Na wie ist es denn so?

Das ist die Frage die ich in letzter Zeit am meisten höre. Sowohl im Familien- und Freundeskreis, aber auch im erweiterten Kreis meiner Blase im Netz hat man regen Anteil daran genommen, dass ich nach all den Jahren eine Anstellung gefunden habe. Und meistens antworte ich mit den Worten, dass es ungewohnt, aber gut ist und ich oft müde bin.

Also müde eher nicht bei der Arbeit, aber danach. Wer den Biorhythmus einer Nachteule hat, der stellt sich nicht in drei Wochen um und ist morgens eine fröhliche Lerche. Aber ich stelle mir den Wecker so, dass ich wenigstens ein wenig Ruhe am Morgen habe um meinen Kreislauf in Schwung zu bekommen. Arbeiten gehen ist dann aufregend genug um mich in den Stunden wach und aufmerksam zu halten auch wenn es ab und an kleine Schwächen in der Formnote gibt.

Inhaltlich ist es so wie erwartet, Sekretariat mit juristischen Ausschlägen. Die Sekretariatsarbeit ist nicht so schwer, aber doch viel Formkram den man sich merken muss und wo es mir wirklich unangenehm ist, wenn ich ein zweites oder drittes mal nachfragen muß wie es denn nun geht. Man nehme nur so eine Telefonanlage, eigentlich keine Raketenwissenschaft, aber sich am Telefon richtig zu melden, dann Rückfrage zu halten, ohne große Zwischenfälle zu verbinden ohne den Anrufenden aus der Leitung zu schmeissen sind für das weiche Muttihirn teilweise mit einer gewissen Herausforderung verbunden. Am Besten steht dann noch der Chef hinter oder um einen rum, dann geht gar nix mehr. Gut Gelassenheit ist eine Eigenschaft für das nächste Leben. Ich zweifele dann ja schon an mir, genauso, wenn ich mir nicht merken kann, wer denn nun den Schriftsatz in welcher Ausführung mit welchem Stempel und welchen Anlagen bekommt. Aber man kann sich ja alles mal aufschreiben und Übung macht den Meister, andere schaffen das ja auch im Halbschlaf rückwärts mit geschlossenen Augen. So viel Kapazität sollte ich mir dann schon zutrauen.

Was mich mehr anfrisst ist, dass ich doch feststelle, dass eine großer Teil des juristischen Präsenzwissens ganz tief nach unten in die Hirnwindungen gesackt ist. Und dann rutscht mir auch noch ein Quatsch raus und die Selbstzweifel triumphieren mal wieder. Aber paah, davon lasse ich mich nicht unterkriegen. Erstens kann ich lesen und habe auch spezifische Lektüre da und zweitens habe ich oft genug erlebt, dass gewisse Dinge oft unvermittelt wieder präsent sind. In diesem Studium wird einem ja einiges so oft eingebläut, dass man es gar nicht dauerhaft vergessen kann. Abgesehen davon, welcher Jurist hat, außer ganz frisch aus dem Examen, abgesehen von der Materie mit der er ständig zu tun, wirklich große Teile des Erlernten abrufbar?

Aber unter dem Strich ist alles fein. Die Kollegen sind nett, gut was sie denken weiss ich natürlich nicht, aber sie sind nett zu mir. Freundlich und hilfsbereit, es scheint ein gutes Arbeitsklima zu herrschen, soweit ich das nach kurzer Zeit beurteilen kann. Das ist viel wert und macht einem das Eingewöhnen in die Arbeit und ein neues Umfeld leicht(er).

Komisch ist es damit zurecht zu kommen, sich seine Zeit nicht mehr ganz frei einteilen zu können und wenn meine Stunden um sind folgt gleich der „Familienjob“. Ich jongliere noch damit mir Freiräume zu schaffen. Die Zeit sinnvoll einzuteilen, dass ausser Beruf und Haushalt auch Freizeit bleibt. Da ich noch nicht volle Tage arbeite ist das eigentlich machbar, aber momentan schlafe ich nachmittags oft ein (Ein Hoch auf größere Kinder, die dann die kleineren beaufsichtigen) und danach bleibt nicht mehr so viel Zeit. Am Wochenende muss dann aufgeholt werden, was nun liegen bleibt, da ich vormittags dafür keine Zeit mehr habe. Aber das wird sich alles einspielen.

So sieht das auch nach gut 3 Wochen in Lohn und Brot, es gab auch schon den Tag an dem ich mir am liebsten morgens die Decke wieder über den Kopf gezogen hätte und dachte mich sollen alle in Ruhe lassen, aber das gehört halt dazu und im Büro war es dann wieder gut. Mit der Routine wird sich alles einspielen, (noch) bin ich da optimistisch 🙂

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