Der Weg

Als Kleinkind war irgendwann klar, es kommt bald der Kindergarten. Anschließend folgte die Aufregung und Vorfreude auf die Grundschule. Grundschule zu beenden bedeutete damals, daß man zwei Jahre Orientierungsstufe vor sich hatte. Die Orientierungsstufe war fürchterlich und genau in diese Zeit fiel die Trennung meiner Eltern, was man auch an den Leistungen ablesen konnte. Somit war nach der Orientierungsstufe die Empfehlung mich auf die Realschule zu melden. Widerwillig und der Überzeugung der Eltern folgend saß ich meine vier Jahre dort ab. In den letzten zwei Jahren dort wurde mir klar, daß der vorgezeichnete Weg, Ausbildung, Beruf nicht der meine sein sollte und somit zog ich in den letzten Monaten alle Register um den erweiterten Abschluß zu erreichen. Da mir dies, auch mittels erfolgreichen Bequatschen eines Lehrers gelang konnte ich mich nach Erhalt des Entlassungszeugnisses am Gymnasium anmelden (lassen). Dort fühlte ich mich endlich angekommen, war monatelang stolz wenn ich morgens das Gebäude betrat welches das Schild Gymnasium trug. Die erste große verzweifelte Liebe ließ mich eine Stufe wiederhole, aber nicht das Ziel das Abitur zu erreichen aus den Augen verlieren. Somit hielt ich nach vier Jahren stolz die allgemeine Hochschulreife in den Händen. Mir war absolut klar, daß ich noch studieren wollte. Väterliches Vetrauen in meine Fähigkeiten führe dazu, daß ich erstmal was reelles lernen sollte, fals das mit Studieren nicht klappt. Also machte ich eine Ausbildung zur Tischlerin, mit die härtesten und tränenreichsten zwei Jahre in meinem jungen Leben. Mit bestandener Prüfung fuhr ich unter Tränen heim und wußte, der Weg zur Universität ist frei. Als kurze Zeit später die Zulassung zur Wunschuni im gewünschten Studienfach eintraf war alles perfekt. Leicht hatte ich mir die Entscheidung des Studienfachs nicht gemacht, nach der Enttäuschung der Lehre wollte ich bewußter wählen. Abgesehen davon, daß die elterliche Vorgabe war, daß ein Fachwechsel zur Einstellung der Unterhaltungszahlungen führen würde. Ich bin heute noch dem Berater an der Universität dankbar, daß er mich in die richtung Rechtswissenschaften gestubst hat.

Semester für Semester war klar, was an dessen Ende zu Erreichen war, brav brachte ich die geforderten Scheine heim und füllte mein Studienbuch fleißig. Kurz vor den letzten Scheinen gab es einen tiefen Einschnitt für mich und trotzdem war klar, der nächste Schritt ist das Examen. Ein wenig taumelig von dem Einschnitt brauchte es zwei Anläufe um das Examen zu bestehen. Der Weg für de nächsten Schritt, das Referendariat war frei.

Als man sich nach 8 Monaten herabließ mir den Platz für das Referendariat zu geben ging der Weg weiter. Auf in die schönste Stadt der Welt. Ein wenig holperig war der Weg dort anfänglich schon. Was eine richtige Diva ist, läßt einen nicht einfach ankommen.

Dann schlich sich eine Mitreisende ein, auf diesem Weg, zwang mich kurz vor dem Examen dazu ein wenig zu pausieren um anschließend eine Nebenstrecke einzuschlagen. Kurz vor Ende dieser Nebenstrecke als ich wieder sicheren Schrittes meine Weg im Auge hatte zwang mich das Familieneinkommen in eine komplett gegenteilige Richtung und ein weitere kleiner MItreisender kam dazu. Das war der Punkt an dem ich ein wenig meinen Weg aus den Augen verlor. Es war klar daß das Ziel das Examen sein sollte doch mit rechts und links einem kleinen Menschen an der Hand kommt man nich so schnell vorwärts. Als der nun gemeinsame Weg letztendlich zumindest zurück in die schönste Stadt der Welt führte, blieben noch die kleinen Menschen an meiner Hand die ihre eigenen kleinen Wege fordern. Dem Manne und den Kindern ein wenig Zeit abgerungen schaffte ich es kurzzeitig zurück auf meinen Weg und machte das Examen. Doch mit dem Gepäck Familie ist man nicht mehr frei seinen weiteren Weg frei zu wählen und so stehe ich nun das erste mal in meinem Leben da und weiß nicht so genau wohin der der Weg führt.  Alle Wege führen am Ende zur Endlichkeit, doch bevor man diese erreicht hätte ich gerne noch einige Ziele als Zwischenstation, nur wie die aussehen ist mir so gar nicht klar, denn den Weg bestimme nicht mehr ich und so schwimme ich und versuche zwischen der Karriere des Mannes und den Bedürfnissen der Kinder zumindest einen kleinen Trampelpfad zu finden, der mich zurück zu meinem Weg führt ohne, daß man ständig an mir zerrt und ohne die anderen aus den Augen zu verlieren.

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5 Antworten zu “Der Weg

  1. Der letzte Satz, der berührt mich sehr, weil ich ihn so gut nachfühlen kann… Aber ich bin mir sicher, dass du deinen Pfad finden wirst

  2. Ich bin der Überzeugung, dass man sich im hier und jetzt lieben muss um den Weg unbeschadet zu gehen! Der Weg ist das Ziel! Zielsetzungen haben mir in den letzten Jahren immer wieder das Genick gebrochen emotional und so versuche ich mich immer wieder auf das Hier und Jetzt zu besinnen und vertraue darauf, das ich ohne feste Zielsetzung zufriedener leben kann!

    Wäre das für Dich auch eine Alternative?

    LG
    Isabelle

  3. Ganztagsschulen und verlässlicher Unterricht sind eine tolle Erfindung und in absehbarere Zeit zu nutzen.
    Auf lange Sicht ist „was Eigenes“, das mehr ist als ein Jodeldiplom in grauer Vorzeit auf jeden Fall besser für das allgemeine Wohlbefinden. Oft begangene Pfade wachsen nicht zu und können erweitert werden. GEH LOS!
    lg

  4. Pingback: Trip down Memory Lane – Auf der Suche nach dem Ich -Teil 1 « Gestern, Morgen und Heute

  5. Oh wie wahr – insbesondere das mit den Kindern rechts und links. Man muss wirklich alle Kraft zusammennehmen um den Weg (oder was man glaubt dass er wäre) nich taus den Augen zu verlieren – auch als Paar…

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