Wir sind unerwünscht – We are unwanted

Diese Erkenntnis drängt sich mir mehr und mehr auf im Zuge der Wohnungssuche.

Wie schonmal geschrieben sind wir eigentlich ein durchschnittliches Ehepaar mit zwei Kindern und zwei Katzen. Unseren Bildungsstand und unser Einkommen darf man eher als gehoben ansehen, unser Benehmen und die Sozialverträglichkeit befinden sich im durchschnittlichen angemessenen Rahmen, ebenso wie unser Äußeres.

Erwähnen wir die unterschiedlichen Nachnamen, dann kann es trotz der Versicherung man sei verheiratet schonmal zu einer hochgezogenen Augenbraue kommen.
Führen wir die Kinder an, werden daraus auch gerne zwei hochgezogene Augenbrauen.

Kinderfreundlich ist Deutschland natürlich, daher kann kein Vermieter offen sagen, daß Kinder eigentlich ein Störfaktor sind, genauso wie er nicht darauf hinweisen kann, daß es ihn stört, daß wir nur einen Verdiener in der Familie haben.
Erwähne ich auf Nachfrage (und nur noch dann), daß ich fast fertige Volljuristin bin, sind wir schon so gut wie ausgemustert.
Den endgültigen Abschuß erfahren wir dann, wenn wir die Katzen wahrheitsgemäß angeben.

Schönen Dank liebe Vermieter. Aber, daß wir ein Einkommen haben das unverheiratete Paare meist nur gemeinsam aufbringen und diese sich schneller und öfter trennen, daß ist euch egal. Wir sind in gewisser Weise etabliert und planen gerade auch wegen der Kinder langfristiger.

Denn genau diese Zielgruppe ist es, die den rar vorhandenen Mietraum in unser benötigten Größe und bevorzugter Lage im Zweifel zugesprochen bekommt.
Als ich gestern in „unserem“ Viertel einen Aushang sah, daß ein Paar vier Zimmer mit mindestens 100 qm Wohnraum sucht, da konnte ich nur noch kotzen.

Wozu braucht man zu zweit vier Zimmer? Nach deren Berufsbezeichnungen waren die noch eher am Anfang der Karriere. Haben die Leute heute keine Bescheidenheit mehr? Erinnert sich noch jemand wie die meisten unserer Eltern angefangen haben? Muß man sofort das volle Programm haben um auch repräsentabel zu sein?

Dürfen Familien mit Kindern nur noch an den Stadtrand, in diese Reihenhausghettos. Damit man ja niemanden mit Kinderlärm und ähnlichem belästigt.
Ist mein Wunsch citynah zu wohnen, nicht in allem auf den ÖPNV (der durchaus nicht überall Kinderwagenfreundlich ist) angewiesen zu sein so vermessen.
Habe ich als Mutter mit zwei Kindern, gefälligst den inneren Stadtraum dem hippen urbanen Pärchen aus Wanne Eickel, daß auch mal in der Großstadt leben möchte, frei zu machen?
Ach ich vergaß, es gibt durchaus Paare mit Kind, die erwünscht sind, diese Paare die ein Kind als Accessoir halten, das behängt mit Designerklamotten brav und mundtot an der Hand der Eltern hängt, möglichst eine Vollzeitkinderfrau hat und tagsüber alle möglichen Förderungseinrichtungen besucht, damit es nicht nervt und lärmt.

Sorry, dazu gehören wir nicht, meine Kinder sind lebendig, laufen auch mal dreckig rum, machen den üblichen Lärm und sind eher an unserer Seite als an der Hand einer Kinderfrau zu finden.

Wir sind inzwischen so weit, daß wir auch mit 3,5 Zimmern zufrieden wären, wenn der Schnitt der Räume gut ist, aber auch das ist selten.
Wir sind weiterhin gewillt einem dieser gierigen Drachen, sprich Makler, Geld in den Rachen zu werfen, nur, damit er uns die Adresse vermittelt und einen Vertrag überreicht.
Doch auch diese Zugeständnisse machen uns nicht wünschenswerter.

Katzen erschießen und Kinder weg geben kommt nicht in Frage, also werden wir weiter das Unmögliche versuchen und wie heißt es so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dear english readers this article is about the impossible search for a decent appartement when you have kids and cats and only one income. It is full of emotions and somehow evil and describes a bit the typical situation in Hamburg while searching an appartement.

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13 Antworten zu “Wir sind unerwünscht – We are unwanted

  1. ok – es kotzt dich an – aber: du hast nicht ernsthaft gedacht, dass es gelingt, DIE Wohnung (Größe, Lage, Ausstattung, Preis) innerhalb von wenigen Wochen zu finden – oder?
    Wir haben in BS dafür 1/2jahr gebraucht ohne kind,katze etc.

    Und um dich mal wieder runter zu holen:
    Leute ohne kinder haben das gleiche nirgends verbriefte Recht auf die perfekte Wohnung wie du. Ob wanneeickel oder göttingen, ward ihr nicht genau die sorte Leute, denen du jetzt die wohnung nicht gönnst, als ihr das letzte = erste mal zusammen nach HH in die hippe ecke gezogen seid??;-)) und war es nicht damals auch schon schwierig…

    An Juristen (wenige wissen, was ein volljurist ist – nehme ich mal an) und Lehrer vermietet man nicht 🙂 das gibt nur Ärger. Juristen, die auch noch zu hause sind haben ja möglicherweise zu viel zeit (lehrer auch). Da hält man doch als vermieter abstand.
    Sag doch du bist Tischlerin – keine Lüge – und später werden sie euch nicht rauswerfen, wenn sie Wind vom Jura bekommen.

    Du versuchst doch hoffentlcih keinem zu erklären, was dein mann arbeitet:-) da denkt doch jeder sofort an den niedergang des neuen Marktes, überbewertete Aktien und rausgeflogene Programmierer… und son internetzeug – eh gaanz verdächtig.

    *Und duck und wech*:-))

  2. Huhu Bille,

    lange nicht hier geschrieben, trotz Weiterhin-Dauer-Mitlesens. Aber hier kann ich meine Finger jetzt mal nicht still halten ;).

    Deinen Unmut kann ich zum einen nur zu gut nachvollziehen. Wir haben endlich eine größere Wohnung in unserer bevorzugten Lage gefunden – nach schlappen *_anderthalb_* Jahren Suche. Und wir haben bislang \“nur\“ zwei Katzen als \“Makel\“… Wie oft habe ich gelesen: \“an nichtrauchendes Ehepaar mittleren Alters. Keine Kinder, keine Tiere!\“

    Andererseits kann ich Deine Missgunst [Stichwort kotzen ;-)] nicht nachvollziehen und mich Rinas diesbezüglichen Zeilen nur von Herzen anschließen.

    Darüber hinaus soll es durchaus Paare geben, die eine Wohnung in den beschriebenen Größenordnungen suchen, weil sie in absehbarer Zeit eine Familie gründen wollen.

    Noch aus dem gleichen Bundesland lieb grüßend, Carola

  3. Ich dachte auch gerade daran, dass viele Vermieter Vorbehalte gegenüber Vertretern des Neuen Marktes haben – dieses Problem hatten wir auch lange, als wir nach einer Wohnung gesucht haben. Als wir dann eine hatten, haben wir dem Vermieter das Internet erklärt – und als Berufsbezeichnung stand danach im Mietvertrag \“Webbrowser\“ 😉 …
    Ich drück die Daumen für die Wohnungssuche!

  4. Ich kann Euren Frust total verstehen. Und auch das Bedürfnis, darüber einfach mal abzukotzen. Manchmal soll da ja helfen, und sei es nur gegen die eigene Wut.

    Wenn Ihr Euch um die nächsten Wohnungen als ambitioniertes Paar, er Techniker, sie Tischlerin, \“no cats no kids\“ bewerben wollt, bringt die Kinder einfach in unsere 85 qm kinderfreundliches Deutschland :-). Ich drück Dich mal!

  5. Tja. Für Geld kann man eben nicht alles kaufen.

    Ich würd weder an Juristen vermieten, noch an jemanden mit 2 Katzen.

    So ist das eben.

  6. und ich glaube, ich würde bei leuten wie dir nicht wohnen wollen, petra.

    so ist das eben. kannst bestimmt nichts dafür, so bist du eben. das mit den geistigen gaben ist oft ungerecht. immerhin kannst du schon in blogs kommentieren und hast eine email-adresse, aber das dürfte auch einiges an anstrengung gekostet haben, oder petra?

  7. heheee – jeder so wie er meint – gell. an wen man vermietet hat wohl mehr mit Einstellung, persönlicher Erfahrung und dem in Hamburg sicher überreichen Angebot zu tun – weniger mit der \“angenommenen\“ Menge an intaktem Hirnschmalz.

    Der \“Hamburger Vermieter an sich\“ muss sicher die Sozielkomponente nur bedenken, wenn die Wohnung echt in einer Scheißlage ist oder alle anderen Mieter eh schon nerven… das ist die Macht des Kapitals – mal nebenbei:-)

    Ich würde auch an DINKs ab Mitte 40 vermieten, wenn ich mich um das Haus sonst nicht kümmern will… Ihr vermutlich auch.

  8. @ Nico: Nur dass du in dem Fall nicht die Wahl hättest, sondern ich als Vermieter. Manche sitzen halt auf dem höheren Ross, andere manchmal am längeren Hebel *smile*

  9. Pfui Petra, da isses wieder: das widerlich kinderfeindliche Deutschland.
    Das hässliche Gesicht einer frustrierten Frau wird sichtbar.
    Hast Du Kinder? Oder ist Deine Wohnung Dein Kind.
    Schade, wenn man nichts anderes kann als Gift zu verspritzen bei Personen, die es gerade schwer haben.
    Schonmal drüber nachgedacht, dass solche Sprüche ganz schön weh tun können?
    Ne, für Geld kann man irklich nicht alles kaufen. Feingefühl anscheinend auch nicht.
    Gruss, Eva, selbst Eigentümerin

  10. @ Eva: Ich habe KEIN einziges Wort gegen Kinder bzw. Familien verloren.

    Einfach ab und zu mal Brille und Bildschirm putzen.

  11. Petra, menschenfeindlich = auch gleich kinderfeindlich

  12. @ Eva: Wenn man höchstens bis zur Nasenspitze denkt, mag das so scheinen. Viel Glück bei der Loftsuche 🙂

    Jaja, die bösen Vermieter *seufz*. Mich persönlich wundert die Erfolglosigkeit nach Nicos arrogantem Kommentar nicht wirklich. Aber Jeder wie er will.

  13. *gäääähn*

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