Ich habe ne suuuper Ideee!

Im August wird die Große zwölf, ZWÖLF. Ich glaub das ja nicht, aber das tut grad nix zur Sache. Jedes Jahr gefühlt sobald Heiligabend vorbei ist fängt das Tochterkind mit dem Generve, dem Gefrage an, was sie denn an ihrem Geburtstag machen soll. JEDES JAHR. Und jedesmal bin ich von der frühen Planung so genervt, dass ich das auf später verschiebe, bis es kurz vor knapp ist. Zu ihrem zehnten haben wir eine riesen Sause gemacht, auch, weil Mutti so sentimal war. Der elfte war in ihren Augen nicht ganz so gelungen, wir hatten eine Stadtralley.

Seit einigen Wochen ist also wieder die aufkommende Geburtstagsfeier großes Thema, welches ich als liebende Mutter ein wenig abgewürgt hatte. Erstes Problem war der Termin, denn der Geburtstag liegt so, dass an dem ersten verfügbaren Wochenende nach den Sommerferien alle Feriengeburtstagskinder feiern wollen. Hinzu kommt, dass ich genau an dem Wochenende Patentante werden soll, eine Feier der wir also eher nicht absagen können. Wir haben uns jetzt also ungefähr auf einen Termin geeinigt und während wir das taten ging natürlich wieder die Fragerei los, was sie denn machen soll.

Und dann hatte ich die SUPER IDEE! Okay vielleicht findet ihr die auch alle total lame, aber Tochterkind und ich finden die super.

Was mich an der ganzen Geburtstagsfeierplanerei immer nervt ist die Tatsache, dass es immer mehr sein muß. Es wird kein Kindergeburtstag gefeiert, sonder es muß ein EVENT statt finden. Bowlen, Kegeln, Schwimmen, Kino, Zirkus, Museum irgendwas aufwändiges schickes. Kaum noch jemand feiert einen Geburtstag wie wir es von früher kennen. Ja jaa ich weiß, früher hatten wir auch noch einen Kaiser. Und wird dann mal zu Hause gefeiert werden Mottopartys veranstaltet wo mir bei der Betrachtung der Bilder ganz anders wird und ich mich als ideenlose, faule Versagermutti fühle. (Und ja ich weiß die meisten die ich kenne machen das aus Spaß an der Freude und nicht um andere mies aussehen zu lassen).

So genug geschwafelt, das Vorgeplänkel diente ja nur dazu zu verstehen wie ich auf die Idee kam. Wir machen eine “Retro Kindergeburtstagsfeier “Goodbye Childhood” Der nächste Geburtstag begründet nämlich die Teenagerjahre und somit ist das doch jetzt der perfekte Anlass. Also noch einmal richtig Kind sein, richtig toben, richtig Spaß haben bevor man für all das viel zu cool ist. Wahrscheinlich fühlen sie sich jetzt schon ein bischen zu cool dafür, aber noch kann man sie überzeugen, wenn alle mitmachen. Hoffe ich.

Meine Idee bisher sind, dass die Kinder natürlich in Klamotten kommen müssen, die an die 70er Jahre Kinderklamotten angelehnt sind. Dass wir dementsprechend die Deko gestalten und dass es natürlich das klassische Kindergeburtstagsessen gibt.

Natürlich startet so ein Geburtstag wie früher mit Hinsetzen und Kuchen essen. Bisher haben das Tochterkind und ich dabei an

  • Philadelphiatorte
  • Kalter Hund und eventuell
  • einen belegten Tortenboden gedacht.
  • Kakao
  • Zitronen und Orangenlimo
  • Tritop

Dann kommt der Spielteil und da sind wir bisher so weit:

  • Sackhüpfen
  • Apfel fischen
  • Negerkusswettessen
  • Eierlaufen
  • Zeitungstanz
  • Flaschen drehen
  • Schokolade auspacken
  • Topfschlagen
  • Slackline (ja nicht retro, aber spaßig)

Natürlich gehört auch ein Abendbrot dazu und bin ich noch etwas ratlos, aber auf alle Fälle

  • Kartoffelsalat
  • Würstchen, vielleicht auch einen
  • Nudelsalat und
  • Buletten dazu.

Damit das ganze dann aber nicht ganz so “kindisch” ist überlegen wir am Anschluss noch im Garten auf Decken lümmeln zu lassen und dabei per Beamer und Leinwand “La Boum” zu zeigen.

Soweit also die grobe Planung bisher, wenn ihr noch Ideen habt, Kritik oder Anmerkungen, die sind mehr als willkommen.

Ach und was mir grad noch einfiel, das Tochterkind hat vorgeschlagen, dass alle ihr Smartphone/Telefon am Eingang abgeben müssen. Großartig finde ich das :)

UPDATE:
Weil schon die ersten Stimmen kamen, dass das was wir planen doch nix besonderes sondern ein ganz normaler Kindergeburtstag sei, möchte ich noch etwas ergänzen. Als die Kinder kleiner waren klappten solche Spiele einfach noch nicht so gut. Als sie alt genug waren, damit man solches spielen konnte war es schon wieder uncool. Der Druck von außen, die eigene kindliche Erwartungshaltung etc. führten einfach dazu, dass ein Geburtstag eher als event als als Feier mit Spielen statt fand. Außerdem, da nehme ich mich nicht aus, ist es einfach auch ein Stück bequemer, wenn einem nicht eine Horde wildgewordener, feiernder Kids die Wohnung auseinander nimmt und man das ganze auslagert. Abgesehen davon, dass ich einige Angebote von Museen oder anderen echt nett finde. Nun sind die Kinder mit 12 eigentlich schon zu alt für so einen Kindergeburtstag. Aber wir verstehen es eher als ein Augenzwinkern in Richtung der vergangenen Kinderjahre und eins in Richtung der kommenden Teenagerjahre. Und letztendlich wird Muttis wehmütiges Retroherz bedient :)

Interview mit meiner ältesten Tochter

Sonja von Mama Notes twitterte gestern folgendes:

So liebe Eltern von noch Klein- oder Grundschulkindern. So sieht das aus, wenn unsere Babys 11 Jahre alt sind

Angefügt war der Link zu diesem Artikel bei “Stadt Land Mama”, wo eine Elfjährige Rede und Antwort steht.

Da ich selber so ein elfjähriges Exemplar habe, war ich natürlich neugierig und musste erstmal nachlesen. Die Antworten dort waren ganz amüsant, aber ich war mir nicht sicher, ob meine große Tochter nicht anders antworten würde. Also gab ich ihr gestern Nachmittag die Fragen, ohne ihr die Antworten des anderen Mädchens zu zeigen und ließ sie diese alleine beantworten. Das Ergebnis steht nun hier, korrigiert nur in der Rechtschreibung und unter Löschung zu personenbezogener Daten. Viel Spaß!

Stell Dich doch mal ganz kurz vor

Ich heiße R., bin 11 und werde im August 12 und gehe in die 6te

Was macht Dein Leben gerade so richtig schön?

Dass ich im Musical „Das Wunder von Bern“ spiele und die Menschen da (zweite Familie)

Wir schreiben hier ja für ganz viele Mütter: Was findest Du gut an Müttern?

Dass ich mit meiner Mutter abends geile Filme oder Serien gucken kann, dass wir viel zusammen machen und das ich wegen ihr Starbucks kenne :D

Und wann nerven Mütter am meisten?

Wenn ich das Zimmer aufräumen soll.

Können Väter das auch?

Nerven ja, abends Serien gucken nein.

Sind Deine Eltern Vorbilder oder möchtest Du später lieber alles ganz anders machen?

Es geht aber ich will nicht nur Internet Gedöns machen, aber ich will auch so gechillt sein.

Hättest Du gern später auch mal Kinder?

Ja

Was hast Du denn nach der Schule vor?

Weiß ich noch nicht aber weiter in Richtung Musical

Hast Du fünf Tipps, wie man Kinder bzw. Jugendliche in Deinem Alter als Eltern am besten behandeln kann?

Ne nicht wirklich, googelt doch mal :)

Wovon träumst Du?

Ich würde gern die Hauptrolle in einem Musical spielen

Ende

Da liebe Leser, jetzt wißt ihr Bescheid

Voll das Leben

Ich hatte gar nicht vor, nach dem letzten Eintrag so lange zu verschwinden, aber wie das so ist. Das volle Leben hatte mich fest im Griff.  Die Babytochter wurde drei (DREI!), wechselte in die Ü3 Gruppe in der KiTa und ist jetzt ein Elementarkind. Das Tochterkind hatte viele Proben und endlich die ersehnte Premiere im Musical in dem sie mitspielt. So stolz, man kann es nicht in Worte fassen wie sie nach der Premiere strahlte. Die Eltern natürlich anständig gerührt und mit Tränchen in den Augen. Das Söhnchen sang mit dem Chor im Choral der Matthäuspassion, hatte auch Geburtstag, der letzte einstellige und dann war da ja auch noch Ostern. Wie das mit Kindern (oder auch ohne) in Familien so ist, war das Leben prall gefüllt mir auf und abs, schönen und doofen Tagen, aber vorallem verging die Zeit der ersten Monate des Jahres recht schnell.

Neben allem habe ich es mir aber nicht nehmen lassen meine Inseln zu schaffen, in denen ich mit meinen Händen arbeiten konnte. Wenn immer möglich stahl ich mir ein wenig Zeit und schuf das ein oder andere Projekt.

Zunächst war da das Prairie Blanket welches ich zum dritten mal strickte, leider war ich so spät dran mit der Fertigstellung, dass ich diesmal vergaß ein Foto zu machen.  Es ist halt rot :)

Dann war da der Hase, liebevoll und verzweifelt auch Arschlochhase genannt. Sew Mama Sew hatte hatte die Aktion “Six weeks of love for softies” in der sie täglich einen Stofftier- Puppendesigner vorstellten und eine freie Anleitung von diesem veröffentlichten. Dort stiess ich auf die Funky Friends Factory und die Anleitung für den Baby Bunny.  Ich kaufte also die Anleitung, und fing an und trennte und nähte und trennte und nähte und war kurz davor den angefangenen Hasen in den Müll zu kloppen. Letztendlich sagte ich mir, einmal noch probieren ob es nicht doch klappt und es klappte. Tadaaa der (Arschloch-) HaseIMG_1721

Die Decke und der Hase waren für ein bezauberndes im Februar geborenes Mädchen. Wie es aussieht waren die Eltern erfreut und somit das Klassenziel erreicht.

Als ich erfuhr, dass liebe Freunde ein Baby erwarten war für mich klar, dass sie einen Babyquilt bekommen werden. Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte kam schon eine Anfrage von ihnen ob sie einen solchen bei mir in Auftrag geben könnten. Klar konnten sie und das bisherige Ergebnis sieht so aus.

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Dann stolperte ich auch noch über ein Buch, was meine Aufmerksamkeit erregte und welches ich mir ziemlich schnell digital kaufte. Und weil ich ja sonst nichts zu tun habe und immer gerne was neues probiere fing ich eine weitere Decke an.

IMG_1828Der Zwischenstand bisher, einige Linien habe ich schon gequilted, aber leider kein aktuelles Bild.

Da ich ja nun nicht den ganzen Tag an der Maschine sitzen kann habe ich gleichzeitig noch ein bischen was gestrickt.

IMG_1840Ein Babystrickjacke nach einer Anleitung von Ysolda. Wee Cria. Verwendet habe ich ein Madelintosh Garn, ich glaube Sockengarn.

Und nebenbei und immer gleichzeitig habe ich an meinem größten Projekt gearbeitet, was dann im April auch endlich fertig wurde.CETe_iwW0AIUk1ZUnser zweites Sonntagskind, unsere dritte Tochter unser vierter Nachwuchs. Sagt Hallo :)

Kite Flight – Ein Geburtstagsquilt

Ich erwähnte schonmal, dass ich bekennender Craftsy Fan bin. Einmal täglich schaue ich dort bestimmt vorbei und so kam es, während einer der ständigen Sale-Aktionen mir dieses Quilt Kit ins Auge fiel. Ich fand das faszinierend und die Konstruktion herausfordernd. Ich bestellte es und überlegte wofür, für wen ich es nähen könnte. Relativ zeitgleich wurde mir klar, dass ich meiner Freundin unbedingt mal einen Quilt schenken muß, aus Gründen. Ich zeigte ihr diverse Muster und auch eben dieses. Das war es was ihr gefiel. Pünktlich zehn Tage vor ihrem Geburtstag im Juli fing ich an. Ja das pünktliche terminieren von Geschenken übe ich noch.

Ich war ziemlich gut in der Zeit, aber dann kam der Hochzeitsquilt dazwischen. Ich konnte mich nach Fertigstellung des Tops für keinen Hintergrundstoff entscheiden und als ich eine Entscheidund getroffen hatte, bestellt ich zu wenig und überhaupt brauchte ich mehr Rot. Alles so Gründe wieso ein Quilt dann doch eben länger dauert. Im Oktober war der Hochzeitsquilt fertig, ich brauchte eine kurze Quiltpause, machte anderes um mich dann endlich wieder an den Geburtstagsquilt zu setzen. Erstmal wurde er durch Ansetzen der roten Ränder vergrößert. Dann die Entscheidung wie er zu quilten sei. Zur Wohnung der Freundin sowie zu dem Muster kam dann eigentlich nur in Frage im Nahtschatten zu quilten. Das ist an und für sich nicht so komplex. Ich habe aber dieses Mal einen Vlies verwendet der dicker ist als mein üblicher, dafür aber flüschiger. Das ist optisch erstmal gar nicht so  auffällig, aber an Gewicht und Volumen hatte dieser Quilt deutlich mehr als meine übrigen. Fast alle Nähte verlaufen diagonal und der Durchlass meiner Maschine ist recht klein, daher wurde es ein kleiner Kraftakt den ich immer nur in kleineren Portionen bewältigen konnte.

Ich nutzte dann die Zeit zwischen den Jahren, stellte alles fertig und hatte endlich eine Idee womit ich die Einfassung des Quilts machen wollte. Alle vorher gekauften Stoffe oder das was sonst so im Vorrat war paßte nicht so ganz. Bis mir die zündende Idee kam, die Einfassung aus zwei Grautönen des Tops und schwarz zusammenzusetzen. Da die Aufteilung nicht komplett symetrisch möglich war, wurde das letzte Stück rot. Das gefällt mir übrigens grad im Zusammenspiel mit der Rückseite richtig gut. Durch den relativ großen Abstand der Quiltnähte bekam der Quilt den gewünschten kuscheligen Effekt und erinnert mich ein wenig an eine Sommerbettdecke.

Jetzt aber genug erzählt, hier kommt der Quilt.

IMG_0720Die Vorderseite

IMG_0724Die Rückseite. Man beachte das kleine Stück Rot in der Einfassung.

IMG_0726Nahaufnahme der Quiltnähte und der dreifarbigen Einfassung.

Ich hoffe sehr, dass er ihr in der fertigen Fassung gefällt, zur Wohnung passt und kuschelig genug ist.

Muster: Kite Flight by Janice Ryan of Better Off Thread for Robert Kaufman Fabrics.

Stoffe: Alle einfarbigen sind Kona Cotton Solids von Robert Kaufman, als Kit erworben. (Auf der Herstellerseite gibt es die Anleitung  auch in einer anderenmögliche Farbzusammenstellung.) Der Hintergrundstoff ist von Lotta Jansdotter aus der Serie Mormor und heißt Blomster Slate.

Vlies: Wie immer nutze ich nur Baumwollvlies und dieses mal das recht neue Warm & Plush von der Warm Company. Es war wirklich toll damit zu arbeiten, auch wenn die Handhabung manchmal etwas erschwert war.

Quiltgarn: Alle Quiltgarne sind von Yli. Für die Rückseite nutzte ich Farbverlaufsgarn “London Drizzle“. Für die Oberseite das Yli Soft Touch in knallrot und natur.

Noch schnell …

IMG_0698 - Arbeitskopie 2Frohe Weihnachten!

Das jährliche Quatschköppe vorm Baum Bild :)

Machs noch einmal Sam …

In diesem Fall wohl eher, machs noch einmal Mama. Vor Jahren, also genauer gesagt vor fünf Jahren nähte ich der großen Tochter einen Mantel. Wie es dazu kam und wie er aussah sieht man hier. Nun äußerte sie letzens den Wunsch ich möge ihr doch bitte noch einmal diesen Mantel nähen. Das mag auch damit zusammen hängen, dass ich keine Lust hatte 200€ für einen Wollmantel für sie auszugeben oder eine günstigere Version in Kunstfaser zu erwerben. Wir entschieden uns dieses Jahr für kürzere Version des Schnittes.

So wartete ich bis der hiesige Karstadt endlich die Mantelstoffe auspackte und kaufte einen Wollmischstoff, der sich unglaublich weich und schön anfühlte. Ich war mir wegen der Farbe, ein sattes Himbeerrot zwar nicht ganz sicher, aber ich hatte Glück und sie findet ihn schön. Für das Futter hatte ich noch einen Voile-Stoff  aus der little Folks Linie von Anna Maria Horner liegen, den ich für ein nicht fertig gestelltes Mantelprojekt vorgesehen hatte.

Ich erbat mir ein Wochenende Nähzeit und fing an. Vom Ausschneiden des Schnittmusters am Freitag Nachmittag bis zur Fertigstellung am Montag war ich schwer beschäftigt. Ich hatte zwar trotz meiner Bitte Kinder und Hund um mich wuseln, aber irgendwie kam ich zurecht. Es fiel mir dieses Mal auch etwas leichter als das erste Mal, mag auch an der besseren Maschine und dem Obertransportfuß liegen. Lediglich die Knopflöcher, das Annähen der Knöpfe und das Säumen der unteren Kante ließ ich von einer Schneiderin machen.

Das ErgebnisIMG_0681

Detailaufnahme Futter und SaumIMG_0680

Der KragenIMG_0679

Am KindIMG_0674

Und von HintenIMG_0677

Meine Kamera meint übrigens sie müsse alles so seltsam belichten und ich habe keine Ahnung warum, wir sind extra nicht in die pralle Sonne gegangen. Damit werde ich mich noch beschäftigen müssen.

Neben der Herstellung der Jacke habe ich dem Kind auch einen Pullover gestrickt denn sie momentan eher blöd findet. Sie hatte die Wolle selber ausgesucht, aber ist nun der Ansicht der Pullover ist zu eng geworden. Trotzdem durfte ich nach nur wenig Bestechung das gute Stück an ihr fotografieren.

Ease am KindIMG_0665

RückansichtIMG_0668

Und einmal ohne InhaltIMG_0682

Der AusschnittIMG_0683

Es handelt sich um das Modell Ease (ravelry)
Gestrickt mit Nadeln Nr. 4,5
Garn: Mrs. Babs Yowza in Coco Bay

Hochzeitsquilt Version 2.0

Dieser Anruf meines besten Freundes im Sommer, bei dem er mich nach einigen Belanglosigkeiten nebenbei fragte ob ich denn die Whats app Nachricht seiner Freundin nicht gesehen hätte, war schon merkwürdig. Als echter Multitasker öffnete ich natürlich die App und sah sofort wieso es so wichtig war. Ich schaute auf einen waschechten Verlobungsring :) Noch im Laufe des Gespräches wurde mir klar, dass es nur ein Geschenk für diese besonderen Menschen geben kann, einen Hochzeitsquilt. Klar hatte ich beim letzten ordentlich geflucht und wer mich kennt weiß, daß ich auch gerne mal zwei Jahre an einem Quilt sitze. Das aber nur wenn ich 50 andere Sachen zwischendurch mache und oder die Lust verliere und oder das Muster zu komplex ist. Es war Juli und das angepeilte Hochzeitsdatum lautete Oktober. ich überschlug kurz und beschloß, dass es machbar sein muß.  (Weil ich öfter gefragt wurde wie lange ich für den kompletten Quilt gebraucht habe, am 15.7. habe ich den bunten Stoff bestellt)

Ich entschied mich für ein relativ einfaches Muster. Durchforstete meine Vorräte und stolperte dann bei Quiltzauberei über eine reduzierte Jelly Roll (aus der Linie Novella von Valori Wells)  in Farben die ich angenehm und passend fand. Ich hatte schon einige Zeit zuvor eine Anleitung gekauft, dich ich hübsch fand, die nun passend für das Projekt erschien. Die Kombination von einfachem Checkerboard-Muster mit den Uni-farbenen Karos am Rand fand ich schick und mit den entsprechenden Techniken sollte das Zuschneiden und Nähen recht flott gehen. Weit gefehlt, die Autorin der Anleitung sieht vor, daß man jedes Stoffquadrat einzeln Zuschneidet. Nö, nicht mit mir.

Ich erinnerte mich daran, kurz zuvor ein ähnliches Quiltmuster gesehen zu haben und nach kurzer Suche fand ich es auch wieder. (Was mir nicht immer glückt, sollte wirklich mehr pinnen oder bookmarken) Dieses hier bei Rita von Redpepperquilts. Dort werden Streifen geschnitten, (in der Breite der Jelly Roll, weswegen diese für das Projekt ideal war, da ich die Streifen der Roll nur kürzen, aber nicht Streifen vom Meter schneiden mußte) diese Streifen einer bestimmten Länge mit einem uni-farbenen Streifen aneinander genäht, diese Paare wiederum mit zwei weiteren Paaren verbunden und dann wieder zerschnitten. Egal, kurz gesagt es kommen zeitsparende Techniken zum Einsatz, an deren Ende man einen sogenannten 16-patch block hat, ein Quadrat aus 16 Einzelquadraten. Davon nähte ich ziemlich viele, 60 Stück, das entspricht einer Anzahl von 960 kleinen Miniquadraten die vernäht wurden.

Die erste Legeprobe sah dann so ausIMG_0425Ich beschriftete alles mit Post-it Notes und nähte Block für Block zu Reihen zusammen, die ich danach miteinander verband. Bei dem einfarbigen Kontraststoff entschied ich mich gegen weiß, damit es nicht zu mädchenhaft wird und weil ich fand, dass der grau/beige Stoff besser zu dem bunten paßt. (und ich hatte ihn aus einer Materialpackung da und konnte sofort loslegen)

Da mir das Quilttopp nachdem Zusammennähen der Blöcke auch unter Anrechnung des anzufügenden Randes noch etwas klein vorkam um zu zweit gemütlich darunter zu kuscheln und damit das der Übergang zu dem einfarbigen grauen Rand nicht zu trist wird, entschied ich mich eine Einfassung in rot um die Blöcke zu machen. Außerdem waren meine einfarbig bunten Randblöcke nicht so kontrastreich wie in der ersten Anleitung.

IMG_0591So dann, nach Anfügen der  einfarbigen Randblöcke und der beiden Ränder. Außerdem hatte ich die Eckblöcke nur aus der Kontrastfarbe und dem Stoff der die Rückseite werden sollte genäht. (Ich habe grad mal nachgeschaut, das war der Stand vom 13. August)

Wie so gerne mal, hatte ich die Masse an Rückseitenstoff nur geschätzt und mich, wie auch gerne mal, verschätzt, so daß ich den Stoff nachbestellen mußte. Dies ging natürlich nur in den USA, da die Stoffserie a) schon älter ist und b) in D kaum oder nur viel zu teuer zu bekommen war. So bestellte und wartete ich auf die Nachlieferung. Dank fabric.com ging das aber relativ zügig.

Immerhin hatte ich schon das Vlies in ausreichender Menge da. Ich benutze am liebsten Quilters Dream Cotton oder Warm and White. Beides reine Baumwollen die nadelgefilzt sind und sich supergut quilten lassen.

Nach Ankunft des fehlenden Stoffes habe ich aus Zeitgründen den Quilt nicht mit Nadeln sondern mit Sprühkleber (spray basting) geheftet. Sprich die Rückseite, das Vlies und die Vorderseite miteinander verbunden, damit sie beim Quilten nicht verrutschen. Kleine Anekdote am Rande, da mir mitten im Sprühen der Kleber ausging, fuhr ich ratzifatzi zum Händler meines Vertrauens um Nachschub zu besorgen (man kann den Quilt ja nicht am Boden festgeheftet lange liegen lassen bei 3 Kindern und nem Hund) und ließ mir auf dem Rückweg das Portemonnaie klauen. Immerhin hatte ich in der Hektik meine EC Karte im Nähladen vergessen, so dass diese wenigstens nicht weg war.

Als nun endlich alle Schichten verbunden waren ging es ans Quilten. Hier hatte ich mich zumindest für den Mittelteil für einfaches “Straight Line Stitching” entschieden, da das im vergleich mit freien Mustern etwas zügiger geht. Immerhin sollte das alles ja rechtzeitig fertig werden.

IMG_0646Wie man sieht, mußte dazu unser Eßtisch herhalten, denn in meinem Büro/Nähzimmer gibt es keine Möglichkeit so etwas großes zu bearbeiten. Somit räumte ich einige Wochen immer wieder meine gerollte Quiltwurst hin- und her und der Sohn der den Platz neben der Maschine samt Quilt hattw wurde das ein oder andere mal angeherrschte nicht so dicht an den Quilt zu rücken bzw. diesen nicht einzusauen.

IMG_0892Nach Fertigstellung der Längsnähte sah das Ganze dann so aus.

IMG_0896Und so, nachdem ich auch die Quernähte gesetzt hatte. Ich hab dieses mal ein Baumwollgarn genommen, dass etwas dicker und Öko-zertifiziert ist. Dieses hatte zufällig die passende Farbe.

Für den Rand war es mir zu langweilig nur einfach gerade Linien zu nähen, somit überlegte ich was passen würde. Auch einfaches rumdoodeln wollte ich nicht und mein Versuch freihand Blumen zu nähen ging auf dem Probestück so schief, dass ich auch davon Abstand nahm.

IMG_0911Ich entschied mich dann für ein Spiralmuster. Ich hab dermaßen geflucht, weil ich die nicht so ordentlich hinbekam wie ich es gerne hätte. Dann kam auch noch Kritik auf twitter, dass es nicht regelmäßig sei, und ich war kurz davor alles aufzutrennen. Anbetracht der knappen Zeit und dem Kopfwaschen einer guten Freundin machte ich aber weiter und gab mein Bestes. Ich trennte zwar zwischendrin auf, aber nicht alles und ich machte es fertig. (man sieht auf dem Mittelteil einen Teil der Unmengen an Fäden die ich alle vernähen mußte) Natürlich kam ich auch hier mächtig in Zeitnot, denn die Rückseite der Einfassung ist rot und ich wollte nicht mit beigen Garn auf rot nähen, so daß ich extra Unterfadengarn bestellen mußte, was ein wenig auf sich warten ließ.

IMG_0919Beim Freihandquilten lag ein größerer Teil des Quilts auf mir, bzw. auf meinen Schultern, was dazu führte, daß ich mir auch noch ordentlich Verspannungen einfing, abgesehen davon, dass das Quilten eines Quilts dieser Größe, ob nun freihand oder nicht, echt körperliche Arbeit darstellt.

Mitte der Woche, ca vier Tage vor der Hochzeit rief ich meinen besten Freund an, und jammerte ein wenig über meine Unfähigkeit und wie wenig perfekt ich sei und mich sein Hochzeitsgeschenk ins Grab bringen würde. Er wußte zwar noch nicht was es geben würde, aber da er mich kennt, hatte er wahrscheinlich eine Ahnung.

Zwei Tage vor Hochzeit waren alle Quiltnähte gesetzt und es fehlte nur noch die Einfassung. Nur, ja, haha. Darüber hatte ich mir bis dato wenig Gedanken gemacht. Ein extra erworbener Stoff gefiel mir nicht mehr und so saß ich in einem Haufen Stoffreste von dem Quilt und grübelte was ich machen soll. Ich entschied mich dann von den einfarbigen Stoffen die übrig geblieben waren die rot/lila Töne zu nehmen, dazu ein bischen grau und auf Anraten des (sonst eher farbenblinden Gattens) auch türkis. Damit das aber passend aussah und sich die Farben gleichmäßig verteilten, mußte ich Stücke von der ungefähren Länge der einzelnen Quiltblöcke zuschneiden. Es wurden 7,4m Binding die ich im accord zuschnitt und aneinander nähte, bügelte und dann einseitig mit der Maschine am Quilt befestigte. Auf der Rückseite eines Quilts wird das Binding traditionell mit der Hand angenäht. Damit begann ich am Donnerstag vor der Hochzeit gegen 17 Uhr. (Hochzeit Samstag 12 Uhr)

Freitag mittag war ich dem Nervenzusammenbruch nah, hatte höllische Kopfschmerzen und beschloß, wenn das Mistding nicht fertig wird, dann wird es das eben nicht, dann gibt es einen Gutschein, ich kann nicht mehr. Ich nähte trotzdem weiter, versuchte genug Pausen zu machen und tadaaa, um 18 Uhr war die letzte Naht gesetzt. Alle Fäden vernäht und das Biest flog in die Waschmaschine.

Die gesammelte Familie fuhr erstmal zu Ikea und nach Rückkehr um 21.30 stopfte ich den Quilt in den Trockner um alle 15 min nachzusehen ob er denn jetzt endlich trocken sei. ich mußte ihn ja noch bügeln, letzte Qualtitätskontrolle und auftauchende Fäden vernähen. Schlußendlich brauchte er natürlich auch noch mein Lable :)

Um 23 Uhr 13 war er fertig, ich machte noch schnell Fotos mit dem iPhone und fiel erschöpft ins Bett.

Am nächsten morgen blieb glücklicherweise noch etwas Zeit, so daß ich halb angezogen, halb geschminkt mit dem Gatten in den Garten flitze und noch fix zwei drei Bilder mit der guten Kamera zu machen.

IMG_0426die Vorderseite

IMG_0427die Rückseite

IMG_0428die Spiralen

IMG_0429und ein bischen mit Abstand, damit man die mehrfarbige Einfassung erkennt

Morgens dann noch fix hübsch eingepackt und nach der Trauung offiziell überreicht. Und wiederum, mein bester Freund kennt mich schon ziemlich lange und gut, er wußte ich platze wenn sie sich das Geschenk nicht noch während meiner Anwesenheit anschauen. So öffneten er und die Braut nach dem Abendessen, oder war es Kaffee brav den Karton. So wie ich es verstanden habe scheint der Quilt ihnen zu gefallen und das ist ja auch das Wichtigste. Dafür macht man das alles.