Archiv der Kategorie: Uncategorized

Arrived – Berkeley Teil 5

Es ist schon ziemlich bescheuert, wenn man Flugangst hat sich eine Uni auszusuchen die quasi am anderen Ende der Welt liegt. Aber da musste ich nun durch. Es hat einige Nerven gekostet bis zum Abflug, nicht nur mich, sondern sicherlich auch mein Umfeld. Aber ich bin ja schon groß und wer groß träumt muß auch seine Angst überwinden. So kam es dann, dass ich mich aufmachte zum Flughafen, die Familie im Schlepptau. Das wiederum war schön aber auch letztendlich tränenreich. Nich schön wenn sich zwei Kinder weinen ans Bein klammern und ein weiteres verstohlen mit Abstand Tränen aus den Augen wischt. Kids, I am coming back, soon!

Ich bin dann also heulend durch die security und durfte gleich erstmal auf mein Handgepäck warten, weil der Rucksack vor mir angeblich Sprengstoff enthielt. Wie das ausging kann ich nicht so genau sagen, denn ich musste mich letztendlich ziemlich beeilen, da zwischendurch mein Flug schon aufgerufen wurde. Hätte man mir auch früher sagen können, dass mein Gate am anderen Ende des Flughafens liegt. Nun gut, ich kam mit etwas hängender Zunge, aber doch rechtzeitig an. Der Flieger war schon recht klein und meine Flugangst ziemlich präsent. Ich tat dann was ich mal in einem Ratgeber zu Flugangst las, ich quasselte meinen Nachbarn voll. Der bot mir zwischendurch seine Hand an, was ich dankend ablehnte. Kopenhagen war dann doch relativ fix erreicht, auch wenn ich zwischendurch dachte es hört nie auf. Dort stand ich erstmal so auf dem Flugfeld rum, weil das die um mich rum auch taten. Bis der nette Sitznachbar neben mir auftauchte und meinte ich könne einfach rein gehen. Wir trabten dann eine Weile zusammen bis unsere Wege sich trennten. Ein kurzer Stop im Duty-free für mich und dann ging ich auf Anraten des Gatten in die Lounge und hibbelte dort alleine vor mich hin. Nach 30 min konnte ich mich aufmachen zum Gate und sagte mir die ganze Zeit, wer a sagt muss auch b sagen. Glücklicherweise hatte mein Gebot auf ein Upgrade den Zuschlag bekommen und ich fand mich in der Business Klasse wieder. Das ist schon eine Erfahrung für sich. Der zweite Start war viel angenehmer als der erste und ich dachte daran wie man mir sagte, die dicken Flieger liegen viel ruhiger in der Luft. Stimmt. Der Flug war ruhig und unaufgeregt, also ich war schon noch ein wenig nervös, aber im Großen und Ganzen gefasst. Ich trank alles was man mir anbot (non- alcoholic) und aß brav meine Mahlzeiten. Irgendwann schaffte ich es auch mal länger als 3sec aus dem Fenster zu schauen und das war schon recht beeindruckend, über Grönland. Alles in allem war ich aber nicht entspannt genug um zu Lesen, Glotzen oder zu schlafen. Somit zog sich der Flug scheinbar unendlich in die Länge. Trotz der Ansage des Kapitäns, dass wir ca 45 min früher als geplant landen werden. Über den Wolken ist es übrigens unglaublich hell.

Nach gut 10 Stunden (?) setzten wir endlich zur Landung an und angekommen betrat ich das erste mal nach knapp 13 Jahren wieder US-amerikanischen Boden. Die Einreise verlieg relativ unspektakulär, abgesehen davon, dass mein Pass/Visum nicht vom Automaten gelesen werden konnte und ich daraufhin bei einem sehr müden Beamten landete der sich Zeit lies mich zu überprüfen.

Dann endlich zum Gepäckband und bei der Realisierung, dass ich es geschafft hatte, traten mir dann doch die Tränen in die Augen. Es blieb aber keine Zeit heulend rumzustehen, denn ich wusste, ich werde abgeholt. Obwohl ich meine Abholerin noch nie (bewusst) gesehen hatte, erkannte ich sie sofort anhand des Fotos was sie mir geschickt hatte und dem Schild mit meinem Namen, welches sie hochhielt. Ich wurde herzlichst begrüßt und sie teilte mir mit, dass sie sowohl etwas zu Essen und Trinken für mich dabei habe. ❤

Ich wurde dann in ein Auto verfrachtet und man fuhr extra irgendwelche szenic routes, damit ich schonmal einen Eindruck von San Francisco und seiner Skyline bekomme. Irgendwann kam ich dann bei meiner Gastgeberin an und wurde dort genau so herzlich begrüßt. Inzwischen war ich so müde, dass ich mich gar nicht mehr richtig an diesen Abend erinnere, nur, dass ich es schaffte bis 20:00 Uhr wach zu bleiben und irgendwann um 5:00 aufwachte. Da meine Gastgeberin noch schlief ging ich gegen 7:00 auf die Strasse und fand auch einen Coffeeshop. So sass ich gefühlt mitten in der Nacht auf dem Patio vor dem Appartement und hatte Kaffee und ein Croissant. Nachdem meine Gastgeberin irgendwann aufgestanden war, teilte sie mir mit, dass sie den Tag für mich geplant hat und wir zur Uni laufen würden, durch die Nachbarschaft und später einkaufen würden. So war der Tag auch ganz gut gefüllt und nachdem ich abends noch einen Film mit ihr schaute ging ich um 22:00 Uhr ins Bett in der Hoffnung ausschlafen zu können. Nö, klappte nicht, wieder so um 5:00 Uhr wach. Also ging ich so um 7:00 Uhr wieder Kaffee holen und redete vorher mit der Familie. Am späten Vormittag wurde ich von den Abholern zum Brunch eingeladen, das war ziemlich nett, mit lauter interessanten Gesprächen. Anschliessend fuhren sie mit mir noch etwas durch Berkeley um mir das Städtchen zu zeigen. Abends traf ich mich das erste Mal mit meinen Mitstudenten. Da wir uns per WA und den online-Klassen schon recht gut kannten, war es sehr überschwenglich und herzlich als sich alle das erste mal von Mensch zu Mensch trafen.  Und damit war ich dann erstmal halbwegs in Berkeley angekommen.

Der nächste Morgen sollte dann Montag sein, der erste Tag an dem ich offiziell zur Uni gehen würde, aber davon erzähle ich im nächsten Beitrag.

 

Werbeanzeigen

Wie schaffst Du das alles nur – Berkeley Teil 4

Immer wieder werde ich obigen Satz gefragt, gerade auch in Hinblick auf die vier Kinder, den Mann und den Job und seit Wochen wollte ich darüber schreiben. Wie man sieht, habe ich das nicht geschafft, was ja auch schon ein Teil der Antwort darstellt.

Als ich letztens dem Mann sagte, dass ich den Artikel im Kopf habe, erwiderte er, dass hinter jeder klugen Frau ein bescheuerter Ehemann steht. Nunja, lassen wir das einmal dahin gestellt.

Also wie schaffe ich das? Weiß ich ehrlich gesagt auch nicht so genau. Die Uni hat angegeben, dass man für dieses Programm täglich so zwei Stunden einplanen soll, oder aber drei und dann am Wochenende frei habe. Im Januar war offizieller Studienbeginn, aber schon im Dezember kamen die ersten Aufgaben rein, die man vor dem Beginn erledigen sollte. Lesen, sich vorstellen etc.

Es war schon eine ziemlich Umstellung nach der Arbeit und an den Wochenenden sich immer irgenwdie Zeit zu nehmen in einer fremden Sprache Inhalte in einem fremden Rechtsgebiet neu aufzunehmen und zu verstehen. Unser Professor sagte mal, dass wir pro Stunde ca. sechs Seiten schaffen würden, wenn nicht weniger. Das stellt insofern eine Herausforderung dar, da man oft mehr als 12 Seiten am Tag zu lesen hat. Dazu kommt, die online Vorlesung, Office hours und skill sessions. Die dauern zwischen 1-2 Stunden und finden live online statt. Zusätzlich soll man ja nicht nur lesen sondern auch regelmäßig Diskussionsbeiträge liefer, kleinere Sachen schreiben und Quizze beantworten. Es summiert sich also. Wenn der Mann da ist, klappt das ganz gut, auch wenn sie ganze Familie lernen musste, dass meine Anwesenheit nicht bedeutete, dass ich ansprechbar bzw. verfügbar bin. Daran habe ich bis zur Abreise gearbeitet. Wobei ich bei den kleinen Kindern weniger Erwartung an das Verständnis habe, als an die großen.

Kurz gesagt, mit ein wenig Zähne knirschen und der Aufgabe von einem Teil der Erholungszeit war es ganz gut machbar. Die Materie, Einführung in das US Amerikanische Recht, hauptsächlich anhand von Verfassungs- und Grundrechten lag mir und war gut greifbar. Trotzdem wurden einem dann doch die Unterschiede zum deutschen Recht klarer und Sachen die man dort so versteht, muss man da anders verstehen. Am Ende des Kurses war die Examenswoche, in der man möglichst viel des gelernten wiederholte und anschliessend ein sogenanntes „open book“ Examen.

Was wirklich in der Zeit etwas gelitten hat war die Exklusivzeit mit den Kindern und der Haushalt, Sachen die ich nicht mache erledigen die anderen eher nicht.

Schlimmer wurde es dann bei dem zweiten Kurs. Intellectual Property. Ein Rechtsgebiet auf dem die UC Berkeley weltweit federführend ist und dementsprechend im hohen Niveau lehrt. Die neue Professorin ist weniger „kumpelhaft“ als der vorherige Professor und ihr Anspruch an aufgewandte Lehrzeit und Partizipation um einiges höher. Die Materie an sich war sehr umfangreich und oft kam ich mit dem Lernstoff nicht in der angegebenen Zeit hinterher. Das lag eventuell zum Teil auch daran, dass der Mann eine längere Dienstreise hatte, ich mich um das Visum kümmern musste und drei Familiengeburtstage und Ostern in den Zeitraum fielen. Oft dachte ich bei der Arbeit nur, man ich muss hier weg, ich muss lernen. Die Wochenenden bestanden nur noch aus dem Versuch den Lernstoff aufzuholen und einen Teil der Wächeberge und ein bischen des familiären Chaos zu beseitigen. Gerade in den letzten Wochen vor dem Examen dachte ich immer wieder, dass ich gerne einfach mal wieder ein Wochenende hätte an dem ich „loslassen“ und entspannen kann. Das eine oder andere mal jammerte ich den Mann voll, dass ich alles hinwerfen werde. Seine so aufbauende Antwort bestand dann meist aus dem Hinweis, dass ich halt nicht an ner drittklassigen Uni in der Provinz sondern in Berkeley studiere und ich da jetzt durch muss. Und auch wenn er versuchte mir die Wochenenden frei zu halten, klappte das nur bedingt, Familie halt.

Ich habe aber nicht hingeworfen, sondern auch hier brav die Abschlussprüfung geschrieben auf deren Ergebnis ich noch warte.

Summa sumarum kann ich sagen, es ist halt irgendwie machbar und wie ich das schaffe, weiss ich eigentlich auch nicht. Ich denke einfach immer weiter machen und das beste versuchen. Bei allem habe ich immer auch kleine Freiräume eingebaut, sprich habe gegen 21 Uhr Feierabend gemacht um vor dem Bett noch was anderes zu machen und am Wochenende mich auch mal kurzfristig mit anderem beschäftigt. Die Anspannung war aber, gerade in dem zweiten Kurs, durchgehend da, wie auch das Gefühl irgendwie zu versagen. Das nicht nur akademisch, sonderen auch den Kindern gegenüber.

Wie meine wundervolle K3 es mir gegenüber in der Zeit ausdrückte: „Mama, wann hast Du endlich mal wieder Zeit für uns, und für Dich.“

 

Meisterin der Selbstsabotage – Berkeley Teil 2

Nach dem ganzen Gegrübel über das „ob“ folgte das „machen“. Sprich, wer nach Berkeley will muss sich auch bewerben. Bei den ersten Überlegungen zum „ob“ hatte ich mich halbherzig schon beim Justizministerium erkundigt wie ich an die Nachweise zu meinem Staatsexamen in der erforderten Form komme. Dann verließ mich der Mut und ich tat nach der Antwort genau gar nichts. Man muß dazu sagen, dass die UC Berkeley für die Bewerbung zu dem LL.M Programm einen externen Dienst vorgeschaltet hat der die erforderlichen Unterlagen sammelt und dann bei Vollständigkeit weiter leitet. Es sind viele Unterlagen, die Nachweise der Staatsexamen, ein Lebenslauf, die Scheine aus dem Studium, den Sprachnachweis (TOEFL), Empfehlungsschreiben und ein Motivationsschreiben. Mich überwältigte das ganze und ich trödelte ein wenig rum, bis ich mir ein Herz faste und meinem Chef eher beiläufig mitteilte, dass ich einen großen Gefallen in Form eines Empfehlungsschreiben benötige, da ich mich jetzt durchgerungen hatte mich zu bewerben. Man muß dazu erwähnen, dass ich ihm den Traum zwar im Bewerbungsgespräch erzählt hatte, aber danach eher nicht mehr davon geredet habe und ihn quasi mit der Bitte über meine Pläne informierte. Er war zunächst nicht ganz so begeistert, sagte aber zu und wurde im Laufe der Bewerbung mein größter Cheerleader. Ich bekam also das Schreiben und gleich noch eines vom Kollegen dazu, erbat mir eins von einem der letzten Arbeitgeber  und war somit voll ausgestattet. Die Bewerbungsdeadline war am 15. November und ich hatte es mit meinem Zögern und zaudern geschafft, dass es inzwischen Anfang November war. Ich telefonierte mit dem niedersächsischen Justizministerium und wurde hervorragend informiert und begleitet mit der Anforderung der Unterlagen in beglaubigter und übersetzter Form. Meine Uni war da nicht so fix und die Anforderung der noch nicht elektronisch erfassten und archivierten Scheine etc. war etwas schwieriger. Ich musste selber Formulare ausfüllen und übersetzen um diese dann zurück zu schicken. Auf meine Frage ob es denn keine beglaubigten Originale bedürfe bekam ich die Antwort, dass wäre noch nie vorgekommen. Ich liess es entgegen der Angaben auf der Website des Sammeldienstes darauf beruhen und vertraute erstmal. Ich hatte mir halbherzig ein TOEFL Lernbuch gekauft in welches ich ca. 20 min reinschaute, es dann weg legte und genau wie alles andere den Nachweis für das Englische schleifen liess. Ich schaute auf die TOEFL Website, suchte nach freien Terminen und stellte fest, dass diese ca. eine Woche entfernt von der Bewerbungsdeadline lagen. Zwischendurch führte meine allgemeine Verunsicherung und Angst vor mir selber dazu, dass ich mit der UC Berkeley telefonierte um abzuklären, ob es überhaupt eine Wahrscheinlichkeit gebe angenommen zu werden. Dies wurde mir bestätigt und gleichzeitig mitgeteilt, dass wenn mein Motivationsschreiben, der Lebenslauf und die Bewerbungsgebühr rechtzeitig vorlägen, es erst einmal ausreichen würde.Sie seien gewohnt, dass die Unterlagen erst später eintrudeln und ich hätte dafür noch gut zwei Wochen mehr Zeit. Das war dann der endgültige Anstoss den Hintern hoch zu bekommen. Am 12.11. schaute ich noch einmal nach den Terminen für den TOEFL, da war einer am 16.11. frei geworden, den ich dann nicht buchte. Am nächsten Morgen war er noch frei und ich zögerte wiederum. Dann ging ich arbeiten und stellte dort fest der Termin war weg. Also wirbelte ich im Kopf diverse Möglichkeiten durch und schaute dann nochmal nach. Da war der Termin wieder frei und mein Chef bekam das alles mit und drängte mich den Termin jetzt einzubuchen. Dies tat ich dann auch und bekam die Flatter ob ich überhaupt bestehen könnte. Ich übte an den folgenden Abenden bis zum 16.11. mit dem Probetest der mit der Anmeldung kam. Ich schrieb am 15.11. mein Motivationsschreiben und lies es von drei Personen gegenlesen bevor ich es mit klopfendem Herzen hochlud. Den Lebenslauf, die Bewerbungsgebühren und die Empfehlungsschreiben hatte ich vorher schon verschickt. Am nächsten Morgen ging es dann zu dem Test und ich war bannig nervös. Die tastatur dort war mies, das Umfeld seltsam, aber irgendwie schaffte ich es zu allen Aufgaben etwas abzuliefern und war 45min vor Ende fertig. An diesem Tag kam auch die Bestätigungsmail vom Justizministerium, dass meine Unterlagen auf dem Weg seien. Die Uni und das Ministerium mussten direkt an den Dokumentendienst verschicken, da hatte ich keine Mitwirkung. Das wirkt jetzt gar nicht so chaotisch und atemlos, aber ich versichere genau so war es. Man hätte es natürlich auch geordnet und strukturiert angehen können. Aber diese Entscheidung dafür war soweit außerhalb meiner Komfortzone, dass ich mich die ganze Zeit selber durch Unentschlossenheit und Trödelei sabotierte.  Ich erinnere mich nicht mehr so genau wie die nächsten zwei Wochen umgingen, nur, dass ich dauernd Emails von dem Dokumentendienst bekam, dass da Sachen fehlen. Ich versuchte mit denen zu telefonieren bevor die zwei Wochen um waren um nachzufragen wie weit sie mit den Eingängen sind und hatte erst Pech, dass wegen Schneesturms das Büro nicht besetzt war und dann dank Thanksgiving dort mehrer Tage geschlossen war. Als ich endlich jemanden erreichte konnte man mir keine Auskunft geben und ich bekam ein wenig Panik. Die zwei Wochen die mir UC Berkeley als Karenzzeit angekündigt hatte näherten sich dem Ende. Ich erinnere mich, dass ich am 30.11. auf der Firmenweihnachtsfeier sass und mir durch den Kopf ging was ich denn nur machen solle, wenn die mich nicht nehmen, welchen Plan B ich hätte und dass ich im folgenden Bewerbungszeitraum, ein Jahr älter und somit viel zu alt wäre. Immerhin hatte ich an dem Tag mein TOEFL Ergebnis bekommen, es war genug für die Bewerbung. Am 3.12. oder so rief ich wegen der ablaufenden zwei Wochen das Bewerbungsbüro in Berkeley an und schilderte mein Dilemma. Dort sagte man mir ich solle alle meine Zeugnisse etc. so wie ich sie habe direkt schicken solle. Das tat ich und rechnete mit weiteren zwei Wochen Wartezeit. Am 7.12. war da eine Email von UC Berkeley und beim zweiten Lesen stellte ich fest, dass ich angenommen worden war. Es kann sein, dass ich einen etwas lauteren Schrei ausstiess um dann ein wenig rumzuheulen und den Rest des Tages eher im Nebel zu verbringen. Irgendwann um Weihnachten rum bekam ich vom Dokumentendienst mitgeteilt, dass mein Staatsexamen angekommen war und meine Scheine auch, aber die Scheine wären nicht im Original und daher würde man alle meine Unterlagen nicht an die UC Berkeley weiterreichen. Ich rief also mal wieder in Kalifornien an und sprach mit dem Bewerbungsbüro und bekam gesagt man würde das nach den Feiertagen klären. Immerhin war ich erstmal zugelassen und soweit ich meine Studiengebühr zahlte wäre dann alles gut. Es könnte passieren, dass ich Anfang Februar erstmal vom Unterricht ausgeschlossen werden würde, wenn es bis dahin keinen ordentlich Nachweis meiner Abschlüsse gebe. Mitte Dezember war die erste Veranstaltung und am 3. Januar offizieller Programmbeginn. Jedoch gab es schon ab Mitte Dezember Aufgaben die vorher zu erledigen waren. So fing ich an zu studieren ohne zu wissen ob ich wegen des Dokumentendienstes wegen fehlender Unterlagen noch suspendiert werden würde. Mitte Ende Januar kam dann endlich eine Email aus Berkeley die mir mitteilte, dass man dem Dienst nun angewiesen hätte meine Unterlagen so wie sie sind zu übersenden, der formelle Teil war damit überwunden und somit bin ich offiziell und unwiederbringlich Studentin der UC Berkeley, School of Law. Im nächsten Teil erzähle ich dann von finanziellen Hürden auf dem Weg dort hin.

Auf über den Teich – Berkeley Teil 1

Ich habe gerade mit Schrecken festgestellt, dass ich vor fast zehn Jahren den Text über meinen Weg und die Richtungsfindung gebloggt habe. Inzwischen ist viel passiert, ich hab zwei Kinder mehr die an mir zerren und mich brauchen. Die größeren sind zwar inzwischen so groß, daß sie nicht mehr ununterbrochen an der Hand gehen müssen, aber die mütterliche Navigationsleistung ist trotzdem noch gefragt. Nach langem Ringen habe ich, wie man dem ein oder anderen Blogeintrag entnehmen konnte einen Arbeitsplatz gefunden. Zwar entspricht der nicht meiner Qualifikation, ist aber der Kompromiss den ich eingegangen bin um überhaupt in der Arbeitswelt anzukommen. Das mache ich jetzt schon bald zwei Jahre und es ist soweit so gut. Trotzdem hatte ich immer mehr vor. Schon bei meinem ersten Gespräch mit dem Chef sagte ich am Ende, beim unoffiziellen Teil, dass mein Traum war und ist meinen LL.M in Berkeley zu machen. Dafür gibt es diverse Gründe, aber vorallem erhoffe ich mir davon bessere Chancen nach meinen verschlungenen großteils fremdbestimmten Wegen meiner Qualifiaktion gemäß arbeiten zu können. Zu dem Zeitpunkt hatte Berkeley gerade den professional track eingeführt. Ein Programm bei dem man den LL.M erwerben kann in dem man zwei Sommer à 13 Wochen vor Ort die erforderlichen Kurse und Prüfungen absolviert. Schon wesentlich besser machbar, als ein komplettes akademisches Jahr dort zu verbringen, aber angesichts von Familie und Arbeitsvertrag schwer durchsetzbar.

Vor einiger Zeit stellte ich dann fest, dass es ein neues Programm zum Erwerb des LL.M in Berkeley gibt. Die hybrid option. Zwei Trimester online, ein Trimester vor Ort. Das klang viel machbarer, spannend. Nur drei Monate weg, der Rest während man in Lohn und Brot steht in der Freizeit. Und plötzlich schien es eine Option zu geben, eine Möglichkeit den seit Studientagen erträumten Zusatzabschluss zu erwerben.

Ich dachte dann aber nicht weiter darüber nach und machte so weiter wie bisher. Bis mich Unzufriedenheit auf verschiedenen Ebenen die Möglichkeit wieder ins Auge fassen liess. Das war im Oktober. Die Kosten, der Flug, die lange Trennung von den Kindern liessen mich erstmal wieder zurück schrecken, und doch ich schaute immer wieder auf die Vorraussetzungen und plante wie ich das schaffen könnte. Dann kamen die Selbstzweifel, mit mittelmäßigen Examen nicht gut genug zu sein, die Sorge was es mit mir machen würde wenn sie mich nicht nehmen. Trotzdem schickte ich am Stichtag die Bewerbung ab und wie chaotisch das alles ablief schreibe ich im nächsten Teil.

Redet mehr mit den Menschen

Es ist schon auffallend wieviele der Nutzer des ÖPNV sich hinter Kopfhörern, Smartphone oder Buch verschanzen. Manche schotten sich auch einfach durch abwesenden Blick bzw. geschlossene Augen ab. Ich gebe zu, auch ich fahre oft nach der Arbeit einen Umweg von ca. 25 min um noch ein bischen Zeit für mich zu haben und dabei einen Kaffee zu trinken bevor ich die Kinder einsammele. Ich brauche diese Auszeit um nicht von einem Job in den nächsten zu stolpern. Trotzdem beobachte ich dabei gerne die Menschen um mich rum. Komme des öfteren mal mit dem einen oder anderen ins Gespräch.

So auch vorgestern als ich auf den Bus wartete. Ich sass und eine ältere Dame fragte mich ob dort auf der Bank noch Platz für sie sei. Sie setze sich zu mir und fing an zu erzählen. (Nein sie redete nicht erratisch los, aber der Aufhänger für die Kontaktaufnahme ist mir entfallen.)

Jedenfalls erfuhr ich, dass sie schon 84 Jahre alt ist, einen Sohn hat der über 60 Jahre alt ist. Dass sie schon viermal auf Hawaii war, aber das letzte mal war es blöd. Dass sie mit 55 Jahren aus dem Postdienst in den Ruhestand gegangen ist und dann einfach mal nach Melbourne flog, da kannte sie jemanden (ich habe es so verstanden, dass es sich um einen Mann handelte) und dort war sie dann auch bis vor einigen Jahren. Seit sie wieder hier ist hat sie Rheuma und überhaupt war dies ein ungutes Jahr, diverse gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Außerdem habe sie gestern bei einer Nachbarin in einem Sessel gesessen den sie nun auch haben will, und sie deutete beim Erzählen auf die Strasse hinter dem Saturn. Mir fiel sofort ein, dass es dort die Stressless Sessel gibt und genau so einen wollte sie. Aber den kauft sie erst, wenn sie im Januar ihren Termin mit ihrem Professor hinter sich gebracht hat. Als ich fragte ob sie studiere antwortete sie, nur mit dem Namen des Professors, als müsste ich den kennen. Es stellte sich dann raus, dass er ein bekannter Krebsarzt ist, weiter habe ich dann nicht nachgefragt.

Den Tag vor unserem Treffen war die Dame übrigens in Grönland, aber nur via Dia-Show bei einer Freundin, da wolle sie aber nicht persönlich hin, denn dort sei es ihr zu kalt und dunkel, aber beeindruckend waren die Bilder schon. Ansonsten sei sie aber sehr viel gereist in ihrem Leben.

Als ich nochmal nach dem Sohn fragte, erzählte sie, dass er zur See gefahren sei und nun in Spanien hängen geblieben ist und sie sich deswegen kaum sehen. Wir sassen inzwischen im Bus nebeneinander und sie erzählte und erzählte. Unter anderem auch, dass dort wo am Gänsemarkt der Rossmann ist, früher ein Tanzlokal war (leuchtende Augen) und es unmöglich ist, dass das Haus jetzt abgerissen werden. Und vorher tuschelte sie mir zu, dass für sie Hamburg die schönste Stadt der Welt sei, aber nachdem sie so viel von der Welt gesehen hatte müsse das eigentlich revidieren, gerade weil sich baulich so viel ändert.

Übrigens möchte sie mindestens so alt werden wie ihr Vater der kurz vor seinem 89ten Geburtstag verstarb. Und dann kam schon ihre Haltestelle und sie sagte noch sie ist glücklich und das Leben ist schön. Wünschte mir alles Gute und stieg aus.

Für solche Geschichten und den optimistischen Blick aufs Leben lohnt es sich immer wieder zuzuhören.

Das macht Dein Mann toll …

Heute auf dem Weg zur Arbeit traf ich eine Kita-Mutter. Wir plauderten und sie teilte mir mit, dass sie meinen Mann und den Vater meiner Kinder auch schon getroffen hatte. Gefolgt von der Anmerkung, dass er das ja wacker jeden Tag mache und dass das toll sei. Ich wand ein, dass er das macht soweit er da ist, da er freiere Arbeitszeiten hat und fühlte mich unwohl.

Später im Bus wurde ich fast wütend, nicht auf die Mutter sondern auf die Umstände, dass mein Mann dafür gelobt wird, das er Anerkennung dafür bekommt, dass er seine Kinder morgens zur Kita/Schule bringt. Mich lobt niemand dafür, dass ich meine Kinder (fast) jeden Tag abhole, dass ich einkaufen gehe, dass ich Geschenke besorgen, Termine mache und wahrnehme und aktuell zB die Adventskalender ( SECHSUNDNEUNZIG TÜTEN) und die Nikolausstiefel gefüllt habe. Nein ich brauche dafür eigentlich kein Lob, denn für mich gehört das neben der Arbeit zur Familie dazu. Ab und zu mal eine Anerkennung, das (neumodisches Wort) carework anstrengend ist und meist nebenbei erledigt wird wäre nett, aber nunja. Was mich vielmehr aufregt ist, dass sobald ein Mann und Vater sichtbar einen kleinen Teil der Fürsorgearbeit neben seinem ach so fordenden Vollzeitjob übernimmt, dies einer Erwähnung wert ist und man das sogar bewundert.

Es ist ja nicht so, dass eine Person alleine entscheidet Kinder zu bekommen, vier Kinder schon gar nicht. Insofern sollte es selbstverständlich sein, dass jedes Elternteil den ihm (zeitlich) möglichen Teil macht ohne, dass man darüber vor Freude Purzelbäume schlägt vor Bewunderung. Aber wie man sieht ist es was denn männlichen Teil einer Familie betrifft wohl doch nicht selbstverständlich, weder in der Erwartungshaltung der Gesellschaft noch in der Ausführung.

Bye bye Wunder von Bern

img_2399

Ich hab über das Musical „Das Wunder von Bern“ schon an anderer Stelle geschrieben. Über den Inhalt und über meine Verwunderung, wie wenig es angenommen wurde.

Ich schrieb auch darüber, dass das Tochterkind dort mitspielte und wie gut sie das in meinen Augen gemacht hat. Letzte Woche hatte sie nun ihre letzte Aufführung (Derniere) und am gestrigen Abend schauten wir uns gemeinsam die allerletzte Show an. Damit ist das Stück nun eingestellt.

Obwohl das Kind nicht auf der Bühne stand, liefen bei mir doch wieder Tränen, nicht nur weil der Inhalt einfach bewegend ist, sondern diesmal auch weil es eine sehr schöne Abschiedsvorstellung war. Das Publikum war begeistert, wie ich es selten erlebt hatte, machte mit, jubelte, gab Zwischenapplaus und war einfach voll dabei. Es fing schon damit an, dass vor Showbeginn der Theaterleiter eine rührende Abschiedsrede hielt, in der auch all den Bühnenkindern (diese sassen alle im Publikum) gedankt wurde und diese alle unter heftigem Applaus des Publikums einmal aufstehen mussten. Während der zweiten großen Kinderszene gab es vor allem von diesen ehemaligen Bühnenkindern und dem Rest des Saales lautstarken Zuspruch und Jubel, was wirklich berührend war. Und dann natürlich der Abschied auf der Bühne. Schon kurz vor dem großen Finale holte das Publikum Knicklichter raus und begleitete das letzte Lied mit blauem Licht. Zum Abschiedsapplaus stand der komplette Saal, der Applaus nahm kein Ende und auf der Bühne sah man Tränchen fliessen. Bewegend.

Ich kann sowieso nicht gut mit Abschieden, aber dieser war für mich nochmal besonders. Über zwei Jahre haben wir die Tochter begleitet, wie sie von Hobbysängerin und Rampensau unter Anleitung der Trainer einen riesigen Sprung machte, wie sie sich persönlich weiter entwickelte, älter wurde und routiniert ihre Shows spielte. Es gehörte zu unserem Alltag dazu, dass sie zu den Proben ging und erst oft, später nicht mehr so oft, zu den Auftritten fuhr und abgeholt werden musste. Es war ein fester Bestandteil der familiären Planung. (Es war so präsent, dass K3 bei jeder Werbefläche brüllte „Wunnavon Bääan) Ich sah, wie das Kind vor Stolz platze, vor Erschöpfung nölte, mal lustlos, mal voll motiviert aber doch immer mit Herzen bei der Sache war. Und das hinterläßt nun ein Loch. Wir werden sehen, wie sie es füllen wird und was die Zukunft für sie bringt.

Mir bleibt die wehmütige Erinnerung an eine wunderschöne Show und eine intensive Zeit, nicht nur für sie.