Über den Horizont hinaus

Ich liebe es am Meer zu stehe und einfach raus zu gucken, bis zum Horizont. Langsam, immer wieder neu begreifen, daß die Linie da hinten nicht das Ende ist, sich jedesmal bewußt machen wie unendlich weit weg es ist. Sinnieren über die Tiefe des Meeres, daß irgendwo weit weg, andere Menschen das gleiche Wasser irgendwann an ihren Füßen haben werden. Und ruhig werden, ganz ruhig . Beim Plätschern der Wellen loslassen was bewegt, in sich ruhen und sich klein und nicht so wichtig fühlen im Angesicht des Meeres.

Seit einiger Zeit weilt Percanta in Argentinien und für alle die nicht dabei sein können schreibt sie Tag für Tag auf ihrem Blog. Vierzig Tage lang, bis sie zurück kommt, wunderbar. In einem weiter zurückliegenden Gespräch mit ihr, sagte ich, daß ich mit Südamerika nicht so viel anfangen kann, daß es mir fremd ist und mich nicht wirklich interessiert. Ich hatte zwei drei Bücher von südamerikanischen Autoren gelesen und was dort und anderweitig von den Ländern vermittelt wurde, war nicht so meins.

Nun lese ich begierig ihre Reiseinträge, bin fasziniert möchte viel mehr Bilder, Geschichten, Eindrücke, Erfahrungen. Plötzlich keimt der leisen Wunsch auf, auch dorthin zu fahren und Argentinien zu sehen, zu begreifen.

Dieser für mich neue Wunsch war mir etwas sonderbar, wollte ich doch voher mit diesem Kontinent nicht so viel zu tun haben. Dann dämmerte es mir, es ist die Angst, die Angst vor dem Fremden und dem so Unbekannten. Und es sind die Augen des Anderen, desjenigen der das Fremde liebt und aus dessen Auge die Liebe strahlt wenn er von dem Fremden erzählt.  Wo Liebe ist, bleibt wenig Platz für Angst und die kindliche Neugier erwacht. Diese Neugier die ich so sehr in mir habe, die mich gerne neues entdecken läßt, zumindest wenn es mir nicht zu fremd erscheint, dass es mir unheimlich sein könnte. Es gibt dieses geflügelte Wort in unserem Haushalt, ein Satz der mir, lange vor den Kindern aus dem Mund sprang, ohne, daß ich voher drüber nachdenken konnte.

„Schatz, wir müssen mehr Weltreisen machen“

So gesagt, bei einem Frühstück mit der Samstagszeitung während ich den Reiseteil studierte und ein Bericht oder ein Foto mich bewegten, so, daß die kindliche Neugier erwachte und ich den Wunsch verspürte noch viel mehr von dieser Welt zu sehen. Der Mann an meiner Seite brach in schallendes Gelächter aus (Verstehe heute immer noch nicht ganz wieso) und wenn er heute meint ich formuliere einen abstrusen Wunsch zitiert er obigen Satz.

Aber um zum Ausgangspunkt zurück zu kommen, es geht doch immer wieder darum den eigenen Horizont zu erweitern wenn man nicht stehen bleiben will. Erkennen und annehmen, daß die augenscheinlich Grenze gar keine ist, sondern es eben dahinter weiter geht. Dort wo den Anderen das bekannte Wasser genauso um die Füße plätschert. Manchmal braucht es etwas Kraft, etwas Mut weiter zu schauen und zu gehen, aber wenn man es mit anderen Augen betrachtet, ohne die eigene innere Begrenzung zeigt sich was man verpaßt wenn man der Neugier unsinnige Bedenken entgegensetzt.

Wenn ich das nächte mal am Meer stehe werde ich einen Teil der Berührungsängste einfach mit dem Meer ziehen lassen und mir überlege wohin uns eine Reise führen könnte, heraus aus der eigenen „comfort zone“, über den Horizont hinaus.

Danke Percanta, für den Anstoß, die Inspiration.

Advertisements

2 Antworten zu “Über den Horizont hinaus

  1. Dass die Ideen zu den Weltreisen aber auch wirklich immer von den Frauen kommen müssen. Ts ts ts 🙂

    (Ansonsten: es lohnt sich!)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s