Meisterin der Selbstsabotage – Berkeley Teil 2

Nach dem ganzen Gegrübel über das „ob“ folgte das „machen“. Sprich, wer nach Berkeley will muss sich auch bewerben. Bei den ersten Überlegungen zum „ob“ hatte ich mich halbherzig schon beim Justizministerium erkundigt wie ich an die Nachweise zu meinem Staatsexamen in der erforderten Form komme. Dann verließ mich der Mut und ich tat nach der Antwort genau gar nichts. Man muß dazu sagen, dass die UC Berkeley für die Bewerbung zu dem LL.M Programm einen externen Dienst vorgeschaltet hat der die erforderlichen Unterlagen sammelt und dann bei Vollständigkeit weiter leitet. Es sind viele Unterlagen, die Nachweise der Staatsexamen, ein Lebenslauf, die Scheine aus dem Studium, den Sprachnachweis (TOEFL), Empfehlungsschreiben und ein Motivationsschreiben. Mich überwältigte das ganze und ich trödelte ein wenig rum, bis ich mir ein Herz faste und meinem Chef eher beiläufig mitteilte, dass ich einen großen Gefallen in Form eines Empfehlungsschreiben benötige, da ich mich jetzt durchgerungen hatte mich zu bewerben. Man muß dazu erwähnen, dass ich ihm den Traum zwar im Bewerbungsgespräch erzählt hatte, aber danach eher nicht mehr davon geredet habe und ihn quasi mit der Bitte über meine Pläne informierte. Er war zunächst nicht ganz so begeistert, sagte aber zu und wurde im Laufe der Bewerbung mein größter Cheerleader. Ich bekam also das Schreiben und gleich noch eines vom Kollegen dazu, erbat mir eins von einem der letzten Arbeitgeber  und war somit voll ausgestattet. Die Bewerbungsdeadline war am 15. November und ich hatte es mit meinem Zögern und zaudern geschafft, dass es inzwischen Anfang November war. Ich telefonierte mit dem niedersächsischen Justizministerium und wurde hervorragend informiert und begleitet mit der Anforderung der Unterlagen in beglaubigter und übersetzter Form. Meine Uni war da nicht so fix und die Anforderung der noch nicht elektronisch erfassten und archivierten Scheine etc. war etwas schwieriger. Ich musste selber Formulare ausfüllen und übersetzen um diese dann zurück zu schicken. Auf meine Frage ob es denn keine beglaubigten Originale bedürfe bekam ich die Antwort, dass wäre noch nie vorgekommen. Ich liess es entgegen der Angaben auf der Website des Sammeldienstes darauf beruhen und vertraute erstmal. Ich hatte mir halbherzig ein TOEFL Lernbuch gekauft in welches ich ca. 20 min reinschaute, es dann weg legte und genau wie alles andere den Nachweis für das Englische schleifen liess. Ich schaute auf die TOEFL Website, suchte nach freien Terminen und stellte fest, dass diese ca. eine Woche entfernt von der Bewerbungsdeadline lagen. Zwischendurch führte meine allgemeine Verunsicherung und Angst vor mir selber dazu, dass ich mit der UC Berkeley telefonierte um abzuklären, ob es überhaupt eine Wahrscheinlichkeit gebe angenommen zu werden. Dies wurde mir bestätigt und gleichzeitig mitgeteilt, dass wenn mein Motivationsschreiben, der Lebenslauf und die Bewerbungsgebühr rechtzeitig vorlägen, es erst einmal ausreichen würde.Sie seien gewohnt, dass die Unterlagen erst später eintrudeln und ich hätte dafür noch gut zwei Wochen mehr Zeit. Das war dann der endgültige Anstoss den Hintern hoch zu bekommen. Am 12.11. schaute ich noch einmal nach den Terminen für den TOEFL, da war einer am 16.11. frei geworden, den ich dann nicht buchte. Am nächsten Morgen war er noch frei und ich zögerte wiederum. Dann ging ich arbeiten und stellte dort fest der Termin war weg. Also wirbelte ich im Kopf diverse Möglichkeiten durch und schaute dann nochmal nach. Da war der Termin wieder frei und mein Chef bekam das alles mit und drängte mich den Termin jetzt einzubuchen. Dies tat ich dann auch und bekam die Flatter ob ich überhaupt bestehen könnte. Ich übte an den folgenden Abenden bis zum 16.11. mit dem Probetest der mit der Anmeldung kam. Ich schrieb am 15.11. mein Motivationsschreiben und lies es von drei Personen gegenlesen bevor ich es mit klopfendem Herzen hochlud. Den Lebenslauf, die Bewerbungsgebühren und die Empfehlungsschreiben hatte ich vorher schon verschickt. Am nächsten Morgen ging es dann zu dem Test und ich war bannig nervös. Die tastatur dort war mies, das Umfeld seltsam, aber irgendwie schaffte ich es zu allen Aufgaben etwas abzuliefern und war 45min vor Ende fertig. An diesem Tag kam auch die Bestätigungsmail vom Justizministerium, dass meine Unterlagen auf dem Weg seien. Die Uni und das Ministerium mussten direkt an den Dokumentendienst verschicken, da hatte ich keine Mitwirkung. Das wirkt jetzt gar nicht so chaotisch und atemlos, aber ich versichere genau so war es. Man hätte es natürlich auch geordnet und strukturiert angehen können. Aber diese Entscheidung dafür war soweit außerhalb meiner Komfortzone, dass ich mich die ganze Zeit selber durch Unentschlossenheit und Trödelei sabotierte.  Ich erinnere mich nicht mehr so genau wie die nächsten zwei Wochen umgingen, nur, dass ich dauernd Emails von dem Dokumentendienst bekam, dass da Sachen fehlen. Ich versuchte mit denen zu telefonieren bevor die zwei Wochen um waren um nachzufragen wie weit sie mit den Eingängen sind und hatte erst Pech, dass wegen Schneesturms das Büro nicht besetzt war und dann dank Thanksgiving dort mehrer Tage geschlossen war. Als ich endlich jemanden erreichte konnte man mir keine Auskunft geben und ich bekam ein wenig Panik. Die zwei Wochen die mir UC Berkeley als Karenzzeit angekündigt hatte näherten sich dem Ende. Ich erinnere mich, dass ich am 30.11. auf der Firmenweihnachtsfeier sass und mir durch den Kopf ging was ich denn nur machen solle, wenn die mich nicht nehmen, welchen Plan B ich hätte und dass ich im folgenden Bewerbungszeitraum, ein Jahr älter und somit viel zu alt wäre. Immerhin hatte ich an dem Tag mein TOEFL Ergebnis bekommen, es war genug für die Bewerbung. Am 3.12. oder so rief ich wegen der ablaufenden zwei Wochen das Bewerbungsbüro in Berkeley an und schilderte mein Dilemma. Dort sagte man mir ich solle alle meine Zeugnisse etc. so wie ich sie habe direkt schicken solle. Das tat ich und rechnete mit weiteren zwei Wochen Wartezeit. Am 7.12. war da eine Email von UC Berkeley und beim zweiten Lesen stellte ich fest, dass ich angenommen worden war. Es kann sein, dass ich einen etwas lauteren Schrei ausstiess um dann ein wenig rumzuheulen und den Rest des Tages eher im Nebel zu verbringen. Irgendwann um Weihnachten rum bekam ich vom Dokumentendienst mitgeteilt, dass mein Staatsexamen angekommen war und meine Scheine auch, aber die Scheine wären nicht im Original und daher würde man alle meine Unterlagen nicht an die UC Berkeley weiterreichen. Ich rief also mal wieder in Kalifornien an und sprach mit dem Bewerbungsbüro und bekam gesagt man würde das nach den Feiertagen klären. Immerhin war ich erstmal zugelassen und soweit ich meine Studiengebühr zahlte wäre dann alles gut. Es könnte passieren, dass ich Anfang Februar erstmal vom Unterricht ausgeschlossen werden würde, wenn es bis dahin keinen ordentlich Nachweis meiner Abschlüsse gebe. Mitte Dezember war die erste Veranstaltung und am 3. Januar offizieller Programmbeginn. Jedoch gab es schon ab Mitte Dezember Aufgaben die vorher zu erledigen waren. So fing ich an zu studieren ohne zu wissen ob ich wegen des Dokumentendienstes wegen fehlender Unterlagen noch suspendiert werden würde. Mitte Ende Januar kam dann endlich eine Email aus Berkeley die mir mitteilte, dass man dem Dienst nun angewiesen hätte meine Unterlagen so wie sie sind zu übersenden, der formelle Teil war damit überwunden und somit bin ich offiziell und unwiederbringlich Studentin der UC Berkeley, School of Law. Im nächsten Teil erzähle ich dann von finanziellen Hürden auf dem Weg dort hin.

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