Tapferes kleines Mädchen

Vor einiger Zeit bemerkte ich bei unserer Kleinsten einen Knubbel am Oberarm. Ich maß dem nicht so viel Bedeutung bei, tippte auf einen Pickel oder einen späten Mückenstich. Ich vergaß den wieder. Vor einigen Wochen jedoch stellte ich fest, dass der Knubbel immer noch da ist. Also machte ich einen Termin beim Kinderarzt, um das abklären zu lassen.

Mein zweiter Satz beim Kinderarzt lautete: “Sagen Sie bitte, dass das kein Tumor ist”, den er mit:”Das ist ein Tumor” beantwortete. Meinem panischen Blick begegnete er in seiner typischen Gelassenheit aber gleich mit dem Zusatz, daß das in der Regel etwas harmloses sei, irgendwas an der Haarwurzel, den schicken Fachbegriff vergaß ich schnell. Zur weiteren Abklärung und Behandlung gingen wir zum Hautarzt. Dort wurde die Diagnose bestätigt und mir auch noch im Fachbuch gezeigt, daß diese Art von Tumor fast immer harmlos sei und wenn nicht, das eher im höheren Alter so sei.

Mein Ansinnen, das Teil sofort unter lokaler Betäubung rauszuschneiden wurde mir sanft aber bestimmt ausgeredet, die Gefahr, dass ein Kleinkind dabei Zappele sei zu hoch. Also machten wir einen Termin zur OP aus, an dem der Knubbel unter Vollnarkose entfernt werden sollte. Ich war so erleichtert, daß es sich um nichts wildes handelt, daß das Thema Vollnarkose mich wenig beunruhigte.

Gestern war es dann soweit. Um 7.00 Uhr sollte die Kleine in der Tageklinik des Krankenhauses sein. Da ich bei sowas eher zur Nervosität neige und damit das Kind wuschig mache, ging der Mann mit ihr los. Währenddessen kümmerte ich mich um die Großen und war damit auch gut abgelenkt. Nachdem diese sauber, mit geputzen Zähnen und gefüllten Brotdosen das Haus verlassen hatten kam schon die Nachricht des Mannes, daß die Kleine im OP sei. Schon vorher hatte ich kurze Zustandsberichte per SMS erhalten, war dann aber doch überrascht, wie schnell das alles ging. Sehr anrührig fand ich die Mitteilung, daß die Anästhesistin und die OP-Schwester dem Kind zum Einschlafen ein Schlaflied sangen und die Händchen hielten. Überhaupt waren laut Mann alle sehr nett und bemüht.

Da ich um 10.00 einen Termin hatte, hatte ich im Vorfeld gesagt, daß ich die Beiden danach dort abholen wollte. Da nun alles aber viel schneller ging als gedacht und ich daheim doch eher unruhig war, beschloß ich vor meinem Termin zu den Beiden zu fahren, was ich dann auch tat. Kaum unterwegs kam schon die Nachricht vom Mann, daß das Kind nun wach und gnaddelig sei, aber bis zu meiner Ankunft hatte sie sich wieder beruhigt und ich leistete ihr und ihm Gesellschaft bis sie entlassen wurden. Beim Entlassungsgespräch wurde uns noch mitgeteilt wie toll die Kleinste das alles mitgemacht hat. Wir kamen den Entlassungszettel, auf dem unter Anderem folgendes vermerkt war.

IMG_0165Mein Mädchen, hach.

Ich ging dann zu meinem Termin und anschließend Besorgungen machen. Die Babytochter war schon auf der Rückfahrt vom Krankenhaus in der Karre eingepennt. Es ist ja nicht so, daß mich das kalt läßt wenn man an einem meiner Kinder rumschnippelt. So kam es daß ich auf meiner Tour am Plüschwarengeschäft vorbei kam und unbedingt noch eine Kleinigkeit erwerben mußte. Ob das nun mehr für das Mutterherz oder doch nur zur Aufmunterung der Kleinen war kann dahin gestellt bleiben. Zumindest kehrte ich mit dem folgenden Gesellen nach Hause zurück.

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Der Rest des Tages war unauffällig, mit meiner Heimkehr erwachte die Prinzessin und schlief auch erst Abends wieder. Da sie soweit fit ist und die Ärztin das OK gab, ist sie heute auch wieder in der KiTa. Morgen gehts zum Verbandswechsel und dann sollte die Sache durchgestanden sein. Das entnommene Gewebe wurde eingeschickt, aber die Ärztin meinte schon bei der Entlassung, daß alles harmlos aussah. Ich bin nun froh, daß das durch ist und stolz, auf mein tapferes kleines Mädchen.

Ein Hase und eine Decke

Der Vollständigkeit halber zeig ich mal grad, was ich so um Ostern rum fertig gestellt habe. Mein Schwager und seine Frau erwarteten Nachwuchs. Mit Verkündung der Schwangerschaft stellte ich die Beiden vor die Wahl ob sie einen Quilt oder eine Strickdecke zur Geburt haben wollten. Sie entschieden sich für eine gestrickte Babydecke und nach dem wir uns auf eine Farbe einigen konnte, legte ich los. Gerade rechtzeitig am Tag der Geburt wurde das gute Stück fertig. IMG_8823 Ich bekomme gerade nicht mehr zusammen welches Garn ich verwendet habe. Aber die Anleitung ist das Prairie Blanket, welches ich schonmal für Joris strickte. Nadelstärke diesmal meine ich 3,75. Interessanterweise ging die Strickerei flotter von der Hand, was eventuell am Garn lag, ein reines Merinogarn. Laut heutiger Post ist die Decke täglich in Gebrauch. :) Als sich zu Ostern mein Bruder mit Familie ankündigte, hatte ich die Idee den beiden Nichten ein Häschen zu nähen. Ich hatte auch noch geeigneten Stoff da, irgendwelche Fleecestoffe, die ich aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen angeschafft hatte. So setzte ich mich Karfreitag hin und fluchte nach kurzer Zeit, denn dieses fisselige mit diesen eher rutschigen Stoffen machte mich irre. Also keine Hasen. Da der eine aber nun schon angefangen war, riß ich mich Ostermontag zusammen und fummelte das Vieh zusammen. Kaum fertig entriss es mir die Kleinste und schleppte es fort. IMG_0127Ich hatte extra Pellets besorgt um den Hasen zu stopfen, damit er auch sitzen kann. Da ich aber die weichen gekauft habe funktioniert das dann halt doch nicht. IMG_0128Man beachte das puschelige Schwänzchen in Kontrastfarbe. Die Babytochter hat das Häschen übrigens Pups getauft. Dies mag daran liegen, daß eines ihrer momentanen Lieblingsbücher Pipikack ist und da sagt der Hase am Ende “PUPS”.  Anleitung über Sew Mama Sew, Stoffe, wie gesagt, aus dem Fundus. Als Füllung eine Mischung aus weichen Pellets von Glorex und dem Inner Kissen von Ikea.

Von Seelenorten und Familie

Ich war siebzehn als die Eltern meiner Freundin vorschlugen, daß ich sie in den Herbstferien auf diese Insel begleiten sollte. Ich war noch nie da gewesen, aber einen Urlaub mit meiner Freundin und ihrer Familie am Meer klang verlockend. So kam der Tag an dem ich meine Habseligkeiten in einen der zwei Wagen der Freundinfamilie verlud und wir losfuhren. Was für mich neu und aufregend, war für alle Anderen quasi Routine, denn die Familie verbachte seid Jahren diverse Urlaube dort, dank des großväterlichen Hauses. Der erste überwältigende Moment war, als wir auf der Fähre uns auf dem Oberdeck versammelten. Ich erinnere, daß es schon langsam dunkel wurde und meine Freundin und ich im jugendlichen Übermut Tanzschritte aus der damals besuchten Tanzschule übten. Teenager halt :) Es folgte eine wunderschöne Woche in der ich das Familienleben genoß, wunderbar aß, viel am Strand und auch auf dem Friedhof rumhing. Wir hörten bei Dorfspaziergängen Musik mit einem geteilten Walkman Kopfhörer und hatten eine großartige Zeit. Nach einer guten Woche war die Zeit um, wir packten unsere Sachen wieder ein und fuhren heimwärts. Einen Teil meines Herzens ließ ich jedoch zurück. Ich hatte meinen Seelenort gefunden. Der Ort an dem ich noch einige Male mit meiner Freundin zurück kehren sollte, bei Liebeskummer, einfach so im Sommer, nach dem Abitur und das letzte Mal gemeinsam nach dem Examen. Es war immer unser Ort zum Auftanken, zum Herz wieder flicken, der männerfreie Ort (zumindest den heimatlichen, denn lustige Begebenheiten hatten wir durchaus mit anwesenden), der Rückzugspunkt.

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Natürlich wurden wir älter, hatten feste Partner, heirateten, bekamen Kinder. Mein Freundin nahm ihre Männer und später ihren Ehemann und die Kinder regelmäßig mit dorthin. Ich konnte mich immer noch nicht so ganz damit anfreunden diese Insel zu teilen, mit einem Mann, mit einem Mann der vielleicht nicht in meinem Leben bleiben würde.  Trotzdem nahm ich einges Tages den Gatten, damals noch Freund für einen Tagesausflug mit hinüber. Später auch den besten Freund und den dann doch Gatten ein weiteres Mal. Aber dort Urlauben mit Familie, war irgendwie unvorstellbar. Mein Insel, mein Rückzug, mein Seelenort.

Nun wurden uns sehr kurzfristig die diesjährigen Frühjahrsferien bewußt und wir versuchten auf die Schnelle noch einen Kurzurlaub für uns und den Hund zu finden. Drei Kinder und Hund sind aber entweder finanziell oder überhaupt ein kleines Problem bei der Suche. Auf lustige Wege kam es dann, daß uns eine Wohnung auf meiner Insel für den gewünschten Zeitraum, auch mit Hund, und bezahlbar angeboten wurde. Wir überlegten nicht all zu lang und buchten. Ich wurde aufgeregt, freute mich und sehnte die kurze Auszeit dabei, ich war so lange nicht da und wer Familie hat, muß die Familie auch mitnehmen. :) Wir hatten alle nach einigen sehr anstrengenden Wochen dringend Abstand zum Alltag nötig. Bei der Ankunft standen mit die Tränen in den Augen, unzählige Erinnerungen von Ankunft und Abschied, von abgeholt werden, alleine ankommen, gemeinsamen Abfahrten in verschiedenen Personenkonstellationen, Fragmente aus verschiedenen Lebensphasen rotierten vor meinen Augen. Vorallem Erinnerungen an viele glückliche, entspannte Momente. Und dann kam ich auch schon wieder im hier und jetzt an. Fielen früher alle Sorgen mit Betreten des Oberdecks und dem Anblick des Meeres von mir ab, war ich diesmal panisch damit beschäftigt darauf zu achten, daß keines der Kinder über die Reling fiel. Im Auto auf dem Weg zur Unterkunft wurde sich auf der Rückbank gestritten, wahlweise gequengelt. Das war dann doch ein bischen anders als sonst. Das war der Auftakt zu dem Unterschied zu früher. Lief ich früher mit oder ohne Musik alleine am Spülsaum, saß ich entspannt mit der Freundin im Strandkorb, ging ich abends mit ihr in die Kneipe, blieb diesmal, dank Krankheit des Mannes, das ständige Regulieren der Kinder, das Haushalten in der Wohnung und sehr wenig Luft für Auszeit. Das war erstmal recht enttäuschend, andererseits ist das halt so mit Familie, auch wenn ich es mir anders gewünscht habe. Das soll nicht bedeuten, daß ich bereue meiner Familie gesammelt meinen Lieblingsort gezeigt zu haben, aber mit ihnen ist es eben einfach anders. Ich kümmere mich gerne um die Kinder und mache etwas mit ihnen, aber der Dauerbespaßungsanspruch der Kinder ist im Urlaub etwas anstrengend. Immerhin zum Ende der Tage konnte die großen Streithähne alleine an den Strand gehen, auch wenn das bedeutete, daß sie klatschnass zurück kamen.

Die Insel ist auch weiterhin mein Seelenort und ich werde auch die Familie wieder mitnehmen (so sie denn mag), aber ich werde mir vorher klar machen, daß momentan ein solcher Rückzug und eine solche Auszeit wie vor der Familie mit ihnen dort nicht möglich ist. Familienzeit hat auch etwas schönes, aber wenn ich nochmal ganz zur Ruhe kommen will, dann fahre ich ohne sie.

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Caifornia Dreamin – The neverending Quilt

Irgendwann im Spätsommer 2010 stolperte ich über das California Dreamin Schnittmuster für einen Quilt. Es wurde auf der Freespirit Website angeboten. Da diese nun zu Coats gehören, scheint es die Seite mit den freien Mustern so nicht mehr zu geben aber hier ist der link zu der Anleitung (pdf).

Während eines Besuches meiner Mutter bot ich ihr an einen Quilt zu nähen und dieser hier gefiel ihr. Da er im Original aber zu klein als Bettüberwurf ist, beschloß ich zwar der Anleitung zu folgen, aber soviel weiteren Stoff anzunähen bis die gewünschte Größe erreicht war. Da uns die Farb- und Mustergebung gut gefiel bestellte ich die Originalstoffe wie von der Designerin vorgegeben.

Wie das so ist bei einem neuen Projekt steckte ich anfänglich sehr viel Energie und Zeit hinein. Da ein großer Teil mit “paper piecing” genäht wurde, kam ich trotzdem nicht so richtig schnell vorwärts.  Anhand meiner Fotosammlung kann ich noch nachvollziehen, daß ich Anfang 2011 zumindest einen großen Teil des Originals fertig hatte. Dann fing es an mit den Unterbrechungen, der Mann der für einen Freund einen Babyquilt brauchte, die Schwangerschaft mit K3 in der ich irgendwann einfach nicht mehr nähen konnte, diverse andere Projekte, Unlust, Wartezeit auf nachbestellte Stoffe etc. pp. Irgendwann war das Vorderteil fertig, ein bischen trödelte ich dann noch an der zusammengesetzen Rückseite rum. Dann fehlte noch das Quilten. Ich hatte inzwischen eine neue Maschine, aber es war klar, daß ich das riesige Biest von 2,2 x 1,6m nur am Eßtisch und nicht an einem Nachmittag fertig bekommen würde. Irgendwann letztes Jahr raffte ich mich auf und kniete stundenlange auf dem Boden um die drei Schichten des Quilts zu heften. Blieb das Problem des Quiltens. Anfang diesen Jahres traf mich dann die Erkenntnis, dass alles nichts hilft und ich ja mal den Longarm-Quiltservcie des hiesigen Quilthouse ausprobieren könnte. Also schleppte ich alles im Februar dorthin, pulte 30 min alle Nadeln wieder raus und lies das gute Stück dort.

Zwei Wochen später konnte ich ihn abholen und als vor einigen Wochen mal die Familie gesammelt an einem Sonntag mir die Wohnung überließ machte ich mich am Eßtisch breit und nähte das Binding einseitig an. Nur zwei bis drei Tage später nach stundenlangen Nähsessions mit zerstochenen Fingern war es dann nach gut 3,5 Jahren endlich geschafft und mein Mammutprojekt war fertig. Ohne viele weiter Worte präsentiere ich hier nun das Ergebnis.

IMG_8807Die Vorderseite

IMG_8809Die Rückseite, zusammengesetzt aus den Resten

IMG_8812Das Medaillon in der Mitte (erkennt man, dass es zusammengesetzt ist?)

IMG_8811Die Halbkreise, ebenfalls zusammgensetzt, in der inneren Umrandung

IMG_8814Das Binding (meine Briefecken werden immer besser) und ein bischen vom Quilting

Morgen werde ich den Quilt auf den Weg bringen und ich bin gespannt was meine Mutter dazu sagt. (Zwischendrin hatte sie schon die Geduld verloren und gemeint ich solle den Quilt verkaufen wenn er mal fertig wird)

Taschen für die Mädchen

Nachdem die Decke und der Anzug für das Baby meiner Freundin fertig waren, hatte ich außer Großprojekten nicht wirklich was zu Nähen. Da kam der Newsletter von Lillesol und Pelle gerade recht. Dort wurde ein neues Täschchen vorgestellt, welches ich mir ganz gut für die Kleinste vorstellen konnte.

Da kurz nach dem Erscheinen des Newsletters bei uns eine Stoffmesse statt finden sollte, beschloß ich nach dem die Suche nach Material in der Stadt unergiebig war, dort die Stoffe und das Zubehör zu erwerben. Am Stand von Limetrees fand ich ein hübsches Stoffpäckchen. Bei meinem Haus-und Hofladen Glücksmarie passendes Gurtband und Schnallen und bei Handarbeiten Kaiser Magnetverschluß und Reißverschluß (Den ich dann doch nicht nutzte). Klar, ich hätte das also fast alles auch ohne Messe vor Ort kaufen können, aber dazu hätte ich eine Rundreise quer durch Hamburg unternehmen müssen, die mir so erspart blieb. Das Schnittmuster war relativ gut erklärt und üppig bebildert, so daß die Umsetzung kaum Probleme machte. Ich werde jedoch das Gurtband an den Enden wieder auftrennen und Schieber einsetzen, damit der Gurt auf die Körpergröße der Kleinen angepaßt werden kann.

IMG_8657Zu dem unruhigen Stoff fand ich keinen passenden Aufnäher, da aber an der Stelle wo nun der Name prangt der Magnetverschluß verborgen werden mußte, machte ich mir diese Namensapplikation. Ich bin mit dem Ergebnis recht zufrieden und die Lütte ist mächtig stolz ihre eigene Tasche zu haben.

Auf der Stoffmesse hatte ich meine Große dabei, die eifrig mit mir das Angebot begutachtete. Leider war es sehr voll, so daß man gar nicht alles so richtig anschauen konnte, gerade für sie war es schwer. Trotzdem gab es einen Stand  (by Bea) dessen fertige Taschen sie recht hübsch fand. Glücklicherweise wurden dort auch die Schnittmuster verkauft und so nahmen wir dieses und ein Aufbügelbild sowie die Verschlußschnalle mit. Bei einem Aussteller der mir schon bei der Kreativmesse gut gefiel fanden wir hübschen Stoff für das Täschchen. Netterweise wurde uns der Stoff auch als Fat Quarter verkauft, so daß ich nicht viel mehr als das Benötigte mitnehmen konnte. Die Anleitung war relativ simple und mit wenig Text gehalten, aber doch so, daß ich ihr ganz gut folgen konnte und so stellte ich in kurzer Zeit die Tasche fertig.

IMG_8656Auch hier bin ich mit dem Ergebnis recht zufrieden. Die Tasche ist übrigens nicht schief, sondern nur nicht so sehr gut von mir ausgebügelt worden.

 

Serienliebe und Fernsehkonsum

Meine Name ist S. und ich bin ein Serienjunkie.

Wie konnte es nur soweit kommen? Eigentlich begann meine Laufbahn als Seriensüchtling schon in früher Jugend. Wie damals en vogue befand meine Mutter, dass Fernsehen ungesund und daher nur in sehr kontrolliertem Maß für Kinder zu erlauben sei. Also durfte ich, wenn überhaupt nur ausgewähltes Programm schauen. Das waren erstmal nur die Sendung mit der Maus und die Sesamstraße, später Unsere kleine Farm, Timm Thaler, mit Papa zusammen Väter der Klamotte, Western von gestern oder Dick und Doof. Mit der Freundin, deren Eltern etwas mehr Fernsehkonsum gestatteten, schaute quasi heimlich ich in deren Omas Wohnzimmer. Perlen wie Das Haus der Krokodile, Die Vorstadtkrokodile, Das Geheimnis des Siebten Weges oder auch Komm Zurück Lucy. Nicht zu vergessen sind auch Die Märchenbraut und Luzie der Schrecken der Straße.

Zeitgleich habe ich immer viel gelesen, Unmengen, immer und immer wieder. Sich Geschichten erzählen lassen, das war immer meins. Mit zunehmendem Lebensalter kam das Kino dazu. Welch eine Offenbarung, diese riesige Leinwand, die Dunkelheit, der Sound der einen umhüllte, wie man in die Geschichte eingesogen wird, und am Ende des Films erst wieder ausgespuckt wird. Völlig absorbiert vom hier und jetzt. (Ich werde nie so ganz verstehen, wie man das Kino zum Knutschen und mehr nutzen kann :)) So ging ich anfänglich mit den Eltern, später mit Freunden oder auch alleine ins Kino und liebte es so sehr. Nicht nur großes Popcornkino, auch die kleinen feinen Filme, die wo man sich später, nach angemessenem Schweigen durch den Abspann hindurch, im Cafe über alle Feinheiten der Geschichte, der Bilder und der Inszenierung auslassen konnte. Natürlich las ich immer noch, immer noch viel, genauso durchwachsen wie das Kinoprogramm von Schmonzette und Krimi über Sachbuch bis hin zur anspruchsvolleren Literatur, Hauptsache Buchstaben, Hauptsache es interessierte mich auf der einen oder anderen Ebene. Und dann natürlich die Serien, meistens die am Vorabend, ich erinnere mich an Die glückliche Familie, Die Wiecherts, Gegen den Wind, 90210 und Dutzende andere. Immer wieder gerne, irgendwas mit fortlaufender Handlung. Jeder kennt bestimmt diese Frustration wenn eine Folge besonders spannend war und das Fernsehen einen auf die Folge nächste Woche vertröstete. Wie man dem neuen Sendetermin entgegenfieberte und einem nichts und niemand abhalten durfte das dann auch zu schauen. Da waren die ZDF Weihnachtsserien eine erfreuliche Ausnahme, da man dort meist sechs Tage am Stück täglich eine neue Folge bekam.

Fast Forward, inzwischen Studentin, immer noch lesend, immer noch Serien schauend, immer noch gerne ins Kino gehend versuchte mich der Mann (damals noch Freund) von seiner Lieblingsserie Friends, die er in den USA geschaut hatte, zu überzeugen. Im deutschen Fernsehen. Ich setze mich also dazu und versuchte, den Humor zu verstehen. Ich verstand nicht was daran nu so toll sein sollte, es wirkte alles flach und doof. Zufall wollte, dass ein anderer Freund diese Serie auf Video im Original besaß. Da ich eine gute Freundin war, lieh ich mir die Staffel aus, überraschte damit den Mann. Ihm zuliebe schaute ich sie mit. Eine Folge, ständiges Stoppen, Nachfragen, dann mit englischen Untertiteln, weniger Stoppen und dann angefixt. Die Serie war toll, er hatte recht und so hing ich das Wochende bei ihm auf dem Bett und schaute Folge um Folge. Die echte Geburt des Serienfans.
Dabei die Erkenntnis, dass die Inhalte im Original wesentlich besser transportiert werden, deutsche Synchronisation ist immer noch oft furchtbar. Was aber noch besser war/ist, ich konnte gucken und gucken und gucken und war auf keinen Ausstrahlungstermin angewiesen. Nur darauf, dass der Freund die nächste Staffel rechtzeitig wieder auf Video hatte und bereit war sie zu verleihen. (Momentan kreist für dieses Endlosschauen einer Serie der Begriff Binge Watching durchs Netz, aber so neumodische Begriffe waren uns damals nicht bekannt).

Noch weiter vorwärts wurden der Freund, nun Mann und ich Eltern. Das bedeutete, dass Kinobesuche quasi nicht mehr existent waren. Wir wurden zu regelmäßigen Kunden der Videothek und schauten was das Zeug hielt alle Filme mit leichter Verzögerung im heimischen Pantoffelkino mit Baby im Arm oder daneben oder nebenan. Zeitgleich setze sich in der Filmindustrie ein Trend fort, der mir persönlich ziemlich auf die Nüsse geht. Es wurden weniger Filme mit Inhalt, schönen Geschichten, guter Umsetzung gedreht, sondern der Fokus ging in Richtung aufwändige Technik, Superspezialeffekte und lauter, höher, schneller, weiter. Wenig befriedigend sich das anzuschauen, wenig entspannend.

Aufgrund von Schlafmangel und Erschöpfung kam ich kaum noch zum Lesen, die abendliche Konzentration reichte kaum noch, sich auf ein Buch einzulassen, der Wille unterhalten zu werden, war aber immer noch da. Ich kam zurück auf die Serien. Da traf es sich gut, dass mir der Mann, eben diese Serie (Friends), die meine erste im Original war, als DVD Box zu Weihnachten schenkte. Wochenlanges abendliches Unterhaltungsprogramm, unabhängig, selbstbestimmt. Diesen Faktor darf man als Eltern nicht vernachlässigen. Fernsehen, wenn der Sender meint es sei jetzt Sendezeit kann man getrost vergessen. Die wenigsten Kinder schlafen brav und zuverlässig wenn man sich unterhaltungswillig auf die Couch fallen läßt.

Irgendwann ist aber auch so eine DVD Box mit zehn Staffeln zu Ende und es bleibt die Frage was jetzt? Zurück zum Film? Das reicht ja auch nicht, so viele Filme die mich noch interessieren gibt es gar nicht, siehe oben. Zunächst besorgte ich damals eine Serie auf DVD die ich erstmal im TV angefangen hatte und um sie dem Mann nahe zu bringen schaute ich sie mit ihm ebenfalls im Original. (Gilmore Girls). Aber auch die Box war irgendwann zu Ende und wir überlegten wie die abendliche, mediale Unterhaltung zu retten sei. Zu der Zeit begann grad die Möglichkeit sich US-Serien legal/halblegal aus dem Netz zu besorgen und so fingen wir an aktuelle oder fast aktuelle Serien zu schauen.

Ein Grund, warum ich inzwischen Serien den Filmen vorziehe ist, dass die Handlung nicht auf ca.90 min limitiert ist. Bei Serien die ich liebe werden Charaktere, Handlungsstränge entwickelt, es gibt Zeit für unerwartete Wendungen, man kann sich sehr lange auf die Geschichte einlassen. Taucht abends in seine vertraute Geschichtenwelt. So wie in ein gutes Buch. Leider bin ich wenn hier endlich Ruhe ist, mit inzwischen drei Kindern, oft zu müde um mich in ein Buch zu versenken, die Konzentration auf die Buchstaben, mag die Geschichte noch so toll sein, klappt nicht. So ziehe ich mich in mein Bett zurück und schaffe mir im Dunkeln mit Kopfhörern und Bildschirm vor den Augen mein eigenes kleines Kino, versinke in der Geschichtenwelt und blende den Alltag aus. Entspannt mich ungemein.

Dank verschiedener Dienste bin ich fast nicht mehr auf DVDs, Sendetermine, Veröffentlichungsdaten angewiesen. Wenn ich eine Serie entdeckt habe, die nicht brandaktuell ist, kann ich ein, zwei, drei Staffeln weg gucken und wenn ich Glück habe, sind an deren Ende schon neue Folgen verfügbar. Da ich inzwischen so viele Serien schaue kann, ich damit leben nicht mehr von jeder Serie mindestens drei Folgen im Vorrat zu haben. Wenn nicht grad Saisonpause ist, gibt es fast täglich ein bis zwei Folgen für mich zu schauen und spätestens dann schlaf ich beim Schauen ein. (Kann ich auch erst seit ich Kinder habe, konnte früher nie beim Glotzen schlafen, oder es ist das Alter) Auch ein Vorteil des Schauens nach Bedarf, ich kann ja später weiterschauen, bzw. zurück spulen.

Das Thema Serien nach Bedarf zu schauen, entweder via Streamingdienst oder über iTunes wird grad an einigen Orten (sogar in der Tageszeitung) diskutiert (heute grad hierbei Gutjahr) und dabei als Aufhänger genommen sich zu fragen, ob das konventionelle Fernsehen damit dem Tod geweiht ist. Das sehe ich nicht so. Ja das deutsche Fernsehen nervt oft, das Programm ist nicht unbedingt auf mich als Zielgruppe ausgelegt. Gute Sachen kommen selten oder zu unmöglichen Sendezeiten. Meine Ungeduld (und damit bin ich nicht alleine) und die Möglichkeit es anders haben zu können, lassen mich Serien lieber wie genannt als nach Ausstrahlungsplan konsumieren. Trotzdem läuft hier der Fernseher noch oft. Als Begleitmusik, als Programm nebenbei, bei Sendungen die nicht meine volle Aufmerksamkeit brauchen. Serien im Original verstehe ich inzwischen fast fließend, aber ich kann und will wenig nebenbei machen. Zum einen wegen des Kinogefühls, zum anderen weil ich komplett alles andere abschalten will. Zum anderen möchte ich gar nicht immer durch einen fortlaufenden Strang unterhalten werden. Beim Stricken, beim Wäsche falten, beim irgendwas anderes machen, reicht mir ein bischen Infotainment aus dem regulären Programm, Nachrichten, Dokumentationen, all sowas. Ich schaue das gerne, ich mag das. Fernsehen und auch Radio sind für mich immer noch wie Wundertüten. Beim Radio, die Musik, die ich eben nicht bewußt gewählt habe, vielleicht ein Beitrag der meine Aufmerksamkeit fesselt. Beim Fernsehen, das Programm, das zappen, na was bietet ihr mir? Leider im letzteren Fall oft nicht genug, aber doch soviel, daß ich nicht darauf verzichten mag.

Eins darf man, glaube ich, in der ganzen Diskussion nicht vergessen. Das Internet ist kein Neuland, für viele alltäglich. Aber es gibt auch genug Menschen für die es eher noch exotisch ist, für die es nicht normal ist, sich Inhalte zur Unterhaltung aus dem Netz zu ziehen, sei es aus Desinteresse, aus mangelndem Wissen oder fehlenden technischen Möglichkeiten. Ich bezweifele, dass die Generation 60+ sich heute schon ihren Medienkonsum online besorgt. Diese Menschen schalten abends den Fernseher an um sich zu informieren oder unterhalten. Schade ist nur, das es oft scheint, das die Fernsehanstalten meine und jüngere Generationen bei der Gestaltung ihres Programmes vernachlässigt und somit quasi forciert, das wir zur Unterhaltung nach Wunsch abwandern.

Geburtstagskind

IMG_8479Kaum zu glauben, aber wahr, unser kleinster Sonnenschein wurde gestern zwei. Hier noch im Nachthemd beim Geburtstagsfrühstück mit den Eltern.