Das Versprechen des Buches

Ich liebe Bücher, ich habe immer schon gerne und viel Bücher gekauft. Seit es die Kinder in meinem Leben gibt kaufe ich prozentual eher mehr Kinderbücher als Literatur für mich. Zu meiner typischen Lesezeit, abends im Bett, bin ich meist zu müde und daher verschlinge ich auch nicht mehr so viel Lesestoff.

Für die Liebe zum Buch haben meine Eltern erfolgreich den Grundstein gelegt. Beide haben gerne und auch regelmäßig gelesen. Bücher waren immer da, Vorlesen selbstverständlich. Meine Mutter hat früher erst als Buchhändlerin gearbeitet und später in einem Verlag. Sie hat immer Wert darauf gelegt, daß wir schöne und pädagogisch wertvolle Bücher bekommen. Für alles Andere hatte ich Freunde und später die Bücherei. Ich erinner mich schon recht jung,  unter dem skeptischen Blick der Tante an der Ausleihe (Berufsbezeichnung via twitter) stapelweise Lesestoff heimgeschleppt zu haben. Zehn bis Fünfzehn Bücher waren keine Seltenheit und ich habe sie in den zwei Wochen Ausleihfrist meist geschafft.

Später dann als ich alt genug war alleine in die Stadt zu fahren und genügend Taschengeld hatte war ich regelmäßiger Kunde des Buchladens meines Vertrauens. (So regelmäßig, dass mich meine liebste Buchhändlerin neulich nach bestimmt 5 Jahren Abwesenheit immer noch erkannte.) Die Bücherei war zwar toll, aber ich stellte irgendwann fest, dass ich viel lieber das eigene Buch lese.

Neue Bücher riechen so gut, nicht wie die, die man ausleihen kann. Die haben immer so einen muffigen Geruch, dünsten die Vorleser, deren Wohnungen, deren Gedanken und Gewohnheiten aus. Sie sehen auch nicht schön aus, die Seiten öffnen sich von selbst, das Papier ist vergilbt, das Buch fleckig oder knitterig. Dazu sind Leihbücher auch oft in so eine komische Folien geklebt die sich partiell ablöst und knistern.

Nein ein Buch muß ganz neu sein, die Seiten fast noch zusammenkleben, der Buchrücken glatt, ungeknickt und dazu der Geruch, dieser ganz spezielle Geruch den ein neues Buch verströmt.

So ein neues Buch ist ein Versprechen, das Versprechen einen mitzunehmen in eine andere Welt, einer Geschichte, auf neues Wissen, zu fremden Emotionen, unbekannte Bilder zu zeigen, spannende Entdeckungen zu machen und das ganz alleine für mich. Ich bin wohl ein Büchersnob. Natürlich leihe ich mir auch heute noch Bücher und bei manchen ist es gut, dass ich sie nicht selbst erworben habe. Ebenso habe ich eine Faszination für ganz alte Bücher und frage mich wer diese wohl in den Händen gehalten haben mag und was die Personen empfunden/gemacht haben und wie toll es ist wenn sich ein Buch so lange erhalten läßt. Das Praktikum meines Leistungskurses in der Herzog August Bibiliothek damals war unglaublich aufregend und spannend.

Aber ich schweife ab, eigentlich wollte ich nur ein Bild posten, daß ich heute beim Einkaufen gemacht habe.

Buecherkorb

Diesen Bücherkorb sah ich heute im Parkhaus des örtlichen Großsupermarktes. An dessen Ausgang befindet sich ein Ramschmarkt. Ich gehe also durch das graue Parkhaus und sehe aus dem Augenwinkel die Bücher die da in dem Korb liegen und für 50 Cent angeboten werden. Da schoß mir durch den Kopf wie wenig diese Bücher ihr Versprechen auf Unterhaltung, Information etc. einlösen konnten. Niemand wollte sie. Gut, die dort ausgelegten Exemplare klangen auch nicht besonders vielversprechend, aber auch in den Innenstädten sieht man immer wieder Tische bei Buchläden oder in Kaufhäusern auf denen Exemplare reduziert angeboten werden, da sie regulär nicht verkauft wurden.

Bei diesem Gedanken blieb es aber nicht, ich sah vor mir wie irgendein Autor, wahrscheinlich unter Mühen, eventuell ein Übersetzer, ebenfalls unter Mühen an diesen Texten gearbeitet haben. Sah den Prozeß der folgt, das Lektorat, Layout, Setzen, Drucken, Binden, Verpacken, Ausliefern. Darauf wartend, daß dieses Buch für jemanden ein Versprechen darstellt.

Diese Bücher sind daran gescheitert und irgendwie war ich dann ein bischen traurig.

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Eine Antwort zu “Das Versprechen des Buches

  1. Ich unterschreibe deine Leidenschaft für Bücher uneingeschränkt 🙂 – bei mir ging es so weit, dass ich Bücher unterm Pulli auf die Toilette, ins Bett etc … geschmuggelt habe, weil ich mit ihrer Geschichte ohne Unterbrechung weiterleben wollte. Auch der Geruch fasziniert mich immer noch, und ich könnte ohne Probleme einen Buchgutschein von 100 Euro innerhalb von fünf Minuten in gute Bücher umsetzen. Aber: nicht nur neue Bücher riechen gut – auch die ganz alten, nach einer längst vergangenen Zeit 🙂 Ich habe vier Jahre lang in der Historischen Bibliothek der Uni gearbeitet und hatte irgendwann das Gefühl, ich kann Bücher nach dem jeweiligen Jahrhundert erkennen 😉 (manchmal frage ich mich, warum ich nicht Buchhändlerin geworden bin – vielleicht in meinem nächsten Leben …)

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