Archiv der Kategorie: On the Road

Studentenleben 2.0 – Berkeley Teil 7

Man sollte meinen bei so einem Aufenthalt an einer der Top-Unis in den USA fällt einem jeden Tag etwas ein, über das man schreiben möchte. Und ja, es gibt vieles was einem tagtäglich so durch den Kopf geht, aber es sind mehr die kleinen Dinge. Das verwurstet man dann auf Instagram oder schreibt irgendwo in den anderen Sozialen Medien ein bis zwei Sätze. Es baut sich ein innerlicher Druck auf, dass man doch jetzt großartiges zu berichten hätte, denn hey, man ist in Berkeley, hey man ist in Kalifornien, hey alles toll. Nö. Alltag ist eigentlich relativ unspektakulär. Wobei unspekatakulär auch nicht so der richtige Ausdruck ist. Ich weiss nicht, ob ich schon einmal berichtet habe wie das hier aufgeteilt ist. Ich bin 13 Wochen vor Ort und diese 13 Wochen sind in vier Quarter unterteilt. In jedem Quarter belegt man Kurse. Jeder Kurs gibt bei bestehen ein bis drei credits. Das Ziel ist es in diesem Sommer 16 credits zu erlangen, maximal darf man 17 credits erlangen. Damit ist auch klar, dass der Spielraum einen Kurs nicht zu bestehen sehr sehr knapp ist. Es ist auch klar, dass es alle 2,5 Wochen ca. ein bis drei Prüfungen zu absolvieren gibt. Im Grunde findet hier eine Druckbetankung statt. Die drei credit Kurse laufen meist das komplette Quarter die anderen kürzer und manche finden in einer komprimierten Form am Wochenende statt. Jeder Lehrkörper möchte einem in der zur verfügung stehenden Zeit möglichst viel des Wissen vermitteln. Die Reduzierung des Stoffes der sonst in einem Semester gelehrt wird gelingt den meisten nicht unbedingt. Es ist im Gegensatz zur deutschen Uni hier üblich, dass man einen Großteil des Materials lesend eigenständig erlernt und in den Vorlesung anwendet oder wiederholt, gepaart mit Erklärungen des Dozenten. Das wiederum bedeutet, dass man zwischen zwei und vier Stunden Vorlesung hat und noch mal ein bis drei Stunden Lesezeit pro Tag hinzu rechnen kann. Hat man also zwei Vorlesungen am Tag, ist man mehr als gut ausgelastet, am Ball zu bleiben. Und gegen Ende des Quarters bereitet man sich halt auf ein bis drei Prüfungen vor. Das Gute ist, dass nicht alle in der Uni geschrieben werden, sondern man auch entweder ein Paper abgibt oder aber ein take-home Exam hat, bei dem man die Prüfung alleine am Computer schreibt. Hinzu kommt, dass viele der Prüfungen open-book sind, das heisst man darf die zur Verfügung gestellten Lehrmaterialien benutzen. Das hilft aber auch nur bedingt, denn in dem Zeitfenster von drei bis sechs Stunden für eine Prüfung kann man nicht lange suchen, wenn man nicht weiss worum es geht. Vielleicht gibt das einen kleinen Einblick wie die Arbeitsbelastung hier so aussieht und dass das eher keinen Urlaub darstellt bei dem man nebenbei eine Prüfung besteht. Aber bisher habe ich alle Prüfungen bestanden und will mal nicht meckern.

Meine langen Auführungen zum akademischen Teil sollen ausdrücken, dass man in der Regel nicht wirklich viel Zeit für Freizeitaktivitäten hat, zumindest nicht, wenn man alles bestehen will und das auch noch passabel. Trotzdem findet einiges statt, gerade die Kollegen des professional tracks nutzen den Sommer auch zum Feiern. Es macht auch Sinn zum einen weil es massiv Netzwerken bedeutet und zum anderen weil man einfach auch mal Druck abbauen muss. Ich habe nicht die Energie so oft weg zu gehen. Ich finde die Anpassung an das fremde Land, an das erneute Lernen, die Umstände oft ermüdend und mag auch nicht morgens um 9:00 unausgeschlafen in der Vorlesung sitzen.

Als ich letztens, als ich den Freitag und Samstag in der Uni verbringen musste draussen in der Sonne stand bekam ich jedoch massive flashbacks zur ersten Uni-Zeit. Es war sonng, es war warm, es war irgendwie friedlich und ich hörte aus den Verbindungshäusern gegenüber Musik. Das erinnerte mich so stark an die Sommer in Göttingen als ich im Studentenwohnheim wohnte und die Sommer dort verbrachte. Die Zeit in der man tagsüber an der Hausarbeit schrieb um abends ordentlich feiern zu gehen, die Nächte heiss und kurz waren und man Teil einer Gemeinschaft war und so unglaublich frei.

Freiheit, Ungebundenheit, und auch Sorglosigkeit das ist das was das jetzige Studium (abgesehen von der „Kürze“) von damals massiv unterscheidet. Man ist nicht mehr ungebunden, man ist für mehr Verantwortlich als für sein eigenes Wohlbefinden, die Selbstoptimierung die man in den 20ern betrieb ist in den Hintergrund gerückt. Man ist jetzt Arbeiternehmer, Partner, Eltern. Man sorgt für andere, trägt Verantwortung, ist eingebunden in ein System. Die Egozentrik der früheren Jahre ist der Rücksichtnahme etc. des Ertwachsenenlebens gewichen. Wenn man zu lange feiert, wenn man verantwortlungslos handelt, wenn man das Lernen vernachlässigt, dann hat das heute gravierendere Folgen als damals. Ich sehe natürlich auch Kollegen die da nicht so drin gefangen sind wie ich, aber das mag dann auch daran liegen, dass sie zehn bis fünfzehn Jahre jünger sind und noch nicht so eingebunden sind wie ich. Selbst wenn ich hier eine Freiheit geniesse, wie ich sie lange nicht hatte, bedeutet das nicht, dass man sie so konsequenzenlos ausleben kann oder will wie früher.

Um aber nochmal auf die Arbeitsbelastung zurück zu kommen. Auch wenn es viel ist, erlebe ich hier durch die Uni und die für uns Verantwortlichen einen viel größeren Rückhalt als ich ihn damals in der Uni in Göttingen erlebte. Dort hatten wir zwar das Studentenwerk, dass ich um das Wohlbefinden kümmerte, aber das akademische wurde einem selbst überlassen. Das ist hier anders, es liegt der Uni sehr viel daran, dass alle das Programm möglichst bestehen und das bedeutet nicht, dass man die Ergebnisse nicht hart erarbeiten muss. Aber wenn man schwimmt, wenn man droht zu scheitern, wenn einen der Alltag überfordert gibt es viele Sicherheitsnetze. Und diese sind nicht nur theoretisch der staff der für uns zuständig ist, ist gut erreichbar und engagiert in allem Umständen hilfreich zu sein. Das gilt im Übrigen auch für die Professoren, die hier viel mehr hands-on sind als ich das in Deutschland erlebt habe. Sie stehen regelmäßig für Sprechstunden bereit, sie diskutieren und beantworten Fragen gerne in den Pausen, sie versuchen einen angesichts der Prüfungen gut vorzubereiten und auch nach den Kursen in den Gängen der Uni erkennen sie einen oft und grüßen oder fangen ein Gespräch an. Das ist wirklich eine sehr positive Erfahrung. Ich bin ja eh der Ansicht, dass durch persönlicheren Umgang das Lernergebnis positiv beeinflusst wird. Und bevor ich ich mich hier in den Längen des Artikels verliere und mein Lernpensum für heute weiter vor mir herschiebe schliesse ich ab mit den Worten: Es ist anders aber es ist auch schön hier.

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Alleine sein – Berkeley Teil 6

Ich war seit bestimmt 18 Jahren nicht mehr so alleine. Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen, seit achtzehn Jahren. Und auch vorher waren immer irgendwie Leute um mich rum, Kernfamilie, Wohnheimfamilie. Aber seit ich vor ziemlich genau 18 Jahren die Wohnung mit dem Mann, damals Freund, bezog war ich nicht mehr ohne Ansprechpartner, Freunde, Familie in der Nähe. Nichteinmal weil ich es nicht wollte, sondern weil es einfach so war. Und das ist eine Umstellung. Ich wohne hier nicht alleine, ich bin zur Untermiete. Ich studiere nicht als Einzelperson, ich habe Mitstudenten, die ich mal mehr mal weniger sehe. Und all dies findet weder auf einer einsamen Insel statt noch hat meine Familie oder mein Freundeskreis den Kontakt abgebrochen. Letzterer hat im Gegenteil ein Gesprür dafür entwickelt wenn ich anfange in Grübeleien zur verfallen, wundersamerweise ruft dann einer an oder schreibt was.

Aber es ist keine Vertrauensperson da, man kann nicht mal eben jemanden besuchen, man kann nicht mal einfach so anrufen, denn durch die extreme Zeitverschiebung ist es schwierig. Also bleibt man auf sich geworfen. Und das ist hart. Es gibt nämlich keine oder nur bedingt Ablenkung von den ganzen Gedanken die aus dem Inneren nach oben spülen. Man kann dann entweder darin versinken oder ein bischen versinken, man kann darin verharren oder aber man kann sich damit auseinandersetzen bis zu dem Punkt wo es unangenehm wird. Jedoch die einzige Person die in solchen Momenten einem den Kopf gerade rückt, rücken kann ist man selber. Leider fehlt da manchmal ein bischen die Objektivität von aussen, aber es ist auch ein guter Anspron über sich selber hinaus zu wachsen und die Verantwortung ganz alleine zu tragen, für das eigene Wohlbefinden. Ohne Ablenkung über neue Wege und Handlungsformen nachzudenken. Trotzdem ist es nicht immer angenehm und manchmal erschreckend. Aber wie ein lieber Mensch mir vor Abflug sagte, selbst wenn es Dich beruflich nicht weiterbringt, Du wirst wachsen. Ok, manchmal fühl ich mich hier noch recht klein, aber manche Dinge brauchen ihre Zeit.

Alleine sei, ohne dauernd auf eine andere Person zu reagieren, heißt aber auch, sich selber plötzlich wieder ganz anders wahrnehmen, als Mensch als Frau, als Lernende. Das hat durchaus interessante Aspekte.

Andererseits ist man sonst so von den Bedürfnissen anderer getrieben, dass man verlernt hat was einem selber in dem Moment gut tut, was man braucht, wofür man sorgen muss.

Ein wesentlich weniger emotionaler eher pragmatischer Aspekt ist, dass ich seit Teenagerjahren gewohnt bin mich mehr oder weniger alleine um meine Angelegenheiten zu kümmern, aber hier bekommt das nochmal ein ganz anderes Format. Auch wenn ich daheim oft für Einkaufen und Mahlzeiten (und Wäche und was weiss ich) zuständig, ich bin es halt nicht immer und das merke ich um so mehr jetzt. Es gibt keinen Grundstock an Nahrungsmitteln aus dem ich mal grad was bereite, wenn ich Essen will, muss ich mich darum kümmern und im Voraus mehr als sonst planen. Für die Familie kann ich das ganz gut, für mich alleine, eher noch nicht. Also esse ich eher unregelmäßig und ungesünder als zu Hause. Aber auch hier arbeite ich dran.

Letztendlich ist es seltsam nicht mehr für fünf weitere Nasen verantwortlich zu sein. Da reinzufinden fällt mir eher schwer. Das geht so weit, dass der Mann letzens sagte, nachdem ich auf dies und das hinwies, nachfragte etc., ich solle mal loslassen, sie hätten das alles schon im Griff. Aber ich hatte schon diverse Nachfragen wo denn dies oder das liegen würde bzw. was jetzt zu tun wäre. Aus gelebten Rollen auszubrechen geht nicht von heute auf morgen. Ich vermisse hingegen die Dauergeräuschkulisse und das dauernd in Beschlag genommen werden nicht.

Was mir fehlt ist der tatsächlich Kontakt zu meiner Familie, so oft sie auch anrufen, ich kann sie nicht anfassen. Ich kann sie nicht riechen, nicht umarmen, durch die Haare wuseln. Anfunkeln, anmotzen oder um Hilfe bitten. Küssen.

Dafür kann ich mit Kopfhörern durch mein Zimmer tanzen ohne, dass ein Teenagergör meint ich sehe komisch aus oder ein Kleinkind meint ich müsse sofort mit ihm oder mit ihm auf dem Arm tanzen. Ich kann mich mit Leuten treffen ohne Rechenschaft abzulegen wann und wie ich zurück komme. Wenn ich shoppen gehe will niemand plötzlich essen oder aufs Klo. Wenn ich Lernen will, stört keiner mit Alltagsfragen die Konzentration. Wenn ich beschliesse ich esse nur Junkfood habe ich kein schlechtes Gewissen wegen gesunder Kinderernährung, denn die essen ja nicht mit. (Wobei ich nicht weiss ob ihre Ernährung momentan gesünder ist ;))

Unter dem Strich, ich bin alleine, manchmal einsam, manchmal nicht und langsam lerne ich die temporäre Unabhängigkeit zu geniessen. Aber eins weiss ich und das ist nicht neu, ich bin auf Dauer kein Einsiedlerkrebs.

 

Wer zahlt das denn? – Berkeley Teil 3

Wenn man den Traum hat, an einer guten und anerkannten Uni in den USA einen Abschluss zu machen, sind da zunächst die Hürden, des sich selbst zu überwinden, die Unterlagen zusammen zu bekommen, die Englischfähigkeiten nachzuweisen und dann auch noch alles rechtzeitig abzugeben. Wenn man dann auch noch angenommen wird, was ja nicht ganz so einfach ist, bleibt das klitzekleine Problem: wie bezahlt man das eigentlich? Es ist allgemein bekannt, dass man in den USA Studiengebühren bezahlt. Auch, dass diese nicht gerade gering sind: je besser die Uni, desto mehr läßt sie es sich bezahlen, dass die einen ausbildet.

Ich habe die Frage, wie ich das Ganze denn finanzieren werde, wenn ich entgegen meiner Annahme angenommen werde, immer auf den Zeitpunkt vertagt, an dem es soweit ist, dass ich angenommen werde. Ich hatte im Kopf, dass es diverse Studiendarlehen und Stipendien gibt und man ansonsten bei der Hausbank lieb Männchen machen könne, um die finanziellen Mittel zu erhalten. Als dann also die Zusage kam, fing ich an zu rotieren.

Ich durchforstete die Websites der Uni, um mich zu informieren, welche Stipendien für mein Programm (LL.M) und insbesondere für internationale Studenten in Frage kämen. Ich schrieb die üblichen Verdächtigen wie DAAD, Studienstiftung des Deutschen Volkes, Fullbright, Oppenhoff Stiftung und Rollendes Stipendium an. Ich kontaktierte diverse US Programme für Frauen, ich schrieb an die Studienfinanzierer Deutsche Bildung und Brain Capital an. Ich durchforstete die Seite der KFW und der Sparkasse Herford. Führte einige Telefonate und wand mich an US Studienkreditgeber.

Meine Eltern sind weder in der Lage, noch gewillt meine Pläne zu unterstützen, große Ersparnisse für so ein Projekt stehen mir nicht zur Verfügung und meinem Arbeitgeber ist es quasi „egal“, ob ich das mache. Insofern bin ich auf Unterstützung von außen angewiesen.

Uns geht es finanziell nicht schlecht, aber für so ein Großprojekt, welches auch noch relativ spontan geplant wurde, sind wir als Familie mit vier Kindern nicht ideal aufgestellt gewesen. Mir ist bewußt, dass es bei anderen Menschen um die Möglichkeit geht, durch finanzielle Unterstützung überhaupt studieren zu können und ich meine universitären Abschlüsse schon habe. Ich habe also durchaus Verständnis, wenn diese Menschen aus offensichtlichen Gründen vorgezogen werden.

Die Gründe jedoch, die ich zu hören bekam, waren ein wenig absurd. Bei den Stipendien waren etwa die Bewerbungs-Deadlines einfach vorbei. Wer nicht regulär zum Herbst anfängt zu studieren, der hat eben Pech gehabt – ein Studium ausserhalb des gängigen Zeitrahmens ist nicht vorstellbar. Gleiches gilt für ein Studium, das online, oder wie in meinem Fall, teilweise online ausgeführt wird. Das ist einfach nicht vorgesehen, „das gab es früher nicht, also fördern wir das nicht“.

Bei den Kreditgebern fiel ich bei der KFW gleich mal wegen des Alters raus und wenn ich es auch noch als Aufbaustudium hätte angeben können, war ich mit der Hybrid Option wieder raus. Brain Capital sagte auch ab, weil sie nur Präsenzstudien fördern, bei der Deutschen Bildung hiess es, man habe keine Mittel mehr für ein (Teil-) Online Studium. Bei dem Rollenden Stipendium sagte man ab, da man als Höchstsumme nur einen Teilbetrag der Studiengebühr geliehen hätte und damit wäre mein Erfolg ja fraglich gewesen.  Unsere Hausbank sagte nach eingehender Prüfung ab und es klang ein wenig durch, dass sie gerne im Vorfeld involviert worden wären. (Ich habe mich erst nach Zusage an diese gewandt und nachdem kein Stipendium zu finden war). Die Sparkasse Herford bietet zwar einen Studienkredit unabhängig von Wohnort und Bank an, aber sagte mir dann dass sie doch lieber die Studenten aus der Region unterstützen. Die US Studienfinanzierer boten nur horrende Zinsen und der eine die Zusage nur, wenn ich mein VISA hätte. Die einzige halbwegs faire dieser Banken unterstützt wiederum kein Online-Studium. Dazu muss man sagen, dass ich mich zum 15.11.18 beworben hatte und um 07.12.2018 meine Zusage bekam. Ich hatte weder einen gültigen Pass, geschweige denn ein VISA. Es musste alles sehr fix gehen, denn zum Ende Januar war der erste Teil Studiengebühr fällig.

Letztendlich wand ich mich in einem verzweifelten Versuch an meine Bank aus Studentenzeiten, bei der ich immer noch ein Konto unterhalte. Und zwar ungefähr eine Woche vor Ablauf der Frist zum Zahlen der ersten Rate. Das ging dann plötzlich alles sehr schnell und unkompliziert mit einem sehr fairen Zinssatz. Leider ist so ein reguläres Darlehen immer sofort fällig und man hat keine Karenzzeit bis das Studium vorbei ist. Außerdem werde ich im Sommer während meiner Abwesenheit für vier Monate unbezahlt frei gestellt. Das erhöht den finanziellen Druck nach Abschluss minimal besser bezahlt zu werden nur geringfügig.

Was ich aus meinen ganzen Bemühungen, Bewerbungen, Telefonaten, Anschreiben und Absagen mitgenommen habe ist, dass es bei Bildungsfinanzierung definitv Alterdiskriminierung gibt. Außerdem frage ich mich, was mit diesem ganzen „Mütter zurück in den Beruf“, „Wir brauchen qualifizierte Arbeitskräfte“, „Frauen in Führungspositionen“ Slogans gemeint ist. Denn wenn man als Vierfachmutter mit durchschnittlichen Examen, mit einer hochqualifizierten Berufsausbildung, aber Brüchen im Lebenslauf keinen angemessenen Arbeitsplatz findet und sich dann entscheidet, noch eine Qualifizierung drauf zu setzen um, für den kompetitiven Arbeitsmarkt attraktiver zu werden, dann ist man plötzlich doch sehr sehr alleine, denn die Regularien sind irgendwo in einer Zeit stehen geblieben, die den heutigen Gegebenheiten (Digital und Flexibilität) nicht mehr entsprechen. Ohne die Möglichkeit nur einen Teil präsent sein zu müssen, könnte ich mit Job und Kindern eine solche Weiterbildung gar nicht wahr nehmen.

 

 

 

 

 

 

 

Urlaub fast geplatzt – Breizh15 – Teil 2

Auto jagen also. Und nicht nur das. Fast gleichzeitig mit meiner Äußerung quasi sofort weg fahren zu wollen begann der Mann mit der Suche nach einem geeigneten Mietwagen. (Er hatte vor Wochen schonmal vorausschauend einen für August reserviert, aber das war mir angesichts der Kita-Schließzeit zu spät) Es ist ja nicht so, dass wir die durchschnittliche Familie mit zwei Kindern darstellen. Nee wir müssen ja unbedingt vier Kinder, einen Hund und den Anspruch haben, dass wir genug Gepäckplatz bekommen und keins der Kinder halb im Kofferraum sitzt. War mit drei Kindern für kürzere Strecken der Touran und für längere der Sharan noch machbar, so sieht das inzwischen anders aus. Durch das Baby sind wir nun endgültig in der Bus-Klasse gelandet. Normale Siebensitzer reichen wegen mangelndem Platz einfach nicht mehr aus. Muss man für einen Sharan inzwischen schon eine gute Woche vor Bedarf einen solchen reservieren, scheint das kurzfristig Anmieten (besonders zur Urlaubszeit) eines 7-9 Sitzers unmöglich. Wir riefen alle bekannten und weniger bekannten Autovermieter an. Ich wand mich an zwei Reisebüros, der Mann stellte unzählige Anfragen online. Fast immer bekamen wir zu hören, nee so kurzfristig nicht. Im besseren Fall war wenigstens eine Reservierung auf Anfrage möglich. Sonntag nachmittag trudelten dann nach und nach die Absagen auf die auf Anfrage reservierten Autos ein. Die eine Möglichkeit des Reisebüros war unverhältnismäßig teuer, so daß wir diese ausschlossen. Wir fragten weiter an, recherchierten alle Vermieter diesseits des Urals und hofften weiter.

Sonntag Abend wurde mir bewusst, dass das Baby gar keinen Ausweis hat. Also schnappte ich mir Montag Morgen K3 (Kita zu, wir erinnern uns), und K4 und nahm zur Verstärkung K1 ein mit. Erste Station ein biometrisches Babyfoto erstellen. Klappte ganz gut. Ebenfalls Sonntag fiel mir ein, dass der Hund ja einen Impfpass braucht. Erstaunlicherweise fand ich den fix und fand heraus, dass er für Frankreich eine Tollwutimpfung braucht, die nicht länger als so und so zurück liegen darf. Natürlich lag die eingetragene Impfung länger zurück. Es gibt aber die Ausnahme, dass es einen Impfstoff gibt, der als drei Jahre wirksam anerkannt wird. Wir hatten zwar mit diesem Impfstoff impfen lassen, aber aufgrund des jungen Alters des Hundes hatte der Tierarzt eine Impfnotwendigkeit von nach einem Jahr eingetragen. Also mit der Praxis hin- und her telefoniert. Dann kam die erlösende Nachricht, dass man das im Impfpass umtragen kann und so war dieses Problem auch gelöst. Wieso dass jetzt direkt nach den Passfotos steht? Weil der Tierarzt genau nebenan ist, aaaber ich hatte dem Mann den Impfpass mitgegeben, damit er sich darum kümmert. So konnte ich nach den Passfotos nicht mal eben in die Praxis gehen. Wir sind ja sowas von organisiert.

Also fuhr ich mit den drei Töchtern, mutig wie ich bin, ohne Termin zum Einwohnermeldeamt um den Pass für K4 zu besorgen. Passfoto, Ausweise der Eltern und die Einverständniserklärung des Mannes im Gepäck. Neuerdings werden die Wartemarken direkt am Tresen verteilt, aber nur wenn man sein Anliegen erklärt hat. Man fragte also die erforderlichen Unterlagen ab, ob ich sie dabei hätte. Ja, ja, ja, Geburtsurkunde?? Ich erklärte der Dame am Tresen dass davon nichts im Internet auf der Behördenseite stand und dass das Kind ja genau eben in diesem Amt angemeldet worden sei und man die Daten ja wohl im System hätte. Bingo, sie fand K4 und gab mir die Wartemarke. Was für ein Glück, nach gut 30min kamen wir dran. Die freundliche Sachbearbeiterin fragte nachdem ich alle Papiere und das Foto vorgelegt hatte ebenfalls nach der Urkunde. Ich antwortete wie oben. Worauf sie mich fast mitleidig anschaute und sagte, sie könne da aber nichts machen, sie bräuche eine. Ich schaute sie fassungslos an und dann auf die Uhr. Meine Problematik mit übermorgen in den Urlaub hatte ich ihr schon erklärt. Ich sagte ich würde jetzt ins Standesamt flitzen was ja im gleichen Gebäude sei und dann wiederkommen. Dies alles klärte ich btw. während K4 meinte, genau in dem Moment in dem ich dran war Hunger haben zu müssen, stillend. Ich rupfte das Baby von der Brust, schmiss es in den Kinderwagen und rannte mir K3 an der Hand aus dem Gebäude zum anderen Eingang, bellte der Dame am Infotresen nur entgegen wie ich zum Standesamt komme und hörte ein, die sind doch jetzt alle weg, haben sie keinen Termin? Dann wies sie mir den Weg und K3 und ich stürmten weiter. Es war 12.15, das Amt hat nur bis 12 auf. Im Keller angekommen trabten wir einen Flur lang, ich drückte alle Türklinken, alle, aber auch alle Türen zu. Nächster Flur, das gleiche Spiel. Ich war kurz vorm Verzweifeln, dann sah ich das Schild zu dem Flur in dem die Geburtsanmeldungen statt finden. Wagen halbe Strecke stehen gelassen, da auch eine Tür nach der anderen verschlossen, aber ein Paar mit Baby stand da noch und zeigte auf Nachfrage auf die allerletzte Tür in dem Gang, da sei noch jemand. Ich da hin, K3 auch irgendwo stehen gelassen und sah wie die Mitarbeiterin am Einpacken war. Ich hechelte irgendwas von, ich bräuchte jetzt eine Geburtsurkunde und Urlaub und Ausweis. Es war soweit verständlich, dass sie meinte, ich drucke ihnen das mal noch fix aus. Juhu. Also Kinderwagen, K3 und die Urkunde im Schlepptau rannte ich zurück zur Meldebehörde, K1 sass dort brav wartend. Die Sachbearbeiterin dort hatte mir versprochen, dass ich sofort dran käme wenn ich zurück sei. Ich also erfolgreich zurück, aber die Sachbearbeiterin weg. Leicht panisch nochmal lange warten zu müssen fragte ich die Kollegin des Nachbartisches wo diese denn hin sei und hörte nur, dass sie gleich zurück sei. Sie kam dann auch 10 min später zurück, erinnerte sich an mich, nahm mich sofort dran und wir hatten, JUHU, ein gültiges Ausweispapier für K4.

Wir verließen das Amt und ich sah weitere vom Mann an mich weiter geleitete Absagen von Autovermietern. Er hatte zwar am Morgen ein Auto in Berlin aufgetan, aber ich war wenig begeistert, dass er am folgenden Tag noch die Fahrt nach Berlin und zurück absolvieren wollte. Hinzukam, dass der Wagen dort nicht wirklich günstig war. Ich schrieb dem Mann von der erfolgreichen Passbesorgung und ging mit den Töchtern erstmal zu Sbux, stillen, Kaffee, kurze Pause. Der Mann rief an und berichtete von weiteren Absagen. Ich sah unseren Urlaub schon schwinden und rief danach einige große Autovermieter nochmal an. Ich hatte die vage Hoffnung, irgendjemand hätte eventuell einen Wagen unserer Größe kurzfristig abgesagt. Außerdem erweiterte ich den Suchradius nach Norderstedt, Kiel, Bremen, Lüneburg und nochmal Berlin. Absage über Absage, der eine Mitarbeiter der zurückrufen wollte hat bis heute nicht angerufen. Der Mann wurde langsam panisch und wollte das Auto in Berlin fest zusagen, ich war dagegen wollte noch den Rückruf abwarten und nochwas probieren.

Telefonierend brachen wir auf und fuhren in die Innenstadt um weitere Dinge zu besorgen und erledigen. Also voll im Vorbereitungs- und Einkaufsmodus ohne zu wissen ob das mit dem Auto klappt. Wir kauften dies und das ein, hetzten von A nach B und es kamen weitere Autoabsagen vom Mann rein. Er erwähnte dabei, dass er es inzwischen bei der Vermietung von VW und Mercedes probiert habe, da er aber in Meetings war das nicht weiter verfolgen konnte. Ich kaufte derweil ein neues Telefon und stellte auch noch unseren Vertrag um, da wenn schon Stress, dann bitte richtig. Mir war am Wochenende aufgefallen, dass unser Telefon defekt war. Also stand ich um 17 Uhr im Telekom-Laden und telefonierte mit irgendwelchen Charterways Fillialen in Kiel, Bad Oldesloe oder sowas. Die wiederum verwiesen mich an Hannover, da die die größte Filliale hätten, denn sie seien auch ausgebucht. In Hannover war dann die Zuständige im Kundengespräch und man versprach mir den Rückruf. Wir waren zwischendrin endlich aus dem Telekom-Laden raus und wollten in de Bus nach Hause. Lasst es so 17.30 gewesen sein. Der Mann rief erneut an, am Rande der Kurzschlußhandlung und meinte er würde den Berlinern jetzt zusagen. Ich flehte ihn an den Rückruf aus Hannover abzuwarten. Beim Einsteigen in den Bus stellte ich fest, dass mein Handy fast leer war, gut organisiert wie ich bin, hatte ich das nachts nicht aufgeladen … Also nochmal in Hannover angerufen und nachgefragt, Zuständige immer noch am Platz. Handy angeschaut, zack war es bei 1 %. Während der Fahrt Richtung Wohnung schaute ich immer wieder auf mein Telefon ob denn inzwischen die Tante angerufen hätte/anruft, nix. Dann zum Umsteigen ausgestiegen und grad in dem Moment muss sie angerufen haben. Der Versuch mit meinem Handy zurück zu rufen scheiterte, nach dem Wählen ging es sofort aus. Hurra. Also mit dem Telefon von K1 versucht zurück zu rufen, keiner ging ran. Es war nun 17.50 und um 18 Uhr sollte sie Feierabend haben. Endlich erreichte ich sie und erfuhr, dass auch in Hannover bei Charterways nichts mehr zu holen sei. Völlig frustriert fragte ich sie ob sie noch eine Idee habe. Ganz selbstverständlich sagte sie, klar, die und die haben noch so Autos …
Waaaaa? Ich mit Wagen und müder K3 unter Assistenz von K1 inzwischen im Anschlußbus rief dort an und meine aufgeregte Anfrage nach dem Auto wurde nur mit einem „ja klar“ beantwortet. Ich habe noch dreimal nachgefragt und die Modalitäten mit der Vermietung geklärt, es gäbe keine Bestätigungsemail, der Mann solle einfach am nächsten Tag vormittags vorbei kommen. Ja sie hätte meinen Namen notiert, nein das Auto wäre tatsächlich da. Ich konnte es kaum glauben. Telefonierend war ich aus dem Bus gestiegen und rief dann kurz darauf den Mann mit den freudigen Nachrichten an. Der war genau so ungläubig und rief bevor er am nächsten Morgen losfuhr um 7.00 gleich bei der Vermietung an und versicherte sich, dass er nicht umsonst los fahren würde. Ehrlich, die in Hannover dort müssen uns für komplett bekloppt halten. Aber egal, Dienstag mittag stand der Mann mit dem Auto vor der Tür. Montag Abend hatte ich (ich hatte um Verlängerung bis Abends wegen der Zusage gebeten) die Wohnung zugesagt und wir würden tatsächlich Mittwoch losfahren. Aber wir wären nicht wir, wenn es nicht so so einiges zu erledigen gehabt hätte bis wir endgültig Richtung Frankreich gehen sollte. Davon später mehr.

Urlaub spontan – Breizh15 – Teil 1

Und das kam so. Seid gefühlt ewig lag mir der Gatte in den Ohren, dass wir dieses Jahr doch unbedingt in den Urlaub müssen. Vor der Geburt des Babys wollte ich nichts planen, danach auch nicht so richtig. Zu warm, zu weit, zu fliegen müssen, zu selbstversorgend, zu teuer. Nichts sprach mich an. Vorallem nicht das von ihm bevorzugte Mieten eines Ferienhauses in Dänemark.

Wirklich, das hab ich als Kind schon durchgespielt, in Dänemark sind wir immer mal wieder und monströse Siedlungen von Ferienhäusern, bei denen man irgendwo im Nichts im eigenen Saft schmort und außer Strand (Wenn es denn Wetter hat) und Abhängen nicht viel mehr drin ist, nö, keine Lust. Dazu die Erinnerung an mittelmäßig bis schlecht ausgestattete Küchen und die Notwendigkeit selber zu kochen, find ich nur bedingt verlockend. Denn da kommt noch Abwaschen, Aufräumen und was weiß ich dazu und groß anders als im Alltag ist es dann auch nicht mehr.

Dann kam dieser Freitag, der Tag an dem K3 Sommerfest in der Kita hatte und mir schlagartig bewußt wurde, dass der Eintrag im Kalender tatsächlich bedeutet, dass die Kita von nun an zwei Wochen Schließzeit hat und ich nicht nur zwei gammelige Schulkinder, und ein bedürftiges Baby daheim haben werde. Nein dazu sollte noch eine energiegeladene unterbespaßte Dreijährige kommen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe alle diese Kinder, sehr sogar. Aber 2 Wochen am Stück alle vier alleine betüddeln ohne dabei wirklich auf den Mann zählen zu können, das erschien mir ein unbezwingbarer Berg. Also schrieb ich dem Mann eine SMS ala wir müssen weg fahren, das geht so nicht. (Überflüssig zu erwähnen, dass er den Eintrag über die Schließzeit im Kalender gar nicht mitbekommen hatte)

So nahm der alltägliche Wahnsinn seinen Lauf. Ich sperrte mich weiterhin gegen die Dänemark-Lösung. Erinnerte mich aber daran, dass Frankreich vor zwei Jahren sehr schön war. Damals waren wir in der Nähe von St. Tropez, weil der Mann es gerne warm wollte. Ja auch ich hab in den letzten Monaten Bekanntschaft mit Dupin gemacht und hatte seit dem eine gewisse Lust mal wieder in die Bretagne zu fahren. Als Jugendliche war ich einmal in der nördlichen Bretagne und zweimal in der Normandie gewesen.

Ich googelte nach AirBnB (unergiebig, teuer und doof) und Ferienanlagen(viel zu teuer). Mit vier Kindern sind die Mittel ja doch ein wenig beschränkter. Meinen Traum von Unterkunft mit Kinderbespaßung gab ich fix auf. Mir fiel ein, dass ich mit meiner Herkunftsfamilie mehrfach Urlaub in Ferienwohnungen direkt von den Eigentümer verbracht hatte, diese wohnten dann mit dem auf dem Grundstück und so versuchte ich sowas zu finden. Dabei kam ich auf eine Seite die genau da, im Finistère Ferienwohnungen anbietet. Der Widerspruchsgeist an meiner Seite war erstmal dagegen und suchte seinerseits andere Möglichkeiten und ignorierte die von mir ausgesuchten, freien Fewo besagter Seite. Nichtsdestotrotz rief ich dort an und hinterliess eine Nachricht.

Wir rufen uns in Erinnerung, das war alles noch am Freitag. Wir hatten uns geeinigt, dass eine Abfahrt am kommende Mittwoch sinnvoll sei, um möglichst viel der Kita-Schließzeit abzudecken. Also hatten wir ja noch vier Tage 🙂

Samstag Morgen nach dem Aufwachen war von den Anbietern der FeWo noch keine Nachricht da. Ein wenig enttäuscht war ich da schon, und dann kam der Anruf, in dem ich erfuhr, welche Wohnungen genau und zu welchen Zeiten frei wären. Wir fassten ein/zwei ins Auge und es musste noch geklärt werden, ob der Hund mitdarf und ob eine Anmietung mitten in der Woche möglich sei. Nach langen Diskussionen am Samstag Abend waren wir Sonntag entschlossen und sagten der Agentur Bescheid und warteten auf Rückmeldung. Montag dann kam die Nachricht, dass trotz anderer Interessenten wir das Haus unserer Wahl bekommen könnten, auch schon ab Donnerstag und der Hund kein Problem sei.

Das wäre jetzt alles schön und gut gewesen, hätten wir zu dem Zeitpunkt schon einen Mietwagen gehabt. Wir haben kein Auto. Problem, es ist Ferienzeit und größeres Problem, wir sind viele und brauchen ein großes Auto. Das zu dieser Zeit zu bekommen, sollte sich als sehr großes Hindernis für unsere Spontanität herausstellen. Somit konnte ich Montag vormittag die Wohnung noch nicht fest zusagen, da wir noch auf die Zusage einer Autovermietung warteten. Ich erbat mir Zeit bis zum späten Mittag. Wie es weiterging, und wie wir ein Auto jagten, schreibe ich dann im nächsten Beitrag.

Von Seelenorten und Familie

Ich war siebzehn als die Eltern meiner Freundin vorschlugen, daß ich sie in den Herbstferien auf diese Insel begleiten sollte. Ich war noch nie da gewesen, aber einen Urlaub mit meiner Freundin und ihrer Familie am Meer klang verlockend. So kam der Tag an dem ich meine Habseligkeiten in einen der zwei Wagen der Freundinfamilie verlud und wir losfuhren. Was für mich neu und aufregend, war für alle Anderen quasi Routine, denn die Familie verbachte seid Jahren diverse Urlaube dort, dank des großväterlichen Hauses. Der erste überwältigende Moment war, als wir auf der Fähre uns auf dem Oberdeck versammelten. Ich erinnere, daß es schon langsam dunkel wurde und meine Freundin und ich im jugendlichen Übermut Tanzschritte aus der damals besuchten Tanzschule übten. Teenager halt 🙂 Es folgte eine wunderschöne Woche in der ich das Familienleben genoß, wunderbar aß, viel am Strand und auch auf dem Friedhof rumhing. Wir hörten bei Dorfspaziergängen Musik mit einem geteilten Walkman Kopfhörer und hatten eine großartige Zeit. Nach einer guten Woche war die Zeit um, wir packten unsere Sachen wieder ein und fuhren heimwärts. Einen Teil meines Herzens ließ ich jedoch zurück. Ich hatte meinen Seelenort gefunden. Der Ort an dem ich noch einige Male mit meiner Freundin zurück kehren sollte, bei Liebeskummer, einfach so im Sommer, nach dem Abitur und das letzte Mal gemeinsam nach dem Examen. Es war immer unser Ort zum Auftanken, zum Herz wieder flicken, der männerfreie Ort (zumindest den heimatlichen, denn lustige Begebenheiten hatten wir durchaus mit anwesenden), der Rückzugspunkt.

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Natürlich wurden wir älter, hatten feste Partner, heirateten, bekamen Kinder. Mein Freundin nahm ihre Männer und später ihren Ehemann und die Kinder regelmäßig mit dorthin. Ich konnte mich immer noch nicht so ganz damit anfreunden diese Insel zu teilen, mit einem Mann, mit einem Mann der vielleicht nicht in meinem Leben bleiben würde.  Trotzdem nahm ich einges Tages den Gatten, damals noch Freund für einen Tagesausflug mit hinüber. Später auch den besten Freund und den dann doch Gatten ein weiteres Mal. Aber dort Urlauben mit Familie, war irgendwie unvorstellbar. Mein Insel, mein Rückzug, mein Seelenort.

Nun wurden uns sehr kurzfristig die diesjährigen Frühjahrsferien bewußt und wir versuchten auf die Schnelle noch einen Kurzurlaub für uns und den Hund zu finden. Drei Kinder und Hund sind aber entweder finanziell oder überhaupt ein kleines Problem bei der Suche. Auf lustige Wege kam es dann, daß uns eine Wohnung auf meiner Insel für den gewünschten Zeitraum, auch mit Hund, und bezahlbar angeboten wurde. Wir überlegten nicht all zu lang und buchten. Ich wurde aufgeregt, freute mich und sehnte die kurze Auszeit dabei, ich war so lange nicht da und wer Familie hat, muß die Familie auch mitnehmen. 🙂 Wir hatten alle nach einigen sehr anstrengenden Wochen dringend Abstand zum Alltag nötig. Bei der Ankunft standen mit die Tränen in den Augen, unzählige Erinnerungen von Ankunft und Abschied, von abgeholt werden, alleine ankommen, gemeinsamen Abfahrten in verschiedenen Personenkonstellationen, Fragmente aus verschiedenen Lebensphasen rotierten vor meinen Augen. Vorallem Erinnerungen an viele glückliche, entspannte Momente. Und dann kam ich auch schon wieder im hier und jetzt an. Fielen früher alle Sorgen mit Betreten des Oberdecks und dem Anblick des Meeres von mir ab, war ich diesmal panisch damit beschäftigt darauf zu achten, daß keines der Kinder über die Reling fiel. Im Auto auf dem Weg zur Unterkunft wurde sich auf der Rückbank gestritten, wahlweise gequengelt. Das war dann doch ein bischen anders als sonst. Das war der Auftakt zu dem Unterschied zu früher. Lief ich früher mit oder ohne Musik alleine am Spülsaum, saß ich entspannt mit der Freundin im Strandkorb, ging ich abends mit ihr in die Kneipe, blieb diesmal, dank Krankheit des Mannes, das ständige Regulieren der Kinder, das Haushalten in der Wohnung und sehr wenig Luft für Auszeit. Das war erstmal recht enttäuschend, andererseits ist das halt so mit Familie, auch wenn ich es mir anders gewünscht habe. Das soll nicht bedeuten, daß ich bereue meiner Familie gesammelt meinen Lieblingsort gezeigt zu haben, aber mit ihnen ist es eben einfach anders. Ich kümmere mich gerne um die Kinder und mache etwas mit ihnen, aber der Dauerbespaßungsanspruch der Kinder ist im Urlaub etwas anstrengend. Immerhin zum Ende der Tage konnte die großen Streithähne alleine an den Strand gehen, auch wenn das bedeutete, daß sie klatschnass zurück kamen.

Die Insel ist auch weiterhin mein Seelenort und ich werde auch die Familie wieder mitnehmen (so sie denn mag), aber ich werde mir vorher klar machen, daß momentan ein solcher Rückzug und eine solche Auszeit wie vor der Familie mit ihnen dort nicht möglich ist. Familienzeit hat auch etwas schönes, aber wenn ich nochmal ganz zur Ruhe kommen will, dann fahre ich ohne sie.

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Halloween-Kinder

In den letzten Tagen las ich hier und da Kritik daran, daß die Kinder in unserem Land den Brauch aus den USA übernommen haben zu Halloween von Tür zu Tür zu ziehen. Ich sehe das ganz entspannt, klar hier ist Reformationstag, sollte man nicht vergessen, aber nichtsdestotrotz habe ich nichts dagegen wenn meine Brut sich mit Freuden verkleidet, anmalen läßt und ein Reim aufsagend nach Süßigkeiten fragt. Solange sie dabei nicht sinnlos Sachen zerstören oder in gefährliche Situationen geraten, alles kein Ding.

So und nach diesen Worten unsere diesjährigen Bilder.

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Das Söhnchen als Vampir, leider ein bischen glitzerig, weil ich das Gesichtsweiß verwechselt habe 🙂

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Das Tochterkind als Katze, mit Babytochter auf dem Arm, die es sich nehmen lassen wollte mit ins Bild zu schlüpfen.

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Als Neuigkeit gab es dieses Jahr sogar Deko an der Tür. Die Große wollte unbedingt was basteln und draußen anhängen. Ging ich mit ihr zum Kreativmarkt, beriet ein bischen und half später ein wenig beim Basteln. Die grobe Idee und die Umsetzung stammen von ihr.

Das war es schon,  bis zum nächsten Jahr.