Trend verpennt?

Letztens las ich bei Jinx, einen Artikel, der mir so oder so ähnlich auch schon lange durch den Kopf spukte.

Es ging um das magenlhafte Angebot an Strickliteratur im deutschsprachigen Raum.
Ich weiß nicht in wievielen großen oder kleinen Städten ich eine Buchhandlung aufsuchte und mir einen Überblick über deren Strickbücher zu verschaffen. Oft auch in der Hoffnung etwas interessantes zu finden. Wenn es einmal etwas interessantes gab, war es meist eine angloamerikanische Publikation. Wie Jinx schon ausführte, wird einem von den deutschen Verlagen meist nur etwas zum Thema Socken, Anleitungen mit schnellen Ergebnissen oder Babybekleidung geboten.
Wer etwas anspruchsvolleres an Mustern, Schnitten etc. sucht wird enttäuscht oder findet vereinzelt eine Übersetzung aus dem Englischen.

Jetzt ging durch die Blogs, daß die Zeitschrift Verena aus dem Hause Burda eingestellt wird.
Da die Meldungen aus den Blogs und auch die Pressemeldung von Burda für mich unklar waren, fragte ich nach und die Einstellung wurde mir bestätigt.

Ich kenne die Verena schon lange, bestimmt bald 20 Jahre. Ich erinnere noch, daß ich sie damals als Schülerin monatlich erwerben konnte und dies auch oft tat. Als der große Strickboom der achtziger und neunziger Jahre vorbei war, erschien sie plötzlich nur noch vier mal im Jahr.
Mich störte das nicht, da ich in der Zeit mein Strickverhalten änderte, sprich nur noch wenig strickte.

Nach dem Eintritt der Tochter in den Kindergarten erwachte mein Strickinteresse wieder und anstatt ein bis zwei Sachen im Jahr zu stricken, entdeckte ich die bunte Welt der Strickblogs im In- und Ausland.

Um neue Inspirationen zu bekommen und nicht immer nur das „teure Zeug“ aus den USA und GB kaufen zu müssen, widmete ich auch den deutschen Magazinen zum Thema Stricken wieder mehr Aufmerksamkeit.

Nachdem ich aber sah, was an Schnitten, Inspiration, Materialien und Ideen in Übersee möglich ist, erschienen mir Magazine wie Verena und Co einfach piefig und viel der Modelle nicht tragbar.
Dicke Garne für schnelle Ergebnisse angewandt auf sackartige Schnitte?, futuristisch anmutende Modelle, die eher alltagsuntauglich sind? Efektgarne, die an Plüschtiere und Flokatis erinnern? Nein dafür mußte ich mein Geld nicht ausgeben. (Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß auch tragbare Modelle dazwischen auftauchten, aber ein zwei Modelle allein rechtfertigten für mich nicht die Anschaffung des Magazins.)

Nun also die Einstellung, da die Absatzzahlen und damit der Umsatz nicht stimmten.
Und obwohl ich kein Fan der Verena bin, macht es mich ein wenig traurig. Zum einen, da ich sie schon ewig kenne, zum anderen weil sie trotz aller Kritik neben den nicht zu erwähnenden Blättern, die sich als Strickzeitschriften verkaufen, immer noch die beste Alternative war.

Wie Jinx auch in ihrem Artikel ausführt, ergibt die Suche zum Thema Stricken im Internet unzählige Artikel. Ich bin mir nicht sicher, ob die „Szene“ der Strickblogger in D ähnlich groß ist wie in den USA, ich wage es zu bezweifeln, aber es ist eine nicht zu vernachlässigende Größe.

Ein großer Teil dieser Strickerinnen ist sehr qualitätsbewußt, strickt gerne mit hochwertigen Garnen und bevorzugt interessante, anspruchsvolle Anleitungen. Dieses wird ihnen auf dem deutschen Markt nicht geboten. So sieht man wie dieser potentielle Markt sich im Ausland bedient und dem deutschen Angebot den Rücken kehrt.

Eine Sondierung des Marktes, eine Umgestaltung des Magazines, zugeschnitten auf das Interesse der derzeitigen Strickgeneration hätten zu positiven Ergebnissen führen können.
Da dies so nicht geschah und man nun aus obigen Gründen das Magazin einstellt, bleibt nur zu sagen, Trend verpennt.

Jetzt bleiben als erwähnenswerte Magazine nur noch die Rebecca und Filati/Handstrick auf dem deutschen Markt. Beide Publikationen eines Garnherstellers und dementsprechend enthalten die Ausgaben jeweils Modelle aus den hauseigenen Garnen.
Besonders spannend sind diese meist nicht. Es werden die saisonal anfallenden neuen Garne verwendet, bei Lana Grossa gerne auch Schnellstrickgarne, die Schnitte und Modelle sind entweder nicht wirklich neu oder uninteressant oder schlicht und einfach nicht tragbar.
GGH scheint mit der Rebecca ein jugendliches Publikum gewinnen zu wollen, zu dem ich mich, gemessen an den präsentierten Modellen, mit 35 nicht mehr zähle. Es fehlt einfach an klassischem Schick oder Garnen die eine Qualität aufweisen, die mich reizt.

Ich habe damals in Hamburg mit einer Inhaberin eines Wollgeschäftes auf die Flaute auf dem deutschen Strickmarkt gesprochen. Sie sagte mir, daß auch sie enttäuscht sei, von dem was angeboten wird, von der nachlassenden Qualität der Garne und vorallem vor den ewig gleichen Modellen. Sie sagte mir auch, daß die Hersteller keine Anstalten machen, irgendwas zu ändern, daß sie sich taub und blind stellen was die Trends angeht, die von Übersee herschwappen. Der neu ausgebrochene Strickboom (auch wenn er nicht mehr die Ausmaße der achtziger Jahre und selbigen Öko-charme hat) wird schlicht und einfach ignoriert.

Ich denke, es wird immer noch genug Stricker geben, die nicht teuer Übersee einkaufen wollen und mit den angebotenen Garnen einfach zufrieden sind. Daher wird es Absätze geben und die Hersteller können ihre anachronistische Geschäftspolitik weiterführen.

Das Publikum aber, daß gewillt und in der Lage ist, hochwertige Garne, Anleitungen und Zubehör zu erwerben, daß bereit ist, dafür mehr Geld auszugeben, daß wird sich weiterhin und vermehrt am angloamerikanischen Markt orientieren und bedienen.
Nicht weiter ausgeführt aber nicht zu vernachlässigen ist auch das Angebot im Internet, welches zum Teil kostenfrei oder für kleine Beträge nutzbar ist.

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4 Antworten zu “Trend verpennt?

  1. tja… was soll man da noch sagen, gell. ich hab heute schon mal bei heidis sockenparade einen kommentar zu dem thema hinterlassen und kann dir nur zustimmen.

    eine sache allerdings fällt mir auf, wenn es um deutsche/amerikanische strickblogs geht: die meisten deutschen blogs (und nein, ich bin nicht so arrogant mein eigenes blog auszunehmen, auch wenn ich dich nicht automatisch EINnehmen will ;o) sind genauso bieder, langweilig und auf schlechte hausfrauenart gemacht wie die meisten zeitschriften – im gegensatz zu vielen irrsinnig kreativen, liebevoll gestalteten, wunderschönen englischen/französischen/spanischen blogs. was die deutschen blogs und deutsche (strick-)zeitschriften angeht: was war nun zuerst da, die henne oder das ei?

    ich werd noch ein bisschen darüber nachdenken.

    viele grüsse, silke

  2. tja, sayonara verena! trauern tu ich nicht um sie, aber wie du schon sagst: adäquater ersatz ist weit und breit nicht in sicht!
    ich bin mir nicht ganz sicher, ob du und jinx recht haben, wenn ihr meint, die deutschen hersteller verschlafen einen trend. wieviel deutsche strickblogger gibt es denn? sind die denn wirklich repräsentativ für die deutsche käuferin von garnen? ich hab da so meine zweifel.
    ein fachmagazin auf den markt zu bringen ist mit hohen kosten verbunden – und wenn selbst die verena, hinter der ein verlag wie burda steht – nicht genug käuferinnen findet…tja. ich denke, dass es zwar viele strickerInnen in d gibt, die das angebot im ausland schätz, aber ich vermute, es ist eine minderheit unter allen deutschen wollkundinnen.
    davon abgesehen: in gb sieht es so viel besser auch nicht aus. die haben natürlich rowan und debbie bliss, aber danach kommen nur noch sirdar und ein wenig paton\’s und das wars! die beiden monatlichen strickzeitschriften sind auch eher unterirdisch.
    in skandinavien ist die situation ähnlich wie in d.
    es sind die usa, in denen es heiss zu geht: unendlich auswahl an garnen, büchern, die beiden großen zeitschriften vogue und ik. die szene ist unglaublich: ca. 40 strickbücher kommen da allein im nächsten halben jahr auf den markt. mittlerweile gehört es sogar unter den amerikanischen strickbloggerinnen zum guten ton, ein buch herauszubringen (alison vom blue blog ist die nächste mit einem harry-potter-knits).
    im grunde dürfen wir uns aber nicht zu gar zu sehr beschweren, den immerhin haben wir dank internet/amazon/paypal ect. die möglichkeit, fast jedes gewünschte garn/buch weltweit zu kaufen.
    jaja, mal sehen wie sich das noch noch entwickelt….
    lg, sab

  3. ….tja, es ist einerseits bezeichnend, dass die verena eingestellt wird, aber andererseits auch traurig. ich muss sagen, das ein oder andere heft habe ich gekauft. es waren schon ganz schöne werke dabei. auch wenn ich mir z.b. rowan nr 39 angucke: ganz ehrlich? grottig! hat mir NULL gefallen, firlefanz auf modisch getrimmt. ok, ein paar dinge waren dabei. aber nr 40 hat mich dann wieder überzeugt. und die vorschau von nr 41 auch *sabber* ich warte….
    naja, der deutsche markt ist eben piefig. so ist es eben. und wird es eben bleiben.
    ich sehe auch so wie sab- was kostet die welt??!! ;o))
    lg eva

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