Am Valentinstag vom fremden Mann abgeschleppt oder die Reise ins Nirgendwo

Nee, also der Tach fing ja gut an, irgendwann zwischen 1 und 2 geweckt vom GG, da ich mit Kind beim Stillen eingepennt war. Was sacht der der zu mir, ey morgen fahren wa nach Wismar, da is schön, wir stehen ganz früh auf. Hurra, toll, spitze, Samstag früh in Osten, wir ham ja nix.
Töchterchen weckte mich dann auch früh, so um 8.39 um zu Essen. Um ausgleichende Gerechtigkeit walten zu lassen weckte ich daraufhin den GG mit den Worten, dass er doch früh aufstehen wollte. Sacht der doch glatt er sei ja wieder der Fahrarsch und müsse noch was dösen. (Wer soll denn sonst fahren, ich wollte da ja nicht hin). Osten, kenn ich nich, will ich nicht. Aber wenn der GG dahin will, soll der GG seinen Willen bekommen, vielleicht wirds ja nett.

Okay so irgendwann um 10 Uhr bequemte er sich dann aus den Federn um dann 45 min (!) zum Schlachter zu verschwinden, der 2 min um die Ecke ist. Langsam hege ich ja den Verdacht, er hat da ne heimliche Geliebte. Aber ich schweife ab.

Nachdem dann endlich die komplette Familie exklusive Katzen kotfrei, satt und angekleidet war kamen wir um ca 12 dann doch mal los. Soviel zum Thema, wir fahren mal früh los. Wurde mir doch seinerseits versichert, dass da die Läden bestimmt auch lang auf haben und ich mich zumindest mit ein wenig shoppen amüsieren könne.

Bis Lübeck gabs dann ödes Autobahnfahren bei grauem Himmel und örtlichem Nebel, spannend. Um Lübeck rum erstmal große Verwirrung, wo gehts denn hier nu nach Wismar. Naja die haben sich die Ausschilderung gleich gesparrt, die wissen schon warum.

Lübeck 1a umrundet und wir waren auf dem richtigen Weg. Nach einigen Kilometern Land- oder Bundesstrasse kam das Schild, schnell und sicher nach W. über die Autobahn. Gesehen, ignoriert. GG bestand auf die malerische Landpartie. Toll, weite Felder, graue Häuser, Tristesse at its best.
Nich mal ordentliche Ortsnamen haben die da drüben, ich meine wer nennt denn einen Ort KLÜNZ, oder sowatt ähnliches.

Man soll es ja nicht glauben, aber gegen 14 Uhr waren wir dann auch schon da. Und ich muss sagen in W steppt der Bär, ca. 70% des örtlichen Einzelhandels schließt um 13.00. Nun gut, die da ham ja nix, wer soll denn dann auch Samstags Geld ausgeben kommen. Nicht das wir was hätten, aber als anständiger Großstädter tut man wenigstens so und flaniert durch die Läden.

Wir allerdings flanierten weniger, als dass wir kaum aus dem Auto waren und GG lautstark und vehement den Besuch einer Nahrungsmittelaufnahmestätte einforderte. Das macht der _immer_. Wir fahren irgendwohin und er muß essen und das dauert immer ewig. Da ich mich weigerte liefen wir also erstmal ziellos ein wenig rum. Unglaublich, ich habe seit 1985 keine so leere Innenstadt mehr gesehen. Es hatte etwas von Geisterstadt.

Da dann auch meine Blase drückte und Töchterchen lange genug auf eine Mahlzeit gewartet hatte kehrten wir nach der Besichtigung des alten Hafens (das sind nur 5 min von hier sprach der GG) Stunden später in einem Cafe ein.

Das war wirklich nett, ein Klavierspieler unterhielt das ignorante Publikum, Töchterchen flirtete mit jedem der ihr Beachtung schenkt, das Essen war lecker und günstig. Das Personal ausgesprochen freundlich. Da war ich fast überzeugt es wird noch ein schöner Resttag, auch wenn das Wetter eher Weltuntergangsstimmung verbreitete.

Also da wieder raus, Innenstadt noch leerer, aber ich mußte mir ja noch das hochangepriesene Karstadt Stammhaus anschauen. Aussen hübsch, inner fast so ramschig wie die Filliale der Metropole Mölln.

Nachdem ich mir dann noch pflichtschuldig den Marktplatz angeschaut hatte wurde meinem Wunsch nach der Heimreise nachgekommen und oh Wunder, zurück war auch geplant, den fertigen Teil der Autobahn Richtugn Lübeck zu nutzen.

Am Ende dieses Autobahnteils stellte sich die Frage wie wir nun fahren würden, GG kam auf die glorreiche Idee eine nette Abkürzung zu nutzen. Männer und Abkürzungen ..
Als wir 20 min später mit 60 km/h über Kopfsteinpflaster holperten abgewechselt von Schlaglöchern und Buckelpisten (Wozu zahle ich eigentlich den Soli, wenn die ihre Strassen nicht heile machen), kam dann raus, dass er die Strecke noch nie gefahren war. Zwischenzeitlich hatte Töchterchen festgestellt, dass sie schon geraume Zeit keine frische Windel mehr erhalten hatte und der Magen auch einen inakzeptalen Füllungsgrad aufwies.

GG langsam nervös, kam dann auf die Idee, die Abkürzung der Abkürzung zu nutzen. Heissa was ein Spass, sowas hab ich noch nie erlebt, dass das überhaupt Strasse heissen darf und für den Verkehr freigegeben wurde.

Der geneigte Leser kann sich eventuell vorstellen wo sich meine Laune zu dem Zeitpunkt befand. ich hatte das Gefühl, nie wieder aus dem Ostteil unserer Republik rauszukommen, es war eher eine Zeitschleife, graue Häuser, Brachflächen, Wald, Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher, Puckelpiste und kein Ende abzusehen.

Aber auch das war irgendwann überstanden, wir befanden uns endlich wieder auf einer Autobahn gen Heimat, um das Töchterchen zu beruhigen nahmen wir die nächste Raststätte um sie zu säubern und abzufüllen.

Es gab nur eines was mir den Tag noch retten konnte, Farben,Lichter Menschen, Konsum. Sprich ein Einkaufszentrum in der Heimat. Auf meinen unmissverständlichen Hinweis diesbezüglich liess sich GG darauf ein, nach Erreichung der Stadt ein solches aufzusuchen.

In Erwartung eines versöhnlichen Abschlusses eines tristen Tages lehnte ich mich entspannt in den Autositz und zählte die Kilometer bis Großstadt, bis, mitten in einer Baustelle unser Wagen anfing zu ruckeln.

Ich:“ Ist das die Strasse oder der Wagen?“
GG: „Halt mal den Sabbel das versuch ich gerade rauszufinden“

5 Min später immer noch in der nicht endenwollenden Baustelle ohne Seitenstreifen.

GG:“Das ist der Wagen der zieht kein Gas“
Ich.“ da kommt ne Nothaltebucht halt da an“

Na als ob ein Mann der was auf sich hält Ratschläge von Frauen annimmt. Da das Ruckeln aber stärker wurde und der Wagen nicht mehr wirklich Lust hatte Gas anzunehmen konnte ich ihn fast ohne Gewaltandrohungen dazubringen die nächste Ausfahrt zu nehmen.
Wir waren kaum draussen, da ging der Wagen aus und nix ging mehr. Wie sich das gehört standen wir am Ende der Ausfahrt auf der Abbiegespur irgendwo im Nirgendwo.

Mann steigt aus, ekelhafter Geruch aus der Motorhaube zieht ins Auto, Frau springt in der Erwartung raus, dass es gleich explodieren könne, das Töchterchen fest an sich pressend.

Da stand ich nun, auf einer Verkehrsinsel zwischen der rechts und links Abbiegespur, das Kind im Arm, das Handy balancierend die Nummer des Autoclubs suchend, dessen Mitgliedschaft zu kündigen ich seit Jahren vergesse. Das ist der Stoff aus dem die Träume einer jeden Frau sind. Es ist dunkel, es ist kalt, der GG versucht das Auto aus dem Weg zu schieben und man erwartet gleich einem brennenden Fahrzeug gegenüber zu stehen.

Immerhin, dank meiner dramtischen Schilderung unter Zähne klappern hervorgebracht, kam der Pannendienst in Rekordgeschwindigkeit. Natürlich konnte er am Wagen nichts feststellen, aber das heisst bei diesem Auto gar nix.

Irgendwie konnte ich den guten Mann vom Service davon überzeugen, dass ich nicht gewillt war dem Kfz noch eine Chance zu geben und es besser sei, er würde ihn auf sein Autochen hiefen und uns mitnehmen.

So geschah es dann, der Wagen wurde zum Autohändler unseres Vertrauens geschafft und wir bestiegen den Bus gen Wohnung, da wir den Kinderwagen nicht auf dem Abschleppwagen hinten transportieren wollten.

Einige Frusteinkäufe beim Penny (sonst hatte hier ja auch inzwischen alles zu), ein heisses Bad und eine warme Mahlzeit versöhnten mich dann wieder halbwegs mit diesem Samstag.

Danke Schatz, ein paar Blümchen hätten es auch getan. Survivaltraining ist nicht so mein Ding 🙂

p.s. Dieser Artikel ist nicht frei von Übertreibungen und heimlich gepflegten Vorurteilen 😉
W ist wirklich ein hübsches Städtchen.

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5 Antworten zu “Am Valentinstag vom fremden Mann abgeschleppt oder die Reise ins Nirgendwo

  1. Ich hab in Wismar studiert. Die Stadt ist imho wirklich hässlich, wenn auch der MArktplatz und diese „Einkaufsstrasse“ in der auch (noch?) das Kino haust einen gewissen Flair verbreiten. Wenn ihr Wirklich mal eine schöne Stadt sehen wollt, kann ich euch Putbus empfehlen. Wunderschön, allerdings etwas weiter als Wismar. Und wenn ihr mal GANZ VIEL Zeit habt *g*, dann auf nach Rügen. Das gehört zu den schönsten Fleckchen die Dland noch hat. Ja ich war schon fast überall.

    ps: das mit dem Kotzen gibts sich – unser Tristan ist jetzt 7 Monate alt – und kotzt immernoch 🙂

  2. Und Du bist sicher, dass die Geschichte nicht einen Tag eher passiert ist?

    Mein Auto war am 13. böse…

  3. Ja ganz sicher. Vielleicht hätte ich dem Frieden am Freitag nicht trauen sollen 😉

  4. Na, das nenn ich doch mal einen abwechslungsreichen tag! da kannste dich aber nicht beschweren, du würdest nix erleben und alles wäre eintönig – ok – eintönig grau wars ja auch, man soll ja nicht zu viel verlangen.
    Ich trau mich ja kaum …. blumenstrauß;-)) (schneeball, fenchel, ranunkeln, 2 sorten eukalyptus und damit es nicht rein grün-weiss ist noch eine rote anemone in der mitte)

  5. @rina ey wollen wa tauschen, Du kriegst den Mann mit den Abenteuern und ich den mit den Blumen? 😉

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