Yesterday Karstadt made my day

Ich näh grad was, etwas was ich hier noch nicht zeigen mag und kann. Einen kleinen Quilt, ich probier da was aus. Dafür brauche ich noch Stoff für die Rückseite und die Einfassung. Das was ich da habe ist nicht genug oder zu klein. Da ich zum Teil Stoffe von Westfalenstoffe verwendet habe, wollte ich etwas von denen dazu kaufen, damit es farblich harmonisch wird. Diese Stoffe gibt es nicht überall. Eine Suche auf der Website brachte viele nette Kruschläde am Rand und um Hamburg herum aber nur zwei die in einer machbaren Entfernung sind. Der eine davon ist ein Stoffladen mit einem eigentlich ganz netten Stoffsortiment, aber eine Inhaberin die ich als launisch und unfreundlich empfinde. (Mein zur Zeit Lieblingsladen führt die Stoffe nicht). Also schaute ich auf der Seite des besagten Ladens wieviel Auswahl sie haben und fand, daß es ausreichend war. Bevor ich mich und das Baby dann aber umsonst antüddelte und den etwas weiteren Weg mit dem Bus auf mich nahm rief ich extra an um nachzufragen ob das Online-Shopangebot dem im Laden entspräche. Ja bis auf eine wenige Ausnahmen sei eigentlich immer fast alles da. Gut genug, fand ich, um den Weg auf mich zu nehmen. Angezogen, Baby eingepackt und los.

Als wir ankamen bemerkte ich die fehlende Bank vor der Tür um dann den Aushang im Fenster zu sehen, daß der Laden noch diese und nächste Woche geschlossen sei, wtf. Ich hatte doch extra angerufen, gesagt, daß ich später vorbei komme, wieso hat sie (die Inhaberin) nix gesagt? Mir dämmerte, daß wohl eine Rufumleitung vom hiesigen in den recht neuen Laden im Rheinland bestehen muss. Trotzdem hätte man doch evtl. sehen können woher ich anrufe und mich informieren können.

Ok ich schluckte meinen leichten Ärger hinunter und beschloss, daß es von dort wo ich war nun auch kein Akt wäre noch in die Innenstadt zu fahren, was ich im Vorfeld eigentlich ausgeschlossen hatte, da im Alsterhaus die Auswahl an Westfahlenstoffen nicht so groß ist und die restliche Auswahl an Stoffen entweder sehr teuer oder unpassend ist. Egal, ich war unterwegs und ich hatte eine Mission, den fehlenden Stoff zu erlangen.

Angekommen im Alsterhaus fuhr ich frohgemut in die Handarbeitsabteilung und sah schon von weitem, daß die Regale wo diese Stoffe sonst liegen anders aussah. Nämlich so:

Völlig konstertiert, mit wirrem Haar, dem Kinderwagen, irrem Blick und müder Stimmt, fragte ich das anwesende Verkaufspersonal was denn mit ihren Westfalenstoffen passiert sei. Ich bekam eine eher patzige Antwort, daß die gezählt würden, da man mit denen gerade Inventur mache. Häh? Was? Im Oktober? Paah. Naja man sagte mir ich könne ja morgen wieder kommen, was ich mit einem meinerseits von Müdigkeit getragenen auch eher patzigen und leicht entrüsteten „Nääää, ich fahr doch nicht morgen nochmal quer durch die Stadt“, begleitet vom demonstrativen Kinderwagen vor mir hermanövrieren beantwortete. Es kann sein, dass ich ein gleichgültiges Schulterzucken wahr nahm, oder auch nicht. Zumindest fühlte ich mich etwas vor die Wand gelaufen. Man versuchte noch, eher unmotiviert mir was anderes zu verkaufen und ich ließ mich auf ein Stück Tilda Stoff ein, der das passenden Grün für die Einfassung zu haben schien. Ich verließ den Laden und obwohl von Schlafmangel leicht erschöpft und dazu unterzuckert, da ich ja nicht vorhatte so lange unterwegs zu sein, machte ich mich auf zu Karstadt um dort in der recht gut ausgestatteten Stoffabteilung nochmal zu schauen. Wenn ich einmal eine Mission habe, will ich die auch durchziehen. Diese lautete, nicht ohne Stoff zurück und so kehrte ich kurz beim Kaffeehaus meines Vertrauens ein, holte mir einen Kuchen und einen Kaffee zum mitnehmen und trottete weiter. Das zwischenzeitlich etwas unleidliche Baby schlief nun.

Ankunft Karstadt, zwei Verkäuferinnen, ein umlagerter Schneidetisch, ein geflöhter Tisch der Stoffe von Free Spirit, keine braunen Tilda Stoffe und die restlichen Patchworkstoffe eher zu piefig. Ich parkte das Baby am Tisch, stellte den Kaffee daneben und wuselte durch die Stoffe, mein Probestück des Quilts in der Hand, mal hier mal dort anlegend, mal einen Stoffballen rauszerrend um ihn dann genervt wieder zurück zu stopfen. Nebenbei hörte ich schon wie trotz des Andrangs die beiden Damen der Abteilung immer noch nebenbei einen guten Rat mit verkauften und super freundlich blieben.

Endlich war der Schneidetisch leer, in den letzten Zügen hängend fragte ich die eine der beiden Fachfrauen ob der Stress nun vorbei und sie mir helfen könne. Ich erklärte mein Anliegen, legte mein Probestück vor und beschrieb was ich mir als ergänzenden Stoff vorstellen könne. Nebenbei ließ ich noch meinen Frust los, wegen des geschlossenen Stoffladens und der leer geräumten Regal im Alsterhaus, zeigte sogar das obige Foto. Konnte sie gar nicht fassen die gute Frau, daß dort wegen der Stoffe Inventur gemacht würde. Egal, sie schien es nun als ihre Mission anzusehen mich glücklich zu machen. Rannte hier hin, dorthin, zog mich hinter sich her, wühlte unter den Tischen und versuchte mit mir etwas passendes zu finden. Beratschlagte, überlegte wie man die gewünschte Kombination hinbekommen könnte und war mehr als nur bemüht. Ganz großes Kino. Im Endeffekt passte keiner der braunen oder roten Stoffe wie es mir gewünscht hatte. Aber wir fanden etwas hübsch neutrales für die Rückseite. Als ich dann noch erwähnte aus der Westfalen Serie einen Stoff zu haben, den ich aber wegen des Rosa-Anteils nicht in dem Quilt verwenden wollte, sagte sie, daß das Quatsch sei und bestärkte mich den schon vorhandenen zu nutzen. Ich ging dann also nur mit dem Rückseitenstoff, keine große Summe, aber ich war glücklich.

Normalerweise bestelle ich viele meiner Stoffe, kaufe gerne im Stoffladen „um die Ecke“ oder anderen kleinen Läden dieser Art. Zu Karstadt gehe ich meist nur wenn ich Kurzwaren brauche oder einen einfach Standardstoff. Trotzdem ist mir voher schon aufgefallen, daß gerade die zwei Damen die dort gestern waren, einen mit Leib und Seele beraten. Nix mit anonymen Warenhaus, Personal unmotiviert und unfreundlich. Es war fast so als wäre ich im kleinen Laden um die Ecke. So stelle ich mir Servie vor, so liebe ich das und so komme ich auch immer wieder, selbst wenn Karstadt nicht unbedingt die Stoffe führt die meine erste Wahl sind.

(Obwohl die sehr bemüht sind auch moderne und gewünschte Stoffe ins Sortiment zu bekommen und dort und vorallem im Alsterhaus dem neuen Trend, wir nähen uns Schnickeldi aus teuren Stoffen folgen und inzwischen einen Teil Stoffe anbieten, die es sonst nur in kleineren speziellen Stoffläden gab)

Danke liebe Damen aus der Stoffabteilung im Karstadt, ihr habt mir den Tag gerettet und ich bin mit einem Lächeln im Gesicht aus der Stadt gefahren.

Advertisements

Eine Antwort zu “Yesterday Karstadt made my day

  1. Wenn sie Zeit für Dich haben, sind die super! Und die waren auch schon da, als ich vor 25 Jahren mit dem Nähen angefangen habe.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s