Wenn ich einmal groß bin

Mit acht wollte ich wenn ich groß bin heiraten und dann Kinder bekommen. Später kam dazu, selber zu entscheiden was ich anziehe, wie und ob ich mich schminke, welche Farbe meine Haare haben, ob meine Hosen heile oder durchlöchert sind, wann ich ausgehe und wann ich wieder komme, wen ich liebe und wie, wohin ich ausgehe, mit wem, was ich trinke und wieviel.

Dann wollte ich wenn ich groß bin studieren, in meinem Beruf arbeiten, entscheiden mit wem ich meinen Körper teile, entscheiden ob das nur kurz oder länger dauert, wollte erfolgreich werden, wollte Vorsitzende des BVerfG werden, dann doch lieber nicht, Nächte durchmachen, immer noch gerne Kinder bekommen, heiraten nicht zwangsläufig und meine eigene Wohnung haben.

Wenn ich groß bin wollte ich meine eigene Kitchen Aid haben.

Jetzt habe ich Kinder, hab so einiges auf der Liste selbstbestimmt erlebt, manches nicht, manches mehrfach, bin verheiratet, habe studiert, habe nicht alleine in einer eigenen Wohnung gewohnt, teile diese inzwischen mit vier Menschen. Ich habe die Verantwortung nicht nur für mich, sondern auch für drei Kinder, aber eine Frage ist geblieben.

Wann kommt dieses Gefühl, daß ich jetzt groß bin. Wann fühlt es sich so an, wie sich immer die Erwachsenen in meiner Kindheit angefühlt haben. Souverän, zufrieden, fast immer eine Antwort auf die Situation habend, annehmen was da ist, nicht hadernd mit dem was nicht da ist und irgendwie fest im Sattel? Bin ich emotional irgendwo zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreißig hängen geblieben oder waren die damals gar nicht so wie es aussah? Haben die das gut vor uns verborgen? Die alberne, die sehnsuchtsvolle, die unsicheren und die suchende Seite?

 

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2 Antworten zu “Wenn ich einmal groß bin

  1. ich glaube, das gefühl kommt nie.
    ich weiss nicht, ob die erwachsenen unserer kindheit wirklich so souverän etc. waren… ich glaube eher, dass sie das „vor den kindern“ vielleicht eher nicht so gezeigt haben und zum anderen hat man als kind doch eine völlig andere perspektive auf die erwachsenenwelt.

    was ich aber definitiv weiss: du befindest dich in guter gesellschaft! ❤

  2. Ich merke, dass ich erwachsen bin, wenn ich Entscheidungen verantwortlich fällen kann, mit all den Konsequenzen, die das beinhaltet. Wenn ich jemanden an eigenen Erfahrungen partizipieren lassen kann, und wenn ich merke, dass ich bei bestimmten Dingen gelassener bin als vor 20 Jahren. Aber ich weiß für mich ebenso, dass ich nicht „fertig“ bin, dass ich auf bestimmte Fragen meines Lebens noch keine Antwort weiß, dass ich Angst davor habe, spießig zu werden und darum gern Dinge in letzter Minute umwerfe, manchmal Luftschlösser baue oder unrealistische Träume hege – und dann fühle ich mich wie 20, unsicher und nicht vollständig geerdet. Aber ehrlich: Menschen, die immer und überall erwachsen und „fertig“ mit allem sind, sind doch totlangweilig. (irritierend ist an solchen Momenten der Blick in den Spiegel – bei geistiger Pubertät Stirn- und Augenfalten zu entdecken, passt nicht so recht zueinander ;-))

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