Zurück zur Steinzeit?

Im aktuellen Elternheft ist ein kurzer Artikel, den ich recht erschreckend fand.
Dort wird berichtet, dass eine Studie von dem Münchner Familienforscher W. E. Fthenakis im Auftrag der LBS Westdeutsche Landesbausparkasse zur Situation von Jungen Familien ergeben hat, dass mit der Geburt eines Kindes die alte Rollenverteilung wieder auflebt.

So ist bei Ersteltern die Verteilung der Wochenarbeitsstunden vor der Geburt noch relativ ausgeglichen. Die Frau kommt dabei auf 29,7, der Mann auf 32,4 Wochenarbeitsstunden.
Vier Jahre nach der Geburt kommen Frauen noch auf durchschnittlich 9,5 Wochenarbeitsstunden, während die Männer bei 42,9 liegen.

Also die Frau als Hausfrau und Mutter und der Mann als Ernährer der Familie.

6-12 Monate nach der Geburt eines Kindes mag es noch angemessen sein, dieses traditionelle Rollenbild zu leben. Zum einen wenn die Mutter stillt zum anderen weil es auch schön ist sein Kind in den ersten Monaten in jeder Minute wachsen und reifen zu sehen.
Aber es ist auch Tatsache, dass die heutigen Frauen eine gute bis überdurchschnittliche Ausbildung haben, die es nicht rechtfertigen, dass sie bis zur Volljährigkeit „gezwungen“ sind ihre aushäusige Erwerbstätigkeit zu Gunsten des Nachwuchses zurückzustecken.

Dabei geht dieser Zwang ja zumeist nicht von dem männlichen Elternteil aus, sondern es sind einfach die gesellschaftlichen Umstände die diese antiquierte Rollenverteilung fördern.

Zum einen verdienen Männer selbst bei gleichwertiger Ausbildung in der gleichen Position immer noch mehr. Zum anderen ist die deutsche Betreuungssituation für Babys- und Kleinkinder einfach schlecht. Selbst wenn man das Glück hat einen Betreuungsplatz zu ergattern, geht dann der Verdienst der Frau (die oft nur Teilzeit arbeiten kann) für eben diese Betreuung drauf. Entscheidet sich ein Mann hingegen daheim zu bleiben und die Rolle des Hausmanns anzunehmen, hat er es bei dem Wiedereinstieg in das Berufsleben ungleich schwerer, da auch heute noch ein Hausmann von den Kollegen als „Weichei“, unter dem Pantoffel stehend etc. angesehen wird. Aber auch die Arbeitgeber sehen es immer noch ungern.

Selbst wenn ein Vater trotz dieser Widrigkeiten die Bereitschaft zeigt die Rolle des Hausmanns zu übernehmen, scheitert dies oft letztendlich an den Finanzen, da er wie oben erwähnt in der Regel ein höheres Einkommen hat als die Frau. Und welche junge Familie ist nicht gerade durch den Nachwuchs auf jeden Euro mehr angewiesen. Gerade jetzt, wo auch die Einkommesngrenzen für das Erziehungsgeld drastisch herabgesetzt worden sind.

Da frag ich mich dann, wozu hab ich die die Uni besucht, mich durch das Examen gequält und das Referendariat absolviert. Wen mein Töchterchen dann mal ein wenig ruhiger ist, steht noch das mündliche Examen an. Und dann?

Dann sitze ich mit dem Examen zu Hause weil der GG mehr verdient als ich als Berufsanfängerin verdienen würde. Abgesehen davon, dass in unserer Stadt die Regierung das Betreuungssystem für Kinder derart verkompliziert und verpfuscht hat, dass so oder so niemand mehr Anspruch auf einen KiTa Platz erheben kann.
Letztendlich bleibt die Frage wer eine Mutter mitte dreißig, durchaus noch im gebährfähigen Alter mit durchschnittlichen Examina einstellen würde.

Aber eine examinierte Hausfrau und Mutter macht sich ja auch ganz gut, oder …

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3 Antworten zu “Zurück zur Steinzeit?

  1. Höre ich da eine kleine Spur von Frustration heraus?

    Wenn du selbständig arbeiten willst ist das doch erst mal keine Frage des ?wer verdient mehr im Haushalt?? – oder?

    Als ich mit meinen Partnern eine Firma gründete haben wir uns im ersten Jahr 500,- DM ausgezahlt ? dafür aber alle nebenher bei anderen Firmen gearbeitet!

    Jetzt muss halt ?GG? nebenher arbeiten. Ist doch auch für deinen ?GG? klasse mal nicht nur ?Versorger? zu sein. Ich denke du solltest das machen, was Dir Spass macht, unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen!

  2. By the way:

    eine examinierte Hausfrau und Mutter macht sich natürlich sehr gut!

  3. Ja ich ibn ein wenig frustriert, dass in dieser Gesellschaft die frau mehr oder weniger gezwungen wird in das herrkömmliche Frauenbild zu schlüpfen, wenn Nachwuchs da ist. Und ich habe prinzipiell kein Problem mit weniger Einkommen, aber Windeln und Miete etc. müssen bezahlt werden und daher kann man/frau sich über die wirtschaftlichen Gesichtspunkte der entscheidung wer beim Kind bleibt selten aussuchen :/

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