Das Biest aka der Hochzeitsquilt

Wer quiltet tut dies meist mit viel Leidenschaft. Für den Prozeß, das Entwerfen, die Umsetzung einer Anleitung oder einfach für die Stoffe. Man sucht sich aus was einen anspricht, gefällt oder fasziniert und setzt es so gut man kann um. Eine besondere Herausforderung ist die Umsetzung wenn man die Auswahl der Stoffe und/oder des Designs jemandem anders überläßt. Man verläßt seine Komfortzone und das zum Teil in eine Richtung die man so nicht gewählt hätte.

Vor einiger Zeit wurde ich von einer Bekannten gefragt wurde, ob ich für sie einen Hochzeitsquilt für ihre beste Freundin fertigen könne. Sie hatte vor sich von den Hochzeitsgästen Stoffe schicken zu lassen, die ich dann vernähen sollte. Ich fand das spannend und sagte zu.

Meine Komfortzone war ziemlich überschritten, als wir uns trafen und ich die inzwischen eingetroffenen Stoffe übergeben bekam. Ich war zum einen erstmal entsetzt was als vernähbarer Stoff angesehen wurde und wie schwer es einigen gefallen war die vorgegebenen Maße einzuhalten oder zu bedenken, daß ein Stoff der vernäht wird sowas wie eine Nahtzugabe braucht. Aber nun gut nicht jeder versteht Nähen und kennt sich damit aus. Und ja die Auftraggeberin und ich hatten im Vorfeld besprochen was für Stoffe in welchem Maß gebraucht werden.

Im ersten Moment wollte ich alles hinschmeißen, ich fand so viele Stoffe häßlich oder nichtssagend und dazu oft lieblos gestaltet. Aber es sollte nicht mein Quilt werden, nicht meinen Geschmack treffen und ich hatte zugesagt etwas daraus zu nähen. Irgendwie packte mich dann auch der Ehrgeiz etwas vorzeigbares zu gestalten.

IMG_8045Der noch unbeschnittene und ungeordnete Stapel der Stoffe

So saß ich dann daheim vor dem Haufen Stoffe den ich größtenteils doof fand und teilweise eigentlich ungeeignet für einen Quilt. Als ersten Schritt nahm ich die Polyester-, Jersey- und dünnen Teilstücke und bügelte sie mit Vlieseline auf einfache Baumwolle auf, damit sie vernähbar und waschbar werden. Fummelig war es die beiden bedruckten Polyesterfähnchen von der Baumwolle zu trennen auf der sie mit zu dicker und schiefer Naht aufgebracht worden waren.Die auf Stramin erfolgte Stickerei nähte ich mit Zickzack ebenfalls auf ein Stück Baumwolle auf.

Danach berechnete ich was die größtmögliche Fläche pro Stoff werden könnte und schnitt gleichmäßige Quadrate zu. Dabei vielen nochmal drei Stoffe raus, da sie dank des aufgebrachten Textes zu groß waren um sie irgendwie zu verwenden und/oder wegen des Materials (Wolle bzw. mit Knöpfen ohne Nahtzugabe eng benäht) nicht verarbeitbar waren. Bei einem konnte ich noch einen Teil des nicht beschriebenen Stücks als Blankoquadrat retten.

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IMG_8046Bilder aus dem Prozess des Sondieren, Fixieren und Zuschneiden.

Nachdem das alles durch war, machte ich erste Proben wie die Quadrate anzuordnen seien, was auch ein bischen durch die Anzahl der Quadrate vorgegeben war.

IMG_1496Wie man sieht ist ein Quadrat größer geblieben, aber da es relativ aufwändig mit Applikationen versehen ist, brachte ich es nicht übers Herz das nur aus Formatgründen rauszuwerfen.

Am Tag der Materialübergabe war ich mit der Auftraggeberin noch im Stoffladen gewesen, da wir uns einig waren, daß ich die Quadrate nicht einfach nur aneinander nähen soll/will. Es sollte etwas neutralisierendes, aber nicht weißes als Stege dazwischen.  Wir entschieden uns für ein recht neutrales Hellblau.

IMG_1497Da einfach nur Stege nähen ein bischen langweilig ist und ich von einem der eingereichten Stoffe noch einiges übrig hatte, verwendete ich diesen um „cornerstones“ zwischen die Stege zu setzen.

Die Auftraggeberin hatte schon beim ersten Treffen entschieden, daß sie gerne Pink an dem Quilt haben möchte und sich im Laden in einen Blumenstoff verliebt. Nachdem ich die Quadrate mit den Stegen und Cornerstones zu einem vorläufigen Quilttop vernäht hatte, war mir klar, daß das Top breiter werden muß, damit die Proportionen stimmen. So fuhr ich erneut in den Stoffladen um den gewünschten Stoff mit den Blumen und einen passenden für den Rand des Tops zu kaufen.

IMG_1519Der Blumenstoff und passend dazu gewählt vom gleichen Hersteller ein Punktestoff mit dem selben Pink.

Damit das entschiedene Pink nicht direkt an die Quadrate stößt hatte ich mich entschieden vor dem Hinzufügen des Pink umlaufend um die Quadrate auch einen hellblauen Rand anzunähen, das erschien mir wesentlich harmonischer und symetrischer.

Danach schnitt ich den Randstoff wie ursprünglich geplant zu und nähte eine Seite an.

IMG_1513Da der Punktestoff nicht die erforderliche Länge hatte und weil ich ihn mit dem Hellblau verbinden wollte nähte ich von diesem einen Streifen rein. Als ich das fertig hatte und so auslegte fand ich den pinken Rand zu wuchtig um die gleiche Breite auf der anderen Seite auch noch anzufügen, Einige SMS mit der Auftraggeberin und ein bischen Grübelei meinerseits später kam ich zu folgender Lösung.

IMG_1516Das gefiel mir richtig gut und auf diesem Bild sieht man nochmal wie ich die applizierte Kirche mittig integriert hatte.

Das Top war somit fertig, blieb noch die Rückseite. Das war etwas schwierig, da der Quilt jedes Maß üblicher Stoffbreiten überschreitet und ich nicht Unsummen für noch mehr Rückseitenstoff ausgeben wollte. Ich suchte dann ein bischen in  meinem Vorrat, drehte und wendete die vorhandenen Reststücke, rechnete, fluchte und bekam schlußendlich eine Rückseite hin, mit der ich zufrieden war.

IMG_1525so!

Dann folgte das Zusammenheften von Rückseite, Vlies und Top. Ich wagte mich auch aus Zeitmangel diesmal an Sprühkleber. Bisher war ich sehr skeptisch ob das wirklich hält, ob ich mich damit vergiftet und ob ich damit einen Quilt faltenfrei zusammengeheftet bekomme. Kurz, es klappte hervorragend, die Familie war ausquartiert, viele Fenster auf und ich arbeitet konzentriert und das Ergebnis war toll. Kein Verschieben unter der Maschine und kein stundenlanges stecken von Quiltnadeln auf dem Boden kniend.

Ich hatte mich schon im Vorfeld für entschieden den Quilt mit geraden Linien im Karomuster zu quilten und so begann ich dies und quiltet den Bereich entlang der blauen Stege.

IMG_1535Das ging dank Obertransportfuß auch ganz gut. Leider stellte ich am Ende fest, daß alle Nähte auf leichtem Zug rissen und durfte alle wieder auftrennen. Das kostete 2,5 Tage. Ich wurde etwas panisch und zog das Tempo an und nähte jeden Abend bis mindestens 22.00 Uhr damit ich den Abgabetermin einhalten kann.

Drei Tage vor Abgabe hatte ich alle Quiltnähte sitzen und fing an das Binding zusammenzustellen. Um etwas passendes zu finden war ich zweimal in meinem Stoffladen gewesen und erst beim zweiten Versuch war ich halbwegs mit meiner Auswahl zufrieden. Ich setze vier verschiedene Stoffe zusammen, die die Farben aus der Rückseite des Quilts wiederspiegelten. Ich nähte das Binding einseitig mit der Maschine an und am selben Abend begann ich noch mit dem händischen Annähen desselben auf der Rückseite. Ich nähte inzwischen wie eine Besessene denn dieser Teil dauert relativ lange und ich von mir eher ungeliebt, ich habe gerne mal monatelang einen Quilt rumliegen dem noch das Binding fehlt.

Dienstag früher nachmittag und ich hatte den letzten Stich genäht. Noch zwei bis drei Kleinigkeiten korrigieren und mein Lable angenäht und das gute Stück wanderte in die Waschmaschine. Das war ein sehr kritischer Punkt, den die Auftraggeberin und ich hatten hin und her diskutiert ob der fertige Quilt vorher zu waschen sei. Sie hatte Sorge die Schriften verschwinden/verschmieren, ich sehe hingegen das Waschen und Trocknen als letzte Qualitätskontrolle an und außerdem waren lauter Markierungen auf dem Quilt die nur mit Wasser zu entfernen waren.

Aber es ging bis auf einige Stellen alles gut, die meisten Schriften hielten, die Nähte auch und nach dem Trocknen war ich mit dem Endergebnis recht zufrieden. Ich schnappte mir meinen staatlich geprüften Quilthalter und schoß noch einige Fotos im Garten.

IMG_8055vorne

IMG_8057hinten

IMG_8061Details vom zusammengesetzten Binding

IMG_8062Last but not least, jetzt auch mit Label 🙂

Heute habe ich den Quilt ausgeliefert und so wie es aussieht war die Auftraggeberin sehr zufrieden. Nun bin ich gespannt was das zu beschenkende Hochzeitspaar sagt. Ich hoffe es gefällt ihnen.

Mein persönliches Fazit, ich habe oft geflucht und gegrübelt, hätte ein- zweimal gerne alles in die Ecke gepfeffert, aber unterm Strich war es eine spannende Herausforderung ich denke ich habe doch noch so einiges aus dem für mich zuerst unbefriedigendem Material rausgeholt.

 

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11 Antworten zu “Das Biest aka der Hochzeitsquilt

  1. Hui.

    Toll, dass Du soviel Geduld und Arbeit auf Dich genommen hast.
    Die Beschenkten werden sich bestimmt freuen.

    • Danke Dir, ich hoffe es sehr. Habe heute nacht geträumt er würde doch nicht verschenkt, da die Braut sich etwas ähnliches schon gekauft hat. 🙂

  2. Oh, das ist aber ein schönes Teil geworden, vor allem angesichts des Rohmaterials. 🙂

  3. Ist ganz ganz wunderbar geworden ! Und das mit den Auftragsarbeiten : meine Rede 🙂 Da werden sicher noch einige Aufträge folgen ! Haste wirklich toll hinbekommen ♡

  4. Liebe Sibylle,
    er ist großartig geworden!
    Ich ziehe sämtliche Hüte und weiß, DAS hätte ich nicht geschafft. Es ist so eine außerordentlich pusselige und pingelig genaue Arbeit, absolut toll, das du dich dieser Herausforderung gestellt hast.
    Bekommst du dafür einen Lohn? Obwohl ich weiß, das kann gar Keiner bezahlen 😉

    • Danke Dir. Ja natürlich wurde das bezahlt, aber jeder weiß, daß da kein angemessener Stundenlohn bei rauskommen kann, dann wäre so ein Quilt unbezahlbar 🙂 Wie immer finde ich natürlich die Umsetzung nicht genau und ordentlich, aber das sehe ja meistens nur ich.

      • hihi, kenne ich zu genau 😉 aber es ist die Herausforderung und das man jedes mal was dazu lernt. Das zählt 🙂

  5. Na also! Die Seiten und die schöne Rückseite (und das schreibe ich obwohl Du weißt, was ich von den Farben halte) halten doch den Mix hübsch zusammen.
    Da hast Du jetzt aber eine doppelte ausserhaus Kaffeeversorgung verdient.
    Die Sache mit dem Sprühkleber kannst Du mir am WE dann mal erklären…

    • Pff was hast Du gegen die Farben, sind doch supernett, okay sie sind nicht im Spektrum schwarz, dunkelschwarz und hellschwarz, aber sonst? 😉 Hab heute schon einen außerhäuslichen Kaffee bekommen 🙂

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