Gedankensplitter anläßlich einer Beisetzung

– Es ist seltsam, wenn man bei Beisetzungen auf einmal in der ersten Reihe sitzt und man eine der Personen ist, der kondoliert wird.

– Das Sitzen in der ersten Reihe und das Bekunden der Kondolenz einem selbst gegenüber führt dazu, daß man wie auf dem Präsentierteller sitzt und einem kaum Raum bleibt selber zu Trauern und Abschied zu nehmen.

– Man kommt in das Alter in dem man über den Erwerb wasserfester Wimperntusche nachdenken sollte.

– Es gefällt mir nicht, daß es zum Erwachsen werden gehört, plötzlich mitverantwortlich für das Ausrichten von Trauerfeiern zu sein, bzw. den Nachlaß zu ordnen, da es auch bedeutet, daß der oder die zu verabschiedende einem immer engeren Kreis angehört. Oder kurz gesagt, im fortschreitenden Alter muß man die Realität leben, daß die Eltern nicht für immer da sein werden.

– Man kann noch so gefaßt sein und seine Rolle als Angehörige gegenüber den Teilnehmern der Trauerfeier wahren. Kommt aber eine halbwüchsige, ehemalige Schülerin des Verstorbenen zu spät zur Zeremonie und steht verloren mit einer Blume in der Hand vor einem und bricht auf Ansprache in Tränen aus und verläßt fluchtartig den Friedhof, dann ist die eigenen Fassung komplett im Eimer.

– Warum kann man in solchen Situationen nicht schneller reagiern und dieser Schülerin ein wenig Trost spenden, ihr ihre Verwirrung nehmen.

– Wie erklärt man seiner Tochter den Tod, wenn man selber Probleme hat ihn zu verstehen und zu akzeptieren und die Tochter noch keine drei Jahre alt ist.

– Warum kommt der Tod immer unpassend und zu früh. Und auch wenn es auf diese Frage keine Antwort gibt, wie geht man mit dieser Realität um.

– Wird die Wertschätzung des verstorbenen Menschen durch die Größe des Kranzes, des Gesteckes oder die Ausrichtung der Beisetzung ausgedrückt.

– Nach einer Trauerfeier das blühende Leben in Form der energiegeladenen Tochter in die Arme zu schließen ist unglaublich schön.

Bevor es nun zu Mißverständnissen kommt, meine Eltern leben noch, doch leider mußten wir von meinem Schwiegervater Abschied nehmen.
Und in seinen Worten:

„Jo, schön, Tschüß“

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Eine Antwort zu “Gedankensplitter anläßlich einer Beisetzung

  1. Ich hab noch keine Karte geschickt – tut mir leid.
    Was die Tocher angeht: je früher sie mit sowas konfrontiert wird, desto besser, auch der Tod gehört dazu. Am Anfang können sie es zwar noch nicht so richtig verstehen, aber es gehört zumindest dazu. Eine Trauerfeier ist da ne gute Sache. ich hab damals zwar nciht verstanden, warum alle heulen, aber mein Opa hat im Sarg total zufrieden ausgesehen (nach Wochen auf der Intensivstation haben die Leute vom Beerdigungsinstitut das sehr gut gemacht) das war mein letzter Eindruck, ich war fünf und ich denke, das hat meinen Umgang mit dem Tod stark geprägt.
    Oh ja, Dinge Ordnen und Wohnungen/Häuser auf/ausräumen ist wahrlich eine schwere Sache. Vielleicht findet jeder von euch irgendeine Kleinigkeit, Alltagsdinge, zum Aufheben, etwas was man selbst einfach weiterbenutzt, das ist auf lange Sicht gesehen ein sehr schöne Erinnerung, beser als etwas, dass verpackt in Kartons ausharrt. Ich hab den kleinen Metallschuhanzieher vom Goslarer Opa…

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