Das Sauerteiexperiment

Wie ich berichtete, habe ich von unserem London Aufenthalt ein Brotbackbuch mitgebracht. Nachdem die bisherigen Versuche die Rezepte nachzubacken alle recht erfolgreich waren, dachte ich, kann ich mich an das Sauerteigrezept wagen. Sauerteig scheint ja beim Brotbacken sowas wie der heilige Gral zu sein, zumindest wenn man einschlägige Seiten in diesem Internetz liest.

Lange Rede kurzer Sinn, vor einer Woche machte ich mich dran mir meinen eigenen Sauerteigansatz zu ziehen. Dieser bestand aus 550er Weizenmehl, etwas Dinkelmehl, Honig und Wasser. Er tat auch brav was ich wollte, schlug Blasen, wurde innen schaumig etc. pp. Ich fütterte ihn nach Plan, bewegte ihn und schaute regelmäßig nach seinem Wohlbefinden. Nach zwei Phasen der Betüddelung trockenete ich einen Teil des Ganzen zu Granulat für einen späteren neuen Ansatz.

Am Ende der vierten Phase war der Sauerteig reif um zu Brot verbacken zu werden. Ich hatte ihn wie vorgeschrieben gut zwei Tage im Kühlschrank vor sich hin arbeiten lassen. Leider sah er unter der gebildeten haut nicht ganz so luftig aus wie im Buch, aber da ich nunmal dabei war beschloß ich trotzdem mit der Hälfte den Brotteig wie geplant anzumischen. Also gab ich weiteres Weizen- und Dinkelmehl hinzu. Außerdem natürlich mehr Wasser und dann versuchte ich aus der matschigen Masse sowas wie einen bindenden Teig zu erhalten. Das klappte halbwegs. Dieser kam in zwei Körbchen, mal wieder die Osterkörbchen der Kinder und durfte in kühler Umgebung außerhalb des Kühlschranks noch mal 17 Stunden ca. gehen. Besonders aufgegangen fand ich ihn dann nicht, hatte aber keine Geduld mehr und an dem Tag rasende Kopfschmerzen und wollte den weg verarbeitet haben.

Der Ofen mit dem neu erworbenen Pizzastein wurde aufgeheizt, die zwei Laibe hineingeschoben und ausgebacken. Dies erfolgte mit absteigender Temperatur. Am Ende der Backzeit fand ich die Brote noch etwas hell und gab ihnen sowas wie eine Nachspielzeit (stand auch so im Buch). Danach ließ ich sie auskühlen und zog mich schmerzgeplagt ins Bett zurück.

Der heimkehrende Gatte brachte mir später ein Stück von dem Brot ans Bett, aber wegen akuter Übelkeit verweigerte ich die Verkostung. Als es mir dann besser ging nahm ich das aufgeschnittene Brot in Augenschein. Es roch ganz gut, hatte aber einen großen Hohlraum unterhalb der Kruste und auch die Krume gefiel mir nicht besonders. Immerhin war es geschmacklich okay und hatte den Sauerteiggeruch fast verloren. Während des Teigpflegens ging der mir nämlich irgendwann auf den Keks.

Unter dem Strich bin ich nicht zufrieden mit dem Ergebnis, die Kruste etwas zu hart, das Innenleben unterdurchschnittlich, nicht besonders gut aufgegangen und eigentlich im Inneren auch noch ein wenig klitschig. Da mein Sauerteigansatz nicht schimmelig oder verdorben war, gehe ich davon aus, daß er noch nicht genug Kraft hatte oder ich beim Verarbeiten einen Fehler gemacht habe.

Ich habe noch die Hälfte des Ansatzes im Kühlschrank und werde am Wochenende mit diesem, weitergereiften, einen weiteren Versuch wagen, diesesmal mit dem Rezept für Roggenbrot. Wie Sie sehen, es bleibt spannend.

Und weil jeder in diesem Internetz der mitbekam daß ich einen Sauerteigansatz ziehe fragte, ob ich einen Hermann herstelle, habe ich meinen Ansatz bockig Horst getauft.

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2 Antworten zu “Das Sauerteiexperiment

  1. Nun, ich hoffe doch, Horst 2 ist williger und nicht so ein Luftikus wie sein Vorgänger. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung

  2. Ich hatte einen Sommer lang einen namenlosen, aber guten Sauerteig. Mittlerweile mit Job und Co. schaffe ich es nicht mehr, mich gut zu kümmern, und greife auf den Alnatura-Sauerteig aus der Tüte zurück *schäm*

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