Die Pflanze

Als ich noch recht klein war, besuchten wir mit ziemlicher Regelmäßigkeit meine Großmutter in Hessen. Mit zunehmenden Alter schätze ich meine Oma mehr und mehr. Sie war eher der spröde Typ und nicht wie meine andere die Geschenkoma. Dafür hatte sie einen unerschütterlichen Glauben und konnte beeindruckende Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Zu den Erinnerungen an meine Oma Lisbeth gehört auch das Essen bei ihr, es schmeckte immer toll. Am tiefsten in der Erinnerung blieb mir ihr Schmandkuchen den niemand so gut hinbekommt. Diesen gab es oft wenn wir zu Besuch waren, dabei saß ich immer auf dem Sofa (Welches inzwischen hier bei mir steht und auf dem ich gerade sitze)in der Mitte meiner Eltern und trank wie Oma Caro-Kaffee, meiner aus einem großen roten Kunststoffbecher mit einer schwarzen Katze drauf.

Neben diesem Wohn-/Eßzimmer gab es noch das gute Wohnzimmer, welches sich an das erste anschloß. In diesem guten Wohnzimmer pflegte ich Stunden auf dem Boden zu liegen um zu spielen oder später Bücher zu „verschlingen. Die Außenwand dieses Zimmers hatte ein riesiges Fenster in dessen Fensterbank Unmengen von Zimmerpflanzen standen.

Am meisten beeindruckten mich die sogenannten Porzellanblumen, die während der Blüte süßen Nektar tropfen ließen, den ich gerne mit dem Finger auffing und ableckte.

Jahrelang schaute ich immer mal wieder nach so einer Pflanze und wurde nicht fündig. Im Studium dann, hatte eine mir wichtige Person so eine Pflanze. Es brauchte drei Versuche bis ich einen Ableger heile nach Hause bekam, bzw dieser nicht meinem schwarzen Daumen zum Opfer fiel.

Erstaunlicherweise lebt sie immer noch und ist für mich  meine Herzenspflanze. Seit ich sie besitze war jede unerwartete Blüte (und diese waren selten) ein gutes Zeichen. Für eine Veränderung, für das Eintreten eines schönen Ereignisses.

Lange hat diese Pflanze nicht mehr geblüht. Bei unserem Umzug zurück nach Hamburg habe ich einen Teil der Pflanze abgeschnitten und es tatsächlich geschafft eine neue daraus zu erhalten. Beide leben friedlich nebeneinander in der Fensterbank unserer Küche.

Am Tag nach meinem bestandenen Examen stellte ich fest, daß sich eine Blüte entwickelt. Ich sags ja, Zeichen.

Ich schaffte es nicht diese zu fotografieren, erst war ich zu doof, dann war sie verblüht. Es stellte sich auch keine der erwarteten Veränderungen ein und weiterhin mußte ich feststellen, daß die Blüte nicht von der Mutterpflanze stammt sondern dem Ableger.

Vor einigen Tagen durfte ich mit großer Freude sehen, dass sich eine zweite Blüte an dem Ableger entwickelt und diesmal hab ich es auch geschafft die Knospen abzulichten.

wachsblume

Ich bin gespannt was passiert, diesmal nehme ich die Angelegenheiten zusätzlich selber in die Hand, so zur Sicherheit.

Disclaimer: Nein ich bin keine schrullige abergläubische Alte, aber bei meiner Wachsblume mache ich eine kleine augenzwinkernde Ausnahme.

Advertisements

3 Antworten zu “Die Pflanze

  1. Pingback: Verluste und Metamorphose « Gestern, Morgen und Heute

  2. Pingback: Die Pflanze II « Gestern, Morgen und Heute

  3. Wunderschön! Ich mag diese Blumen genauso gern. Nur bei mir blühen sie jährlich auch mehrmals. An sich dankbare Blüher.
    Nicht zu viel gießen, nicht zu warm und gar nicht oft umtopfen. Das ist meine Erfahrung, so scheinen sie es am liebsten zu haben.

    Diesen Blog über einen anderen aus meiner Nähe gefunden.

    Viele Grüße
    Mary

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s