Trip down Memory Lane – Teil 1 – Auf der Suche nach dem Ich

Dieses wird ein sehr emotionaler Eintrag. Wer meint er kann das nicht ertragen gehe bitte weiter, das ist mein Blog und da heule ich rum wie ich will. Abgesehen davon nur als kleiner Disclaimer, ich bin weder depressiv noch chronisch schlecht gelaunt 🙂

Dieses Jahr gab es statt einer Reise irgendwohin als Urlaub eine Reise durch Deutschland. In unserer Zeit ist es eher selten, daß man da bleibt wo man aufgewachsen ist, ja sogar mehrere Stationen durchläuft bevor man sich niederläßt. Und selbst wenn man sich niedergelassen hat weiß man nie ob es nicht nur temporär ist. Dies bringt es mit sich, daß man seine Freunde nicht mehr um sich rum, sondern eher in verschiedenen Orten hat. Da mal eben vorbei zu gehen um einen Tee zu trinken, ist dann schwer. (Ey, ich komme vom Land, ich konnte meine zwei engsten Freundinnen innerhalb von 5 min erreichen, teilweise im Schlafanzug und auch ohne Ankündigung und Terminplanung)

Im Studium hatte ich das Glück in einem Wohnheim unterzukommen, was mir jahrelang das soziale Nest bot, das ich von meinem heimatlichen Leben gewohnt war. Noch heute gibt es drei mir enge Freunde aus dieser Zeit.

All diese Menschen aus den verschiedenen Lebensphasen  mal eben zu sehen ist ohne größeren organisatorischen Aufwand fast unmöglich. Mailen und Telefonieren verbleiben oft genug, da man mit Kindern oder einem anstrengend Alltag abends oft unwillig ist noch zu reden/schreiben. Nichtsdestotrotz fehlen sie, sehr sogar. Manchmal sehne ich die Zeiten zurück in denen es normal war nicht weit von seinem Geburtstort eine neue Kernfamilie zu gründen.

Vor diesem Hintergrund spielte ich schon länger mit der Idee, mal rumzufahren und einen großen Teil der mir wichtigen Menschen zu besuchen. Da lag es angesichts der Kindergartenferien und dem Urlaub des Gatten nahe eine Familienreise daraus zu machen. Immerhin wollen die Eltern, Großeltern meinerseits auch gerne mal alle sehen und auch meine Freunde nehmen meinen Anhang meist mit offenen Armen auf. (Der Mann hat seine Sippschaft/ Freunde eher hier in der Region)

Nicht nur das Wiedersehen mit den Menschen lag mir am Herzen. Viele der anzusteuernden Orte haben eine große emotionale Bedeutung aus sich selbst und der damit verbundenen Geschichten heraus.

Witzigerweise fiel mir im Laufe der Reise auf, daß der Trip nahezu auch chronologisch mein Leben nachzeichnet.

Wir begannen Sonntag in Berlin bei meiner Mutter. Mütter und Töchter sind ja immer so ein Thema. Abgesehen von meiner Mutter hatte Berlin so einige Erinnerungen an Zeiten vor dem Mann und den IRC und mich als Teenager. Ich bekomme beim Erreichen der Stadtgrenze immer noch ein ganz spezielles Berlingefühl.

Abgesehen vom Mutterbesuch gab es in Berlin noch Mitte als zu erkundendes Gebiet und ein Treffen mit diversen mir gar nich so bekannten Menschen von twitter. Das wäre bestimmt sehr nett gewesen, hätte ich mich nicht immer um den Nachwuchs kümmern und dann dementsprechend früh nach Hause gemußt. So war es nett und anstrengend. Naja als Mutter hat man halt nur bedingt Ausgang und ein erwachsenes Leben abseits von Kinderthemen.

Entgegen anderslautender Gerüchte habe ich übrigens nur drei der 24 Starbucks in Berlin aufgesucht.

Nach Berlin, welches gefühlsmäßig eher nicht so anstrengend war ging der Weg weiter zu meinem Elternhaus in dem noch mein Vatr wohnt und zu meiner Oma im Nachbardorf. Außerdem beinhaltete die Reiseplanung den Besuch meiner langen mütterlichen Freundin und einer der beiden besten Freundinnen. Dafür waren knapp zwei Tage eingeplant.

Väter und Töchter ist dann auch so en Thema für sich, aber wir haben den Papa-Besuch gut über die Bühne gebracht. Ich war lange nicht im Elternhaus. Ich weiß in der Erinnerung ist alles größer, aber ich schwöre mein Elternhaus ist geschrumpft. Ich bin in den letzten Jahren nicht gewachsen und diesmal war es kleiner.

Bei meiner Oma ist es immer nett und irgendwie immer gleich. Da sie die größren Betten hat schlafen wir inzwischen immer dort wenn wir da sind. Es tut ein bischen weh zu sehen wie sie älter wird, die 90 sind dieses Jahr ihr Ziel. Ich habe unglaubliche Angst vor dem Tag an dem der Anruf kommt, daß sie nicht mehr ist.

Inzwischen ist es übrigens Mittwoch und der erste wirklich emotionale Tag lag vor mir. Wie in dem Eintrag der Weg beschrieben such ich grad ein bischen nach mir, nach den neuen Zielen und dem Leben neben der Fremdbestimmung durch die Familie. Was liegt da näher als sich dort zu suchen wo man herkommt.

Mittwoch also, der Besuch der Stadt in der ich die Oberstufe und einen Teil meiner wilden Jahre verbracht habe, hinter jeder Ecke eine Geschichte, eine Erinnerung ein Gespenst. Auch aus diesem Grund war ich in den letzten Jahren nicht in der Innenstadt gewesen, nun wollte ich es angehen. Dank des Genöles der Familie wurde es nicht allzuschlimm. Einen besonders schönen Augenblick gab es dann sogar unerwartet. In dem Buchladen in dem ich mein knappes Taschengeld bündelweise hintrug und später auch als Studentin gerne einkaufte, gibt es eine Buchhändlerin, die die mir nur ein Buch vorschlagen muß und ich weiß es ist gut. Genau diese Frau arbeitet noch dort, erkannte mich (!!!) und empfahl mir zwei Bücher. Toll.

Der Besuch der mütterlichen Freundin war schön und wie immer herzlich und auch hier gabs Bücher (und Marmelade mit). ABschließend für das Städtchen fuhren wir zu der Schule, der Schule, meiner Schule, mein Fixpunkt damals mein Stolz. Ich wurde dort nach der Realschule aufgenommen. Die Realschule habe ich nur auf Wunsch meines Vaters (und der Empfehlung der Lehrer besucht – Trennungsphase der Eltern) und wollte immer lieber aufs Gymnasium. Ich weiß wie ich anfangs der elften Klasse monatelang morgens stolz lächelte wenn ich das Schild mit dem Schulnamen passierte.

In dieser Schule fand ich Freunde, ein Stück meines selbst, schlug über die Stränge, kotze in den Vorgarten vor den Augen des jetzigen Rektors, führte ich ein Musical auf, traf ich meine erste große Liebe und verlor sie, begann ich das Rauchen und machte letztendlich das Abitur. Jetzt lief ich mit meiner Tochter an der Hand durch die Flure und erklärte ihr alles, zeigte ihr die noch verbliebenden Lehrer aus meiner Zeit auf den Fotos und hing ein bischen Gedanken nach.

Relativ unspektakulär ging der Resttag zuende, Shoppen mit Oma in der nächsten größeren Stadt und ein schöner Besuch im noch schöneren Garten der Freundin die ich seit dem Kindergarten (oder noch länger kenne). Die Kinder liefen zwar ein wenig aus dem Ruder aber im großen und ganzen verbuche ich den Besuch trotzdem als gelungen.

Am nächsten Tag sollte die Reise noch berührender werden, die Fahrt in meine Studienstadt. Aber davon im nächsten Artikel.

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5 Antworten zu “Trip down Memory Lane – Teil 1 – Auf der Suche nach dem Ich

  1. Oh das ist ein sehr schöner Artikel. Ich komme ja auch vom Land und auch ich habe sozusagen dem Rektor vor die Füsse gekotzt. War ja grad bei den Eltern im Allgäu und kann sogar die These bestätigen dass diese Häuser notorisch schrumpfen.
    Bin gespannt auf die Fortsetzung. Ist ja fast wie Denver Clan.

  2. Kleinstädte und die damit verbundenen Implikationen sorgen für eine Menge Gesprächsstoff, HE ist wahrscheinlich so wie Deine kleine Stadt.
    Die Begehung der Schule nach Jahren und die sinnliche Erfahrung dabei kann ich sehr gut nachvollziehen. Nach 20 Jahren habe ich meine Schule besucht, sie ROCH noch genau so wie damals und die Knie wurden mir weich.
    Dem Teil des Reiseberichtes fühle ich mich ganz nahe…

  3. Mal bin ich neidisch und mal nicht. Bin ein Großstadtkind und in verschiedenen Städten aufgewachsen. Habe deswegen öfter die Schulen wechseln dürfen. Das ist alles so in Ordnung und ich mag es, verschiedene Sachen kennegelernt zu haben.
    Andererseits kann ich auf die Frage, woher ich komme, keine befriedigende Antwort geben. Wüsste gerne mal, wie das ist, jemanden von der Kindheit an zu kennen.

  4. „Wüsste gerne mal, wie das ist, jemanden von der Kindheit an zu kennen.“
    Mit jemandem, der eigentlich alles weiß, dass sich zwischen 3 und 18++ zugetragen hat, der die kloppereien ind er nachbarschaft, die furchtbaren modischen ausrutscher, seltsame parties, endlosen liebeskummer, blauen glittercremelidschatten miterlebt hat, hat man eine besondere bindung, auch wenn man sich dann zeitweise fast aus den augen verliert, da reicht es auch mal aus, sich selten zu sehen – obwohl man später eigentlich mehr an der beziehung arbeiten solle, als man tut. solche leute kannst du dienstag morgens um 3 anrufen, wenn du ein leib und leben bedrohendes problem hast und die setzen alles dran, dir zu helfen, ohne verwandt zu sein – da ist das schöne.

    • Du wolltest jetzt aber nicht andeuten, dass ich mal blauen Glittercremelidschatten besessen oder sogar getragen habe oder?
      Hach, manchmal fehlst Du hier sehr 😉

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