Traumhochzeit mit Hindernissen

Nach monatelangem Planen und Organisieren war es am Samstag endlich soweit, wir haben uns kirchlich trauen lassen und anschliessend ordentlich gefeiert.
Es wäre aber nicht unsere Hochzeit gewesen, wäre alles so gelaufen wie es vorgesehen war. Dabei fing alles ganz friedlich an.
Nebensächlich zu erwähnen, dass ich Montag hochfiebernd krank wurde und ab Dienstag auf Antibiotika gesetzt wurde, die ersten zwei Tage der Woche quasi im Bett verbracht habe, nur Unterbrochen von der Besichtigung der zukünftigen KiTa unserer Tochter und diversen Arztbesuche. Bis auf eine gewisse Übelkeit und Müdigkeit war am Donnerstag das schlimmste überstanden.

Mitte letzter Woche waren unser aller Outfits komplett und sauber.
Alle Erledigungen erledigt und die restlichen Basteleien auf Freitag terminiert. Donnerstag flog die amerikanische Gastfamilie ein und sorgte schonmal vorab für Trubel. Das war aber willkommen und vorgesehen. Am Freitag vormittag traf auch die weltbeste Hochzeitsplanerin ein und nach einer kurzen Kaffeepause wurden die Programmhefte für die Kirche, die Gastgeschenke und die Autoschleifchen in Rekordzeit erstellt, während der GG die frisch gravierten Trauringe abholte.
Nachmittags noch ein Kontrollbesuch beim Arzt und anschliessend eine Maniküre, man will ja perfekt sein, einmal im Leben. Klappte alles prima und abends wurde gemeinsam im Clasenhof geschlemmt.
Dann der Tag der Tage. Morgens aufgewacht und absolut keine Lust auf Hochzeit und Tamtam. Nun gut, aus der Nummer würde ich nicht mehr rauskommen, also aufgestanden, gefrühstückt, Mann und Hochzeitsplanerin samt Kind zum Floristin geschickt und auf den Trauzeugen gewartet, der ab mittags mein Chauffeur und Begleiter sein sollte.

Als dieser für seine Verhältnisse relativ pünktlich eintraf macheten wir uns auf zum Make-Up und Frisurtermin. Natürlich nicht ohne dem GG eine Liste zu hinterlassen was er einzupacken und zu erledigen habe. Der Termin verlief auch soweit problemlos, außer, dass er ein wenig länger dauerte als, trotz eingeplanter Luft, vorgesehen. Somit war ich nicht um 15 Uhr zu Hause, sondern am Telefon um dem GG mitzuteilen, dass wir jetzt losfahren. Dabei hörte ich schon ausgelassene Verzweiflungsschreie des Nachwuchses.
Also losgedüst, dem sich die Augen zu haltenden GG das Kind aus dem Arm gerissen um dieses an der mutterlichen Brust zu beruhigen. Es schlief auch brav ein, während der GG durch die Wohnung tobte um sich hochzeitsfein zu machen.

Nett, wenn er mit geschlossenen Augen vor einem steht damit man ihm die Manschettenknöpfe schliesst. Mann also endlich fertig und aus der Wohnung, Braut ihrerseits tobte nun los um sich zum feinen make-up in Schale zu schmeissen. Irgendwie war auch der Trauzeuge anwensend um sich umzuziehen, aber in meinem Bewusstsein nicht wirklich existent. erstes Fiasko, die Klebe-bhs waren Schrott und wurden meinerseits entnervt abgerissen. Strümpfe an, Hurra keine Laufmasche fabriziert, Schuhe an, und dann das Kleid über den Kopf. AAA Lippenstift am Ausschnit, das Kleid zu schwungvoll hochgezogen, hektisches Hantieren mit Gallseife brachte nur mittelmäßigen Erfolg. Ein Blick nach Unten, *Schreikrampf* der Saum des Futters fällt raus. Dem Nervenzusammenbruch die Schneiderin angerufen, überzeugt, dass 45 Minuten ausreichen um dort vorbeizufahren, das fest zu heften und dann pünktlich die Kirche zu erreichen. Kind geweckt, Sachen geschnappt, Kind dem Trauzeugen in den Arm gedrückt und ab ins Auto. Auf der Treppe festgestellt, dass nunmehr 35 min nicht wirklich reichen um noch zur Schneiderin zu fahren und vor der Haustür, weder den Trauzeugen noch das Auto gesehen. Als ich ihn fand beschlossen wir direkt zur Kirche zu fahren, wissend, dass die weltbeste Hochzeitsplanerin Nähzeug irgendwo dabei hatte.

Töchterchen war inzwischen auf dem Arm des Trauzeugens erwacht und hatte sich beim Anschnallen im Auto schon wieder so in Rage gebrüllt, dass auch das Losfahren nicht den gewünschten Beruhigungseffekt hatte.
Beim Losfahren stellte ich außerdem fest, dass der Trauzeuge keine Ahnung hatte wohin er fahren soll, was zu einem mittleren Verzweiflungsanfall und einem heftigen Kampf mit dem Falkplan meinerseits führte. Mir war die Strecke nur halbwegs geläufig.
Also brüllendes Kind, schimpfende Braut, die Ruhe bewahrender Trauzeuge und ein klingendes handy. Der GG wollte wissen wo wir denn seien, das Handy und mein reinblaffen führten dazu, dass das ein wenig weniger laut schreiende Töchterchen wieder voll loslegte.

Als wir soweit auf dem Weg waren, 5 min vor der Kirche klingelte das Handy nochmal, ich hörte Kirchenglocken läuten und den GG erneut fragen wo wir seien, was dazu führte, dass ich Sachen von mir gab, die wahrscheinlich einen Scheidungsgrund darstellen.
Immerhin kamen wir 1 min nach geplantem Beginn der Trauung an, ein wütendes Kind im Kindersitz, eine den Tränen nahe Braut auf dem Beifahrersitz und einen gelassenen Trauzeugen als Fahrer.

Der GG nahm sich des Kindes an, was derartig befreit erstmal verstummte und die Pastorin erfasste ohne Worte meinen Gemütszustand und redete erstmal beruhigend auf mich ein.
Als wir fast beruhigt kurz davor waren die Kirche zu betreten kam der Küster heraus um uns mitzuteilen, dass die Brautmutter samt LAG noch nicht anwesend war. Was weiterhin dazu führte, dass dem GG auffiel, dass auch der Brautbruder samt Oma noch fehlte. Also den Bruder angerufen, der war irgendwo in HH verschollen ohne zu wissen wo er sich befand. Nach mehreren Telefonaten innerhalb der Familie konnte er aber von Brautmutter samt Anhang lokalisiert werden und somit war meine Familie dann doch mal auf dem Weg in die Kirche.

Ein großes Lob muß ich an dieser Stelle nochmal der Pastorin aussprechen, die wunderbar ruhig blieb und selber sagte wir könnten auf die Familie noch warten und während des einsetztend Regens in die Kirche stratze um mich hinterher mit einem Schirm zu überdachen. Nur am Rande sei erwähnt, dass sie eine Konfirmandengruppe im Fahrhaus warten hatte.
Als ich kurz vor dem Eintreffen der Familie bemerkte, dass ich die Kirchenglocken wenigstens am Telefon vernommen hatte, sagte sie wenn es weiter nichts sei und war das Geläut nochmal an.
Während der Wartezeit fragte ich mal den GG nebenbei wo denn meine BLumen seien, worauf er nur meinte, ich bekäme keine.

Als die Familie endlich vollzählig, in die Kirche gescheucht und das Brautpaar samt Pastorin und Töchterchen bereit zum Einzug vor der Kirchentür stand, wagte ich nochmal die Frage nach dem Brautstrauss, was den GG leicht erblassen liess. Er hatte diesen daheim vergessen und die voherige Frage nach den Blumen gar nicht realisisert 🙂
Die folgende Trauung war sehr schön. Auch der Auszug aus der Kirche, mit meinen zwei Blumenjungs und das anschliessende Empfangen werden von unseren Gästen.
Ich muß nochmal die weltbeste Hochzeitsplanerin erwähnen, die dafür gesorgt hat, das jeder Gast ein Programm und ein Schleifchen erhielt und dass alle wie geplant vor uns die Kirche betreten und verlassen haben.

Nach der üblichen Fotosession und den Gratulationen machten wir direkt vor der Kirche noch Bilder, da das Wetter die geplanten Aufnahmen im Jenischpark nicht zuliess um dann im geliehenen Benz zum Restaurant zu fahren.
Nach dem Apperitif heftete mir die weltbeste Hochzeitsplanerin den Saum fest, wurde mächtig geschlemmt, gab es liebevolle Unterhaltungseinlagen unserer Gäste, eine rührende Rede des amerikanischen Gastpapas und selbst unseren Eröffnungstanz brachten GG und ich halbwegs würdevoll hinter uns.

Gefeiert haben wir natürlich auch noch und so gegen 4 Uhr sind wir gen Bett gedüst.
In einem Haufen Geschenke vor der Haustür stehend stellten wir dann fest, dass meine Oma samt Haustürschlüssel in der Wohnung und der andere Schlüssel verschollen war. Also mehrfach geklingelt, in der Hoffnung, dass Oma nicht vor Angst unter das Bett kiecht. Nein sie ging tatsächlich an die Gegensprechanlage und nach einigen Anweisungen, schaffte sie es auch die Tür mittels des Summers zu öffnen.
Letztendlich lagen wir so gegen 5 im Bett und überzeugten auch das Töchterchen, dass Schlafenszeit sei.

Am nächsten morgen gab es noch mit dem Großteil der Gäste ein nette Frühstück im Cafe um die Ecke und gegen abend war der Zauber vorbei und das größte Chaos beseitigt.
Vielen Dank allen Anwesenden für den wunderschönen Tag.

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8 Antworten zu “Traumhochzeit mit Hindernissen

  1. das ist ja Stoff für eine ganze Komödie 🙂

  2. Ahhhh ja, den Teil zwischen 12 und 16:30 kannte ich ja noch nicht:-))
    stell dir vor, was noch alles hätte schief gehen können, wenn wir nicth so gut vorbereite gewesen wären… das sind doch eigentlcih fast alles sachen, die man in 20jahren wunderbar zum besten geben kann. irgendwann wird rieke entnervt rausrennen, wenn wir uns zum 1000sten mal über die gelungene Floristenarbeit und den vergessenen Brautstrauß auslassen…

  3. Warum nur macht mich dieser Text irgendwie nervös? 🙂

  4. Danke für den Bericht 🙂 Wir in der Kirche haben uns ja so unseren Teil gedacht als wir hörten, die Braut sei da, aber kommt und kommt und kommt nicht rein.
    Und von dem Lippenstiftfleck hat man nichts gesehen.

  5. Ich hätte mich wirklich gewundert, wenn alles glatt gelaufen wäre 🙂

  6. *lol* wie gut wenn man trotzdem lacht.
    Köstlich, wann verkaufst du die Filmrechte?

  7. @Patricia mir war aber gar nicht nach Lachen zumute.

    @Merlix nicht nervös machen lassen, immer schön den Brautstrauß festhalten und der anreisenden verwandtschaft Stadtpläne in die Hand drücken und unter dem Strich hatten wir eine sehr schöne Hochzeit 🙂

    @arnim was unseren Teil anging ging ja alles glatt.

    so und nu aufgehört mit feixen.

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