Studentenleben 2.0 – Berkeley Teil 7

Man sollte meinen bei so einem Aufenthalt an einer der Top-Unis in den USA fällt einem jeden Tag etwas ein, über das man schreiben möchte. Und ja, es gibt vieles was einem tagtäglich so durch den Kopf geht, aber es sind mehr die kleinen Dinge. Das verwurstet man dann auf Instagram oder schreibt irgendwo in den anderen Sozialen Medien ein bis zwei Sätze. Es baut sich ein innerlicher Druck auf, dass man doch jetzt großartiges zu berichten hätte, denn hey, man ist in Berkeley, hey man ist in Kalifornien, hey alles toll. Nö. Alltag ist eigentlich relativ unspektakulär. Wobei unspekatakulär auch nicht so der richtige Ausdruck ist. Ich weiss nicht, ob ich schon einmal berichtet habe wie das hier aufgeteilt ist. Ich bin 13 Wochen vor Ort und diese 13 Wochen sind in vier Quarter unterteilt. In jedem Quarter belegt man Kurse. Jeder Kurs gibt bei bestehen ein bis drei credits. Das Ziel ist es in diesem Sommer 16 credits zu erlangen, maximal darf man 17 credits erlangen. Damit ist auch klar, dass der Spielraum einen Kurs nicht zu bestehen sehr sehr knapp ist. Es ist auch klar, dass es alle 2,5 Wochen ca. ein bis drei Prüfungen zu absolvieren gibt. Im Grunde findet hier eine Druckbetankung statt. Die drei credit Kurse laufen meist das komplette Quarter die anderen kürzer und manche finden in einer komprimierten Form am Wochenende statt. Jeder Lehrkörper möchte einem in der zur verfügung stehenden Zeit möglichst viel des Wissen vermitteln. Die Reduzierung des Stoffes der sonst in einem Semester gelehrt wird gelingt den meisten nicht unbedingt. Es ist im Gegensatz zur deutschen Uni hier üblich, dass man einen Großteil des Materials lesend eigenständig erlernt und in den Vorlesung anwendet oder wiederholt, gepaart mit Erklärungen des Dozenten. Das wiederum bedeutet, dass man zwischen zwei und vier Stunden Vorlesung hat und noch mal ein bis drei Stunden Lesezeit pro Tag hinzu rechnen kann. Hat man also zwei Vorlesungen am Tag, ist man mehr als gut ausgelastet, am Ball zu bleiben. Und gegen Ende des Quarters bereitet man sich halt auf ein bis drei Prüfungen vor. Das Gute ist, dass nicht alle in der Uni geschrieben werden, sondern man auch entweder ein Paper abgibt oder aber ein take-home Exam hat, bei dem man die Prüfung alleine am Computer schreibt. Hinzu kommt, dass viele der Prüfungen open-book sind, das heisst man darf die zur Verfügung gestellten Lehrmaterialien benutzen. Das hilft aber auch nur bedingt, denn in dem Zeitfenster von drei bis sechs Stunden für eine Prüfung kann man nicht lange suchen, wenn man nicht weiss worum es geht. Vielleicht gibt das einen kleinen Einblick wie die Arbeitsbelastung hier so aussieht und dass das eher keinen Urlaub darstellt bei dem man nebenbei eine Prüfung besteht. Aber bisher habe ich alle Prüfungen bestanden und will mal nicht meckern.

Meine langen Auführungen zum akademischen Teil sollen ausdrücken, dass man in der Regel nicht wirklich viel Zeit für Freizeitaktivitäten hat, zumindest nicht, wenn man alles bestehen will und das auch noch passabel. Trotzdem findet einiges statt, gerade die Kollegen des professional tracks nutzen den Sommer auch zum Feiern. Es macht auch Sinn zum einen weil es massiv Netzwerken bedeutet und zum anderen weil man einfach auch mal Druck abbauen muss. Ich habe nicht die Energie so oft weg zu gehen. Ich finde die Anpassung an das fremde Land, an das erneute Lernen, die Umstände oft ermüdend und mag auch nicht morgens um 9:00 unausgeschlafen in der Vorlesung sitzen.

Als ich letztens, als ich den Freitag und Samstag in der Uni verbringen musste draussen in der Sonne stand bekam ich jedoch massive flashbacks zur ersten Uni-Zeit. Es war sonng, es war warm, es war irgendwie friedlich und ich hörte aus den Verbindungshäusern gegenüber Musik. Das erinnerte mich so stark an die Sommer in Göttingen als ich im Studentenwohnheim wohnte und die Sommer dort verbrachte. Die Zeit in der man tagsüber an der Hausarbeit schrieb um abends ordentlich feiern zu gehen, die Nächte heiss und kurz waren und man Teil einer Gemeinschaft war und so unglaublich frei.

Freiheit, Ungebundenheit, und auch Sorglosigkeit das ist das was das jetzige Studium (abgesehen von der „Kürze“) von damals massiv unterscheidet. Man ist nicht mehr ungebunden, man ist für mehr Verantwortlich als für sein eigenes Wohlbefinden, die Selbstoptimierung die man in den 20ern betrieb ist in den Hintergrund gerückt. Man ist jetzt Arbeiternehmer, Partner, Eltern. Man sorgt für andere, trägt Verantwortung, ist eingebunden in ein System. Die Egozentrik der früheren Jahre ist der Rücksichtnahme etc. des Ertwachsenenlebens gewichen. Wenn man zu lange feiert, wenn man verantwortlungslos handelt, wenn man das Lernen vernachlässigt, dann hat das heute gravierendere Folgen als damals. Ich sehe natürlich auch Kollegen die da nicht so drin gefangen sind wie ich, aber das mag dann auch daran liegen, dass sie zehn bis fünfzehn Jahre jünger sind und noch nicht so eingebunden sind wie ich. Selbst wenn ich hier eine Freiheit geniesse, wie ich sie lange nicht hatte, bedeutet das nicht, dass man sie so konsequenzenlos ausleben kann oder will wie früher.

Um aber nochmal auf die Arbeitsbelastung zurück zu kommen. Auch wenn es viel ist, erlebe ich hier durch die Uni und die für uns Verantwortlichen einen viel größeren Rückhalt als ich ihn damals in der Uni in Göttingen erlebte. Dort hatten wir zwar das Studentenwerk, dass ich um das Wohlbefinden kümmerte, aber das akademische wurde einem selbst überlassen. Das ist hier anders, es liegt der Uni sehr viel daran, dass alle das Programm möglichst bestehen und das bedeutet nicht, dass man die Ergebnisse nicht hart erarbeiten muss. Aber wenn man schwimmt, wenn man droht zu scheitern, wenn einen der Alltag überfordert gibt es viele Sicherheitsnetze. Und diese sind nicht nur theoretisch der staff der für uns zuständig ist, ist gut erreichbar und engagiert in allem Umständen hilfreich zu sein. Das gilt im Übrigen auch für die Professoren, die hier viel mehr hands-on sind als ich das in Deutschland erlebt habe. Sie stehen regelmäßig für Sprechstunden bereit, sie diskutieren und beantworten Fragen gerne in den Pausen, sie versuchen einen angesichts der Prüfungen gut vorzubereiten und auch nach den Kursen in den Gängen der Uni erkennen sie einen oft und grüßen oder fangen ein Gespräch an. Das ist wirklich eine sehr positive Erfahrung. Ich bin ja eh der Ansicht, dass durch persönlicheren Umgang das Lernergebnis positiv beeinflusst wird. Und bevor ich ich mich hier in den Längen des Artikels verliere und mein Lernpensum für heute weiter vor mir herschiebe schliesse ich ab mit den Worten: Es ist anders aber es ist auch schön hier.

Alleine sein – Berkeley Teil 6

Ich war seit bestimmt 18 Jahren nicht mehr so alleine. Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen, seit achtzehn Jahren. Und auch vorher waren immer irgendwie Leute um mich rum, Kernfamilie, Wohnheimfamilie. Aber seit ich vor ziemlich genau 18 Jahren die Wohnung mit dem Mann, damals Freund, bezog war ich nicht mehr ohne Ansprechpartner, Freunde, Familie in der Nähe. Nichteinmal weil ich es nicht wollte, sondern weil es einfach so war. Und das ist eine Umstellung. Ich wohne hier nicht alleine, ich bin zur Untermiete. Ich studiere nicht als Einzelperson, ich habe Mitstudenten, die ich mal mehr mal weniger sehe. Und all dies findet weder auf einer einsamen Insel statt noch hat meine Familie oder mein Freundeskreis den Kontakt abgebrochen. Letzterer hat im Gegenteil ein Gesprür dafür entwickelt wenn ich anfange in Grübeleien zur verfallen, wundersamerweise ruft dann einer an oder schreibt was.

Aber es ist keine Vertrauensperson da, man kann nicht mal eben jemanden besuchen, man kann nicht mal einfach so anrufen, denn durch die extreme Zeitverschiebung ist es schwierig. Also bleibt man auf sich geworfen. Und das ist hart. Es gibt nämlich keine oder nur bedingt Ablenkung von den ganzen Gedanken die aus dem Inneren nach oben spülen. Man kann dann entweder darin versinken oder ein bischen versinken, man kann darin verharren oder aber man kann sich damit auseinandersetzen bis zu dem Punkt wo es unangenehm wird. Jedoch die einzige Person die in solchen Momenten einem den Kopf gerade rückt, rücken kann ist man selber. Leider fehlt da manchmal ein bischen die Objektivität von aussen, aber es ist auch ein guter Anspron über sich selber hinaus zu wachsen und die Verantwortung ganz alleine zu tragen, für das eigene Wohlbefinden. Ohne Ablenkung über neue Wege und Handlungsformen nachzudenken. Trotzdem ist es nicht immer angenehm und manchmal erschreckend. Aber wie ein lieber Mensch mir vor Abflug sagte, selbst wenn es Dich beruflich nicht weiterbringt, Du wirst wachsen. Ok, manchmal fühl ich mich hier noch recht klein, aber manche Dinge brauchen ihre Zeit.

Alleine sei, ohne dauernd auf eine andere Person zu reagieren, heißt aber auch, sich selber plötzlich wieder ganz anders wahrnehmen, als Mensch als Frau, als Lernende. Das hat durchaus interessante Aspekte.

Andererseits ist man sonst so von den Bedürfnissen anderer getrieben, dass man verlernt hat was einem selber in dem Moment gut tut, was man braucht, wofür man sorgen muss.

Ein wesentlich weniger emotionaler eher pragmatischer Aspekt ist, dass ich seit Teenagerjahren gewohnt bin mich mehr oder weniger alleine um meine Angelegenheiten zu kümmern, aber hier bekommt das nochmal ein ganz anderes Format. Auch wenn ich daheim oft für Einkaufen und Mahlzeiten (und Wäche und was weiss ich) zuständig, ich bin es halt nicht immer und das merke ich um so mehr jetzt. Es gibt keinen Grundstock an Nahrungsmitteln aus dem ich mal grad was bereite, wenn ich Essen will, muss ich mich darum kümmern und im Voraus mehr als sonst planen. Für die Familie kann ich das ganz gut, für mich alleine, eher noch nicht. Also esse ich eher unregelmäßig und ungesünder als zu Hause. Aber auch hier arbeite ich dran.

Letztendlich ist es seltsam nicht mehr für fünf weitere Nasen verantwortlich zu sein. Da reinzufinden fällt mir eher schwer. Das geht so weit, dass der Mann letzens sagte, nachdem ich auf dies und das hinwies, nachfragte etc., ich solle mal loslassen, sie hätten das alles schon im Griff. Aber ich hatte schon diverse Nachfragen wo denn dies oder das liegen würde bzw. was jetzt zu tun wäre. Aus gelebten Rollen auszubrechen geht nicht von heute auf morgen. Ich vermisse hingegen die Dauergeräuschkulisse und das dauernd in Beschlag genommen werden nicht.

Was mir fehlt ist der tatsächlich Kontakt zu meiner Familie, so oft sie auch anrufen, ich kann sie nicht anfassen. Ich kann sie nicht riechen, nicht umarmen, durch die Haare wuseln. Anfunkeln, anmotzen oder um Hilfe bitten. Küssen.

Dafür kann ich mit Kopfhörern durch mein Zimmer tanzen ohne, dass ein Teenagergör meint ich sehe komisch aus oder ein Kleinkind meint ich müsse sofort mit ihm oder mit ihm auf dem Arm tanzen. Ich kann mich mit Leuten treffen ohne Rechenschaft abzulegen wann und wie ich zurück komme. Wenn ich shoppen gehe will niemand plötzlich essen oder aufs Klo. Wenn ich Lernen will, stört keiner mit Alltagsfragen die Konzentration. Wenn ich beschliesse ich esse nur Junkfood habe ich kein schlechtes Gewissen wegen gesunder Kinderernährung, denn die essen ja nicht mit. (Wobei ich nicht weiss ob ihre Ernährung momentan gesünder ist ;))

Unter dem Strich, ich bin alleine, manchmal einsam, manchmal nicht und langsam lerne ich die temporäre Unabhängigkeit zu geniessen. Aber eins weiss ich und das ist nicht neu, ich bin auf Dauer kein Einsiedlerkrebs.

 

Arrived – Berkeley Teil 5

Es ist schon ziemlich bescheuert, wenn man Flugangst hat sich eine Uni auszusuchen die quasi am anderen Ende der Welt liegt. Aber da musste ich nun durch. Es hat einige Nerven gekostet bis zum Abflug, nicht nur mich, sondern sicherlich auch mein Umfeld. Aber ich bin ja schon groß und wer groß träumt muß auch seine Angst überwinden. So kam es dann, dass ich mich aufmachte zum Flughafen, die Familie im Schlepptau. Das wiederum war schön aber auch letztendlich tränenreich. Nich schön wenn sich zwei Kinder weinen ans Bein klammern und ein weiteres verstohlen mit Abstand Tränen aus den Augen wischt. Kids, I am coming back, soon!

Ich bin dann also heulend durch die security und durfte gleich erstmal auf mein Handgepäck warten, weil der Rucksack vor mir angeblich Sprengstoff enthielt. Wie das ausging kann ich nicht so genau sagen, denn ich musste mich letztendlich ziemlich beeilen, da zwischendurch mein Flug schon aufgerufen wurde. Hätte man mir auch früher sagen können, dass mein Gate am anderen Ende des Flughafens liegt. Nun gut, ich kam mit etwas hängender Zunge, aber doch rechtzeitig an. Der Flieger war schon recht klein und meine Flugangst ziemlich präsent. Ich tat dann was ich mal in einem Ratgeber zu Flugangst las, ich quasselte meinen Nachbarn voll. Der bot mir zwischendurch seine Hand an, was ich dankend ablehnte. Kopenhagen war dann doch relativ fix erreicht, auch wenn ich zwischendurch dachte es hört nie auf. Dort stand ich erstmal so auf dem Flugfeld rum, weil das die um mich rum auch taten. Bis der nette Sitznachbar neben mir auftauchte und meinte ich könne einfach rein gehen. Wir trabten dann eine Weile zusammen bis unsere Wege sich trennten. Ein kurzer Stop im Duty-free für mich und dann ging ich auf Anraten des Gatten in die Lounge und hibbelte dort alleine vor mich hin. Nach 30 min konnte ich mich aufmachen zum Gate und sagte mir die ganze Zeit, wer a sagt muss auch b sagen. Glücklicherweise hatte mein Gebot auf ein Upgrade den Zuschlag bekommen und ich fand mich in der Business Klasse wieder. Das ist schon eine Erfahrung für sich. Der zweite Start war viel angenehmer als der erste und ich dachte daran wie man mir sagte, die dicken Flieger liegen viel ruhiger in der Luft. Stimmt. Der Flug war ruhig und unaufgeregt, also ich war schon noch ein wenig nervös, aber im Großen und Ganzen gefasst. Ich trank alles was man mir anbot (non- alcoholic) und aß brav meine Mahlzeiten. Irgendwann schaffte ich es auch mal länger als 3sec aus dem Fenster zu schauen und das war schon recht beeindruckend, über Grönland. Alles in allem war ich aber nicht entspannt genug um zu Lesen, Glotzen oder zu schlafen. Somit zog sich der Flug scheinbar unendlich in die Länge. Trotz der Ansage des Kapitäns, dass wir ca 45 min früher als geplant landen werden. Über den Wolken ist es übrigens unglaublich hell.

Nach gut 10 Stunden (?) setzten wir endlich zur Landung an und angekommen betrat ich das erste mal nach knapp 13 Jahren wieder US-amerikanischen Boden. Die Einreise verlieg relativ unspektakulär, abgesehen davon, dass mein Pass/Visum nicht vom Automaten gelesen werden konnte und ich daraufhin bei einem sehr müden Beamten landete der sich Zeit lies mich zu überprüfen.

Dann endlich zum Gepäckband und bei der Realisierung, dass ich es geschafft hatte, traten mir dann doch die Tränen in die Augen. Es blieb aber keine Zeit heulend rumzustehen, denn ich wusste, ich werde abgeholt. Obwohl ich meine Abholerin noch nie (bewusst) gesehen hatte, erkannte ich sie sofort anhand des Fotos was sie mir geschickt hatte und dem Schild mit meinem Namen, welches sie hochhielt. Ich wurde herzlichst begrüßt und sie teilte mir mit, dass sie sowohl etwas zu Essen und Trinken für mich dabei habe. ❤

Ich wurde dann in ein Auto verfrachtet und man fuhr extra irgendwelche szenic routes, damit ich schonmal einen Eindruck von San Francisco und seiner Skyline bekomme. Irgendwann kam ich dann bei meiner Gastgeberin an und wurde dort genau so herzlich begrüßt. Inzwischen war ich so müde, dass ich mich gar nicht mehr richtig an diesen Abend erinnere, nur, dass ich es schaffte bis 20:00 Uhr wach zu bleiben und irgendwann um 5:00 aufwachte. Da meine Gastgeberin noch schlief ging ich gegen 7:00 auf die Strasse und fand auch einen Coffeeshop. So sass ich gefühlt mitten in der Nacht auf dem Patio vor dem Appartement und hatte Kaffee und ein Croissant. Nachdem meine Gastgeberin irgendwann aufgestanden war, teilte sie mir mit, dass sie den Tag für mich geplant hat und wir zur Uni laufen würden, durch die Nachbarschaft und später einkaufen würden. So war der Tag auch ganz gut gefüllt und nachdem ich abends noch einen Film mit ihr schaute ging ich um 22:00 Uhr ins Bett in der Hoffnung ausschlafen zu können. Nö, klappte nicht, wieder so um 5:00 Uhr wach. Also ging ich so um 7:00 Uhr wieder Kaffee holen und redete vorher mit der Familie. Am späten Vormittag wurde ich von den Abholern zum Brunch eingeladen, das war ziemlich nett, mit lauter interessanten Gesprächen. Anschliessend fuhren sie mit mir noch etwas durch Berkeley um mir das Städtchen zu zeigen. Abends traf ich mich das erste Mal mit meinen Mitstudenten. Da wir uns per WA und den online-Klassen schon recht gut kannten, war es sehr überschwenglich und herzlich als sich alle das erste mal von Mensch zu Mensch trafen.  Und damit war ich dann erstmal halbwegs in Berkeley angekommen.

Der nächste Morgen sollte dann Montag sein, der erste Tag an dem ich offiziell zur Uni gehen würde, aber davon erzähle ich im nächsten Beitrag.

 

Wie schaffst Du das alles nur – Berkeley Teil 4

Immer wieder werde ich obigen Satz gefragt, gerade auch in Hinblick auf die vier Kinder, den Mann und den Job und seit Wochen wollte ich darüber schreiben. Wie man sieht, habe ich das nicht geschafft, was ja auch schon ein Teil der Antwort darstellt.

Als ich letztens dem Mann sagte, dass ich den Artikel im Kopf habe, erwiderte er, dass hinter jeder klugen Frau ein bescheuerter Ehemann steht. Nunja, lassen wir das einmal dahin gestellt.

Also wie schaffe ich das? Weiß ich ehrlich gesagt auch nicht so genau. Die Uni hat angegeben, dass man für dieses Programm täglich so zwei Stunden einplanen soll, oder aber drei und dann am Wochenende frei habe. Im Januar war offizieller Studienbeginn, aber schon im Dezember kamen die ersten Aufgaben rein, die man vor dem Beginn erledigen sollte. Lesen, sich vorstellen etc.

Es war schon eine ziemlich Umstellung nach der Arbeit und an den Wochenenden sich immer irgenwdie Zeit zu nehmen in einer fremden Sprache Inhalte in einem fremden Rechtsgebiet neu aufzunehmen und zu verstehen. Unser Professor sagte mal, dass wir pro Stunde ca. sechs Seiten schaffen würden, wenn nicht weniger. Das stellt insofern eine Herausforderung dar, da man oft mehr als 12 Seiten am Tag zu lesen hat. Dazu kommt, die online Vorlesung, Office hours und skill sessions. Die dauern zwischen 1-2 Stunden und finden live online statt. Zusätzlich soll man ja nicht nur lesen sondern auch regelmäßig Diskussionsbeiträge liefer, kleinere Sachen schreiben und Quizze beantworten. Es summiert sich also. Wenn der Mann da ist, klappt das ganz gut, auch wenn sie ganze Familie lernen musste, dass meine Anwesenheit nicht bedeutete, dass ich ansprechbar bzw. verfügbar bin. Daran habe ich bis zur Abreise gearbeitet. Wobei ich bei den kleinen Kindern weniger Erwartung an das Verständnis habe, als an die großen.

Kurz gesagt, mit ein wenig Zähne knirschen und der Aufgabe von einem Teil der Erholungszeit war es ganz gut machbar. Die Materie, Einführung in das US Amerikanische Recht, hauptsächlich anhand von Verfassungs- und Grundrechten lag mir und war gut greifbar. Trotzdem wurden einem dann doch die Unterschiede zum deutschen Recht klarer und Sachen die man dort so versteht, muss man da anders verstehen. Am Ende des Kurses war die Examenswoche, in der man möglichst viel des gelernten wiederholte und anschliessend ein sogenanntes „open book“ Examen.

Was wirklich in der Zeit etwas gelitten hat war die Exklusivzeit mit den Kindern und der Haushalt, Sachen die ich nicht mache erledigen die anderen eher nicht.

Schlimmer wurde es dann bei dem zweiten Kurs. Intellectual Property. Ein Rechtsgebiet auf dem die UC Berkeley weltweit federführend ist und dementsprechend im hohen Niveau lehrt. Die neue Professorin ist weniger „kumpelhaft“ als der vorherige Professor und ihr Anspruch an aufgewandte Lehrzeit und Partizipation um einiges höher. Die Materie an sich war sehr umfangreich und oft kam ich mit dem Lernstoff nicht in der angegebenen Zeit hinterher. Das lag eventuell zum Teil auch daran, dass der Mann eine längere Dienstreise hatte, ich mich um das Visum kümmern musste und drei Familiengeburtstage und Ostern in den Zeitraum fielen. Oft dachte ich bei der Arbeit nur, man ich muss hier weg, ich muss lernen. Die Wochenenden bestanden nur noch aus dem Versuch den Lernstoff aufzuholen und einen Teil der Wächeberge und ein bischen des familiären Chaos zu beseitigen. Gerade in den letzten Wochen vor dem Examen dachte ich immer wieder, dass ich gerne einfach mal wieder ein Wochenende hätte an dem ich „loslassen“ und entspannen kann. Das eine oder andere mal jammerte ich den Mann voll, dass ich alles hinwerfen werde. Seine so aufbauende Antwort bestand dann meist aus dem Hinweis, dass ich halt nicht an ner drittklassigen Uni in der Provinz sondern in Berkeley studiere und ich da jetzt durch muss. Und auch wenn er versuchte mir die Wochenenden frei zu halten, klappte das nur bedingt, Familie halt.

Ich habe aber nicht hingeworfen, sondern auch hier brav die Abschlussprüfung geschrieben auf deren Ergebnis ich noch warte.

Summa sumarum kann ich sagen, es ist halt irgendwie machbar und wie ich das schaffe, weiss ich eigentlich auch nicht. Ich denke einfach immer weiter machen und das beste versuchen. Bei allem habe ich immer auch kleine Freiräume eingebaut, sprich habe gegen 21 Uhr Feierabend gemacht um vor dem Bett noch was anderes zu machen und am Wochenende mich auch mal kurzfristig mit anderem beschäftigt. Die Anspannung war aber, gerade in dem zweiten Kurs, durchgehend da, wie auch das Gefühl irgendwie zu versagen. Das nicht nur akademisch, sonderen auch den Kindern gegenüber.

Wie meine wundervolle K3 es mir gegenüber in der Zeit ausdrückte: „Mama, wann hast Du endlich mal wieder Zeit für uns, und für Dich.“

 

Wer zahlt das denn? – Berkeley Teil 3

Wenn man den Traum hat, an einer guten und anerkannten Uni in den USA einen Abschluss zu machen, sind da zunächst die Hürden, des sich selbst zu überwinden, die Unterlagen zusammen zu bekommen, die Englischfähigkeiten nachzuweisen und dann auch noch alles rechtzeitig abzugeben. Wenn man dann auch noch angenommen wird, was ja nicht ganz so einfach ist, bleibt das klitzekleine Problem: wie bezahlt man das eigentlich? Es ist allgemein bekannt, dass man in den USA Studiengebühren bezahlt. Auch, dass diese nicht gerade gering sind: je besser die Uni, desto mehr läßt sie es sich bezahlen, dass die einen ausbildet.

Ich habe die Frage, wie ich das Ganze denn finanzieren werde, wenn ich entgegen meiner Annahme angenommen werde, immer auf den Zeitpunkt vertagt, an dem es soweit ist, dass ich angenommen werde. Ich hatte im Kopf, dass es diverse Studiendarlehen und Stipendien gibt und man ansonsten bei der Hausbank lieb Männchen machen könne, um die finanziellen Mittel zu erhalten. Als dann also die Zusage kam, fing ich an zu rotieren.

Ich durchforstete die Websites der Uni, um mich zu informieren, welche Stipendien für mein Programm (LL.M) und insbesondere für internationale Studenten in Frage kämen. Ich schrieb die üblichen Verdächtigen wie DAAD, Studienstiftung des Deutschen Volkes, Fullbright, Oppenhoff Stiftung und Rollendes Stipendium an. Ich kontaktierte diverse US Programme für Frauen, ich schrieb an die Studienfinanzierer Deutsche Bildung und Brain Capital an. Ich durchforstete die Seite der KFW und der Sparkasse Herford. Führte einige Telefonate und wand mich an US Studienkreditgeber.

Meine Eltern sind weder in der Lage, noch gewillt meine Pläne zu unterstützen, große Ersparnisse für so ein Projekt stehen mir nicht zur Verfügung und meinem Arbeitgeber ist es quasi „egal“, ob ich das mache. Insofern bin ich auf Unterstützung von außen angewiesen.

Uns geht es finanziell nicht schlecht, aber für so ein Großprojekt, welches auch noch relativ spontan geplant wurde, sind wir als Familie mit vier Kindern nicht ideal aufgestellt gewesen. Mir ist bewußt, dass es bei anderen Menschen um die Möglichkeit geht, durch finanzielle Unterstützung überhaupt studieren zu können und ich meine universitären Abschlüsse schon habe. Ich habe also durchaus Verständnis, wenn diese Menschen aus offensichtlichen Gründen vorgezogen werden.

Die Gründe jedoch, die ich zu hören bekam, waren ein wenig absurd. Bei den Stipendien waren etwa die Bewerbungs-Deadlines einfach vorbei. Wer nicht regulär zum Herbst anfängt zu studieren, der hat eben Pech gehabt – ein Studium ausserhalb des gängigen Zeitrahmens ist nicht vorstellbar. Gleiches gilt für ein Studium, das online, oder wie in meinem Fall, teilweise online ausgeführt wird. Das ist einfach nicht vorgesehen, „das gab es früher nicht, also fördern wir das nicht“.

Bei den Kreditgebern fiel ich bei der KFW gleich mal wegen des Alters raus und wenn ich es auch noch als Aufbaustudium hätte angeben können, war ich mit der Hybrid Option wieder raus. Brain Capital sagte auch ab, weil sie nur Präsenzstudien fördern, bei der Deutschen Bildung hiess es, man habe keine Mittel mehr für ein (Teil-) Online Studium. Bei dem Rollenden Stipendium sagte man ab, da man als Höchstsumme nur einen Teilbetrag der Studiengebühr geliehen hätte und damit wäre mein Erfolg ja fraglich gewesen.  Unsere Hausbank sagte nach eingehender Prüfung ab und es klang ein wenig durch, dass sie gerne im Vorfeld involviert worden wären. (Ich habe mich erst nach Zusage an diese gewandt und nachdem kein Stipendium zu finden war). Die Sparkasse Herford bietet zwar einen Studienkredit unabhängig von Wohnort und Bank an, aber sagte mir dann dass sie doch lieber die Studenten aus der Region unterstützen. Die US Studienfinanzierer boten nur horrende Zinsen und der eine die Zusage nur, wenn ich mein VISA hätte. Die einzige halbwegs faire dieser Banken unterstützt wiederum kein Online-Studium. Dazu muss man sagen, dass ich mich zum 15.11.18 beworben hatte und um 07.12.2018 meine Zusage bekam. Ich hatte weder einen gültigen Pass, geschweige denn ein VISA. Es musste alles sehr fix gehen, denn zum Ende Januar war der erste Teil Studiengebühr fällig.

Letztendlich wand ich mich in einem verzweifelten Versuch an meine Bank aus Studentenzeiten, bei der ich immer noch ein Konto unterhalte. Und zwar ungefähr eine Woche vor Ablauf der Frist zum Zahlen der ersten Rate. Das ging dann plötzlich alles sehr schnell und unkompliziert mit einem sehr fairen Zinssatz. Leider ist so ein reguläres Darlehen immer sofort fällig und man hat keine Karenzzeit bis das Studium vorbei ist. Außerdem werde ich im Sommer während meiner Abwesenheit für vier Monate unbezahlt frei gestellt. Das erhöht den finanziellen Druck nach Abschluss minimal besser bezahlt zu werden nur geringfügig.

Was ich aus meinen ganzen Bemühungen, Bewerbungen, Telefonaten, Anschreiben und Absagen mitgenommen habe ist, dass es bei Bildungsfinanzierung definitv Alterdiskriminierung gibt. Außerdem frage ich mich, was mit diesem ganzen „Mütter zurück in den Beruf“, „Wir brauchen qualifizierte Arbeitskräfte“, „Frauen in Führungspositionen“ Slogans gemeint ist. Denn wenn man als Vierfachmutter mit durchschnittlichen Examen, mit einer hochqualifizierten Berufsausbildung, aber Brüchen im Lebenslauf keinen angemessenen Arbeitsplatz findet und sich dann entscheidet, noch eine Qualifizierung drauf zu setzen um, für den kompetitiven Arbeitsmarkt attraktiver zu werden, dann ist man plötzlich doch sehr sehr alleine, denn die Regularien sind irgendwo in einer Zeit stehen geblieben, die den heutigen Gegebenheiten (Digital und Flexibilität) nicht mehr entsprechen. Ohne die Möglichkeit nur einen Teil präsent sein zu müssen, könnte ich mit Job und Kindern eine solche Weiterbildung gar nicht wahr nehmen.

 

 

 

 

 

 

 

Meisterin der Selbstsabotage – Berkeley Teil 2

Nach dem ganzen Gegrübel über das „ob“ folgte das „machen“. Sprich, wer nach Berkeley will muss sich auch bewerben. Bei den ersten Überlegungen zum „ob“ hatte ich mich halbherzig schon beim Justizministerium erkundigt wie ich an die Nachweise zu meinem Staatsexamen in der erforderten Form komme. Dann verließ mich der Mut und ich tat nach der Antwort genau gar nichts. Man muß dazu sagen, dass die UC Berkeley für die Bewerbung zu dem LL.M Programm einen externen Dienst vorgeschaltet hat der die erforderlichen Unterlagen sammelt und dann bei Vollständigkeit weiter leitet. Es sind viele Unterlagen, die Nachweise der Staatsexamen, ein Lebenslauf, die Scheine aus dem Studium, den Sprachnachweis (TOEFL), Empfehlungsschreiben und ein Motivationsschreiben. Mich überwältigte das ganze und ich trödelte ein wenig rum, bis ich mir ein Herz faste und meinem Chef eher beiläufig mitteilte, dass ich einen großen Gefallen in Form eines Empfehlungsschreiben benötige, da ich mich jetzt durchgerungen hatte mich zu bewerben. Man muß dazu erwähnen, dass ich ihm den Traum zwar im Bewerbungsgespräch erzählt hatte, aber danach eher nicht mehr davon geredet habe und ihn quasi mit der Bitte über meine Pläne informierte. Er war zunächst nicht ganz so begeistert, sagte aber zu und wurde im Laufe der Bewerbung mein größter Cheerleader. Ich bekam also das Schreiben und gleich noch eines vom Kollegen dazu, erbat mir eins von einem der letzten Arbeitgeber  und war somit voll ausgestattet. Die Bewerbungsdeadline war am 15. November und ich hatte es mit meinem Zögern und zaudern geschafft, dass es inzwischen Anfang November war. Ich telefonierte mit dem niedersächsischen Justizministerium und wurde hervorragend informiert und begleitet mit der Anforderung der Unterlagen in beglaubigter und übersetzter Form. Meine Uni war da nicht so fix und die Anforderung der noch nicht elektronisch erfassten und archivierten Scheine etc. war etwas schwieriger. Ich musste selber Formulare ausfüllen und übersetzen um diese dann zurück zu schicken. Auf meine Frage ob es denn keine beglaubigten Originale bedürfe bekam ich die Antwort, dass wäre noch nie vorgekommen. Ich liess es entgegen der Angaben auf der Website des Sammeldienstes darauf beruhen und vertraute erstmal. Ich hatte mir halbherzig ein TOEFL Lernbuch gekauft in welches ich ca. 20 min reinschaute, es dann weg legte und genau wie alles andere den Nachweis für das Englische schleifen liess. Ich schaute auf die TOEFL Website, suchte nach freien Terminen und stellte fest, dass diese ca. eine Woche entfernt von der Bewerbungsdeadline lagen. Zwischendurch führte meine allgemeine Verunsicherung und Angst vor mir selber dazu, dass ich mit der UC Berkeley telefonierte um abzuklären, ob es überhaupt eine Wahrscheinlichkeit gebe angenommen zu werden. Dies wurde mir bestätigt und gleichzeitig mitgeteilt, dass wenn mein Motivationsschreiben, der Lebenslauf und die Bewerbungsgebühr rechtzeitig vorlägen, es erst einmal ausreichen würde.Sie seien gewohnt, dass die Unterlagen erst später eintrudeln und ich hätte dafür noch gut zwei Wochen mehr Zeit. Das war dann der endgültige Anstoss den Hintern hoch zu bekommen. Am 12.11. schaute ich noch einmal nach den Terminen für den TOEFL, da war einer am 16.11. frei geworden, den ich dann nicht buchte. Am nächsten Morgen war er noch frei und ich zögerte wiederum. Dann ging ich arbeiten und stellte dort fest der Termin war weg. Also wirbelte ich im Kopf diverse Möglichkeiten durch und schaute dann nochmal nach. Da war der Termin wieder frei und mein Chef bekam das alles mit und drängte mich den Termin jetzt einzubuchen. Dies tat ich dann auch und bekam die Flatter ob ich überhaupt bestehen könnte. Ich übte an den folgenden Abenden bis zum 16.11. mit dem Probetest der mit der Anmeldung kam. Ich schrieb am 15.11. mein Motivationsschreiben und lies es von drei Personen gegenlesen bevor ich es mit klopfendem Herzen hochlud. Den Lebenslauf, die Bewerbungsgebühren und die Empfehlungsschreiben hatte ich vorher schon verschickt. Am nächsten Morgen ging es dann zu dem Test und ich war bannig nervös. Die tastatur dort war mies, das Umfeld seltsam, aber irgendwie schaffte ich es zu allen Aufgaben etwas abzuliefern und war 45min vor Ende fertig. An diesem Tag kam auch die Bestätigungsmail vom Justizministerium, dass meine Unterlagen auf dem Weg seien. Die Uni und das Ministerium mussten direkt an den Dokumentendienst verschicken, da hatte ich keine Mitwirkung. Das wirkt jetzt gar nicht so chaotisch und atemlos, aber ich versichere genau so war es. Man hätte es natürlich auch geordnet und strukturiert angehen können. Aber diese Entscheidung dafür war soweit außerhalb meiner Komfortzone, dass ich mich die ganze Zeit selber durch Unentschlossenheit und Trödelei sabotierte.  Ich erinnere mich nicht mehr so genau wie die nächsten zwei Wochen umgingen, nur, dass ich dauernd Emails von dem Dokumentendienst bekam, dass da Sachen fehlen. Ich versuchte mit denen zu telefonieren bevor die zwei Wochen um waren um nachzufragen wie weit sie mit den Eingängen sind und hatte erst Pech, dass wegen Schneesturms das Büro nicht besetzt war und dann dank Thanksgiving dort mehrer Tage geschlossen war. Als ich endlich jemanden erreichte konnte man mir keine Auskunft geben und ich bekam ein wenig Panik. Die zwei Wochen die mir UC Berkeley als Karenzzeit angekündigt hatte näherten sich dem Ende. Ich erinnere mich, dass ich am 30.11. auf der Firmenweihnachtsfeier sass und mir durch den Kopf ging was ich denn nur machen solle, wenn die mich nicht nehmen, welchen Plan B ich hätte und dass ich im folgenden Bewerbungszeitraum, ein Jahr älter und somit viel zu alt wäre. Immerhin hatte ich an dem Tag mein TOEFL Ergebnis bekommen, es war genug für die Bewerbung. Am 3.12. oder so rief ich wegen der ablaufenden zwei Wochen das Bewerbungsbüro in Berkeley an und schilderte mein Dilemma. Dort sagte man mir ich solle alle meine Zeugnisse etc. so wie ich sie habe direkt schicken solle. Das tat ich und rechnete mit weiteren zwei Wochen Wartezeit. Am 7.12. war da eine Email von UC Berkeley und beim zweiten Lesen stellte ich fest, dass ich angenommen worden war. Es kann sein, dass ich einen etwas lauteren Schrei ausstiess um dann ein wenig rumzuheulen und den Rest des Tages eher im Nebel zu verbringen. Irgendwann um Weihnachten rum bekam ich vom Dokumentendienst mitgeteilt, dass mein Staatsexamen angekommen war und meine Scheine auch, aber die Scheine wären nicht im Original und daher würde man alle meine Unterlagen nicht an die UC Berkeley weiterreichen. Ich rief also mal wieder in Kalifornien an und sprach mit dem Bewerbungsbüro und bekam gesagt man würde das nach den Feiertagen klären. Immerhin war ich erstmal zugelassen und soweit ich meine Studiengebühr zahlte wäre dann alles gut. Es könnte passieren, dass ich Anfang Februar erstmal vom Unterricht ausgeschlossen werden würde, wenn es bis dahin keinen ordentlich Nachweis meiner Abschlüsse gebe. Mitte Dezember war die erste Veranstaltung und am 3. Januar offizieller Programmbeginn. Jedoch gab es schon ab Mitte Dezember Aufgaben die vorher zu erledigen waren. So fing ich an zu studieren ohne zu wissen ob ich wegen des Dokumentendienstes wegen fehlender Unterlagen noch suspendiert werden würde. Mitte Ende Januar kam dann endlich eine Email aus Berkeley die mir mitteilte, dass man dem Dienst nun angewiesen hätte meine Unterlagen so wie sie sind zu übersenden, der formelle Teil war damit überwunden und somit bin ich offiziell und unwiederbringlich Studentin der UC Berkeley, School of Law. Im nächsten Teil erzähle ich dann von finanziellen Hürden auf dem Weg dort hin.

Auf über den Teich – Berkeley Teil 1

Ich habe gerade mit Schrecken festgestellt, dass ich vor fast zehn Jahren den Text über meinen Weg und die Richtungsfindung gebloggt habe. Inzwischen ist viel passiert, ich hab zwei Kinder mehr die an mir zerren und mich brauchen. Die größeren sind zwar inzwischen so groß, daß sie nicht mehr ununterbrochen an der Hand gehen müssen, aber die mütterliche Navigationsleistung ist trotzdem noch gefragt. Nach langem Ringen habe ich, wie man dem ein oder anderen Blogeintrag entnehmen konnte einen Arbeitsplatz gefunden. Zwar entspricht der nicht meiner Qualifikation, ist aber der Kompromiss den ich eingegangen bin um überhaupt in der Arbeitswelt anzukommen. Das mache ich jetzt schon bald zwei Jahre und es ist soweit so gut. Trotzdem hatte ich immer mehr vor. Schon bei meinem ersten Gespräch mit dem Chef sagte ich am Ende, beim unoffiziellen Teil, dass mein Traum war und ist meinen LL.M in Berkeley zu machen. Dafür gibt es diverse Gründe, aber vorallem erhoffe ich mir davon bessere Chancen nach meinen verschlungenen großteils fremdbestimmten Wegen meiner Qualifiaktion gemäß arbeiten zu können. Zu dem Zeitpunkt hatte Berkeley gerade den professional track eingeführt. Ein Programm bei dem man den LL.M erwerben kann in dem man zwei Sommer à 13 Wochen vor Ort die erforderlichen Kurse und Prüfungen absolviert. Schon wesentlich besser machbar, als ein komplettes akademisches Jahr dort zu verbringen, aber angesichts von Familie und Arbeitsvertrag schwer durchsetzbar.

Vor einiger Zeit stellte ich dann fest, dass es ein neues Programm zum Erwerb des LL.M in Berkeley gibt. Die hybrid option. Zwei Trimester online, ein Trimester vor Ort. Das klang viel machbarer, spannend. Nur drei Monate weg, der Rest während man in Lohn und Brot steht in der Freizeit. Und plötzlich schien es eine Option zu geben, eine Möglichkeit den seit Studientagen erträumten Zusatzabschluss zu erwerben.

Ich dachte dann aber nicht weiter darüber nach und machte so weiter wie bisher. Bis mich Unzufriedenheit auf verschiedenen Ebenen die Möglichkeit wieder ins Auge fassen liess. Das war im Oktober. Die Kosten, der Flug, die lange Trennung von den Kindern liessen mich erstmal wieder zurück schrecken, und doch ich schaute immer wieder auf die Vorraussetzungen und plante wie ich das schaffen könnte. Dann kamen die Selbstzweifel, mit mittelmäßigen Examen nicht gut genug zu sein, die Sorge was es mit mir machen würde wenn sie mich nicht nehmen. Trotzdem schickte ich am Stichtag die Bewerbung ab und wie chaotisch das alles ablief schreibe ich im nächsten Teil.