Archiv der Kategorie: Einfach nur schön

Nach all der Zeit

Wer mich kennt oder wer auch nur länger als fünf Minuten mit mir geredet hat, weiss, dass ich seit Jahren versuche den Einstieg in meinen Beruf zu finden. Durch das ungeplante K1 ist da einiges aus dem Ruder gelaufen. Es wurde mit K2 dazu nicht einfacher, aber trotzdem habe ich mit zwei Kleinkindern nebendran  mein Staatsexamen fertig gemacht.

Aber weder der anschließende Fachanwaltskurs noch ein kurzer Job reichten zusammen mit meinem weiteren Lebenslauf aus um einen Arbeitgeber von mir ausreichend zu überzeugen. Kinder und wenig Berufserfahrung sind halt doch ein Risikofaktor. Vielleicht habe ich auch die falschen Stellen angeschrieben oder meine Texte falsch formuliert. Man weiß es nicht.

Die Situation war, um es knapp zu sagen, nicht zufriedenstellend. Ich habe versucht, über diverse Institutionen Hilfe zu bekommen, doch das Angebot für Menschen mit akademischer Ausbildung ist rar oder auf wissenschaftliche Mitarbeiter bzw. Doktoranden beschränkt. (Dazu könnte ich glatt einen Roman schreiben) Andere Hilfsangebote, die ich (frühzeitig) in Anspruch nahm, waren eher auf Menschen mit Ausbildungsberufen zugeschnitten. Das Arbeitsamt glänzte zumeist mit ratlosem Schulterzucken.

Ich beschloß dann, dass ich genauso gut erst noch ein Kind bekommen kann, denn ich sagte immer, eher bekomme ich mit 45 noch einen Job als ein drittes Kind. Gut ich bekam, dann mit knapp 42 und mit 44 noch ein weiteres Kind, aber das ist eine andere Geschichte. Funfact am Rande, als ich kurz vor der Geburt von K3 war sollte ich über eine Personalvermittlung zu einem Vorstellungsgespräch, die mich aber leider nicht mit dickem Bauch schicken wollten, obwohl der Arbeitgeber meinen Lebenslauf gut fand. Und als K4 7 Wochen war, hatte ich ein recht gutes Vorstellungsgespräch, im Endeffekt bekam ich die Stelle dann aber nicht.

Immer wieder bekam ich den Ratschlag etwas anderes als meinen Ausbildungsberuf zu versuchen, mich selbständig zu machen, aufzugeben, ehrenamtlich zu arbeiten und was auch immer. Ich glaubte in den Augen meiner Gesprächspartner immer wieder Empathie zu lesen, aber auch leises Kopfschütteln, dass ich stur darauf beharrte, das machen zu wollen, was ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Und auch den verkniffenen Hinweis, dass es nach der langen Zeit doch keinen Zweck mehr habe.

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Tja, vor zwei Wochen las ich eine Ausschreibung die sich an Juristen richtete, als Alternativberuf aber die ReNo angab. Ein Telefonat weiter, wusste ich es handelt sich um einen Hybrid. Gesucht war eine Assistenz mit juristischen Kenntnissen. Kurz nach dem Abschicken der Bewerbung bekam ich einen Anruf. Es folgten ein Vorstellungsgespräch, weitere Telefonate, ein weiteres Treffen, einige Emails, noch mal Telefonate und heute unterschrieb ich meinen ersten Anstellungsvertrag, fast in meinem Beruf. (Und die Zusage kam gerade noch mit 45 ;)) Eine Chance, eine Herausforderung und auf alle Fälle spannend. Unterschrieben hab ich mit meinem Füller, den ich mir nach Bestehen des zweiten Staatsexamens habe schenken lassen, auch um damit einen künftigen Vertrag zu unterzeichnen.

Ich kann nicht ansatzweise in Worte fassen, was das für mich bedeutet.

Was ziehe ich nur an – Zalon by Zalando

Irgendwie kennt das jeder, man steht morgens vor dem Schrank, überlegt was man gemäß Wetter und Tagesplan anziehen soll und ist unschlüssig. Es gefällt nix, es passt vielleicht nicht oder es paßt nicht zusammen was säuberlich gefaltet vor einem liegt.
Oder aber, man versucht dem Kleiderschrankdilemma Herr zu werden und geht einkaufen um eben diesen mit kombinierbaren und tragbaren Stücken zu ergänzen, damit es morgens im günstigsten Fall ein Kinderspiel ist und man im Handumdrehen gut angezogen das Haus verlassen kann.

Geht man dann los um sich voll motiviert ins Shoppinggetümmel zu stürzen, dann gibt es irgendwie nix, oder nicht das Richtige oder man weiß nicht so genau was man will oder, in meinem Fall, ich komme dann oft mit irgendwas hübschen für die Kinder oder im schlimmsten Fall für den Mann zurück:) Hilft ja auch nur bedingt.

Für wohlhabendere Menschen gibt es in den einschlägigen Läden/Kaufhäusern den Service einer Stylebratung, so daß dann eine Angestellte mit einem ein stilsicheres outfit zusammenstellt. Nicht so meins und auch nicht in meiner Preisklasse. Einmal hat mir der Mann zu Weihnachten eine Stilistin geschenkt, die zu mir nach Hause kam und mit mir den Kleiderschrank durchging. Das Ziel war, dass sie mir vorschlug welche Teile, die ich schon besitze gut miteinander zu kombinieren sind und welche „Keypieces“ ich noch anschaffen solle. Ich war mit dem Ergebnis nur so mittel zufrieden, denn die Auswertung und die Vorschläge die per Mail anschliessend kamen waren nicht befriedigend.

Letztens dann sah ich auf facebook, dass jemand diese Stylebox von Zalon (by Zalando) mit recht zufriedenstellendem Ergebnis bestellt hatte. Das machte mich neugierig und als ausgewiesenes Spielkind musste ich das ausprobieren.

Das funktioniert so, man wählt den Stil aus in dem man Kleidung erhalten möchte, gibt diverse Daten zu Größe, Alter und Geschlecht an. Nennt Vorlieben und Abneigungen bezüglich Bekleidung und wo man den Schwerpunkt haben möchte. Man sucht sich einen der vorgestellten Stylisten (die sich kurz selbst vorstellen) aus und klickt aus vorgeschlagenen Marken die an, die man mag.
Am Ende schickt man das ausgefüllte Formular ab und wartet. Nach einigen Tagen kommt eine Vorschau der von dem Stylisten vorgeschlagenen Kleidungsstücke die man dann noch einmal bearbeiten kann, sprich abwählen und kommentieren wieso diese einem nicht zusagen.

Nach kurzer Zeit ist es dann soweit und die Box kommt zu einem nach Hause. Ich muss sagen, sie ist schon recht groß. In meiner waren zwei Hosen, drei Blusen, zwei Langarmoberteile, drei Pullover und zwei Strickjacken. Dazu ein Paar Schuhe und ein Halstuch. Die Sachen kommen mit einem bebilderten Vorschlag wie man sie miteinander kombinieren kann/soll, also was sich der Stylist dabei gedacht hat. Diese Auswahl war recht stimmig.

Von der Optik her waren die gewählten outfits schick, haben mir gefallen und entsprachen auch ungefähr dem, was ich mir vorgestellt hatte. Bei einigen gefiel mir der Kragen oder die Farbe nicht und bei anderen war der Schnitt für mich einfach viel zu weit. Da finde ich, dass wenn man Gewicht und Größe angegeben hat, die Auswahl etwas besser hätte sein können. Bei zwei Teilen war ich sehr enttäuscht, dass, obwohl ich angab, dass ich 100% Polyester ablehne, diese zu 90% bzw. zu 70% aus Polyester bestanden. Die Schuhe waren leider etwas zu eng und gefielen mir nicht so besonders, dass ein „Habenwollenreflex“ einsetzte.

Die mitgeschickte Jeans war ein voller Erfolg, sie sitzt gut und ist so wie ich mir eine Jeans gewünscht habe, auch wenn ich bei der Marke im Flagshipstore noch nie fündig geworden bin. Auch eine der Strickjacken gefiel mir sehr gut, genau mein Stil und vom Material passend. Ich wäre allerdings nie auf die Idee gekommen bei dem Hersteller in den Laden zu gehen und dort zu stöbern. Insofern waren die zwei Teile gut gewählt und mal eine Inspiration jenseits des üblichen Einkaufsverhaltens. Als drittes Teil habe ich dann noch eines der Langarmshirts behalten, das war keine Überraschung, denn solche kaufe ich von der Marke immer mal wieder.

Ich habe zwar einen großen Teil zurück geschickt, aber das lag entweder daran, dass ich so oder so ähnlich schon ausgestattet bin, oder im Moment nicht unbedingt Bedarf hatte. Außerdem kamen dann noch die Schnitt- oder Materialunzufriedenheit dazu. Mein Fazit ist, dass ich das bestimmt noch einmal machen werde, da es neue Anregungen gibt. Ich sollte beim nächsten Mal eventuell den gewünschten Stil variieren, damit ich nicht Bekleidung zugeschickt bekomme, die ich ähnlich schon besitze. Erfolgreich war auf alle Fälle, dass ich nicht (mit oder ohne Kind an der Backe) losziehen musste um mehr oder weniger frustriert in der Stadt rumzueiern. Gut gefallen hat mir die Verpackung und wie alles nett mit Bändchen verschnürt war. Die Rücksendung der nicht gewollten Sachen war problemlos, ein bezahlter Rücksendeaufkleber liegt bei und ich wurde nach Eingang der Rücksendung zügig informiert. Bezahlt habe ich per Rechnung, musste so auch nichts vorher auslegen.

Mir hat das unterm Strich jedenfalls so gut gefallen, dass ich dem Mann auch so eine Box (ja gibt es auch für Männer) bestellt habe. Er fand seine Auswahl gut, hat sich dann aber dagegen entscheiden etwas zu behalten.

 

Gilmore Girls and me

Vor 13 Jahren wurde ich Mutter, das stellte meine Welt ungeplant komplett auf den Kopf. Vor 12 Jahren kam das Kind in die KiTa, ich konnte nach einem Jahr endlich wieder Luft holen. Die ersten lichten Momente nutzte ich dazu wieder mit dem Stricken anzufangen. Stricken kann ich nur wenn ich dabei fernsehe. Ich könnte mich jetzt über meine tv Liebe auslassen, aber das würde zu weit führen. Lange Rede, kurzer Sinn, während einer meiner Strick/Glotz Sessions, vermutlich morgens, wenn das Gör in der KiTa war, wurde ich auf die Trailer zu Gilmore Girls aufmerksam. Das lief damals auf Vox. Immer wieder wurde diese neue Serie angekündigt und irgendwas daran packte mich.  Ich habe gerade versucht rauszufinden wann genau die erste Staffel auf Vox lief, aber das ist nicht ganz nachvollziehbar, irgendwas mit Herbst 2004.

Also sah ich mir die erste Folge an. Und die zweite und die dritte und die vierte usw. Da die Folgen nachmittags um 16 Uhr liefen wurde es mein Ritual nach dem ich das Kind aus der KiTa holte einen Tee zu kochen, Kuchen zu essen und Gilmore Girls zu schauen während das Kind nebenbei spielte. Irgendwann kamen keine neuen Folgen mehr nach, irgendwann wurde die Serie ins Abendprogramm verfrachtet. Ich bekomme es nicht mehr zusammen.

Es folgte unser Umzug ins Rheinland im Herbst 2005, das Ende von Friends (Bzw. unseres erneuten Friends Marathons irgendwann in 2006, denn ich bekam das Boxset mit allen 10 Staffeln zu Weihnachten), die Geburt unseres Sohnes und irgendwann das Bedürfnis nach geplantem, gewünschten Abendglotzprogramm. Aber mangels iTunes waren die Möglichkeiten begrenzt. Mir fielen dann die Gilmore Girls (zu er Zeit liefen die, wenn überhaupt nur einmal wöchentlich im Abendprogramm liefen) ein und ich hatte die Idee, dass diese dem Mann auch gefallen könnten. Da es noch jenseits jeglicher legaler Streamdienste war, kaufte ich die erste Staffel auf DVD und ihm zu liebe schauten wir sie auf englisch. Es war nochmal etwas ganz anderes die Folgen im Originalton zu schauen, alle Dialoge hatten viel mehr Witz und Charme. Daher war es mir auch egal nochmal von vorne anzufangen. Einige Folgen später war der Mann auch angefixt und wir schauten eine erhältliche Staffel nach der Anderen. Es kam der Rückzug nach Hamburg und irgendwann waren wir durch. Es war ein tränenreicher Abschied so in 2007 schätze ich.

Ich kann mich nicht erinnern ob ich die Folgen nochmal schaute bevor ich sie im Herbst/Winter 2013 oder 2014 anfing nochmal mit der Tochter zu schauen. Ja genau mit der Tochter, die bei meiner ersten Gilmorisierung ein gutes Jahr alt war. Ihretwegen schauten wir alles auf deutsch und es war gleichzeitig komisch, rührend und wunderschön diese Serie mit ihr zu teilen.

Abgesehen von den nostalgischen Gefühlen bezogen auf ihre Kleinkindzeit bemerkte ich auch wie ich mich verändert hatte. Fand ich es beim ersten Schauen noch nett, dass Mutter und Tochter beste Freundinnen sind, nervte mich das bei weiteren Durchgängen mehr und mehr an. Es mag sein, dass ich als Scheidungskind einfach immer die wegweisende und beratende Mutter vermisste, mehr aber stellte ich fest, dass ich meiner Tochter (inzwischen meinen Töchtern) keine Freundin sein will und kann. Wir sind nicht gleichberechtigt, sie ist nicht zuständig mit mir Kummer und Freude zu teilen, schon gar nicht wenn es Kummer und Freuden sind, die den kindlichen Horizont (oder den eines Teenagers) übersteigen. Sie ist nicht entscheidungsberechtigt wie ich das bin, denn sie kann noch nicht entscheiden wie ich das kann wenn es um gewisse Belange geht. Irgendwann kam mal die Sprache auf diese Mutter Tochterbeziehung und K1 sagte mir ganz deutlich, dass wir keine Freundinnen sind und sie ein solches Verhältnis zu mir gar nicht möchte. Dies bedeutet ja nicht, dass wir nicht gemeinsam kichern, oder mal weinen oder shoppen oder Quatsch machen, aber ab einem gewissen Punkt sind wir halt doch Mutter und Tochter und in gewissen Situationen braucht sie eine Mutter und keine Freundin.

Weiterhin wurde mir klar, dass mir das Verhalten von Lorelei in Bezug auf die eigene Mutter doch einige Male gehörig auf die Nerven geht. Da ist so ein kindliches, trotziges Verhaltensmuster, was die Annäherungsversuche von Emily (oder auch mal Richard) bzw. vielleicht doch gute Ratschläge mit Füßen tritt. So als Mutter denke ich dann, ja meine Güte sie haben (große) Fehler gemacht, machen sie noch, aber sie versuchen es, mit ihren Möglichkeiten, mit ihrem Hintergrund. Hätte ich früher vielleicht nicht so sehen können. Gleiches gilt übrigens auch für Loreleis Beziehungsverhalten, bei dem ich das ein- oder andere Mal dachte, Mensch Mädel Du bist doch kein Teenager mehr.

Was bleibt ist aber trotz allem meine uneingeschränkte und aufrichtige Liebe zu dieser Serie. Ich liebe die kleine heile Welt, ich liebe die Dialoge, die Charaktere und vor allem das Kleinstadtleben. Gilmore Girls sind und waren immer mein „Happy Place“ wenn es um mich rum anstrengend, wüst, traurig oder sonst irgendwie unzufriedenstellend war. Genau so wie sie dies in entspannten Zeiten sind, aber gerade in den aufreibenden brauche ich ein kleines bischen Rückzugsort in eine Welt in der es am Ende doch alles gut ist.

Und jetzt, nach so langer Zeit, endlich, unerwartet und doch erhofft gibt es vier neue Folgen. Seid der ersten Ankündigung fiebere ich dem entgegen. Der erste Trailer lies schon Tränchen kullern, die Spannung steigt und ich hoffe so sehr, dass es sich lohnt und der vibe der alten Folgen auch nach dieser Zeit noch transportiert werden kann und mein „Happy Place“ eine würdige Erweiterung erfahren hat.

 

Das Wunder aka Das Wunder von Bern (Musical)

Der ein oder andere verbliebene Leser (und die Leserin) hier mag mitbekommen haben, dass ich nicht nur nähen, kochen, backen, basteln und Recht von Unrecht unterscheiden kann, sondern dazu vier wunderbare Kinder habe. Weiterhin habe ich wohl schonmal am Rande erwähnt, dass eins dieser Kinder, die große Tochter, eine Rolle in dem Musical „Das Wunder von Bern“ besetzt. Keine große, eher eine Nebenrolle, aber auch nicht so klein, sondern mit regelmäßiger Bühnenpräsenz bei der sie tanzt, singt und schauspielt.  Und ganz unvoreingenommen muß ich sagen, daß sie das toll macht. Bei ihrer Premiere habe ich Rotz und Wasser geheult  die ein oder andere Träne verdrückt, was nur peripher damit zusammen hing, dass ich da hochschwanger war.

Inzwischen habe ich sie mir dreimal auf der Bühne angeschaut. Es ist wirklich beeindruckend, was sie den Kindern für die Bühne beibringen. Die werden nicht nur auf die Rolle getrimmt, sondern bekommen eine grundlegende Ausbildung. Aber das nur am Rande.

Zurück zu dem was ich eigentlich schreiben wollte. Ich habe mir, wie gesagt dreimal die Show angeschaut und es war nicht einmal langweilig. Ich muß dazu sagen, dass ich schon die Vorlage, den gleichnamigen Film von Söhnke Wortmann schön fand. Ich war skeptisch wie man das für ein Musical umsetzen kann, ich war, wie auch schon beim Film skeptisch wie (mich) ein Thema wie Fußball als Träger einer Geschichte begeistern kann.

Man kann, sogar sehr. Und damit kommen wir zu dem Punkt, der mich verwundert bzw. stückweise traurig macht. Das (eigens neu gebaute Theater) ist nie voll. Bei allen meinen Besuchen oder wenn ich das Tochterkind nach absolvierter Show frage waren die Ränge gesperrt. Und auch im Parkett ist es meist nicht ausgebucht.

Wie kann das? Wieso begeistern sich nicht mehr Menschen für dieses Musical? Ist es der Aufhänger Fußball? Ist es die Tatsache, dass es sich nicht um einen Stoff von Disney oder dem Broadway handelt? Ist es der ernste Unterton den das Musical immer mal wieder hat?

Ich mag eigentlich keine Musicals. Ich war in den 90ern mal mit und habe Cats geschaut. Ich war nach der Vorstellung enttäuscht, bunte Glitzerwelt, wenig Anspruch und eine Story die mich nicht überzeugt mit Musik die mir eher fremd war. Ich sah keine Veranlassung nochmal in eine Musical zu gehen, bis, ja bis die Tochter ihre Premiere hatte.

Da dass ich dann und war von der Vorstellung mitgerissen. Es geht eben nicht nur um Fußball, Fußball ist das beständige Hintergrundrauschen, was zum Ende ohrenbetäubend die Hauptmelodie einnimmt. Das Thema was zwei Drittel der Show die Geschichte begleitet aber nicht die Geschichte an sich. Inhaltlich ist die späte Rückkehr des im Krieg gefangenen Vaters zu seiner Familie viel wichtiger. Das Heimkehren, das Ankommen, das sich wieder zurecht finden, das Kennenlernen seines im Krieg geborenen Sohnes. Die Neuorientierung, sowohl auf dem Arbeitsmarkt, als auch im Kreis der Familie, wo er nicht mehr das Oberhaupt ist und sich die Machtverhältnisse in Abwesenheit verändert haben. Zurück zu einer selbständigen Ehefrau und zwei weiteren, erwachsenen Kindern, die auf dem Weg ins eigene Leben sind.

Das alles ist nicht unbedingt einfache Kost, wie man sie von einem Musical erwartet. Aber selbst schwierige oder traurige Szenen werden durch nachfolgende leichte „aufgemuntert. Es gibt einige (sehr) witzige Szenen die dem Stück die Balance geben, trotz des anspruchsvolleren Themas den Unterhaltungsaspekt zu bewahren ohne zu seicht zu werden und den Inhalt zu verwässern.

Beeindruckend ist das Bühnenbild. Nicht nur die Kostüme, sondern alle Szenen sind aufwändig umgesetzt worden. Man ist mittendrin, kann sich das Nachkriegsdeutschland so gut vorstellen.Es gibt vielleicht nicht so viel Blink und Glitzer wie bei anderen Musicals, dafür technische Raffinesse die verzaubert.

Was wäre aber all die Optik, wenn das Stück nicht mit einer guten Besetzung aufwarten kann. Ich finde dass alle Rollen durchwegs super gespielt werden, der Gesang, das Schauspielerische alles tiptop. (Mein Lieblinge neben der Tochter und dem Mattis sind Frau Ackermann  und die schweizer Putzfrau) Ich hatte nie den Eindruck dass da routiniert eine Show abgezogen wird, vielmehr kam immer Spielfreude und Engagement rüber. Und wenn auch der Saal nicht voll besetzt war so schien das anwesende Publikum immer glücklich die Show zu verlassen.

Und darum frage ich mich, wieder, wieso wird es nicht so angenommen wie der König der Löwen, wie Mama Mia? Wieso ist es nicht so ein stehender Begriff. Schreckt wirklich das Thema Fußball das übliche Zielpublikum ab? Sind es die Eintrittspreise (es gibt immer und immer wieder Sonderaktionen)? Ich verstehe es nicht und das macht mich traurig. So eine tolle Show, so eine tolle Leistung des Ensembles und so vergleichsweise geringe Begeisterung. Schade.

 

 

Konversation mit einer Dreijährigen

Heute nach der Kita, schlenderten wir so nach Hause. K3 fing dann aus irgendwelchen Gründen an zu trödeln und ich drehte mich grinsend um und sagte „Tschüss, ich gehe schonmal vor“. Das ergab dann folgendes Gespräch_

Sie: “ Du mußt mich doch mitnehmen, Du mußt auf mich warten“
Ich:“Wieso?“
Sie: „Ich bin doch Dein Kind“
Ich: „Wer bist Du, mein Kind? Wo kommst Du denn her?“
Sie: „Na ihr habt mich doch aus Frankreich mitgebracht“
Ich: „Wir haben ein kleines Mädchen einfach mitgenommen?“
Sie: „Ja!“

Ich mußte sehr grinsen, denn sie weiß ganz genau wo die Babys/Kinder herkommen und grad durch die Ankunft von K4 fragt sie zur Zeit ganz oft nach bzw. erzählt, dass sie auch in meinem Bauch war und ihre Geschwister auch. Und dass ich im Bauch von meiner Mutter war etc. pp

Von Seelenorten und Familie

Ich war siebzehn als die Eltern meiner Freundin vorschlugen, daß ich sie in den Herbstferien auf diese Insel begleiten sollte. Ich war noch nie da gewesen, aber einen Urlaub mit meiner Freundin und ihrer Familie am Meer klang verlockend. So kam der Tag an dem ich meine Habseligkeiten in einen der zwei Wagen der Freundinfamilie verlud und wir losfuhren. Was für mich neu und aufregend, war für alle Anderen quasi Routine, denn die Familie verbachte seid Jahren diverse Urlaube dort, dank des großväterlichen Hauses. Der erste überwältigende Moment war, als wir auf der Fähre uns auf dem Oberdeck versammelten. Ich erinnere, daß es schon langsam dunkel wurde und meine Freundin und ich im jugendlichen Übermut Tanzschritte aus der damals besuchten Tanzschule übten. Teenager halt 🙂 Es folgte eine wunderschöne Woche in der ich das Familienleben genoß, wunderbar aß, viel am Strand und auch auf dem Friedhof rumhing. Wir hörten bei Dorfspaziergängen Musik mit einem geteilten Walkman Kopfhörer und hatten eine großartige Zeit. Nach einer guten Woche war die Zeit um, wir packten unsere Sachen wieder ein und fuhren heimwärts. Einen Teil meines Herzens ließ ich jedoch zurück. Ich hatte meinen Seelenort gefunden. Der Ort an dem ich noch einige Male mit meiner Freundin zurück kehren sollte, bei Liebeskummer, einfach so im Sommer, nach dem Abitur und das letzte Mal gemeinsam nach dem Examen. Es war immer unser Ort zum Auftanken, zum Herz wieder flicken, der männerfreie Ort (zumindest den heimatlichen, denn lustige Begebenheiten hatten wir durchaus mit anwesenden), der Rückzugspunkt.

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Natürlich wurden wir älter, hatten feste Partner, heirateten, bekamen Kinder. Mein Freundin nahm ihre Männer und später ihren Ehemann und die Kinder regelmäßig mit dorthin. Ich konnte mich immer noch nicht so ganz damit anfreunden diese Insel zu teilen, mit einem Mann, mit einem Mann der vielleicht nicht in meinem Leben bleiben würde.  Trotzdem nahm ich einges Tages den Gatten, damals noch Freund für einen Tagesausflug mit hinüber. Später auch den besten Freund und den dann doch Gatten ein weiteres Mal. Aber dort Urlauben mit Familie, war irgendwie unvorstellbar. Mein Insel, mein Rückzug, mein Seelenort.

Nun wurden uns sehr kurzfristig die diesjährigen Frühjahrsferien bewußt und wir versuchten auf die Schnelle noch einen Kurzurlaub für uns und den Hund zu finden. Drei Kinder und Hund sind aber entweder finanziell oder überhaupt ein kleines Problem bei der Suche. Auf lustige Wege kam es dann, daß uns eine Wohnung auf meiner Insel für den gewünschten Zeitraum, auch mit Hund, und bezahlbar angeboten wurde. Wir überlegten nicht all zu lang und buchten. Ich wurde aufgeregt, freute mich und sehnte die kurze Auszeit dabei, ich war so lange nicht da und wer Familie hat, muß die Familie auch mitnehmen. 🙂 Wir hatten alle nach einigen sehr anstrengenden Wochen dringend Abstand zum Alltag nötig. Bei der Ankunft standen mit die Tränen in den Augen, unzählige Erinnerungen von Ankunft und Abschied, von abgeholt werden, alleine ankommen, gemeinsamen Abfahrten in verschiedenen Personenkonstellationen, Fragmente aus verschiedenen Lebensphasen rotierten vor meinen Augen. Vorallem Erinnerungen an viele glückliche, entspannte Momente. Und dann kam ich auch schon wieder im hier und jetzt an. Fielen früher alle Sorgen mit Betreten des Oberdecks und dem Anblick des Meeres von mir ab, war ich diesmal panisch damit beschäftigt darauf zu achten, daß keines der Kinder über die Reling fiel. Im Auto auf dem Weg zur Unterkunft wurde sich auf der Rückbank gestritten, wahlweise gequengelt. Das war dann doch ein bischen anders als sonst. Das war der Auftakt zu dem Unterschied zu früher. Lief ich früher mit oder ohne Musik alleine am Spülsaum, saß ich entspannt mit der Freundin im Strandkorb, ging ich abends mit ihr in die Kneipe, blieb diesmal, dank Krankheit des Mannes, das ständige Regulieren der Kinder, das Haushalten in der Wohnung und sehr wenig Luft für Auszeit. Das war erstmal recht enttäuschend, andererseits ist das halt so mit Familie, auch wenn ich es mir anders gewünscht habe. Das soll nicht bedeuten, daß ich bereue meiner Familie gesammelt meinen Lieblingsort gezeigt zu haben, aber mit ihnen ist es eben einfach anders. Ich kümmere mich gerne um die Kinder und mache etwas mit ihnen, aber der Dauerbespaßungsanspruch der Kinder ist im Urlaub etwas anstrengend. Immerhin zum Ende der Tage konnte die großen Streithähne alleine an den Strand gehen, auch wenn das bedeutete, daß sie klatschnass zurück kamen.

Die Insel ist auch weiterhin mein Seelenort und ich werde auch die Familie wieder mitnehmen (so sie denn mag), aber ich werde mir vorher klar machen, daß momentan ein solcher Rückzug und eine solche Auszeit wie vor der Familie mit ihnen dort nicht möglich ist. Familienzeit hat auch etwas schönes, aber wenn ich nochmal ganz zur Ruhe kommen will, dann fahre ich ohne sie.

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Geburtstagskind

IMG_8479Kaum zu glauben, aber wahr, unser kleinster Sonnenschein wurde gestern zwei. Hier noch im Nachthemd beim Geburtstagsfrühstück mit den Eltern.