Der Gatte das unbekannte Wesen

Als ich vor Jahren den GG kennenlernte, war er ein echter Norddeutscher. Geboren und aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Sein Habitus und seine Optik entsprachen auch dem gängigen Klischee dieser Gattung Mensch.
So war es auch nicht weiter verwunderlich, daß uns unser gemeinsamer Weg nach dem Studium in Deutschlands schönste Stadt führte, nach Hamburg (Okay der Arbeitsmarkt spielte auch eine Rolle).

Als sich im vergangenen Jahr abzeichnete, daß wir ins Rheinland verschleppt werden, zeigte er auch den typischen norddeutschen Vorbehalt und Skepsis gegenüber der rheinischen Kultur.

In den letzten Wochen jedoch zeichnet sich eine erschreckende Veränderung in seinem Wesen ab.
Er besuchte freiwillig und mit Freuden den hiesigen Karnevalsausstatter, mehrfach! Er erwarb für nicht wenig Geld ein Kostüm, er schaut mit Vorliebe Karnevalssendungen im Regionalprogramm und das Radio spielt ebensolche Musik.

Höhepunkte der Wesensänderung stellen bisher das Anschauen der Sendung „30 Jahre Höhner“, das textsichere Mitsingen örtlichen Liedguts, das wiederholte Aufsuchen des sog. „Zochs“ und das abendliche Losziehen im albernen Kostüm unter Konsum der als Kölsch bezeichneten bierähnlichen Flüssigkeit.

Mir war das Trinken des als Bier bezeichneten „Kölschs“ schon die ganzen Zeit suspekt.
Nun ist mir klar, es muß irgendwelche Substanzen enthalten, die aus einem normalen Menschen einen Rheinländer machen.

Hilfe, mein Gatte ist assimiliert und ich kann nichts dagegen tun.

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9 Antworten zu “Der Gatte das unbekannte Wesen

  1. da simmer dabei, dat is prieeehmaaa…

  2. Du hast mein absolutes Mitgefühl! Zwar ist der Meinige nur ein Sauerland-Import, aber auch er mutiert gelegentlich zum Jeck. Wobei ich aufgrund von Parallelität der Assimilation in Bonn und Aachen die Ursache nicht im Bier-Ersatzstoff namens Kölsch vermuten würde, sondern eher auf Tröpfchen-Infektion durch bereits infizierte Kolleg(inn)en tippe.

    Ich kann nur sagen: Alles hat ein Ende, zum Glück auch Karneval!!!

    LG, Inga

  3. Ich tippe auf eine gefährliche und noch nicht identifiziete Mutante der Vögelgrippe! Obacht!

  4. Gab es da nicht mal diesen wunderbaren Spruch zur kulturellen Assimilation? When in Rome, do as the Romans do … ;-))

  5. Ich komme auch aus einer Karnevalshochburg und leide seit Jahren still vor mich, dass ich nicht so kann wie ich gerne würde!
    Und zur Krönung habe ich noch eine Tochter bekommen, die Angst vor verkleideten (erwachsenen) Leuten im Rudel hat …

  6. Och , für ein paar Feiertage mehr im Jahr nimmt man das Jeckentum doch gerne hin, oder?
    Als ich in meiner kölschen Zeit erlebt habe, mit wieviel Hingabe, Spass und Freizeitopfer der Karneval dort betrieben wird, hat sich meine Einstellung dazu ziemlich verändert :-).

  7. Ich hatte gerade ein Seminar zu Arbetisrecht udn Mitbestimmung, der Vortragende ist aus Köln und leidet heute sehr. Es gab zahlreiche Beispiele, was alles unter „Brauchtumspflege“ fällt und im Bereich köln deshalb nicht zu Strafverfahren oder Kündigung führt (150?-Schlipsabschneiden durch die Betriebsratsvorsitzende beim amerikanischen unbedarften Vorstandsmitglied z.B.)… sehr nett.

  8. Er ist offentsichtlich verloren. Jetzt gilt es Deine Kinder zu schützen! 🙂

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