Verlust der Unschuld

Heute lass ich den neusten Beitrag bei Lyssa und dachte sofort: „jawoll!“. Mir geht dieser ewige Zynismus und Pessimismus auch gehörig auf den Zeiger.

Nach einigen Minuten jedoch stockte ich innerlich und stellte fest, bin ich nicht auch zynisch und pessimistisch geworden? Pessimistisch, ja und vorsichtig und besogter. Gut ich schreibe keine Bücher und ich teile meine Weltauffassung eher einem begrernzten Kreis von Menschen mit, die wiederum damit umgehen können. bzw mir ein Korrektiv darstellen.

Stören mich all diese Zyniker und Pessimisten nicht nur deshalb weil sie eine Seite von mir wiederspiegeln die ich am liebsten verleugnen würde?

Und wenn ja wieso stört es mich?

Weil ich mich vor meinem inneren Auge immer noch als optimistischen fröhlichen unbeschwerten Menschen sehe, der das Leben liebt.

Doch von außen betrachtet ist die Unbeschwertheit schon lange verloren gegangen. Die Unbekümmertheit und die Sorglosigkeit sind zu großem Teilen im Alltag auf der Strecke geblieben.

Das Erschreckende, ich beobachte das nicht nur an mir sondern an vielen in meinem Alter.

Bedeutet das also erwachsen sein? Wann und wo verliert man seine Unbekümmertheit auf dem Weg ins hier und jetzt?

Sicherlich ist es vernünftig, nicht mehr nachts zu trampen, sich nicht mehr randvoll laufen zu lassen und von relativ unbekannten Mitbesuchern einer Disco nach Hause fahren zu lassen, gesünder zu essen und regelmäßig zu schlafen und bei kalten Temperaturen eine Mütze zu tragen.

Natürlich bringt jeder Schritt ins eigenverantwortlichere Leben neue Pflichten mit sich, Rechnungen müssen bezahlt werden, die Wohnung bewohnbar gehalten werden, Nahrung rangeschafft und mittlerweile angeschaffte Konsumgüter gepflegt werden.

Soviel Eigenverantwortung kostet Energie, nimmt Zeit in Anspruch und man ist meist zu erschöpft oder beschäftigt um Unbekümmert zu sein.

Das ist nun abermal so, es gibt nicht auf ewig Mami und Papi die das Nest hegen und pflegen und einem den Rücken frei halten. Man kann nicht sein ganzes Leben unbeschwert im Moment leben.

Das ist der Preis den man zahlt, dafür sagt einem aber auch keiner Mehr wann man im Bett respektive zu Hause zu sein hat. Man kann ganz alleine entscheiden was man anschafft und im günstigsten Fall verdient man auch das nötige Kleingeld um sich anzuschaffen was man begehrt und muß nicht mehr wochenlang quengeln und betteln.

Mir dünkt, dass diese Zyniker genau das nicht verwinden können, dass der Druck der Eigenverantwortung sie kapitulieren und die Welt nur noch mit der Brille des Zynismus ertragen läßt.

Der Rest nimmt es hin wie es ist, jammert ab und zu und versucht sich ein Stück weit die Unbeschwertheit zurück zu erobern.
Solange bis ein Zyniker ihn an den Verlust der Unbekümmertheit erinnert und er einen Moment angenervt ob der Erinnerung die Augen verdreht.

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