Redet mehr mit den Menschen

Es ist schon auffallend wieviele der Nutzer des ÖPNV sich hinter Kopfhörern, Smartphone oder Buch verschanzen. Manche schotten sich auch einfach durch abwesenden Blick bzw. geschlossene Augen ab. Ich gebe zu, auch ich fahre oft nach der Arbeit einen Umweg von ca. 25 min um noch ein bischen Zeit für mich zu haben und dabei einen Kaffee zu trinken bevor ich die Kinder einsammele. Ich brauche diese Auszeit um nicht von einem Job in den nächsten zu stolpern. Trotzdem beobachte ich dabei gerne die Menschen um mich rum. Komme des öfteren mal mit dem einen oder anderen ins Gespräch.

So auch vorgestern als ich auf den Bus wartete. Ich sass und eine ältere Dame fragte mich ob dort auf der Bank noch Platz für sie sei. Sie setze sich zu mir und fing an zu erzählen. (Nein sie redete nicht erratisch los, aber der Aufhänger für die Kontaktaufnahme ist mir entfallen.)

Jedenfalls erfuhr ich, dass sie schon 84 Jahre alt ist, einen Sohn hat der über 60 Jahre alt ist. Dass sie schon viermal auf Hawaii war, aber das letzte mal war es blöd. Dass sie mit 55 Jahren aus dem Postdienst in den Ruhestand gegangen ist und dann einfach mal nach Melbourne flog, da kannte sie jemanden (ich habe es so verstanden, dass es sich um einen Mann handelte) und dort war sie dann auch bis vor einigen Jahren. Seit sie wieder hier ist hat sie Rheuma und überhaupt war dies ein ungutes Jahr, diverse gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Außerdem habe sie gestern bei einer Nachbarin in einem Sessel gesessen den sie nun auch haben will, und sie deutete beim Erzählen auf die Strasse hinter dem Saturn. Mir fiel sofort ein, dass es dort die Stressless Sessel gibt und genau so einen wollte sie. Aber den kauft sie erst, wenn sie im Januar ihren Termin mit ihrem Professor hinter sich gebracht hat. Als ich fragte ob sie studiere antwortete sie, nur mit dem Namen des Professors, als müsste ich den kennen. Es stellte sich dann raus, dass er ein bekannter Krebsarzt ist, weiter habe ich dann nicht nachgefragt.

Den Tag vor unserem Treffen war die Dame übrigens in Grönland, aber nur via Dia-Show bei einer Freundin, da wolle sie aber nicht persönlich hin, denn dort sei es ihr zu kalt und dunkel, aber beeindruckend waren die Bilder schon. Ansonsten sei sie aber sehr viel gereist in ihrem Leben.

Als ich nochmal nach dem Sohn fragte, erzählte sie, dass er zur See gefahren sei und nun in Spanien hängen geblieben ist und sie sich deswegen kaum sehen. Wir sassen inzwischen im Bus nebeneinander und sie erzählte und erzählte. Unter anderem auch, dass dort wo am Gänsemarkt der Rossmann ist, früher ein Tanzlokal war (leuchtende Augen) und es unmöglich ist, dass das Haus jetzt abgerissen werden. Und vorher tuschelte sie mir zu, dass für sie Hamburg die schönste Stadt der Welt sei, aber nachdem sie so viel von der Welt gesehen hatte müsse das eigentlich revidieren, gerade weil sich baulich so viel ändert.

Übrigens möchte sie mindestens so alt werden wie ihr Vater der kurz vor seinem 89ten Geburtstag verstarb. Und dann kam schon ihre Haltestelle und sie sagte noch sie ist glücklich und das Leben ist schön. Wünschte mir alles Gute und stieg aus.

Für solche Geschichten und den optimistischen Blick aufs Leben lohnt es sich immer wieder zuzuhören.

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Das macht Dein Mann toll …

Heute auf dem Weg zur Arbeit traf ich eine Kita-Mutter. Wir plauderten und sie teilte mir mit, dass sie meinen Mann und den Vater meiner Kinder auch schon getroffen hatte. Gefolgt von der Anmerkung, dass er das ja wacker jeden Tag mache und dass das toll sei. Ich wand ein, dass er das macht soweit er da ist, da er freiere Arbeitszeiten hat und fühlte mich unwohl.

Später im Bus wurde ich fast wütend, nicht auf die Mutter sondern auf die Umstände, dass mein Mann dafür gelobt wird, das er Anerkennung dafür bekommt, dass er seine Kinder morgens zur Kita/Schule bringt. Mich lobt niemand dafür, dass ich meine Kinder (fast) jeden Tag abhole, dass ich einkaufen gehe, dass ich Geschenke besorgen, Termine mache und wahrnehme und aktuell zB die Adventskalender ( SECHSUNDNEUNZIG TÜTEN) und die Nikolausstiefel gefüllt habe. Nein ich brauche dafür eigentlich kein Lob, denn für mich gehört das neben der Arbeit zur Familie dazu. Ab und zu mal eine Anerkennung, das (neumodisches Wort) carework anstrengend ist und meist nebenbei erledigt wird wäre nett, aber nunja. Was mich vielmehr aufregt ist, dass sobald ein Mann und Vater sichtbar einen kleinen Teil der Fürsorgearbeit neben seinem ach so fordenden Vollzeitjob übernimmt, dies einer Erwähnung wert ist und man das sogar bewundert.

Es ist ja nicht so, dass eine Person alleine entscheidet Kinder zu bekommen, vier Kinder schon gar nicht. Insofern sollte es selbstverständlich sein, dass jedes Elternteil den ihm (zeitlich) möglichen Teil macht ohne, dass man darüber vor Freude Purzelbäume schlägt vor Bewunderung. Aber wie man sieht ist es was denn männlichen Teil einer Familie betrifft wohl doch nicht selbstverständlich, weder in der Erwartungshaltung der Gesellschaft noch in der Ausführung.

Mental load – oder was machen die eigentlich den ganzen Tag?

Bevor wieder irgendein gekränktes männliches Wesen (oder auch eine anders meinende Frau) meint, dieser Artikel sei sexistisch oder sie seien sowieso ganz anders sei vorweg gestellt, dass der Text keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt und Ausnahmen immer die Regel bestimmen. Disclaimer Ende.

Als ich noch nicht wieder arbeiten war, hatte ich des öfteren müßige Diskussionen mit dem Mann darüber, was ich eigentlich den ganzen Tag mache und wieso ich erschöpft sei, wenn die Kinder doch bis zum frühen Nachmittag in der Betreuung seien und überhaupt. Außerdem würde er sie doch morgens fertig machen, weg  und abends oft ins Bett bringen. Und das obwohl er doch arbeiten gehe.

Immer wieder versuchte ich zu erklären, dass die Zeit der Abwesenheit der Kinder keine reine Freizeit sei (und ich bis zu seiner Heimkehr ca. 5 Std alleine mit müden/nörgeligen/fordernden kids verbrachte), dass da, auch wenn wir nicht den tiptop Haushalt haben einiges passieren würde und die Abwesenheit der Kinder bei Brutto 6 Std nicht 6 Std netto Freizeit für mich bedeuten. Viele der Arbeiten die anfielen und -fallen sind Dinge die man nicht sieht. Es sind nicht eine geputzte Küche, saubere Klos, aufgeräumte Böden, gewaschene und verräumte Wäsche etc. , die Sachen sieht man nach einem Nachmittag mit 2-4 Kindern der Wohnung eh nicht mehr an, es sind die Dinge die im Kopf laufen.

Diese aber zu erklären und zu verdeutlichen fiel mir und fällt mir immer schwer, denn man sieht sie nicht.

  • zu bezahlende Rechnungen
  • Kinderarzttermine
  • Sport/Musikunterricht
  • wer wann zu welchem Kindergeburtstag eingeladen ist und welches Geschenk woher braucht
  • die Organisation der eigenen Kindergeburtstage
  • den Überblick über die Finanzen, die Einkäufe, den Klamottenbestand der Kinder, den Schulbedarf, wann die Steuer in welcher Höhe zu zahlen ist.
  • welche Rücklagen gebildet werden müssen
  • Urlaubsplanung
  • Arzttermine für den Hund, Impfungen, Entwurmung etc.
  • Einladungen die wir erhalten und für die evtl. Geschenke besorgt werden müssen
  • etc. etc.

All dieser kleinteilige müßige Alltagsscheiss der weder Anerkennung noch Geld nach Hause bringt. Der die Familie am Laufen hält, aber an der Oberfläche nicht sichtbar ist. Der den Kopf  dauerhaft am rotieren hält, da man nicht abschalten kann, denn wenn ein Ball fällt, fallen viele.

Ich schreibe das nicht auf, um zu jammern, sondern weil ich so erleichtert war, als ich am Wochende diesen Artikel las und merkte, ich bilde mir das nicht ein, es geht nicht nur mir so.

More of the Mental Work

Walzer found that women do more of the intellectual, mental, and emotional work of childcare and household maintenance. They do more of the learning and information processing (like researching pediatricians).

They do more worrying (like wondering if their child is hitting his developmental milestones). And they do more organizing and delegating (like deciding when the mattress needs to be flipped or what to cook for dinner).

Even when their male partners “helped out” by doing their fair share of chores and errands, it was the women who noticed what needed to be done. (…)
„Husbands may do more housework and childcare than before, but women still delegate“ (…)
No wonder wives have the reputations of being nags (…)
Like much of the feminized work done more often by women than men, thinking, worrying, paying attention, and delegating is work that is largely invisible, gets almost no recognition, and involves no pay or benefits.
Und das ist es was mir wirklich aufstößt, das was mich wütend macht. Nicht nur, dass es nicht gesehen wird, es führt auch dazu, dass wenn man ausspricht was getan werden muss als die nörgelnde, immer mehr fordernde Frau da steht, die den armen Mann, der schon auf dem Arbeitsmarkt seine Haut zu Markte trägt und sich mit dies und das in den Familienalltag einbringt gar nicht mehr zur Ruhe kommen lässt. Während der Kopf in Dauerrotation ist um alle Bälle in der Luft zu halten. Selbst wenn man selber arbeiten geht, bleibt dieser Teil in großen Teilen an den Frauen hängen.
Nein, es geht hier nicht nur um mich und meine Rolle, auch, aber nicht nur und nicht in der Schärfe wie das eventuell anmuten mag. Ich habe im Laufe der vier Kinder genug Frauen, Mütter, Partner kennen gelernt um zu wissen, dass dies immer wieder vorkommt.
Also bevor nochmal jemand meint, die schiebt ja eine ruhige Kugel, die sitzt ja nur mit dem Kind (singular oder plural) zu Hause und hat den Vormittag frei, sollte man mal darüber nachdenken was alles hinter den Kulissen unsichtbar passiert.
Als ich den verlinkten Artikel auf Facebook postete bekam ich einen noch markanteren Artikel zu dem Thema verlinkt, der das ganze noch besser und plastischer (da als Comic) auf den Punkt bringt und unbedingt lesenswert ist.
Zum Ende hin, wird es mir dort zwar einen Tuck zu dogmatisch aber der Kern der Aussagen vorher und die Bilder passen wie Faust aufs Auge.
Es muss noch viel passieren, bis eine Partnerschaft ob mit oder ohne Kinder wirklich gleichberechtigt ist.

Na wie ist es denn so?

Das ist die Frage die ich in letzter Zeit am meisten höre. Sowohl im Familien- und Freundeskreis, aber auch im erweiterten Kreis meiner Blase im Netz hat man regen Anteil daran genommen, dass ich nach all den Jahren eine Anstellung gefunden habe. Und meistens antworte ich mit den Worten, dass es ungewohnt, aber gut ist und ich oft müde bin.

Also müde eher nicht bei der Arbeit, aber danach. Wer den Biorhythmus einer Nachteule hat, der stellt sich nicht in drei Wochen um und ist morgens eine fröhliche Lerche. Aber ich stelle mir den Wecker so, dass ich wenigstens ein wenig Ruhe am Morgen habe um meinen Kreislauf in Schwung zu bekommen. Arbeiten gehen ist dann aufregend genug um mich in den Stunden wach und aufmerksam zu halten auch wenn es ab und an kleine Schwächen in der Formnote gibt.

Inhaltlich ist es so wie erwartet, Sekretariat mit juristischen Ausschlägen. Die Sekretariatsarbeit ist nicht so schwer, aber doch viel Formkram den man sich merken muss und wo es mir wirklich unangenehm ist, wenn ich ein zweites oder drittes mal nachfragen muß wie es denn nun geht. Man nehme nur so eine Telefonanlage, eigentlich keine Raketenwissenschaft, aber sich am Telefon richtig zu melden, dann Rückfrage zu halten, ohne große Zwischenfälle zu verbinden ohne den Anrufenden aus der Leitung zu schmeissen sind für das weiche Muttihirn teilweise mit einer gewissen Herausforderung verbunden. Am Besten steht dann noch der Chef hinter oder um einen rum, dann geht gar nix mehr. Gut Gelassenheit ist eine Eigenschaft für das nächste Leben. Ich zweifele dann ja schon an mir, genauso, wenn ich mir nicht merken kann, wer denn nun den Schriftsatz in welcher Ausführung mit welchem Stempel und welchen Anlagen bekommt. Aber man kann sich ja alles mal aufschreiben und Übung macht den Meister, andere schaffen das ja auch im Halbschlaf rückwärts mit geschlossenen Augen. So viel Kapazität sollte ich mir dann schon zutrauen.

Was mich mehr anfrisst ist, dass ich doch feststelle, dass eine großer Teil des juristischen Präsenzwissens ganz tief nach unten in die Hirnwindungen gesackt ist. Und dann rutscht mir auch noch ein Quatsch raus und die Selbstzweifel triumphieren mal wieder. Aber paah, davon lasse ich mich nicht unterkriegen. Erstens kann ich lesen und habe auch spezifische Lektüre da und zweitens habe ich oft genug erlebt, dass gewisse Dinge oft unvermittelt wieder präsent sind. In diesem Studium wird einem ja einiges so oft eingebläut, dass man es gar nicht dauerhaft vergessen kann. Abgesehen davon, welcher Jurist hat, außer ganz frisch aus dem Examen, abgesehen von der Materie mit der er ständig zu tun, wirklich große Teile des Erlernten abrufbar?

Aber unter dem Strich ist alles fein. Die Kollegen sind nett, gut was sie denken weiss ich natürlich nicht, aber sie sind nett zu mir. Freundlich und hilfsbereit, es scheint ein gutes Arbeitsklima zu herrschen, soweit ich das nach kurzer Zeit beurteilen kann. Das ist viel wert und macht einem das Eingewöhnen in die Arbeit und ein neues Umfeld leicht(er).

Komisch ist es damit zurecht zu kommen, sich seine Zeit nicht mehr ganz frei einteilen zu können und wenn meine Stunden um sind folgt gleich der „Familienjob“. Ich jongliere noch damit mir Freiräume zu schaffen. Die Zeit sinnvoll einzuteilen, dass ausser Beruf und Haushalt auch Freizeit bleibt. Da ich noch nicht volle Tage arbeite ist das eigentlich machbar, aber momentan schlafe ich nachmittags oft ein (Ein Hoch auf größere Kinder, die dann die kleineren beaufsichtigen) und danach bleibt nicht mehr so viel Zeit. Am Wochenende muss dann aufgeholt werden, was nun liegen bleibt, da ich vormittags dafür keine Zeit mehr habe. Aber das wird sich alles einspielen.

So sieht das auch nach gut 3 Wochen in Lohn und Brot, es gab auch schon den Tag an dem ich mir am liebsten morgens die Decke wieder über den Kopf gezogen hätte und dachte mich sollen alle in Ruhe lassen, aber das gehört halt dazu und im Büro war es dann wieder gut. Mit der Routine wird sich alles einspielen, (noch) bin ich da optimistisch 🙂

Quilt für K3

In guter alter Tradition sollte K3 mit vier auch ihren eigenen Quilt bekommen, so wie K1 und K2 vor ihr. Und da ich ja nur an dem Quilt für A und an dem für meinen Papa sass und K3 immer wieder fragte wann sie ihren bekommen würde fing ich letztes Jahr im Januar an. K3 war eine super Hilfe, sie suchte mit ein wenig Unterstützung meinerseits die Stoffe aus, nachdem sie das von mir gewählte Muster abgenickt hatte. Die Anleitung für den Quilt fanden wir in diesem Buch. Lustigerweise sind alle drei erwähnten Quilts, der für A, der Für Papa und der Beginn von K3s Quilt alle in einem älteren Eintrag dokumentiert. Wer also schauen mag, dort.

Lange Rede kurzer Sinn, nach einem guten Jahr war der Quilt endlich fertig und konnte ihn an K3 übergeben, die ihn bisher eher weniger beachtet, obwohl sie dauernd fragte wann er denn fertig werden würde.

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Vorderseite

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Rückseite

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Details des Quiltings, Schmetterlinge

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Binding

Ich kann gar nicht mehr genau sagen welche Stoffe das alles waren, etwas von Anna Maria Horner, etwas von Denyse Schmidt, etwas aus der Paperie Serie von Anne Sinibaldi und Dreamin Vintage von Jeni Baker. Als Hintergrund habe ich Kona Cotton verwendet. Gequilted habe ich zunächst rund um die Quadrate in diagonalen Linien quer über den Quilt und dann habe ich mit einer Schablone die Schmetterlinge in die weißen Flächen markiert und freihand nachgenäht.

Nach all der Zeit

Wer mich kennt oder wer auch nur länger als fünf Minuten mit mir geredet hat, weiss, dass ich seit Jahren versuche den Einstieg in meinen Beruf zu finden. Durch das ungeplante K1 ist da einiges aus dem Ruder gelaufen. Es wurde mit K2 dazu nicht einfacher, aber trotzdem habe ich mit zwei Kleinkindern nebendran  mein Staatsexamen fertig gemacht.

Aber weder der anschließende Fachanwaltskurs noch ein kurzer Job reichten zusammen mit meinem weiteren Lebenslauf aus um einen Arbeitgeber von mir ausreichend zu überzeugen. Kinder und wenig Berufserfahrung sind halt doch ein Risikofaktor. Vielleicht habe ich auch die falschen Stellen angeschrieben oder meine Texte falsch formuliert. Man weiß es nicht.

Die Situation war, um es knapp zu sagen, nicht zufriedenstellend. Ich habe versucht, über diverse Institutionen Hilfe zu bekommen, doch das Angebot für Menschen mit akademischer Ausbildung ist rar oder auf wissenschaftliche Mitarbeiter bzw. Doktoranden beschränkt. (Dazu könnte ich glatt einen Roman schreiben) Andere Hilfsangebote, die ich (frühzeitig) in Anspruch nahm, waren eher auf Menschen mit Ausbildungsberufen zugeschnitten. Das Arbeitsamt glänzte zumeist mit ratlosem Schulterzucken.

Ich beschloß dann, dass ich genauso gut erst noch ein Kind bekommen kann, denn ich sagte immer, eher bekomme ich mit 45 noch einen Job als ein drittes Kind. Gut ich bekam, dann mit knapp 42 und mit 44 noch ein weiteres Kind, aber das ist eine andere Geschichte. Funfact am Rande, als ich kurz vor der Geburt von K3 war sollte ich über eine Personalvermittlung zu einem Vorstellungsgespräch, die mich aber leider nicht mit dickem Bauch schicken wollten, obwohl der Arbeitgeber meinen Lebenslauf gut fand. Und als K4 7 Wochen war, hatte ich ein recht gutes Vorstellungsgespräch, im Endeffekt bekam ich die Stelle dann aber nicht.

Immer wieder bekam ich den Ratschlag etwas anderes als meinen Ausbildungsberuf zu versuchen, mich selbständig zu machen, aufzugeben, ehrenamtlich zu arbeiten und was auch immer. Ich glaubte in den Augen meiner Gesprächspartner immer wieder Empathie zu lesen, aber auch leises Kopfschütteln, dass ich stur darauf beharrte, das machen zu wollen, was ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Und auch den verkniffenen Hinweis, dass es nach der langen Zeit doch keinen Zweck mehr habe.

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Tja, vor zwei Wochen las ich eine Ausschreibung die sich an Juristen richtete, als Alternativberuf aber die ReNo angab. Ein Telefonat weiter, wusste ich es handelt sich um einen Hybrid. Gesucht war eine Assistenz mit juristischen Kenntnissen. Kurz nach dem Abschicken der Bewerbung bekam ich einen Anruf. Es folgten ein Vorstellungsgespräch, weitere Telefonate, ein weiteres Treffen, einige Emails, noch mal Telefonate und heute unterschrieb ich meinen ersten Anstellungsvertrag, fast in meinem Beruf. (Und die Zusage kam gerade noch mit 45 ;)) Eine Chance, eine Herausforderung und auf alle Fälle spannend. Unterschrieben hab ich mit meinem Füller, den ich mir nach Bestehen des zweiten Staatsexamens habe schenken lassen, auch um damit einen künftigen Vertrag zu unterzeichnen.

Ich kann nicht ansatzweise in Worte fassen, was das für mich bedeutet.

Konzertwoche Teil 2 – Kings of Leon

Nach dem Amy MacDonald Konzert war vor dem Kings of Leon Konzert. Zwei recht unterschiedliche Musikrichtungen, aber das ist mir Wurst, denn ich höre schliesslich nicht nur ein Genre. Es kam also der Tag des zweiten Konzertes in einer Woche und irgendwie war das komisch, denn so viel Konzerte hatte ich in den letzten drei Jahren nicht und nun zwei in einer Woche. Wie jeden Abend mit den vier Rabauken war ich auch an dem Abend recht müde und hätte die gebuchte Babysitterin am liebsten einfach nur da gehabt um die Kinder zu versorgen während ich mich auf dem Sofa einrolle. War aber nicht wegen ist nicht.

Also bei dem Eintreffen des Gatten erstmal die Visage restauriert (meine, nicht seine) und rumgewühlt, was in Anbetracht des Konzertes wohl eine angemessene Bekleidung sein könnte. (Ich lag mit meiner Auswahl gold richtig) Nach gefühlten 1000 Ermahnungen an die Kinder, 100 mal nachprüfen ob die Karten eingesteckt sind, 30 mal in den Spiegel schauen und beim Verlassen der Wohnung einmal zurück hetzen, da ich mein Handy vergessen hatte, sassen wir endlich im Taxi zur Arena in der das Konzert statt finden sollte. Bei Ankunft war ich doch etwas überwältigt ob der Menschenmenge und der Größe der Arena, wie schon erwähnt, man kommt ja nicht so oft raus und schon gar nicht in so große Veranstaltungsorte 🙂 Mein letztes großes Konzert war Depeche Mode im Volksparkstadion (Ich habe den Überblick verloren wie das aktuell heißt) vor 4 Jahren.

Nach der üblichen Runde, Pipi, Garderobe suchten wir den Eingang zum Innenraum, der Mann hatte sich nicht lumpen lassen und schicke Karten für mittendrin gekauft. Boah groß. Wobei, eigentlich ist das affig, denn vor ca. 5-6 Jahren hatte ich dort schonmal Amy MacDonald gesehen. Sidenote, das war gar nix für ihre Musik, weder war die Halle voll, noch kam ihre Ausstrahlung und Musik gut rüber.

Bei der Einlasskontrolle hatte ich mich noch erkundigt ob es eine Vorband gäbe, davon stand nämlich nix auf den Tickets. Also schlurfte ich ein wenig maulig, da dies positiv beantwortet wurde mit dem Mann in den Innenraum. Ich hatte keine große Lust, dass sich der Konzertbeginn noch ewig verzögerte, da ich müde war und möglichst schnell den Hauptakt erleben wollte. Fast pünktlich um 20.00 Uhr kam dann die Band auf die Bühne, deren Namen ich bei meiner Nachfrage nicht verstanden hatte. Durch komisch rotes Gegenlicht konnte ich auch nicht genau erkennen wer oder was da auf der Bühne agierte. Aber es hörte sich so gut an, dass ich währenddessen rumgoogelte und rausfand, dass es „Wild Nothing“ waren. Diese waren dann nach 30 – 40 Minuten fertig und es folgte eine gefühlte ewige Umbaupause bei der sich der Innenraum zunehmend füllte und meine Sicht auf die Bühne immens verschlechterte. (Meine Laune sank ein wenig). Eine Stunde, zehn Minuten nach offiziellem Konzertbeginn waren die Herren KOL dann endlich auf der Bühne. Sie starteten mit einem meiner Lieblingssongs von „Mechanical Bull“. Das versöhnte mich ein wenig mit der Gesamtsituation eher nicht großwüchsig zu sein. (Ich habe den Eindruck, dass vom Innenraum irgendwie das Höhenverhältnis zur Bühne nicht stimmt, so dass man wirklich keine besonders gute Sicht hat).

kol(Dieses Bild hat der Mann für mich gemacht, sein phone hat die bessere Kamera und er mehr Körperlänge als ich :))

Spätestens beim zweiten oder dritten Song war mir klar, dass der Sound in der Halle grotten mies war. Zu hoch ausgesteuert, dass es in den Ohren fiepte und die wunderschöne, heiß geliebte Stimme des Sängers kam überhaupt nicht zur Geltung. Dann auch noch eine Zusammenrottung lauter groß gewachsener Menschen vor mir und kurz vor Mitte des Konzertes hatte die Masse vor mir nur noch ein Ziel, möglichst viel des Konzertes mit dem Smartphone festzuhalten, fotografisch und filmisch. Das hatte zur Folge, dass ich auch auf Zehenspitzend hampelnd nur noch in ein ein Meer von Displays dieser kleinen Geräte schauen konnte. Da ich eh schon schlecht sah und dank der seltsam gegenlichtigen Beleuchtung auf der Bühne wenig von den Musikern erkannte sank meine Laune ins Bodenlose. In der Mitte des Konzertes fand eine Art akkustischer Teil statt bei dem ich während eines ruhigeren Songs einen der Filmenden vor mir so anraunzte, dass dieser laut des Gattens den Rest des Konzertes sein Smartphone nicht noch einmal hoch hob. Während des Akkustikparts war hinter einem Vorhang die Bühne umgebaut worden und es kamen höher montierte größere Monitore hinzu.So konnte ich im zweiten Teil des Konzertes wenigstens auf den Monitoren sehen was auf der Bühne passierte. Leider blieb der Sound ultramies, so dass mir vertraute Stücke, die mir zudem am Herzen liegen, verfälscht und mit wenig Tiefe rüberkamen.

Trotz der besseren Sicht hob sich meine Laune nicht in absolute Konzertbegeistertheit. Das lag zum einen daran, dass ich komplett irritiert war, dass die Band kaum mit dem Publikum spricht. Sie kamen auf die Bühne, spielten los, Song zu Ende und nahtlos der nächste. Nach drei oder vier Stücken kam ein kurzes Hallo und weiter ging es. Das änderte sich im Laufe des Konzertes wenig und ein mal sagte der Sänger wortwörtlich das Gleiche wie der Sänger der Vorband.

Zum Ende hin dann noch eine kurze Vorstellung der begleitenden Musiker und ein teil der Roadies wurde zur Begleitung des letzten Songs auf die Bühne gebeten. Tschüß und das war es, keine Zugabe. Schon etwas komisch.

Für mich macht ein gutes Konzerterlebnis aus, dass ich sehe was passiert, dass ich die Künstler beobachten kann während sie tun was sie so tun, dass der Sound gut ist und dass mir die Musik gefällt. Da ich weder (gut) sehen konnte noch einen guten Blick hatte und mir die Interaktion der Band mit dem Publikum viel zu gering war um eine Verbindung aufbauen zu können, ging ich etwas enttäuscht nach Hause. Mir ist schon klar, dass keine echten Verbindungen aufgebaut werden, aber selbst die routinierte Interaktion von Depeche Mode hatte mehr Charme als, das was die KOL ablieferten. Nichtsdestotrotz mag ich deren Musik sehr und wünsche mir, die Band nochmal zu sehen. In einem kleineren Rahmen, denn ich merke wirklich, diese Massenhallen sind nix für mich. Alles zu groß, zu eng und zu weit weg. Und vorallem möchte ich die Band nochmal mit gutem Sound live sehen und weniger zugeknöpft.