Aufregung in den Mittagsstunden

Wenn ich schonmal dabei bin und das Kind eh schläft kann ich auch noch erzählen, was uns gestern wiederfahren ist.
Es war so 13 Uhr oder etwas später als ich von draussen fürchterliches Kindergeschrei wahr nahm. Einerseits ist man als Mutter dann sofort alamiert bzgl. möglicher Misshandlungen einer wehrlosen Kreatur andererseits hat man selber so einen Wutknödel zu Hause bei dem man, wenn er in Unmut verfällt, immer nur hofft keiner der Nachbarn rufe de Polizei.
Also wartete ich erstmal ab, es war auf der Strasse auch keine Person zu sehen, die ein ungebührliches Verhalten gegenüber einem Kind auszuüben schien.

Also fuhr ich fort mit meiner momentanen Beschäftigung und hörte nur ab und an noch das Geschrei. Nach einiger Zeit kam es mir dann doch zu lang vor für ein reines Protestgeschrei gegen den Mittagsschlaf oder sonstige Widrigkeiten im Leben eines Kleinskindes verursacht durch das Betreuungspersonal.

Als ich dann noch lautes Rufen vernahm ala „Hallo, ist denn niemand zu Hause“, schaute ich ein weiteres mal zur Strasse und erblickte vor dem Hauseingang unseres „Schwesterhauses“ eine dieser eifrigen älteren Damen, die wohl jeder kennt. Waschweib-like rief ich dann herunter was denn los sei und erfuhr folgendes. In dem Hausflur des Mehrparteienhauses war ein Kind eingesperrt, die Mutter stand hilflos vor der zugefallenen Haustür und im Haus selber war keine der Mietparteien anwesend um per Summer die Tür zu öffnen.

Währenddessen hatten sich auch zwei hilfreiche männliche Wesen eingefunden, die erstmal der Mutter (für mich nicht zu sehen) entgegen brüllten sie möge doch das Kind mal mit Worten beruhigen.

Da es keine andere Möglichkeit gab, einigte ich mich mit dem inzwischen angewachsenen Grüppchen darauf die Polizei (Dein Freund und Helfer) zu verständigen.

Gesagt getan, aber mein Versuch die Lage zu schildern wurde erstmal abgewimmelt, da ich zunächst mitteilen mußte wer ich bin und wo ich wohne und was weiß ich für unsinnige Fragen. Im Endeffekt wurde mir zumindest zugesichert, dass ein Wagen vorbei kommen würde.

Bedarf es einer Erwähnung, dass das engesperrte Kind inzwischen von höchster Panik befallen wie um sein Leben brüllte? Wer Kinder hat weiß wie furhtbar diese Geräusche sind.

Ich schnappte mir dann die Lütte und das Handy und ging hinunter um zu sehen ob man nicht irgendwie helfen kann.

Die ältere Dame war immer noch da, ebenso das eine männliche Wesen. Nun bekam ich auch die Mutter endlch zu Gesicht. Eine junge japanische Frau die ein wenig hilflos schaute aber auch nicht wirklich zur Problemlösung beizutragen hatte. Es stellte sich heraus, dass sie kein deutsch spricht, aber halbwegs englisch.
Ich schaffte es dann mich irgendwie mit ihr zu verständigen und erfuhr, dass das Kind 1 Jahr und 9 Monate alt ist und sie in dem Haus wohnt, beim Raustransport von Kind und Buggy die Tür zugefallen ist. Der Buggy auf dem Fußweg, das Kind im Hausflur und der Schlüssel noch in ihrer Wohnungstür steckt.

Ich fragte sie dann ob sie einen Mann habe und wo der sei und ob sie ihn nicht anrufen wolle, damit er mit dem Schlüssel komme. Die Polizei liess ziemlich auf sich warten und das Kind war völlig außer sich.
Der Versuch den Ehemann zu erreichen schlug fehl und ich schlug ihr vor doch wengstens durch die Tür auf das Kind beruhigend einzureden.

Ich bin innerlich fast explodiert, als die Mutter nun mit den Fingerspitzen zaghaft an die Glasscheibe der Tür tippte und mit leiser Stimme versuchte das Kind zu beruhigen. Jeder der mal ein Kind in Panik erlebt hat weiss, dass man entweder nur direkt ins Ohr oder mit Gebrüll gegen das Gebrüll ankommt.

Inzwischen tauchte dann auch mal die Polzei auf und es stellte sich heraus, dass man natürlich meine Schilderung der Lage völlig falsch notiert hatte. Nachdem die beiden (netten!) Beamten dann die Situation erfasst hatten fiel ihn auch erstmal keine Lösung andere Lösung ein als den Schlüsseldienst zu rufen und meine Personalien aufzunehmen. (Irgendwe fühlte ich mich in dem Moment wie ein Straftäter).

Glücklicherweise erreichte die junge Frau dann ihren Mann und der sagte zu sofort zu kommen. Nunja was sofort auch heissen mag wenn man mit dem ÖPNV einmal um die Alster muß. Die ältere Dame hatte sich schon vor einiger Zeit verabschiedet, aber der eine junge Mann harrte noch aus.

Ich verabschiedete mich dann, während die Beamten noch zusagten zu bleiben.
Nach 40 min hörte das verzweifelte Schreien des Kindes dann auf und die Menschen vor der Tür waren verschwunden, kurz darauf fuhr auch der Polizeiwagen davon.

Mir hat es ja das Herz fast zerrissen das Kind so in Angst zu hören und ich war verwundert wie ruhig die Mutter äußerlich schien so ohne jeglichen eigenen Lösungsansatz.
Andererseits was macht man, wenn man in einem fremden Land, ohne Kenntnisse der Sprache, ohne Handy in eine solche Situation gelangt?
Ich weiß aus Berichten von anderen dass die Japaner sehr höflich und zurück haltend sind, wollte die junge Mutter niemand belästigen? Hatte sie Angst einfach jemanden anzusprechen? Wieso kam sie nicht selber auf die Idee ein Telefon zu suchen und ihren Mann anzurufen.
Ich mache ihr keine Vorwürfe, ich weiss nur ich hätte diese Situation nicht tatenlos fast 2 Std. ausgehalten.

Advertisements

Eine Antwort zu “Aufregung in den Mittagsstunden

  1. puh, du erlebst aber auch Sachen! Alternativ wär mir noch der Vermieter eingefallen, der müsste doch auch nen Schlüssel haben, aber ich hoffe, Kind und Mutter sind wieder beieinander (oder wollte die Mutter das Gör mal für ein paar Minuten loswerden …?)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s