Wieviel und welche Wurzeln sind zeitgemäß

Der ein oder andere wird es mitbekommen haben, dass wir in naher Zukunft in eine andere Stadt ziehen werden. Wie wohl in vielen Fällen der heutigen Zeit erfolgt auch dieser Umzug nicht auf unseren Wunsch hin, sondern weil die berufliche Situation es verlangt.

Unter den Vorzeichen des anstehenden Ortswechsels kam es im familiären und freundschaftlichen Rahmen zu Diskussionen. Auf das wesentliche reduziert ging es meist darum wieviel Flexibilität heute normal und erwünscht ist.

Verbreitet ist dabei die Ansicht, dass man heutzutage zum Wohle der finanziellen Sicherheit bereit sein muß dem Job zu folgen. Rational ist das ein starkes Argument, denn wer kann es sich leisten an einem Ort zu bleiben an dem er entweder einen wesentlich geringeren, oder gar keinen Verdienst zu erwarten hat. Insbesondere wenn nur ein Teil der Familie finanziell zum Lebensunterhalt beiträgt und dieser Lebensunterhalt aufgrund eben der familiären Situation einen gewissen Standart halten muß.

Weitergehend wurde diese Argumentation untermauert, dass darüberhinaus nicht mehr zeitgemäß sei, den Großteil seines Lebens an einem Ort zu verbringen. Vielmehr sei es in der heutigen Zeit doch obligat Flexibilität auch durch die Frequenz der Ortswechsel zu demonstrieren.

Dieser Aspekt bringt mich zu der Frage ob es denn unzeitgemäß sei an einem Ort Wurzeln zu schlagen und sich seinen Lebensmittelpunkt aufzubauen.

Wie leben in einer schnellebigen Zeit, Konsum und Erfolg scheinen (über)-lebenswichtig. Wenig erscheint noch unmöglich, Technik und Fortschritt sind die Triebkräfte die uns unentwegt weiter antreiben und zu Neuem drängen.

Tradition, Beständigkeit, und Zugehörigkeit sind Werte die immer weniger zählen.

Doch was erdet uns? Wo finden wir die Ruhe, wenn der hektische Alltag sein Tribut fordert. Wenn der Spaghat zwischen Familie und Beruf, Elternschaft und Beziehung, Individuum und Familie, Anspannung und Entspannung uns an die Grenzen bringt.

Es ist doch das Zuhause was einem Stabilität vermittelt.
Nicht nur die eigenen vier Wände, nicht nur die Menschen die mit einem Leben. Sondern viel mehr auch die Infrastruktur, das Viertel, die Menschen die einen grüßen, die Einzelhändler die einen mit Namen kennen, die Ecken die mit vielen Erinnerungen verbunden sind. Das Wissen wo man bekommt was man braucht.
Das Gefühl, wenn man nach längerer Abwesenheit wieder kommt, hier bin ich zu Hause.

Diese örtliche Vertrautheit baut sich über einen längeren Zeitraum auf, das passiert nicht in wenigen Wochen. Und je öfter man an einem anderen Ort neu anfängt desto weniger Lust und Energie hat man dafür. Gerade auch im Hinblick darauf, dass man ja bald wieder woanders sein wird.

Um mich mal klar auszudrücken, Flexibilität ist heute wichtig und ich finde das Verharren in alten Strukturen auch nicht erstrebenswert.
Aber eine gewisse Stabilität ist meiner Meinung nach unerlässlich um ein erfülltes Leben zu führen und diese Stabilität hat etwas mit Wurzeln zu tun.

Es braucht Zeit um Wurzeln zu schlagen. Wurzeln bedeuten nicht zu Stagnieren, denn wenn man irgendwo fest verwurzelt ist, dann kann man von dort aus die ganze Welt erobern. Weiß man doch, man hat einen Ort an den man zurückkehren kann.

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6 Antworten zu “Wieviel und welche Wurzeln sind zeitgemäß

  1. Ach Sibylle, da hast Du mir aus der Seele gesprochen, ich bin völlig Deiner Meinung. Es gibt aber auch Menschen die das ganz anders sehen und blöd ist es, wenn man mit so einem Menschen verheiratet ist ;o/

    Liebe Grüße und mail kommt :o)
    Anja

  2. Du hast Recht!

    LG,
    Karin

  3. Gute Frage.
    Für uns, die wir an unterschiedlichen Orten in Deutschland geboren wurden, beide in München aufwuchsen, zum Studium wegzogen, zur Arbeit zusammenzogen, um dann gemeinsam nach Hamburg zu gehen gilt: da wo unser Lebensmittelpunkt ist, wo Arbeit und Freunde sind, da sind wir zu Hause.
    Wobei die Freunde eben auch in München oder noch weiter weg leben. Das ist schön und schwer zu gleich.
    Mir persönlich gefällt Köln, sehr gute Freunde leben da, das Umland ist wunderschön, ihr lebt euch bestimmt ein. Hamburg ist schön, aber nicht alles auf der Welt.

  4. Eva, nicht nur ein wenig.
    Anja, ich bin auch mit so einem verheiratet.

  5. FLexibel? was soll das heißen? das man sich für den Job die beine ausreißt und alles muß zurückstecken… wenn man karriereseiten liest, kriegt man da anfällt, wie irgendjemand unter 45 überhaupt nur auf die Idee kommen kann, ein Haus zu bauen, ist schon hoch seltsam. Natürlich wenn man karriere machen will,… und wenn Mann die Frau im Rückenhat, die alles organisiert. So sieht´s doch wohl aus. Ich hab mal zu jemandem gesagt, dass ich aber keine Frau zu hause habe, die einkauft und bügelt – große Augen.
    Da mein neue Projekt mindestens 3 Jahre dauert, wurde mir auch die obligatorische „wechsel den ort“ frage gestellt, ich hab mich gewunden wir immer, um ja nicht unflexibel zu sein, dann kam die „sie sollten schon mindestens 3 Jahre bleiben“ Aussage, puh, Glück gehabt.
    Zu schnell-lebig, Werte, Fortschritt empfehle ich dringend „achtung – fertig – 30“ von Cornelia Mangelsdorf. Gute Ansätze, nicht nur für Frauen. Alles ist möglich ist nur eine virtuelle möglichkeit, irgendwann muss man sich entschieden, es ist besser, dies aktiv zu tun, als zu warten, was kommt. Entscheiden heißt auch verzicht. Klar kann ich theoretisch jedem trend hinterherlaufen, jedes neue Produkt testen und überall in den urlaub hinfahren… THEORETISCH.
    Das Köln jetzt sein muss ist klar, aber es sollten nicht alle 3 Jahre weitere Städte folgen, würde ich denken, aber ich klebe ja auch an der Scholle:-))

  6. Ist doch ganz egal, ob zeitgemäß oder nicht. Wer einfach zeitgemäß ist, rennt der Herde hinterher, unterliegt eben dem scheinbaren Diktat von Trend“forschern“, die das moderne Nomadentum zu einem der Trends des laufenden Jahrzehnts deklariert haben. Die Forderung nach einer Anpassung an das, was zeitgemäß ist, stellt letztlich einen Griff nach der persönlichen Entscheidungsfreiheit dar, die jeder hat.

    Sicherlich dokumentieren erfolgte Orstwechsel in der Vergangenheit im Lebenslauf den Grad von Fleibilität. Aber ich kann mir kaum vorstellen, daß ein Personalentscheider das wirklich zum Kriterium macht. Und wenn doch, dann kann man wohl davon ausgehen, daß es sich um einen Job handelt, der ungewöhnlich viele weitere Ortswechsel erfordert und man sicher sein will, daß der neue MA das auch geregelt bekommt.

    Ich kann Deinen Standpunkt total verstehen und weiß ja aus eigener Erfahrung, wie das ist. Laß dir nichts einreden. Dennoch glaube ich, daß es Euch in Köln auch gefallen wird. Die Kölner sind ein sehr nettes Völkchen.

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