Mama sagt mal was zu Vodafone

Es ist soweit, ich mag nicht mehr still im Hintergrund bleiben, ich bin einfach zu wütend.

Als Angehörige eines derjenigen, die für die neue Vodafone-Kampagne zuständig ist, wollte ich mich zumindest hier in meinem ganz persönlichen Blog nicht mit dem beschäftigen was da gerade passiert. Die Rolle die die Auswirkungen der Kampagne in meinem analogen Leben haben sollte nicht auf meine Spielwiese übergreifen.

Aber wenn ich sehe was hier in diesem unser allen Internet gerade passiert denke ich, ich möchte dazu doch was sagen und wenn nicht hier wo dann.

Kommunikation im Internet betreibe ich seit zwölf Jahren, Waren es der IRC, die Newsgroups, Boards oder einfach nur Email damals, sind es heute eher Twitter und Blogs über die für mich Kommunikation stattfindet. (Email natürlich auch noch.)

Schon damals war ziemlich schnell klar, wer ins Internet geht, wird ein Stück öffentlich. Wie sehr man sich veröffentlichen lässt kann man zum Teil selber bestimmen. Nicht immer bestimmen kann man die Gegenüber.

Schon vor zwölf Jahren waren eine Menge Menschen im Netz unterwegs, die den Bildschirm im wahrsten Sinne des Wortes als Schirm benutzen. Abschirmen gegen jede Form der respektvollen Kommunikation, abschirmen gegen jede Regel des menschlichen Zusammenseins. Du siehst mich nicht, also benehme ich mich wie ich will.

Schlimmer noch, nicht nur wurden alle Grundsätze einer guten Kinderstube fallen gelassen, man fühlte ich auch noch unglaublich wichtig dabei, denn man war ja ein Teil der „Online-Elite“.

Die Zeit verging und das Internet etablierte sich mehr und mehr als Massenmedium. Fast jeder der einen Stecker in die Dose stecken und online buchstabieren kann, darf nun daran teilhaben. Schön, gefällt mir, Entertainment und Information für alle, super.

Nun haben wir Web 2.0 jeder darf mitmachen, der einfache Konsument ist nun auch der Produzent der Inhalte, großartig, toll „user generated content“, Demokratie für alle.

Diejenigen die schon länger dabei sind, sind natürlich besonders wichtig und müssen dies auch an allen Ecken und Enden demonstrieren.

Weil Web 2.0 nun die „heiße Scheiße“ ist (verzeiht die Wortwahl) und im Grunde auch die Zukunft des Internets an und für sich, ist es nur normal, wenn auch die wirklich Großen, sprich die Industrie und damit Werbetreibenden daran Anteil haben wollen. Macht ja auch Sinn, Werbung auch durch Kommunikation, näher dran am Kunden, bessere Interaktion.

Weil das pöse Internet aber so wenig zu kontrollieren ist wie mein Sohn ohne Aufsicht, und weil man natürlich die Kommunikation nicht komplett in die Hände der „Zielgruppe/User“ legen will, halte sich viele Firmen stark zurück diesen neuen Weg der Werbung zu beschreiten.

Viele, ja sehr viele, man sollte meinen alle, aber nein halt, neben Frosta, die schon seit Jahren ein gutes Blog betreiben hat sich nun ein internationaler Konzern daran gewagt, diesen Weg in der Werbung zu beschreiten, genau Vodafone.

Genau wie Oma und Opa viel Überredung brauchten um damals einen Fernseher anzuschaffen und „Gott bewahre“ heute das Internet zu nutzen, hat natürlich ein Großkonzern Probleme sich der ihm unbekannten Mittel und Strukturen des Web 2.0 zu bedienen. Denn Web 2.0 bedeutet nun mal Kommunikation und das diese nicht immer positiv ist, ist jedem klar. Man öffnet sich und macht sich angreifbar.

Nun gut, sie haben es getan, haben Spots gedreht, Claims produziert, ein Blog aufgesetzt, Micro-sites geschaltet und das alles eingeläutet mit einer im Internet übertragenen Pressekonferenz. Die Zeit für die Umsetzung war relativ kurz und trotzdem wurde viel geschafft. Nicht perfekt, es gibt einiges zu kritisieren, aber es ist passiert. Die Kommunikation läuft noch nicht rund, aber sie bleiben dran.

Und nun kommt die Web 2.0 Blase in ihrer übelsten Form daher, die, die schon immer, ach so wichtig, waren. Es wird kritisiert, genölt, verrissen, gespottet und verbal um sich geschlagen jenseits jeden verträglichen Sozialverhaltens. Die Protagonisten der Spots werden angegriffen als hätten sie ihre Seele verkauft, die Macher dargestellt als wären sie generell inkompetent und sowieso nicht würdig das Netz zu nutzen.

Überhaupt, wie kann man es wagen Werbung zu machen, Werbung im geheiligten Web 2.0. Da darf man als Werbetreibender doch nicht so offensichtlich mitspielen, Geld verdienen wollen, geht ja gar nicht. Und diese so genannten Blogger, wie kommen die nur dazu ihr Gesicht zu verkaufen, im Netz ist man gefälligst altruistisch unterwegs und die Lebenshaltungskosten zahlen Mutti und Pappi oder wie jetzt?

Auf allen Konferenzen der so genannten Szene, die ich bisher besucht habe und durch fast jeden der irgendwie „etwas mit Internet macht“, wird mir suggeriert das Web 2.0 den Markt der Zukunft bedeutet. Ich hab bis heute nur ansatzweise begriffen wie man mit so viel heißer Luft Geld machen kann, aber es wird Geld gemacht und viele der so genannten Kritiker der Kampagne jetzt krebsen auch in einer dieser unzähligen Firmen, Start-ups etc. rum, die versuchen mit dem Internet/Web 2.0 Geld zu machen.

Jetzt ist es so,  daß es einer (oder zwei oder drei) aus dieser Blase dann geschafft hat nicht mehr zu nur krebsen, sondern sich geschickt zu vermarkten oder sein selbst der kommerziellen Nutzung zur Verfügung zu stellen. Dadurch ist er plötzlich unglaubwürdig und böse? Weil er nicht mehr zum großen Bodensatz gehört sondern ein bischen was erreicht hat?

Weil man sein Gesicht, seinen Ruf einer Werbekampagne zur Verfügung stellt, hat man seine Seele verkauft, weil man mit dem Verkauf keine eigene Meinung mehr hat? Oh mein Gott, alle Schauspieler und Darsteller aus Werbespots sind willenlose Wesen die keine Meinung mehr haben? Hallo, geht’s noch?

Jeder der in dem Spot mitgemacht hat, ist jetzt also für Zensur im Internet und somit gegen alle anderen. Abstraktion ist schon schwierig, wenn man so in seiner kleinen Welt gefangen ist.

Und eine kleine Randnotiz, ich kenne die Tarife von Vodafone nicht, ich nutze es nicht, ich liebe mein Iphone und nutze es mit dem bekannten Anbieter. Ich habe begriffen, dass ein Unternehmen, welches die „Generation Upload“ anspricht entsprechende Datentarife anbieten sollte, so dass eine mobile Nutzung bezahlbar ist. Einige der Kommentare der letzen Wochen geben mir aber das Gefühl, dass Vodafone wenn es diese Zielgruppe hat gefälligst die Nutzung quasi umsonst anbieten soll. Nee ist klar, schaffen wir die Marktwirtschaft ab und Netz als Allgemeingut für umsonst, die Kosten übernimmt dann jemand anders.

Liebe Web 2.0 Blase, Vodafone ist einen großen Schritt in die Zukunft gegangen, hat sich der Kommunikation geöffnet und sich angreifbar gemacht. Sie haben Fehler gemacht, die Kommunikation läuft noch nicht perfekt, ja auch ich finde den Schnutinger Blogeintrag schwach.

Rechtfertigt das aber sich wie ein arroganter Soziopath, geschützt hinter einem Bildschirm, alle Grundregeln des menschlichen Miteinanders über Bord zu werfen und hämisch, wenn nicht sogar Neid durchzogen weil man da nicht mitspielen durfte, mit Kommentaren und Blogeinträgen (halbwegs anonym!) um sich zu schlagen und erstmal alles Scheiße zu finden? Müssen die Menschen aus dem Spot (ja es sind Menschen mit einer Seele!) in Grund und Boden kritisiert und unterhalb der Gürtellinie angegriffen werden. Kann niemand von euch auch das Positive an der Kampagne sehen, ist der Blick so verschleiert, das Darstellungsbedürfnis so groß, dass man immer noch einen drauf setzen muß, damit man selber im Gespräch bleibt.

Ich bitte euch, geht mal raus, nehmt das Internet weniger Ernst, oder ganz knapp GET A LIFE

Das Web 2.0 wird auch als soziales Netz bezeichnet, von Sozialverhalten in eben diesem kann man im Zusammenhang mit Vodafone aber kaum noch etwas erahnen.

Schade!

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22 Antworten zu “Mama sagt mal was zu Vodafone

  1. Gut geschrieben und auch wenn ich bei Twitter die ein oder andere kritisierende Message zu Vodafone abliess stimme ich dir weitestgehend zu.

    Andererseits sollte man mit so einer Kritik nicht beleidigt umgehen, denn grundsätzlich ist doch jeder der sich an dieser Diskussion/Kritik beteiligt ein kleiner Teil der Kampagne. Vermutlich auch so gewollt?

    • Ich bin absolut nicht beleidigt, nur wütend 🙂 Und ja natürlich ist auch Kritik und Diskussion gewünscht (soweit ich das beurteilen kann), aber nicht jenseits jeglicher Regeln der sozialen Kommunikation.

  2. Sehr schön geschrieben. Und besser noch: auf den Punkt gebracht! Ich denke, die ganzen Kritiker sind letztendlich nur neidisch. Ich finde den Spot von Vodafone zwar nicht gelungen, aber er ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Dass der Konflikt zwischen sozialem Netz und Jeder ist sich selbst der Nächste irgendwann offen gelegt wird, zeigt sich hier besonders deutlich. Jeder der Kritiker hätte garantiert diesen Spot gemacht, wäre er dafür bezahlt worden. Geld regiert die Welt, auch online.

  3. Ich beobachte die Kampagne, weil sie für mich ein (kostspieliger) Testballon ist. Wenn er denn funktioniert, wird es andere Unternehmen dazu bringen, sich der zweiseitigen Kommunikation zu öffnen. Das wäre der eine Punkt, der sicherlich auch nach hinten losgehen kann, indem sich andere Unternehmen keine blutige Nase holen wollen.
    Der andere Punkt, der mich wirklich interessiert, ist das Selbstverständnis einer vergleichsweise kleinen Gruppe. Sie agiert meiner Wahrnehmung nach, und ich nehme mich da nicht aus, relativ isoliert vom gesellschaftlichen Mainstream. Das ist okay. Wenn man allerdings in Zukunft selbst gesellschaftlicher Mainstream werden und wahrgenommen werden möchte, muss man andere mitnehmen und nicht vergrätzen.
    Ach ja, der wichtigste Punkt: Stil. Bei jeder Kritik. Den sollte man nicht verlieren.

  4. Hi Sibylle, ja aber das ist doch das absurde, statt jetzt einfach Ruhe zu bewahren und „das Maul zu halten“, heizt die Marke den Zirkus mit an. Absurd. Eine Marke verliert völlig unnötig die Kontrolle, weil Agenturen mit Ihrer Obama-Twitter-Glitter Sucht die Macht übernommen haben. Da müssen sich alle Angehörige schon auch Kritik gefallen lassen, offen gesagt.

    • Nichts gegen Kritik, wie gesagt auch ich sehe einiges kritisch an der Kampagne, aber es ist die Frage wie man kritisiert und warum. Sachliche Kritik ist immer gut und hilft Fehler zu korrigieren, wahnwitziges Wadenbeißen nicht. Und ich weiß nicht, ob Du Dich da nicht täuscht, daß die Agentur die Macht übernommen hat oder ob der Kunde nicht selber möchte, daß es weiter geht. Im Übrigen wäre jetzt Schweigen und nichts tun wohl eher das falsche Signal.

  5. Es soll Menschen geben, die sich VORHER Gedanken darüber machen, wofür sie werben und warum und welche Konsequenzen das nach sich ziehen kann. Wenn sich jemand für Werbung zur Verfügung stellt, so stellt er die Verbindung zwischen sich und dem beworbenen Produkt her, im Sinne von „Seht her, ich finde das gut…!“. Deswegen wurdet Ihr ausgewählt!
    Daher darf er sich m.E. anschließend nicht darüber beschweren, dass er einen Teil der Misere abbekommt, wenn es schief gelaufen ist.
    Stellen wir uns vor, die „Generation Upload“ wäre ein durchschlagender Erfolg gewesen… hättet Ihr nicht ebenfalls von diesem Kuchen profitiert?
    Ich halte nichts von verbalen Entgleisungen unter dem Deckmantel der Anonymität, nichtsdestotrotz müssen die Blogger, die sich für diese Kampagne „prostituiert“ haben, fragen lassen, ob Moral in ihrem Gebaren eine Rolle spielt, oder nicht.
    Ein Rausreden von wegen, „Ich kenne die Tarife nicht…“, „Ich benutze das selbst gar nicht…“, „Ist doch nur Werbung…“ oder was grade alles so an Entschuldigungen durch das Web braust, fährt die Kampagne übrigens ein zweites Mal an die Wand! Wieso sollte ich ein Produkt kaufen, für das Ihr Werbung macht, aber selbst nicht nutzt, aus welchen Gründen auch immer?

  6. Die Boshaftigkeit mancher Angriffe erklärt sich meines Erachtens relativ schnell von selbst.
    Es ist ein Verteidigungskampf. Der Raum des User Generated Content wird verteidigt gegen den Vorstoß des PR Generated Content. Und Verteidigungskämpfe, seien sie noch so aussichtslos, werden nun mal nicht mit Wattebäuschchen geführt.
    Dass der erwähnte Raum des UGC selbst auch nur eine Blase ist, die über früher oder später platzen wird, spielt keine Rolle, wenn sie bis dahin Möglichkeiten offeriert, die es vorher so noch nie und danach nie wieder geben wird. Es mag eine eine Illusion sein, dass es Wege gäbe, dass sie blieben. Aber eine hübsche Illusion, die möchte niemand freiwillig aufgeben.

    Es sei denn, er kriegt dadurch ein dickes Bankkonto. Und bei allem Verständnis darüber, dass die persönlichen Angreiffe schmerzen: Wer Werbung macht, mach sich zum Affen, egal ob er die für Melitta oder Vodafone macht. Und dafür wird er dann gut bezahlt.
    Das weiß man vorher. Wenn man darüber nachdenken will.

  7. Danke fürs „Vermenschlichen“ des Ganzen, es stecken in der Tat – wie hinter Penicillin, Mondlandung und Tschetschenienkrieg auch – „echte“ Menschen dahinter, und die machen nun mal Fehler bzw. tun Dinge, die anderen nicht gefallen müssen. Die Art und Weise, auf die mit ihnen in „sozialen“ Umfeldern umgegangen wird, offenbart jedoch, dass a) bei weitem nicht alle so 2.0 sind wie gedacht (Stichwort Anonymität, Hinterhalt, Feigheit zu seinen Aussagen zu stehen etc.) und b) sich vielleicht die Kanäle, nicht jedoch das Kommunikationsverhalten per se weiterentwickelt hat. Auch das ist irgendwie menschlich, finde ich.
    Ich halte z.B. nichts von dem Social-Ansatz, den Vodafone fährt, weil er im Kern rein werblich und vertrieblich getrieben ist und eben nur am Rande auf echte Kommunikation zwischen Marke und Nutzer setzt (also irgendwas zwischen 1.4 und 1.7, aber noch lange nicht 2.0 ist). Aber deswegen die Menschen dahinter angreifen? Sorry, dafür habe ich selber schon zu viele – aus Sicht der „Netzgemeinde“ – fragwürdige Projekte umgesetzt, als dass ich mir das anmaßen würde. Insofern: alles richtig, alles wichtig. Und, was den persönlichen Trade-Off angeht: Vodafone ist ein Mainstream-Unternehmen mit Mainstream-Zielgruppen, die MÜSSEN werben, egal was sie tun. Und wenn sie das – wenn auch noch verkrampft und etwas laienhaft – per Blog & Co. versuchen ist mir das allemal lieber als das übliche Banner- und Vibrant-Gewitter, mit dem einen die TelKos sonst so penetrieren.

  8. Gutes Statement. Ich habe mich ja an anderer Stelle auch schon in diesem Sinn geäussert.

    Aber ich muss auch unterstreichen was Du selbst ja oben sagst: das Internet hat schon immer einen hohen Soziopathen-Anteil gehabt, aus den unterschiedlichsten Gründen. Das ist überhaupt kein Web2.0 Phänomen. Es ist wohl eher so, dass speziell twitter den Leuten ein bisschen heile Welt vorspielt weil man den nervigen Leuten dort schlicht nicht folgt.
    Insofern muss man wenn man sich im Internet bewegt und irgendwie beteiligt und vor allem natürlich wenn man sich öffentlich vor einen Internet-Karren spannen lässt einfach mit einem dicken Fell ausgestattet sein was das anbelangt.

    Was natürlich nicht als Entschuldigung für die ganzen selbstverliebten Augen-Aushacker zu verstehen ist. Aber die sind letztlich so kaputt in Ihrem Tun, dass man sie schlicht ignorieren können muss. So ist es halt auch das tolle Web2.0…

  9. Liebe Sibylle,

    es stimmt, dass es da gestern Abend in den Blogkommentaren bei Vodafone zu einigen heftigen Entgleisung gekommen ist, die weder ein gutes Bild auf die Urheber noch auf die angesprochene Generation Upload (WER hat diesen Begriff bloß erfunden? Schauerlich.). Auch anderen Orts wird heute kräftig weiter gemacht und es scheint noch kein Ende in Sicht.

    Es mehren sich aber auch die Stimmen der Raison, es ist also zu hoffen, dass diese Episode für beide Seiten lehrreich ist. Vodafone hat die Tür zum Userdialog geöffnet und sich dabei nicht gerade geschickt verhalten, dass dann Feedback kommt, welches man nicht haben wollte kann passieren.

    Die User aber, sie haben die Schwäche der Großen gespürt, der Über-Blogger und des Mobilfunkkonzerns. Jetzt war die Zeit des Kleinen gekommen, er konnte öffentlich erniedrigen und demütigten. Das macht Spaß, das war schon immer so.

    Aber nicht alle die dort kommentiert haben taten dies, um zu demütigen oder zu erniedrigen. Viele waren einfach nur fassungslos ob der dort feil gebotenen Kommunikation von Vodafone an ihre Zielgruppe.

    Ich werde in Zukunft sicherlich zweimal darüber nachdenken, ob ich einer solchen Aktion mit Häme oder Mitleid begegne, hoffe aber, dass dies nicht allzu häufig notwendig sein wird.

    Ich war heute zum ersten Mal auf diesem Blog, der Artikel hat mir sehr gut gefallen: *bookmark*.

  10. Martin Schneider

    Es stimmt fast alles, was Du in Deinem Beitrag schreibst. Dennoch drückt er nur das aus, was den meisten Unternehmen den Weg ins Social Marketing so schwer macht: die Hilflosigkeit angesichts totaler Transparenz, die Verletzlichkeit bei Häme und Zynismus, die Unfähigkeit der Abstraktion – oder kurz: das Scheitern im Umgang mit der Kehrseite der Medaille.

    Die Vorderseite eben dieser Medaille besteht aus positiven, konstruktiven und wohlgemeinten Nutzerkommentaren aus der Blogosphäre, bei TWITTER, in Foren und Chats und auf Kommentarseiten. Jedes Unternehmen freut sich, wenn Marken und Dienstleistungen in den gehypten Social Media derart präsent sind und endlich wahrgenommen werden.

    Wie groß aber ist das Wehklagen, wenn sich die von Dir nicht ganz trennscharf als „Web 2.0 Blase in ihrer übelsten Form“ bezeichnete Gemeinde zu Wort meldet. Dann hadert man plötzlich allerorten mit den Geistern die zu rufen man sich endlich überwunden hatte.

    Die Lösung? Es gibt keine. Homo homini lupus est. Die Pflicht mit dem Gegenwind klarzukommen, sollten die Agenturen mal in ihre AGBs schreiben.

    Das „soziale“ Web ist kein Ponyhof. Wer sich dort hinweinwagt, muss Rückgrat beweisen, auch wenn die tollen Chats der Agentur einem nichts mehr vorgaukeln.

    • Anonyme Kommentare gehen eigentlich gar nicht, da dieser nicht difamierend ist lasse ich ihn stehen. Eine Rückmeldung wäre jedoch wünschenswert.

  11. Nun, es gab immer schon Spinner und Stalker online, man denke nur an Andreas Post, heute netzterrorist.com

    Heute allerdings ist online keine süße kleine Spielwiese mehr, sondern Öffentlichkeit. Es wird einerseits jeder Pups abgemahnt, Stadtpläne, Fotos. Andererseits kann online beschimpft und verleumdet werden ohne Ende.

    Ich weiß jetzt nicht, was Madame Schnutinger beruflich macht, aber ich bin schon für weniger als so ein Online-Desaster aus Firmen geflogen und ich weiß auch, dass PR-Firmen und Verlage – ob nun klassisch, Startup oder 2.0 – ebenso rücksichtlos sofort feuern, wenn da jemand unter die Räder gerät.

    Ich erinnere nur an den Typen, der Peter Hogenkamp „fett“ nannte und dafür seinen PR-Job los war – das war zwar kein gutes Benehmen, aber die Folgen waren übertrieben. Normal, wenn der Beschimpfte nicht gerade wie Hogenkamp Geschäftsführer, sondern nur Angestellter ist, ist der dann draußen und nicht der, der stänkert.

    Undd as wird bei all dem übersehen. Hier geifern Leute rum, ob eine Kampagne blöd ist (ja, ist sie), ob Sascha Lobo prollig aussieht (ja, tut er), ob Zensur unterstützt wird (ja, wird sie) – und ruinieren dabei weit mehr, als die ganze Sache wert ist.

    Herrgott nochmal, es ist nur ein dummer Werbespot! Nicht der Untergang des Abendlandes!!

  12. Der Punkt ist, das ich und vermutlich viele andere nichts positives an der Kampagne erkennen können. Es ist ein typischer fluffiger Feel-Good-Spot, wie von Vodafone seit Jahren gewöhnt. Als Sperenzchen dazu ein paar Leute, die internet famous sind, ähnlich wie die Telekom damals dachte, man bräuchte einen gerenderten Robert T. Online, weil Computerfiguren die ominöse Zielgruppe ansprechen. Ich merk nix von der Veränderung. Social Media und Dialog sind bei Vodafone immer nur noch die Telefondrückerkolonnen, die mich zu unchristlichen Zeiten nerven.

    Es läuft keinerlei Kommunikation ausser riesigen Ankündigungen, wie toll man nun kommuniziere bzw. wie toll man in Zukunft beabsichtige zu kommunizieren. Danke.

  13. eieiei, da geht ja was ab. krieg ich ja nur mit, weil ichheir lese.

    „GET A LIFE“ – did it!

    und deshalb geht das alles an mir vorbei, wie an millionen von anderen Menschen, die das Internet halt auch benutzten aber darin nicht ihren Lebenszweck sehen, die echte Menschen in echten Kaffees treffen mit ihren Nachbarn über den Gartenzaun quatschen und -oh ja-immernoch die Gelben Seiten aufschlagen, wenn sie nach einer Autowerkstatt suchen.

    Ich hab die Werbung 1mal mit halbem Auge gesehen (seit der glorreichen Erfindung des Festplattenrekorders wird Werbung zu 90% übersprungen:-) ), ich hab zwar den Sinn nciht ganz kapiert, aber es war scheinbar eine heititei-Werbung wie t-Online mit den Rosenblättern, ohne jetzt wem zu nahe treten zu wollen.
    Wie man sich immer so grob ereifern kann über themen, die reine luxusprobleme sind und ausser einer kleinen gruppe wohl kaum jemanden interessieren… ich dachte aus dem alter ist man mit ende 20 spätestens raus, dann wenn man auch mit menschen redet, die andere Musik hören oder die falsche jeansmarke tragen. Da erwarte ich wohl wieder zuviel.
    es ist werbung. basta. das geht vorbei.

    lg
    DD

  14. Doc Montresor

    Liebe Sybille, leider kann ich deine Wut nicht nachvollziehen. Ich kann deine Kritik an Menschen, die sich schlecht oder daneben benehmen, verstehen. Ich mag das auch nicht. Aber ist es denn ein gutes Benehmen, sich hinter einem Millionenkonzern zu verstecken und so zu tun, als würde man tatsächlich kommunizieren wollen, obwohl man einfach nur schlechte Werbung machen und am liebsten dann in Ruhe gelassen und mit Geld überhäuft werden will?
    (Damit meine ich in erster Linie nicht die Blogger, die ihr Gesicht dafür hergegeben haben, sondern die Strategen, die diese Kampagne zu verantworten haben).
    Wenn mich jemand im „Real Life“ so ansprechen würde, dann würde ich mich extrem belästigt fühlen, du nicht? Entsprechend sind die Reaktionen. Also warum regst du dich darüber auf? Ist doch normal.
    Halten wir also fest: Wie man in den Wald ruft…

  15. Die Idee, die Vodafone hatte, ist ja gar nicht schlecht, die Umsetzung ist mit dilletantisch sehr freundlich umschrieben. Sascha Lobo zu verpflichten, den ich nicht leiden kann, aber sehr schätze, ist geradezu genial. Wenn man dann aber nicht sofort zurückrudert und sagt, dass er gar keine Werbung mache.

    Weshalb ich überhaupt kommentiere ist, dass mir Deine Formulierung „Dadurch isst er plötzlich unglaubwürdig und böse?“ wirklich Freude bereitet hat.

  16. Alles gut und richtig. Zum sozialen Verhalten (im Web) gehört aber auch, dass mich Menschen, zu denen ich ein wie auch immer geartetes Vertrauen aufgebaut habe, nicht im newsspeak der Strukturvertriebe anquatschen, um mir etwas zu verkaufen. Oder andersrum: Wenn sie mir etwas verkaufen wollen, sollen sie es sagen, quasi als soziale Werbeeinblendung.

    Bei Unternehmen und Marken erkenne ich das ganz gut (davon abgesehen, dass mir VF auch schon mal ungefragt einen Vertrag angedreht – und nach heftiger Intervention zurückgenommen – hat). Wenn aber auch die sozialen Beziehungen – und dazu rechne ich auch die virtuellen sozialen Beziehungen – von Werbung bzw. plumper Verkoofe durchsetzt sind, mag ich das nicht. Übrigens genauso wenig wie das Ganze anonyme Mobbing. Maßstab für das, was ich schreibe ist, dass ich es auch unterschreiben und dazu stehen würde. Der Preis dafür ist bei mir, dass ich u.a. auf Listen von Anti-Militaristen auftauche, deren Diktion teilweise so aggressiv ist, dass ich mich frage, ob sich das lohnt (Schnutinger und die VF-Diskussion sind dagegen Topfschlagen).

    Kurzum: Reden wir doch so miteinander, wie wir das auch tun würden, wenn wir uns gegenüberstehen – und zwar nicht in den Fanblöcken von Schalke und Dortmund.

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