Eine Frage des Kompromisses

Als Kind will man immer alles und das sofort. Man lernt im Laufe des älter werdens (schmerzlich), daß das nunmal nicht so läuft. Man lernt, daß es sinnvoller ist und auch zielführend sein kann, wenn man abwägt, aufschiebt, Kompromisse schließt und manchmal auch einfach aufgibt. So wurschtelt man sich durch das eigene Leben und versucht die für sich gangbaren Möglichkeiten zu finden.

Interessant wird es, wenn man das Alter erreicht in dem man einen Partner hat. Nicht, daß die eigenen Entscheidungen zuvor nicht auch andere Menschen betrafen oder Kompromisse denen zuliebe erforderten. Aber die Situation mit einem Menschen mit dem man länger wenn nicht sogar für immer zusammen bleiben möchte ist eine andere. Es geht dann nicht mehr nur um momentane Entscheidungen über das Abendessen oder welchen Kinofilm man gemeinsam sieht. Je mehr die Beziehung wächst und gedeiht und je ernster man diese nimmt, desto lebensentscheidender werden die einzeln oder gemeinsam getroffenen Entscheidungen. In einer idealen Welt wäre es natürlich so, daß immer beide Partner gut mit der Entscheidung leben können, daß niemand zurück stecken muß und die Entscheidungen nicht das ein oder andere Ziel beeinträchtigen.

So nehmen die echten Kompromisse in das Beziehungsgeflecht Einzug. Man entscheidet sich für den Wohnort, eine Wohnung, die Möbel, die Wandfarbe, wo das Schlafzimmer sein wird, ein Auto. Man bespricht welches Arbeitsangebot für beide tragbar ist, sollte sich dieses im Laufe der Beziehung entscheiden. Wieviel Abwesenheit ist machbar, geht eine Wochenendbeziehung oder verzichtet man dem Partner zuliebe auf das Jobangebot. Können beide damit leben, daß der ein oder andere einen Job hat der weit über die üblichen vierzig Stunden hinausgeht. Urlaube werden beschlossen, Meer oder Berge, Süden oder doch lieber nördlich. Gibt dabei einer nach, da kein Konsenz gefunden werden kann, so kann dies im nächsten Urlaub ausgebügelt werden.

Noch interessanter wird es wenn ein weitere Mensch, sprich ein Kind die Beziehung ergänzt. Wer steckt zurück, wer macht Karriere, wer kümmert sich um das Kind, wer verdient das Geld. Wieder ein Kompromiß der gefunden werden muß. Welche Tragweite haben diese Entscheidungen, kann man das auch ausbügeln. Kann das Zurückstecken des einen später wieder aufgefangen werden. Sind Verdiensteinbußen tragbar.  Solange man gewillt ist eine gemeinsame Lösung zu finden, wird es auch eine geben. Für den Moment, die Situation oder auch für immer.

Was ist aber wenn eine Entscheidung die das Leben beider betrifft von einer Person alleine getroffen wird. Was passiert wenn die andere Person diese Entscheidung nicht mittragen will oder kann. Wenn sich nunmal kein Konsens finden läßt. Wenn einer von beiden so dermaßen gegen seine Überzeugen handeln soll oder muß. Wenn man diese Entscheidung nicht mehr reversibel ist, wenn es keinen Kompromiß gibt, kein später?

Wie geht man mit so etwas um, was bleibt da als Lösung. Trennung kann da nur bedingt die Lösung sein, denn man hat ein gemeinsames Leben das auf anderen Ebenen funktioniert, hat Aufgaben zusammen. Erwachsen sein bedeutet auch nicht im Angesicht des Sturms sofort alles hinzuwerfen, sondern weiter zu machen, so lange niemand physisch oder psychisch in Gefahr ist. Also, bedeutet dann erwachsen sein, eine erwachsene Beziehung haben, daß man auf das was einem wichtig ist komplett zu verzichten, weil der andere Teil es nicht mittragen kann und will und ein Kompromiß nicht möglich ist?

Eine Frage auf die ich im Moment keine Antwort finde.

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2 Antworten zu “Eine Frage des Kompromisses

  1. Ich hab es nicht ausgehalten, mich komplett jahrelang mit zusammengebissenen Zähnen zum „Durchhalten“ zu zwingen, weil man ja eine gemeinsame Verantwortung hat. So wollte ich nicht weiterleben.
    Wie auch immer, ich habe es ausprobiert….bin in Dingen mitgegangen, hinter denen ich nicht stand. Mein Leben nach der Trennung war ein absoluter Befreiungsschlag. Den ich immer noch nachspüre.
    Viel Glück beim Antworten finden…manchmaldauert das Jahre.
    LG Eva

  2. Kryptik de luxe … (ich wünsche viel Kraft bei der Entscheidung). – liest sich, als wolle/müsse einer jobbedingt umziehen?

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