Auf den Hund gekommen?!

In der Nacht zum Samstag vor einer Woche verstarb unsere letzte Katze. Unerwartet, schnell und hoffentlich ohne zu leiden.

Dreizehn Jahre lebte sie mit uns, davon 10 mit ihrer Schwester, die schon vor drei Jahren gegangen ist. Zu uns gekommen sind sie als Ersatz für unsere erste gemeinsame Katze, die mit nur sechs Monaten vor unserer Wohnung überfahren wurde. Sie machten viel mit, einen Umzug nach HH, einen nach BN, einen zurück nach HH. Zwei bzw. drei Kinder. Anfänglich noch voll im Mittelpunkt, quasi als Übung für spätere Kinder, rückten sie später in den Hintergrund.  Nichtsdestotrotz waren sie ein Teil der Familie.

Mit dem Tod des Katzentiers in der Nacht war einer der ersten Gedanken nun kein neues Haustier anzuschaffen, drei Kinder und ein Ehemann bringen schließlich genug Beschäftigung mit sich. Nach gefühlt zehn Minuten surfte ich trotzdem diverse Tierheimseiten, etc. ab. Am nächsten Morgen proklamierten die zwei großen Kinder, daß wir nun zwei neue Katzen anschaffen müssen, wahlweise einen Hund. Die Idee eines Hundes fand ich nur so mittelprächtig, denn egal welches Haustier angeschafft wird, ist klar, daß die meiste Arbeit immer an mir hängen bleibt. Der Mann, der erst kein Tier, dann jedenfalls keine Katze mehr wollte, erwärmte sich zusehends für die Anschaffung eines Hundes, die Kinder nutzten das gekonnt aus. Dazu muß man wissen, daß sowohl er als auch ich mit Hunden groß geworden sind. Unsere Mütter waren überzeugte Hundebesitzer. Nach dem Tod seiner Mutter kümmerte er sich teilweise um ihren Aussie und hatte ihn immer wieder wochenlang am Studienort. Sorgte für sein Wohlergehen, machte stundenlange Spaziergänge und nutzte eben diesen Hund um sich an mich ranzuwanzen. Wir haben immer halbernst gesagt, wenn einen Hund, dann so einen, aber nur wenn keine Katze mehr hier lebt.

Es stand für mich von vornherein fest, daß trotz aller Begeisterung ein Aussie nicht der geeignete Hund für diese Familie ist. Aber da vor einiger Zeit Wolfgang von der Anschaffung eines Miniatur-Aussies erzählte, überlegte ich ob das etwas für uns wäre. Diese sind etwas weniger groß und abhängig von der Zuchtlinie ist der Hütetrieb weniger bis kaum ausgeprägt, passen eher in eine Stadtwohnung und eine Familie. Ich erinnerte mich nur dunkel an die Seite der Züchterin von der sein Hund stammt, darum suchte ich erstmal etwas ziellos nach Züchtern die von uns aus zu erreichen sind. Las einiges über die Rasse und kam dann doch auf die Seite eben der Züchterin, die auch noch gerade Welpen hat. Zeigte dem Mann die Bilder und dieser stellte als erstes fest, daß die Hündin, die in Frage käme fast den Namen unserer ersten Katze hat. Also rief ich an, besprach das Band, schickte eine Email, nachdem 45 min später noch keine Rreaktion gekommen war, schrieb noch zwei Züchter an und ging ins Bett.

Am nächsten Morgen beschwerte ich mich über mangelnde Rückmeldung bei der Tochter, die darauf nur entrüstet auf die Uhrzeit hinwies. Kurze Zeit später kam dann ein Rückruf und die Frage ob wir so spontan seien uns noch am gleichen Tag den Wurf anzusehen. Waren wir, fuhren hin, schauten an, waren hingerissen und fuhren heimwärts.

Es folgten 24 Stunden in denen wir hin und her überlegten. Eigentlich eher ich, denn die Kinder wollten den Hund unbedingt. Na gut, der Sohn wollte nicht den gleichen wie wir aus dem Wurf, aber darauf konnten wir keine Rücksicht nehmen, denn es kam nur eine Hündin und nur ein eher ruhiger Welpe in Frage. Da gab es nur eine Wahl. Im Grunde war der Sohn aber dann doch dafür und der Mann hatte sich auch schon mit der Idee abgefunden. Bei mir blieb die Unsicherheit, ob ich (denn darauf würde es hinauslaufen) mich dem gewachsen fühle, ob ich mich so schnell wieder so fest (an ein Tier) binden wollte. Außerdem fehlte mir eine eindeutige Zusage des Mannes zur Übernahme von mindestens der Hälfte der Belastung. Meiner Meinung nach muß derjenige, der die Tierart bestimmt, auch einen nicht unerheblichen Teil der Verantwortung übernehmen. Irgendwie konnten wir eine Übereinkunft finden, ich telefonierte noch lange mit einer Hundetrainerin, die mir einige Sorgen nehmen konnte und am Anfang zur Seite stehen wird und damit war nach einem abschließender innerfamiliären Gesprächsrunde die Entscheidung gefallen. Wir riefen an und sagten zu, den Welpen zu nehmen.

Auch wenn ich immer noch etwas unsicher bin und manchmal Panik bekomme, ob wir das alles schaffen, dem Hund und uns gerecht zu werden, freue ich mich inzwischen. Da wir beschlossen haben ihm noch eine Woche länger bei der Mutter und dem Rudel zu gönnen, habe ich aus Ungeduld schonmal einige kleine Anschaffungen als Überbrückungshandlung getätigt, quasi als Bekräftigung unseres Beschlusses.

Jetzt könnte man meinen das ist das Ende der Geschichte. Ist es aber nicht. Der eigentliche Grund warum ich das verblogge, ist primär nicht die Tatsache, daß hier ein Hund einzieht, sondern die auch die Reaktionen unseres Umfeldes.

Ich kann mich nicht erinnern, daß irgendjemand uneingeschränkt sagte, wie toll das sei oder daß er sich für uns freue. Die meisten Reaktionen gingen in die Richtung ob wir denn bekloppt seien, nicht genug zu tun hätten, ob wir denn wüßten, was wir tun. Weitergehend dann, wenn nach der Rasse gefragt wurde, ein Zucken im Gesicht zumeist gepaart mit einem wissenden OhOH. Gefolgt von der wissenden Frage ob wir uns bewußt seien, was wir uns da aufhalsen, den Feststellungen, wieviel Stunden wir nun investieren müßten, welche Beschäftigung der Hund braucht und so weiter und so fort. Abschließend dann die Anmerkungen, daß wir ja nun kaum Schlaf bekommen würden, gebunden seien, daß es Geld kostet und was weiß ich.

Ja liebe Leute, was denkt ihr eigentlich? Daß wir agieren wie kleine Kinder, die aus einer Laune heraus und weil Welpen so niedlich gucken aus einem „Habenwollenreflex“ heraus leichtsinnig eine Entscheidung treffen? Daß wir nur weil die Katze gestorben ist, aus Frustbewältigung zur Ablenkung mal eben einen Ersatz anschaffen? Meint ihr wir sind uns nicht bewußt, wie lange ein solches Tier lebt, was es kostet, worauf wir wegen einer Bindung an ein Tier verzichten müssen? Glaubt ihr, wir haben uns nur aus Nostalgie und weil sie hübsch sind für eben diese Rasse entschieden? Glaubt ihr nicht, wir haben uns dazu nicht einiges angelesen, Informationen gesammelt, die Züchterin befragt, miteinander gesprochen was wir tragen können?

Himmel, wir sind sowas wie erwachsen, wir sind beide mit Tieren groß geworden, wir hatten bis vor kurzem ein Tier. Wir sind Eltern, wir können Verantwortung tragen, wir wissen wo unsere Grenzen sind, was wir uns zumuten können und wie wir Hilfe bekommen und nicht zuallerletzt sind wir durchaus rational denkende Menschen. Auch wenn, der Mann zur Kaufentscheidung sagte, vernünftig ist es nicht, aber man kann auch nicht immer vernünftig sein. Traut uns doch einfach zu, daß wir wissen was wir tun. Und selbst wenn wir scheitern, uns verschätzt haben ist es unser Scheitern, eines mit dem wir dann zurecht kommen müssen. Vorhersehen kann das niemand. Was mich daran auch so aufregt ist, daß diese ganzen so wohlmeinenden Ratschläge und Hinweise fast nur von Leuten kamen, die uns, unsere Situation nur oberflächlich bzw. partiell beurteilen können. Aber alles Experten *seufz*.

Ich komme in eine Lage, in der ich permanent unsere Entscheidung rechtfertigen muß und das mag ich nicht. Das nimmt mir die Freude auf den Hund und das will ich nicht. Ja es ist vielleicht nicht die vernünftigste Entscheidung, aber eine von Herzen und zu der stehen wir.

 

[Disclaimer] Nicht eingegangen bin ich hier auf die besorgten Nachfragen von Freunden und Menschen die mir nahe stehen, die sich Gedanken machen, wie es mir damit geht, die aus unserer persönlichen, familiären Situation heraus urteilen können, die wissen, daß die berufliche Situation des Mannes fordert, daß gewisse Sachen an mir hängenbleiben. Deren Gedanken und Nachfragen haben mir geholfen für mich die Entscheidung zu treffen.

 

 

Advertisements

8 Antworten zu “Auf den Hund gekommen?!

  1. Also ich warte eigentlich nur auf das erste Photo 🙂

  2. Ich musste erstmal googlen, aber das Ergebnis zeigte mir eine sympathisch wirkende Rasse,sieht nach einem Familienhund aus und erinnert mich an den Border Collie meiner Mutter.
    Ist doch Eure Entscheidung und Hauptsache, Ihr freut Euch!
    Ist wie mit dem 1, 2, 3 oder gar keine Kinder, eine private, interfamiliäre Entscheidung!
    Freut Euch 😀
    Lg Eva

  3. ach, Kommentare, Meinungen, die Leute, pfff … das Wichtigste ist doch, dass es euch mit dieser Entscheidung gut geht (und dem Hund natürlich)

  4. Es ist immer eine familiäre Entscheidung! Und immer haben Andere eine andere Meinung! Ich finde es großartig wie ihr das angeht und gratuliere euch zu diesem Entschluß PUNKT

    Liebe Grüße Ketine @Annemariechen

  5. mhh.
    Ohne zu wissen, wen alles der Disclaimer besänftigen soll, würde ich ja mal sagen, wenn sich das Umfeld Gedanken macht und diese auch kundtut (was ich z.B. oft genug ja nicht mache, weil ich meine, es geht mich doch nicht wirktlich was an), dann könnte man annehmen, die Leute hätten Grund dazu. Und fühlen sich zumindest so verbunden, dass es sie interessiert, was Du tust.
    Ich würde annehmen, von der Hand zu weisen sind viele der Bedenken sicher nicht. Sonst wären nicht mehrere auf dieselben Ideen gekommen.
    Was hier gar nicht zur Sprache kam, aber auch ein guter Grund wäre: dass es vielleicht auch Bedenken von Leuten gab, denen euer mögliches Scheitern vielleicht egal wäre, wenn es nicht ggf. damit einherginge, dass ein weiterer kleiner felliger Exfreund verkorkst und unglücklich im Tierheim landet. Sowas soll ja schon vorgekommen sein in der Umgebung des einen oder anderen.
    Wenn das „Generve“ der Anderen auch nur unterstützt hat, dass die Tragweite der Entscheidung durch Argumentation in Gesprächen noch deutlicher zutage trat, ist doch alles gut.

    Viel Glück, viel Spaß und ausreichend Putzlappen 🙂
    DD

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s