Archiv der Kategorie: Beruflich

Nach all der Zeit

Wer mich kennt oder wer auch nur länger als fünf Minuten mit mir geredet hat, weiss, dass ich seit Jahren versuche den Einstieg in meinen Beruf zu finden. Durch das ungeplante K1 ist da einiges aus dem Ruder gelaufen. Es wurde mit K2 dazu nicht einfacher, aber trotzdem habe ich mit zwei Kleinkindern nebendran  mein Staatsexamen fertig gemacht.

Aber weder der anschließende Fachanwaltskurs noch ein kurzer Job reichten zusammen mit meinem weiteren Lebenslauf aus um einen Arbeitgeber von mir ausreichend zu überzeugen. Kinder und wenig Berufserfahrung sind halt doch ein Risikofaktor. Vielleicht habe ich auch die falschen Stellen angeschrieben oder meine Texte falsch formuliert. Man weiß es nicht.

Die Situation war, um es knapp zu sagen, nicht zufriedenstellend. Ich habe versucht, über diverse Institutionen Hilfe zu bekommen, doch das Angebot für Menschen mit akademischer Ausbildung ist rar oder auf wissenschaftliche Mitarbeiter bzw. Doktoranden beschränkt. (Dazu könnte ich glatt einen Roman schreiben) Andere Hilfsangebote, die ich (frühzeitig) in Anspruch nahm, waren eher auf Menschen mit Ausbildungsberufen zugeschnitten. Das Arbeitsamt glänzte zumeist mit ratlosem Schulterzucken.

Ich beschloß dann, dass ich genauso gut erst noch ein Kind bekommen kann, denn ich sagte immer, eher bekomme ich mit 45 noch einen Job als ein drittes Kind. Gut ich bekam, dann mit knapp 42 und mit 44 noch ein weiteres Kind, aber das ist eine andere Geschichte. Funfact am Rande, als ich kurz vor der Geburt von K3 war sollte ich über eine Personalvermittlung zu einem Vorstellungsgespräch, die mich aber leider nicht mit dickem Bauch schicken wollten, obwohl der Arbeitgeber meinen Lebenslauf gut fand. Und als K4 7 Wochen war, hatte ich ein recht gutes Vorstellungsgespräch, im Endeffekt bekam ich die Stelle dann aber nicht.

Immer wieder bekam ich den Ratschlag etwas anderes als meinen Ausbildungsberuf zu versuchen, mich selbständig zu machen, aufzugeben, ehrenamtlich zu arbeiten und was auch immer. Ich glaubte in den Augen meiner Gesprächspartner immer wieder Empathie zu lesen, aber auch leises Kopfschütteln, dass ich stur darauf beharrte, das machen zu wollen, was ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Und auch den verkniffenen Hinweis, dass es nach der langen Zeit doch keinen Zweck mehr habe.

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Tja, vor zwei Wochen las ich eine Ausschreibung die sich an Juristen richtete, als Alternativberuf aber die ReNo angab. Ein Telefonat weiter, wusste ich es handelt sich um einen Hybrid. Gesucht war eine Assistenz mit juristischen Kenntnissen. Kurz nach dem Abschicken der Bewerbung bekam ich einen Anruf. Es folgten ein Vorstellungsgespräch, weitere Telefonate, ein weiteres Treffen, einige Emails, noch mal Telefonate und heute unterschrieb ich meinen ersten Anstellungsvertrag, fast in meinem Beruf. (Und die Zusage kam gerade noch mit 45 ;)) Eine Chance, eine Herausforderung und auf alle Fälle spannend. Unterschrieben hab ich mit meinem Füller, den ich mir nach Bestehen des zweiten Staatsexamens habe schenken lassen, auch um damit einen künftigen Vertrag zu unterzeichnen.

Ich kann nicht ansatzweise in Worte fassen, was das für mich bedeutet.

Mama warum arbeitest Du nicht? – Gespräche mit K3

Grad im Bett, vorgelesen, gesungen, gekuschelt. K3 ganz eng an mich geschmiegt fragt:

„Mama warum arbeitest Du nicht, K4 und ich sind doch in der Kita?“

Ich: „Weil mich niemand einstellen will, das ist schwierig“

K3: „Du kannst doch bei uns in der KiTa arbeiten“

Ich: „Nee ich habe etwas anderes gelernt, in der KiTa kann ich nicht arbeiten“

K3: „Du kannst ja dann oben (1. Stock) bei den Logopäden arbeiten“

Ich: „Nein, das kann ich auch nicht, ich doch was ganz anderes gelernt“

K3: „Was hast Du denn gelernt“

Ich: “ Zu sagen was richtig und was falsch ist“

K3: „Dann kannst Du doch wieder da arbeiten wo Du vorher gearbeitet hast“

Ich: „Ich hab vorher nicht gearbeitet, weil K1 gekommen ist“

K3: „Kannst Du das denn noch?“

Ich: „Ja das kann ich noch, auch wenn ich mich wieder etwas einarbeiten muss“

Ich frage sie, warum es ihr denn so wichtig sei und dass z.B. die Mutter A ihrer Freundin M auch nicht arbeiten geht. Darauf bekomme ich keine Antwort aber es gibt eine Denkpause.

K3: “ Ach Mama, Du arbeitest ja doch, das hat mir A (Erzieherin) mal erklärt, Du arbeitest zu Hause, wie eine Putzfrau, so ist das dann bei der Mama von M und R auch.“

Nachschlag – Gedanken zu Müttern, Berufstätigkeit und meinem Wutposting

Überwältigt, das ist das erste was mir einfällt wenn ich an meinen Eintrag über den SpOn Beitrag denke. Überwältigt von den Zugriffen, der Veröffentlichung auf stern.de, den Rückmeldungen und den Diskussionen die darüber aufkamen. Danke. Es zeigt mir, ich bin nicht alleine mit meiner Wut, meiner Ratlosigkeit und meiner Situation.

Nach der Veröffentlichung habe ich einen Teil der Diskussionen eher passiv verfolgt, Kommentare hier gelesen und viel nachgedacht. Ich möchte nichts von dem was ich schrieb runterspielen oder entschuldigen, aber mir ist bewußt, daß ich nur sehr subjektiv für meine Situation geschrieben habe und es anderen ähnlich und doch ganz anders geht. Ich versuche mal meine Gedanken und Ergänzungen halbwegs sortiert nachzutragen.

-Wenn ich mich als hochqualifiziert bezeichne, dann möchte ich damit nicht meine akademische Ausbildung betonen (abgesehen davon, daß ich auch einen Beruf erlernt habe), sondern einfach nur klarstellen, daß ich etwas gelernt habe, was mich zu Tätigkeiten außerhalb Heim und Herd befähigt.

-Hochqualifiziert ist außerdem ein Begriff den die nette Dame für Wiedereingliederung des Arbeitsamtes verwendete als sie über mich mit mir sprach. Ein Begriff, der mich erst stutzen ließ, mir dann aber zwei Dinge bewußt machte. Zum einen, daß ich tatsächlich qualifiziert bin für einen Beruf (und somit ist es jeder mit einer Ausbildung jeglicher Art, nicht nur diejenigen die eine Universität besucht haben) oder und zum anderen, daß ich das oft vergesse, denn viele Absagen führen zu viel Zweifeln an sich.

-Hochqualifiziert meint auch nicht, daß ich es verdient habe sofort auf eine top nodge Stelle gesetzt zu werden. Meint aber doch, daß ich trotz geringer Berufserfahrung qualifiziert genug bin eine Chance zu bekommen um zu beweisen, daß ich das was ich erlernt habe anwenden kann.

-Genau wie die Autorinnen des SpOn Artikels im Grunde nur eine privilegierte Zielgruppe angesprochen haben, genauso privilegiert bin ich auch. Ich habe das Privileg, daß meine Arbeitslosigkeit das Familieneinkommen nicht nachhaltig belastet. Wir hungern nicht, wir haben ein Dach über dem Kopf, wir können uns mal was erlauben, wir sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht darauf angewiesen, daß ich auch Geld verdiene.

-Die Frauen die darauf angewiesen sind den Familienunterhalt (mit) zu verdienen stehen oft vor dem gleichen Problem und diese trifft es deswegen noch härter. Selbst wenn sie schnell nach der Kinderzeit wieder arbeiten wollen.

-Auch wenn es mich jetzt finanziell nicht besonders trifft kein eigenes Einkommen zu haben, trifft es mich spätestens im Renten- und/oder Trennungsfall. Darum kann man auch nicht sagen, es sei ein Luxusproblem der gelangweilte Hausfrau aus der Mittelschicht wenn diese keine Arbeit bekommt. Abgesehen davon kann der finanzielle Hintergrund kein Argument dafür sein ob man es „verdient“ eine Berufschance zu bekommen.

-Ich werde nicht darauf eingehen, daß es Menschen gibt, die der Ansicht sind, die Kinder leiden unter einer berufstätigen Mutter und/oder Fremdbetreuung. Nur mal so gefragt, was sollen denn dann die Mütter machen, die für das familiäre Einkommen arbeiten müssen? Keine Kinder bekommen?

-Ja es gibt die Frauen die gleich nach der Geburt oder etwas später sofort in ihren Beruf zurück gehen (können), die die Problematik nicht verstehen. Glückwunsch.

-Ja es gibt den Trend, daß jeder der eine Handarbeit halbwegs ausüben kann versucht damit Geld zu machen, in dem er die Produkte verkauft. Ob ich das gut finde? Nicht in jedem Fall. Es gibt die Frauen die das oder die Kinder als Ausweg aus dem gewählten Beruf sehen, es gibt die Frauen die gerne nur noch in Familie machen, die ihr Heim dekorieren bis es keine freie Stelle mehr gibt, die saisonal (ein)kochen, backen, konservieren, fünf Gänge Menus zaubern. Genauso gibt es die Frauen die sich so oder anders kreativ betätigen um sich zu entspannen. Es gibt die Frauen die den Beruf nur als Warteposition ansehen bis ihnen jemand die Verantwortung abnimmt selber Geld zu verdienen. Es gibt Frauen die keine Kinder wollen/haben. Es gibt Frauen die Kinder wollen und diese ganz klein zugunsten des Berufs in Betreuung geben. Es gibt dies und vieles vieles mehr. Und alle diese Alternativen sind okay, es sind die Entscheidung jeder Einzelnen was sie wie mit ihrem Leben macht, so lange sie die Entscheidung freiwillig trifft. Und die mangelnde Freiwilligkeit von weiblichen Lebenssituationen bezüglich Beruf und Familie, die prangere ich an, immer, immer noch, immer wieder.

-Und mag ich mich auch hier und dort vielleicht mal spöttisch oder mit Unverständnis über gewählte Lebensformen äußern, so steht es mir nicht zu darüber zu urteilen. Genau so wenig steht es anderen, sprich den Autorinnen des Artikels auf SpOn zu darüber zu urteilen für welchen Weg eine Frau sich entscheidet. Und diesen Respekt für die freiwillige Entscheidung den erwarte ich nicht nur von Frauen untereinander, sondern von allen Menschen. Auch wenn bei diesem Thema oft das Stichwort Frauensolidarität fiel, es geht um die generelle Akzeptanz des/der Anderen. Und genau diese Akzeptanz fand in dem besagten Artikel nicht statt.

„Frauen hört auf zu jammern“ – Artikel bei SpOn vom 17.07.2013

Vor knapp zwei Wochen stolperte ich über diesen Artikel und regte mich fürchterlich auf. Dank der ferienbedingt anwesenden Kinder dauerte es bis heute um Zeit und einen klaren Kopf zu finden um dazu etwas zu schreiben.

Die Mutter gewordene Frau wird als das Heim dekorierende Wesen hingestellt, daß die Lust an eigener Karriere verloren hat oder wenn Karriere nur noch Teilzeit und wenn möglich aus dem Hobby einen Beruf machen. Daß diese beiden Alternativen keine großen Karriereerfolge mit sich bringen versteht sich quasi von selbst.

Weiterhin wird die These aufgestellt, daß die meisten Frauen nach der Kinderpause zwar noch gut 20 Jahre zu arbeiten hätten, aber an dem ursprünglich gewählten Beruf eigentlich das Interesse verloren haben, denn die Berufswahl erfolgte doch zumeist nach Bequemlichkeitsgründen.

Dazu kann ich nur sagen: Bullshit, ganz großer Bullshit.

Frauen wie mir, die hochqualifiziert zu Hause sitzen und durchaus nach dem ersten oder zweiten Babyjahr gerne wieder in den Beruf zurückgekehrt wären erscheint dieser Artikel wie blanker Hohn, ein Schlag ins Gesicht.

Ich frage mich ernsthaft ob die beiden Autorinnen derart weltfremd sind oder einen solch provokativen Artikel verfaßt haben, damit man auf ihre Agentur aufmerksam wird. Diese nämlich hat genau das Thema, Frauen zurück in den Beruf zu bringen.

Man muß kein Einstein sein um verstehen, daß eine Frau nachdem Sie ein (zwei drei) Kind (er) geboren hat nicht der biggest fish auf dem Arbeitsmarkt ist um den sich alle Arbeitgeber reißen. Dank der phänomenalen Betreuungssituation in diesem Land kann eine Frau es sich seltenst leisten Vollzeit arbeiten zu gehen.  Und Teilzeitkräfte bzw. Angestellte die wegen der Kinder nicht unendlich Überstunden leisten können werden ungern genommen. Außerdem fällt Mutti ja bei jeder Kinderkrankheit aus, nicht wahr? Die Schlaumeier die nun meinen, der Vater könne ja einen Teil der Betreuung übernehmen, der übersieht, daß dank der Gehaltsstruktur in diesem Land sein Gehalt in einem Großteil der Familien essentiell ist und eine Einbuße dessen schlecht abgefedert werden kann. Dazu kommt, daß egal wie modern der Kindsvater auch sein mag, die wenigsten die Bereitschaft mitbringen eventuell einen Karrieresprung auszulassen den eine reduzierte Arbeitszeit mit sich bringen würde um in die partielle Kinderbetreuung der Familie mit einzusteigen.

So, hat aber eine Mutter es dann zurück in ihren Beruf oder auf eine neue Stelle geschafft, ist sie seltenst diejenige die nun, wie im Artikel gefordert wird, eine (zweite) glänzende Karriere startet. Nicht nur, daß sie wie oben gesagt, meist nur Teilzeit leisten kann, nein sie wird auch oft nicht mehr als vollwertiges Teammitglied angesehen, Kompetenzen werden genommen, oder sind schon vorweg umverteilt worden. Was vor der Kinderpause noch nach einen guten Berufsweg aussah ist häufig eine Sackgasse geworden in der man seinen Zeit am Schreibtisch oder wo auch immer ableistet.

Klar verzichtet man darauf gerne, denn eigentlich kehrt man ja nur in einen Beruf zurück den man eigentlich nie so gewollt hat.

Gehts noch?

Wie unmündig und dämlich ist eine Frau in den Augen der Autorinnen? Traut sie diesen keine gut durchdachte und mit Leidenschaft getroffene Berufswahl zu? Ist es wirklich so, daß das Gros der Arbeitnehmerinnen ihren Lohnerwerb nur aus pragmatischen und bequemen Gründen gewählt hat? Ist es nicht vorstellbar, daß Frau sich sehr bewußt und überdacht für eine Profession entschieden hat?

Frauen sind, wie die Autorinnen richtig feststellen, heute qualifiziert wie nie, haben Möglichkeiten die vor Jahren noch unvorstellbar waren, und entscheiden sich unter diesen Umständen für einen Beruf weil Papi den gemacht hat?

Diese These ist kaum haltbar, erklärt aber in den Augen der Autorinnen wieso Frauen sich (animiert vom Nestbautrieb?) lieber in die Dekorations und Handarbeitswelt zurück ziehen? Ich glaube es hackt. Ich weiß nicht ob die werten Damen schon mal gehandarbeitet haben oder ihr Heim verhübscht haben.

Ich weiß nicht ob sie diese Zeiten kennen, in denen man so wahnsinnig gerne wieder Arbeiten gehen möchte, seinen mit Interesse und Liebe gewählten Beruf ausüben möchte, aber aufgrund der gesellschaftlichen Strukturen und der persönlichen Situation kaum dahin kommt. Ich weiß nicht ob sie das Bedürfnis kennen neben Arsch abschwischen und Spül- und Waschmaschine befüllen und leeren mal wieder etwas zu erschaffen, seinen Kopf zu benutzen.

Ja Handarbeiten sind gerade die heiße Scheiße, ja viele springen auf diesen Zug auf, probieren mal rein, lassen es wieder oder machen einen Dawanda Shop auf und verkaufen handgemachte Niedlichkeiten. Aber viele nutzen Handarbeiten auch um die tote Zeit neben der Kinderbetüddelung für sich zu nutzen, mal abzuschalten, was zu erschaffen und im besten Fall ein wenig Anerkennung für das Erschaffene zu bekommen. Denn sind wir mal ehrlich, das Ausbrüten, Ausquetschen und Aufziehen eines Kinder bringt in der Regel, genau wie das Wuppen der Familie und ihrer Belange nicht viel Anerkennung mit sich. Also sucht Frau sich ein Ventil. Dies aber als gewollte Flucht aus der (vorherigen) Arbeitswelt zu benennen finde ich vermessen.

(Ich gehe jetzt nicht weiter darauf ein, daß in diesem Artikel Handarbeiten und Heimverhübschung eher als mindere und Larifari Tätigkeiten klassifiziert werden)

Ich bin eine dieser hochqualifizierten Mütter, die länger als gewollt daheim ist. Ich entspanne mich durch Handarbeiten. ABER ich suche immer noch und immer wieder und dringlich eine Stelle in meinem Beruf.Mich möchte wegen der Kinder und mangelnder Berufserfahrung kaum jemand einstellen. Ich gebe noch nicht auf, aber eine gewisse Resignation schimmert immer wieder durch. Artikel wie diese sind für ein mich ein Schlag ins Gesicht.

Aber vielleicht haben die Autorinnen genau das erreicht was sie wollen. Ich habe ihre Agentur gegoogelt und die Website besucht. Vielleicht kanalisiere ich meinen Ärger und statte den Damen einen Besuch ab und frage was sie denn für mich tun können. Viel erwarte ich jedoch nicht.

 

Aus zwei mach fünf – Vorgeplänkel

Als der Mann und ich noch recht frisch zusammen waren sprachen wir, damals noch Studenten, bei einem unserer Spaziergänge zwischen den Wohnheimen auch über das Thema Kinder. Immerhin waren wir damals schon in einem Alter wo man davon ausgehen konnte, daß wir eventuell länger zusammenbleiben würden und der jeweils andere derjenige für die Familiengründung sein könnte. Es beruhigte mich sehr, daß er in seinem Lebensplan Kinder vorgesehen hatte. Wir scherzten damals ein wenig über die Anzahl und einigten uns auf mindestens zwei.

Wir blieben zusammen, trennten uns, fanden wieder zueinander, durchlitten das Examen und starteten fast zeitgleich ins Berufsleben. Er in seinem ersten Job, ich als Referendarin. Kinder waren zwar immer mal wieder Thema, aber kein aktuelles.

Dann schlich sich unser ungeplantes Wunschkind ein, ich unterbrach das Referendariat und nahm ihr Angebot bei uns sein zu wollen freudig an. Daß sie für unsere Pläne ein halbes Jahr zu früh kam war dann auch egal. Nach zwei Jahren kündigte sich dann mehr oder weniger geplant unser Söhnchen an. Somit blieb ich weiterhin daheim, verschob das Examen gezwungenermaßen weiter raus und kümmerte mich um die Brut während der Mann fürs Einkommen zuständig war.

Ziemlich bald nach der Geburt des Sohnes war mir klar, daß noch jemand fehlt bei uns. Aber andere Dinge sollten erstmal zu Ende gebracht werden. Der Rückzug in die Heimat, das Examen, mein endgültiger Berufseinstieg. Der Rückzug klappte, das Examen auch, nur einstellen wollte man mich als Mutter mit zwei Kindern nicht. Somit wurde der Wunsch nach Kind Nummer drei immer weiter rausgeschoben.

Angesichts meines Alters sah ich mich leicht gezwungen eine Entscheidung zu treffen. Die einzige die ich nicht treffen konnte war die, entweder noch ein Kind oder Beruf. Ich bin da bockig und der Ansicht, daß es möglich sein muß als qualifizierte Frau beides leben zu können. Nur war mir klar, daß ich absehbar eher mit 40++ noch eingestellt werde als mit 40+ noch ein Kind zu bekommen. Und als dann der Mann sich letztendlich durchringen konnte, sich nochmal auf das Abenteuer Baby einzulassen war der Weg frei, unsere Nummer drei zu uns einzuladen. Unsere Einladung war erfolgreich und durfte ich die letzten Monate meinem Bauch beim Wachsen zusehen.

Ironisch nur, daß man mir knapp drei Wochen vor der Geburt ein Jobangebot machte, was fast perfekt gewesen wäre. Aber ich bleibe optimistisch und hoffe etwas ähnliches ergibt sich nochmal.

Wunsch an Olaf Scholz

Dieses dem Regierungsprogramm der SPD Hamburg entnommene hätte ich gerne praktisch umgesetzt. Ohne ewig währende Diskussionen, ohne wenn und aber und möglichst bald.

„In der Hamburgischen Verfassung ist die Gleichstellung von Männern und Frauen zwar ver- ankert, in der Realität ist dieses Ziel aber noch nicht erreicht. Die SPD will die Gleichstellung von Männern und Frauen zu einem gesellschaftlichen Reformprojekt in Hamburg machen. Deshalb werden wir in der Hamburger Verwaltung eine klare Zuständigkeit für diese Aufgabe schaffen. Es geht um eine neue Balance von Arbeit und Familie. Der Arbeitsmarkt ist kinderunfreundlich. Mutterschutz und Elternzeit führen noch immer zu einem Karriereknick mit dauerhaften Gehaltseinbußen. Frauen verdienen weniger als Männer, auch wenn sie gleichwertige Arbeit verrichten. Wir wollen, dass jede Frau und jeder Mann über den eigenen Lebensentwurf frei entscheiden kann. Dazu gehört es, die Rahmenbedingungen für die Erwerbstätigkeit von Frauen zu verbessern.“

Und können wir das bitte ergänzen um Förderung und Chancen für Frauen die zurück in den Beruf wollen, nachdem sie ihre Talente zunächst vorrangig der Familie gewidmet haben?

#kthxbye

Frauenquote? [Update]

Vorgestern las ich wegen eines Links auf twitter diesen Artikel. Er paßte hervorragend in den Kontext eines Gesprächs welches ich vor kurzem mit dem Mann führte, nachdem wir zur Zeit Matinee mit Scholz und Ahlhaus gewesen waren.

Fazit war, dass ich Scholz angenehmer, präziser, von den Zielen ansprechender und vor Allem wesentlich souveräner empfand als den Gegner Ahlhaus. Nur in einem Punkt fand ich Scholz genauso „wischiwaschi“ wie seinen Kontrahenten. Die Aussage Hamburg müsse familienfreundlicher werden fand ich inhaltslos. Denn im Wesentlichen beschränkte sich dieses familienfreundlicher auf mehr und bezahbarere KiTa-Plätze. Familienfreundlich bedeutet für mich aber nicht nur, daß die Kinder betreut werden können, es bedeutet für mich vielmehr, dass Mütter überhaupt die Chance haben, in ihrem Beruf (wieder) tätig zu werden.

Ich sehe, dass ein Teil der Problematik der berufstätigen Mütter in der Kinderbetreuung liegt. Genau das Problem liegt  immer noch zu großen Teilen bei den Müttern. Denn kaum ein Mann sagt, „ach Schatz geh Du mal arbeiten, ich bleibe dann bis zum Regelkindergartenplatz daheim“. Dies ist leider oft noch mit dem höheren Gehalt des Mannes logisch zu begründen, aber auch in dem Wunsch der Frau nach der Geburt Zeit mit dem Kind zu verbringen.

Und ab da an, ist es dann egal welche Art der Ausbildung die Frau jemals genossen hat, welche Position sie vor der Mutterrolle im Berufsleben besetzt hat. Möchte sie nach der Geburt und anschließender Betreuungszeit zurück in ihren Beruf, gestaltet sich sich dies in vielen Fällen problematisch. Zum einen hat sie durch den „Ausfall“ den Anschluß an das aktuelle Geschehen am Arbeitsplatz verloren. Zum anderen ist sie nun ein Arbeitnehmer, der garantiert wegen kranker Kinder oft ausfallen wird.

Natürlich gibt es gesetzliche Regelungen, die dafür sorgen, dass ein Kündigungschutz besteht. Aber diese beinhalten nicht, dass die Frau an ihre alte Stelle gesetzt wird. Oft werden die Frauen dann auf weniger verantwortungsvolle Stellen gesetzt. Ein Karriereknick häufig unausweichlich. Da hilft dann auch eine gesetzliche Quote wenig, wenn argumentiert werden kann, dass aus dieser neuen Postition heraus eine Führungsbesetzung faktisch nicht möglich ist.

Es klingt fortschrittlich, Gleichberechtigung fördernd, wenn Frauen der Zugang zur männerdomierten Chefetage gesetzlich verbrieft zugesichert werden soll. Das ist super, fördert in meinen Augen aber nur die Frauen, die sich gegen Kinder entscheiden, oder es sich leisten können eine Entourage zu beschäftigen, die ihnen die Stolperfallen wie Kinderkankheiten, Nachmittagsverabredungen, Sportkurse, Arzttermine und ähnliches vom Hals halten. Damit sie, wie ein Mann ihre Frau im Beruf stehen könne, möglichst nicht mit Ausfallzeiten glänzen und bitte nicht auf familienfreundliche Arbeitszeiten bestehen.

Dem generellen Problem, der Skepsis der Arbeitgeber gegenüber Frauen diese als vollwertige und qualifizierte Arbeitskräfte anzusehen nachdem sie für den Fortbestand der Menschheit gesorgt haben hilft es nicht. Wir können dies nicht gesetzlich ändern.

Was man ändern kann, sind die Voraussetzungen für den (wieder) Einstieg in das Berufsleben für Mütter zu verbessern. Mehr Teilzeitstellen bzw. geteilte Stellen. Fortbildungen oder Qualifikationsangebote extra für Mütter während oder nach der Elternzeit damit diese den durch die Betreuungszeit verlorenen Anschluß aufholen können. Längere und flexiblere Betreuungszeiten in den entsprechenden Einrichtungen. Bezahlbarkeit dieser Kinderbetreuung. Anreize für Arbeitgeber Frauen auch nach der Betreuungszeit einzustellen. Ich kann mir da zB vorstellen, dass eventuelle Ausfallzeiten finanziell oder personell für eine Übergangszeit aufgefangen werden.

Und wenn Frauen dann so ihre Qualifiaktion auch wieder präsentieren können, dann bleibt die Hoffnung, dass dies langfristig zu einem Umdenken in den „oberen Etagen“ führt, dass die Vorraussetzungen geschaffen werden Familie und Führungsposition auch für Frauen lebbar zu machen. Ein Quotengesetz alleine schafft dies meiner Ansicht nach nicht, so lange die Gegebenheiten nicht auf unterer Ebene optimiert werden.