Aus zwei mach fünf – Ankunft

Am Ende einer jeden Schwangerschaft steht die Geburt, das weiß jeder das weiß auch ich, immerhin habe ich schon zwei Kinder ausgetragen und geboren. Und so groß der Wunsch nach einer Nummer drei auch war, dieses mal hatte ich wirklich Angst vor dem Finale. Je näher der Termin rückte um so nervöser wurde ich. Teils weil ich absolut noch nicht bereit war den Bauch gehen zu lassen, teils weil ich mir logistische Sorgen machte (wer nimmt die Großen, wie komme ich ins Krankenhaus, schaffe ich es rechtzeitig etc.) und ein großer Teil auch einfach irrationale Sorgen. Wohlwissend, daß ich aus der Nummer nicht mehr rauskomme, denn drinbleiben war nunmal auch keine Option.

Als der Mann letzten Sonntag den Kindern freudig erklärte, daß dies wohl nun unser letzter Sonntag zu viert sein werde, fauchte ich ihn empört an, daß ich noch nicht soweit und es bis zum Termin ja noch vier Tage hin sei und ich diese mindestens noch bräuchte. Dabei hegte ich die stille Hoffnung vielleicht auch mal über den Termin zu gehen, Aufschub zu bekommen.

Nachdem ich am Sonntag noch einiges aufgeräumt hatte und wenig zur Ruhe kam, war der Bauch am Montag recht unruhig, wurde oft hart. Dies kannte ich schon aus der Schwangerschaft und es war immer ohne weitere Folgen geblieben. Frei nach dem Motto beim Dritten tut es eben mehr weh. So schenkte ich dem Bauch nicht so viel Aufmerksamkeit, versuchte zu entspannen und zur Ruhe zu kommen. Trotzdem wurde ich leicht nervös und war nicht mehr gern alleine als ich feststellte, daß der Bauch relativ regelmäßig, wenn auch schmerzlos im zehnminütigen Abstand hart wurde. Der Mann spürte wohl meine Anspannung und versprach nach seinem Termin nach Hause zu kommen. Gegen mittag stellte ich fest, daß das Hartwerden mit leichten Schmerzen einherging und dachte ich sollte eventuell dieses doch mal kontrollieren lassen und drängelte den Mann aus seinem Termin raus. Ein Anruf bei meinem Frauenarzt bestätigte mich darin, dochmal ins Krankenhaus zu fahren um ein CTG zu schreiben.

Da ich immer noch nicht soweit war den Bauch gehen zu lassen und recht sicher wieder heimgeschickt zu werden organisierte ich die Kinder für kurzfristig weg, denn die Abholzeiten würden wir nicht einhalten können und schmiß für alle Fälle ein sauberes T-shirt, einen Massageball und ein Ladekabel in meine Handtasche. Die Kliniktasche mitzunehmen fand ich affig.

Wir kamen so gegen 14 Uhr im Krankenhaus an und nach 10 min wurde ich an das CTG gehängt. Zunächst scherzte ich noch mit dem Mann, daß nun alles Hartwerden vorbei sei, was aber ein Irrtum war, denn nach 10 min kam es relativ regelmäßig wieder. Da ich es aber wenig schmerzhaft fand war ich schon halb auf dem Sprung nach der dreißigminütigen Aufzeichnung heimwärts zu fahren. Doch die Hebamme dort sah das anders, sie untersuchte mich noch und meinte ich solle mal zwei Stunden spazieren gehen, auf dem Gelände, am Besten in der Nähe des Kreissaalbereichs und dann um 17 Uhr ein weiteres CTG schreiben. Ich fand das übertrieben, aber zottelte mit dem Mann zum Fahrstuhl um unten etwas rumzulaufen. Dort stellte ich fest, daß aufrecht der Schmerz etwas heftiger war, aber tolerabel. Trotzdem fühlte ich mich unwohl damit und so fuhren wir wieder hoch.

Ich war immer noch überzeugt, daß es noch nicht Zeit war ein Kind zu bekommen und war dementsprechend überrumpelt als die Hebamme meinte, sie gebe mir jetzt schonmal den Kreissaal damit ich meine Sachen dort ablegen kann. Häh? Wie? Jetzt schon? Ich spürte doch kaum was.

So gegen 15.30 bekam ich im Kreissaal meine Braunüle gesetzt, Blut abgenommen und mußte noch irgendwas ausfüllen. Innerlich dachte ich nur, was für ein Theater, ihr schickt mich doch dann eh wieder heim.

Die Zeit bis 17 Uhr verflog relativ fix, der Mann holte uns mal was zu Essen, wir hatten beide nur gefrühstückt und ich lümmelte rum, spielte am iPhone, redete und lachte mit ihm. Spürte immer mal das Ziehen, fand es aber nicht besonders. Dann war 17Uhr und ich kam wieder ans CTG, ich sollte wieder 30 min aufgezeichnet werden. Da die doofe Sonde immer verrutschte wurde diese Zeit 10 min und nochmal 10 min und nochmal verlängert, so daß ich bis gut 18 Uhr dranhing. Ich war am Schimpfen wie ein Rohrspatz, daß ich da so lange dran hängen mußte, wollte aufstehen und nicht doof rumliegen und fand die ganze Situation sowieso obskur. Der Mann lachte sich eins und meinte andere würden beseelt da liegen und dem Kind entgegenfiebern während ich nur am motzen sei.

Um 18 Uhr wurde ich endlich abgehängt und kurz danach kam eine neue Hebamme zusammen mit der Ärztin zu mir und schlug mir vor die Blase zu sprengen um mich zu erlösen, damit ich mich nicht so quälen muß. Es könnte ja beim Dritten auch noch was dauern jetzt. Häh, was? Ich quäle mich nicht, das war alles gut auszuhalten, ich mußte nichmal reinatmen. Ein weiteres mal fühlte ich mich komplett überrumpelt und fragte mich, wie die darauf kommen, daß es jetzt schon fast soweit sei. Langsam dämmerte mir aber, daß ich nicht ohne das Kind diesen Raum verlassen würde.

Da ich so wenig wie Medikamente mag, wenn jemand an mir rummanipuliert, erbat ich mir wegen der Blasensprengung ein wenig Bedenkzeit, ich wollte endlich mal aufstehen, auf Toilette und dann entscheiden. Aufgestanden bekam ich relativ starke Wehen und mußte diese dann auch mal veratmen. Also begab ich mich zum Bett zurück und nach einigen heftigen Wehen, bei denen ich dachte, nö, das mache ich nicht noch Stunden mit, begannen schon die Preßwehen (laut dem Mann nur 2-3), so daß um 19.04 unsere Tochter geboren war.

Bis heute bin ich noch nicht ganz darin angekommen, daß ich mal so eben ratzfatz ohne Vorankündigung meinen Bauch losgeworden bin. Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen, das Kind, das gebe ich nicht wieder her.

Advertisements

3 Antworten zu “Aus zwei mach fünf – Ankunft

  1. 😉 hach hach hach… ich weiß gar nich was ich sonst sagen soll! Hach…

    Ich freu mich so für euch!!!!

  2. So kann es gehen… Man denkt gar nicht daran und plötzlich soll man pressen 🙂
    Kommt gut an! Genießt einander!

  3. Ich hab den Bericht völlig verpasst.
    Und bin ein wenig begeistert. „Mal eben“ so ein Kind bekommen, das ist ja irre. Toll!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s