Unser Schlachter

Heute muß ich mal von unserem Schlachter erzählen. Sein Geschäft befindet sich um die Ecke und sieht aus als wäre es ein Relikt aus den 50er Jahren. Herrliche blaue und gelbe Leuchtschrift über einem gekachelten Eingang umrahmt von großen Schaufenstern.

Betritt man den Laden ist man zunächst erstaunt über die Anzahl der anwesenden Belegschaft, immer mind 2 Damen und dazu der Chef in seiner Ecke (dazu unten mehr). Die Kühlvitrine lockt mit einem recht großen Angebot zumeist als aus eigener Herstellung angepriesener Ware.
Links diverse Fleischstücke, mittig Aufschnitt und rechts Salate.
An den Wänden im Kundenraum Regale mit diversen Konserven. Schmucklus,nüchtern.

Um so herzlicher wird man bedient. Als erstes lernt man, dass man Fleisch nur bekommt, wenn man sich links vor die Fleischtheke stellt. Dort steht der Chef himself in standesgemäßem blau/weiß gestreiftem Kittel(?) darüber eine weisse Schürzen und unter dem Kittel immer(!) Hemd und Kravatte.

Dieser freundliche Herr, man lasse sich nicht von dem manchmal barsch wirkenden Ton abschrecken, ist in der heutigen Zeit ein Phänomen. Wenn man auf seine Frage, was man denn wünsche, sagt, dass man noch unschlüssig sei oder nicht wisse welches Fleisch zu dem und dem Gericht passend sei, wird man ausgiebig beraten. Auch teilt er bereitwillig mit welche Alternative preisgünstiger sei als die im Rezept geforderte Sorte.
Manch einer könne nun auf die Idee kommen, dass diese Auskunftsfreude im Zusammenhang mit mangelnder Kundschaft steht. Beileibe nicht, selbst am Samstag, wo der Laden schon um 12 Uhr schließt und es ab 8 so gerappelt voll ist, als gäbe es Montag keine Fleischwaren mehr (das gleiche kurz vor Feiertagen) bekommt man geduldig und ausführlich seine Fragen beantwortet. Und nein nicht nur Mütter von Säuglingen, die nach einer Unterhaltung mit erwachsenen Menschen lechzen, nutzen dies schamlos aus. Wie gerade heute wieder beobachtet lassen sich 2/3 der Kunden gerne nochmal ausführlich beraten.

Absolut faszinierend ist jedoch, wenn man sich dann endlich geeinigt hat welches Fleisch in welcher Menge zu erwerben ist, wie er sein rieisiges Messer nimmt, beherzt nochmal über den Wetzstahl führt und dann relativ grammgenau mit einem Schnitt die gewünschte Menge erzielt.

Von guten Worten und hilfreichen Tipps begleitet, wickelt er das Fleisch dann ein, legt es in einen Plastiknapf und ruft einer der anwesenden Damen irgendwelche Preise zu, die diese artig notiert (Ich wunder mich jedesmal dass sich tatsächliche eine angesprochen fühlt und alles mitbekommt). Abschliessend weist er daraufhin, dass eine der Damen kassiert und wendet sich mit dem Wunsch nach einem weiterhin schönen Tag dem nächsten Kunden zu. Die jeweilige Dame hat in der Zwischenzeit die Summe der zu bezahlenden Einkäufe auf einem Zettel(!) notiert und addiert. Eine Registrierkasse gibt besitzt dieser Laden nämlich nicht.

In schönes braunes Packpapier eingewickelt bekommt man dann seine Erwerbschaften über den Tresen gereicht und darf mit diesmal weiblichen guten Wünschen für den Tag den Laden verlassen.

Letztendlich sei noch erwähnt, dass nicht nur die Bedienung und Beratung dort einmalig sind, auch alles was wir bisher da erstanden haben, war bester Qualität.

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7 Antworten zu “Unser Schlachter

  1. Und jetzt schreib ich dir: diese Geschichte ist ganz klasse!!! Danke.

  2. Bei „unser Schlachter“ fällt mir ein, daß ich heute erstmal bei unserem Schlachter in Bienenbüttel war und die weltbesten Bregenwürste gekauft habe. Jetzt bin ich nämlich wieder in Göttingen und hier gibt es sowas in ordentlicher Ausführung nicht 😦
    Mit dem Einkauf von Gräfke bin ich jetzt mal wieder auf eine ordentliche Portion Grünkohl vorbereitet :-))

  3. @Martina Danke schön, und dazu ist sie auch noch wahr 🙂

    @Arnim Bei Bregenwurst werd ich den Verdacht nicht los, dass da doch irgendwie hirn drin ist und es ekelt mich vor den Dingern.

  4. Dort scheint sich (vermutlich außer der Verwendung von Euro) nichts geändert zu haben, seit ich bei Geissler (und ?Bolle? gegenüber) als Einkaufs-Zivi regelmäßig Dinge für ältere Herrschaften einkaufen musste, von denen ich nichts verstand. 🙂

  5. der Bolle ist jetzt ein Spar mit Apothekenpreisen.

  6. Neee… das ist Brägenwurst ! Bregenwust enthält nur Schwein.

  7. @armin: zu Grünkohl empfehle ich dringend Pinkel, das ist eine megaleckere Grützwurst. In HH am besten bei Beisser zu beziehen, die von der Metro schmeckt nicht so gut (ist nicht fett genug *ggg*).

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