Eine Blume, eine Blume

Ich gebe zu, ich war sehr skeptisch als ich im Dezember diese Blumenzwiebel aus dem Ikea mitnahm. Es stand zwar drauf, daß es mal eine Amaryllis werden soll, aber ich bin was Ikea Pflanzen angeht nicht besonders optimistisch.

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Nichtsdestotrotz pflanzte ich die Zwiebel in die mitgelieferte Erde, füllte etwas auf und goß regelmäßig. Irgendwann kam ein bischen Grün, wurde mehr und vor einer guten Woche entdeckte ich tatsächlich zwei Knospen. (Eine fiel einem Wutanfall eines hier wohnenden Kindes zum Opfer). Gestern dann öffnete sich die verbliebene Knospe und ich finde die Blüten wunderschön,.

Bowers & Wilkins Kundenservice, einfach nur toll.

Im Juni 2012 bekam der Mann ein Paar Kopfhörer (P3) von B&W im Rahmen einer Blogaktion zugeschickt. Ich nahm diese an mich und schrieb einen Produkttest und seit dem sind die guten Teile in meinem Besitz. Irgendwann im letzten Jahr stellte ich fest, daß das Kabel defekt war und rief dort an um nachzufragen, wo ich einen Ersatz bekommen könnte. Bei Kopfhörern in dieser Preisklasse repariert man, bevor man ersetzt. Die netten Menschen bei Bowers & Wilkins waren so freundlich, mir ein Kabel kostenlos zukommen zu lassen und ich konnte wieder unbeschwert lauschen. Vor kurzem nun fing es an, daß die eine Ohrmuschel immer wieder aus der Verankerung fiel und ich sie ums Verrecken nicht wieder befestigt bekam. Nach ein zwei Wochen war mir das zu doof und ich rief erneut bei B & W an, um nachzufragen, wie und wo ich eine Reparatur veranlassen könnte, da ich keinen Kaufbeleg (s.o.) besitze. Der sehr freundliche Mitarbeiter am Telefon fragte, von wann die Kopfhörer seien, ließ sich erklären, wie ich zu diesen gekommen war und bot mir dann an, daß ich sie an deren hauseigenen Service schicke, damit man sich das einmal ansehen kann. Er entschuldigte sich dafür, daß ich die Portokosten zu tragen habe, auch wenn die eventuelle Reparatur auf deren Kosten gehen sollte. Ich fand das absolut angemessen und toll und schickte meine P3 ein.

Heute dann kam mit der Paketpost ein Päckchen, in dem ich ein Paar niegelnagelneue Kopfhörer fand. Wie toll ist das denn? (Ja der Mann würde sagen, daß koste die nur ein müdes Arschrunzeln, aber ich sehe das anders.) NIemand weiß wie es zu dem Schaden kam, ich habe die Kopfhörer ursprünglich im Rahmen einer Marketingaktion (also eigentlich der Gatte) bekommen, und die Garantie von einem Jahr war auch schon vorbei. Trotzdem schickte man mir als Ersatz, kostenfrei, auf Kulanz ein neues Paar. Ich finde das phänomenal. Vielen lieben Dank Bowers & Wilkins!

Und genau so ein Kundenservice macht, daß ich im Zweifel bei der Anschaffung eines neuen Produktes als erstes an solch eine Firma denke.

Make a wish

Als eine meiner ältesten und besten Freundinnen mir mitteilte, daß sie ihr drittes  Kind erwartet, war eine der ersten Gedanken, daß sie natürlich zum Baby etwas handgearbeitetes bekommen soll. Ich ließ ihr die Wahl zwischen einer gestrickten oder einer genähten Decke und sie entschied sich für letztere.

In der Auswahl der Farben hatte ich freie Hand, keine Präferenzen, keine Abneigungen. So ging ich auf die Suche nach etwas geeignetem, das auch für mich spannend zu Nähen ist. Ich stieß auf Pinterest auf diese Decke, die mir sehr gut gefiel. Da es sich um ein fertiges Produkt handelt, zeichnete und errechnete ich mir meine eigene Anleitung. Einfarbige Stoffe hatte ich schon einige gehortet. Für die Sterne wählte ich meinen liebsten Punktestoff, den ich für den ersten Babyquilt gekauft und nur sparsam verwendet hatte.

Heraus kam dann dieses hier:

IMG_8443Ich nenne den Quilt “Make a wish”, finde das sehr passend für einen neuen Erdenbürger.

Für die Rückseite hatte ich mir etwas besonderes ausgedacht. Schon lange war ich fasziniert von den Chenille Blankets, die ich das erste mal hier sah. Dann stolperte ich während ich noch Anleitungen suchte über dieses Tutorial. Damit stand fest, das probiere ich für dieses Projekt. Ich bestellte Flanell, entschied mich für drei Farben, kombinierte die beiden Anleitungen und nähte die diagonalen Quiltlinien. Weil es ja noch nicht bunt genug war, nahm ich dieses Garn.

So sieht das aus

IMG_8451Nach dem Quilten wurden die entstandenen Tunnel auf der Rückseite mit diesem Werkzeug aufgeschnitten. Das funktionierte mehr oder weniger gut, die Klinge verstopfte ständig und war sie nicht verstopft, war die grad genutzte Stelle relativ schnell stumpf. Aber angenehmer als mit einer Schere war es allemal. Zur Vollendung brauchte es noch das passende Binding. Ich entschied mich gegen einen gemusterten Stoff und wählte das oben zu sehende Blau aus, damit etwas Ruhe in den Quilt kommt.

Dann folgte der spannenste Teil, das Wasche und Trocken um zu sehen, ob der gewünschte Effekt eintrat.

IMG_8446So sieht die Rückseite nun aus.

Bischen näher, damit man den Effekt auch erkennt.

IMG_8447Ich hatte für die Rückseite Mittelblau, Rot und Türkis gewählt. Da ich nicht, wie in der einen Anleitung vorgegeben decorweight fabric benutzt habe, gab eine extra Flanellschicht in weiß. Das ist das, was man durchblitzen sieht. Diese Schicht ist direkt auf der Rückseite des Quilttops und wurde nicht mit zerschnitten. Wie man weiterhin sieht, habe ich die Ecken gerundet und darum auch das erste mal das Binding in der Diagonalen (bias) zugeschnitten, damit es sich gut um die Rundungen legt.  Letztendlich habe ich dann auch endlich mal wie so oft schon gelesen/empfohlen den Obertransportfuß zum Annähen verwendet. Das war prima, das sonst etwas lästige “Schieben” der Schichten unterblieb damit fast gänzlich.

Ein letztes Bild habe ich noch, das zeigt, daß die Vorder- und Rückseite farblich wunderbar harmonieren. Da war ich länger unsicher, welche Flanelle den passenden Effekt bringen.

IMG_8450Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und hoffe die Empfängerin freut sich darüber.

Fakten:
Größe: ca 99 x 99 cm
Stoffe: Für das Top hauptsächlich Kona Cotton Solids, für die Sterne einen Punktestoff von Alexander Henry. Die Flanelle sind von Robert Kaufman, das Binding ein Free Spirit Designer Solid.
Garn: Die Nähte sind mit Gütermann Garn, das Binding mit Aurifil genäht. Das Quiltgarn ist von Yli und oben verlinkt

2013 – Ein kurzer Abriß

Im Januar hatten der Mann und ich fast kinderfrei. Nach dem Lagerkoller um Weihnachten rum nahmen wir uns mit der Kleinsten eine Auszeit und verbrachten vier Tage in London. Die Großen blieben mit ihrer Oma, die extra angereist war daheim. Am Ende brachten wir von dem Ausflug einen netten Magen/Darm Virus mit, der leider verhinderte, daß die Babytochter und ich an der letzten Pekip Stunde teilnehmen konnten. Glücklicherweise gab es aber noch ein privates Treffen fast aller Teilnehmer später im Monat, so daß wir uns nochmal sahen.

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Im Februar wurde die Kleinste ein Jahr alt, ein Jahr das wie im Handumdrehen umgegangen zu sein schien. Wir feierten mit den Pekipkindern und Müttern und es war ein schöner Tag. Weiterhin durfte ich mir im Februar einen Wunsch erfüllen und mein Minibüro/Arbeitszimmer bekam neuen Fußboden und neue Möbel, so daß es dort nun ordentlicher, strukturierter und viel gemütlicher ist.

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Im März feierten wir die Taufe von der Babytochter. Dazu kamen einige Freunde und Familie von nah und fern, was sehr schön war. Leider sind die meisten unserer Lieben nicht so nah, so daß solche Familienfeiern ein guter Anlaß sind mal (fast) alle einzuladen und zu sehen.

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Im April feierten wir erst den Geburtstag unseres Lieblingssohnes und später dann meinen. Die kleine Tochter begann mit der KiTa, wenn auch zunächst nur nachmittags und lief das erste Mal draußen. Die Große bekam einen Wunsch erfüllt und ging mit mir zur Lesung von Isabel Abedi und sammelte sich ein Autogramm ein. Außerdem teste ich die Rezepte aus dem Brotbackbuch welches wir aus London mitgebracht hatten erfolgreich. Unser Sauerteig namens Horst wurde erschaffen. Da die jüngeren Kinder mal länger schnupfenfrei waren gingen sie samstags regelmäßig zum Schwimmen und Söhnchen machte sein Seepferdchen.

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Im Mai versuchte ich mich an der Herstellung von zwei Waldorfpuppen und Töchterchen ging erneut mit mir zu einer Lesung von Isabel Abedi. Diesmal war auch die Illustratorin der Lola Bücher anwesend und zeichnete der Tochter ein eigenes Bild. Zum Ende hatte das Tochterkind noch die Chance mit Isabel Abedi zu quatschen und erzählte ihr ihre Idee für einen neuen Lola Band. Wir großen kauften uns im Mai nach langer Zeit mal wieder neue Fahrräder, so daß wir, obwohl ohne Auto nun wieder etwas mobiler sind. Die große Tochter bekam auch eins, da ihr altes zu klein geworden war, welches nun der Sohn freudig weiterfährt.

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Im Juni kam die liebe Sirki zu Besuch und wir gingen gemeinsam zum Depeche Mode Konzert. Ein langehegter Traum meinerseits. Da sie die Kartenkaufexpertin ist, hatten wir Karten für die “front of stage” Zone und dadurch ein hautnahes Erlebnis an einem wunderschönen Abend. Der Sohn beendete sein erstes Schuljahr und das Tochterkind gar die letzte Grundschulklasse. Ende Juni ging es auf in den Familienurlaub, etwas was hier nicht so regelmäßig statt findet und darum doppelt wertgeschätzt wird. Zumindest von den Erwachsenen des Haushaltes, die Kinder wollen wie auch daheim eigentlich immer nur bespaßt werden, egal wo.

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Im Juli war noch Urlaub angesagt und in den ersten Tagen des Monats beendeten wir unseren Südfrankreichaufenthalt mit einer Übernachtung in Paris. Dies war ein Wunsch der großen Tochter gewesen. Da ich das letzte Mal als Teenager in Paris war, war es auch für mich aufregend und fast neu. Wir schlugen den Rekord im Speed-Museums-Besuch und verbrachten ca. 45 Minuten im Louvre um die Mona Lisa (Sohnwunsch) und die Venus von Milo (Tochterwunsch) anzuschauen. Nach einer weiteren Übernachtung außerhalb von Paris waren wir endgültig auf dem Heimweg und verbrachten die restlichen Schulferien zu Hause. Mit der Rückkehr in die Heimat kam die Kleinste in die reguläre Vormittagsgruppe in der KiTa und war ab sofort ein sehr glückliches KiTa-Kind. Ansonsten war der Juli geprägt von der Herstellung eines Auftragsquilts, der viel Arbeit und Hirnschmalz forderte.

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Im August wurde der Quilt fertig, pünktlich zur Hochzeit zu der er verschenkt werden sollte. Wir besuchten liebe Freunde in Ratzeburg und meinen Papa und meine Oma in der alten Heimat. Die Schulferien gingen zu Ende und Söhnchen wurde Zweitklässler. Für das Tochterkind begann eine neue Zeit als Gymnasialkind. Ende des Monats feierten wir den zehnten Geburtstag der Großen, was mich sehr wehmütig werden ließ, zehn Jahre Mutter. Trotzdem war es natürlich ein schöner Tag.

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Im September feierte die Tochter ihren Geburtstag mit einigen Freundinnen, diesmal ganz schick, mit Pediküre im Salon, Gesichtsmasken daheim, Tanzwettbewerb und Übernachtung bei uns. Ich nähte ein Kleidungsstück für die Große, was tatsächlich getragen wird und unerwartet verstirbt unsere Katze. Nach kurzer pietätvoller Trauer treffen wir den Entschluß, daß es ohne Haustier doch nicht geht und Julie der Hund zieht Ende September bei uns ein. Weiterhin fing ich im September meine große Zahnsanierung an, die ich schon lange wegen Zahnarztangst vor mir her geschoben hatte.

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Im Oktober riß ich mir im Zusammenspiel mit dem Hund das Band im rechten Knöchel und verbrachte die nächsten Wochen humpelnd mit Schmerzen. Meine Kronen wurden fertig und eingesetzt und die große Behandlungsrunde beim Zahnarzt fand ein Ende. Der Monat war geprägt von Hunde- bzw. Sauberkeitserziehung, Die Kinder hatten schon wieder Ferien und mein iPhone fiel mir aus der Hand und ging kaputt. Wir hatten Besuch von meiner Mutter und die Kleinste lief das erste Mal Laterne. Der Monat endete mit Helloween, welches die großen feierten in dem sie verkleidet um die Häuser zogen.

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Der November war grau und trüb. Der Hund lebte sich immer mehr ein. Ich nähte an dem Adventskalender für die Kleinste. Die Kinder gingen mehr oder weniger lustig zur Schule und Mitte des Monats erfuhr ich, daß meine Oma im Krankenhaus liegt. Eine weitere Woche später kam die niederschmetternde Diagnose, die uns zu einem umgehenden Besuch veranlaßte. Nachdem der Mann, die Kleinste und ich sie noch im Krankenhaus besuchten, verstarb sie kurze Zeit darauf. Trauerfeier, Abschied, Trauer, Vermissen.

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Den ersten Dezember verbrachten wir am Meer, Akkus aufladen und den Mietwagen, den wir zur Beisetzung geliehen hatten noch ausnutzen. Der Wind, die See, die Weite, das tat uns allen gut. Wir buken Plätzchen und angesichts des Verlustes war alles ein wenig grau und weniger vorfreudig als sonst. Die Dekoration erfolgte diesmal eher halbherzig und gebastelt wurde diesmal gar nicht.  Mitte des Monats bekamen wir kurzen aber nicht weniger lieben Besuch aus den USA, was uns alle aufmunterte. Wir besuchten Hagenbeck und ich sah zum ersten Mal das neue Eismeer. Immerhin entschieden wir uns für selbst gemachte Weihnachtskarten, und setzten diese mehr oder weniger gemeinsam um. Es wurde noch mehr gebacken, vorbereitet, Geschenke und Baum erstanden und mit der Ankunft in der Kirche an Heiligabend trat endlich mal etwas Ruhe ein. Unsere Brüder kamen zu Besuch und feierten mit uns. Der letzte Besuch mußte wegen kranker Kinder absagen und als diese genesen waren, war bei uns Seuchenalarm. Nun sind alle wieder gesund, wir guter Dinge und starten zu fünft in den letzten Abend des Jahres.

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Allen meinen Lesern wünsche ich einen guten Rutsch in das neue Jahr und ein gesundes und erfolgreiches 2014

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Kinder an Baum

IMG_8351Wie jedes Jahr mußte sich die Brut vor der Bescherung vor dem Baum aufstellen, damit ich ein Foto machen kann. Man sieht den Sohn an, daß er meinte daß die Zeit bis zur Bescherung viel zu lang gedauert hat. Die Große, die in jeder Sekunde irgendwie posieren muß und die Interpretation der Kleinsten von der Aufforderung zu lachen.

Vielleicht nicht das allerschönste Bilder meiner Schätzchen, dafür 100% authentisch.

Wünsche Frohe Weihnachten gehabt zu haben!

 

Ach Oma …

Mitte November erfuhr ich, daß meine Oma ins Krankenhaus gekommen war. Mit fast 94 Jahren ist das immer ein Anlaß sich Sorgen zu machen. Mein Vater und mein Bruder hielten als Informanten zunächst den Ball flach, wobei mein Bruder sogar noch recht optimistisch war. Nach zwei Wochen gab es immer noch keine gefestigte Diagnose, aber ich hatte ein ungutes Gefühl. Das war so arg, daß ich meinen (kleinen)Bruder weinend anrief und meine Ängste ausdrückte, er der bisher sehr besonnen geblieben war, beruhigte mich weiterhin, teilte mir dann aber doch eine Stunde später mit, daß er am nächsten Tag hinfahren und nach dem Rechten sehen werde.

Am nächsten Tag bestätigten sich meine schlimmsten Befürchtungen, Oma war so krank, daß es bis zum endgültigen Abschied nur eine Frage der Zeit sein würde. Man sprach von Wochen, vielleicht noch Monaten. Ich war wie betäubt und der Mann beschloß sofort, daß wir zwei Tage später ins Krankenhaus fahren würden. Wir gingen zwar davon aus, daß sie uns noch ein wenig bleibt, aber in solcher Situation fährt man besser eher als später. So sicher ich war, daß ich baldmöglichst zu meiner Oma wollte, so sehr zögerte ich gleichzeitig. Sie zu sehen, die Krankheit ihr anzusehen, das würde bedeuten ihren Abschied zu sehen, Abschied nehmen zu müssen, der Vergänglichkeit ins Auge blicken zu müssen. Damit kann ich verdammt schwer umgehen, aber es ging vorrangig nicht um mich und meinen Abschied, es ging um Oma.

Da wir nicht wußten was uns erwartet und weil die Kinder Schule hatten beschlossen wir nur die Babytochter mitzunehmen. Wie in Trance zogen die nächsten Tage bis zur Abfahrt an mir vorbei. Bis wir an dem Morgen in Auto saßen. Da wurde ich plötzlich ruhig, gespenstisch ruhig, trotz aller Nervosität. Vor der Zimmertür ein kurzes Zögern, dann rein. Da saß sie, etwas dünner, ziemlich gelb, aber aufrecht. Es gab grad Mittagessen. So wie sie mir als Kind das Essen schnitt, half ich ihr diesmal mit dem Nachtisch, den ihre von Gicht und Rheuma angegriffenen Finger nicht mehr schneiden konnten. Sie war überrascht ob unseres Anblick, freute sich aber, wollte uns ständig was anbieten, entschuldigte sich, daß sie uns kein Scheinchen geben konnte, da sie vergessen hatte meinen Papa zu bitten ihr Geld mitzubringen. Alles so unwichtig.

Wir plauderten, erzählten von den Kindern, Alltagskram, völlig belanglos. Nach einer Stunde merkten wir, wie sie uns immer weniger folgen konnte, müde war und kaum noch antwortete. Wir beschlossen zu gehen, ich drückte und küßte sie, die Babytochter mochte ihr auch einen Kuß aufdrücken und dann verließen wir das Zimmer. In der Tür schossen mir die Tränen in die Augen, meine Knie wurden weich und ich wäre am Liebsten zurückgegangen, in ihren Arm. Ich schluckte, ich riß mich zusammen, schloß die Tür und atmete vor der geschlossenen Tür tief durch. Die Babytochter fest im Arm, sie die mir die ganze Zeit durch ihre Lebendigkeit so ein Anker gewesen war.

Wir verließen das Krankenhaus, beschlossen wenn Oma ins Hospiz, wo sie hinsollte, angekommen war, mit allen Kindern wieder zu kommen.

Am nächsten Tag redete Oma kaum noch, am übernächsten schlief sie nur. Am Tag drauf wachte sie nicht mehr auf. Sie hatte beschlossen, daß es Zeit war zu gehen.

Meine Oma, steter Begleiter meiner Kindheit und Jugend, eine feste Größe in meinem Leben. Ich habe immer wieder Bilder vor Augen, hab oft ihr spezielles “Ach Kind” im Ohr. Sehe, wie sie uns verwöhnte, wie sie sich kümmerte, wie sie auch ihre Grenzen hatte, unsere Differenzen. Unsere Gemeinsamkeiten, wie ich sie im Grundschulalter bat, mir am Telefon zu erklären wie man linke Maschen strickt. Wie sie mir zeigte, wie man eine Mehlschwitze macht, wie man Marmelade rührt. Die unzähligen Socken, die sie mir strickte. Die Ausflüge, die ich mit ihr und Opa machte, immer hinten auf der Rückbank im Auto. Die Tage, die ich krank bei ihr verbrachte, weil meine Eltern arbeiteten bzw. nach der Trennung. Die Feiern, die bei ihr daheim und auswärts ausgerichtet worden. Sie hatte einen großen Bekannten- und Freundeskreis. Die Schnittchenteller, die daheim gerichtet wurden, wenn sie oder Opa Geburtstag hatten, denn auch ohne Einladung klingelte irgendwer immer an der Tür. Wie ich später die Rolle übernahm, mich zu kümmern, erst als Opa krank wurde, dann als sie nicht mehr so mobil war. Ich bekam den letzten Wagen den Opa angeschafft hatte, als dieser nicht mehr fahren konnte und dafür war ich ihr Fahrdienst, wenn ich in den Semesterferien nach Hause kam. Sie gab mir immer Essen mit, wenn ich ihr Haus verließ. Sie hatte immer zu viel Essen/Kuchen da, wenn man sie besuchte. Wie ich ihr später meine Kinder in den Arm legte, erst eins, dann zwei. dann das dritte. Wie sie sich an jedem neuen Urenkel erfreute. Franzbranntwein, Kölnisch Wasser, After Eight, Obstessig, Erfrischungstücher, Erfrischungsstäbchen, immer wieder Eis, Latschenkiefer, Süßstoff, Nescafe, Vanillesoße, Maserinen, Prilleken, Überraschungseier, Sauer Gurken aus dem Faß, Spargel, Woolworth, C&A, Ziebart, Falscher Hase, Scho-ka-kola …

Ach Oma.

Es sind so viele Geschichten, so viele Augenblicke, so viele Momente. Auch wenn ich nicht mehr in ihrer Nähe wohnte, wenn mir die Kontaktaufnahme die letzten Jahren schwerer fiel, da ich den “Zerfall” nicht sehen wollte (Der Mann hat mich das ein oder andere Mal sanft überredet, einen Besuch zu planen), so war Oma trotz der Distanz immer irgendwie präsent. Auf Bildern, in Geschichten, in Gedanken, im Herzen. Jetzt gibt es keine Anrufe, keine Besuche, keine Karten mehr. Du fehlst mir.

OmaRudiElliOma, links, mit ihren großen Geschwistern als junges Mädchen.

Auf Rosen gebettet

Wer hier wohnt und nicht bei drei auf den Bäumen ist, der bekommt was genäht. Als klar war, daß der Hund einzieht, war genauso klar, daß ich ihm ein Kissen nähen werde. Na gut nicht sofort, aber nach Sichtung dessen was angeboten wird, entweder zu teuer oder hässlich oder beides.

Ich hatte noch im Hinterkopf, daß es bei Sew Mama Sew letztlich so etwas gab und fand es auch wieder. Das Pet Bed Turorial.

Daran und an der Erfahrung mit den Modern Bolster Kissen, die ich für die Kinder genäht hatte orientiere ich mich.

Ich hatte sogar extra diesen plush stoff aus der Anleitung bestellt, aber als er ankam, stellte ich fest, daß die Farben der zwei Stoffe nicht zueinander passen und der eine von beiden unglaublich quietschig ist. Mir fiel ein, daß ich, da das Kissen ja später im Schlafzimmer liegen soll, noch so Stoff da hatte der passen müßte. Also nicht irgendeinen Stoff, sondern welchen von Cath Kidston, der etwas dicker ist und zu den Gardinen paßt. Ein wenig frenetisches Suchen brachte eine größer als gedachte Menge zu Tage und nach einem Ausflug ins Alsterhaus war das Material komplett.

Einige Tage später, nachdem ich gerechnet, geflucht, zugeschnitten und genäht hatte, war das Kissen fertig. Leider hatte ich bockig den zu kurzen Reißverschluß eingenäht und somit riß beim Einsetzen des Innenkissens in den Bezug die Naht auf. So blieb mangels Zeit und Gekränktheit das gute Stück wochenlang liegen, bis ich mich erbarmte und es wieder auseinander nahm, mit drei Versuchen den Reißverschluß halbwegs ordentlich drin hatte und vorhin dann das letzte Stück wieder einsetzte.

Voilá:

IMG_8245Mit Hund, noch in der Küche

IMG_8253Seitenansicht

IMG_8254Von Oben

IMG_8247Und als Bonus ein Vanitybild des Hundes

Außer dem Stoff con Cath Kidston, habe ich für die Seiten Easy Cotton in Pink und für die Keder Westfalenstoff in Blau verwendet. Das Kissen ist 90x60cm groß. Es hat ein Innenkissen aus einfacher Baumwolle, welches mit dem Inhalt der Ikeafüllkissen gestopft ist. Hinten am Bezug befindet sich ein Reißverschluß, damit man das Außenkissen bei Bedarf waschen kann. Für den Keder habe ich mich grob an diesem Tutorial bedient, da ich solche bisher nur einmal gemacht hatte. Last but not least, alle Stoffe sind noch einmal mit aufbügelbarer Gewebeeinlage verstärkt, damit die Hundekrallen sie nicht so leicht zerreißen können.

Bleibt nur zu hoffen, daß das Vieh die Arbeit auch zu schätzen weiß und das Kissen später (wenn sie sauber und nachts nicht mehr eingesperrt ist) annimmt.