Gelesen – Zwei an einem Tag

Sensation, ich hab es trotz Kinder und der ständigen Präsenz im Internet geschafft ein ganzes Buch durchzulesen. Und ich muß sagen es war schön. Seit ich Mutter bin kommt das leider viel zu kurz und der Stapel ungelesener Bücher am Nachtisch und im Regal wächst. Das Kaufen von Büchern habe ich nicht aufgegeben.

Bei dem gelesenen Buch handelt es sich, wie dem Titel des Postings zu entnehmen ist, um „Zwei an einem Tag„, geschrieben hat es David Nichols. Der Autor war mir bisher nicht bekannt, das Buch wurde mir, wie in einem alten Beitrag erwähnt auf twitter empfohlen. Da es so spannend klang, habe ich es erworben, obwohl es nur als Hardcover verfügbar ist. Ich bin bekennender Taschenbuchfan, da ich die zum Lesen bequemer finde und kaufe gebundene Ausgaben nur, wenn ich nicht abwarten mag.

Inhaltlich beschäftigt sich das Buch mit dem Leben zweier Menschen, die laut Klappentext füreinander bestimmt sind. Emma und Dex begegnen sich im Alter von 20 Jahren das erste Mal bewußt und verbringen einen Nacht miteinander. Danach trennen sich ihre Wege oberflächlich wieder. Oberflächlich, da der Kontakt zwischen den Beiden nicht abreißt und sie sich immer wieder treffen, schreiben oder auf andere Weise an dem Leben des Anderen teilhaben. Der Autor nimmt das Datum der ersten Nacht als Anhaltspunkt und beschreibt über einen Zeitraum von 20 Jahren jährlich wiederkehrend was an diesem Tag den beiden Personen passiert, getrennt oder gemeinsam und inklusive des Rückblicks auf das vergangene Jahr.

Es wird die Entwicklung der Beiden von Absolventen zur erwachseneren Persönlichkeit skizziert. Gleichzeit verfolgt man die Irrungen und Wirrungen von Dex und Emma auf dem Weg voneinander weg oder aufeinander zu. Manchmal gleicht es einem Konglumerat von verpaßten Chancen, unausgesprochenen Worten und schlechtem timing. Wieviel davon muß man ertragen bis es letztendlich doch dazu kommt, daß sie entdecken, daß sie eben doch zueinander gehören, füreinander bestimmt sind.

(wer den Inhalt des Buches selber lesen will, sollte wegen Spoilern hier nicht weiter lesen)

Im Alter von Mitte/Ende Dreißig ist es dann soweit. Dex und Emma erkennen , daß sie zueinander gehören und lassen sich darauf ein. Doch bevor der bis Roman an diesem Punkt in zu viel Harmonie versinkt werden neue Probleme eingebaut. Ein wenig an den Haaren herbeigezogen wirkt, daß das Thema unerfüllter Kinderwunsch ein Angelpunkt in der Beziehung wird, der diese  nicht unerheblich trübt. Anstatt daß diese belastende Situation gelöst wird, läßt der Autor Emma in einem Unfall sterben.

Dieser Bruch war für mich unnötig und nicht nachvollziehbar. Sicherlich, der Roman lebte bis dahin von den verpaßten Chancen, dem Warten darauf, daß zusammen findet, was zusammengehört. Gleichzeitig von den Fehlentscheidungen, den Spannungen und Korrekturen im Leben der Hauptpersonen auf dem Weg zur erwachsenen Persönlichkeit. Absolute Harmonie wie in einem durchschnittlichen Kitschroman hätten hier nicht hergepaßt. Ebenso kein profanes Happy End.

Ab dem Moment in dem Dex und Emma sich ihrem gemeinsamen Schicksal „ergeben“ wirkt der Rest des Buches ein wenig gehetzt, als wolle der Autor das Buch nur noch zu Ende bringen und hätte ein wenig die Lust verloren. Warum er um der Profanität eines kitschigen Happy Ends zu entgehen dann zu dem absoluten Drama, dem genauen Gegenteils eines solchen als Stilmittels greifen mußte erschließt sich mir nicht.

Ich blieb beim Lesen ein wenig ratlos zurück, was soll mir das Buch sagen. Was will der Autor ausdrücken? Daß es das Glück nicht gibt, daß Glück nur eine sehr begrenzte Lebensdauer hat?

Ich hab nach dem Ende des Buches ein wenig gebraucht um ein mich mit dem Ende zu versöhnen. Nachdem eine lange Strecke eigentlich die Aussage durchschimmerte, Hoffnung und Sehnsucht sind nicht vergebens, sie werden ihre Erfüllung finden, wurde diese mit den letzten Kapiteln wieder zerstört.

Letztens kam mir Nachts aber noch eine andere Aussage in den Kopf. Wollte uns der Autor vielleicht eher mitteilen, daß wir offen sein sollen für das naheliegende Glück. Daß wir uns nicht in der Suche nach demselben aufreiben, sondern erkennen sollen wo es tatsächlich liegt und die Chance darauf ergreifen und nutzen, ja leben sollen bevor es zu spät ist?

Wie auch immer man das Ende verstehen möchte, mit dem Tod von Emma ist noch nicht der Schlußpunkt der Geschichte gesetzt. Was mich ein wenig mit dem plötzlichen Versterben versöhnt hat, war, daß es noch einige Kapitel mit Dex Leben weiter geht. Es wird anhand des Jahrestages Emmas Unfalls, der natürlich dem üblichen Jahrestag entspricht, aufgezeigt wie er mit ihrem Verlust umgeht und schlußendlich damit zurecht kommt. Auch wird dem Leser noch erzählt, was nach der ersten Nacht passierte. Diese Geschehnisse erklären wie es nach dem als „One Night Stand“ gedachten Abend dazu kam, daß beide aneinander festhielten und nie den Kontakt verloren.

Mir als harmoniesüchtigem Menschen blieb also mit Ende des Buches die absolute Zufriedenheit verwehrt. Trotzdem würde ich das Buch weiter empfehlen, nachdem ich die ersten Enttäuschung überwunden habe.

Es läßt sich gut lesen, die Sprache ist eher nüchtern, was für einen angeblichen Liebesroman erstmal ungewöhnlich erscheint, die Geschichte aber aus dem Schmonzettensektor rettet. Aber genau diese Rettung aus diesem Sektor scheint mir durch einige Wendungen und das besprochene Ende zu bemüht. Als wolle der Autor nicht abgestempelt werden und möglichst cool und intellektuell wirken. Blos nicht ins spießige Glück abgleiten. Blos nicht die erfüllte Liebe so stehen lassen.

Das finde ich Schade, denn auch ein weniger dramatisches Ende hätte dem Roman gut gestanden ohne ihn gleich schmonzettig oder kitschig werden zu lassen. Da kann ich nur sagen, mehr Mut zur Liebe und dem erfüllten Glück.

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4 Antworten zu “Gelesen – Zwei an einem Tag

  1. Eine sehr schöne, gelungene und sehr ausführliche ( 😉 ) Buchkritik.
    Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen, ich habe es beim Lesen dieses Buches haargenau so empfunden. 🙂

  2. coole Zusammenfassung. Habe erst gerade kürzlich den Film gesehen. Tolle Geschichte!! ❤

  3. Die Zusammenfassung ist echt gut.
    Hab auch schon das Buch gelesen und finde es wunderschön.

  4. Ich weiss nicht viel von der Lebensgeschichte des Autors, aber für mich ergab sich daraus das persönliche Fazit, dass Liebe nichts ist, was man einfach so bekommt. Sich zu verlieben ist das eine, aber diese Liebe zu leben bedarf in einer schnelllebigen Welt wie heute Mut. Den muss man aufbringen und das Buch/der Film geht von dem ‚worse case‘ aus- eine Liebe, die endlich ihr Glück findet und dann kann es doch nicht bis zum Schluss genossen werden. Das ist natürlich eine krasse Wendung, aber auch das Leben ist nicht endlich- weder im Film, noch weniger im wahren Leben

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