden, da er gut zu fallen scheint, mir aber Liberty oder Voile zu teuer und zu dünn erschien. Es ist eine sogenannte Double-Gauze, zwei Schichten feiner eher offen gewebter Stoff.

Am Samstag kam der Stoff und am späten Nachmittag als aller familiärer Kram erledigt war fing ich an. Ich habe sogar meine ungeliebte Overlock rausgekramt um die offenen Kanten zu versäubern. Der Kaftan besteht aus wenigen Teilen und ist relativ simpel zu nähen. Die Anleitung ist super, wenn man englische Anleitungen gewohnt ist zu lesen. Ich kam ziemlich weit am Abend, auch wenn ich zwischendrin mit der Großen einen Film schaute. Am Sonntag morgen säumte ich noch die Ärmel und dann war ich schon fertig.

IMG_0142Ich bin recht zufrieden, auch wenn es einige kleine Fehler zu finden gibt, wenn man genau hinschaut. Die Laschen zum Festknöpfen der aufgekrempelten Ärmel habe ich weg gelassen, weil ich keine Lust hatte mich mit meiner Nähmaschine um Knopflöcher zu streiten und weil die Tochter die eh als störend empfindet.

Kaum hatte ich das Bild gemacht, kam die Große auch schon an und probierte ihre neue Tunika.IMG_0138

Wie man sieht ist sie mit dem Ergebnis sehr zufrieden und trug das neue Teil gleich gestern und heute zur Schule.

Und nachdem das nun abgehakt ist widme ich mich wieder dem Zusammenfummeln kleiner Stoffrauten.

Von Seelenorten und Familie

Ich war siebzehn als die Eltern meiner Freundin vorschlugen, daß ich sie in den Herbstferien auf diese Insel begleiten sollte. Ich war noch nie da gewesen, aber einen Urlaub mit meiner Freundin und ihrer Familie am Meer klang verlockend. So kam der Tag an dem ich meine Habseligkeiten in einen der zwei Wagen der Freundinfamilie verlud und wir losfuhren. Was für mich neu und aufregend, war für alle Anderen quasi Routine, denn die Familie verbachte seid Jahren diverse Urlaube dort, dank des großväterlichen Hauses. Der erste überwältigende Moment war, als wir auf der Fähre uns auf dem Oberdeck versammelten. Ich erinnere, daß es schon langsam dunkel wurde und meine Freundin und ich im jugendlichen Übermut Tanzschritte aus der damals besuchten Tanzschule übten. Teenager halt :) Es folgte eine wunderschöne Woche in der ich das Familienleben genoß, wunderbar aß, viel am Strand und auch auf dem Friedhof rumhing. Wir hörten bei Dorfspaziergängen Musik mit einem geteilten Walkman Kopfhörer und hatten eine großartige Zeit. Nach einer guten Woche war die Zeit um, wir packten unsere Sachen wieder ein und fuhren heimwärts. Einen Teil meines Herzens ließ ich jedoch zurück. Ich hatte meinen Seelenort gefunden. Der Ort an dem ich noch einige Male mit meiner Freundin zurück kehren sollte, bei Liebeskummer, einfach so im Sommer, nach dem Abitur und das letzte Mal gemeinsam nach dem Examen. Es war immer unser Ort zum Auftanken, zum Herz wieder flicken, der männerfreie Ort (zumindest den heimatlichen, denn lustige Begebenheiten hatten wir durchaus mit anwesenden), der Rückzugspunkt.

IMG_0060

Natürlich wurden wir älter, hatten feste Partner, heirateten, bekamen Kinder. Mein Freundin nahm ihre Männer und später ihren Ehemann und die Kinder regelmäßig mit dorthin. Ich konnte mich immer noch nicht so ganz damit anfreunden diese Insel zu teilen, mit einem Mann, mit einem Mann der vielleicht nicht in meinem Leben bleiben würde.  Trotzdem nahm ich einges Tages den Gatten, damals noch Freund für einen Tagesausflug mit hinüber. Später auch den besten Freund und den dann doch Gatten ein weiteres Mal. Aber dort Urlauben mit Familie, war irgendwie unvorstellbar. Mein Insel, mein Rückzug, mein Seelenort.

Nun wurden uns sehr kurzfristig die diesjährigen Frühjahrsferien bewußt und wir versuchten auf die Schnelle noch einen Kurzurlaub für uns und den Hund zu finden. Drei Kinder und Hund sind aber entweder finanziell oder überhaupt ein kleines Problem bei der Suche. Auf lustige Wege kam es dann, daß uns eine Wohnung auf meiner Insel für den gewünschten Zeitraum, auch mit Hund, und bezahlbar angeboten wurde. Wir überlegten nicht all zu lang und buchten. Ich wurde aufgeregt, freute mich und sehnte die kurze Auszeit dabei, ich war so lange nicht da und wer Familie hat, muß die Familie auch mitnehmen. :) Wir hatten alle nach einigen sehr anstrengenden Wochen dringend Abstand zum Alltag nötig. Bei der Ankunft standen mit die Tränen in den Augen, unzählige Erinnerungen von Ankunft und Abschied, von abgeholt werden, alleine ankommen, gemeinsamen Abfahrten in verschiedenen Personenkonstellationen, Fragmente aus verschiedenen Lebensphasen rotierten vor meinen Augen. Vorallem Erinnerungen an viele glückliche, entspannte Momente. Und dann kam ich auch schon wieder im hier und jetzt an. Fielen früher alle Sorgen mit Betreten des Oberdecks und dem Anblick des Meeres von mir ab, war ich diesmal panisch damit beschäftigt darauf zu achten, daß keines der Kinder über die Reling fiel. Im Auto auf dem Weg zur Unterkunft wurde sich auf der Rückbank gestritten, wahlweise gequengelt. Das war dann doch ein bischen anders als sonst. Das war der Auftakt zu dem Unterschied zu früher. Lief ich früher mit oder ohne Musik alleine am Spülsaum, saß ich entspannt mit der Freundin im Strandkorb, ging ich abends mit ihr in die Kneipe, blieb diesmal, dank Krankheit des Mannes, das ständige Regulieren der Kinder, das Haushalten in der Wohnung und sehr wenig Luft für Auszeit. Das war erstmal recht enttäuschend, andererseits ist das halt so mit Familie, auch wenn ich es mir anders gewünscht habe. Das soll nicht bedeuten, daß ich bereue meiner Familie gesammelt meinen Lieblingsort gezeigt zu haben, aber mit ihnen ist es eben einfach anders. Ich kümmere mich gerne um die Kinder und mache etwas mit ihnen, aber der Dauerbespaßungsanspruch der Kinder ist im Urlaub etwas anstrengend. Immerhin zum Ende der Tage konnte die großen Streithähne alleine an den Strand gehen, auch wenn das bedeutete, daß sie klatschnass zurück kamen.

Die Insel ist auch weiterhin mein Seelenort und ich werde auch die Familie wieder mitnehmen (so sie denn mag), aber ich werde mir vorher klar machen, daß momentan ein solcher Rückzug und eine solche Auszeit wie vor der Familie mit ihnen dort nicht möglich ist. Familienzeit hat auch etwas schönes, aber wenn ich nochmal ganz zur Ruhe kommen will, dann fahre ich ohne sie.

IMG_0120

 

2013 – Ein kurzer Abriß

Im Januar hatten der Mann und ich fast kinderfrei. Nach dem Lagerkoller um Weihnachten rum nahmen wir uns mit der Kleinsten eine Auszeit und verbrachten vier Tage in London. Die Großen blieben mit ihrer Oma, die extra angereist war daheim. Am Ende brachten wir von dem Ausflug einen netten Magen/Darm Virus mit, der leider verhinderte, daß die Babytochter und ich an der letzten Pekip Stunde teilnehmen konnten. Glücklicherweise gab es aber noch ein privates Treffen fast aller Teilnehmer später im Monat, so daß wir uns nochmal sahen.

IMG_0491

Im Februar wurde die Kleinste ein Jahr alt, ein Jahr das wie im Handumdrehen umgegangen zu sein schien. Wir feierten mit den Pekipkindern und Müttern und es war ein schöner Tag. Weiterhin durfte ich mir im Februar einen Wunsch erfüllen und mein Minibüro/Arbeitszimmer bekam neuen Fußboden und neue Möbel, so daß es dort nun ordentlicher, strukturierter und viel gemütlicher ist.

IMG_0665

Im März feierten wir die Taufe von der Babytochter. Dazu kamen einige Freunde und Familie von nah und fern, was sehr schön war. Leider sind die meisten unserer Lieben nicht so nah, so daß solche Familienfeiern ein guter Anlaß sind mal (fast) alle einzuladen und zu sehen.

DSC_0197

Im April feierten wir erst den Geburtstag unseres Lieblingssohnes und später dann meinen. Die kleine Tochter begann mit der KiTa, wenn auch zunächst nur nachmittags und lief das erste Mal draußen. Die Große bekam einen Wunsch erfüllt und ging mit mir zur Lesung von Isabel Abedi und sammelte sich ein Autogramm ein. Außerdem teste ich die Rezepte aus dem Brotbackbuch welches wir aus London mitgebracht hatten erfolgreich. Unser Sauerteig namens Horst wurde erschaffen. Da die jüngeren Kinder mal länger schnupfenfrei waren gingen sie samstags regelmäßig zum Schwimmen und Söhnchen machte sein Seepferdchen.

IMG_0794

Im Mai versuchte ich mich an der Herstellung von zwei Waldorfpuppen und Töchterchen ging erneut mit mir zu einer Lesung von Isabel Abedi. Diesmal war auch die Illustratorin der Lola Bücher anwesend und zeichnete der Tochter ein eigenes Bild. Zum Ende hatte das Tochterkind noch die Chance mit Isabel Abedi zu quatschen und erzählte ihr ihre Idee für einen neuen Lola Band. Wir großen kauften uns im Mai nach langer Zeit mal wieder neue Fahrräder, so daß wir, obwohl ohne Auto nun wieder etwas mobiler sind. Die große Tochter bekam auch eins, da ihr altes zu klein geworden war, welches nun der Sohn freudig weiterfährt.

IMG_1261

Im Juni kam die liebe Sirki zu Besuch und wir gingen gemeinsam zum Depeche Mode Konzert. Ein langehegter Traum meinerseits. Da sie die Kartenkaufexpertin ist, hatten wir Karten für die “front of stage” Zone und dadurch ein hautnahes Erlebnis an einem wunderschönen Abend. Der Sohn beendete sein erstes Schuljahr und das Tochterkind gar die letzte Grundschulklasse. Ende Juni ging es auf in den Familienurlaub, etwas was hier nicht so regelmäßig statt findet und darum doppelt wertgeschätzt wird. Zumindest von den Erwachsenen des Haushaltes, die Kinder wollen wie auch daheim eigentlich immer nur bespaßt werden, egal wo.

IMG_1375

Im Juli war noch Urlaub angesagt und in den ersten Tagen des Monats beendeten wir unseren Südfrankreichaufenthalt mit einer Übernachtung in Paris. Dies war ein Wunsch der großen Tochter gewesen. Da ich das letzte Mal als Teenager in Paris war, war es auch für mich aufregend und fast neu. Wir schlugen den Rekord im Speed-Museums-Besuch und verbrachten ca. 45 Minuten im Louvre um die Mona Lisa (Sohnwunsch) und die Venus von Milo (Tochterwunsch) anzuschauen. Nach einer weiteren Übernachtung außerhalb von Paris waren wir endgültig auf dem Heimweg und verbrachten die restlichen Schulferien zu Hause. Mit der Rückkehr in die Heimat kam die Kleinste in die reguläre Vormittagsgruppe in der KiTa und war ab sofort ein sehr glückliches KiTa-Kind. Ansonsten war der Juli geprägt von der Herstellung eines Auftragsquilts, der viel Arbeit und Hirnschmalz forderte.

IMG_7933

Im August wurde der Quilt fertig, pünktlich zur Hochzeit zu der er verschenkt werden sollte. Wir besuchten liebe Freunde in Ratzeburg und meinen Papa und meine Oma in der alten Heimat. Die Schulferien gingen zu Ende und Söhnchen wurde Zweitklässler. Für das Tochterkind begann eine neue Zeit als Gymnasialkind. Ende des Monats feierten wir den zehnten Geburtstag der Großen, was mich sehr wehmütig werden ließ, zehn Jahre Mutter. Trotzdem war es natürlich ein schöner Tag.

IMG_1555

Im September feierte die Tochter ihren Geburtstag mit einigen Freundinnen, diesmal ganz schick, mit Pediküre im Salon, Gesichtsmasken daheim, Tanzwettbewerb und Übernachtung bei uns. Ich nähte ein Kleidungsstück für die Große, was tatsächlich getragen wird und unerwartet verstirbt unsere Katze. Nach kurzer pietätvoller Trauer treffen wir den Entschluß, daß es ohne Haustier doch nicht geht und Julie der Hund zieht Ende September bei uns ein. Weiterhin fing ich im September meine große Zahnsanierung an, die ich schon lange wegen Zahnarztangst vor mir her geschoben hatte.

IMG_8113

Im Oktober riß ich mir im Zusammenspiel mit dem Hund das Band im rechten Knöchel und verbrachte die nächsten Wochen humpelnd mit Schmerzen. Meine Kronen wurden fertig und eingesetzt und die große Behandlungsrunde beim Zahnarzt fand ein Ende. Der Monat war geprägt von Hunde- bzw. Sauberkeitserziehung, Die Kinder hatten schon wieder Ferien und mein iPhone fiel mir aus der Hand und ging kaputt. Wir hatten Besuch von meiner Mutter und die Kleinste lief das erste Mal Laterne. Der Monat endete mit Helloween, welches die großen feierten in dem sie verkleidet um die Häuser zogen.

IMG_0367

Der November war grau und trüb. Der Hund lebte sich immer mehr ein. Ich nähte an dem Adventskalender für die Kleinste. Die Kinder gingen mehr oder weniger lustig zur Schule und Mitte des Monats erfuhr ich, daß meine Oma im Krankenhaus liegt. Eine weitere Woche später kam die niederschmetternde Diagnose, die uns zu einem umgehenden Besuch veranlaßte. Nachdem der Mann, die Kleinste und ich sie noch im Krankenhaus besuchten, verstarb sie kurze Zeit darauf. Trauerfeier, Abschied, Trauer, Vermissen.

IMG_0508

Den ersten Dezember verbrachten wir am Meer, Akkus aufladen und den Mietwagen, den wir zur Beisetzung geliehen hatten noch ausnutzen. Der Wind, die See, die Weite, das tat uns allen gut. Wir buken Plätzchen und angesichts des Verlustes war alles ein wenig grau und weniger vorfreudig als sonst. Die Dekoration erfolgte diesmal eher halbherzig und gebastelt wurde diesmal gar nicht.  Mitte des Monats bekamen wir kurzen aber nicht weniger lieben Besuch aus den USA, was uns alle aufmunterte. Wir besuchten Hagenbeck und ich sah zum ersten Mal das neue Eismeer. Immerhin entschieden wir uns für selbst gemachte Weihnachtskarten, und setzten diese mehr oder weniger gemeinsam um. Es wurde noch mehr gebacken, vorbereitet, Geschenke und Baum erstanden und mit der Ankunft in der Kirche an Heiligabend trat endlich mal etwas Ruhe ein. Unsere Brüder kamen zu Besuch und feierten mit uns. Der letzte Besuch mußte wegen kranker Kinder absagen und als diese genesen waren, war bei uns Seuchenalarm. Nun sind alle wieder gesund, wir guter Dinge und starten zu fünft in den letzten Abend des Jahres.

IMG_8350

Allen meinen Lesern wünsche ich einen guten Rutsch in das neue Jahr und ein gesundes und erfolgreiches 2014

feuerwerk08

Ach Oma …

Mitte November erfuhr ich, daß meine Oma ins Krankenhaus gekommen war. Mit fast 94 Jahren ist das immer ein Anlaß sich Sorgen zu machen. Mein Vater und mein Bruder hielten als Informanten zunächst den Ball flach, wobei mein Bruder sogar noch recht optimistisch war. Nach zwei Wochen gab es immer noch keine gefestigte Diagnose, aber ich hatte ein ungutes Gefühl. Das war so arg, daß ich meinen (kleinen)Bruder weinend anrief und meine Ängste ausdrückte, er der bisher sehr besonnen geblieben war, beruhigte mich weiterhin, teilte mir dann aber doch eine Stunde später mit, daß er am nächsten Tag hinfahren und nach dem Rechten sehen werde.

Am nächsten Tag bestätigten sich meine schlimmsten Befürchtungen, Oma war so krank, daß es bis zum endgültigen Abschied nur eine Frage der Zeit sein würde. Man sprach von Wochen, vielleicht noch Monaten. Ich war wie betäubt und der Mann beschloß sofort, daß wir zwei Tage später ins Krankenhaus fahren würden. Wir gingen zwar davon aus, daß sie uns noch ein wenig bleibt, aber in solcher Situation fährt man besser eher als später. So sicher ich war, daß ich baldmöglichst zu meiner Oma wollte, so sehr zögerte ich gleichzeitig. Sie zu sehen, die Krankheit ihr anzusehen, das würde bedeuten ihren Abschied zu sehen, Abschied nehmen zu müssen, der Vergänglichkeit ins Auge blicken zu müssen. Damit kann ich verdammt schwer umgehen, aber es ging vorrangig nicht um mich und meinen Abschied, es ging um Oma.

Da wir nicht wußten was uns erwartet und weil die Kinder Schule hatten beschlossen wir nur die Babytochter mitzunehmen. Wie in Trance zogen die nächsten Tage bis zur Abfahrt an mir vorbei. Bis wir an dem Morgen in Auto saßen. Da wurde ich plötzlich ruhig, gespenstisch ruhig, trotz aller Nervosität. Vor der Zimmertür ein kurzes Zögern, dann rein. Da saß sie, etwas dünner, ziemlich gelb, aber aufrecht. Es gab grad Mittagessen. So wie sie mir als Kind das Essen schnitt, half ich ihr diesmal mit dem Nachtisch, den ihre von Gicht und Rheuma angegriffenen Finger nicht mehr schneiden konnten. Sie war überrascht ob unseres Anblick, freute sich aber, wollte uns ständig was anbieten, entschuldigte sich, daß sie uns kein Scheinchen geben konnte, da sie vergessen hatte meinen Papa zu bitten ihr Geld mitzubringen. Alles so unwichtig.

Wir plauderten, erzählten von den Kindern, Alltagskram, völlig belanglos. Nach einer Stunde merkten wir, wie sie uns immer weniger folgen konnte, müde war und kaum noch antwortete. Wir beschlossen zu gehen, ich drückte und küßte sie, die Babytochter mochte ihr auch einen Kuß aufdrücken und dann verließen wir das Zimmer. In der Tür schossen mir die Tränen in die Augen, meine Knie wurden weich und ich wäre am Liebsten zurückgegangen, in ihren Arm. Ich schluckte, ich riß mich zusammen, schloß die Tür und atmete vor der geschlossenen Tür tief durch. Die Babytochter fest im Arm, sie die mir die ganze Zeit durch ihre Lebendigkeit so ein Anker gewesen war.

Wir verließen das Krankenhaus, beschlossen wenn Oma ins Hospiz, wo sie hinsollte, angekommen war, mit allen Kindern wieder zu kommen.

Am nächsten Tag redete Oma kaum noch, am übernächsten schlief sie nur. Am Tag drauf wachte sie nicht mehr auf. Sie hatte beschlossen, daß es Zeit war zu gehen.

Meine Oma, steter Begleiter meiner Kindheit und Jugend, eine feste Größe in meinem Leben. Ich habe immer wieder Bilder vor Augen, hab oft ihr spezielles “Ach Kind” im Ohr. Sehe, wie sie uns verwöhnte, wie sie sich kümmerte, wie sie auch ihre Grenzen hatte, unsere Differenzen. Unsere Gemeinsamkeiten, wie ich sie im Grundschulalter bat, mir am Telefon zu erklären wie man linke Maschen strickt. Wie sie mir zeigte, wie man eine Mehlschwitze macht, wie man Marmelade rührt. Die unzähligen Socken, die sie mir strickte. Die Ausflüge, die ich mit ihr und Opa machte, immer hinten auf der Rückbank im Auto. Die Tage, die ich krank bei ihr verbrachte, weil meine Eltern arbeiteten bzw. nach der Trennung. Die Feiern, die bei ihr daheim und auswärts ausgerichtet worden. Sie hatte einen großen Bekannten- und Freundeskreis. Die Schnittchenteller, die daheim gerichtet wurden, wenn sie oder Opa Geburtstag hatten, denn auch ohne Einladung klingelte irgendwer immer an der Tür. Wie ich später die Rolle übernahm, mich zu kümmern, erst als Opa krank wurde, dann als sie nicht mehr so mobil war. Ich bekam den letzten Wagen den Opa angeschafft hatte, als dieser nicht mehr fahren konnte und dafür war ich ihr Fahrdienst, wenn ich in den Semesterferien nach Hause kam. Sie gab mir immer Essen mit, wenn ich ihr Haus verließ. Sie hatte immer zu viel Essen/Kuchen da, wenn man sie besuchte. Wie ich ihr später meine Kinder in den Arm legte, erst eins, dann zwei. dann das dritte. Wie sie sich an jedem neuen Urenkel erfreute. Franzbranntwein, Kölnisch Wasser, After Eight, Obstessig, Erfrischungstücher, Erfrischungsstäbchen, immer wieder Eis, Latschenkiefer, Süßstoff, Nescafe, Vanillesoße, Maserinen, Prilleken, Überraschungseier, Sauer Gurken aus dem Faß, Spargel, Woolworth, C&A, Ziebart, Falscher Hase, Scho-ka-kola …

Ach Oma.

Es sind so viele Geschichten, so viele Augenblicke, so viele Momente. Auch wenn ich nicht mehr in ihrer Nähe wohnte, wenn mir die Kontaktaufnahme die letzten Jahren schwerer fiel, da ich den “Zerfall” nicht sehen wollte (Der Mann hat mich das ein oder andere Mal sanft überredet, einen Besuch zu planen), so war Oma trotz der Distanz immer irgendwie präsent. Auf Bildern, in Geschichten, in Gedanken, im Herzen. Jetzt gibt es keine Anrufe, keine Besuche, keine Karten mehr. Du fehlst mir.

OmaRudiElliOma, links, mit ihren großen Geschwistern als junges Mädchen.

Auf den Hund gekommen?!

In der Nacht zum Samstag vor einer Woche verstarb unsere letzte Katze. Unerwartet, schnell und hoffentlich ohne zu leiden.

Dreizehn Jahre lebte sie mit uns, davon 10 mit ihrer Schwester, die schon vor drei Jahren gegangen ist. Zu uns gekommen sind sie als Ersatz für unsere erste gemeinsame Katze, die mit nur sechs Monaten vor unserer Wohnung überfahren wurde. Sie machten viel mit, einen Umzug nach HH, einen nach BN, einen zurück nach HH. Zwei bzw. drei Kinder. Anfänglich noch voll im Mittelpunkt, quasi als Übung für spätere Kinder, rückten sie später in den Hintergrund.  Nichtsdestotrotz waren sie ein Teil der Familie.

Mit dem Tod des Katzentiers in der Nacht war einer der ersten Gedanken nun kein neues Haustier anzuschaffen, drei Kinder und ein Ehemann bringen schließlich genug Beschäftigung mit sich. Nach gefühlt zehn Minuten surfte ich trotzdem diverse Tierheimseiten, etc. ab. Am nächsten Morgen proklamierten die zwei großen Kinder, daß wir nun zwei neue Katzen anschaffen müssen, wahlweise einen Hund. Die Idee eines Hundes fand ich nur so mittelprächtig, denn egal welches Haustier angeschafft wird, ist klar, daß die meiste Arbeit immer an mir hängen bleibt. Der Mann, der erst kein Tier, dann jedenfalls keine Katze mehr wollte, erwärmte sich zusehends für die Anschaffung eines Hundes, die Kinder nutzten das gekonnt aus. Dazu muß man wissen, daß sowohl er als auch ich mit Hunden groß geworden sind. Unsere Mütter waren überzeugte Hundebesitzer. Nach dem Tod seiner Mutter kümmerte er sich teilweise um ihren Aussie und hatte ihn immer wieder wochenlang am Studienort. Sorgte für sein Wohlergehen, machte stundenlange Spaziergänge und nutzte eben diesen Hund um sich an mich ranzuwanzen. Wir haben immer halbernst gesagt, wenn einen Hund, dann so einen, aber nur wenn keine Katze mehr hier lebt.

Es stand für mich von vornherein fest, daß trotz aller Begeisterung ein Aussie nicht der geeignete Hund für diese Familie ist. Aber da vor einiger Zeit Wolfgang von der Anschaffung eines Miniatur-Aussies erzählte, überlegte ich ob das etwas für uns wäre. Diese sind etwas weniger groß und abhängig von der Zuchtlinie ist der Hütetrieb weniger bis kaum ausgeprägt, passen eher in eine Stadtwohnung und eine Familie. Ich erinnerte mich nur dunkel an die Seite der Züchterin von der sein Hund stammt, darum suchte ich erstmal etwas ziellos nach Züchtern die von uns aus zu erreichen sind. Las einiges über die Rasse und kam dann doch auf die Seite eben der Züchterin, die auch noch gerade Welpen hat. Zeigte dem Mann die Bilder und dieser stellte als erstes fest, daß die Hündin, die in Frage käme fast den Namen unserer ersten Katze hat. Also rief ich an, besprach das Band, schickte eine Email, nachdem 45 min später noch keine Rreaktion gekommen war, schrieb noch zwei Züchter an und ging ins Bett.

Am nächsten Morgen beschwerte ich mich über mangelnde Rückmeldung bei der Tochter, die darauf nur entrüstet auf die Uhrzeit hinwies. Kurze Zeit später kam dann ein Rückruf und die Frage ob wir so spontan seien uns noch am gleichen Tag den Wurf anzusehen. Waren wir, fuhren hin, schauten an, waren hingerissen und fuhren heimwärts.

Es folgten 24 Stunden in denen wir hin und her überlegten. Eigentlich eher ich, denn die Kinder wollten den Hund unbedingt. Na gut, der Sohn wollte nicht den gleichen wie wir aus dem Wurf, aber darauf konnten wir keine Rücksicht nehmen, denn es kam nur eine Hündin und nur ein eher ruhiger Welpe in Frage. Da gab es nur eine Wahl. Im Grunde war der Sohn aber dann doch dafür und der Mann hatte sich auch schon mit der Idee abgefunden. Bei mir blieb die Unsicherheit, ob ich (denn darauf würde es hinauslaufen) mich dem gewachsen fühle, ob ich mich so schnell wieder so fest (an ein Tier) binden wollte. Außerdem fehlte mir eine eindeutige Zusage des Mannes zur Übernahme von mindestens der Hälfte der Belastung. Meiner Meinung nach muß derjenige, der die Tierart bestimmt, auch einen nicht unerheblichen Teil der Verantwortung übernehmen. Irgendwie konnten wir eine Übereinkunft finden, ich telefonierte noch lange mit einer Hundetrainerin, die mir einige Sorgen nehmen konnte und am Anfang zur Seite stehen wird und damit war nach einem abschließender innerfamiliären Gesprächsrunde die Entscheidung gefallen. Wir riefen an und sagten zu, den Welpen zu nehmen.

Auch wenn ich immer noch etwas unsicher bin und manchmal Panik bekomme, ob wir das alles schaffen, dem Hund und uns gerecht zu werden, freue ich mich inzwischen. Da wir beschlossen haben ihm noch eine Woche länger bei der Mutter und dem Rudel zu gönnen, habe ich aus Ungeduld schonmal einige kleine Anschaffungen als Überbrückungshandlung getätigt, quasi als Bekräftigung unseres Beschlusses.

Jetzt könnte man meinen das ist das Ende der Geschichte. Ist es aber nicht. Der eigentliche Grund warum ich das verblogge, ist primär nicht die Tatsache, daß hier ein Hund einzieht, sondern die auch die Reaktionen unseres Umfeldes.

Ich kann mich nicht erinnern, daß irgendjemand uneingeschränkt sagte, wie toll das sei oder daß er sich für uns freue. Die meisten Reaktionen gingen in die Richtung ob wir denn bekloppt seien, nicht genug zu tun hätten, ob wir denn wüßten, was wir tun. Weitergehend dann, wenn nach der Rasse gefragt wurde, ein Zucken im Gesicht zumeist gepaart mit einem wissenden OhOH. Gefolgt von der wissenden Frage ob wir uns bewußt seien, was wir uns da aufhalsen, den Feststellungen, wieviel Stunden wir nun investieren müßten, welche Beschäftigung der Hund braucht und so weiter und so fort. Abschließend dann die Anmerkungen, daß wir ja nun kaum Schlaf bekommen würden, gebunden seien, daß es Geld kostet und was weiß ich.

Ja liebe Leute, was denkt ihr eigentlich? Daß wir agieren wie kleine Kinder, die aus einer Laune heraus und weil Welpen so niedlich gucken aus einem “Habenwollenreflex” heraus leichtsinnig eine Entscheidung treffen? Daß wir nur weil die Katze gestorben ist, aus Frustbewältigung zur Ablenkung mal eben einen Ersatz anschaffen? Meint ihr wir sind uns nicht bewußt, wie lange ein solches Tier lebt, was es kostet, worauf wir wegen einer Bindung an ein Tier verzichten müssen? Glaubt ihr, wir haben uns nur aus Nostalgie und weil sie hübsch sind für eben diese Rasse entschieden? Glaubt ihr nicht, wir haben uns dazu nicht einiges angelesen, Informationen gesammelt, die Züchterin befragt, miteinander gesprochen was wir tragen können?

Himmel, wir sind sowas wie erwachsen, wir sind beide mit Tieren groß geworden, wir hatten bis vor kurzem ein Tier. Wir sind Eltern, wir können Verantwortung tragen, wir wissen wo unsere Grenzen sind, was wir uns zumuten können und wie wir Hilfe bekommen und nicht zuallerletzt sind wir durchaus rational denkende Menschen. Auch wenn, der Mann zur Kaufentscheidung sagte, vernünftig ist es nicht, aber man kann auch nicht immer vernünftig sein. Traut uns doch einfach zu, daß wir wissen was wir tun. Und selbst wenn wir scheitern, uns verschätzt haben ist es unser Scheitern, eines mit dem wir dann zurecht kommen müssen. Vorhersehen kann das niemand. Was mich daran auch so aufregt ist, daß diese ganzen so wohlmeinenden Ratschläge und Hinweise fast nur von Leuten kamen, die uns, unsere Situation nur oberflächlich bzw. partiell beurteilen können. Aber alles Experten *seufz*.

Ich komme in eine Lage, in der ich permanent unsere Entscheidung rechtfertigen muß und das mag ich nicht. Das nimmt mir die Freude auf den Hund und das will ich nicht. Ja es ist vielleicht nicht die vernünftigste Entscheidung, aber eine von Herzen und zu der stehen wir.

 

[Disclaimer] Nicht eingegangen bin ich hier auf die besorgten Nachfragen von Freunden und Menschen die mir nahe stehen, die sich Gedanken machen, wie es mir damit geht, die aus unserer persönlichen, familiären Situation heraus urteilen können, die wissen, daß die berufliche Situation des Mannes fordert, daß gewisse Sachen an mir hängenbleiben. Deren Gedanken und Nachfragen haben mir geholfen für mich die Entscheidung zu treffen.

 

 

Happy Birthday

IMG_7728to me :)

Die Blumen sind vom Mann, den habe ich heute zu einem mir bisher unbekannten Blumenladen geschleift und dann brav draußen gewartet bis er die Blumen erstanden hat. Ansonsten ein relativ ereignisloser Tag, ein bischen grauverhangen, ein bischen sonnig. Kinder mal lieb mal nervig  Geschenke gab es auch und ganz viele online und offline Glückwünsche <3.

Ein Jahr mehr.

 

Mein Sofa

Als ich noch klein und kein Scheidungskind war, fuhr ich öfter mit meinen Eltern zu meiner Oma mütterlicherseits. Die wohnte in Hessen. Das Untergeschoß eines Mehrfamilienhauses war ihr zu Hause. Zu ihrer Hochparterrewohnung gehörte auch ein recht großer Garten in dem unter anderem mit die ersten Laufbilder von mir entstanden.

2

In den Garten kam man durch die Tür des Wohnzimmers. Wortwörtlich dem Wohnzimmer, denn dort spielte sich, außer in der Küche, das Leben bei Oma ab. Die gute Stube die sich dem Wohnzimmer anschloß wurde weniger genutzt. Im Wohnzimmer stand der Fernseher, der runde Eßtisch und eben das Sofa.

Dort saß ich wenn wir dort waren, immer in der Mitte, denn ich war ja noch ne halbe Person und die anderen Erwachsenen, Eltern, Tanten/Onkel sollten auch irgendwo sitzen. Wenn wir zu Besuch waren schlief meine Oma auf dem Sofa und gab ihr Ehebett einem der anwesenden Paare. Morgens saß sie dann am Eßtisch, mit ihrem kleinen Standspiegel und ihrem Styroporkopf, vielen Haarnadeln und machte sich ihre Perücke zurecht. Gerne saß ich dabei auf dem Sofa und schaute zu.

Häufigster Grund auf dem Sofa zu sitzen waren jedoch die Mahlzeiten. Frühstück, Kaffee trinken (mit ihrem leckeren Schmandkuchen), Abendbrot (mit ebenfalls leckerem hessischem Brot und Wurscht). Und so lange ich mich erinnern konnte trank ich bei Oma immer Caro aus der roten Kunststofftasse mit der schwarzen Katze die eine gelbe Schleife um den Hals hatte. Leider ging diese Tasse bei dem letzten Umzug meiner Oma vor ihrem Tod verloren.

Wie dem auch sei, ich habe viele Erinnerungen mit um und an das Sofa und Bilder im Kopf wie irgendwer aus der Familie dort mit oder ohne mir sitzt. Bilder die auch im Fotoalbum sind, leider erkennt man da von dem Sofa nicht viel.

Nach dem meine Oma verstarb landete das Sofa samt Tisch und Stühle bei meiner Mutter. Irgendwann trennte sie sich von dem Tisch und den Stühlen und 2005 gab sie das Sofa an mich weiter. Sie hatte es zwischenzeitlich mit einem pflegeleichten, eher nicht so hübschen Stoff beziehen lassen. Das störte mich erstmal nicht, hatte ich doch jetzt das Familiensofa. Nachdem ich zuvor nur meine alte Studentenmatratze hatte, war es purer Luxus nun ein Sofa “für mich alleine” zu haben.

IMG_7304

Es wurde die Kommandozentrale, auf der ich saß, strickte, mein erstes Kind beaufsichtigte, den positiven Test für Kind 2 abwartete, am Rechner saß und die Familie organisiert. Nach dem Umzug ins Rheinland saß ich oft traurig auf dem Sofa und hatte Heimweh. Die Wehen zu Kind 2 veratmete ich auf dem Sofa. Kehrte mit Söhnchen zu diesem Sofa zurück, der sein Stillkissen dort platziert bekam. Saß plötzlich mit zwei Kindern auf dem Sofa. Kehrte mit dem Sofa nach Hamburg zurück. Verweigerte eine Auslagerung in die Diele, weil es doch schon so abgeranzt sei. Nutzte es weiter als mütterliche Kommandozentrale. Nutzte es während der Examenslernerei als Entspannungsort, las Stellenanzeigen, Absagen,brütete das dritte Kind in meinem Bauch, bis ich auch die Wehen zu Kind 3 dort veratmete und mit der Babytochter aus dem Krankenhaus zurück kam. Wieder ein Kind das sein Stillkissennest auf dem Sofa gerichtet bekam.

Ich hab schon viel mit dem Sofa erlebt. Es ist mein Herzensmöbel. Nur einen Wunsch konnte ich mir lange nicht erfüllen, den Bezug austauschen und das gute Stück aufarbeiten lassen. Immer wenn es schien, es würde finanziell passen kam doch etwas dazwischen. Bis jetzt.

Im November begann ich die Planung. Suchte mir einen Polsterer und einen Stoff. Die Stoffsucherei dauerte ein bischen, ich entschied mich dann für ein entschiedenes Himbeerrot. Das Sofa wurde abgeholt und ich verfiel  zur großen Freude des Nachwuchses nochmal ein bischen ins Studentenleben zurück, als statt des Sofas eine Matratze samt Kissen ins Wohnzimmer zog.

Kurz vor Weihnachten kam mein Schätzchen zurück und ich war erstmal etwas geblendet von der Farbe, doch inzwischen bin ich begeistert und freu mich immer noch sehr, daß ich es endlich geschafft habe das gute Stück aufarbeiten zu lassen.

IMG_7331

Ich hoffe im neuen Gewand wird es mir/uns noch viele Jahre Freude machen. Laut Polsterer hat es zumindest eine hervorragende Qualität, die heute so nicht mehr zu erreichen ist.

Der Rest von Hamburg – Winterhude

In so einer großen Stadt wie Hamburg ist es durchaus normal, daß man sein Viertel, seinen Stadtteil kennt, vielleicht noch den angrenzenden oder den wo man dies kauft oder den besucht, aber dann ist oft Schluß. So fragte Herr Buddenbohm letztlich seine Leser ob man nicht über seinen Stadtteil berichten möge.

Zu Hause ist das erste was mir zu Winterhude einfällt. Hier begann meine Zeit in Hamburg (eigentlich Barmbek Süd, aber die damalige Adresse grenzt unmittelbar an Winterhude an, so daß man eigentlich genauso oft dort war), hier wollte ich nach dem Exil wieder hin.

Mein Winterhude spielt sich rund um den Mühlenkamp ab, erst südlich, nun nördlich, aber immer mit dieser charmanten Einkaufsstraße in der Mitte. Der Mühlenkamp und die angrenzenden Straßen weisen immer noch Einzelhändler jenseits der großen Ketten auf. Einen alteingesessenen Schuster, einen italienische Gemüse- und Feinkostläden, einen wunderschöner Blumenladen, eine eigenständige Boutique  und einen liebevoll geführter Buchladen findet man zum Beispiel hier. Klar, es gibt auch Budni, Edeka, Penny, Tchibo und Douglas, aber die füge sich hier eher ein, als den Einzelhandel zu verdrängen (Auch wenn mein Wollladen inzwischen weg gezogen ist, da die Vermieter lieber etwas hipperes in den Geschäftsräumen wollten). Dazwischen Cafes und Kneipen und das ein oder andere Restaurant, darunter die ausgezeichnete Küchenwerkstatt die schon fast an der Grenze zu Uhlenhorst zu finden ist. In den letzten Jahren kommen immer mehr Läden mit Kinderbekleidung, neu und Second Hand sowie Schnickeldi und Accessoires für die Kleinen hinzu.

Kinder sieht man hier viel. Wenn man um den Mühlenkamp herum spazieren geht, fragt man sich immer wo die Vergreisung der Gesellschaft statt findet, hier jedenfalls nicht. Die Kinderwagendichte ist hoch.

Man kann hier aber auch gut mit Kindern wohnen, es gibt diverse Betreuungseinrichtungen (die Frage ob man einen Platz bekommt steht auf einem anderen Blatt), Schulen, Kinderbespaßungsvereine/angebote, Kinderärzte, Bioläden und was man so als urbane Eltern ohne Garten und Großfamilie so braucht.

Es liegen hier zwei Spielplätze die mir sofort in den Sinn kommen, der „Schinkel“ ein in einem umbauten Platz integrierter Spielplatz, der vorallem im Sommer wegen seines Wasserbeckens beliebt ist. Am Goldbekplatz befinden sich zwei Spielplätze einer für die Kleinen, einer für die Großen. Letzterer wurde vor einiger Zeit umgestaltet und ist noch netter geworden und hat im Interesse der Mehrfacheltern nun auch Spielmöglichkeiten für die Kleinstkinder. Beide sind umzäunt, was es unglaublich erleichtert seine mehr oder wenig großen Kinder dort frei laufen zu lassen ohne Angst haben zu müssen, daß sie sich plötzlich auf der Straße unter Autoreifen wieder finden. Angrenzend an den Spielplatz hat es  ein Cafe in einem ehemaligen Toilettenhaus in dem man sich außer montags mit Getränken und Snacks versorgen kann und zu dem immer noch eine Toilette gehört, was durchaus seine Vorzüge hat.

Dreimal die Woche findet am Goldbekufer hinter dem Spielplatz der Wochenmarkt statt. Dort findet man von ökologisch angebauten Lebensmitteln, über handgeklöppelte Nudeln, Waren vieler regionalen Marktbeschickern, leckeren französischen Croissants,  bis hin zu Tupperware und Mützen, Käsegedöns und dem üblichen Krams, zwei recht gute Schlachter, einen Stand mit super leckerem Schafskäse und Antipasti-Leckereien und zwei bis drei Fischhöker. Während Dienstag und Donnerstag das Treiben dort eher beschaulich und gemütlich ist, die Anzahl der Stände geringer, wird am Samstag groß aufgefahren und das große Schaulaufen angesagt. Da kommen sie bei schönen Wetter alle in den feinen Fäden und monströser Sonnenbrille und flanieren gemütlich durch das große Angebot (sprich behindern mich und den Kinderwagen beim zügigen Einkauf ) um dann an dem einen oder anderen Kaffeestand gepflegt zu plaudern, diese oder jene Köstlichkeit im Täschchen. Irgendwann verschwinden sie dann wieder in ihre teuren Altbauwohnungen oder einem der schicken Cafes.

Altbau hat es hier in Winterhude noch ordentlich. Bezahlen kann ihn bald niemand mehr, zumindest so weit es sich nicht um Bestandsmieter handelt. Neben den Altbauten gibt es natürlich auch noch andere, Nachkriegsbauten, Bauten aus der Zeit zwischen den Kriegen, Neubauten und Baustellen Bunker und natürlich die Jarrestadt (dazu später mehr).

Wir hatten Glück, Wir scheinen eine der letzten noch bezahlbaren Wohnungen ergattert zu haben. Altbau ist es auch, aber Rotklinker und so schauen wir raus auf die schicken Altbauten gegenüber mit den großen schön eingerichteten Eigentumswohnungen, die man entweder vor Jahrzehnten erstanden/gemietet oder geerbt haben muß. Ist es ausgleichende Gerechtigkeit, daß Parkplätze rar sind?

Dafür haben wir die Ubahn dicht bei und wenn die Baustellen endlich fertig sind auch wieder zwei Buslinien um die Ecke. Verkehrstechnisch ist Winterhude ganz gut angebunden, es gibt Verbindungen zur U3 und zur U1, mehrere Buslinien und im Sommer kann man mit der Fähre zum Jungfernstieg fahren.

Apropos Wasser, Wasser haben wir auch. Winterhude wird im Westen von der Außenalster und im Süden vom Osterbekkanal begrenzt. Dazwischen liegen so einige Kanäle auf denen im Sommer reger (Paddel-/Ruder-/Tret-)Bootsverkehr herrscht. Flankiert von den Schwänen, die dann im Winter eingesammelt und ins Quartier gebracht werden um dann im Frühjahr wieder rausgesetzt zu werden.

Laut Wikipedia habe ich bisher eigentlich nur Winterhude Süd beschrieben, dabei wohnen wir eher in Winterhude Nord, dem Teil der sich der nördlichen Verlängerung des Mühlenkamps anschließt und bis rund um den Winterhuder Marktplatz reicht.

Der Winterhuder Marktplatz ist in meinen Augen eine Bausünde, nichts paßt so richtig zusammen und er wirkt unruhig, man weiß nicht wo man mit den Augen ankern soll. Aber zu ihm gehört auch eine kleine Einkaufspassage in der man neben Aldi, Roßmann und noch einem ganz netten Buchladen die Bücherhalle findet. Dies ist bei einem so lesehungrigen Kind wie meiner Großen nicht unwichtig. Die rundum den Platz und Richtung U Hudtwalkerstraße gelegenen Einkaufsmöglichkeiten  und Cafes sind durchaus reizvoll, so daß man sich nicht abschrecken lassen sondern ruhig einmal rumschlendern sollte. Auf dem Marktplatz selbst findet wöchentlich dreimal der Wochenmarkt statt, einmal in der Ökoversion.

Die hinter dem Marktplatz liegenden Straßen zwischen Alsterdorfer- und Ohlsdorferstraße sind wiederum geprägt von Altbauten, kleineren Läden und Lokalitäten.

Fährt man vom Winterhuder Markt in südlicher Richtung auf der Barmbeker Straße zurück Richtung Mühlenkamp vorbei am altehrwürden Hockeyclub, mehr oder weniger schöner Bebauung  und biegt fast am Ende in die Jarrestraße bekommt man eine weitere Facette des Stadtteils zu sehen. Läßt man den hässlichen Staples außer acht fällt der Blick rechterhand auf den Kampnagel. Einem ehemaligen Fabrikgelände welches inzwischen eine Kulturfabrik ist, vorrangig für Theater- und Musikveranstaltungen. Und dann ist man schon mittendrin in der Jarrestadt die sich von hier bis zur Saarlandstraße zieht. Ein am Reißbrett geplantes Wohnungsbauprojekt aus den Zwanziger Jahren, gebaut aus dem typischen Hamburger Rotklinker mit einer ganz eigenen liebenswerten Ausstrahlung. Es lohnt sich durchaus dort mal in Ruhe rumzustromern und das alte Viertel zu erkunden. Wären die Wohnungen nicht so klein, ich würd sofort dahin ziehen.

Was gibt es noch,die City Nord, ein riesiger künstlicher Bürokomplex, der aus Gebäuden besteht, die einem Architekturwettbewerb entsprungen sind. Nichts scheint so richtig zusammen zu passen und der den Gebäuden anhaftende Charme der späten Sechziger, frühen Siebziger Jahre gibt dem ganzen etwas von einer Geisterstadt in einem futuristischem Thriller.

Natürlich gehört auch der Stadtpark in seinen nördlichen Ausläufern zu Winterhude. Zum Stadtpark muß man nicht viel sagen, Naherholungsgebiet, Freilichtbühne, Hundewiese, Grillplatz, Fußballfeld, Naturbad, Spielplatz, Schwulentreff, Joggerstrecke, Plantarium, Rosengarten, für jeden etwas. Das mit dem Schwulentreff erwähne ich nur, weil ich mich lange fragte wieso auf vielen meiner Wege so oft eingepackte Kondome rumlagen, bis ich mal aufgeklärt wurde.

Man sagt Winterhude gerne ein schnöseliges Publikum nach, Sehen und Gesehen werden, zu schick, zu clean, keine Szene, kein Flair. Mag sein, gibt es hier sicherlicher, aber es gibt auch anderes. Alteingesessene, Neuzugezogene, alle mögliche Nationalitäten, Nachbarn die sich helfen, den Schnack mit seinem Höker um die Ecke, lachende Kinder ohne Markenklamotten die sich auf dem Spielplatz einsauen. Döner in der Jarrestraße, Portugiesische Natas in der Alsterdorfer Straße, gediegenes Frühstück im Drei Tageszeiten, Woolrich-Jacken-Ansammlung vorm TH2 an winterlichen Sonnentagen, Muttis in Funktionsjacken mit Tupperboxen auf den Spielplatzbänken. Alles ist möglich und ich wohne gerne hier. Mag daran liegen, daß ich zwei meiner Kinder in diesem Umfeld ausgetragen und geboren habe. Vielleicht auch daran, daß ich Landei mich hier relativ sicher fühle und das Umfeld für die Aufzucht der Brut angenehm finde. Was auch immer es ist, hier wohne ich, hier bin ich zu Haus.

Halloween

Auch meine Brut ist mit dabei, wenn dieses Jahr die Gruselmonster um Süßes betteln gehen. Quasi Last Minute wurden noch ein paar Requisiten eingekauft und seit kurzem sind sie unterwegs. Hier hat bisher noch niemand geklingelt.

 

Graf Dracula und die Vampirbraut.

Während die Monster geschminkt wurden, schnitzte der Mann noch schnell die Deko.

Die ganze Truppe kurz vor dem Abflug.

Bin gespannt wann sie wieder kommen und ob sie was mitbringen.

Sonntagsausflug am Mittwoch

Seid wir unmotorisiert sind, fahren wir an freien Tagen nicht mehr so weit um den Kindern etwas zu bieten bzw. sie auszulüften, meistens machen wir schon noch irgendwas aber fürs Blog oft unspannend. Der heutige Ausflug bot aber mal wieder Futter fürs Blog in Bildform.

Dieser vereinheitlichte Feiertag begann damit, daß wir aus dem Bett heraus die historische Parade der Hochbahn sehen konnten. Sprich es wurden bis 12.00 Uhr alte Wagen auf der Linie, die am Haus vorbei führt, fahren gelassen. Anschließend wurden die alten Wagen in einer U-Bahnstation zur Besichtigung ausgestellt. Im Zuge des Kinder Auslüftens und zur Bespaßung der Großen hier, fuhren wir in eben jene U-Bahnstation.

Viel zu Erzählen gibt es dazu eigentlich nicht, es war spannend zu sehen, es war ermüdend anstehen zu müssen, aber auch erheiternd. Man konnte beim Warten und Besichtigen Menschen einer älteren Generation zuhören wie sie von ihren Erlebnissen mit diesem oder jenem historischen Modell erzählten. Das hatte was.

Und da ich noch nicht so alt bin und diese Wagen nicht mehr fahrend erlebt habe, belasse ich es dabei euch einfach ein paar der geschossenen Bilder zu zeigen.

Ich habe noch ein paar mehr Bilder, wer mag kann diese hier anschauen. Apropos Bilder, eines muß ich noch anmerken. Gerade an/in den ganz neuen bzw. ganz alten Wagons war es zeitweise sehr voll, eng und wuselig. Trotzdem oder gerade deswegen nahmen ein Großteil der Anwesenden unglaublich Rücksicht wenn man ein Foto machen wollte, blieben stehen, gingen aus dem Bild oder zeigten einem eine noch eine bessere Position für das gelungene Bild. Schön.