Mutterliebe

Also aus gegebenem Anlass ist mir vor kurzem dieses Thema durch den Kopf gegangen. Genauer, ich lag im Bett, nachdem das geliebte Kind mal wieder einen Abend mit brüllen und quengeln verbracht hat und als ich endlich ins Bett ging und sie schlafend in ihrem Stubenwagen betrachtete war alles vergeben und ich fand sie nur hinreissend.

In der Zeit in der man dieses kleine Mensch noch in seinem Bauch mit sich rumträgt und so allerhand Schwangerschafts- und Babyliteratur in sich reinschlingt wird einem mehr oder weniger vermittelt, dass in dem Moment in dem einem das glitschige neue Wesen auf dem Bauch gelegt wird das Herz überquillt vor Freude und Liebe.

Sicherlich freut man sich auf das Baby und sicherlich hab auch ich mich in der Schwangerschaft, gerade als Bewegungen immer deutlicher spürbar waren diesem kleinen etwas sehr nahe gefühlt. Aber in dem Moment kurz nach der Geburt war nur eine Verwunderung (oh das bist Du also) und eine Enttäuschung ( Du siehst ja aus wie Papa) da, was ich natürlich auf die absolute Erschöpfung nach der Entbindung schieben könnte. Immerhin hatte ich grad 3 Kilo Lebendgewicht aus mir rausgequetscht und die Nacht davor nicht geschlafen.
Bei näherer Betrachtung stellte ich jedoch fest, dass ich mich zwar diesem Mensch nahe fühlte und einen unglaublichen Beschützerinstinkt hatte/ habe, auch viel Smpathie, aber nicht diese sprichwörtliche absolute Mutterliebe empfand.

Mit so einem neuen Menschen verhält es sich meienr Meinung nach eher wie mit einer neuen Liebe. Man sieht sich, ist sich sympathisch und dann lernt man sich erstmal kennen.
Auch wenn Baby 10 Monate in meinem Bauch war ist es doch ein völlig eigenständiges mir fast fremdes Wesen. Doch mit jeder Interaktion wächst die Zuneigung. Und das Unterscheide die Beziehung zu seinem Kind ganz gewaltig zu der zu einem Partner, man ist so viel geduldiger, so genügsam und man verzeiht so einiges. Was auch daran liegen mag, dass der Verstand weiss, dass Baby nicht bewußt nervt, quengelt etc. pp

Bei einer Liebesbeziehung unter Erwachsenen sagt man, das über den Daumen gepeilt nach 3 Monaten die rosarote Phase vorbei ist und der Ernst des Lebens, der Alltag die ersten Wolken am Horizont erscheinen läßt.

Hinsichtlich der Beziehung zu meinem Baby kann ich nur sagen, es geht nach 3 Monaten erst richtig los. Plötzlich ist da so viel Liebe (und ich hab es die letzten drei Monate auch geliebt), dass man schier platzen könnte vor Glück wenn man den Raum mit dem Baby betritt und dieses einen erkennt und über beide Backen strahlt wie ein Lottokönig. Man kennt sich plötzlich (besser), versteht viel eher was der andere will und wird zu einem eingespielteren Team.

Man vergißt sekundenlang, dass man nicht mehr selbst bestimmt was man macht, dass man die nächsten Jahre absolut fremdbestimmt handeln wird. Man betrachtet nur dieses kleine Wesen, stellt fest, dass man das ausgebrütet hat, beobachtet all die neuen Fähigkeiten die es naturgemäß zu dieser Zeit entwickelt und ist ihm hemmungslos verfallen.

Wie kann ich so kurz nach der Geburt empfinden, wenn da doch ein quasi fremder Mensch in meinen Armen liegt?

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2 Antworten zu “Mutterliebe

  1. Danke, wunderschön hast du das beschrieben, genau so ist es.
    Die Liebe ist nicht gleich da, aber dann…kommt sie mit Macht.
    War bei mir bei allen dreien so.

  2. Pingback: 10 years (and two some days) after | Gestern, Morgen und Heute

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