Also bei uns hätte es das damals nicht gegeben …

Das häufigste Wort welches ich zur Zeit von meinen großen Kindern höre ist „NEIN“. Deck mal bitte den Tisch auf, räum mal bitte die Spülmaschine aus, pack Dein Zeug da weg, mach bitte Hausaufgaben, egal welches Ansinnen man äußert, es kommt ein „Nein“ oder bestenfalls „gleich“. Auch die kleinere Tochter mit ihren vier Jahren hält es nicht unbedingt notwendig elterliche Aufforderungen ernst zu nehmen, noch nicht so schlimm wie die Großen, aber ein Trend zeichnet sich ab.

Dass ich mit dieser Problematik nicht alleine dar stehe ist mir bekannt. Neulich beim Abholen in der KiTa tauschten die andere Mehrfachmutti und ich uns darüber aus, dass es das bei uns damals nicht gegeben hätte. Haben die Eltern Ansagen gemacht haben wir überwiegendst gehört und das Angeforderte ausgeführt. Murrend, motzend, mal laut mal leise. Mit fortschreitendem Alter auch mal diskutiert, aber im Großen und Ganzen haben wir gehört.

Während wir darüber sprachen fragten wir uns kurz, wieso das damals funktionierte und wieso wir bei unseren eigenen Kindern so oft kläglich scheitern. der Begriff des autoritäten Auftritts seitens unserer Eltern fiel und wir waren uns sofort einig, dass auch wir sehr bestimmt und Autoritär auftreten (können). Was unterscheidet uns also?

Wir sind bestimmt keine Eltern die alles erlauben, auch wir werden sauer, zeigen das unseren Kindern, haben bestimmte Regeln aufgestellt und halten diese meist ein. Es gibt Konsequenzen für bestimmtes Verhalten, es gibt Routinen im Tagesablauf. Es ist nicht so, dass wir komplett gegensätzlich zu der Verhalten unserer Eltern erziehen.

Was ist also anders? Heutige Eltern, ja auch ich machen den Fehler, Kinder sehr früh in Entscheidungen mit einzubeziehen. Oder zumindest Aufforderungen als Frage zu formulieren und so suggerieren, dass eine Wahlmöglichkeit besteht. Möchtest Du jetzt Essen, wollen wir jetzt ins Bett gehen, welche Schuhe magst Du heute Anziehen. Nur so Beispiele. Ich habe mir das beim ersten Kind recht schnell wieder abgewöhnt, nachdem mich die Trotzphase sehr geschafft und verunsichert hat. Ein schlaues Buch gab mir damals an die Hand, dass Kinder feste Grenzen brauchen, die ihnen Sicherheit geben und viele der von Eltern gut gemeinten Mitentscheidungsmöglichkeiten sie überfordern. Also gewöhnte ich mir und uns an, unumstößliche Tatsachen im Tagesablauf nicht mehr als Frage zu formulieren. Es gibt Dinge die entscheiden einfach wir und es gibt Dinge da haben die Kurzen im Rahmen ihres Horizontes und der Gegebenheiten Mitspracherecht. Auch wenn unsere Eltern in einigen Dingen strikter waren, kann es nicht (nur) daran liegen, dass wir die Kinder vieles selbst entscheiden lassen und somit den Spielraum geben, dass sie davon ausgehen können bei allem ein volles Mitsprache- und somit Verweigerungsrecht zu haben.

Ich glaube ein Teil des Problems ist, dass wir im Gegensatz zu unseren Eltern immer mehr versuchen mit den Kindern auf Augenhöhe zu kommunizieren. Wir sind stets bemüht das Kind immer Ernst zu nehmen, seine Perspektive einzunehmen und aus dieser die Auseinandersetzung zu führen und zu Erziehen. Wir, die wir aus relativ strengen Elternhäusern kommen in denen die Eltern das sagen hatten und die Kinder zu folgen hatten, in der klare Hirarchien herrschten die uns wenig Raum liessen, wollen es besser machen. Moderne Erziehungsratgeber bestärken verunsicherte Eltern, Eltern die in streng geführten Elternhäusern weniger Luft zur Entfaltung hatten, Eltern die durch die eigene Erziehung erfahrene Verletzungen oder Limitierungen bei ihrem Nachwuchs vermeiden wollen. Wir sind die Generation die selbstbewußte, selbständige, selbst denkende Kinder am besten im hausgemachten Bullerbü groß ziehen wollen. Wir neigen dazu ein eher freundschaftliches Verhältnis mit dem Kind einzugehen. Aber wenn die Grenzen (weil Augenhöhe) verschwimmen, Hirarchien aufgelöst werden, ist es für die Kinder schwer eben diese Grenzen oder Regeln anzunehmen.

Ein anderer Punkt der mir zu dem Thema durch den Kopf geht ist der, dass ich denke wir sind die Eltern die geliebt werden wollen. Unsere Eltern wollten Respekt und Gehorsam. (Natürlich denke ich auch, dass sie geliebt werden wollten, aber geprägt durch ihr Elternhaus standen wohl doch eher Respekt und Gehorsam im Fokus.) Wenn wir als Kinder ungehorsam waren, rebellierten gab es „Liebesentzug“. Auch wenn ich nicht glaube, dass wir weniger geliebt wurden als die Kinder heute. So wurde es doch weniger gezeigt, die Zeit war eine andere. Wir heute zeigen und sagen unseren Kindern anders oder mehr wie sehr wie sie lieben. Genau so wie wir diese Liebe zeigen, wollen wir sie auch erwidert bekommen. Gehen wir einen Konflikt (durch notwendige Erziehung) mit dem Nachwuchs ein, riskieren wir Liebesentzug, wenn wir das Gewünschte mit aller Konsequenz und Autorität durchsetzen wollen.

Das sind jetzt nur so einige Gedanken die mir dazu durch den Kopf gehen und vielleicht liege ich ganz oder teilweise daneben. Vielleicht versage ich bei meinen Kindern auf der autoritären Ebene und es ist alles hausgemacht. Andererseits stehe ich mit dem Problem nicht alleine und darum stelle ich meine Ansätze mal zur Diskussion.

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8 Antworten zu “Also bei uns hätte es das damals nicht gegeben …

  1. Als Dreifach-Vater:
    Ich höre von meinen Kindern kein „Nein“, wenn ich von ihnen verlange den Tisch zu decken oder Hausaufgaben zu machen …

    Wir beziehen die Kids auch in Entscheidung mit ein, aber hier ist auch klar: Mama und Papa entscheiden, und wenn die was sagen, ist das Gesetz. Ich lasse gern mit mir reden, ob man statt bis 18:00 Uhr bis 18:30 mit Freunden unterwegs sein darf (meistens: Ja), die Kinder haben auch eigene Entscheidungsfreiräume, wenn es bspw. um Klamotten geht. Aber wenn ich sage, du bringst jetzt den Müll raus, gibt es kein Diskussionsansatz – weder gegenüber mir, noch meiner Frau.

    Gleiches gilt Abends – wir haben eine Bettgeh-Zeit, kurz nach 20 Uhr ist der Tag zu Ende; und dann hat auch kein Kind mehr im Wohnzimmer zu stehen … das ist dann Elternzimmer & -zeit.

    Ich habe zu meinen Kindern ein sehr liebevolles Verhältnis, wir kuscheln, haben Spaß, reisen rum, … und wir reden viel – dabei ist aber durchaus auch ab und an mal eines Thema: Ich bin Vater, kein Freund.
    Wenn mich eines meiner Kinder beschimpfen würde, wäre eine Grenze überschritten, ich bin niemand, den sie anschreien oder beschimpfen dürfen – sie wollen schließlich auch nicht, dass ich sie anschreie oder beschimpfe. Der Pakt gilt und hält. Und wenn ihnen doch mal was raus rutscht, dann reicht eigentlich schon ein Blick und danach lachen wir, weil wir wissen: Huch, Grenze.

    Ich glaube nicht, dass das was mit Autorität zu tun hat – Strafen helfen irgendwann eh nicht mehr, sondern machen es schlimmer. Ich glaube eher, das hat etwas damit zu tun, den eigenen Kindern einen Deal zu vermitteln – ich erfülle möglichst viele deiner Bedürfnisse, wenn du mir hilfst meine zu erfüllen …

    • Es ist ja nicht so, dass die Kinder hier nicht hören, alles selber entscheiden und uns permanent beschimpfen 🙂 Es gibt halt nur die Tendenz, elterliche Anweisungen erstmal in Frage zu stellen oder zu ignorieren. Und während einer genervten Situation in der KiTa wo es der anderen Mutter genau so ging, haben wir uns halt die Frage gestellt, wieso das alles nicht so funktioniert wie wir das gerne hätten.

  2. Unsere Eltern wollten Respekt, und wir haben sie trotzdem geliebt…

    Ich habe keine eigenen Kinder. Allerdings lebe ich mit meiner Freundin und ihren beiden Kindern (11 und 16) zusammen. Des Weiteren habe ich eine gute Freundin mit einem 11-jährigen Sohn und 6-jährigen Tochter, die ihre Kinder alleine erzieht.

    Der Vergleich ist vielleicht etwas hart und kann nur von jemanden, der keine eigenen Kinder, aber Erfahrungen mit ihnen hat.
    Kindererziehung hat viele Parallelen zur Hundeerziehung… 😉 Hunde lieben klare Regeln und fühlen sich erst dann wohl und sicher, wenn sie diese haben. Auch erst dann, wenn diese Regeln und Positionen klar definiert sind, lieben dich diese Tiere. Sie brauchen deine Führung und jemanden der für Ordnung sorgt. Ähnliche Erfahrungen habe ich auch bei Kindern gemacht. Wenn du von ihnen geliebt werden willst und aufgrund dessen auf Regeln, Respekt und klare Positionen verzichtest, werden sie dir am Ende auf der Nase herum tanzen. Auch Kinder wollen klare Spielregeln und wissen wo ihre Position ist. Ein Kind weiß nicht was seine Rolle und Position ist, daher muss diese vom „Rudelführer“ definiert, eingehalten und gelebt werden.

    In der Kindererziehung, wie in der Hundeerziehung, muss also der Rudelführer erst einmal bei sich anfangen zu arbeiten und dafür Sorge tragen, dass er den notwendigen Rahmen einalten wird und sich selber im Griff hat – alles Andere merken die Kinder (und Hunde) sofort, und nutzen es schamlos aus.

    Wenn du den Kindern aber doch beibringen möchtest Entscheidungen zu treffen, dann gib ihnen die Möglichkeit dazu. Aber auch hier bestimmst du den Rahmen. Man könnte es jetzt als „entweder du machst das, oder es passiert das“ verpacken, oder etwas positiver. 😉

    Dein Kind will Fernsehen schauen, nicht aber den Tisch abräumen? Dann biete ihm die Möglichkeit sich zu entscheiden und Fernsehen zu schauen, wenn es den Tisch abgeräumt hat. Räumt es nicht den Tisch ab, kann es eben kein Fernsehen schauen, das ist der Deal. Du aber hast ihm die Möglichkeit gegeben eine eigene Entscheidung zu treffen. Das hat am Ende auch den Vorteil, dass nicht du die Doofe bist, sondern immer sagen kannst, dass es die Entscheidung des Kindes war. Es hat sich dazu entschieden den Tisch nicht abzuräumen, und die entsprechenden Konsequenzen waren ihm bekannt.

    Wichtig sind also, meiner Meinung nach, klare Regeln die von allen „Rudelführern“ eingehalten werden, und dem Kind die Möglichkeit zu bieten Entscheidungen zu treffen und die jeweiligen Konsequenzen zu tragen. Auch hier ist es dann wichtig, diese als „Rudelführer“ durch zu ziehen und selber nicht wieder weich zu werden.
    Mit diesen klaren Regeln und Positionen wird dein Kind dich nicht weniger lieben. Respekt sollte nicht aussterben und weiterhin ein wichtiger Teil in der Erziehung von Kindern sein. Denn Kinder sollten auch Kinder sein dürfen und nicht zu früh irgendwelche Positionen besetzen, für die sie einfach noch zu jung sind – das bringt dann wieder andere Probleme mit sich, ist aber ein anderes Thema.

    • Es ist nicht so, dass die Kinder hier keine Regeln haben und keinen Respekt. Ich habe auch nicht gemeint, dass ich damit meine Kinder mich lieben, ich auf sämtliche Konsequenzen verzichte. Es war mehr so ein allgemeines Rumdenken wieso man heute sagt, und davon nehme ich mich nicht aus, dass die Kinder heute nicht so gut hören.

      • Ich glaube, Kinder hören heute nicht so gut, weil sie zu vielen Anforderungen ausgesetzt sind, viel früher Verantwortung tragen müssen und einfach wesentlich mehr Einflüsse haben, als wir hatten.
        Daher kommen Kinder schnell ins schwimmen, wollen diesen Anforderung entsprechen, weil sie wohl auch glauben, dass sie es müssen. Umso wichtiger sind diese Spielregeln, damit ein Kind auch weiß, dass es vielleicht gar nicht so viel erfüllen muss, wie es glaubt.
        Einige Eltern setzen wohl auch eine Frühreife bei ihren Kindern voraus und lassen sie daher laufen. Möglicherweise sind die Eltern auch mit ihren eigenen Aufgaben und den an sie gestellten Anforderungen so überlastet, dass das Kind funktionieren und deswegen früh eigenständig werden muss.

  3. Unterstelle ich auch nicht 😉

    Aber ich glaube, auch bei unseren Eltern gab es vieles, dass nicht so funktionierte, wie sie es gern gehabt hätten – sie geben es nur nicht zu 😉

    Hauptsächlich ist es aber etwas anderes.
    Das Leben von Eltern und Kindern früher war ein gemeinsames Auskommen. Kinder waren nicht zentraler Bestandteil des Lebens, sie mussten sich vielmehr einfügen. Das kehrt sich heute viel zu häufig um. Man versucht, den Kindern alles Recht zu machen und dazwischen ggf. noch Arbeit zu quetschen und den eigenen Lebensanspruch.

    Meine Eltern hatten zu erst einmal ihr Leben und ihre Arbeit, dann kam ich. Bei heutigen Eltern kommt erst Kind, dann Arbeit und dann Leben. Und das ist nicht gut …
    Man versucht als Eltern „alles richtig zu machen“ – aber dieser Anspruch ist Quatsch; Kinder wissen nämlich nicht was „richtig“ ist – das ist tages- und bedürfnisabhängig; hier müssen wir Eltern eine Richtlinie sein.

    Statt dessen versuchen Eltern Freunde, Beschützer und Förderer ihrer Kinder zu sein – dummerweise stehen die Rollen krass im Konflikt, oft auch mit den Bedürfnissen der Kinder selbst.

    • Ja, sowas habe ich versucht zu formulieren, wir haben sehr große Ansprüche an uns und die Kindererziehung und daraus folgen auch Konflikte in der Erziehung.

  4. Thema „Nein“ und „gleich“ hab ich mal verstärkt drauf geachtet, wie oft ich das so zu meinen Kindern sagen….! 😉
    Ansonsten versuche ich mich hier in: Ich bin der Boss (und das erkennen die 3 auch an, sagen das selbst, weisen mich darauf hin, ich soll gefälligst mehr Boss sein!!!) – aber ihr seid gleichwürdig und ich nehme Euch ernst.
    Wir pflegen hier eine brutal offene Diskussionskultur. Also ehrlich ohne Ende.
    Und natürlich höre ich hier auch oft „Nein “ oder „gleich“ .
    Ich mache oft Deals. Es gibt viele Freiheiten aber ab und zu zurre ich dann mal alle zu ihren Pflichten zusammen. Habe wirklich gemerkt, dass BEziehung die ERziehung erleichtert. Interesse am Kind und seinem Dasein, Befinden und das macht es meinen Kindern auch leichter, mir zu folgen und meinen Anweisungen zu folgen.

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