Über das richtige Reinigen von Waschmaschinen

Letztens nahm ich beim Entleeren bzw. Befüllen der Waschmaschine einen üblen muffigen Geruch wahr. Erst schob ich es auf die vor der Maschine liegenden nassen und benutzen Putzlappen. Als diese jedoch gewaschen und verräumt waren, der Geruch aber immer noch da wurde ich mißtrauisch. Als erste Maßnahme reinigte ich das Flusensieb, aber dort befand sich nicht viel drin und wie ich heute lernte kann das auch seltenest bis gar nicht die Ursache sein.

Mein aus dem Internet angelesenes Halbwissen erinnerte mich daran, daß häufiges Waschen unter 60 °C zu Ablagerungen führt, die wiederum Gerüche verursachen, genauso wie das häufige Benutzen von Flüssigwaschmitteln. Diese beruhe wohl unter anderem darauf, daß Bakterien nicht abgetötet werden und den Rest kann man sich denken.

Da ich eh grad neue Handtücher beim Ikea gekauft hatte und die im Verdacht stehe abzufärben wusch ich diese als Nächstes, zusammen mit Sagrotan für Wäsche. Ich ging davon aus, daß eventuell vorhandene Bakterien damit schon zerstört werden würden und somit der Geruch verschwinden würde. Nach dem Waschen empfing mich aus der Maschine der penetrante Geruch des Sagrotans, gepaart mit dem ekeligen Muffelgeruch. Okay, Experiment gescheitert.

Nächster Lösungsansatz war das erneute Besuchen der Herstellerwebseite unserer Maschine, dort stand auch, daß niedrige Temperaturen zu Ablagerungen/Gerüchen führen und es wurde empfohlen den Hersteller eigenen Maschinenreiniger durchlaufen zu lassen. Bei der Feststellung, daß der Versand des Reinigers nur unerheblich weniger beträgt als die angepriesene Chemikalie nahm ich Abstand von der Bestellung.

Plietsch wie ich bin, kam ich auf die Idee im örtlichen Drogeriemarkt nach einem herstellerunabhängigem Reiniger für Waschmaschinen zu suchen. Ich fand ein, kaufte ihn und warf ihn daheim anweisungsgetreu in die Maschine. Während des Reinigungsvorgangs entwickelte sich ein penetranter Zitrusduft der durch die ganze Wohnung und wenn man der Waschmaschine zu nah kam bemerkte man einen säurigen zitronigen Geschmack im Mund. Sehr suspekt das Ganze. Überzeugt, daß nun alles gut sei öffnete ich ein weiteres mal die treue Haushaltshilfe und bemerkte den stark parfümierten Geruch unterlegt mit dem schon bekannten Muff. Börgs.

Heute war mir die Reihe der Selbstversuche dann zu blöd und ich mit meinem Küchenlatein am Ende. Also rief ich den Verkäufer der Maschine an, welcher gleichzeitig Vertragshändler des Herstellers ist.

Und somit teile ich dem interessierten Leser nun mein geballtes Wissen zur Washmaschinenreinigung mit.

Die Ablagerungen in der Maschine bestehen aus Fett, Waschmittelresten und Kalk. Fettreste/Schmutz und Kalk benötigen unterschiedliche Lösungsmittel. Klingt logisch und paßt zu meinem Restwissen aus dem Chemieunterricht. Aus diesem Grund konnte der von mir verwendete Maschinenreiniger nicht wirken, denn die Ursache des Geruchs liegt nicht in den Fettablagerungen. Eher in den Kalkablagerungen. Au dem gleichen Grund wirkt auch der Sagrotanwäschekrams nicht.

Kleiner Einschub extra für meine liebe Kaboe: Desinfektionsmittel ist nur in den wenigsten Fällen sinnvoll. Der häufige Einsatz von Desinfektionsmitteln führt nur dazu, daß Allergien gefördert werden. Abgesehen davon, daß es in diesem Fall sinnlos ist, siehe oben,bzgl. Geruchsquelle. Ich benutze den zwar auch, aber nur wenn Kinder oder Katze etwas eingepieselt haben oder ein Fußpilz oder M/D Infekt ausgestanden und die Wäsche noch Erreger enthalten könnte. Die meisten Bakterien/Viren etc. sterben aber bei 60 ° C ab und der Einsatz von Desinfektionsmitteln ist somit unnötig, sorgt nur dank der penetranten Parfümierung für das Gefühl saubererer Wäsche/Maschine. Und noch weitergehend töten auch normale Haushaltsreiniger fast alles ab, somit ist auch der Einsatz auf Arbeitsflächen in den meisten Fällen obsolet. Einschub Ende.

So, zurück zum eigentlichen Thema, wie bekomme ich den Gestank effektiv entfernt.

Zunächst die Maschine bei höchster Temperatur leer durchwaschen lassen. Die Zugabe eines Reinigers ist nicht unbedingt notwendig, denn es befinden sich immer noch genug Reste von Waschmittel in den Tiefen der Maschine. Die erkennt man, daß trotz absolutem Leerlauf Schaumbildung auftritt. Hab ich selbst beobachten können, ist wahr. Mit diesem Durchgang entfernt man den fettigen Schmutz der auf dem Kalk aufgelagert ist.

Im nächsten Schritt nimmt man einen Waschmaschinenentkalker, der bei Normaltemperatur angewendet werden kann, so der Fachmann. Dieser löst dann die Kalkschicht, die wohl die Hauptursache für die Geruchsbildung darstellt. Man kann da nicht jeden Entkalker nehmen, da es auf die Dosierung ankommt und die sollte stimmen, da es sonst nicht funktioniert. Eine zu geringe Dosierung löst nicht genug, eine zu hohe reagiert mit dem in der Maschine verarbeiteten Aluminium (das genaue Bauteil hab ich vergessen) und führt dazu, daß die Trommel innen schwarz wird. Während ich im ersten Drogeriemarkt stand und mich fragte ob ich dort vorrätige Zitronensäure (pur) die angeblich auch zu dem Zweck geeignet sei nutzen kann und dies telefonisch im Fachladen nachfragte, wurde mir gesagt die solle ich nicht nehmen. Ich habe dann in der zweiten Drogerie einen Entkalker gefunden, der explizit für Spül- und Waschmaschinen ist. Dieser verlangte allerdings die Höchsttemperatur bei der Anwendung.

Im letzten Schritt läßt man die Maschine nochmal bei 95° C leer laufen, damit die sich unter der Kalkschicht befindliche Fett/Schmutzschicht nun entfernt wird. Mir wurde gesagt, daß die Waschmittelreste nun draußen wären und es diesmal nicht schäumt, stimmt auch das kann ich bestätigen. Dieser letzte Waschgang läuft bei mir noch und ich kann noch nicht sagen ob im Anschluß der Geruch weg ist, gehe aber hoffungsvoll davon aus.

Eine abschliessende Anmerkung noch, man muß diese drei Schritte hintereinander durchführen und keine Waschladung zwischenschieben, da sich ansonsten wieder neue Waschmittelreste/Ablagerungen bilden, grad zwischen dem ersten und zweiten Gang. Und wenn wieder Ablagerungen von Waschmittel auf dem Kalk sind, kann dieser nicht effektiv gelöst werden, logisch oder? Man darf aber, wenn man nicht wäscht, sich gerne einen Tag Zeit dazwischen lassen.

So hoffe ich habe dem einen oder anderen helfen können.

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20 Antworten zu “Über das richtige Reinigen von Waschmaschinen

  1. vielen Dank fürs geballte Hausmuddiwissen!

  2. Gleich mal in die Drogerie dackeln …

  3. Also zum Entmüffeln der Waschmaschine habe ich dieses Desinfektionszeug auch noch nie verwendet. Aber vollgepullerte Kinderschlüpper, Sportklamotten, in denen unter Garantie nicht eine Faser Naturmaterial zu finden ist und all der andere schweißtreibende Kram, den man nicht bei 60 Grad waschen kann oder will, all das müffelt irgend wann. Wie diese schicken Damenoberteile, die so eng anliegen, daß die Unterarmbelüftung garantiert vollständig unterbunden wird – die finden sich zu Hauf in meinem Schrank … nun ja. die müffeln bei 30 Grad irgend wann. Ich habe da aber wohl eh nen Fetisch für diverse Reinigungs- und Putzmittel. Wo ich gerade so darüber nachdenke, beim nächsten mal wasche ich einfach mich mit Sagrotan, dann stinkt bestimmt auch die Wäsche nicht mehr ,)

  4. Danke!!!

  5. 1. Tip: Waschmaschine nach dem Waschen immer offen lassen.
    2. Tip: Regelmäßig Dr. Beckmann Hygienereiniger benutzen.

    • Ja nach dem Waschen Maschine auflassen, wollte ich gestern noch einfügen. Den Hygienereiniger hatte ich benutzt, das war der, der so arg parfümiert war, den Geruch aber nicht beseitigen konnte. Der löst den Kalk nämlich nicht.

  6. Funzt. Top Tip. Danke!

  7. Gegen Kalk und Schmutzablagerungen gibt es ja auch den Dr. Beckmann Pflegereiniger ; )
    Und am besten vorbeugend nutzen und nicht warten, bis es zu spät ist.

    • Der enthält aber keine Säure zum Kalklösen, nur Tenside und jede Menge Duftstoffe. Arbeitest Du für die Firma? 🙂

      • jaja und vorbeugend auch immer gleich die vorgegebene Riesenmenge Pulver resp. Flüssigkram reinwerfen – gell. Wen stören schon überschüssige Tenside im Vorfluter 8-P
        Funktioniert sicherlich. Die hübsche Schichtbildungstheorie, dass sich der Kalk und die Fett/Waschmittelpampe nacheinander ablagern, halte ich jetzt mal für etwas fragwürdig. Dem Rest stimme ich zu und selbst wenn die Aufwüchse aus verschiedensten zusammengegnubgelten Stoffen entstehen, hilft es ja, die einzelnen Bestandteile herauszulösen.
        Das ist beim Geschirrspüler je im Prinzip dasselbe. Wer immer nur die Ökospar-Programme laufen läß, zahlt dann nach kurzer Zeit viel Geld für den Ausstausch der völlig vergrinteten Wassertanks.

        Als nächstes könntest Du dich mit dem Muffelgeruch aus Waschbeckenüberläufen beschäftigen (also die innerhalb des Porzellanbeckens, wo man nicht schrubben oder abschrauben kann – wieso ist da eigentlich soviel muff drin?) – da hätte ich auch gern mal eine Lösung.

      • Hmm, ich hab das mal eben recherchiert, da ich mich damit auch schonmal beschäftigt hatte. Es war aber eher der Ausfluß als der Überlauf, der bei uns so ekelig roch. Ich hab auf die Schnelle mal hier die Beschreibung gefunden. Baking Soda ist eigentlich Natron, das kannst Du dafür nehmen.

        Cure for a stinky sink drain:
        Pour 1/2 cup of baking soda down the drain followed by 1/2 cup of warm water (to make the baking soda coat the drain). You may have to stir it up a bit to make that mixture go down the drain. Then pour 1 cup of white vinegar down the drain. This will cause some fizzing. About 10 minutes later, let hot water run down the drain for about five minutes. (Seem like a waste of water – but it really helps get rid of the smell).

        OKay?

        Ach und wegen der Schichten, ich finde schon, daß das sinnig klingt, da die Ablagerungen verschiedene Lösungstemperaturen haben und auch verschiedene Chemikalien benötigen um gelöst zu werden, im Gegensatz zur Seife ist der Kalk ja ein Salz.

  8. Prima, weil dein Mann die Kopfhörer zum Testen bekommen hat, weiß ich jetzt, wie ich unsere Waschmaschine reinigen muss. 😉

  9. danke! hab‘ ausprobiert und es hat super geklappt. obwohl ich meine maschine regelmäßig mit zitronensäure gereinigt hatte, kam da noch massig dreck raus. jetzt ist sie wie neu.

    was nicht gelöst ist:
    obwohl ich meine maschine und das einfüllfach offen lasse, stinkt es immer nach stinkbombe, wenn ich meine maschine neu anwerfe. da drückt das einlaufende wasser den fäulnisgeruch nach draußen. hast du das auch? weißt du dagegen was schlaues?

  10. Meine Frau hat das auch gerade hinbekommen!
    Danke

  11. Natron und weisser essig hilf immer bei Muff

  12. War denn der Geruch dann raus? 😀

  13. Bin durch Zufall auf diese Seite gekommen! Warum soll hier keine Zitronensäure verwendet werden? Die Wirkung der Zitronensäure ist kalklösend! Diese Säure kann beispielsweise für die Entkalkung von Wasserkochern, Tauchsiedern, Wasserhähnen, Duschköpfen, Geschirrspülern oder Waschmaschinen verwendet werden!.Wenn Waschmaschinen selbst nach einer Reinigung noch riechen, könnte das auch an zu wenig Wasser liegen! Die neuen Waschmaschinen waschen bis zu 7 Kg Wäsche mit um die 50 Liter Wasser. Es wäre sicher einen Versuch wert, mal einen kleinen Eimer mit Wasser zusätzlich in die Spülkammer zu schütten!

    Gruss Tom

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