Trip down Memory Lane – Teil 3- Rheinland und so

So ging es dann weiter. Aus Göttingen raus machten wir einen Abstecher nach Witzenhausen zu meiner Tante. Die Höhepunkte hatte ich eigentlich schon im seperaten Post zur Pflanze aufgeschrieben. Übrigens bekamen wir nicht nur den Ableger sondern auch ein weiteres Glas selber gemachte Marmelade mit auf den Weg.

Auf den Weg, dieser führte weiter nach Hagen, genauer Hohenlimburg um eine Freundin zu besuchen, die ich während des Studiums im Wohnheim kennengelernt hatte. Sie wohnt dort mit Mann und Söhnen in einer Haushälfte und obwohl unsere gemeinsame Zeit nur ein gutes Jahr betrug und sie wesentlich früher Familie hatte als ich, wurden wir uns nie fremd und sind immer noch ziemlich gute Freunde, ja Patin des Sohnes ist sie. Haben wir doch einige harte und gute Zeiten zusammen gemeistert manchmal aus der Distanz aber doch nie allein.

Das Abendbrot, gleich nach der Ankunft, mit fünf Kindern und vier Erwachsenen war erwartungsgemäß turbulent. Nachdem alle Ableger in irgendwelche Betten verstaut waren, begann der angenehmste Teil des Abends. Saßen erst alle Großen noch gemeinsam zum Plaudern am Tisch, wanderten M. und ich später auf die Gartenbank um ein wenig fröstelnd die neuesten Herzensangelegenheiten auszutauschen. Schön und leider zu selten solche Momente.

Nachdem wir auch irgendwann ins Bett gefunden hatten begann der Morgen recht früh, da wir bald weiter reisen wollten. Das Rheinland stand auf dem Programm. Wer mir ein wenig folgt, weiß, daß unser Umzug ins Rheinland und der dortige Aufenthalt für mich eher traumatisch waren und ich immer noch Bauchkrämpfe bekomme wenn ich an die Zeit denke.

Erste Station sollte Köln sein. Ich bin heilfroh, daß sich das große Kind nicht erinnerte das dort das Schokoladenmuseum steht welches sie so sehr mag, denn dafür wäre keine Zeit gewesen. Beim Anblick der Shilouette des Kölner Doms traten mir Tränen in die Augen weil plötzlich das Gefühl der Rheinlandzeit so präsent war. Erdrückt, Allein, ein Alien und aus dem gewesenen Leben gerissen. Es legte sich recht schnell, dafür war auch keine Zeit, denn wir hatten eine Verabredung. Herausragend an dieser waren die irische Ehefrau des Businesskontaktes vom Gatten, die sich unglaublich rührend und mit viel Elan um die Gören bemühte. Weiterhin ganz groß war unser gemeinsames Mittagessen.

Normale Menschen gehen in ein Restaurant und suchen sich einen Platz, studieren die Karte und bestellen. Hier wurden wir vom Einladenden erstmal zum Koch in die Küche gezerrt, der mit uns debattierte was er an dem Tag anzubieten habe, dann einsah daß er Leute von der „Küste“ nicht mit Fisch und Muscheln beeindrucken kann und dann beschloß, „Er, mache uns mal was schönes“. Mitspracherecht fast ausgeschlossen.

Als erste bekamen die Kinder hervorragende hausgemachte Pommes mit Tafelspitz(?),  aber sie waren so damit beschäftigt auf der Couch rumzuturnen und Zuckerstreuer zu zerwerfen so daß sie kaum aßen. Unser Essen war dann auch so Fleisch mit Rösti und noch was, extrem lecker gekrönt von einem kalorienstrotzden Nachtisch. Zum Abschied noch ein netter Plausch mit dem Koch an unserem Tisch. Danach zogen sich die Männer zurück ins Büro (Geschäfte, ihr müßt verstehen …) und wir anderen gingen zum Spielplatz. nachdem die Kinder bespielt, die Blasen geleert, die Männer ausgesprochen und das Auto endlich im Parkhaus wiedergefunden war, ging die Reise weiter nach Düsseldorf.

Düsseldorf, ach Düsseldorf. In der Rheinlandzeit war Düsseldorf immer der Versuch ein bischen aus dem Rheinländischen auszubrechen und sich an Hamburg zu erinnern. Ich besuchte dort ganz gerne einen Friseur und ab und an konnte man dort mal was passables erwerben. Aber eigentlich mag ich die Stadt nicht besonders, so aufgesetzt schicki und eben nicht norddeutsch. Für Düsseldorf hatte ich mir freie Zeit erbeten, zwei bis drei Stunden bitte. Wollte mal was alleine machen.

Oh Wunder es klappte, ich hatte meine Zeit alleine, traf einen alten Freund, saß am Rhein, ärgerte mich über Wespen, trank Wasser und plauderte. Fand den Weg zurück zur Familie per ÖPNV und wurde in Benrath von meinem besten Freund eingesammelt.

Der Beste hatte vor kurzem die Frechheit besessen unsere Stadt zu verlassen um mit seiner Freundin zusammen zu wohnen. Diese macht im Rheinland eine Weiterbildung (Studium?)und er hat darum die Chance genutzt temporär am BMJ zu arbeiten. Nun waren wir bei ihnen zu Gast und konnten die Wohnung samt Gärtchen/Terasse bewundern. So gut ihn zu sehen, aber leider zu kurz. Mir fehlen unsere wöchentlichen Mittagessen.

Der nächste Morgen war dann auch der letzte Reisetag. Zunächst mußte ich mir dringend zwei Läden anschauen, die der Gatte immer besucht wenn er auf Dienstreise ist und dann ging der Trip down Memorylane in das dunkelstes Kapitel unserer jüngsten Vergangenheit, nach Bonn.

Ich hatte erwartet, daß mir dieser Abschnitt der Reise ziemlich auf den Magen schlagen würde. Aber eigentlich hielt es sich in Grenzen. Wir schauten das Haus an in dem wir gewohnt hatten und fuhren dann weiter zu dem Krankehaus in dem Henri geboren wurde. Er wollte unbedingt sehen wo er hergekommen ist und darum wanderte ich mit ihm durchs Krankenhaus. Leider war im Kreissaalbereich grad ein wenig Alarm, darum konnte ich ihm nicht zeigen in welchem Raum er geboren wurde. Aber wir gingen zur Station auf der wir gelegen haben und ich zeigte ihm dort alles. Er saugte die Erzählungen auf wie ein Schwamm.

Als das erledigt war fuhren wir zu Haribo um noch einmal den Werksverkauf nutzen zu können und mit halbwegs kontrollierter Einkaufsmenge verließen wir den Ort der Versuchung. Dann noch in die Innenstadt, Pizza vom Pizzahut, einmal die Straßen rauf und runter und letztendlich in den ersten Starbucks den ich regelmäßig besuchte. Damals in Bonn war Starbucks für mich ein kleines Ringen nach Großstadt, ein Anker und oft meine Belohnung für den täglichen Kampf mit den Kindern und dem Leben dort. Berührend war, daß tatsächlich ein Barista am Tresen stand der mich erkannte, ohne daß ich was sagte (!) und sofort nach der Tochter (der Kleinen :)) fragte. Obwohl hinter mir die Schlange wuchs und wuchs nahm er sich die Zeit mich ein bischen auszufragen und zu plaudern. Hach. ich weiß warum das Team von diesem Starbucks immer noch mein Lieblingsteam ist.

Schön war, daß ich merkte, daß ich doch eine Distanz zu der Zeit dort aufgebaut hatte und es nicht mehr so schmerzt und die Narben langsam verheilen. Es war nicht alles schlecht in Bonn, es gab nette Momente und Menschen, aber es war absolut nicht mein Leben.

Raus aus Bonn noch ein letztes Mal zurück nach Düsseldorf um eine andere Freundin zu besuchen, die dort wohnt und aktuell zum zweiten mal brütet. Auch diese Freundin kenne ich aus dem Studium/Wohnheim. Da wir aber diese Freundin samt Familie erst die Woche zuvor zu Besuch hatten und wir noch heimwärts wollten war der Aufenthalt dort nicht so lange, dafür aber nicht weniger schön. Bald mal wieder ja?

Dann war es an der Zeit in die Gegenwart zurück zu kommen. Die Rückfahrt verlief unspektakulär. Kaum Stau, ein Aufenthalt zur Nahrungsaufnahme und Sterne/Sternschnuppen gucken mit der Tochter durchs Panoramadach. Das übliche Kindergequengel während Autofahrten, Pipipausen und dem Nachhängen von Gedanken.

Jetzt bin ich wieder da, einige Einkäufe, einige Geschenke, Schmutzwäsche und ziemlich viele Eindrücke im Gepäck. Die Berührung der Vergangenheit war in vielen Punkten intensiv, manchmal tat es weh, manches war einfach nur Futter für die Seele, manches Abschied und unter dem Strich den ganzen Aufwand wert.

Nun heißt es  das Puzzle aus damals und jetzt wieder in ein stimmiges Bild zu bringen und weiterzugehen.

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3 Antworten zu “Trip down Memory Lane – Teil 3- Rheinland und so

  1. bei aller detailtiefe sollte man dann auch bei den fakten bleiben. wir waren erst bei haribo und dann erst beim krankenhaus 🙂

  2. Das steht mir auch noch bevor de Ort, wo ich sechs viel zu lange Jahre gelebt habe, mich aber nie zu Hause und immer fremd gefühlt habe, besuchen.
    Ich denke, jetzt, wo ich endlich angekommen bin, wird es sich anders anfühlen wie damals, als ich mich irgendwie dort gefangen gefühlt habe.

  3. hey, in düsseldof wart ihr 🙂
    ich bin in hh, vom 19.9. bis 20.9. zum junggesellinnenaustand einer freundin (die nehmen wir mit aus düsseldorf nach hh zum feiern)
    lg eva

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